Fuchs, du hast die Stadt erobert!

Ich finde es einfach GROSSARTIG!!!

… den x. Lockdown mit all seinen Konsequenzen und Auswirkungen? – natürlich nicht, obwohl ich den Eindruck habe, dass dieser ach so strenge Lockdown hier in der Stadt sowieso mit vielen Umgehungen gelebt wird: überall Click & Collect, an den Würstelbuden herrscht großer Andrang – der 50-Meter-Konsumationsabstand wird sowieso ignoriert! -, in den öffentlichen Verkehrsmitteln drängen sich die Passagiere, weil´s draußen zu windig ist; auffallend vielleicht nur die übervollen Sammelsäcke für die Gurgeltests …

… mein derzeitiges Lebendgewicht? – na sicher nicht! … schokoladische Versuchungen im Super-Rabatt-Angebot sind einfach schrecklich … köstlich, aber fatal, wenn der Abendsport nur durch einen 3,5 Kilometer-heimwärts-Spaziergang ersetzt wird!

… meine aktuelle Frisur? – auch nicht, denn mein Friseur-Engelchen hat letztes Mal sein goldenes Händchen leider nur verhalten eingesetzt und jetzt kämpfe ich morgens mit allen Tricks, um die Haare in haltbare Form zu bekommen!

… unsere Advent-Deko 2021? – ist ok, aber doch kein Grund zum Jubeln, denn das Kerzenangebot im Supermarkt war redlich spärlich – hatte ich doch nur die Wahl zwischen „Kerze im Glas“ und „Grab-Kerze“!

… den „Black Friday“, der sich über Tage und Wochen hinzieht? – mehr als mühsam, wenn man von allen Seiten mit Newsletter und Werbeeinschaltungen überhäuft wird und zum Kauf von Dingen verleitet wird, die man nie und nimmer braucht!

Nein, was ich einfach großartig finde, ist, dass auch mitten in der Stadt und weit weg vom Naturschutzgebiet Nicht-Haustiere ein Zuhause gefunden bzw. die Stadt für sich okkupiert haben!

Am Montag stand frühmorgens wieder ein junger Hirsch am Rand der Prater Hauptallee – wie zur unsichtbaren Salzsäule erstarrt, um unsichtbar zu bleiben … ist der überhaupt echt???

Im Sonnwendviertel-Park tummeln sich in den Morgenstunden immer ein paar Hasen auf der Wiese … von Vermehrung ist hier aber nichts zu sehen!

Aber, und das ist sozusagen eine Premiere (für mich): heute Morgen, im 300 Meter von meiner Wohnung entfernten Park, spazierten im schwarzen Morgengrauen zwei Füchse (!!!) vor mir auf dem befestigten Weg! Der eine war schon weiter voraus, der Nachzügler, keine 3 Meter von mir entfernt, hat mich verdutzt und etwas ängstlich angesehen, woraufhin ich mit beruhigenden Worten abgebogen bin, um ihm die Möglichkeit zu geben, seinem Kumpan ungehindert nacheilen zu können.

Ich finde es großartig, dass sich Tiere, die eigentlich in einem großen Wald viel mehr Spielraum hätten (vielleicht aber auch mehr Gefahren?), in einer Großstadt zurechtfinden … man nennt sie dann auch „Stadtwildtiere“ – allerdings stellt sich mir dann doch auch die Frage: Von wo kommen diese Füchse? Sind sie hier von Menschenhand ausgesetzt worden? Oder sind sie von irgendwo ausgebüchst, weil es in einer städtischen Parkanlage immer was zu futtern gibt?

