Das Abenteuer A´dam

… mit ordentlicher Verzögerung // aber nachdem in diesen Tagen niemand mehr pünktlich ist bzw. oft nicht sein kann (zur Erklärung dazu dann weiter unten mehr), sei mir verziehen \\ nunmehr ein paar Erinnerungen an aufregende Tage in – AMSTERDAM!

Kaum zurück von einem wunderbaren, wenn auch sehr anstrengenden Wanderurlaub in einem unserer südlichen Nachbarländer – der ausführliche Reisebericht wird in gewohnter Weise erst in der kühleren Jahreszeit entstehen – bleiben mir nur drei Tage zum Aufarbeiten, denn bereits am Donnerstag geht es zum Betriebsausflug in eine der coolsten europäischen Städte!

Nach 2 Jahren Zwangspause muss der Betriebsausflug einfach etwas Besonderes werden – daher wurde auch von langer Hand alles bis ins Detail geplant. Die Gruppe – mit rd. 40 Leuten doch sehr groß – trifft sich um kurz nach 5 Uhr früh vor dem Check-in-Schalter der KLM. Je nach Anreise zum Flughafen war für die meisten daher um 3 Uhr Schluss mit Bettruhe! Wer glaubt, dass wir die einzigen sind, die aufs Check-in warten, liegt leider vollkommen falsch, denn die Menge an Personen, auch Hunden (!) und Koffern ist enorm – das Ende der Schlange kaum auszumachen! Unsere Reiseorganisatorin macht aber das Unmögliche, sprich den Gruppen-Check-in möglich, sodass wir ziemlich rasch durch den Security-Check können. Das Flugzeug hebt allerdings mit Verspätung ab. Durch einen Sitzplatztausch mit einem meiner Kollegen, der aufgrund seiner langen Beine lieber am Gang sitzen will, kann ich – mit der Nasenspitze dicht am kleinen Fenster – die Erde unter mir bestaunen und damit der aufkommenden Müdigkeit trotzen: bilden die Felder, Wiesen und Orte anfangs noch einen bunten, unregelmäßigen Fleckerlteppich, ändert sich dies mit dem Überfliegen der Grenze Deutschland-Niederlande abrupt in eine mit dem Lineal gezogene Landschaft, gespickt mit Wasser und modernen Windrädern.

Sicher gelandet und dank Handgepäck nicht auf die Gepäckausgabe angewiesen ziehen wir zügig los, denn ein Reisebus steht schon für uns bereit, der uns zum ersten Tagespunkt– einem Frühstück – bringen soll – ausgenommen unserer Reiseorganisatorin, die unser Gepäck im Hotel abliefern und dann nachkommen will. Aus einer inneren Eingebung heraus biete ich ihr an, sie zu begleiten, da man bekannterweise zu Mehrt schneller ist als allein. Der Bus hält also an, um die Gruppe rauszulassen und fährt dann mit uns beiden wieder ab. Luftlinie zum Hotel vielleicht 500 – 1000 m, doch der Bus zieht wieder einen weitgezogenen Bogen durch die Stadt – viel Verkehr, rote Ampeln. Der Blick auf die Uhr macht rasch klar, dass wir den ersten Tagesordnungspunkt hoffnungslos versäumen werden und es zum zweiten Tagesordnungspunkt, dem geführten Stadtrundgang, nur im Eilschritt schaffen können.
Plötzlich aber wird unser Bus von einem Straßenkontrollposten angehalten. Der Vorteil des Niederländischen ist, dass man den Inhalt des Gesprochenen relativ leicht verstehen kann. Daher braucht uns der Chauffeur gar nicht auf Englisch zu übersetzen, dass der Bus nicht weiterfahren könne. 40 Koffer, ein paar Reisetaschen und ein Kleidersack – und 500 m zum Hotel – wie soll das gehen? Meine Kollegin versucht verzweifelt, jemanden im Hotel zu erreichen – ohne Erfolg. Der Chauffeur hat an anderer Stelle aber mehr Glück und bekommt die Zusage, dass uns gleich jemand mit kleineren Fahrzeugen abholen kommen würde. Zu dritt zerren wir die Gepäckstücke aus dem Kofferraum und deponieren sie – mit Erlaubnis des strengen Straßenkontrollpostens – in einer Parkbucht. Der Bus wendet mit mehrmaligem Einschlagen und lässt uns beide allein zurück. Na prima! Jetzt stehen wir da in einer fremden Umgebung und warten auf das Ungewisse. Nacheinander eilen wir in ein gegenüberliegendes Lokal auf die Toilette, erreichbar über eine schmale und steile Stiege – offenbar scheint in den Niederlanden eine Trennung in Weiblein und Männlein nicht mehr zeitgemäß zu sein. Gut, dass wir zu zweit sind!

Nach einer gefühlten Ewigkeit kommen zwei Hotelangestellte in zwei Fahrzeugen. Um die Langsamkeit der muskelbepackten Paschas etwas zu beschleunigen, packen wir zarte Frauen auch an – die letzten Koffer werden mit viel Nach-Druck in den Kofferraum gedrückt. Und fast kommt es zu einer Rangelei zwischen den beiden Männern mit der Polizei, wobei mir der Grund dafür noch immer nicht ganz klar ist, denn es ist doch offensichtlich, dass hier viel Gepäck verstaut werden muss (?)

Endlich fertig, endlich auf dem Weg ins Hotel, endlich das Gepäck abgegeben!

Die Dame am Empfang will uns glatt die Straßenbaustelle als akutes Gasgebrechen verkaufen – auf den ersten Blick mag das vielleicht überzeugend klingen, bei näherer Betrachtung aber ist klar, dass es sich hier um ein groß angelegtes Straßensanierungsprojekt handelt, das schon seit einiger Zeit im Gange ist und noch länger dauern dürfte!

An dieser Stelle flüstert der Optimist in mir in mein Ohr: Seid doch happy – die Sonne strahlt und Ihr seid vom holländischen Oft-Regen verschont geblieben!

Da wir es zeitlich nun aber auch nicht mehr zum Stadtrundgang schaffen, erholen wir uns von der Aufregung auf der Dachterrasse des Hotels bei einem Ankunftsgetränk und marschieren dann etwas gelöster zum Treffpunkt für die Grachtenfahrt. Ungefähr 1,5 Stunden schippern wir dann in einem großen, leider komplett eingehausten Boot mit kleinen Fenstern, aber einem nicht enden wollenden Cateringangebot an Drinks und Snacks durch die Grachten A´dams. Meine Kollegin und ich berichten natürlich von dem Spektakel, vielleicht auch mit kleineren Übertreibungen, um die Sache auch für die Kolleg:innen spannend zu machen. Trotzdem zeigen sich die meisten kaum beeindruckt – wichtig ist ihnen nur, den eigenen Koffer bei Ankunft im Hotel bereits auf dem Zimmer vorzufinden, um sich für das 5-Gänge-Menü in luxuriöser Umgebung frisch machen zu können.

Die Zimmer sind nach klassischem Boutique-Hotel designet – das Bett ist riesig, der Waschtisch frei im Raum auf einer mächtigen Tischplatte, die Dusche länglich und auf einer Stirnseite abgerundet, das WC versteckt im Schrank.

Ich nutze die freie Stunde für einen aktiven Test des schmalen, langen und wenig tiefen Hotelpools auf der Dachterrasse – die anderen genehmigen sich lieber einen erfrischenden Drink und halten maximal die Füße ins Wasser.

Der Reisebus – mit einem anderen Chauffeur – hole uns bei „unserer Koffer-Zwischenstation“ ab – der Weg dorthin über aufgerissene Straßen, Sand und Steine – ein Fest für so manchen Stöckelschuh!

Das Dinner findet in einem sehr noblen Hotel statt, der Tischschmuck überaus blumig, das Personal überaus aufmerksam – ständig werden Getränke nachgeschenkt bzw. wird Besteck nachgelegt. Auch wenn mein Magen bereits nach der Pilzsuppe (2. Gang) meint, dass eigentlich schon genug sei, gustiere ich mich auch noch durch die weiteren 3 (vegetarischen) Gänge – nur das Baiser beim Nachtisch lasse ich übrig (nicht aber die darin versteckte Eiskugel).

