Wehmut im Rucksack

Der Mai 2020 ist knapp davor, dem Juni Platz zu machen – und ich blicke gerade mit ein bisschen Wehmut auf den Kalender, denn “normalerweise” wären wir seit vergangenem Freitag wieder mit unseren großen Rucksäcken unterwegs.

“Normalerweise” gibt es aber seit etlichen Wochen nicht mehr, auch wenn in der heutigen Pressekonferenz lang und breit von der nächsten Phase der Lockerung gesprochen wurde!

Für uns heißt es für dieses Jahr: keine Weitwanderung und damit keine müden & schmerzenden Füße, kein Falsch-Abbiegen, kein erwartungsvolles Ankommen, keine erzählenswerten Erlebnisse, keine bildbandfüllende Fotoserie – kein Wander-Tagebuch 2020!

Einerseits Wehmut, andererseits aber die tröstende Erkenntnis, dass es wichtigere Dinge im Leben gibt, vor allem dann, wenn es Personen im näheren Umfeld gibt, für die man jetzt einfach persönlich da sein sollte, nicht nur schriftlich und telefonisch, sondern auch persönlich! Momente mit geliebten Personen gemeinsam zu verbringen / zu erleben, sind kostbare Geschenke, die man dankbar annehmen sollte.

Und außerdem: Der für heuer geplante Wanderweg läuft uns nicht davon!

Stil(l)Blüte

Wer kann dieses unbekannte Gedicht nicht auswendig herunterleiern:

Dunkel war’s, der Mond schien helle,
schneebedeckt die grüne Flur,
als ein Wagen blitzesschnelle,
langsam um die Ecke fuhr.
Drinnen saßen stehend Leute,
schweigend ins Gespräch vertieft, …

Ganz diesem Schema von sich selbst widersprechenden Sätzen folgend entstand aus einer übermütigen Zubettgeh-Aktion folgendes Zitat:

“Und einem Erdbeben gleich glitt er sanft ins Bett.”

… der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt!

Benimm-Regeln 2020

Wem von uns wurde als Kind nicht eingetrichert, dass man beim Grüßen (vor allem von Erwachsenen) die Hand geben muss – und tue das ja nur mit der rechten Hand! Welches Kind hatte großen Spaß daran, „artig“ zu sein?

Aber wie bei allem, was man in jungen Jahren erlernt, indem man es immer und immer wieder tut / tun muss, stellt sich ein Automatismus ein, sodass das Aufeinandertreffen mit anderen Personen Hand-in-Hand geht mit dem Hand-nach-vor-Strecken.

Kumpels (gute Freunde) entwickeln oft ein Begrüßungszeremoniell, angelehnt an amerikanische Gangs, bestehend aus Faust, Abklatschen und ähnlichen „Figuren“ – aber eben auch alles mit direktem Körperkontakt.

Von innigen Umarmungen mag ich hier gar nicht reden!

Doch dann kam dieser kleine Virus angeflogen – und alles änderte sich: Nicht nur, dass man seine eigenen Hände nun ständig gründlich waschen soll (was zu extrem trockener Haut führt :-(), ist es jetzt absolut VERBOTEN, einem anderen Menschen zum Zeichen der Höflichkeit, des Respekts, der Freude ob des Wiedersehens oder der Versöhnung die Hand zu reichen. So, wie uns die Asiaten mit dem Tragen eines MNS einen mächtigen Schritt voraus waren, sind sie´s auch, was das Begrüßungszeremoniell betrifft: genügend Abstand zueinander, damit beim Verbeugen die Köpfe nicht aneinandertutschen. Nicht der Baby-Elefanten-Meter ist das Maß, sondern der entsprechende Abstand zur Vermeidung einer Beule auf der Stirn!

Ganz ohne Etikette kommen wir aber nicht aus!

Sich einfach nur anzulächeln fällt mittlerweile aus, weil die nach oben gezogene Lippenform durch den MNS abgedeckt wird. Oft reicht der MNS auch hinauf bis knapp unter die Augen, sodass auch hier schwer ablesbar ist, ob es sich beim Gegenüber um Freund oder Feind handelt.