Dieses Rätsel gilt es jetzt noch zu lösen! – dazu vielleicht ein interessanter Link zum Nachlesen:

Füchse in der Stadt – oe1.ORF.at —

https://oe1.orf.at/artikel/664737/Fuechse-in-der-Stadt

„Füchse sind sehr intelligente Tiere, sie sind sehr anpassungsfähig und lernen rasch, Füchse können ausgesprochen gut klettern, sie sind sehr schnell und sie sind zu Land wie auch im Wasser unterwegs, sie können durch die kleinsten Löcher schlüpfen, die Füchse sind sehr gut angepasst und sehr überlebensstark“, sagt der Zoologe Richard Zink.

Daher heute anstelle eines Advent[s]kalender-Fensterchens:
Fuchs, du hast die Stadt erobert,
bleib auch weiter hier,
bleib auch weiter hier,
denn die Leckerbissen aus dem Abfalleimer schmecken dir,
denn die Leckerbissen aus dem Abfalleier schmecken dir!

Aktive Zwangspause

Nach diesen Kräfte zehrenden Sommermonaten – „reizende“ Stichworte: Badumbau und Schul-IT!!! – und meinem baldigen Sprung ins kalte Karriere-Wasser war es für Bodo und mich höchste Zeit, die noch ausständigen Restarbeiten in unserem Mini-Loft mal links liegen zu lassen und die Größe des Smart-Kofferraums wieder einmal herauszufordern (2 Koffer, 2 Rucksäcke, eine Yogamattentasche und ein Einkaufssack – perfekt geschlichtet 🙂 – dazu hervorragende Wetteraussichten sowohl für Deutschland als auch Kärnten – Familienbesuche waren ÜBERFÄLLIG!!! – als auch für die Weinstraße in der Südsteiermark!

Zuerst die Tage mit viel Tratscherei, dann die Tage der Stille mit viel Sturm 🙂

Die Urlaubsunterkunft (Fotos am besten im Internet nachschauen):

eine Ferienwohnung auf einer Anhöhe mit Fernblick – extrem ruhig (ich glaube, die lautesten Geräusche in der Nacht waren mein Röcheln im Schlaf und die Klospülung!);

mit italienisch-toskanischem Flair, da der Hausbesitzer und Vermieter durch und durch ein Toskana-Fan ist – er organisiert geführte Radtouren für routinierte Rennradfahrer und vertraut hier auf seine eigenwillige Art der Sprach-Erlernung (nur keine Grammatik, ausschließlich aufs Plaudern ausgelegt);

der Willkommenssekt: ein roter Sprudel aus eigener Erzeugung – für Prosecco-Trinker allerdings eine neue Gaumenerfahrung;

der Name der Ferienwohnung wohl aus der Kombination „Italien und Wein“ heraus: „Isa é bella“ – nach der Rebsorte Isabella (und noch etwas Interessantes: zum „Versekten“ werden mindestens 200 Liter Wein benötigt – man lernt eben nie aus!);

direkt vor der Terrassentür ein Natur-Pool … bei einer Wassertemperatur von 16 Grad habe sogar ich mir schwer getan, ein paar Brustzüge zu machen (Tag 1: 2 Bahnen, Tag 2: 4 Bahnen, Tag 3: kein Bad, Tag 4: da wollte ich gar nicht mehr heraus! :-);

Selbstverpflegung in der großzügigen Küche mit großem Kühlschrank und Gasherd kein Problem;

die emaillierte Tischplatte mit italienisch-fruchtigem Motiv hat insbesondere Bodo entzückt;

weniger entzückt waren wir von den Gelsen, die sich trotz Insektengitter ins Schlafzimmer reinschmuggelten; eine aufdringliche Fliege hat die Nacht dann aber zum Glück in der fast leeren Sektflasche verbracht und uns in Ruhe gelassen 🙂

Die Landschaft: ein Traum – Hügel und Weinberge, soweit das Auge reicht!

Das Wetter: ein Traum – tagsüber mehr Hoch- als Spätsommer!

