So hot!

Menschen anziehen – Kleidung tauschen – am vergangenen Freitag habe ich mich wieder einmal der illustren Gruppe von rund 20 Frauen angeschlossen, die einmal im Monat schwere Reise-Koffer oder prall gefüllte – unverkennbar schwedisch blaue – Riesen-Einkaufstaschen in ein Gebäude im 15. Arrondissement am Rand zu einer Kleingartensiedlung hineinschmuggeln und keuchend in das zweite Obergeschoss – ohne Aufzug! – hinaufschleppen. Mit Schweißtropfen auf der Stirn und leicht feuchten Achselhöhlen – draußen hatte es an diesem Tag über 30 Grad, die sich bis weit in den Abend nicht vertrieben ließen – wurden wir von unserer unermüdlichen Gastgeberin und ihrer fleißigen Tochter mit einer lecker-erfrischenden Nektarinen-Wassermelonen-Bowle begrüßt – unser „Schlachtfeld“ auf angenehme Raumtemperatur heruntergekühlt.

CoV-bedingt gab es natürlich auch bei der in der Regel monatlich stattfindenden Kleidertauschparty Einschränkungen bzw. Umorganisationsnotwendigkeiten, aber an diesem so heißen Sommerabend waren alle ohne Zweifel von Glück erfüllt, sich wieder einmal „komplett“ zu diesem kleinen-feinen Event treffen zu können. Fast wie ein Familientreffen – nur ohne Streitereien 😉 –

und unverändert: der „harte Kern“ dieser fashion-affinen Family macht gut drei Viertel aus, das letzte Viertel, zu dem auch ich mich zähle, wird von „Gelegentlichen“ bzw. „Neuzugängen“ gebildet – im Endeffekt aber vollkommen egal, denn jede Kleidertauschparty hat ihren eigenen Flair – jede Frau ist wie eine isolierte Zutat, ein spezielles Gewürz – in der Komposition wird daraus ein aufeinander abgestimmtes und schmackhaftes Menü!

Und bei allen, auch bei den routinierten Ladies, ist jedes Mal eine gewisse Aufregung zu spüren, ein Knistern liegt in der Luft – Neugierde, Vorfreude – und ein bisschen vielleicht auch der Ehrgeiz, die Schnellste beim Ergattern eines Schnäppchens zu sein.

Wer aber hat den größten Koffer, die prallste Einkaufstasche dabei?

Anzunehmen wäre, dass die „Gelegentlichen“ hier an der Spitze stehen, weil bei dieser Gruppe ja (theoretisch) über mehrere Wochen und Monate hinweg Kleidung aussortiert wird, die Quantität daher rein rechnerisch höher sein müsste. Ich zum Beispiel habe in den ersten Wochen der CoV-Starre mein Gewand unter sehr intensiven und möglichst objektiv-kritischen betrachtet, bewertet, (aus-)sortiert – es sei jetzt dahin gestellt, ob der CoV-Lockdown dafür die richtige Zeit war, zumal im Homeoffice der Anspruch an Fashion & Style doch deutlich heruntergeschraubt war. Jedenfalls musste ich bei meinem kleinen Reisekoffer auch die Shoppingfalte öffnen!

Bei den „Neuzugängen“ ist anzunehmen, dass noch eine gewisse Schüchternheit vorherrscht und lieber mal beobachtet wird, was die anderen da so aus dem Hut zaubern. Und möglicherweise ist anfangs das „Schnäppchen-Ergattern“ auch spannender als (vielleicht) im eigenen Kleiderschrank Luft zu schaffen.

Und beim „harten Kern“ hätte ich sowieso angenommen, dass die meisten der Kleidungsstücke quasi einen Monat lang getragen / getestet werden, um dann bei der nächsten Party weitergereicht zu werden.

Fakt ist: Meine Berechnung stimmt nur teilweise!

Fakt ist: Wahnsinn, wie viel Gewand wir Frauen alle haben!

Fakt ist: Ein und dasselbe Kleidungsstück sieht bei jeder Frau ein bisschen anders aus – entscheidend sind Typ, Ausstrahlung, Accessoires – das gewisse Etwas, das jede Frau so einzigartig macht!

