Yoga . Fitnes im Grünen – was bisher geschah

CoV-bedingte geschlossene Yoga- und Fitness-Studios und ein strahlender Frühling haben mich mit meiner Yogamatte ins Freie getrieben – und dieses Feeling wollte ich gerne mit anderen Yoga-Begeisterten teilen – daher entstand mein Angebot YOGA . FITNESS im Grünen – und dank Bodo´s Einsatz kann ich die Organisation über eine kleine, feine Website administrieren.

Die Wochen-Vorschau der Wetter-App entscheidet grundlegend, wann ich meine Einheiten anbiete – allein: im Juni gab es dann doch leider einige spontane wetterbedingte Absagen ☹!

Wien zeichnet sich wahrlich aus – zahlreiche Grünanlagen in unmittelbarer bis fuß- und/oder radläufig zu erreichender Nähe – doch auch da gibt es einige Tücken:

Bei städtischen Parkanlagen müssen gewerbsmäßig betriebene Sport-/Fitnesseinheiten angemeldet und bezahlt werden – trifft bei meinem Angebot grundsätzlich nicht zu, da ich nur auf Spendenbasis Yoga/Fitness-Einheiten anbiete.

Wenn nebenan gerade eine denkmalgeschützte Fassade mit viel Karacho sandgestrahlt / gekärchert wird, sodass ich schreien muss, um mich verständlich zu machen, ist der Entspannungsfaktor so ziemlich ganz am untersten Level.

Wenn beim Ausrollen der Matte auf der Wiese Millionen von kleinen Mücken aufsteigen, die ihr Revier dann mutig verteidigen, kann es durchaus sein, dass die Schleimhäute in Mund und Nase mit Insektenfleisch in Berührung kommen.

Bedenken sollte man, dass sich das Rauschen der starkbefahrenen Begleitstraßen stadtein- /-auswärts in der Senke des Donaukanals zwischen 1. und 20. Bezirk zu einer lärmgewaltigen Kaskade aufbäumt.

Bei starkem Wind mutiert der Yogi zum Fliegenden Holländer.

Und ich habe bislang nicht gewusst, dass die Polizei auch über die Prater Hauptallee, die eigentlich den Läufer*innen und Radfahrer*innen vorbehalten ist, mit dem seit dem Corona-Lockdown so immens lauten Sirenengeheule düst – und das genau dann, wenn ich zur Endentspannung aufrufe!

 

Und trotzdem: es ist ein extrem wohltuender Start in den Tag bzw. Arbeitstagausklang – einfach im Freien bekannt-routinierte Sonnengrüße und andere spontan-improvisierte Asanas zu üben!

Jetzt haben die Fitness-Studios wieder offen – und ich bin gut ausgelastet – aber das urbane Naturerlebnis mag ich trotzdem nicht missen!

Was ich mir natürlich wünschen würde, wäre ein Mehr an Teilnehmer*innen – derzeit sind es vorwiegend eher nur Einzeleinheiten -, aber ich kann verstehen, dass die meisten von uns ihr soziales Leben nach dem Lockdown und gerade jetzt im Sommer wieder aufleben lassen wollen – die übervollen Schanigärten sind der beste Beweis dafür!

 

Meinen YOGA . FITNESS im Grünen-Cocktail werde ich jedenfalls weiter mixen – vielleicht kommst DU mal vorbei, um zu kosten?!

Pizza am laufenden Band

Jeder, der Pizza mag, hat irgendwo in seiner Umgebung seinen „Lieblingsitaliener“ mit Wurzeln, die oftmals auch bis nach Eurasien und Indien reichen können.