Unsere Wanderungen: ein Traum – unendlich viele Weinreben in Reih und Glied, unterschiedlichste Traubensorten, Waldstücke, eine kühle Klamm war auch dabei, hügelauf & hügelab — fast wie in „alten“ Wanderzeiten, nur halt ohne großen Rucksack und Wanderstab.

das aktuelle IT-Getränk, der Sturm: ein Traum – und die beste Mischung: Ribisel-Sturm mit weißem Trauben-Sturm!

Allein die vielen Menschen am Wochenende, die auf den engen, kurvenreichen Straßen zu den Buschenschenken drängten: ein Alptraum! – umso entspannter, nachmittags in der Sonne auf unserer Terrasse zu sitzen oder die Füße bis zu den Waden im Poolwasser zu Eis gefrieren zu lassen 🙂

Summary: eine herrliche, bunt gemischte Auszeit aus dem Alltag!!!

bis auf: Zwangspause für meine Laufrunden :-(, denn mein linkes Knie tut seit nunmehr gut drei Wochen auf „beleidigt“ und lässt nur flottes Gehen zu – den Versuch, auf der holprigen Weinstraße einen Morgenrun hinzulegen, habe ich bitter bereut. So muss ich mich derzeit in Geduld üben … die schwierigste Übung überhaupt! … und auf good will meiner Beine hoffen! Aber das ist wie immer eine andere Geschichte!!!

Schöne Begegnung

Heute Morgen – kurz vor 6:00 Uhr früh – meine Laufkilometer für heute hatten die 5 km-Marke bereits überschritten – befand ich mich wie so oft um diese Zeit im Prater, auf einem schottrig-kiesigen Weg parallel zur Hauptallee, rechts von mir ein Wiesenstreifen mit zaghaft blühenden Obstbäumen, links von mir Niedergehölz, Wald – und … zwei plus drei zerrupft wirkende … REHE (!) – beim Frühstück!

Meine Distanz zu den zahmen Wildtieren? Vielleicht 2 … 3 Meter (also perfekt eingehaltene Abstandsregel!). Bislang kannte ich die Tiere hier im städtischen Wald nur als sehr schreckhaft und scheu. Aber jetzt? Die ersten beiden Rehe blieben seelenruhig in ihrer Tarnstellung stehen und beobachteten mich mit lässigem Blick. Die zweite Gruppe war dann doch ein wenig schreckhafter, aber nur eines der drei Tiere ergriff erschrocken die Flucht – und das war? … das Jungmännchen mit seinem kleinen Geweihansatz!

Ich bin natürlich stehen geblieben, um ihm freien Lauf zu lassen!

Diese kleine, stumme, Begegnung, dieser kurze Moment des Sich-in-die-Augen-Schauens, des gegenseitigen Zulassens hat sehr, sehr gut getan!

Spielverderber

Alles neu macht der Frühling? Könnte man so meinen, denn Bodo und ich haben das unbändige Bedürfnis, unsere Terrasse zu verschönern: 1) Streichen der mehr als vergrauten Mauer, 2) Abschleifen des Bodens und neu Einlassen des edlen Holzes, 3) Pflanzenregal, um ein wenig Ordnung zu schaffen (ist bereits zusammengebaut), 4) Verkaufen von Designer-Outdoor-Stühlen (ging ruckizucki), 5) Fensterputzen (kommt erst, wenn 1) und 2) fertig sind, weil sonst mache ich das mehrfach!) .

Mit großer Motivation wurde der Baumarkt „geplündert“: Farbe, Pinsel, Schutzanzug (!!!), Schleifmaschine, etc.

Am vergangenen Samstag sollte es dann auch losgehen – wir waren bereit, wie man unschwer erkennen kann:

     

Doch viel weiter als bis zum Grundanstrich kamen wir nicht, denn das Wetter ist derzeit echt ein Spielverderber: kalt, windig, regnerisch!!! Am Sonntag mussten wir nach kurzer Zeit kapitulieren … und jetzt „steht“ alles … 🙁

Wann wird es endlich wirklich Frühling???