Bereits nach 22 Uhr – der lange Tag macht sich nun doch bei den meisten bemerkbar. Rasch zeigt sich, wer sich doch schon zum alten Eisen zählen muss und wer im jugendlichen Sturm und Drang das Nachtleben erforschen will – die „Vernünftigen“ gehen nach einem ausgedehnten Spaziergang durch die belebte Stadt (oder nach einer Taxifahrt) unmittelbar ins Bett, die „Rastlosen“ suchen noch die eine und andere Bar auf und schaffen es damit auf 24 Stunden Wach-Sein.
Wer mich kennt, weiß, welcher Gruppe ich mich anschließe – schließlich warten noch weitere Tage in Amsterdam auf mich!

Am nächsten Morgen zeige sich der Himmel etwas regnerisch, ich verzichte daher ganz ohne schlechtes Gewissen auf eine Laufrunde oder einen Spaziergang und checke vor dem Frühstück meine Mails.

Nach dem Frühstück und dem Check-out – die Koffer dürfen im Hotel bleiben, entscheiden sich fast alle, zu Fuß zum van Gogh-Museum zu schlendern. Es sind daher nur 4 Leute im Bus – und der Busfahrer soll entsprechend erbost gewesen sein.

Der Besuch der Dauerausstellung des berühmten Malers ist super – jeder bekommt ein eigenes Audio-Equipment und kann so individuell durch die drei Ebenen wandern. Natürlich sind wir nicht allein, und vor den berühmtesten Werken, wie den leuchtenden Sonnenblumen, staut sich die Besuchermenge aus aller Welt, aber trotzdem ist es sehr angenehm, unabhängig, frei und stressfrei ein bisschen Kultur zu genießen.

Stressfrei ist es bis zum Anruf mit einer +31-er Vorwahl: Ich werde darüber informiert, dass das Hotel, das ich für Bodo (der gerade im Anflug ist) und mich bis Sonntag gebucht habe, nicht verfügbar sei – aber, dass … zum Glück!!! … wir in einem anderen Hotel ein Upgrade auf eine Junior-Suite zum gleichen Preis bekommen. Ein Blick auf den papierenen (!) Stadtplan, stets zückbereit in meiner Handtasche, beruhigt mich, denn auch dieses Hotel liegt zentral und nicht weit vom Hotel mit dem Rooftop-Pool.

Nach van Gogh ist der offizielle Teil des Betriebsausflugs vorbei – die Gruppe zerstreut sich; die meisten wollen abends wieder den Heimflug antreten, im Wissen, dass es zu langen Wartezeiten kommen könnte; ein paar wenige, wie auch ich, verlängern bis Sonntag.

Bodo´s Abflug in der Früh um 9 Uhr ist zwar auch verspätet, trotzdem möchte ich rasch los, um ihn beim Hauptbahnhof abzuholen. Das ganze Stück in der schwülen Hitze zu Fuß? Dazu habe ich nun keine Lust und nehme stattdessen doch viel lieber die Straßenbahn, die direkt vor dem Museum eine Station hat. Das Ticket kaufe ich im Wagen – hier gibt es in der Mitte einen strengen Supervisor, der Passagiere, wenn sie die Türen verstellen, zum Weitergehen verdonnert.

Nun stehe ich vor dem großartigen Bahnhofsgebäude und mache mich auf eine längere Warterei gefasst. Bodo schreibt um 11:45: gerade gelandet. Bodo schreibt wenig später: Zug nach Amsterdam wurde gestrichen, muss auf den nächsten warten!

Carpe diem – ich entschließe mich, den Koffer zu holen und gleich ins andere Hotel zu bringen – der Weg dorthin durch Menschenmassen – Touristen, Radfahrer:innen, Autos – und dazu noch Hitze – mein Rücken bereits schweißnass. Gestern dachte ich noch, dass ich mich in dieser Stadt nie und nimmer auskennen könnte, denn Häuser, Gassen, Grachten – alles sieht irgendwie gleich aus. Jetzt präge ich mir mit Hilfe des Stadtplans den Weg gut ein und finde so problemlos das alte Hotel und den Weg zum neuen.

Dort werde ich zwar aufs Höflichste empfangen, aber offenbar ist nicht mitgeteilt worden, dass ich die eine bin, die vom eigentlich gebuchten Hotel nunmehr hier übernachten soll. Die Concierge muss sich durch mehrere Stellen durchtelefonieren – aber dann ist zum Glück auch diese Hürde geschafft. Nur das Zimmer ist noch nicht fertig – Personalmangel an allen Ecken und Enden!

Im Eilschritt laufe ich wieder zum Bahnhof zurück. Zwischendurch informiert mich Bodo, dass zwar die Züge wieder fahren, er aber zu früh ausgestiegen sei – daher nochmaliges Warten auf den nächsten Zug. … schon nach 13 Uhr – Bodo ist endlich angekommen. Zeit für ein Bier!

Bewusst lenke ich unseren Weg durch schmälere Gassen und weg von den Hauptrouten, aber die eine Straßenbaustelle können wir nicht umgehen.

Das Hotelzimmer ist noch immer nicht fertig, aber zumindest können wir auf die Toilette. Und „befreit“ sind wir nun bereit für den ersten Stadtspaziergang – Bodo, ich und die Kamera!

Rasch überfordert wegen der vielen Fahrräder, mit denen wir von links, von rechts, von vorne, von hinten rechnen müssen, entscheiden wir uns für eine 75-minütige Open-Boat-Tour. 11 Touristen aus USA, Australien, Frankreich, Deutschland und Österreich, eng an eng und den Erläuterungen des fröhlichen Skippers lauschend, können recht entspannt die zum Teil sehr skurrilen Gebäude bestaunen: oft schief in alle Richtungen, keines wie das andere und doch sehr ähnlich. Wir erfahren von den alten Zeiten und welche Herausforderungen auch auf diese moderne, lebendige Stadt lauern – und spannen schnell die Regenschirme auf, als ein kurzer Schauer niedergeht.

Auf dem Rückweg ins Hotel setzen wir uns in einer wenig befahrenen Gasse auf eine Bank in die Abendsonne und genießen die langsam tiefersinkenden Sonnenstrahlen.

Unsere Junior Suite – eine winzige Maisonette – unten Garderobe, Dusche, WC, Waschbecken / oben das Doppelbett; eine Flasche Rotwein als Welcome-Present.

Das Abendessen gestaltet sich schwierig, da uns in der näheren Umgebung nichts zusagt und je weiter wir ins Geschehen eindringen, desto voller wird es – es scheint, als wäre jedes Restaurant überrannt. Bodo wird langsam, aber sicher ungehalten, weil hungrig und durstig, und ich will einfach nur einen gemütlichen Tagesausklang!

Bodo fragt schließlich einen Einheimischen, der uns ein gutes Stück entfernt ein Lokal empfiehlt – leider ohne Speisekarte. Dort dann aber der Tipp für ein italienisches Restaurant, ein paar Meter weiter – zum Glück ist da glatt ein Tisch frei für uns – zwar nicht im Freien, aber das ist uns nun auch schon egal, außerdem sind die großen Fenstertüren alle offen. Das Essen ist gut, mit der Vorspeise, die wir gierig verspeisten, aber zu viel – zum Glück haben wir ja noch einen Verdauungsspaziergang vor uns!

Am nächsten Morgen mache ich meine Laufrunde in einem schönen, recht großen Park – ein bisschen eine Mischung aus den größeren Wiener Parkanlagen: verschlungene Wege, kleine Brücken, Themen-Wiesen und kleine Teiche. Nach Dusche etc., recht früh und wie immer ohne Frühstück, machen wir uns auf zur „großen Shoppingtour“. Anfangs sind die Gassen noch herrlich leer – die Nachteulen müssen ausschlafen, die Shops haben noch geschlossen. Der Blumenmarkt entpuppt sich als großer Souvenirshop mit Tulpenzwiebeln im Sackerl, Tulpen aus Holz und den üblichen Magneten. Den plötzlichen Regenguss warten wir einfach ab. Mit Schlag 10 Uhr wird es dann voller und voller – Geschiebe hier / Geschiebe da, Sale und ein IT-Sneaker, für den die Jugendlichen in der Schlange anstehen. Unsere Unruhe wächst mit jedem Schritt. Kauferlebnis gleich Null!

