Pass auf!

Schon eigenartig, welche Gedankensteinchen manchmal aufs Hirn purzeln und dort dann einen richtigen Steinschlag verursachen! Mir geht es gerade so mit dem Umstand, dass unser ganzes Leben eigentlich mit einem ständigen Aufpassen verwoben ist:

Nehme man mal die ersten Monate eines neuen Erdenbürgers unter die Lupe: Da ein Baby von Grund auf hilflos ist, ist es davon abhängig, dass sich andere Menschen darum kümmern, dass es regelmäßig was zu essen bekommt, dass die Nahrung auch gut verträglich ist, dass keine wunden Stellen am Popo entstehen, dass der Schirm vom Buggy aufgespannt ist, wenn die Sonne zu stark scheint, … – kein Wunder, dass Eltern / Großeltern da trotz vollkommener Übermüdung immer mindestens ein wachsames Auge haben müssen, das aufpasst, dass nur ja nichts eintritt, was das junge Leben gefährden könnte.

Entdeckt der kleine homo sapiens dann das Stehen und Gehen, geraten Erwachsene in den nächsten Ausnahmezustand, denn erst jetzt wird offensichtlich, was alles zwischen Fußboden und etwa einem Meter darüber scharte, harte und gefährliche Ecken hat.

Am Kinderspielplatz ist es nicht viel anders, muss doch verhindert werden, dass der Sandpudding vernascht wird – von hohen Rutschen und Klettergerüsten gar nicht zu reden! Noch passen hier primär die Erwachsenen auf, aber sobald ein Kind sich einigermaßen artikulieren kann, wird angenommen, dass es automatisch auch versteht, was Gefahr bedeutet – was zu einem ordentlichen AUA führen könnte – und dann hört es wohl mehrmals am Tag: Pass auf!

Und es nimmt kein Ende!

Vom Kinderspielplatz in die Schule sind es nur ein paar Jahre – dazwischen liegen einige Straßen, Kreuzungen.

Kinder müssen lernen, dass eine rote Ampel Stopp bedeutet, dass ein fahrendes Auto einfach stärker ist, dass der Schutzengel auch mal Pause machen könnte.

Schulkinder müssen aufpassen, was vorne an der Tafel gesprochen wird – es geht schließlich ja um die Lehre fürs Leben!

Jugendliche müssen aufpassen, dass nicht jede bunte Pille ein Zuckerl ist, dass nicht überall, wo´s nach Coca Cola aussieht, auch tatsächlich nur Coca Cola drin ist, dass aus einem Schäferstündchen keine Teenie-Mama/Papa wird.

Auf dem rosa Schein, der zum Lenken / Fahren eines Autos berechtigt, sollte eigentlich groß drüber stehen:

Pass auf!

Und es nimmt kein Ende!

Denn auch wenn wir uns dann endlich „Erwachsen“ schimpfen dürfen: Aufpassen bleibt! Der Grad der Eigenverantwortung wird nicht weniger – irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo wir aufpassen müssen, dass wir nicht zu stark an Gewicht zulegen, dass wir bei der Arbeit nicht in einen Krummrücken einsinken, dass wir genügend Spurenelemente zu uns nehmen – aufpassen, dass wir unserem Körper Gutes tun!

Und möglicherweise kommt dann diese eine (letzte) Phase, wo wir wieder davon abhängig sind, dass jemand anderer das Aufpassen für uns übernimmt – der Kreis schließt sich.

Aufpassen – Aufpassen – Aufpassen – alles unter Kontrolle haben!

Doch was ist mit: Kontrollverlust?

Ist es verboten, auch mal die Kontrolle zu verlieren und auszubrechen aus dem Korsett des Aufpassens?

Warum greifen Menschen zu Drogen, warum trinken sie sich ins Koma, warum bewegen sich Menschen wie in Trance zu Technobeats?

Ausbrechen und das Korsett ablegen, um einfach mal tief durchatmen zu können: ja, durchaus, aber man sollte einschätzen können, wann dafür der richtige Zeitpunkt ist (sofern es dafür überhaupt einen richtigen gibt?).