Bleiben wohl wieder nur die Hände – die Handflächen nunmehr aber aneinandergepresst und dicht beim eigenen Körper – ob als Gebets-, Namaste-Haltung oder Anjali-(Herz-)Mudra interpretiert, sei jedem dahingestellt. Bislang nur beim Beten oder Yoga-Praktizieren „benutzt“, könnte ich mir schon vorstellen, diese Geste in meinen persönlichen Etikettenschatz aufzunehmen.

Was auch geht, ist ein Gruß mit leicht erhobenem – und wohl gemerkt: abgewinkeltem (!) – Arm und einer offenen Handfläche –als Zeichen für: ich bin ein Freund, bin waffenlos und dir wohlgesonnen!

Ja: nicht nur die Kinder unter uns, sondern auch wir Erwachsenen müssen jetzt umdenken und neu erlernen, wie wir unserem Nächsten entgegentreten – und die Benimmbücher müssen umgeschrieben werden.

MNS – wie trägt man dich, wenn man dich nicht trägt?

Mund-Nasen-Schutz oder einfach kurz “MNS” – der neue Fashion-Trend für´s Frühjahr / Sommer 2020 … oder gar länger? Oder wohl eher eine lästige Plage, die einen schwindeln lässt und jedes Gesicht auf die Augenpartie beschränkt?

Ein Accessoire, das bislang vorwiegend dem medizinischen und labortechnischen Bereich vorbehalten war, schmückt nun auf Österreichs Straßen jeden, der dem Kindergartenalter entwachsen ist. Der schmucklosen Zellstoffmaske im sterilen OP-Himmelblau bald überdrüssig geworden und in vielen Fällen auch aus Langeweile in der Fadesse der Corontäne wurden in den Haushalten blitzschnell alte Hemden oder sonstige Textilien aussortiert, wurde mittels Anleitungen aus dem Internet und sonstigen Medien mit mehr oder weniger Geschick zu Schere, Nadel und Faden gegriffen, um dem eigenen MNS einen persönlichen / individuellen Touch zu geben. Auch der Handel hat aus der Not eine gewinnbringende Tugend gemacht und schnell darauf reagiert: Ein Drogeriemarkt appelliert ans schlechte Gewissen und bittet um Unterstützung heimischer Schneidereibetriebe. In meiner Heimatstadt “erdreistet” sich ein Bekleidungsgeschäft, spezialisiert auf Kilts und Schottenröcke, eine Mund-Nasen-Maske im Style Kärnten Karo um satte EUR 15 anzubieten – aufgrund der großen Nachfrage bis zu 10 Tagen Lieferzeit! Zugegeben: fesch ist sie ja, diese Maske im dunklen Karo – und vielleicht erlangt sie noch Kultstatus, aber zu Ende gedacht hat das Schneiderlein offensichtlich nicht: Gibt es keine ansprechendere Lösung als diesen hässlich-schmucklosen 5 mm breiten Gummi?