Wir machen daher unser Vorhaben wahr und fahren zu Mittag mit dem Bus auf die knapp 25 km entfernte Insel Marken. Dort werden wir von Idylle empfangen – süße Häuser, schöne Gärten, ein paar Schafe …; doch nach ein paar Metern leider laute Musik und noch lauteres Gegröle – großes Dorffest? Schnell biegen wir daher auf einen schmalen Pfad Richtung Leuchtturm ab und sind rasch wieder von Natur und natürlichen Geräuschen umgeben. Wie befreiend!!!

Am Leuchtturm machen wir eine kurze Sitzrast – die Füße dürfen ins Wasser – Achtung: Süß-, nicht Salzwasser!

Um vor der Rückfahrt die öffentlichen Toiletten im Dorf aufsuchen zu können, muss ich Geld wechseln – 0,5 Euro für ein bisschen Pinkelei!

Kurz vor 18 Uhr sind wir wieder in A´dam zurück. Den ursprünglichen Plan, zur Erfrischung zuerst ins Hotel zurück zu gehen und dann zum Abendessen aufzubrechen, verwerfen wir rasch und entscheiden uns, gleich bei einem netten Italiener einzukehren, da um diese Uhrzeit noch Tische frei sind. Zuerst im Freien wechseln wir aufgrund der dunklen Wolken und feuchten Luft doch schnell ins Innere. Das Personal ist sehr freundlich – die Pizzen sehr lecker! Kaum ist es 19 Uhr, prügeln sich die Leute fast um einen Platz im Restaurant!

Satt und müde ab aufs Hotelzimmer!

Der letzte Tag in A´dam. Wie durch ein Wunder passen auch die paar neuen Kleidungsstücke in den kleinen Handkoffer. Bis auf den Fotoapparat können wir alles an Gepäck bei der Rezeption lassen. Wir spazieren zum großen Park, den ich gestern laufend erkundet habe. Auch wenn es im Park (noch) richtig friedlich ist – Sportler:innen, Hundebesitzer:innen, wenig Radfahrer:innen -, Bodo ist vom Amsterdamer Stadtleben mental mächtig gestresst! Kreislaufprobleme und ständige Schweißausbrüche quälen ihn – nur auf der Insel gestern ging es ihm gut!

Nach dem Park genehmigen wir uns ein spätes Frühstück – Bodo bestellt ein 3-Eier-Gericht, ich mampfe bald einen gekühlten Apfelkuchen. Wie sollen wir uns die Zeit bis zur Abreise vertreiben? Für Ausflüge nach außerhalb ist es zu spät, müssen wir doch aufgrund der aktuellen dramatischen Zustände schon am Nachmittag zum Flughafen (die Medien berichten von unglaublichen Szenen beim Security-Check und vielen Flugausfällen). Wir suchen nach Gassen, wo wir noch nicht waren und trinken noch ein Bier. Dann holen wir das Gepäck, gehen nochmals auf die Toilette – sicher ist sicher! – und drängeln uns zum Bahnhof durch – die Straßen sind dank des schönen Wetters wieder gesteckt voll.
Irgendwann ist es dann eine halbe Stunde vor 16 Uhr. Wir nehmen einen der Züge und sind rasch am Flughafen. Dort überprüfen wir, zu welchem Gate wir müssen und machen uns auf den Weg. Als wir dort ankommen, wundern wir uns ein wenig, weil kaum Passagiere unterwegs sind – alles nur ein Medienscherz? In der Annahme, dass hinter der Tür, wo die anderen alle verschwinden, der Security-Check ist, machen wir unsere Getränke alle – Bodo ein Bier, ich eine Limonade.

Wir warten einen Moment, bis kaum jemand vorbeikommt und huschen durch die Türe … und werden ins Freie gelenkt, vor uns Hunderte, nein Tausende von Menschen mit Gepäck!!! Nur sehr langsam zieht die Karawane weiter. Ein Zeichen dafür, dass dies heute keine Einmalsituation ist, sind die Bretterböden und die Zeltüberdachungen und am Rande die Berge an leeren Plastikflaschen. 100 Meter, 200 Meter, … 500 Meter, dann hört das letzte Zelt zwar auf, aber die Menschenmenge muss noch ein paar Meter im Freien machen, bis es endlich wieder zurück geht. Sehr verwunderlich, dass alle so diszipliniert sind. Nur ein Mann eilt gegen den Strom zurück – er hat erkannt, dass er seinen Flug nicht mehr erreichen kann. Die Security eskortiert zumindest Eltern mit Kleinkindern und Personen im Rollstuhl schneller zum Ziel.

Ich habe eine andere Art der Not: meine Blase ist randvoll, mit jedem Schritt befürchte ich, die Kontrolle zu verlieren und überlege schon, über die knapp 1 Meter hohe Betonbegrenzung zu springen und – pfeif drauf! – auf die Straße zu pinkeln. Bodo versucht, mich zu beschwichtigen. Langsam, sehr langsam nähern wir uns wieder dem Flughafengebäude. Drinnen bitte ich einen Security, mich durchzulassen. Nur – wo sind die Toiletten? Ich frage eine Frau vom Bodenpersonal – sie: „Emergency?“ (also „Notfall“?) – ich: yes – und sie weist mir im Eilschritt den Weg – nur Frauen können verstehen! Erleichtert kehre ich zurück und finde Bodo in der Menge.

Es geht hinauf in die obere Ebene, dort werden wir dann mittels Absperrungen schlangenförmig weitergetrieben. Hallo – da ist er ja, der 3D-Scanner! Alles gut, nach 2 Stunden (nur) ist der Spuk vorbei!

Objektiv betrachtet ist dieses gemächliche Vorantreiben der Meute die beste Lösung, die das Flughafenmanagement anwenden kann, denn dadurch, dass man langsam, aber doch, ständig in Bewegung ist, hat jeder das Gefühl, dass was weitergeht. Nicht auszudenken, welche Szenen sich abspielen würden, wenn 10.000 Menschen auf kleinem Raum zusammengedrängt wären!

Der Grund für das Dilemma auf den europäischen Flughäfen? Natürlich Corona! Zuerst Entlassungen am laufenden Band, dann will keiner mehr zurück zu schlecht bezahlten Jobs, und dank der wieder erlangten Freiheiten hat das Virus wieder genügend Andockstellen!

Bodo und ich gehören zur Minderheit der FFP2-Masken-Träger!

Was tun mit so viel Zeit? 18 Uhr ist es – geplanter Abflug um 20:35.

Der Duty-free gibt nicht viel her – wir genehmigen uns aber zwei kleine Flascherln mit einem hochprozentigen Shot, um die Anspannung etwas zu lockern.

Wir lassen uns im Wartebereich unseres Abflug-Gates nieder, passen auf das Gepäck einer Hundebesitzerin auf, die mit ihrem Schatzi auch mal dringend „raus“ muss und starren ins Narrenkasterl. Dann die Mitteilung, dass unser Flieger anderswo andocken wird. Kaum haben sich die Passagiere dort breit gemacht, sehe ich per Zufall, dass wir schon wieder verlegt wurden – was soll das bitte?

Jetzt aber – oder doch nicht? Die Damen vom Bodenpersonal sind schon da, die Crew geht an uns vorbei – es könnte jetzt doch eigentlich losgehen? Weit gefehlt: neue Abflugzeit: 21:15 Uhr!

Und auch, als wir dann endlich im Flugzeug sitzen, braucht es noch eine Weile, bis die Piste frei ist.