Es gibt die runden Fladen mit dünnem Teig oder mit einem dick-flaumigen Teig, mit wenig Rand oder mit einem breiten trockenen und verbrannten Rand und neuerdings auch mit einem Käse-gefüllten Rand. Es gibt sie mit der traditionellen roten tomatigen Pizzasalsa oder mit einer hellen buttermilchigen Sauce. Damit´s eine Spur pikanter wird, neigen viele Pizzabäcker zum Knoblauch-Öl, nur zögerlich setzt sich feuriges Chili-Öl durch. Der Belag kann üppig sein oder bescheiden. Bei der Pizza-to-go ist sie meistens schon vorgeschnitten, damit man ohne Essbesteck auskommt – nicht aber ohne Serviette! Bei der am Tisch servierten Pizza ist das Zerschneiden sehr stark von der Form und Schärfe des Messers abhängig. Meistens wird gesäbelt auf Teufel-komm-raus – und übrig bleibt ein zerkratzter Teller. Der Durchmesser einer Pizza reicht vom Ausmaß einer mittelgroßen Herdplatte bis zur Größe eines Wagenrads – daher bleibt man entweder hungrig (und bestellt sich noch ein Tiramisu) oder man schafft nur die Hälfte, lässt den Rest entweder stehen ☹ oder lässt ihn sich einpacken.

Ich habe in meiner Pizza-Karriere schon zahlreiche Quattro Formaggi, Vegetariana oder einfach nur Margaritha bestellt. Wer meine letzten Reisetagebücher gelesen hat, weiß, dass Bodo und ich auf unseren Wanderungen – egal, ob in Frankreich oder Italien oder wie zuletzt in der Schweiz, abends sehr oft in einer Pizzeria gelandet sind.

2020 gibt es ja leider aus „speziellen Gründen“ keine Langzeitwanderung – wir waren nur ein paar Tage in Kärnten in einem kleinen engen Tal am Flüsschen Gurk. Aber Hallo: dort können sie Pizza backen! Bodo hat in einer „Speziale“ mit “von allem etwas” inklusive Spiegelei geschwelgt, meine war etwas „bescheidener“, aber nicht weniger köstlich!

Wenige Tage später gab es eine selbstgemachte – der Germ/Hefe-Teig original von Bodo´s Mutter, der Belag von mir – auf Wunsch mit Thunfisch, Zwiebel – und etwas Gorgonzala – sehr lecker!

Dann wieder in Wien – in unserem Grätzl gibt es einige Pizzerien mit überschaubarem Flair und einen reinen Pizza-Lieferservice, der sich vor kurzem in einen Schnitzelwirt verwandelt hat – schon morgens, wenn ich die Straße rauflaufe, sticht mir der Fettgeruch aus der Fritteuse in die Nase …

Man möchte meinen, der Markt bzw. Pizza-Magen ist gesättigt – doch weit gefehlt: einer geht noch! Ein Flyer flatterte ins Haus und hat uns neugierig gemacht, zumal wir nach unserem „Urlaub“ noch keine Zeit zum Kühlschrank-Auffüllen hatten und hungrig waren.

Der Name der Franchise-Kette – angelehnt an ein (chinesisches?) Lege- bzw. Geschicklichkeitsspiel aus rechteckigen Spielsteinen mit unterschiedlich vielen Augen. Die Art des Restaurants typisch amerikanisch Fast Food. ☹

Zu spät! Wir haben gesagt, dass wir´s testen wollen!

Die Bestellung erfolgt vollkommen anonym am Riesen-Tablet – man stellt sich durch Anklicken seine individuelle Pizza zusammen – erfährt aber erst ganz am Ende, wie sich das Aneinanderreihen und Aufschichten von Durchmesser, Teigart und Zutaten auf den Preis auswirkt – und dann ist es eigentlich schon zu spät. Denn wer storniert gerne seine Bestellung, wenn er mindestens fünf Minuten benötigt hat, sie zusammenzustellen? (und vielleicht hinter ihm andere Personen schon ungeduldig warten?) So teuer waren bislang nur die Pizzen in der Schweiz!