Das zu beobachten und am eigenen Leib wahrzunehmen, macht jede Kleidertauschparty so spannend für mich! Denn anders, als in Ruhe in einer Boutique zu stöbern oder auf Zalando / Impressionen / Asos etc. zu surfen, geht es darum, möglichst rasch – eigentlich im Bruchteil einer Sekunde – abzuschätzen, ob das Kleid, der Pullover, die Jacke, das T-Shirt, … der „anderen“ etwas für mich wäre – eigentlich eine ganz schön sportliche Angelegenheit! Ich hatte an diesem Freitag gleich zwei Mal das Glück, über die „Tanzkarte“ (also als Zweite in der Reihenfolge der Interessierten) zu tollen Stücken zu kommen: einem schwarzen, figurbetonten Stretch-Kleid (das sogar recht locker sitzt) und einem coolen Armband – weißes Lederband, ca. 15 mm breit und grobe Metallteile (manches Mal haben kräftigere Handgelenke auch kleine Vorteile!). Bei einem leichten Sommerkleid in einem hellen Blau, ziemlich weit und lang, haben – wenn ich mich recht erinnere … es ging alles so schnell! – eigentlich die anderen bestimmt, dass das was für mich wäre – an dieser Stelle: Danke!!!

Ich mag dieses Event,

ich mag diese quirlige, friedliche, familiäre Truppe!

Danke an „Menschenanziehen“, dass es dieses nachhaltige Event gibt! Im Herbst bin ich sicher wieder dabei – das kritische Aussortieren hat bereits begonnen!

 

MASKErade

Es darf auch wieder mal geschmunzelt werden!

Ich bin wahrlich kein Freund von Kopfbedeckungen, da mein Schädelumfang einfach zu schmächtig ist, um eine fesche Kappe, Haube oder gar Hut zu tragen.

Ich bin auch wahrlich kein Fan von Masken, weder im Fasching noch als Gesichtsbehandlung.

Aber wenn es sich aus einer spontanen Situation gerade halt so ergibt, springe sogar ich über meinen Schatten …

Situation 1: Waldspaziergang – Sonnenschein – viele Gehölz … und ein Baumschwamm, der in die Form eines Zauberhutes aus Harry Potter hineingewachsen ist – und mir wie angegossen steht! Was bin ich doch für eine kleine Hexe!

Situation 2: COVID-19 … und die Mund- und Nasenschutz-Pflicht, die auch aus einer simplen Diplom-Ingenieurin im Handumdrehen eine Frau Doktor, eine OP-Schwester, eine Mikrobiologin, eine … verantwortungsvolle Mitbürgerin macht. Ich würde mir zwar schon ein wenig mehr Style wünschen, aber ich bin nicht bereit, für ein handgenähtes Stück aus einem alten Männerhemd EUR 12,- zu zahlen!

Es darf wirklich wieder mal geschmunzelt werden!

Ich lebe … auf zu großem Fuß!

Ab wann wird man zum Wiederholungsjunkie? Ich bin ja eine begeisterte Thriller-Leserin – und da spricht man dann schon ab dem zweiten Mordopfer von einem Serienkiller. Nun gut, dann kann ich mich also auch schon als Wiederholungstäterin einstufen lassen – denn ich fuhr am vergangenen Freitag zum zweiten Mal mit einem vollgestopften Köfferchen in den 15. Gemeindebezirk, zu Alex´ monatlich stattfindender Kleidertauschparty. Pünktlich um 19 Uhr vor dem geschlossenen Haustor – blind wie ein Tiefsee-Aal konnte ich die passende Türklingel nicht ausfindig machen. Zum Glück kam da eine junge Frau und konnte mir weiterhelfen. Zwei Stockwerke zu Fuß hoch, zwischendrin noch ein “wichtiger” Anruf, leicht atemlos dann endlich im Flur.

Die Gastgeberin in einem coolen Outfit – kommt die luftige Jacke vielleicht zur “Versteigerung”? – mit den letzten Vorbereitungen beschäftigt. Im großen Zimmer schon weiße Sessel und ein paar wenige gepolsterte Stühle aufgereiht.

Auch wenn ich erst zum zweiten Mal hier bin, zeichnet sich doch ein deutlich erkennbares Muster ab, denn die “Stammgästinnen” haben auch ihre Stamm-Stühle / -Sessel – neu sind die “Reservierungs-Kissen”! – und bilden ein zusammengeschweißtes Grüppchen! Damit wird die zweite (und zudem zahlenmäßig unterlegene) Gruppe der “Novizinnen” und “Ich-komm-nur-hin-und-wieder-Teilnehmerinnen” – räumlich an die schmäleren der vier Wände gedrängt. Mir macht das nichts aus, denn ich habe mich heute um einen Platz weiter nach links gesetzt als beim ersten Mal und habe alles gut im Blick! Dieses Mal sind so viele Ladies hier, dass die Gastgeberin gar keinen Sitzplatz mehr bekommt und stattdessen im Türrahmen stehend unser typisch weibliche Verhaltensmuster beobachtet und auch kommentiert.

Meinem Empfinden nach ist das heutige “Ich-” und “Tanzkarte-“Schreien nicht so dynamisch wie bei meinem erstem Mal im November. Deutlich zeichnet sich auch ab, dass Wintersachen, wie dicke Strickjacken oder Schals, im Frühling kaum Abnehmerinnen finden – also Mädels: kommt damit erst wieder im Oktober!