Gegen 23 Uhr landen wir am Wiener Flughafen – geschafft: wir sind zumindest da!!! (einer meiner Kollegen, der am Freitag nachmittags fliegen wollte, ist erst am Sonntag in der Nacht angekommen …)

Wir steigen in die Schnellbahn – bleiben im Auffangraum stehen, weil es auf den ersten Blick keinen freien Sitzplatz gibt. Da kommen zwei Flughafenangestellte und bugsieren ein Pärchen mit viel Gepäck und einem Dackel in den Zug und geben ihnen das Wort „Rennweg“ mit auf den Weg. Wir fragen, ob wir helfen können, denn es ist offensichtlich, dass es sich hier um Ukrainer handelt. Es heißt, sie sollen bei der Station Rennweg aussteigen und zum Krankenhaus im 3.Bezirk gehen. Wir versichern, dass wir ihnen sagen werden, wann sie aussteigen müssen.

Die beiden sind vielleicht um die Dreißig – wie er als wehrdienstpflichtiger Mann aus der Ukraine flüchten konnte, bleibt ein Rätsel. Er ist etwas angetrunken, sie ist nervlich am Ende – leise streiten sie – unangenehm zum Anschauen / Zuhören.

Am Rennweg angekommen (das ist auch unsere Aussteigestation), bieten wir ihnen an, sie zum Krankenhaus zu begleiten. Die holprige Konversation können wir nur mit ihr führen, da sie einigermaßen verständliches Englisch spricht; er ist leider zu nichts zu gebrauchen und verhält sich wie ein trotziges Kind. Also schleppt Bodo die riesige und mega-schwere Reisetasche, ich nehme eine der anderen Taschen, sie den Rest und den Hund, auf den sie so stolz ist, weil er sich in den vier Tagen ihrer Odyssee im Bus über Moldawien so vorbildhaft verhalten hat.

Vor dem Krankenhaus fragen wir jemanden von der Berufsrettung, ob es hier denn überhaupt eine Auffangstation für Vertriebene gibt – natürlich gibt es sowas nicht! Aber bei der Messe Wien gibt es eine Halle, die zu diesem Zwecke mit Betten etc. ausgestattet wurde. Wir holen ein Taxi, ich gebe ihr mein einziges Bargeld – 100 Euro – und wir bitten den Taxifahrer, sie sicher dort abzuliefern. Wahrscheinlich hätten wir sie auch noch bis dorthin begleiten sollen, aber es ist fast schon 1 Uhr in der Nacht, und wir sind einfach fix & fertig – salzige Tränen schießen aus unseren Augen: Das sind nur Zwei von Millionen!

Die gute Seele in mir flüstert mir gerade zu: Vielleicht war es höhere Macht, dass das Flugzeug später geflogen ist und dass wir genau in diesen Zug und bei diesem Waggon eingestiegen sind. Unsere Hilfe war im Grunde lächerlich gering – nur wie hätten die beiden sich in der dunklen Nacht, wo niemand mehr auf der Straße unterwegs ist, in einer komplett unbekannten Gegend und mit einem lächerlichen Stadtplan zurechtfinden sollen? Ich hoffe, dass unsere Hilfe doch nützlich war!

Das war das Abenteuer A´dam – Bodo hat mich gebeten, ihm zum Geburtstag keine Städtereisen mehr zu schenken!

Warum braucht es Waffen?

Warum braucht es in unserer Zeit überhaupt Waffen?

Hat alles bei Kain begonnen, der aus Neid einen Stein ergriff und damit seinen Bruder Abel erschlug?

War es der neugierige Erfindungsgeist unserer Steinzeit-Vorfahren, die, um ihren Hunger mit eiweißhaltiger Nahrung stillen zu können, aus Holz und Metall – und mit Hilfe des Feuers – die ersten Waffen bastelten?

War es dann die Mischung aus beidem – der Neid und der Hunger nach Mehr -, die dazu führten, dass sich Menschen gegenseitig die Köpfe einschlugen – nur: für was?

Die gesamte Geschichte ist zu großen Teilen davon geprägt, dass es Stärkere und Schwächere gab & gibt, Offensive und Defensive, vom Wahnsinn Getriebene und von Vorsicht Geleitete – und immer ging/geht es um Demonstration von vermeintlicher Stärke und Macht – untermauert von Waffen, in welcher Form auch immer: von mit Einwurf großer Münzen entwickelten Präzisionswaffen bis hin … ja bis hin zu Worten, die bis ins tiefste Mark verletzen können.

Bürger- und Weltkriege, der Völkermord in allzu naher Ferne, ein junger Mann, der – aus welcher Veranlassung auch immer – binnen weniger Minuten unschuldige Grundschulkinder erschießt … ein Teenager, der sich umbringt, weil er in der Schule gemobbt wird … und dann noch das neue Buch von Ken Follett („Never“), das nach gut 800 Seiten in einem Atom-Weltkrieg endet – haben wir uns schon so weit von einem Happy End entfernt?

Ich bin mir voll bewusst, dass ich heute ziemlich ängstlich, desillusioniert und verzagt klinge – und das nach einem verlängertem Wochenende mit zwei schönen Wanderungen, einem gelungenen Friseurbesuch, einem spontanen Minus-20-Prozent-Kleiderkauf in Eisenstadt (!!!) … und den Vorbereitungen für den ersten längeren Wanderurlaub nach nunmehr 2 langen Jahren! Aber manchmal ist auch die fröhliche Luci, die sich in ihren Blogs mehr als gerne über sich selbst lustig macht, ein wenig ernster als sonst! Aber keine Angst: ich komme schon wieder mit meinen verdrehten Pointen, um Dich & Euch zum Schmunzeln zu bringen!

Zeitreise

Früher einmal – da hatte jeder von uns ein Fotoalbum – liebevoll angelegt (meistens) von der Mutter: mit dem ersten Babyfoto, dem erstem Schultag, der Erstkommunion, dem ersten Schulball, …
In meinem Elternhaus gibt es seit immer eine prall gefüllte (und im Chaos sortierte) Fotolade – Zeitzeuge einer Familie mit einem passionierten Tennisspieler, der Person am Abdrücker, vier Kindern und diversen Katzen und Hunden.

Wer nimmt sich noch Zeit, die Lade zu öffnen und in die Vergangenheit einzutauchen?

Dann wurde das digitale Fotografieren en vogue – statt Fotopapier braucht´s nun viel Speicherplatz in einer virtuellen Fotolade.

Wer nimmt sich noch Zeit, diese Lade zu öffnen und in die jüngste Vergangenheit einzutauchen?

Vielleicht dann, wenn man aus einem bestimmten Anlass eine ganz bestimmte Erinnerung benötigt? So dieser Tage bei mir: Für jemandem aus meinem Freundes-/Bekanntenkreis naht mit raschen Schritten ein runder Geburtstag – Freunde und Bekannte wurden aufgerufen, eine Erinnerungsseite zu kreieren – gespickt mit Anekdoten in Text und Bild. Ich wie immer poetisch-erfinderisch-kreativ hatte sofort das EINE Foto vor Augen, das so treffend und bezeichnend für das Jubelkind steht …

@ Bodo: „Kannst du mir bitte das Foto aus der Datenbank heraussuchen?“ – Bei zig-tausend Fotos die Nadel im Heuhaufen (?!) – außer, wenn man auf eine Struktur mit Datum und Ereignis vertraut und diese auch konsequent durchzieht – Juchuu! – das grenzt die Sucherei schon mal ordentlich ein!

Und das Schöne: man bleibt an dem einen oder anderen Schnappschuss hängen: sofort werden Erinnerungen wach – und … nachdem meine Sucherei gut 10 Jahre zurückging, konnte ich mit Erschrecken / Verwunderung / Interesse / … mitverfolgen, wie sehr ich mich – optisch betrachtet – in einem Jahrzehnt verändert habe!!! Am meisten hat mich stutzig gemacht, dass mein ach so krauser Wuschelkopf seit meinem letzten – verhunzten – Friseurbesuch so gut wie verschwunden ist (!?!?) – Liegt es an dem viel zu kurzen Haarschnitt (obwohl schon wieder über zwei Monate her, hält sich das Nachwachsen noch in Grenzen), der meine Locken vertrieben hat? Liegt es an dem Blondierungsspray, den ich über die Wintermonate hinweg verwendet habe, um die (möglicherweise) grauen Haare zu verdecken, da ich noch nicht weiß, welchem talentierten Friseur ich meine Haare anvertrauen soll, und ich diese Entscheidungsfindung zeitlich irgendwie überbrücken muss? Liegt es an den Hormonen, die erst langsam wieder aus dem Wintertief herausgekrochen kommen?