Nach der erfolgreichen Bestellung folgt das Warten. Dabei kann man die unterschiedlichen Stadien seiner Bestellung – anhand einer fortlaufenden Nummer und eines Vor- oder Fantasienamens definiert – auf einem Monitor mitverfolgen: in Vorbereitung – im Ofen – Qualitätskontrolle – Fertig zum Abholen.

Wir können nicht erkennen, was hier überhaupt noch von Menschenhand gemacht wird (außer der Ausgabe der Pizzskartons – die Bezahlung erfolgt bereits am Terminal), nehmen aber an, dass die jeweiligen Teige schon fix & fertig auf einem Backteller ausgerollt sind; das Belegen wird wohl hoffentlich von einem der drei mäßig motivierten jungen Männer manuell erledigt. Doch was schmerzt das Herz, als unsere Pizzen auf ein Laufband gelegt werden und in einem Stark-Erhitzer-Backautomaten verschwinden – nix mit Holzofen! Der einzige Vorteil: die Pizza ist rundum gleichmäßig gebacken – kein schwarz verkohlter Rand.

Wir sind mehr als skeptisch – und egal, wie die Pizzen dann gleich tatsächlich schmecken werden: das hier bleibt bei einem Single-Erlebnis – zu unpersönlich, zu maschinell, zu kalt und unfröhlich – vielleicht sind wir aber auch einfach zu alt oder snobistisch für diese Art von Gastronomie!?

“Ganz kleine” Vorurteile begleiten uns auf unserem eiligen Heimweg – die heißen Pizzaschachteln sind sehr aufwändig bedruckt und laden ein, über Facebook einen Kommentar / eine Bewertung abzugeben – ganz sicher nicht mit uns!

Schlussendlich sind wir dann doch überrascht, dass die Pizzen besser schmecken als wir angenommen haben – daher gibt es einen Pluspunkt!

Wir bleiben weiter auf der Suche nach einem Lieblingspizzabäcker  – und bis dorthin genießen wir sommerliche Salate, Eis und Prosecco!

Urlaub 2020

CoV hat wohl bei jedem die Urlaubspläne für 2020 durch einander gebracht. Keine Einreise-/Ausreisemöglichkeiten ohne Heimquarantäne oder teure Tests. Dann langsame Erleichterung an den Grenzen. An manchen Übergängen wird gar nicht mehr kontrolliert. Ab Mitte Juni wird es auch über uns am Himmel wieder mehr Traffic geben. Italien? Kroation? Spanien? Oder doch auf Nummer Sicher gehen und das eigene Land bereisen / erkunden / kennen lernen?

Wir haben uns als kleinen Ersatz für ein Mini-Ferienhaus in Kärnten entschieden – ein paar Tage “Hausherrin” und “Hausherr” spielen, die Gegend erkunden / hoffentlich auch mit Wanderungen verbunden. Kulturelles Ersatzprogramm wären der Dom zu Gurk, ein berühmtes Stift oder dann doch die Bierbrauerei?

Ganz klar, kein 1:1-Adäquat für das Piemont und die Provènce – aber trotzdem dankbar, dass wir in einem an Schönheiten “reichen” Land leben dürfen!

Wehmut im Rucksack

Der Mai 2020 ist knapp davor, dem Juni Platz zu machen – und ich blicke gerade mit ein bisschen Wehmut auf den Kalender, denn “normalerweise” wären wir seit vergangenem Freitag wieder mit unseren großen Rucksäcken unterwegs.

“Normalerweise” gibt es aber seit etlichen Wochen nicht mehr, auch wenn in der heutigen Pressekonferenz lang und breit von der nächsten Phase der Lockerung gesprochen wurde!

Für uns heißt es für dieses Jahr: keine Weitwanderung und damit keine müden & schmerzenden Füße, kein Falsch-Abbiegen, kein erwartungsvolles Ankommen, keine erzählenswerten Erlebnisse, keine bildbandfüllende Fotoserie – kein Wander-Tagebuch 2020!