Ohne Diskussion: Kontrollverlust über sich selbst kann nur dann in Ordnung sein, wenn man damit niemand anderen gefährdet – also, wie unter Drogen / Alkohol mit dem Auto fahren – und: wenn man sich dadurch nicht selbst gefährdet – doch auch da: Extremsportler, die zB ohne Seil an einer senkrechten hochklettern oder die nur mit einem flugtauglichen Anzug bekleidet aus x-tausend Metern herabstürzen oder die auf einem Motorrad mehr liegend als stehend die Kurve nehmen – die haben ihren Körper, die haben das, was sie gerade tun, voll und ganz unter Kontrolle – in jeder einzelnen Sekunde. Dort die Kontrolle zu verlieren, ist keine Option!

Damit ist klar: Ohne Aufpassen geht´s einfach nicht – in Zeiten wie diesen: UMSO MEHR!

not amused …

Bodo ist ziemlich aufgebracht! So klein kann ein Auto gar nicht sein, dass es nicht in Konflikt mit kopflosen Radfahrer*innen geraten könnte! Derzeit vergeht kaum ein Tag, an dem er nicht von einer Situation berichtet, wo ein Verkehrsteilnehmer auf 2 Rädern – ohne zu schauen, ohne zu hören, ohne zu denken – in eine Kreuzung hineinrast, bei Rot über die Straße fährt, kein Handzeichen beim Abbiegen gibt, das Einbahn-Gebot negiert – und keinerlei Reaktion zeigt, wenn unser Smart gerade mal eben so noch auf den Millimeter genau / auf die Millisekunde rechtzeitig abbremsen kann!

Seit CoV-19 hat die Anzahl der Radfahrer*innen in der Großstadt ordentlich zugelegt – zum einen wohl, um der Ansteckungsgefahr bzw. der Maskenpflicht in den Öffis zu entkommen, vielleicht aber auch, weil man sich kein Auto mehr leisten kann/will. Die wenigsten tragen einen Helm, viele haben stattdessen EarPods im Ohr.

Hört zu, Ihr Radfahrer*innen: Auch Ihr seid Bestandteil des GEMEINSAMEN NEBEN- und MITEINANDER auf den Straßen dieser Stadt – auch für Euch gelten daher REGELN, die im Straßenverkehr verhindern sollen, dass Polizei, Rettung, Notarzt, Bestattungsunternehmen sowie Anwälte, Richter und Gefängnisaufseher über Mehrarbeit zu klagen haben!

Mag sein, dass Radfahren die neue Freiheit auf Rädern bedeutet – doch was nutzt diese Freiheit, wenn man sie nicht mehr erleben kann oder nur mehr mit erheblichen körperlichen Einschränkungen? Wie kann man es mit dem eigenen Gewissen vereinbaren, wenn ein unschuldig zum Handkuss kommender Autofahrer eine Schuld zu tragen hat, die sich ganz leicht verhindern hätte lassen, wenn ein bisschen mehr auf das MITEINANDER geachtet worden wäre?

Ihr Radfahrer*innen: RÜCKSICHT ist das Gebot der Stunde – ein bisschen Rücksicht gegenüber allen anderen Teilnehmer*innen im Straßenverkehr – das heißt dann auch: Klaut den FUSS-GEH-er*innen nicht ihren GEH-Steig!

Urlaub 2020

CoV hat wohl bei jedem die Urlaubspläne für 2020 durch einander gebracht. Keine Einreise-/Ausreisemöglichkeiten ohne Heimquarantäne oder teure Tests. Dann langsame Erleichterung an den Grenzen. An manchen Übergängen wird gar nicht mehr kontrolliert. Ab Mitte Juni wird es auch über uns am Himmel wieder mehr Traffic geben. Italien? Kroation? Spanien? Oder doch auf Nummer Sicher gehen und das eigene Land bereisen / erkunden / kennen lernen?

Wir haben uns als kleinen Ersatz für ein Mini-Ferienhaus in Kärnten entschieden – ein paar Tage “Hausherrin” und “Hausherr” spielen, die Gegend erkunden / hoffentlich auch mit Wanderungen verbunden. Kulturelles Ersatzprogramm wären der Dom zu Gurk, ein berühmtes Stift oder dann doch die Bierbrauerei?

Ganz klar, kein 1:1-Adäquat für das Piemont und die Provènce – aber trotzdem dankbar, dass wir in einem an Schönheiten “reichen” Land leben dürfen!