Eine Zeitreise – und man kommt ins Träumen, Schwärmen oder Grübeln, man weint der Vergangenheit nach oder ist froh, wenn gewisse Peinlichkeiten (oft dem jeweiligen Modetrend geschuldet) Geschichte sind.

Auf jeden Fall aber sollte man dafür dankbar sein, eine Vergangenheit zu haben, die im Herzen, in den Erinnerungssynapsen und sicherheitshalber auch im Tagebuch oder im Fotobuch festgehalten wird.

Wie muss es aber Menschen gehen, die durch Unwetter, Brand, Erdbeben, … Krieg diese Erinnerungshilfen verlieren?

Samma´s jetzt dann?

Gut Ding braucht Weile? Gut ist es erst dann, wenn es fertig ist? Gut wäre es, wenn es endlich fertig wäre? Gut ist, dass es nun endlich da ist! Da ist – traratatata!!! – unser Badmöbel!

Zur Erinnerung: Im Herbst 2020 – also, als jedermann/jederfrau pandemiebedingt über kleine und große Umbauten ernsthaft zum Nachdenken anfing – fing auch bei uns der Wunsch, unser Badezimmer und Klo zu refreshen, Gestalt und Formen an. Anfang 2021 hatten wir den ersten Installateur-Kontakt, der leider stumm im Sande verlief; im Frühjahr dann zwar das akzeptierbare Trostpflaster gefunden, das uns im Sommer aber neben diversen Schweißperlen auf der Stirn (und auch in den Achselhöhlen!) – oh ja – auch die eine oder andere Wunde hinterließ, die zum Glück der beste aller Hausgeister heilen konnte – Danke! Danke Danke! … bis auf die Risse, die sich längs und quer jetzt leider auf der Wand abzeichnen – hier wird dann doch noch im Sommer eine kleine Beauty-OP notwendig werden! Mitte August war es dann so weit, dass wir wieder indoor duschen konnten (Ich muss allerdings gestehen, dass unser primitiver Outdoor-Spa doch einen gewissen Reiz hatte – ich lechze eigentlich danach, das kalte Duschen auf der Terrasse im Sommer 22 wiederholen zu können!), zuerst noch ohne Glaswände – aber: die Bosch-Werkzeugkoffer von Bodo waren immer präsent!

Wir hatten eine gute Zeit lang genug von Baustelle und Eindringlingen, aber der Zustand „Duschen mit den Werkzeugkisten“ konnte einfach keine Dauerlösung bleiben! Ein Tischler muss also her! Drei haben wir kontaktiert – einer gefiel uns dann sowohl von der Herangehensweise her als auch vom Preis. Bodo und ich haben geplant, umgeplant – gegrübelt und diskutiert, bis wir dann von einer holprigen Übereck-Lösung schlussendlich zu einer fließend-geradlinigen und – in unseren Augen – harmonischen Lösung gekommen sind – und der Tischler hat uns dabei wesentlich mit seinen Renderings geholfen – seht mal:

Variante Über-Eck

Variante Eine-Linie

Der Weg bis zum fertigen Möbel begann im November 21; dann gab es wieder einmal eine längere Corona-Pause, im Februar 22 ging es endlich weiter, und im März 22 machten wir schließlich Nägel mit Köpfen – zuerst die Anzahlung, dann ein Zeitplan, der … nun ja, mit 4-wöchiger Verzögerung dann eingehalten wurde. Man kann den Firmen derzeit aber wirklich keine Vorwürfe machen: ein positiver Test verbannt einen zur mehrtägigen Quarantäne, die Lieferschwierigkeiten bei Holz und anderen Baumaterialien werden noch zunehmen 🙁

Aus Ende März wurde also Ende April – am 27.4. musste alles raus aus dem Bad;

am 28.04. kamen dann am schon etwas ältlichen Morgen zwei junger Tischler, freundlich, aber eher schweigsam, und selbst noch ungewiss, was sie bei uns erwarten wird. Ich musste dann ins Büro – und Bodo übernahm wieder einmal die Örtliche Bauaufsicht – inkl. Kaffee-Service und Verkostung seines heißgeliebten luftgetrockneten Schinkens aus der Steiermark (bei Bodo geht derzeit nichts, aber auch rein gar nichts über sein Murlbratl!) – mit einem Wort: die beiden hatten es bei uns vielleicht etwas eng im Bad, aber ansonsten echt gut!

Am späteren Nachmittag bekam ich dann die Info: Fertig! Die Werkzeugkoffer haben bereits Besitz von ihrem neuen Zuhause ergriffen …

… und: Wunderschön! Ja, jetzt rockt der Flow in unserem Bad!  Die beiden Yoga-Frösche aus Porzellan fühlen sich auch bereits wunderbar entspannt.

Heute morgen haben wir (zum Glück) feststellen können, dass alles, was so zu Hygiene, Anti-Aging und Fesch-am-Kopf gehört, in den drei großen Laden gut verstaut werden kann. Bei den großen Duschtüchern müssen wir noch am richtigen Dreh tüfteln – und für die Sitzfläche wünscht sich Bodo einen flacheren Polster als weiche Auflage.

Mein Vorsatz: Mit der Deko möchte ich es aber eher dezent halten – mal sehen, wie lange das anhält 🙂

Wenn etwas Neues kommt, muss etwas Altes weichen – demnächst daher auf der Tauschbörse: ein schmaler, 20-jähriger Waschtisch-Schrank und ein massives Sideholz aus dunklem Holz … wer will / wer mag?

Gut Ding braucht wahrlich Weile – und viel Geduld!

Hoffentlich …

… lebt sie noch?

 

Ich war heute in der Früh laufen – was sonst? Meistens überlege ich mir im Vorhinein, welche Laufstrecke ich nehme, manchmal kommt es auch ein wenig anders. Heute war es recht stürmisch, was mich ein wenig aus dem Konzept gebracht hat, weil ich an manchen Straßenkreuzungen von entgegenwirkenden Böen gebremst wurde und dann mit mal wieder in ein Windloch fiel.

Dazu noch ein Rest Schläfrigkeit.

Und eine rinnende Nase (aber das ist ganz normal, wenn ich im Laufschritt die Morgendämmerung durchbreche).

Dann war ich auch schon im Stadtpark, der sich trotz des wechselhaften Wetters mit sehr erfreulich-belebender Frühlingsstimmung zeigt.

Und dann war da plötzlich und unvermutet ein Bodenkontakt mit einem harten, buckligen Widerstand. Ich dachte: Hoppla, ein Stein / ein Ast! Und blickte mich intuitiv um … der Stein / der Ast hatte vier Beine und einen dünnen Schwanz … Ich bin da gerade auf eine Ratte getreten!!! War das deutlich spürbar knacksende Geräusch ein brechender Knochen oder gar der Rattenschädel? Wie aber floh das Tier, als wäre es von meinem Fuß nur gestreichelt worden? Haben auch Ratten mehr als ein Leben? Oder ist es wie bei den Hühnern, wenn diese nach dem Schlachten kopflos durch die Gegend rennen?

Ich bin wirklich kein Freund von diesen Nagern – meine Begegnungen mit dieser Spezies im Hausflur meiner ersten Wiener Wohnung oder im Hausmüll bzw. natürlich in der Stadt, dann aber meistens im Gebüsch … und manchmal auch als Leckerbissen für die nimmersatten Krähen – genügen mir vollauf, aber heute hatte ich echt ein schlechtes Gewissen und hatte einen kurzfristigen Adrenalinschub (der allerdings mit Gegenwind ganz schnell wieder verpuffte).

Ich will kein Rattenfänger sein, aber auch kein Rattenmörder! Den Schnecken mit Haus, die seit kurzem wieder aktiv sind, versuche ich ja auch, so gut als möglich, auszuweichen (was noch schwieriger ist, vor allem, wenn sie zu mehrt auf Wanderschaft gehen)!