Einsame Maske

Seit einem Jahr begleiten sie uns, die Mund-Nasen-Schutzmasken – und meistens sieht man sie auch dort, wo sie hingehören – nämlich über Mund und Nase gezogen.

Doch nicht immer – Auf meinen morgendlichen Laufrunden „stolpere“ ich regelmäßig über die weißen FFP2-Masken, die aus der Jackentasche gefallen sind oder vom Handgelenk gerutscht oder von den Ohren abgefallen oder … jedenfalls sind sie so ihrer Schutzfunktion beraubt und ohne Abschiedsgruß verlassen worden und liegen nun einsam auf den Gehwegen – solange, bis sie vom Straßenreinigungsdienst aufgesammelt und entsorgt werden!

Ich sehe dies allerdings nicht so sehr als Hoppala sondern eher als Nachlässigkeit, entstanden aus Bequemlichkeit (man könnte die Maske ja sicher verstauen, wenn man sie gerade nicht tragen muss, aber das ist lästig!) und Ignoranz (die Maske kostet auf den Material- und Herstellungsgrad gesehen quasi nichts – und was nichts kostet, ist auch nichts wert!)!

Das Bild hat sich gewandelt: „früher“ waren es durchgerotzte Taschentücher und andere benutzte Zellulose-Produkte, die den schwarzen Asphalt „bunter“ erschienen ließen – „heute“ ist es das trapezförmige Teil mit den Gummibändern … die Zeiten ändern sich, aber unverändert bleibt offenbar die Schadenfreude am Verursachen von Müllablagerungen im öffentlichen Raum – und das finde ich beschämend und ärgerlich!

Jahrestag

Ein Jubiläum ist immer mit einer Erinnerung im Jahresrhythmus verbunden: Geburtstage, Hochzeitstage, Firmengründungen – diese weitestgehend im persönlichen bzw. kleinen, überschaubaren Rahmen. Darüber hinaus gibt es aber auch unendlich viele globale und meist geschichtsträchtig oder politisch denkwürdige Tage / Jahre, wie zum Beispiel: die Gründung Roms, die Entdeckung Amerikas, das Ende der k.u.k-Monarchie, der erste Mann auf dem Mond, 9/11 … und ich bin mir sicher, dass der Ausbruch des „Eh-schon-Wissen“ vor gut einem Jahr (!!!) uns allen in Erinnerung bleiben wird: „Weißt eh noch, damals im 20er Jahr …“

Vor genau einem Jahr wurde noch eher im Verborgenen getuschelt, gerätselt, aber alles ging mehr oder weniger seinen gewohnten Lauf. Dann wurde die Nervosität unter Fachleuten und in der Regierung immer größer und deutlicher zu spüren. Und dann kam der 16. März 2020 und damit der erste Lockdown: so ziemlich alles geschlossen, my home is my castle (oder eher: mein Gefängnis), Hamsterkäufe (ist das Klopapier mittlerweile schon aufgebraucht?), die Geburt des Baby-Elefanten, Ellbogenstups statt feuchtem Händedruck, non-stop-Pressekonferenzen, kreative Verwertung von Stoffresten, fliegerfreier, blitzbauer Himmel … Angst, Verwirrung, Ratlosigkeit, Einsamkeit, aber auch Reflexion, Umdenken, Achtsamkeit sich selbst und anderen gegenüber …

Das ist jetzt fast ein ganzes Jahr her! Nie zuvor schienen die Tage länger als im Jahr 2020! Selten zuvor war der globale Zusammenhalt stärker bei gleichzeitiger nationaler Isolation!

Keine cremige Geburtstagstorte, keine peinliche Brautentführung, kaum Chancen, den Weg für einen ersten Jahrestag einzuleiten – Verdruss pur oder auch: „Puhh, zum Glück keine Überraschungsparty!“, „Vielleicht überlege ich mir das doch noch mit der Ehe?“, „Besser Single als Tinder-Bluff!“

Ich habe es 2020 bereits in etlichen Blogs geschrieben: Alles hat zwei Seiten – in jeder Mieslage steckt ein Körnchen Potential & in jeder Glückssträhne gibt es einen dunklen Fleck!