Ich habe in meinen Koffer dieses Mal ein paar Zweiteiler eingepackt – aber ich glaube, dass die Oberteile und Hosen/Röcke ab nun getrennte Wege gehen! Es ging wieder mal so schnell, dass ich da den Überblick verloren habe … 🙂

Meine persönliche Lesson learned: Ich lebe einfach auf zu großem Fuß!

Schuhgröße 41 ist absolut OUT!

IN ist mitnichten der zierlich kleine Fuß in 37!

Also mussten meine HighHeel-Sandalen leider wieder mit … und ich weiß einfach nicht, wie und wo ich hierfür leidenschaftliche Trägerinnen finde …?

Auch in meinem Koffer, als ich mich auf den Heimweg machte: ein leichter schwarzer Mantel mit Bindegürtel – ein cooles Über-Drüber- und Aufpepp-Accessoire … mir schweben da schon einige Outfits im Kopf herum (bunt-gemusterte Yoga-Tights inklusive) –

… daher einfache Formel: Mehr Qualität als Quantität plus ein bisschen Phantasie und Vielfaches macht zusammen einen nachhaltigen Fashion-Gewinn!

Versuchung im Ausverkauf

Morgendliche Joggingrunden können schon mal einen ganz anderen Verlauf nehmen.

Am vergangenen Mittwoch bin ich wie an jedem Wochentag brav um 05.15 dem Ruf des Weckers gefolgt, habe mir noch schlaftrunken und ziemlich gedankenleer meine Laufsachen angezogen, den Wohnungsschlüssel eingesteckt, die Lautsprecher ins Ohr gestöpselt und meine schlappen Schritte stadteinwärts zum Donaukanal gelenkt. Nachdem sich mir aber ein erboster Nordwestwind arg entgegenstellte – frei nach Herr der Ringe / Teil 1: “Du kannst NICHT an mir vorbei!” -, bog ich bei einer der nächsten Brücken wieder ab und entschied mich für einen Rückweg im Schutze der alten Gemäuer des 1.Bezirks.

Dort aber einsam und verlassen in der winterlichen Dunkelheit und nur schwach beleuchtet – die Schaufenster größerer und kleinerer Boutiquen. Kleine Verschnaufpausen daher nicht an einer roter Ampel, sondern Stop-&-Go vor besonders interessanten Vitrineninhalten. So auch gleich nach der Freyung in der Nähe des “Goldenen Quartiers” am Tuchlauben, dort, wo sich Chanel und Louis Vuitton neidisch gegenüberliegen, dort, wo im klassischen In-Lokal, dem Schwarzen Kameel, tagsüber und bis spät in die Nacht leckere Brötchen genascht werden und heftig Prosecco geschlürft wird, dort, wo sich auch mein derzeitiges Bauprojekt befindet. Dort also, im Schaufenster einer äußerst kleinen Boutique, eng aneinandergequetscht zwei wuschel-wollige Mäntel. Einer sticht mir besonders ins Auge und trifft einen Punkt in meinem Körper, der unmittelbar heiße Begierde auslöst. Warum nur? Der wadenlange Mantel ist aus hellgrau eingefärbtem Lammfell – Lucia: du, als Veggie mit Lockenkopf, begehrst etwas, wofür ein Schaf herhalten musste? Das, was mich aber offenbar so geflasht hat, war das hinten am Rücken eingestickte große PEACE-Zeichen und der Schriftzug “Love is in the air”. Den Preis erhaschte ich nur mit einem Auge – das alleine hätte eigentlich sofort die Flamme der Begierde auslöschen müssen – vierstellig!!! – und das im SALE!

Ich kann aber nicht erklären, warum ich diesen Mantel, bei dem so vieles dagegen sprach, einfach nicht aus dem Kopf bekam. Ich muss da nochmals hin – noch mal nur schauen … vielleicht anprobieren und vielleicht …

Am Donnerstag kam ich nicht dazu.

Am Freitag war es nach meiner letzten Fitness-Boxen-Einheit (zwei Mal hintereinander als Einzelstunde konsumiert!!!) und dem wöchentlichen Supermarkt-Einkauf schon zu spät.