Also, liebe Ratte – es war mit Sicherheit keine Absicht – und auch für dich gilt: schau nach rechts und links, wenn du einen Weg queren möchtest!

Vorbei … oder ein neuer Anfang?

Vor so ziemlich 5 Jahren habe ich einen enthusiastischen Blog geschrieben – da war ich gerade zum Pfarrgemeinderatsmitglied gewählt worden! Meine Erwartungshaltung war enorm, ich dachte, ich könnte etwas „bewegen“ …

Anfangs gab es eine Klausur, bei der große Pläne und Vorhaben geschmiedet wurden.

Ich konnte einen Workshop zum Thema „Gewalt-Prävention“ organisieren.

Doch mit der Zeit flachten mein Enthusiasmus und daher auch meine Bereitschaft zu weiterem Engagement deutlich ab. Die monatlichen bzw. quartalsweisen Sitzungen wurden zur Belastung. Meinem Gefühl nach fehlte dem allen der Spirit der Gemeinsamkeit – der Zusammenschluss dreier Pfarrgemeinden zu einer gemeinsamen fand nur in der Buchhaltung einen praktikablen Niederschlag, nicht aber im gemeinsamen Tun. Vielleicht auch anders nicht möglich aufgrund der unterschiedlichen Größen und der räumlichen Entfernung (?)

Die zahlreichen Lockdowns und die gesetzlichen Reglementierungen haben das natürlich auch nachteilig beeinflusst.

Und es gab ein paar Ereignisse, die mich stutzig, verwirrt, empört bis wütend gemacht haben, weil sie so ganz und gar im Widerspruch zum Wirken einer christlichen Gemeinschaft stehen!

Im letzten Jahr der Periode 2017-2021 habe ich mich dann auch vermehrt zurückgezogen, fanden die Sitzungen doch immer an den Wochentagen statt, wo ich abends wegen meiner Yoga- und/oder Fitness-Einheiten nicht „konnte“ – ehrlicher wäre: nicht „konnte, weil ich mich auch nicht um eine Vertretung bemühen wollte“ … verpasst habe ich allerdings nichts!

Mein selbstkritischer Endbericht, den ich allen Pfarrgemeinderatsmitgliedern zukommen ließ (und wo ich auch die besagten Ereignisse beschrieben habe), blieb vollkommen unkommentiert!

Am vergangenen Sonntag wurde der neue Pfarrgemeinderat gewählt. Mein letzter aktiver Beitrag war, die Wahlzettel auszuteilen und den Wähler*innen mit Auskünften behilflich zu sein.
Ich wünsche dem neuen Pfarrgemeinderat 5 befruchtende, erfolgreiche, gemeinschaftliche Jahre –

meine Berufung liegt eindeutig auf einer anderen Ebene … ich bin hier allerdings noch am Suchen …

Einfach … dankbar sein!

Dankbarkeit – Überstrapaziert? Unqualifiziert? Ungerecht? Unmachbar? Unvorstellbar?

Dankbarkeit ist kein UN-Wort, sondern ganz im Gegenteil ein MUSS-Wort!!!

Sind es nicht die kleinen Dinge des Lebens, in denen die Saat für ein bisschen fruchtbare Dankbarkeit steckt?

Mit Dankbarkeit einher gehen Freude / Lächeln / Zufriedenheit / Glücksgefühle – auch ohne Prosecco und Schokolade 😊

 

Ich bin dafür dankbar, dass die Tage wieder länger werden, dass ich meine morgendlichen Laufschritte auch wieder abseits der Straßenlaternen machen kann und mir sicher sein kann, auf unwegsameren Waldwegen nicht zu stolpern!

Ich bin dafür dankbar, dass ich vor kurzem um eine Hundertstelsekunde zu langsam war – und ich daher vom Vogelklecks, der von oben heruntergeschossen kam, verschont geblieben bin!

Ich bin dafür dankbar, dass Corona, SARS, COV-19, Delta, Omikron und wie immer die Mutationen heißen mögen, (bislang) kein Interesse an mir gezeigt haben!

Meine beste Freundin ist neben ihrer tiefen Trauer vielleicht auch ein bisschen dafür dankbar, dass sie ihre Mutter in deren letzten Stunden und Sekunden begleiten konnte.

Ein Lächeln auf den Lippen, wenn das gemeinsam zubereitete Abendessen gut geschmeckt hat.

Ein kurzes Winken mit der Hand, wenn dich ein Autofahrer am Zebrastreifen beachtet oder dich aus der Parklücke ausparken lässt.

Ein Seufzer der Erleichterung, wenn die Eingaben für die Einkommensteuererklärung dann endlich im Formular erfasst sind.

Die Hilfsbereitschaft der Arbeitskollegin am ersten Tag im neuen Job.

Jeder Tag, der gut war und sich in einen erholsamen Schlaf verwandelt.

[… die Liste kann natürlich unendlich weitergeführt werden!]

 

Sie sind da – die vielen kleinen Steinchen, die einen Anlass dazu geben, einfach … dankbar zu sein!

 

Alles wie gewohnt und doch anders?

Das wievielte Mal war ich nun schon bei der Kleidertauschparty? Wie viele Tonnen an Gewand habe ich dabei abgeladen? (Und wie viele Tonnen Gewand belasten nach wie vor die Schwerlastrollen meines Kleiderschranks?)

Auch wenn ich nicht bei jeder Veranstaltung dabei war – das blöde Virus hat auch hier zu längeren Aussetzern geführt -, zähle ich mich doch schon ein bisschen zu den „Stammgästen“. Daher war ich hocherfreut, als der erste 2022-er Termin angekündigt wurde!

In meinem Schrank gibt es ein kleines Platzerl für die Dinge, von denen ich mich fix trennen möchte. Dann braucht es aber einen ruhigen Nachmittag am Wochenende, um Stück für Stück durchzugehen, zu reflektieren, vielleicht auch noch mal zur Sicherheit anzuziehen – was zur Folge hat, dass der ursprünglich überschaubare Stoß an zu verabschiedendem Gewand Zug um Zug und Stück für Stück größer wird. Für diese Tauschrunde habe ich mich konzentriert auch über meine Sportsachen hergemacht: Tights und Trägertops sowie Bustiers … alles, was nur irgendwie zum Kneifen, Rutschen, Schweißausbrüchen (ohne Bewegung!) neigte, wanderte in die Waschmaschine für einen extra-guten-Duft-Herbeiführen-Waschgang. Rasch waren zwei Taschen prall gefüllt – der Tagesablauf für den letzten Freitag im Februar durchgetaktet (inkl. Friseur, Yoga-Unterricht, etc.) – dann kam aber die krankheitsbedingte Absage (und ja: es gibt auch noch „normale“ Verkühlungen!) und Verschiebung um zwei Wochen. 🙁

Vielleicht war das aber auch ganz gut so, denn seit dem 24. Februar droht unsere eh schon so angeknaxte Welt gänzlich aus den Fugen zu geraten …

… und die Farben Hellblau-Gelb bekommen eine ganz neue Wertigkeit!

Nachdem bei mir im Grätzl ein Transport mit Sachspenden für ukrainische Flüchtlinge organisiert wird, war für mich klar, dass der Inhalt der beiden prall gefüllten Taschen nochmals unter die Lupe genommen werden musste. Unter dem Aspekt, was können Frauen auf der Flucht jetzt dringend brauchen und was würden Frauen gerne in ihrem Schrank haben wollen, ergaben sich rasch zwei Stapel mit gutem Gewand.

Für den Stapel „dringend gebraucht“ habe ich dann spontan auch noch weitere Kleidung aus dem Schrank gezogen, wie etwa einen gut-praktischen schwarzen Kurzmantel mit Kapuze, den ich grundsätzlich weiterhin gerne getragen hätte … nur: wenn man mehrere Mäntel zur Auswahl hat, warum nicht zumindest einen hergeben?