Das führt mich zum eigentlichen Thema: wie trägt man eigentlich den MNS, wenn man ihn gerade nicht als Mund-Nasen-Schutz verwenden muss (also nicht im Supermarkt einkauft oder in der Straßenbahn sitzt), aber für spontane Einfälle griffbereit haben möchte?
Das Bild, das sich derzeit am häufigsten zeigt, ist der MNS als “Doppelkinn-Caché”, will heißen, dass der MNS, egal, ob aus Zellstoff, alter Baumwolle oder modernem Karo, von Mund und Nase einfach übers Kinn gezogen wird – die Schönheitschirurgen sollten sich schon jetzt darauf konzentrieren, neue Methoden zu entwickeln, um abstehende Ohrmuscheln wieder dichter an den Schädel andocken zu können!
Manche lassen den MNS auch an einem Ohr herunterbaumeln oder im Auto an der Mittelspiegelhalterung – dort, wo sonst das Anti-Rauchgestank-Duftbäumchen hängt.
Einige lassen den MNS auch permanent oben, sogar dann, wenn sie morgens mutterseelenallein mit dem Hund spazieren gehen – das sind meiner Meinung nach überdeutlich masochistische Anzeichen, denn wer, bitte!?!?, trägt dieses Ding freiwillig und atmet permanent seine eigene ausgeatmete Luft wieder ein? Ich habe schon nach wenigen Minuten des Tragens das Gefühl, dass mein Gehirn zu wenig Sauerstoff bekommt!
Einen Einzelfall, aber mal was Neues, habe ich gestern gesehen: ein Autofahrer hatte seinen MNS über seine Glatze gezogen. Wie sich das mit den Ohren ausging, konnte ich leider nicht erkennen … da machte mir die Grünphase an der Kreuzung einen Strich durch die Rechnung. Bei Kahlköpfen sicher ok und auch ein Schutz gegen Sonnenbrand – bei Haaren aber nicht empfehlenswert!
Ich selbst verwahre meinen MNS in einem kleinen Plastik-Sackerl, damit er nach dem Kurzgebrauch sauber in der Handtasche verwahrt werden kann. Dafür bieten sich an: Jausensackerln oder die durchsichtigen Travel-Beutel, die man (früher) verwendet (hat), wenn man im Handgepäck (flüssige) Hygieneartikel mit sich führt(e). Ich habe Bodo´s und meinen Schutzbeutel zudem beschriftet, damit hier nichts durcheinander gerät!
Was ich mir noch vorstellen könnte, wäre ein Karabiner am Handtaschengurt: da wäre der MNS sicher und könnte zwischendurch auch trocknen und / oder auslüften. Allerdings ist diese Methode dann doch nicht so hygienisch und was, wenn der Gummi reißt?

Man sieht: ein kleines Stück Stoff, rechteckig, manchmal gebogen, manchmal in dehnbare Falten gelegt, an den Schmalseiten zwei elastische “Bügel” oder Bänder, wird zum Gesprächsstoff, zum Diskussionspunkt, zum “Buh-Accessoire”, macht kreativ oder einfach nur … wahnsinnig!

Update für die 3-H-Regel

Ich habe vor ein paar Blogs über die 3-H-Regel geschmunzelt – heute wird´s ein bisschen ernster, aber griffiger – und ist leicht zu be-HALTEN:

Es ist aber auch recht einfach:

Abstand-HALTEN

zusammen-HALTEN

durch-HALTEN

dh, wenn wir alle miteinander immer schön auf Distanz gehen, auf der Straße einen Bogen um den anderen machen, im Supermarkt nicht drängeln und ungeduldig werden, wenn sich jeder einzelne daran hält, dann könnte diese “Sache” mit der Virus-Eindämmung von Erfolg gekrönt sein – denn es gilt schließlich nur DAS:

Alle GEGEN das Eine und jeder einzelne FÜR Alle!

Sorgen – eingebildete und echte

Ist schon komisch, wie wir – insbesondere Frauen – ticken und welche „interessanten“ Aspekte und Sorgen da ans Tageslicht kommen:

  • Die Befürchtung, dass – anders als bei den Aktienkursen – die Kilo-Kurve extrem nach oben geht, ist mittlerweile kein offenes Geheimnis mehr, sondern hat Einzug in den Sozialen Medien gefunden (zB #schwere-zeiten) und ist damit populär.
  • Den „Vorstadt-Weiber“ Prosecco muss frau jetzt ohne Freundinnentreffen trinken. Und nachdem sich der Sprudel bekanntermaßen ja schnell verflüchtigt, muss frau in der Isolation die Flasche nun alleine leer bekommen (ausgenommen natürlich all jene, die noch brav dem Alkohol-Fasten standhalten – so wie ich!)
  • Wer bislang gewohnt war, seine Finger- und Zehennägel einer Fremdbehandlung zu überlassen, muss jetzt selbst zu Nagelschere, Nagelfeile, Nagellack – und Nagellackentferner (!) greifen oder alles dem natürlichen Lauf der Dinge überlassen. – Doch bitte: Passt in diesem Fall auf, wenn Ihr Euren Partner streichelt!
  • Richtig schlimm wird es aber, wenn man auf das Können eines Friseurs angewiesen ist. Wer schneidet meine Haare, wer färbt meinen Haarnachwuchs? Und NEIN: Weiße Haare als optische Dauerlösung sind überhaupt keine Option! Das seelische Wohlbefinden ist sowieso schon angeknackst, aber ein weiß-schimmernder Scheitel …?