Auch wenn die „neue Absurdität“ uns allen mächtig auf den Geist geht, wir uns einheitlich FFP2-maskiert präsentieren und regelmäßig in der Nase herumstochern lassen müssen, um zum Friseur zu dürfen (ich bin heute dran zur Schafschur … nach 15 Wochen hat sich da eine Menge Wolle angesammelt!), grenzt das fast schon wieder an eine „kuriose Normalität“ – wenngleich ungeliebt, unbequem und einschränkend. Es gibt zwar ein kleines Licht am Ende des Tunnels, allerdings der Weg dorthin ist doch noch ein wenig lang bzw. kommen wir aufgrund einiger Unebenheiten nur langsam voran.

Daher: Geduld, Geduld!

Und irgendwann wird es einen neuen Erinnerungstag geben, den „Wir-haben-das-Virus-besiegt-Tag“! – Und DIESEN Jahrestag werden wir ALLE ganz GROSS feiern! Ich freue mich schon darauf!

Advent 2020

Advent 2020 – wird besonders, speziell oder wie immer die Einstellung zu diesen Tagen bis Weihnachten ist.

Ich habe mir gedacht, dass ich einen süßen, aber kalorienfreien Adventskalender bastle – nicht mit Klorollen, Bändern, Schokolade, …, sondern mit …

… Worten!

… mit Worten, die positive Stimmungsspritzer verstreuen sollen (einige stammen von intelligenten Menschen, manches kommt auch von mir 🙂 – ich hoffe, ich kann damit auch Deinen Advent ein wenig erhellen!

Wie entsteht …

…nein – nicht, wie ein Virus entsteht, sondern: Wie entsteht ein einfacher Trampelpfad?

Morgenläufer ohne Stirnlampe sind in der dunklen Jahreszeit auf mehr oder weniger gut ausgeleuchtete, und dann meist asphaltierte Wege angewiesen, was schade ist, denn im Wald zu laufen, ist einfach abwechslungsreicher. Letztens habe ich es aber trotzdem gewagt – der Hochnebel der letzten Tage schickte ein bisschen Licht von der niemals dunkel werdenden Großstadt auf die Erde zurück – und habe im Prater einen Nebenweg eingeschlagen – erdig, laubbedeckt, schmal und – ausgetrampelt.

Also: Wie entsteht ein Trampelpfad?

Sind es 100 Baby-Elefanten, die mit Abstand und im Gänseschritt eine Schneise durchs Gestrüpp schlagen?

Sind es nimmersatte Krähen, die Steine, Äste und Abfall aufpicken und zur Seite schaffen?

Sind es verirrte Pilger, die auf dem Weg nach Santiago de Compostela die Orientierung verloren haben?

Sind es angeheiterte Stammtisch-Sitzer, die im Torkel-Schritt stets blind den Weg nach Hause finden wollen?

Sind es Ausflügler aus Guantanamo, die ungesehen durch dichte Wälder zu entkommen versuchen?

Sind es Dichter, Poeten, Naturfreunde, Jäger, Förster, Wildschweine, Enten, …, die es als ihre Aufgabe sehen, Wege abseits vom Mainstream zu schaffen?

Ich möchte mich jedenfalls herzlich dafür bedanken, denn die Enge dieser schmalen Pfade hat den großen Vorteil, dass „Mensch“ nur hintereinander gehen kann, dass Menschenmassen geradezu unmöglich sind (vor allem auch, weil die meisten keinen Dreck an den Schuhen mit nach Hause bringen wollen) – und gerade jetzt bzw. an einem Tag wie heute – (erster Advent-)Sonntag, im Donauraum der erste nebelfreie Tag seit – einer gefühlten Ewigkeit, da einfach jeder hinaus ins Freie drängt – Spaziergänger mit/ohne Kindern, Läufer / Sportler, Hundi-Gassi-Geher, …, ist es mit Abstand die beste Option, in der Masse und doch abseits davon seine Ruhe finden zu können.