Für den Stapel „haben wollen“ entschloss ich mich dann doch noch, mich final von der einen frack-trachtenartigen grauen Designer-Jacke zu trennen, die ich beim letzten Kleidertausch wieder mitgenommen hatte (weil ich da ja ein wenig Ablöse haben wollte, wofür niemand bereit war), die in einem 2nd-Hand-Shop überwintern musste und die auch auf willhaben.at nur mäßiges Interesse erwecken konnte, … zuerst dachte ich: Nein, vielleicht ziehst du sie ja doch noch an?! … und dann: Sei´s drum! – ich wusste ja auch schon im Vorfeld, wer von den treuen Kleidertausch-Ladies hier die würdige Nachfolgerin wäre … und hatte damit vollkommen Recht! 🙂

Und dann wurde es wieder Freitag, dann 19 Uhr, und all die bekannten Gesichter drängten sich in den quadratischen Raum, mit Prosecco, Wasser und Koffern / Taschen bestens ausgerüstet. Ich weiß nicht, warum ich mich immer an den gleichen Platz setze – vielleicht, weil die Gläser auf dem hohen Beistelltisch sicherer sind als auf den niedrigen Tischerln? -, aber ich habe es schon wieder getan! Mit mir gab es noch eine weitere FFP2-Trägerin, alle anderen schnatterten fröhlich befreit mit den direkten Sitznachbarinnen oder quer durch den Raum … Männer würden dazu wahrscheinlich nur mit den Augen rollen und das als Hühnerstall abtun … DAS GEHT EUCH ABER GAR NIX AN!

Alles beim Alten? Mitnichten: Unser liebe Gastgeberin wird normalerweise von ihrer erwachsenen Tochter unterstützt, die diese Mal leider fehlte. Das Tuch, auf dem die Sachen kommen, die keiner haben möchte, war kleiner zusammengefaltet als sonst – in der Hoffnung, dass nicht so viel darauf liegen bleiben wird. Dann gab es die Ankündigung wie aus dem Nichts, dass dies die vorletzte Party an diesem Standort sei, weil die Wohnung ab Mai als Wohnung genutzt werden möchte. Und: Anders als sonst, ging der Kleidertausch reihum vonstatten und nicht kreuz & quer.

Trotz nach außen gezeigter Fröhlichkeit konnte man doch deutlich spüren, dass jede einzelne von uns tief im Innersten ein Gefühl von Traurigkeit, Furcht, Machtlosigkeit, Wut, Verwirrung, … mit sich herum schleppte. So gab es an diesem Abend Phasen der Umtriebigkeit, und aus dem Koffer / aus der Tasche herausgezauberte Kleidungsstücke fanden mit „ICH!“ bzw. „TANZKARTE!“ schnell eine neue Besitzerin. Dann aber gab es wieder Phasen, wo alles schön-Reden nicht genügend Überzeugungskraft hatte, und etliche Blusen, Shirts, Hosen etc. auf das Tuch herab segelten. Ich bin nur auf einer kurzen Sporthose und auf einem kurzen Rock „sitzen geblieben“, bin sogar die beiden Taschen losgeworden.

Aber ich muss mir gegenüber kritisch äußern, dass ich einfach zu wählerisch und damit zu langsam bin, wenn es darum geht, „ICH!“ zu schreien (!?!?) Mich hätte zum Beispiel doch auch die eine kleine Umhängetasche interessiert, weil a) von Liebeskind, meinem bevorzugten Taschendesigner und b) weil sie ideal für meine drei (!) Smartphones gewesen wäre, aber dann war sie doch schon fix weg. Und die andere Umhängtasche in hellem Pistazie? Schön ja, aber … vielleicht ein anderes Mal! Beim Gewand war leider nichts dabei – ich fühle mich momentan auch so gar nicht in einem Traumbody, sehe überall nur Bauch- und Hüftfett – ein hoffnungsloser Alptraum also!

Daher kommt der lange, schwarze Trenchcoat von H&M Woman in Größe 40 (WAS?!?!) doch ganz gut gelegen?!?! Etwas oversized, offen getragen, mit meinem üblichen Converse-Plateau-Sneakers-Style, die Ärmel leicht aufgerollt, … bekommt das an sich eher fad-elegante Teil mehr Pep … UND einen TRUMPF habe ich noch in der Tasche: Ich kenne eine junge künstlerisch begabte junge Frau – manche wissen, wen ich meine 😉 -, die seit kurzem einen Stick-Computer hat … und da werde ich eine coole Stickerei für den Rücken in Auftrag geben – ich weiß auch schon, welches Motiv ich haben möchte! 🙂 Dann noch coole andere Knöpfe – und der Mantel ist zu 100 % individualisiert! Damit erscheine ich dann auf einer der nächsten Kleidertauschparties – hoffentlich in einer neuen netten Location!

Und damit komme ich zum Schluss auch schon zu einer ernst zu gemeinten Anregung: Jeder Teilnehmerin sollte zumindest ein Teil, das bei einer der letzten Parties ergattert worden ist, bei der Kleidertauschparty tragen und demonstrieren, wie sie es kombiniert. Denn eines ist mir schon auch aufgefallen – und da nehme ich mich gar nicht mal aus: Jede von uns Ladies ist immer fesch gekleidet, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass nichts davon von einer der Parties stammt – Ladies: zeigt Euch doch in Eurem Tauschgewand, für das Ihr so redlich gekämpft habt!

Bis bald!

Wenn das Gewissen beißt

Wenn man vom eigenen Gewissen gebissen wird, dann fühlt es sich vielleicht ein wenig so an, als ob man von einem Knabberfisch (Saugbarbe) ein Horthaut-Peeling bekommen würde – es kitzelt, es juckt vielleicht sogar, es ist ein wenig unangenehm, tut aber nicht weh.

Dann gibt es aber auch Gewissensbisse, die sich bis tief ins Fleisch verzahnen, eine große Wunde und weit mehr als etwas Unbehagen verursachen.

Momentan befinde ich mich irgendwie zwischendrin, so als ob sich der an sich zahnlose Knabberfisch mit mal eine Haifisch-Zahnprothese übergestülpt hätte und sich jetzt durch meine Hornhaut bis zum Knochen durchzubeißen versucht.

Was ist passiert, dass ich von solch brutal-blutigen Gedanken geplagt werde? Ist mein zweites Ich mittlerweile so von meiner anregenden Krimi-Thriller-Lektüre durchseucht (welch aktuelle Wortwahl!!!)?

Nein, der Trigger für die Bisswunde war ein eigentlich ganz alltäglicher Vorfall heute Morgen noch vor 7:00 Uhr, als ich in der S-Bahn-Station auf den Zug wartete, um zu meiner Yoga-Vertretung zu düsen (… es hat sich in den letzten Tagen leider gezeigt, dass auch Yogalehrer:innen nicht viren-immun sind ☹ – in den letzten zwei, drei Wochen hatte ich so viele Yoga-Vertretungen wie nie zuvor!). Als ich jedenfalls da so stand – 3 Minuten bis zum Eintreffen des Zuges -, hörte ich am anderen Ende des Bahnsteigs eine Stimme: „Haben Sie eine Zigarette für mich?“, „Haben Sie etwas Kleingeld für mich?“ … also eine arme Haut auf frühmorgendlichem Bettelzug. Ich bin bei Schnorrereien immer im Wiggel-Waggel … soll ich was geben oder nicht? Habe ich überhaupt Kleingeld dabei? Denn seitdem überall, selbst in der Bäckerei, mehr und mehr kontaktlos bezahlt wird, damit das „Eh-schon-wissen“ sich nicht über Münzen und Scheine überträgt, ist mein Geldbörserl sehr leicht und recht dünn – nicht mal für den Klingelbeutel reicht es mehr! Parallel die Zeitrechnung im Kopf: wer ist schneller – mein Zug oder der Bettler? Für den Fall der Fälle – und weil mein Gewissen heute Morgen schon mit den Zähnen fletschte -, schaute ich im Geldbörsel nach und siehe da: ein ganzer Euro inmitten von ein paar Ein-Cent-Münzen! Als aber ein paar Polizisten am Bahnsteig erschienen und die Stimme abrupt nicht mehr zu hören war, dachte ich, dass der Bettler das Weite gesucht hätte – und steckte den Euro wieder ein. Noch zwei Minuten … noch eine Minute bis zur Ankunft des Zuges – plötzlich war die Stimme wieder da und kam immer näher. Und als der Zug dann einfuhr, hatte mich die Stimme doch noch erwischt. Grundsätzlich hätte ich es schon geschafft, den Euro wieder hervorzuholen und trotzdem rechtzeitig in den Zug steigen zu können (und wenn: im Morgenintervall kommen Züge alle drei Minuten!), doch der Bettler / Obdachlose wurde dann – just bei mir!!! – unverschämt – vom wahrscheinlich auswendig gelernten Bettelspruch-Drehbuch bis hin zu: „Kann ich mit Ihnen mitfahren?“, kam er mir, im physischen, wie auch übertragenen Sinne, einfach viel zu nahe! Meine körperliche und verbale Reaktion war, ohne dass ich es hätte kontrollieren können, von tiefer Ablehnung, Abwehr und einem einzigen Gedanken gezeichnet – nur schnell weg! Doch kaum fuhr der Zug los, war er da, der scharfe und unerbittliche Biss des Gewissens!