Also am Samstag – in einer Pause von nach Hause genommener Arbeit (Protokolle aus fünf technischen Aufklärungsgesprächen mit Baufirmen – da braucht man Ruhe und viel Sitzfleisch!) – bin ich schnell in meinen sowieso einzigartigen Stoffmantel, dem ich vor einer Wintersaison in Graz verfallen bin, und Boots geschlüpft und auf schnellstem Weg mit den Öffis in die City geeilt. Vor der Boutique dann die Bremse gezogen und mit einer anderen Frau fast zusammengetutscht. Der Mantel hing mit seiner breiten Rückenansicht in Szene gesetzt. Aber das, was schon in der U-Bahn begonnen hatte – mein vernünftiges Ich begann mir ordentlich ins Gewissen zu reden -, setzte sich jetzt hier am Ziel weiter fort. Bei Tageslicht sah das Fell dann nicht mehr so kuschelig aus. Allein der Schriftzug traf mich weiterhin ins Herz. Aber wo ich schon mal da war, überwand ich die plötzlich aufkommende Schwellenangst und ging hinein in die Boutique Mo´s Concept (high quality handmade Designstücke). Gleich rechts hing noch ein Zwillingsmantel zur näheren Begutachtung – und dann war´s auch vorbei mit der Shopping-Libido: das Fell sah mehr gerupft als geschoren aus, das Innenfutter in einem ganz hellen Grau aus 100% Poyester – also 100% Schweiß vorprogrammiert – und der Preis: einfach irrational!

So schnell war ich selten aus einer Boutique wieder draußen!

Vielleicht, wenn die Null hinten nicht gewesen wäre und nochmals minus 50%, vielleicht als Hingucker für eine Saison – aber so … No!

Innerlich kopfschüttelnd über meine Schwäche ging es dann schnell wieder nach Hause – und gleichzeitig stolz auf meinen schönen Stoffmantel, der kompromisslos zu mir steht. Danke, dass du mich vor einer großen Dummheit bewahrt hast!

Lesson learned: Versuchungen im Ausverkauf zahlen sich meistens nicht aus und finden sich sehr oft und sehr bald wieder auf diversen Kleidertausch-Parties!

Menschen anziehen

Ich war nie weg und doch verschollen! Für alle, die mich vermisst haben: Ich bin wieder voll der Worte, die sich in meinem Kopf zu – hoffentlich – ganzen Sätzen formen mögen! Heute und jetzt sind meine Erinnerungen und Gedanken einem kleinen, feinen, fast exklusiven Event gewidmet, bei dem ich am vergangenen Freitag, nach Job, einer Einheit Fitness-Boxen (wird im Gesundheitszentrum meines Dienstgebers angeboten), einer Kennenlernrunde mit einem Personal-Trainer (der, oh Schreck, halb so alt ist wie ich und mich – deswegen? – gleich zu athletisch-anstrengenden Ausdauer-Übungen vergattert hat) und nach einer (1) Stunde “Ich-helfe-Ordnung-schaffen-Runde” in der Pfarrkanzlei, zu Gast war.

Der Ort – eine Wohnung in einer ruhigen Seitengasse im 15.Bezirk.

Die Gastgeberin – Alexandra, die erkennen kann, welcher Farbtyp du bist.

Die Gäste – 18 Frauen, bunt gemischt, Wiederholungstäterinnen und Novizinnen.

Mein “Geschenk” – verpackt in einem silbergrauen, mittelgroßen Koffer.

Um Punkt 19:00 Uhr stand ich vor der Türe, etwas außer Atem, weil sich der doch etwas schwere Koffer auf der gut drei (3) Kilometer langen Strecke von der Straßenbahn weggerechnet, noch dazu leicht bergauf, gegen meinen – wie immer – eher sportlichen Geh-Lauf zu wehren versuchte. Dann noch ohne Lift ins 2.Obergeschoß hinauf – ich muss nicht betonen, dass der Begrüßungsprosecco sehr willkommen war!

Die Stimmung: ungezwungen, fröhlich, erwartungsvoll und etwas ungeduldig.

Um 19:30 wurden dann allen nochmals die Spielregeln erklärt: Du zeigst und beschreibst, was du mitgebracht hast, kannst je nach theatralischer Veranlagung auch eine Story dazu erzählen. Kleidergrößen sind tabu, ausgenommen bei Schuhen. Diejenige, die das Teil haben will, macht sich mit lauter Stimme oder mit Handzeichen bemerkbar und bekommt die “Beute” zugeworfen – Achtung: es stehen Gläser auf den Tischen! Diejenige, die sich auch dafür interessiert, aber zu langsam war, bekommt die “Tanzkarte”, dh wenn´s der ersten dann doch nicht gefällt oder passt, ist die zweite dran. Was keine Anwärterin findet, landet in der Mitte des Raums auf einer Decke und wird am Schluss der Veranstaltung, wenn nach einer finalen Wühlrunde alle zufrieden heim gegangen sind, einer gemeinnützigen Vereinigung gespendet. Diejenige, die das letzte Stück der Präsentantin ergattert hat, ist dann mit ihren Gaben dran.