„Sorgen“ von kinderlosen Frauen – zum Schämen, wenn man mitbekommt, welche Jonglagen berufstätige Frauen im homeoffice mit Kindern zu bewältigen haben! Ein Arbeitskollege von mir hat Frau und fünf (5!) Töchter im Alter von 1 bis 16; ein anderer aus meinem Stockwerk ist vor kurzem zum zwölften (12.!) Mal Papa geworden! Das ist dann das Sahnehäubchen auf die derzeitige Ausnahme-Melange!

„Sorgen“ von Frauen, die in einer geborgenen Umgebung leben dürfen – zum Schämen, wenn man sich bewusst macht, wie viele Frauen „daheim“ mit Gewalt, übermäßigem Alkohol-, übermäßigem Drogenkonsum konfrontiert sind, denn momentan gibt es kein Entrinnen, keine Fluchtmöglichkeit!

„Sorgen“ von Frauen, für die die Wohlstandsgeneration eine Selbstverständlichkeit ist – zum Schämen, wenn man endlich versteht, dass es viele Frauen gibt, alleinerziehend und mit geringen bis gar keinem Einkommen, die mehr denn je auf caritative Einrichtungen und soziale Unterstützung angewiesen sind.

„Sorgen“ von Frauen, die gesund uns schmerzfrei sind – zum Schämen, gibt es doch genug – vorwiegend natürlich ältere – Jahrgänge, die in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sind, die an einer Krankheit leiden und nun befürchten müssen, dass ihnen nicht mehr in der benötigten Weise geholfen werden kann.

COVID-19 und die Fastenzeit 2020 – Zeit zum Innehalten, zum Nachdenken, zum Dankbar-Sein!

Homeoffice und die Auswirkungen auf body, soul & fashion

Die meisten von uns – insbesondere Büro-Gazellen und Büro-Hengste – sind seit Beginn dieser Woche zum homeoffice verbannt. Bis vor kurzem war diese Art des Arbeitens eine Sache des Vertrauens zwischen Dienstgeber und Dienstnehmer und meistens auf einen Tag pro Woche limitiert – vorzugsweise freitags, wobei hier dann wohl eher von einem – Hand aufs Herz – „Blue Friday“ die Rede ist? Ohne „Kontrolle“ arbeitet es sich vielleicht besser, weil ungezwungener, aber die häuslichen Ablenkungen sind doch sehr verlockend: „Jetzt erstmal ein gutes Frühstück und den Newsticker in Ruhe checken“, „Ich mache schnell noch die Wäsche, bevor ich mich der Arbeit widme“, „Ich kann nicht arbeiten, wenn ich Staub auf dem Boden sehe“, „Jetzt ist im Supermarkt noch nicht so viel los“, „Meine Freundin macht auch homeoffice – ich frag mal schnell nach, wie´s ihr geht“, … Natürlich! Das sind Einzelfälle, der Großteil der routinierten homeofficer arbeitet diszipliniert und lässt sich durch nichts und niemanden ablenken!

Jetzt aber ist das eintägige homeoffice dramatisch erweitert worden auf fünf Tage – von 09:00 – 17:00 Uhr auf sich alleine gestellt, nur mittels Mail und Telefonie mit den Kolleg*innen verbunden. Auf der einen Seite vielleicht Freude darüber, den nervigen Kollegen nicht sehen zu müssen, auf der anderen Seite fehlen einem die gemeinsamen Kaffee- oder Mittagspausen und der spontane Gedankenaustausch. Gut, wenn man einen Job hat, der unabhängig vom Coronavirus einfach „laufen“ muss. Blöd, wenn man, wie es bei mir gerade leider der Fall ist, brutal im Flow gestoppt wird, weil der Baustellenbetrieb eingestellt wurde, weil keine zu protokollierenden Planungs- / Baubesprechungen stattfinden – weil … meine Leistung derzeit nicht benötigt wird … 🙁 …? Da kann so ein homeoffice-Tag ganz schön lang werden! Man fühlt sich unnütz, unproduktiv, hat gleichzeitig ein schlechtes Gewissen, wenn man dazwischen die Wäsche aufhängt oder mit dem Swiffer eine Runde zieht. Und ganz schlimm: dem Magen wird´s auch bald fad, und er fangt zu knurren an – fast so laut wie „unsere“ beiden frechen Krähen, die um diese Jahreszeit immer auf dem breiten Dachvorsprung herumstolzieren und lautstark ihre tägliche Nuss-Ration einfordern.