Einerseits Wehmut, andererseits aber die tröstende Erkenntnis, dass es wichtigere Dinge im Leben gibt, vor allem dann, wenn es Personen im näheren Umfeld gibt, für die man jetzt einfach persönlich da sein sollte, nicht nur schriftlich und telefonisch, sondern auch persönlich! Momente mit geliebten Personen gemeinsam zu verbringen / zu erleben, sind kostbare Geschenke, die man dankbar annehmen sollte.

Und außerdem: Der für heuer geplante Wanderweg läuft uns nicht davon!

Halbmarathon virtuell

2020 wird es so gut wie keine Volksläufe geben – die Wien Marathon konnte nicht stattfinden, und auch der für den Herbst 2020 erhoffte Österreichische Frauenlauf wurde gestern offiziell zu Grabe getragen. Auch international wagt sich heuer keiner an ein Event dieser Größenordnung!

Laufen kann man aber doch auch sehr gut alleine – keine Frage, aber so mancher Läufer / so manche Läuferin braucht dann doch den Nervenkitzel, den ein Wettbewerb unweigerlich mit sich bringt.

Not macht im wahrsten Sinne und tatsächlich erfinderisch: Österreich läuft / walkt / geht – gemeinsam – einsam – einfach VIRTUELL!

Freie Zeiteinteilung an den Tagen 15. bis 17. Mai.

Freie Streckeneinteilung, nur ehrliche 5 km, 10 km, 15 km oder 21,1 km sollen es sein!

Geringe Startgebühr, je nachdem, ob man auf Startnummer, Medaille, Urkunde und Goodiebag steht.

Ihr dürft dreimal raten, wer unter den knapp 3.200 Läufer*innen österreichweit auch dabei war … natürlich: ICH!
Und für welche Strecke habe ich mich entschieden? … natürlich: die Halbmarathon-Distanz!

Am Freitag gab es morgens leider so viel Regen, dass ich meinen „Start“ auf Samstag früh verschieben musste. Um 04:50 war ich bereits putzmunter und mega-motiviert. Am Vortag hatte ich mich noch für den Prater als „Laufplatz“ entschieden – zum einen, weil der Prater einfach prädestiniert ist für Langstreckenläufe, zum anderen, weil´s dort einfach natürlicher ist als am Donaukanal entlang. Zur Feier des Tages habe ich mir dann noch eine Lauf-App heruntergeladen bzw. auf meiner Laufuhr, die Zeit- und Streckenmessung aktiviert – Dinge, die ich sonst nie benutze, weil ich einfach laufe, weil ich laufen will und dazu weder motivierende Computerstimmen noch sklavisches Erreichen von Einzel-Zielen brauche!

Auf los ging´s los – in einem normalen, gemütlichen Trab, keine Wettbewerbsgeschwindigkeit, dafür vollkommene mentale Gelassenheit, auch dann noch, als ich die Prater Hauptallee das zweite Mal in voller Länge lief. Kaum andere Läufer*innen um diese Uhrzeit, und wenn ja, nur verstreut – der Prater gehörte de facto mir allein! Die Morgenluft frisch und rein, der Durst gering, von Schwächeeinbruch keine Rede – bis zum Schluss! Herrlich!

Die Endzeit natürlich deutlich entfernt von meinen bisherigen Wettbewerbsergebnissen – was soll´s!-, dafür waren es ein paar Kilometer mehr als die geforderten 21,1 km. Ich brauche keine Urkunde, keine Medaille – virtuell ein Teil vom Großen gewesen zu sein, hat irgendwie Spaß gemacht – aber es wird wohl bei dem einen Mal sein, denn mir ist klar geworden: ich kann jederzeit (m)einen persönlichen Halbmarathon laufen – denn schließlich geht es mehr um ungezwungene Freude als um selbstauferlegte Besessenheit!