Normalität in der Schwebe

Stück für Stück werden wir wieder in die Normalität zurückgelassen – in die „neue Normalität“, wie es so schön heißt bzw. in eine Normalität, die dennoch weiterhin in der Schwebe balanciert so wie ich, wenn ich im standing split – mit beiden Händen am Knöcheln, den Blick zum Boden gerichtet, auf einem Bein stehend – versuche, eine möglichst gute Figur zu machen und nicht umzukippen.
Seit heute dürfen alle Kinder wieder in ihre Schulen zurückkehren, seit heute fahren alle Öffis wieder in ihren normalen Intervallen, die Parksheriffs dürfen bereits seit einigen Tagen wieder Liebesbriefe an die Windschutzscheibe heften. Seit Anfang Mai dürfen wir wieder Kontakt-mit-Abstand mit Familie und Freunden aufnehmen. Und in Deutschland wird seit Samstag wieder Bundesliga gespielt – allerdings neu als Geisterfußball ohne Spuckerei und ohne Liebkosungen beim gelungenen Treffer ins gegnerische Tor. Wir können wieder analog shoppen gehen – es stellt sich hierbei für mich aber die Frage, ob ich fürs homeoffice tatsächlich neue Klamotten brauche?

Und dann ein, zwei Lockerungen mit geschichtsträchtig-untermauerter Bedeutung. Am 15. Mai vor 65 Jahren wurde der Staatsvertrag unterzeichnet. Am 15. Mai in diesem Covid-19-Jahr konnten die Gastronomen bei eiskaltem Anti-Schanigarten-Wetter endlich wieder ihre Lokale öffnen. Seit diesem Tag dürfen auch wieder Gottesdienste abgehalten werden. Aber alles in allem weit entfernt von dem, was wir als „normal“ bezeichnen würden! Viel mehr die Wahrnehmung des „Besonderen“ und nicht mehr so „Selbstverständlichen“!

Wir waren am Samstag in der Wachau und sind rund um Dürnstein bei einem teilweise recht abenteuerlichen Rundwanderweg ordentlich ins Schwitzen gekommen. Welch glückliche Fügung, dass wir auf dem Rückweg zum Auto bei einem Weinbauern / Heurigen vorbeikamen! Alle Bänke in lockerer Besetzung, kein Gast mit MNS, nur das Personal mit dem Schutz vor Nase und Mund. Für uns ein freies Bankerl an der sonnenbeschienenen Hausmauer – und soll ich was sagen? Auch wenn daheim das Gläschen Prosecco auf der Terrasse mundet: ein „fremd-servierter“ frischer großer Sommerspritzer, dazu ein üppig belegtes Käsebrot: das hat schon was für sich! Wir wussten diese neue Selbstverständlichkeit sehr zu schätzen!

Und dann der erste Live-Gottesdienst seit dem Beginn der Fastenzeit! Mir kam die Aufgabe zu, die Gläubigen vor dem Betreten der kleinen Kirche in unserer Nachbarschaft nach ihrer Anmeldung für die Messe zu befragen, da bezogen auf die Fläche des Kirchenraums leider nur eine begrenzte Anzahl an Personen gleichzeitig anwesend sein darf. Unser Pfarrvikar meinte dann in der Messe, dass dies „früher einmal“ sogar ein richtiger Kirchenjob gewesen ist (leider habe ich die Bezeichnung nicht behalten). Was spürbar war: zum einen – insbesondere für die älteren Menschen – die große Erleichterung, das Ritual des Kirchgangs wieder aufnehmen zu können – und damit auch den Kontakt mit Bekannten aus der Kirchengemeinde pflegen zu können; zum anderen aber auch große Verunsicherung: „Muss ich mich jetzt jedes Mal vorher anmelden, wenn ich die Sonntagsmesse besuchen möchte?“ Auch der Ablauf des Gottesdienstes reduziert – weniger Gesang, nur eine Lesung, die Predigt kürzer, am Altar mehr Selfservice als Ministranten-Unterstützung. Aber auch hier: Balsam für die Seele!

Zwei kleine Beispiele, die bewusst machen sollen, wie wichtig es ist, das, was in der ante-corona-Zeit (a.c.) als so alltäglich-selbstverständlich hingenommen wurde, jetzt in der inter-corona-Zeit (i.c.) als nicht alltägliches Geschenk anzusehen!

Großes Lob an die Au!

Jetzt lebe ich seit gut 25 Jahren in Wien und habe bislang einen großen Bogen um das Naturschutzgebiet im Norden Wiens – der Lobau – gemacht. Warum? Wegen der Gelsen-Invasion im Sommer? In der Annahme, dass es dort langweilig sein könnte? Weil die Au „dort drüben“, also in „Transdanubien“ liegt?