Die Gefahr von homeoffice besteht daher, dass man zu oft und gerne zum Kühlschrank oder zur „süßen“ Lade geht (ich gehe davon aus, dass die meisten von uns aufgrund des gegenwärtigen Ausnahmezustands ihr Vorhaben des „Zuckerfastens“ leichten Gewissens aufgegeben haben?). Obwohl: zum Kühlschrank / zur „süßen“ Lade GEHEN, ist ja auch eine Art von Bewegung?! Trotzdem: wochenlanges homeoffice könnte der Linie gar nicht gut tun! Und wenn man dann auch noch den ganzen Tag im legeren Schlabberlook verbringt, wo nichts zwickt und einengt, besteht leicht die Gefahr, dass man nach der Krise eine (andere) Krise bekommt! – Daher: Disziplin, Disziplin!

Apropos Schlabberlook: Wahrscheinlich arbeiten die Fashion-Designer in ihren Ateliers schon eifrig an Entwürfen für den neuen „homeoffice-Look“ – business-tauglich und trotzdem bequem – bislang steife Hosenanzüge nunmehr im bunt-fröhlichen Pyjama-Style und taillierte Kostüme vom sexy Negligè mit Spitzenjäkchen inspiriert. Ja, ich weiß, der Versuch, den nur den Nachtstunden vorbehaltenen Pyjama alltagstauglich zu machen, ist vor ein paar Saisonen ordentlich gefloppt. Jetzt aber besteht die Chance auf eine modische Revolution am Arbeitsplatz – zumal ich davon ausgehe, dass homeoffice „nach Corona“ stärker in Anspruch genommen werden wird als „vor Corona“.

Mir fällt gerade ein: Ich trage seit einer ganzen Woche – außer meinen Laufschuhen in der Früh – keine Schuhe! Gut für meine Füße, aber schlecht für meine Treter!

Figur / Gewicht / Mode – Gedanken zu den Auswirkungen aus dem Umstand „homeoffice“. Ein weiterer Aspekt ist mit Sicherheit die Auswirkung auf Skelett und Muskelapparat, denn die wenigsten haben daheim einen ergonomisch einwandfreien Arbeitsplatz, sprich Drehsessel und höhenverstellbaren Schreibtisch. Und es fehlen mitnichten die Schritte, um zum Arbeitsplatz zu kommen inklusive Stufensteigen. Ich sitze seit einer Woche am Hochtisch auf einem (zum Glück gepolsterten) Barhocker – und ertappe mich dabei, dass ich viel öfter als im Büro daran denke, gerade zu sitzen! Und eine Arbeitskollegin von mir hat berichtet, dass sie beim Telefonieren ihre Runden um den Essplatz dreht und so auch auf 2.000 Schritte pro Tag kommt. Das Internet ist mittlerweile voll von guten Tipps, wie man auch im homeoffice fit bleiben kann. Und wenn man sich körperlich annähernd gut fühlt, geht es auch der Seele gut. Vielleicht trägt dazu auch bei, dass der momentane Dauer-homeoffice-Tagesablauf zu einer Entschleunigung führt.

Die homeofficer sind mitnichten derzeit sogar begünstigte Personen, weil sie in den eigenen vier Wänden in Sicherheit sind, weil sie einen Job haben. Wie viele andere Menschen stehen da „draußen“ im Einsatz, sind dem Limit nahe oder haben es schon erreicht oder haben ihren Job (vorübergehend?) verloren – mein großer Respekt gilt Euch!

Diese spezielle Zeit lehrt uns viel!