Die zweite Staffel

Dank Amazon, Netflix und Sky sind viele von uns zu Serien-Junkies geworden. Mit Monstern und Science fiction habe ich es überhaupt nicht – ich brauche eher was „Reales“, so wie „24“, „Suits“, „House of Cards“, „Casa del papel“ – und seit gestern „The Crown“. Zugegebenermaßen schaffe ich nicht mehr als drei Folgen pro Abend – denn sobald ich mich am Sofa in die „stabile Seitenlage“ begebe, werden meine Augenlider durch die Schwerkraft nach unten gezogen – und ich bringe kaum die nötige Muskelkraft auf, die Augen offen zu halten. Sobald Bodo mein schweigsames Röcheln vernimmt, ist Sendeschluss.

Bevor ich mich auf den wesentlichen Aspekt dieses Blogs konzentriere, muss ich noch eines loswerden: Ist irgendjemandem, der nicht gerade die Augen aufs Medizinstudium gerichtet hat, bisher bewusst gewesen, dass die Augenlider auch aus Muskeln bestehen? zB den Oberlidheber [Musculus levator anguli oculi medialis] oder den Lidschluss [Musculus orbicularis oculi], beides quergestreifte Muskeln – wie bitte, kommt in diese kleine Hautfalte ein Muskel hinein?

Dieser absurde Gedankengang führt nun aber zu dem, was mir heute auf der Seele lastet: Am vergangenen Dienstag um 00:00 Uhr hat die zweite Staffel von „Gefangen im Corona-Lockdown“ begonnen – und ganz Österreich sieht zu – mit offenen, schreckgeweiteten Augen! Der Oberlidheber-Muskel wurde eingefroren!

Aber es handelt sich nicht um ein Science fiction-Drama – „Invasion der CoV-Aliens“ -, nicht um eine Slapstick-Komödie – „Cov-19 Academy“, sondern schon eher um ein Horror-Movie – „Der CoVerzist“. Nur: War die erste Staffel so erfolgreich, dass schon innerhalb kurzer Zeit die zweite folgen muss? Wenn man sich so umsieht und umhört, ist keiner begeistert, aber alle reden davon.

Zumindest ist nach der deutlich spürbaren aggressiven Hysterie vor dem Staffel-Start wieder ein bisschen Ruhe eingekehrt – alle chillen jetzt quasi daheim am Sofa und ziehen sich „begeistert“ Folge um Folge rein … aber ganz ehrlich: wäre es nicht wieder Zeit für ein bisschen mehr Lustigkeit, Humoristik – Komödie?

Pass auf!

Schon eigenartig, welche Gedankensteinchen manchmal aufs Hirn purzeln und dort dann einen richtigen Steinschlag verursachen! Mir geht es gerade so mit dem Umstand, dass unser ganzes Leben eigentlich mit einem ständigen Aufpassen verwoben ist:

Nehme man mal die ersten Monate eines neuen Erdenbürgers unter die Lupe: Da ein Baby von Grund auf hilflos ist, ist es davon abhängig, dass sich andere Menschen darum kümmern, dass es regelmäßig was zu essen bekommt, dass die Nahrung auch gut verträglich ist, dass keine wunden Stellen am Popo entstehen, dass der Schirm vom Buggy aufgespannt ist, wenn die Sonne zu stark scheint, … – kein Wunder, dass Eltern / Großeltern da trotz vollkommener Übermüdung immer mindestens ein wachsames Auge haben müssen, das aufpasst, dass nur ja nichts eintritt, was das junge Leben gefährden könnte.