Ich hatte mich für dieses Event angemeldet, weil ich wieder Luft in meinen Kleiderschrank bringen wollte (und musste!). Daher standen für mich die Neugierde, das Beobachten und der Spaß im Vordergrund und nicht so sehr die Gier. Ich muss aber anerkennend betonen, dass das, was aus den Koffern und Riesen-Taschen der anderen Damen, gezogen wurde, durchwegs mehr Niveau hatte, als das, was ich bisweilen auf den eher großangelegten Kleidertausch-Parties angetroffen hatte.

Mich hat´s gefreut, wenn sich eine der anderen Frauen gefreut hat. Lustig war vor allem, dass einige der Teilnehmerinnen eine Farbberatung hinter sich hatten und daher ganz gezielt “Ich” schrieen. Eine war offenbar versessen auf alles, was einem Herbsttyp mehr Glanz verschafft, eine andere hatte echtes Glück, weil so viele Shirts, Röcke, Jacken, … in einem Lila-Violett-Aubergine-Farbton angeboten wurden.

Mein erstes “Ich!” galt einem kleinen orangen Herzen aus Speckstein, das auf Bodo´s Schreibtisch seinen Platz gefunden hat.

Daraufhin durfte ich dann meinen Koffer öffnen – und kam, ehrlich gesagt, gar nicht dazu, meine vorbereiteten Kurzstories zu erzählen, so schnell hatten die einzelnen Teile eine neue Besitzerin gefunden! Es war mir ja auch wichtig, nur gute, fesche, interessante Kleidungsstücke mitzubringen – schließlich wollte ich mich als “Neuling” nicht blamieren! Einzig das Paar Stiefeletten, mit sehr, sehr hohem Absatz, von mir noch nie getragen, weil eine Nummer zu klein (gekauft vor meiner Hallux-OP, also, als ich dumm und dümmer war), kam nach diesem unterhaltsamen Abend wieder mit nach Hause.

Bei allen Damen wurde aus dem “Ich-bin-alles-losgeworden!” bald wieder “Da-ist-mein-Kleiderschrank-jetzt-aber-wieder-voll!”.

Und bei mir? Spät, aber doch, sagte ich dann “Ich!” zu einem SCHWARZEN schmalen, überknielangen Rock mit Gummibund, zu zwei SCHWARZEN lang geschnittenen Oberteilen, mal kurz-, mal langärmelig, mit Schlitz und einem SCHWARZEN Trägertop (gut geeignet als Untendrunter oder fürs Yoga). – Uihhh! Und das, obwohl ich ja auch ein Herbsttyp bin, ein gedämpfter sogar! Ich hoffe, Alexandra drückt hier ihre Augen zu! Die schwarze Tunika, die ich am Abend trug, fand sie jedenfalls toll …

Ein lustiger Abend, ich habe viel gelacht und nette Frauen kennengelernt, auch wenn ich mir nicht alle Namen merken konnte – aber ich nehme an, es wird ein Wiedersehen geben – spätestens dann, wenn mein Kleiderschrank wieder auf Diät gesetzt werden muss!

Schwarzes Loch

Der Kleiderschrank – die Unendlichkeit des vollen Nichts und der atemberaubenden Verzweiflung, das gefühlt-beängstigende Schwarze Loch!

Unser Kleiderschrank ist eine Maßanfertigung, bestehend aus 3 ausziehbaren Elementen. Die gerechte Aufteilung zwischen Bodo und mir beträgt ein Viertel zu drei Viertel (ich höre im Hintergrund schon heftigen Protest: Du irrst dich hier gewaltig!!!)

Bis vor kurzem war die Einteilung in den beiden Schrankelementen, die ganz die Meinen sind: nach der Art der Kleidungsstücke, dh im einen Element alle Röcke, Kleider, ohne Unterscheidung nach Jahreszeiten, im anderen Element alle Jacken, Mäntel, Hosen. Oberteile und Sportsachen gleichermaßen verteilt auf den Legeflächen. Im dritten Element sind die Pullover untergebracht – der Schrank wird erst geöffnet, wenn ich weiß, ob ich mich für Rock oder Hose entschieden habe.

Eine kleine Unebenheit im Boden macht eines der drei Ausziehelemente seit einiger Zeit etwas holprig – und das hat mich die längste Zeit schon gestört. Also kam ich nach mehr als 10 Jahren (!) auf die glorreiche Idee, die Einteilung nach Jahreszeit vorzunehmen und die ständig benötigten Sportsachen im leichtgängigen Ausziehelement zu horten. Genial: ich muss in der Früh nun nur mehr vor einem Schrankelement verzweifeln und nicht mehr zwischen dem einen und dem anderen hin- und herwechseln!