Offenbar brauchte es COVID-19 und damit verbunden den Wunsch nach einem gemeinsamen Wiedersehen mit Bodo´s Töchtern, dass wir dann doch hier gelandet sind – sozusagen der kleinste gemeinsame Nenner, wenn die eine Tochter nördlich von Wien wohnt, die andere östlich und wir beide südlich vom Herzen Wiens. Am ersten Mai-Sonntag, am ersten Tag der „Lockerung“, stapften wir daher dann zu viert mit zwei kleinen Hunden mal mit dem Wind, mal gegen den Wind, mal durch Steppe, mal durch Dschungel – und waren sehr überrascht! Angenehm überrascht. So überrascht, dass Bodo und ich gestern am frühen Muttertagssonntag wieder hinfuhren – in knapp einer Viertelstunde von dichter Stadtbebauung in eine unendlich scheinende, weitestgehend unberührte Natur – Wahnsinn! Was für ein Geschenk an uns Städter!

Bodo mit dem Fotoapparat auf der Lauer – die ersten Seerosen, Frösche, Libellen, ein Vogel auf einem Schilfhalm und gar ein Fischotter beim Spielen im Schilf!

Ich dagegen ziemlich spontan mit der akustischen Aufnahmefunktion am Handy „bewaffnet“ – selten habe ich derart laute, kräftige „Balzquaks“ von Fröschen mit aufgeblähten Wangen oder ein derart schelmisch-heimtückisches Flöten eines Kuckucks vernommen!

Drei Stunden lang waren wir bedächtig, beschwingt und neugierig-aufgeschlossen unterwegs, haben dabei sogar kleine Badeplätze entdeckt und über riesenhafte Birken gestaunt – und festgestellt, dass die beste Zeit für die Lobau der frühe Morgen ist, denn spätestens ab 10 Uhr ist an einem Wochenende eindeutig zu viel „Volk“ unterwegs: Spaziergänger, Läufer und Fahrradfahrer – so weitläufig ist die Au dann offenbar doch nicht, als dass man sich aus dem Weg gehen könnte!

Aber jetzt, da wir wissen, dass dieses kleine naturgewaltige Paradies in knapp einer halben Stunde zu erreichen ist, sind wir uns sicher, dass wir öfters hierher zum Luftholen kommen werden – zumindest um diese Jahreszeit und bevor die Gelsen schlüpfen!

Daher gebührt mein heutiges Lob zweifelsohne der Au – der Lobau!

Öfter mal nach oben schauen!

Habt Ihr in den letzten Tagen / Wochen mal bewusst den Kopf in den Nacken gelegt und zum Himmel hinaufgeblickt? Auffällig: keine Flugbewegungen, mit Ausnahme von Tauben, Krähen, Falken und Schwalben – keine Flugzeuge, die über uns hin und her flitzen und mit ihren Kondensstreifen weiße Kritzi-Kratzi-Linien zeichnen.

So „Fetz-Blau“ der Himmel über uns, wie man es sonst nur von Reiseprospekten kennt.

So „Fetz-Blau“ der Himmel über uns, dass man nicht mehr das Gefühl hat, in einer Großstadt zu leben.

So „Fetz-Blau“ der Himmel über uns, dass nicht nur ich, sondern sogar Bodo einen mutigen Kopfstand wagt und seine Füße in dieses verlockende Tiefseeblau eintaucht – Wieso war ich eigentlich immer der Meinung, dass Bodo kein Yoga macht?!

rbt

Das große Fressen

In einer Tageszeitung stand heute: 5 Millionen Österreicher*innen trotz Ausgehbeschränkungen wieder unterwegs. – Wir beide waren Teil davon, haben uns aber – wie immer – Wege ausgesucht, die kaum von anderen Menschen gesucht / gefunden / begangen werden. Verlässt man die Großstadt und fährt hinaus „aufs Land“, wie zB nach Grillenberg – das ist wo? (gleich nach der Ortschaft Berndorf, berühmt für die Besteck-Manufaktur) -, tut man sich leicht, einen einsamen Wanderweg zu finden. Aber in und um Wien herum? Das ist ein Ding der Unmöglichkeit! Wir dachten ziemlich naiv, dass an einem brillanten Sonntag eh kein Mensch den beschwerlichen Stufenweg hinauf zum Leopoldsberg stapfen wird wollen – weit gefehlt: Menschenmassen tummelten sich da am Ausgangspunkt! Blieb nur eines: Weiterfahren! Bodo nahm die kurvenreiche Höhenstraße extrem sportlich, ein anderer Smart hinter uns als Herausforderer– ich extrem verkrampft am Beifahrersitz – the fast and the furious?