Entdeckt der kleine homo sapiens dann das Stehen und Gehen, geraten Erwachsene in den nächsten Ausnahmezustand, denn erst jetzt wird offensichtlich, was alles zwischen Fußboden und etwa einem Meter darüber scharte, harte und gefährliche Ecken hat.

Am Kinderspielplatz ist es nicht viel anders, muss doch verhindert werden, dass der Sandpudding vernascht wird – von hohen Rutschen und Klettergerüsten gar nicht zu reden! Noch passen hier primär die Erwachsenen auf, aber sobald ein Kind sich einigermaßen artikulieren kann, wird angenommen, dass es automatisch auch versteht, was Gefahr bedeutet – was zu einem ordentlichen AUA führen könnte – und dann hört es wohl mehrmals am Tag: Pass auf!

Und es nimmt kein Ende!

Vom Kinderspielplatz in die Schule sind es nur ein paar Jahre – dazwischen liegen einige Straßen, Kreuzungen.

Kinder müssen lernen, dass eine rote Ampel Stopp bedeutet, dass ein fahrendes Auto einfach stärker ist, dass der Schutzengel auch mal Pause machen könnte.

Schulkinder müssen aufpassen, was vorne an der Tafel gesprochen wird – es geht schließlich ja um die Lehre fürs Leben!

Jugendliche müssen aufpassen, dass nicht jede bunte Pille ein Zuckerl ist, dass nicht überall, wo´s nach Coca Cola aussieht, auch tatsächlich nur Coca Cola drin ist, dass aus einem Schäferstündchen keine Teenie-Mama/Papa wird.

Auf dem rosa Schein, der zum Lenken / Fahren eines Autos berechtigt, sollte eigentlich groß drüber stehen:

Pass auf!

Und es nimmt kein Ende!

Denn auch wenn wir uns dann endlich „Erwachsen“ schimpfen dürfen: Aufpassen bleibt! Der Grad der Eigenverantwortung wird nicht weniger – irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo wir aufpassen müssen, dass wir nicht zu stark an Gewicht zulegen, dass wir bei der Arbeit nicht in einen Krummrücken einsinken, dass wir genügend Spurenelemente zu uns nehmen – aufpassen, dass wir unserem Körper Gutes tun!

Und möglicherweise kommt dann diese eine (letzte) Phase, wo wir wieder davon abhängig sind, dass jemand anderer das Aufpassen für uns übernimmt – der Kreis schließt sich.

Aufpassen – Aufpassen – Aufpassen – alles unter Kontrolle haben!

Doch was ist mit: Kontrollverlust?

Ist es verboten, auch mal die Kontrolle zu verlieren und auszubrechen aus dem Korsett des Aufpassens?

Warum greifen Menschen zu Drogen, warum trinken sie sich ins Koma, warum bewegen sich Menschen wie in Trance zu Technobeats?

Ausbrechen und das Korsett ablegen, um einfach mal tief durchatmen zu können: ja, durchaus, aber man sollte einschätzen können, wann dafür der richtige Zeitpunkt ist (sofern es dafür überhaupt einen richtigen gibt?).

Ohne Diskussion: Kontrollverlust über sich selbst kann nur dann in Ordnung sein, wenn man damit niemand anderen gefährdet – also, wie unter Drogen / Alkohol mit dem Auto fahren – und: wenn man sich dadurch nicht selbst gefährdet – doch auch da: Extremsportler, die zB ohne Seil an einer senkrechten hochklettern oder die nur mit einem flugtauglichen Anzug bekleidet aus x-tausend Metern herabstürzen oder die auf einem Motorrad mehr liegend als stehend die Kurve nehmen – die haben ihren Körper, die haben das, was sie gerade tun, voll und ganz unter Kontrolle – in jeder einzelnen Sekunde. Dort die Kontrolle zu verlieren, ist keine Option!

Damit ist klar: Ohne Aufpassen geht´s einfach nicht – in Zeiten wie diesen: UMSO MEHR!