Frühling im Anmarsch! Das hieße eigentlich, den Change zwischen warm und luftig durchzuführen, um sich dann auf die „anderen“ Kleidungsstücke freuen zu können, die nach der langen Zeit wie neue Errungenschaften anmuten – wenn nur die Kälte nicht so hartnäckig und die Heizung im Büro nicht ausgefallen wäre!

Allerdings: meine Wintersachen haben genug „gelitten“ – das ständige An- und Ausziehen; sich darauf gefreut haben, wieder einmal ausgeführt zu werden, um dann doch einem anderen Kleidungsstück den Vortritt geben zu müssen … Meine Winterklamotten sind einfach überlastet und überdrüssig! Heute Morgen war es ganz schlimm! Es war richtiggehend Protest herauszuhören: „Nimm nicht mich! Ich mag nicht mehr!“. Und auch mit der Umkehrmethode „Was will ich heute mit Sicherheit nicht anziehen!“ konnte ich nicht wirklich überzeugen.

Zur Beruhigung: ich bin nicht nackt außer Haus gegangen, aber so richtig „attraktiv“ fühle ich mich derzeit nicht! Ich bin drauf und dran, alles – bis auf ein paar Ausnahmen vielleicht – rauszuschmeißen – nach dem Motto: Frühlings-Putz oder besser: Frühlings-Razzia. Aber das wäre dann doch ziemlich ungerecht meinen geduldigen Sachen gegenüber!?

Also: Durchhalten! Durchhalten! Es wird nicht ewig kalt bleiben – und dann freue ich mich über neue Aus- und Ansichten!

Und das Schwarze Loch ist für kurze Zeit ein bunter Regenbogen!

 

Was ist Schönheit?

Der tägliche Blick in den Spiegel zeigt mir: Du hast Falten auf der Stirn! Deine Wimpern sind zu kurz und zu wenige, die Augenbrauen verlaufen sich und sind nicht buschig genug!
Für all diese „Probleme“ gibt es mittlerweile Lösungen! Ich würde mir zwar nie eine Botox-Spritze verpassen lassen, denn die Elastizität meiner Mimik ist mein kleines Markenzeichen. Aber was Wimperndichtheit und -länge und/oder Augenbrauenschwung betrifft, bin ich grad ein wenig im Wickel-Wackel, doch irgendwann mal ein paar Euro in die Hand zu nehmen und einen Versuch zu wagen.

Allerdings habe ich dazu erst vergangene Woche ein abschreckendes Beispiel gesehen. Mittwochs unterrichte ich ja meine beschwingt-lässige Bauch-Beine-Po-Stunde. Die Trainerin vor mir ist noch keine 30, hat eine Modelfigur, Hair-Extensions … und seit letzter Woche auch gepimpte und extrem stark getuschte falsche Wimpern – das ist in meinen Augen leider komplett danebengegangen, passt weder zu ihrem Typ noch zu ihrem Beruf – sie ist Vollzeit-Fitness-Trainerin! Zudem hat es in Relation zu ihrem monatlichen Honorar viel gekostet und wird nur vier Wochen halten.

Steht das dafür? … frage ich mich nun selbst? Muss frau unbedingt hin und wieder mit ihrem Aussehen experimentieren? Oder sollte es nicht genügen, mit Mascara und Augenbrauenstift etwas aufzumalen, was abends dann wieder entfernt werden kann?

Manchmal haben Geiz, ökonomische Weitsicht und Zeitmangel doch auch etwas Gutes!

Swapperei – Keiler

Ich war vor kurzem nach längerer Zeit der Abstinenz und Verweigerei doch wieder einmal bei einer Swap Party – der Kleidertauschbörse, wo modische Lieblingsteile ein neues Frauchen bekommen können. Ich habe zwar im letzten Herbst/Winter viel aussortiert und einiges zur Carla (eine Institution der Caritas) gebracht. Aber bei einigen Kleidungsstücken dachte ich mir, dass sie doch besser zu einer Swapperei passen würden.

Mit zehn guten, aber von mir nicht mehr getragenen Teilen im Beutel machte ich mich also sonntags auf die Suche nach dem Tauschlokal. Je nach Veranstalterin findet diese Party immer woanders statt – dieses Mal in einem Kellerlokal in einer neuen Wohnhausanlage, mitten im zweiten Wiener Gemeindebezirk. Unser zugegebenermaßen etwas beschränktes Navi hat uns (Bodo hat mich hingeführt und wollte mich dann nach einer guten Stunde wieder abholen) umständlich im Kreis und schlussendlich ein eine Sackgasse geführt. Gefunden habe ich den Partyort dann aber doch! Ein Blick genügte und ich wusste: Alles beim Alten!