Am Kahlenberg war´s ähnlich dicht – der Imbisskiosk machte nach der langen Durststrecke wohl das Geschäft seines Lebens, in der kleinen Kirche herrschte MNS-Pflicht. Anfangs folgten wir gezwungenermaßen noch der Karawane, die diverse weitere Ausflugsziele anstrebte. Bei der erst besten Gelegenheit bogen wir aber rechts ab, hinein in den schattig-kühlen Wald und bald auf einem neu angelegten, vollgeschotterten Serpentinenweg. Ein paar Mountainbiker, wenige Geher – nur wir und das Vogelgezwitscher. Ungewiss, wohin dieser Weg aber führen mag. An einer Wegkreuzung wählten wir instinktiv den linken Abzweiger; ein Stück wieder bergauf, dann eine Wiese – mehr Menschen als Grashalme! Von Abstand halten keine Rede mehr – Fröhlichkeit, Ausgelassenheit – Corona findet uns hier nicht!

Zeit fürs Heimfahren, um noch ein paar ruhige Sonnen-Momente auf der blütenstaubigen Terrasse zu verbringen!

Heute Morgen beim Frühlauf in der Stadt – und repräsentativ im Augarten – dann ein Bild der Verwüstung: überquellende Müllgefäße, einfach fallengelassener Müll – und mittendrin jubilierende Krähen und Tauben, die nach den langen Wochen, in denen die Parkanlagen geschlossen bleiben mussten und sich wenig Volk auf den Straßen herumtrieb, mit einem Festmahl der Sondergüte verwöhnt wurden! – Wahrlich: das große Fressen bot sich mir da!

Sofort stellt sich aber eine Gleichung auf: Mensch ist gleich Müll! Und ich stelle die Frage: Steigt der Anfall von Müll linear mit der Menschheit an oder gar exponentiell? Ja, auch ich produziere einiges an Müll – oft mit schlechtem Gewissen, meistens mit dem Versuch, der sortenreinen Trennung. Aber so, wie Lärm, den man „sieht“, lauter erscheint als Lärm, der „unsichtbar“ bleibt, macht sichtbarer Müll auf den Straßen deutlich zorniger als der unsichtbare – von mir kontrollierte – Müll im hauseigenen Abfalleimer.

Ich gönne den Krähen und Tauben ihren Schmaus, auch wenn sie in diesem Zusammenhang viel dazu beitragen, dass Servietten, Pizzakartons etc. verstreut herumliegen. Aber es wäre schön, wenn jeder Mensch, der laut Evolution mehr Grips hat als eine Taube, etwas mehr Umsicht und Achtsamkeit an den Tag legen würde, wenn es um Abfall geht – und das inkludiert auch die MNS-Masken, die neuerdings die Gehsteige zieren. – Leute: diese unbequemen Dinger können mehrfach verwendet werden!

Wenn einer geht …

Wenn ein Mensch aus dem Zimmer geht, ist das nicht weiter schlimm – denn er wird ja bald wiederkommen.

Wenn ein Mensch morgens die Wohnung verlässt, um sich seiner Ausbildung, seinem Beruf zu widmen (ich lasse das sensible Kapitel „homeoffice“ an dieser Stelle bewusst aus) – wird er an anderer Stelle bereits erwartet bzw. kann man sich in ein paar Stunden auf ein Wiedersehen beim gemeinsamen Abendessen freuen.

Wenn ein junger Mensch das Elternhaus verlässt, um zu studieren – sehnen die Eltern alsbald die Zeit zurück, in denen ihr Junior laut pubertierend im Haus herumgepoltert und den Kühlschrank leer gefuttert hat.

Wenn zwei Menschen im Streit auseinandergehen und sich daher auch räumlich trennen – bleiben anfangs Gefühle, wie Zorn / Wut / Enttäuschung, übrig – und wahrscheinlich noch das eine oder andere vergessene Relikt -, die sich mit der Zeit in eine dunkelgrau-neutrale Erinnerung verwandeln.