Normalität in der Schwebe

Stück für Stück werden wir wieder in die Normalität zurückgelassen – in die „neue Normalität“, wie es so schön heißt bzw. in eine Normalität, die dennoch weiterhin in der Schwebe balanciert so wie ich, wenn ich im standing split – mit beiden Händen am Knöcheln, den Blick zum Boden gerichtet, auf einem Bein stehend – versuche, eine möglichst gute Figur zu machen und nicht umzukippen.
Seit heute dürfen alle Kinder wieder in ihre Schulen zurückkehren, seit heute fahren alle Öffis wieder in ihren normalen Intervallen, die Parksheriffs dürfen bereits seit einigen Tagen wieder Liebesbriefe an die Windschutzscheibe heften. Seit Anfang Mai dürfen wir wieder Kontakt-mit-Abstand mit Familie und Freunden aufnehmen. Und in Deutschland wird seit Samstag wieder Bundesliga gespielt – allerdings neu als Geisterfußball ohne Spuckerei und ohne Liebkosungen beim gelungenen Treffer ins gegnerische Tor. Wir können wieder analog shoppen gehen – es stellt sich hierbei für mich aber die Frage, ob ich fürs homeoffice tatsächlich neue Klamotten brauche?

Und dann ein, zwei Lockerungen mit geschichtsträchtig-untermauerter Bedeutung. Am 15. Mai vor 65 Jahren wurde der Staatsvertrag unterzeichnet. Am 15. Mai in diesem Covid-19-Jahr konnten die Gastronomen bei eiskaltem Anti-Schanigarten-Wetter endlich wieder ihre Lokale öffnen. Seit diesem Tag dürfen auch wieder Gottesdienste abgehalten werden. Aber alles in allem weit entfernt von dem, was wir als „normal“ bezeichnen würden! Viel mehr die Wahrnehmung des „Besonderen“ und nicht mehr so „Selbstverständlichen“!

Wir waren am Samstag in der Wachau und sind rund um Dürnstein bei einem teilweise recht abenteuerlichen Rundwanderweg ordentlich ins Schwitzen gekommen. Welch glückliche Fügung, dass wir auf dem Rückweg zum Auto bei einem Weinbauern / Heurigen vorbeikamen! Alle Bänke in lockerer Besetzung, kein Gast mit MNS, nur das Personal mit dem Schutz vor Nase und Mund. Für uns ein freies Bankerl an der sonnenbeschienenen Hausmauer – und soll ich was sagen? Auch wenn daheim das Gläschen Prosecco auf der Terrasse mundet: ein „fremd-servierter“ frischer großer Sommerspritzer, dazu ein üppig belegtes Käsebrot: das hat schon was für sich! Wir wussten diese neue Selbstverständlichkeit sehr zu schätzen!

Und dann der erste Live-Gottesdienst seit dem Beginn der Fastenzeit! Mir kam die Aufgabe zu, die Gläubigen vor dem Betreten der kleinen Kirche in unserer Nachbarschaft nach ihrer Anmeldung für die Messe zu befragen, da bezogen auf die Fläche des Kirchenraums leider nur eine begrenzte Anzahl an Personen gleichzeitig anwesend sein darf. Unser Pfarrvikar meinte dann in der Messe, dass dies „früher einmal“ sogar ein richtiger Kirchenjob gewesen ist (leider habe ich die Bezeichnung nicht behalten). Was spürbar war: zum einen – insbesondere für die älteren Menschen – die große Erleichterung, das Ritual des Kirchgangs wieder aufnehmen zu können – und damit auch den Kontakt mit Bekannten aus der Kirchengemeinde pflegen zu können; zum anderen aber auch große Verunsicherung: „Muss ich mich jetzt jedes Mal vorher anmelden, wenn ich die Sonntagsmesse besuchen möchte?“ Auch der Ablauf des Gottesdienstes reduziert – weniger Gesang, nur eine Lesung, die Predigt kürzer, am Altar mehr Selfservice als Ministranten-Unterstützung. Aber auch hier: Balsam für die Seele!