Die Veranstalterinnen, bekannte Gesichter, die sich sonst auf der anderen Seite als Täuschnerinnen tummelten. Einige Gesichter, die mir von vorangegangenen Swap-Veranstaltungen gut in Erinnerung geblieben sind. Und das Angebot an Tauschware? Hat sich leider nicht wirklich verbessert. Fast kam es mir so vor, als ob an den Kleiderstangen die gleichen Hosen, Röcke, T-Shirts, Blusen hingen wie beim letzten Mal. Wird nur das geswapped, was schon mal getauscht worden war?

Eine Stunde Zeit, eigentlich Zeit-Druck, hatte ich, für die abgegebenen zehn Teile doch etwas zu finden, mit dem ich mich identifizieren könnte. Noch sah es aber leider nicht danach aus. Was blieb mir also anderes übrig, als mich wie die anderen Frauen und jungen Mädchen auch, auf die Lauer zu legen, wie eine gierige Löwin, die Beute wittert, sie aber noch nicht ausmachen kann? Im Schleichgang zwischen den Kleiderständern, x-Mal die gleiche Hose angreifend, und immer einen Blick zur Türe in Erwartung von leckerem „Frischfleisch“. Endlich entdeckte ich eine taillierte, hinten länger geschnittene, enge Jacke aus dichtem Wollstoff, mit dezentem Animalprint und trachtenähnlichen Knöpfen. Schnell anprobiert: naja, aber besser als nichts, also erstmal nicht hergeben und weiterhin auf der Lauer bleiben. Die Zeit zerrann schnell. Dann kam ich mit einer gepflegten Dame ins Gespräch, knapp 10 Jahre älter als ich, die mit einer zart-rosafarbenen Strickjacke und Fransen liebäugelte. Ihr Mann am Rand sitzend war nicht so begeistert. Ich machte ihr den Vorschlag, unsere beiden Jacken zu tauschen – was für beide ein Glückstreffer war! So gut: ein Teil für zehn!

Zwischendurch konnte ich beobachten, wohin es meine zehn Teile hin verschlug. Schon eigenartig, dass ein und dasselbe Kleid sowohl mir als auch einer Frau mit gut 20 kg mehr passen sollte? Nun gut, Strick ist geduldig!

Vielleicht dachte sich das die Vorbesitzerin eines extrem kurzen grünen Sommerkleides, als ich mich darin im Spiegel prüfend begutachtete. Die Blicke anderer Frauen signalisierten mir aber: gar nicht mal so schlecht – also: zwei Teile für zehn.

Jetzt hat mich glatt doch noch das Jagdfieber gepackt!

Die Augen in einem schnelleren Hin- und Her-Rhythmus – aller guten Dinge sind doch immer noch drei?

Ein neongelbes Regenblouson signalisierte mir: ich bin Deine Nummer Drei – auch wenn Du mich wahrscheinlich nie tragen wirst. Aber vielleicht gibt es ja den einen besonderen Moment, wo Du mich dann doch aus dem Kasten zerrst!

Einigermaßen zufrieden, aber noch nicht satt, pirschte ich mich wieder an den Check-in-Tisch an und machte bewusst eine zum Ärgern prädestinierte Beobachtung: Es gibt Frauen, die schon mehrere Teile in Händen halten, sich dann aber noch mehr in Blitzesschnelle unter den Nagel reißen, ohne einer anderen Frau eine Chance zu geben! Auf meine Frage, wann sie wisse, ob sie dieses Kleid behalten wolle (ein kurzes Kleid, ich glaube von Hallhuber oder Zara, wild gestreift in Rot, Grün, Braun, Schwarz auf weißem Untergrund – also etwas für mich!), die lapidare Aussage: ich will nur einmal in die Umkleidegarderobe – und das kann noch dauern! Ich könnte ja etwas verpassen! Mit dieser Ansicht war sie offenbar nicht allein, wie mir mein Rundum-Blick bestätigte.

Ich werde dieses Verhalten nicht ändern können, das gehört offenbar zum Swappen dazu – also Schwamm drüber und hin zum Check-out-Tisch, denn die eine ausgedehnte Stunde Swapperei ging langsam dem Ende zu.

Wenn ich ehrlich bin, wollte ich die Lücke in meinem Kleiderschrank gar nicht wieder 1:1 auffüllen – wo bliebe denn sonst Platz für ganz Neues?

Die rosa Jacke hat sich zwischenzeitlich schon als sehr kleidsam erwiesen. Ich hoffe, dass die andere Lady mit ihrer Jacke genauso zufrieden ist wie ich mit meiner!