Wenn einer auszieht, um die Welt zu erkunden – hoffen die Daheimgebliebenen auf regelmäßige Postings auf Facebook, auf eine handgeschriebene Postkarte aus einem fernen Land oder auf einen Video-Call.

Wenn aber ein liebgewonnener Mensch für immer geht – hinterlässt er eine nicht greifbare Leere, die sich peu-á-peu erst wieder mit Erinnerungen aus gemeinsam verbrachten Tagen / Jahren füllen muss. Bitterer Kummer und salzige Tränen verbinden sich mit einem kleinen verschämten Lächeln zu einem süßen Hauch einer im Langzeitgedächtnis sicher abgespeicherten Begebenheit, einer geliebten Charaktereigenschaft, eines unverwechselbaren Geruchs, …

So kann aus einem unermesslichen Verlust langsam wertvoller Trost entstehen.

So kann sich aus dem Gefühl blanker Sinnlosigkeit wieder ein stabiler Halt entwickeln.

So kann sich aus plötzlicher Einsamkeit möglicherweise der Wunsch ergeben, sich nach außen hin zu öffnen.

Wenn ein liebgewonnener Mensch für immer geht – bleibt er dennoch immer unter uns!

Lasst uns eine TELCO machen

Einsam im homeoffice? Nach der anfänglichen Schockstarre scheint mit einem Mal frischer Wind reinzukommen. Dank Skype for Business, Zoom und einigen anderen vergleichbaren Tools ist es möglich, Besprechungen im kleinen Rahmen abzuhalten, ohne sich physisch treffen zu müssen – mit oder ohne Videobild. Ich selbst bevorzuge natürlich (!) die Variante ohne  optische Ergänzung, auch wenn ich “ordentlich” angezogen bin und mein fortgeschrittener Haarwuchs sich noch in Grenzen hält. Mir kommt aber das Grauen, wenn ich meiner durch den Blickwinkel der Notebook-Kamera verzerrte Visage gewahr werde!

Mittlerweile habe ich auch den Dreh heraus, dass ich mir, ohne schreien zu müssen, Gehör verschaffen kann.

Wie alles im Leben gibt es auch hier Licht & Schatten, Vorteile & Nachteile, Stärken & Schwächen:

  • Die Besprechungen automatisch kürzer, weil man nicht gemeinsam an einem Tisch sitzt.
  • Es nehmen auch weniger Personen teil, was einerseits zwar zu mehr Effizienz und produktivem Output führt (… führen kann …), andererseits aber die Gefahr birgt, dass die Informationen nicht an “Alle” weiter getragen werden.
  • Man sollte tunlichst noch vorher aufs Klo gehen und sich mit Kaffee / Tee / Wasser versorgen.
  • Garderobenzwang ist mitnichten aufgehoben – im Fall Videocall sollte man aber zumindest “oben rum” fesch sein.
  • Mitbewohner*innen sollten sich in der Zeit der Telco oder des Videocalls möglichst unauffällig und leise verhalten – für Eltern derzeit aber wahrlich eine Herausforderung!
  • Powernapping geht nun nicht mehr, weil man sich auf das Gehörte mehr konzentrieren muss – die Synapsen werden dadurch positiv angeregt.
  • Für die Ohren ist es aber eine Belastung! Es bietet sich zwar an, mit Kopfhörer und Mikrofon oder dem Handy teilzunehmen. Aber nachdem die übertragene Qualität in Hinblick auf Lautstärke und Sprachverständlichkeit von Teilnehmer zu Teilnehmer sehr unterschiedlich ist, muss man teilweise die Ohren spitzen und teilweise wieder zuklappen. Ich war gestern Abend nach 90 Minuten Telco, bei der ich Protokoll geführt habe, ganz schön groggy im Kopf!
  • weniger menschliche Ausdünstungen, mehr Sauerstoff (auch wieder gut fürs Gehirn), kein physisches Händeschüttel, kaum Smalltalk – die Telco endet, wenn man (im übertragenen Sinn) den Hörer auflegt.
  • Aber ohne Zweifel, ein probates, tolles Mittel, um in dieser Zeit der Isolation “safer contact” haben zu können – im Privatbereich werden mit derartigen Tools derzeit ja auch Geburtstage gefeiert – hier dann natürlich MIT Bild!