Zwei kleine Beispiele, die bewusst machen sollen, wie wichtig es ist, das, was in der ante-corona-Zeit (a.c.) als so alltäglich-selbstverständlich hingenommen wurde, jetzt in der inter-corona-Zeit (i.c.) als nicht alltägliches Geschenk anzusehen!

Großes Lob an die Au!

Jetzt lebe ich seit gut 25 Jahren in Wien und habe bislang einen großen Bogen um das Naturschutzgebiet im Norden Wiens – der Lobau – gemacht. Warum? Wegen der Gelsen-Invasion im Sommer? In der Annahme, dass es dort langweilig sein könnte? Weil die Au „dort drüben“, also in „Transdanubien“ liegt?

Offenbar brauchte es COVID-19 und damit verbunden den Wunsch nach einem gemeinsamen Wiedersehen mit Bodo´s Töchtern, dass wir dann doch hier gelandet sind – sozusagen der kleinste gemeinsame Nenner, wenn die eine Tochter nördlich von Wien wohnt, die andere östlich und wir beide südlich vom Herzen Wiens. Am ersten Mai-Sonntag, am ersten Tag der „Lockerung“, stapften wir daher dann zu viert mit zwei kleinen Hunden mal mit dem Wind, mal gegen den Wind, mal durch Steppe, mal durch Dschungel – und waren sehr überrascht! Angenehm überrascht. So überrascht, dass Bodo und ich gestern am frühen Muttertagssonntag wieder hinfuhren – in knapp einer Viertelstunde von dichter Stadtbebauung in eine unendlich scheinende, weitestgehend unberührte Natur – Wahnsinn! Was für ein Geschenk an uns Städter!

Bodo mit dem Fotoapparat auf der Lauer – die ersten Seerosen, Frösche, Libellen, ein Vogel auf einem Schilfhalm und gar ein Fischotter beim Spielen im Schilf!

Ich dagegen ziemlich spontan mit der akustischen Aufnahmefunktion am Handy „bewaffnet“ – selten habe ich derart laute, kräftige „Balzquaks“ von Fröschen mit aufgeblähten Wangen oder ein derart schelmisch-heimtückisches Flöten eines Kuckucks vernommen!

Drei Stunden lang waren wir bedächtig, beschwingt und neugierig-aufgeschlossen unterwegs, haben dabei sogar kleine Badeplätze entdeckt und über riesenhafte Birken gestaunt – und festgestellt, dass die beste Zeit für die Lobau der frühe Morgen ist, denn spätestens ab 10 Uhr ist an einem Wochenende eindeutig zu viel „Volk“ unterwegs: Spaziergänger, Läufer und Fahrradfahrer – so weitläufig ist die Au dann offenbar doch nicht, als dass man sich aus dem Weg gehen könnte!

Aber jetzt, da wir wissen, dass dieses kleine naturgewaltige Paradies in knapp einer halben Stunde zu erreichen ist, sind wir uns sicher, dass wir öfters hierher zum Luftholen kommen werden – zumindest um diese Jahreszeit und bevor die Gelsen schlüpfen!

Daher gebührt mein heutiges Lob zweifelsohne der Au – der Lobau!

Öfter mal nach oben schauen!

Habt Ihr in den letzten Tagen / Wochen mal bewusst den Kopf in den Nacken gelegt und zum Himmel hinaufgeblickt? Auffällig: keine Flugbewegungen, mit Ausnahme von Tauben, Krähen, Falken und Schwalben – keine Flugzeuge, die über uns hin und her flitzen und mit ihren Kondensstreifen weiße Kritzi-Kratzi-Linien zeichnen.

So „Fetz-Blau“ der Himmel über uns, wie man es sonst nur von Reiseprospekten kennt.

So „Fetz-Blau“ der Himmel über uns, dass man nicht mehr das Gefühl hat, in einer Großstadt zu leben.