Gleichzeitig aber spulten sich vor meinem inneren Auge erlebte Kleinfilme ab, Erinnerungen an andere Begegnungen mit der Bettelei:

Szene 1 – Naschmarkt in Wien, vor allem morgens orientalisch-regional angehauchtes Obst- und Gemüse-Paradies, ab Mittag dann auch Gusto-Meile für Hungrige und Durstige. Als die „Welt noch in Ordnung war“, war auch ich mal dort an einem lauen Sommerabend, um ein bisschen dolce far niente zu genießen. Doch permanent wurden wir von Kindern und alten Frauen angebettelt – auch hier das deutliche körperliche Überschreiten der persönlichen Privatsphäre. Klar, dass einem die Kleinsten und die Ältesten leidtun – aber das hört sich ganz schnell auf, wenn man die Oma in der „Arbeitspause“ in einer etwas abgeschiedenen Ecke mit einem gut-neuen I-Phone in der Hand entdeckt!

Szene 2 – Innenstadt in Wien, morgens auf dem Weg in die Arbeit, an der Ecke eine nicht mehr ganz junge Frau, zwar ordentlich und sauber gekleidet, aber stumm und still ihre Hand aufhaltend – da war ich froh, dass ich eine Zwei-Euro-Münze in der Tasche hatte!

Szene 3 – vor dem Supermarkt ein alter Mann in zerrissener Kleidung, sich mit einer Hand am Stock aufstützend, in der anderen Hand den klassischen zerknautschten Coffee-to-Go-Becher. Ich dachte mir: Geld gebe ich dir keines, denn ich bin mir sicher, dass dein „Chef“ irgendwo in der Nähe in einer Nische steht und jedes Geldstück, das im Becher landet, mit Argusaugen beobachtet. Aber ich bringe dir persönlich etwas zu essen und zu trinken aus dem Supermarkt mit. Als ich mit einer Flasche Mineralwasser und einem gesunden Sandwich wieder auf der Straße stehe, steht der alte Mann mit dem Gesicht abgewendet ganz dicht an der Hauswand. Ist ihm schlecht oder gar schwindlig? Als er auf mein mehrmaliges „Hallo?“ nicht reagiert, trete ich etwas näher – und muss erkennen, dass er gerade in ein anregendes Telefonat vertieft ist … Bettelei und Handybesitz? Das geht so gar nicht! Ich habe ihm (ohne dass er es mitbekommen hätte, so vertieft war) zwar Speis und Trank einfach dagelassen, habe mir aber innerlich versprochen, dass ich mich von diesem „System“ in Zukunft nicht mehr einlullen lasse!

Szene 4, Szene 5, … es gibt da sicherlich noch einige mehr, die gewisse Ähnlichkeiten und Parallelen zu Szene 1 und Szene 3 aufweisen.

Wenn ich mich allerdings an Szene 2 erinnere – da schäme ich mich, dass ich nur die zwei Euro hergegeben habe … ich habe die Frau nie mehr wiedergesehen!

Der Bettler / Obdachlose von heute Morgen führt sicher ein besch…. Leben, aber sein Eindringen in meinen Komfortzone-Kokon war mir einfach too much!

Armut hat leider viele Gesichter. Die vielen Spendenbriefe, die mit der Post geschickt werden, nerven zuweilen ganz gehörig – schon wieder ein Kugelschreiber, schon wieder Glückwunschkarten! –, doch fällt es mir hier leichter, auch mal „mehr“ herzugeben, weil hinter dem Spendensammeln — hoffentlich! — seriöse Institutionen stecken und weil eine Online-Überweisung automatisch eine gewisse Distanz schafft.

Und: das scharfe Haifischgebiss kann sich wieder zu zahnlosen Lippen zurück verwandeln und die Hornhaut verwöhnen …

… bis zur nächsten persönlichen Konfrontation!

Mein 3. Stich im Dom

Wie sagt man so schön?
* Nägel mit Kröpfchen schlagen
* über die eigene Wildsau hüpfen
* die Chance beim Schlafittchen zupfen
… ich und meine verunglückten Redewendungen …!

Jedenfalls habe ich heute – zwei Tage vor Weihnachten / vier Tage vor meinem xx. Geburtstag (oje!!!) / jedenfalls noch im 21er – die Gunst der Stunde ausgenutzt und bin in der Mittagspause mit schnellem Schritt Richtung innerstes Herz der Stadt aufgebrochen – im sportlichen Slalomschwung, den einkaufwütenden menschlichen Hindernissen ausweichend, kam ich mit leicht erhöhtem Puls, aber ohne Schweiß auf der Stirn oder in den Achselhöhlen am Stephansplatz an und tauchte ohne ein zitterndes Zögern ein in die teuerste Immobilie des Landes – den DOM!

Zum heimlichen Gebet? Zur schnellen Beichte? Zum 12-Uhr-Gottesdienst?

Nicht ganz – und wenn, dann nur im Vorübergehen, denn vielmehr zog es mich ins Seitenschiff und in die Barbarakapelle, wo seit einigen Wochen der Joanniter-Orden eine Impfstation eingerichtet hat. Meine Angst, ohne Termin in einer langen Schlange warten zu müssen, war zum Glück gänzlich unbegründet – in der Anfangszeit stand die Schlange der Impfgierigen weit bis raus ins Freie mit bis zu 4 Stunden Wartezeit – und das im herbstlichen Wiener Wind. Vor mir keine 20 Leute – und alles ging sehr zügig voran, so schnell, dass ich von dem im Hauptschiff gerade abgehaltenen Gottesdienst kaum den Fürbitten, dem Halleluja, der Wandlung und dem Vaterunser folgen konnte – denn schon war ich dran!

Das „Machen Sie einen Oberarm frei!“ gestaltete sich ein wenig schwierig, weil sich die Ärmel meines Kleides schlecht aufkrempeln lassen, ich daher das Kleid aufknöpfen musste, um ein wenig „kalte Schulter“ zeigen zu können. Und als kleine Draufgabe wurde das bisschen nackte Haut während des Pieksens fotografiert – natürlich mit meiner Erlaubnis! Der Schnappschuss kommt aber offenbar nur in das Archiv der Joanniter und leider nicht ins Fernsehen zur Promiparade – schade eigentlich, denn gestern Abend in meiner – überraschend – gut besuchten Bodywork-Stunde gab es kräftiges Kurzhantel-Training – und das macht am Tag danach immer ein gute Silhouette!

Zum Abschluss gab es dann auch noch den offiziellen Gottesdienst-Abschluss-Segen vom Priester …

Ob mich jetzt der Booster besser schützt? Das kann mir keiner sagen und ist mir an sich auch nicht so wichtig, denn viel essentieller erscheint es mir, weiterhin auf Abstand und Distanz zu achten, regelmäßig, dh mehrmals in der Woche (!) einen PCR-Test und jedenfalls keinen leichtsinnigen Unfug zu machen!

Allerdings bekommt – rein symbolisch betrachtet – „mein“ 3. Stich durch die Atmosphäre dieses besonderen Ortes eine besondere Bedeutung. Heißt es nicht auch: Der Glaube kann Berge versetzen? (… das war jetzt richtig zitiert oder …? 😊