Schuhe auf Vorrat

Beim heutigen Blog geht es mal nicht um mich und meine Schuhe – nein: es geht um Bodo und seine plötzlich erwachte Leidenschaft, Schuhe in Massen (das ist so schon richtig geschrieben!) anzuhäufen – womit mein bisheriges Weltbild bezüglich Geschlecht und Schuhwerk ordentlich ins Wanken gekommen ist!

Bislang bestand meine Weitsicht darin, dass sich ein Mann nur deshalb Schuhe kauft, um nicht barfuß und mit dreckigen Fußsohlen durch die Welt zu marschieren und nur dann, wenn das “eine” Schuhpaar auch von einem sehr fähigen Schuster nicht mehr zusammengeflickt werden kann. Eine Frau hingegen kauft sich Schuhe mehr aus Genuss, mehr aus einer plötzlichen Laune heraus (diese “Laune” kann durchaus auch eine “Frust-Laune” sein!), ohne nachzudenken, ob hier überhaupt eine lebensnotwendige Notwendigkeit besteht.

Der männliche Spaßfaktor bei einem (Zwangs-)Aufenthalt in einem Schuhgeschäft liegt weitaus tiefer, als eine Kellerassel buddeln kann (wenn sie denn überhaupt buddeln kann?). Ich glaube, ich spreche hier für jede Frau, die in irgendeiner Form von Partnerschaft lebt, dass eine Shoppingtour, bei der es ausnahmsweise um ihren Liebsten geht und nicht um sich selbst, nur mit sehr viel Prosecco / Hugo / AperolSprizz zu ertragen ist. Denn anstatt, dass er mit Neugierde an die Schuhauswahl herangeht, ist der erste Schritt über die Schwelle einer Schuhboutique schon mit Ablehnung und Skepsis verbunden: “Ich find´ doch eh nix!” Und wenn er dann auch noch von einer übereifrigen Schuhverkäuferin belagert wird, ist es sowieso aus und vorbei!

Und dann auch noch diese Empfindlichkeit! Wehe, wenn der dann doch in die vielleicht-Auswahl-kommende Schuh auch nur ein mikroskopisch-klein wenig scheuert oder an der großen Zehe aneckt – never ever wird dann noch ein anderes Paar Schuhe ausprobiert: “Es sind doch eh alle gleich!” … ich verstehe jetzt, warum so viele Männer ausgelatschte Turnschuhe oder Sneakers tragen: lieber im Fußschweiß baden als sich auf kleine Experimente einzulassen!

Allein an diesem Exempel bewahrheitet sich, wie viel mehr Schmerzen wir Frauen zu erleiden vermögen! Ein Schuh gefällt optisch und tut schon beim Anschauen weh? Egal: die Optik siegt – und wenn der Schuh dann sein weiteres Leben nur im Schuhschrank verbringen wird. Kleiner Sidestep: Eine ehemalige Arbeitskollegin zB kauft sich immer wieder sündhaft teure Schuhe im Sale, schon im Wissen, dass sie diese nie tragen wird – das finde ich dann schon etwas übertrieben! Ich habe eher das Problemchen, dass die Schuhe erst dann schmerzen und Blasen erzeugen, wenn ich sie gekauft habe und damit das erste Mal auf die Straße gehe. Erst in Verbindung mit Schweiß, Bewegung, hartem Untergrund und Schwellungen entwickelt ein Schuh seine Eigenschaft, Peiniger zu sein oder Wohlfühlpaket.

Aber zurück zum Schuh am Mann! Zurück zu Bodo, der erkennen musste, dass seine 3-Jahre-alten Schuhe nicht mehr ansehnlich sind. Also ab in den Online-Schuhhandel – und zackzwawapp war der Einkaufswagen voll und der Postbote hatte in den nächsten Tagen viel zu tun. Als ich eines Abends heimkam, war das Wohnzimmer voll mit Schuhkartons und Bodo in Model-Laune! 6 Paar modische Sneaker ohne Schnürsenkel oder Klettverschluss (das war das Filterkriterium) in Braun, Blau, Orange (!) standen zur Auswahl plus ein Paar Schuhe für die kühlere Jahreszeit, die auf meine Kappe gingen … was soll ich sagen: es ging nur ein Schuhkarton wieder zurück!!! Und ich bin noch immer megabaff, nicht nur, weil Bodo so viel Gefallen an Schuhen gefunden hat – auch wenn er sockenlos in keinen Schuh rein darf, sondern, dass er auch seinen Shoestyle geändert hat. Bequemlichkeit (kein Scheuern, kein vorne-Anstoßen), Fashion und: “Das reicht jetzt wieder für die nächsten Jahre!”

Bodo´s neue Schuhe 🙂

Ich kann also beruhigt sein: Ein Mann ist und bleibt doch ein Mann! Kurz hatte ich schon die Panik, dass ich meinen Schuhschrank hergeben muss ….!