So „Fetz-Blau“ der Himmel über uns, dass nicht nur ich, sondern sogar Bodo einen mutigen Kopfstand wagt und seine Füße in dieses verlockende Tiefseeblau eintaucht – Wieso war ich eigentlich immer der Meinung, dass Bodo kein Yoga macht?!

rbt

Stil(l)Blüte

Wer kann dieses unbekannte Gedicht nicht auswendig herunterleiern:

Dunkel war’s, der Mond schien helle,
schneebedeckt die grüne Flur,
als ein Wagen blitzesschnelle,
langsam um die Ecke fuhr.
Drinnen saßen stehend Leute,
schweigend ins Gespräch vertieft, …

Ganz diesem Schema von sich selbst widersprechenden Sätzen folgend entstand aus einer übermütigen Zubettgeh-Aktion folgendes Zitat:

“Und einem Erdbeben gleich glitt er sanft ins Bett.”

… der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt!

Benimm-Regeln 2020

Wem von uns wurde als Kind nicht eingetrichert, dass man beim Grüßen (vor allem von Erwachsenen) die Hand geben muss – und tue das ja nur mit der rechten Hand! Welches Kind hatte großen Spaß daran, „artig“ zu sein?

Aber wie bei allem, was man in jungen Jahren erlernt, indem man es immer und immer wieder tut / tun muss, stellt sich ein Automatismus ein, sodass das Aufeinandertreffen mit anderen Personen Hand-in-Hand geht mit dem Hand-nach-vor-Strecken.

Kumpels (gute Freunde) entwickeln oft ein Begrüßungszeremoniell, angelehnt an amerikanische Gangs, bestehend aus Faust, Abklatschen und ähnlichen „Figuren“ – aber eben auch alles mit direktem Körperkontakt.

Von innigen Umarmungen mag ich hier gar nicht reden!

Doch dann kam dieser kleine Virus angeflogen – und alles änderte sich: Nicht nur, dass man seine eigenen Hände nun ständig gründlich waschen soll (was zu extrem trockener Haut führt :-(), ist es jetzt absolut VERBOTEN, einem anderen Menschen zum Zeichen der Höflichkeit, des Respekts, der Freude ob des Wiedersehens oder der Versöhnung die Hand zu reichen. So, wie uns die Asiaten mit dem Tragen eines MNS einen mächtigen Schritt voraus waren, sind sie´s auch, was das Begrüßungszeremoniell betrifft: genügend Abstand zueinander, damit beim Verbeugen die Köpfe nicht aneinandertutschen. Nicht der Baby-Elefanten-Meter ist das Maß, sondern der entsprechende Abstand zur Vermeidung einer Beule auf der Stirn!

Ganz ohne Etikette kommen wir aber nicht aus!

Sich einfach nur anzulächeln fällt mittlerweile aus, weil die nach oben gezogene Lippenform durch den MNS abgedeckt wird. Oft reicht der MNS auch hinauf bis knapp unter die Augen, sodass auch hier schwer ablesbar ist, ob es sich beim Gegenüber um Freund oder Feind handelt.

Bleiben wohl wieder nur die Hände – die Handflächen nunmehr aber aneinandergepresst und dicht beim eigenen Körper – ob als Gebets-, Namaste-Haltung oder Anjali-(Herz-)Mudra interpretiert, sei jedem dahingestellt. Bislang nur beim Beten oder Yoga-Praktizieren „benutzt“, könnte ich mir schon vorstellen, diese Geste in meinen persönlichen Etikettenschatz aufzunehmen.

Was auch geht, ist ein Gruß mit leicht erhobenem – und wohl gemerkt: abgewinkeltem (!) – Arm und einer offenen Handfläche –als Zeichen für: ich bin ein Freund, bin waffenlos und dir wohlgesonnen!

Ja: nicht nur die Kinder unter uns, sondern auch wir Erwachsenen müssen jetzt umdenken und neu erlernen, wie wir unserem Nächsten entgegentreten – und die Benimmbücher müssen umgeschrieben werden.