Mein Fazit: Ich finde Telefonkonferenzen gut, bekommt der Arbeitsalltag im homeoffice doch wieder ein bisschen mehr Spannung und Abwechslung, man fühlt sich mit den Kolleg*innen und sonstigen Berufspartnern verbunden, voneinander zu hören ist besser als nur voneinander zu lesen – man fühlt sich nicht ganz so allein gelassen & verloren!

Trotzdem: ich freue mich auch wieder, irgendwann im eiskalten oder überhitzten Baubüro mit einer Menge von Alphatierchen und Dominas ein “Schwätzchen” zu halten 🙂

Il Papa, tutto solo

Am vergangenen Freitag gab es ein „Papst-Special“: Papst Franziskus hat den Segen urbi et orbi, der normalerweise nur zu Ostern und Weihnachten vor einer jubelnden Menschenmenge zelebriert wird, außerordentlich an diesem einfachen Wochentag erteilt – in Stille und Bescheidenheit. Der Petersplatz leer, mit Ausnahme vereinzelter Zaungäste und der unsichtbaren Security. Dazu strömender Regen, der auch gegenüber einem besonderen Kruzifix aus dem Mittelalter kein Erbarmen zeigte. Papst Franziskus gezeichnet vom Alter und gesundheitlichen Einschränkungen, aber vor allem vom Kummer darüber, was derzeit weltweit jeden einzelnen Menschen beschäftigt (mittlerweile sogar den Boss überm großen Teich …).

Die Stimmung: eine Mischung aus berührend, beklemmend, gespenstisch, machtlos.

Vor dem Segen eine als Meditation betitelte Ansprache mit dem Mantra: „Warum habt Ihr Angst? Fehlt Euch der Glaube?“

Ja! Wir haben Angst!

Angst, weil wir so gar nichts wissen, weil vorsichtige Prognosen des Vortags durch aktuelle Nachrichten bereits wieder ad absurdum geführt werden.

Angst, weil uns immer wieder eingetrichtert wird, dass wir nur gemeinsam diese Zeit überstehen können, doch „gemeinsam“ bedeutet „Abstand nehmen“ – wir verlieren zunehmend das Gefühl der Nähe. Dieses Verlustgefühl muss am vergangenen Kurz-Frühlings-Wochenende so stark gewesen sein, dass die Türen der eigenen vier Wände gesprengt wurden und alles und jeder nur hinaus in die Öffentlichkeit drängte – der Ein-Meter-Abstand ist sehr schnell auf wenige Zentimeter geschrumpft. – Regierung und Exekutive – in ihrem Bestreben, die Ausbreitung des Virus möglichst wirkungsvoll einzudämmen -, sind darüber zurecht nicht erfreut!

Seit heute 11 Uhr ist es daher fix: jetzt kommt der Mundschutz für alle! Adieu Vermummungsverbot! Adieu die Zeiten, als wir über asiatische Touristen geschmunzelt haben, die im Belvedere mit weißer Mundbinde Selfies schossen!

Kreative Hirngespinste: aus Halstüchern, Bandeaus oder Geschirrtüchern lässt sich sicher ein brauchbarer, individueller Mundschutz nähen – wiederverwendbar, weil waschbar. Primär geht es ja darum, den eigenen Speichel nicht in alle Welt zu versprühen. Abstand nehmen würde ich aber vor Damenbinden oder Babywindeln – aber wer weiß, auf welche Ideen wir in der Not noch kommen werden, denn ich bezweifle, dass die Supermärkte so rasch genügend Mundschutz (eindeutig ein Singularwort!) zur Verfügung stellen können.

Fehlt uns der Glaube? Ich hoffe nicht!

Wir müssen weiterhin daran glauben und zuversichtlich sein, dass eine Besserung eintreten wird. Wir wissen nicht wann – das ist das Handicap. Diese Tage, Wochen, Monate sind eine Prüfung für jeden einzelnen! Aber wir können und sollten tunlichst daraus lernen, lernen, dass unser Leben mit all seinen Vorzügen, Erleichterungen, Bequemlichkeiten keine Selbstverständlichkeit ist, sondern ein Geschenk – kostbar, unbezahlbar, wertvoll.

Hab keine Angst!

Bewahre den Glauben!

Sei dir bewusst, dass dein Verhalten einen (kleinen) Betrag dazu leistet, wie sich diese spezielle Zeit (im Großen) – und hoffentlich zum Guten – weiterentwickelt!