Der Lückenschluss

Ein Adventskalender hat 24 Türchen, Sackerln, Geschenke, Ideen, Anregungen, Schokolade, …

Und mittendrin gibt es – beinahe schon in alter Tradition – das unfassbare, wunderbare, einzigartige, originelle, humorvolle, gedankenreiche, höchst interessante, mit Wort und Bild liebevoll verarbeitete, – oder einfach nur:

Unser 13. Pilger-Wander-Fußmarsch-Lachen-Weinen-Schmerzen-Freude-TAGEBUCH ist da!

http://www.brinkmann.at/2019-unser-lueckenschluss.pdf

Aus zweiter Hand

Es gibt die Erste Hilfe, die Dritte Welt, die 4 Kerzen auf dem Adventkranz – und den 2nd Hand Shop.

Erste Hilfe beginnt damit, dass man nicht weg sieht, wenn etwas passiert ist, dass man tröstet, die Rettungskräfte anruft und unter Umständen sogar eine Herzdruckmassage macht.

Die Dritte Welt verursacht permanent schlechtes Gewissen, aber auch Skepsis, weil: Weiß man, ob die Spenden auch dort ankommen, wofür sie gedacht waren?

Die 4 Kerzen sollen Licht in die dunkle Jahreszeit bringen, vor Augen führen, dass die Zeit auch langsam vergehen kann – im Trend daher auch das Selbst-Kranz-Binden und -Schmücken zur Einstimmung. Zwei Freundinnen von mir sind da bereits voll im Trend – ich bekenne mich weiterhin zu einer “anderen” Adventdekoration – nur: 4 Kerzen müssen natürlich sein.

Bei Ware aus zweiter Hand hatte ich bislang etwas gemischte Gefühle: ge- und verbrauchte Kleidungsstücke, die in einen Container gestopft werden, sind für mich “aus den Augen – aus dem Sinn” – hier kommt das rein, was zwar noch irgendwie und einigermaßen gebrauchsfähig ist, aber nichts, mit dem ich auf einer Kleidertauschparty aufwarten würde wollen.

Die ehemaligen Swap Parties waren zwar gut gemeint, aber die Qualität der Ware … containerverdächtig – mit dem Unterschied, dass sich jeder erhofft, im Gegenzug für seine zerschlissene Kleidung ein Glamourstückerl zu ergattern.

Da waren die beiden Menschenanziehen-Zusammenkünfte im kleinen Kreis eine echte Wohltat, gepaart mit netten Kontakten und Spaß!

Blieb mir noch – vor dem Sturm auf Boutiquen in der City oder dem umstrittenen Online-Shoppen – der Besuch eines 2nd Hand Shops.

Per Zufall – bzw. weil mich Bodo darauf aufmerksam gemacht hatte – bin ich auf einen solchen Laden im 5.Bezirk gestoßen – 2nd Hand Rose. Pro Quartal kann man hier selbst, ähnlich wie auf dem Flohmarkt, Kleidungsstücke verkaufen – allerdings ist der Unkostenbeitrag nicht ganz ohne. Und hin und wieder gibt es am Freitag und Samstag längere Öffnungszeiten. Meine Neugierde war geweckt, und nachdem der Armbalance-Workshop, an dem ich vor kurzem an einem Samstag teilnahm, ganz in der Nähe war, bin ich nach einer schnellen Dusche und noch feuchten Haaren zur Rose gedüst.

Der Shop in einer wenig belebten Straße, eingebettet in Gemeindebauten, der Eingang eine schmale Tür, die Auslage minimalistisch.

Und doch, mit dem Betreten wurde ich von einer wohligen Atmosphäre empfangen: gedämpfte Beleuchtung, leise Hintergrundmusik, die Shopbetreiberin (?) zwar schon etwas ermattet, aber im zweiten Raum gute Laune bei den vielleicht 5 interessierten Damen.

Die Kleidung akribisch nach Farbton sortiert, zwei schmale Spiegel, keine Umkleidegarderobe.

Mir wurde heiß bzw. war mir nach dem Handstand-Üben doch noch ziemlich warm; also Yogamatte, Jacke, Schal und Handtasche in einem Eck deponiert – immer mit einem Blick darauf, auch wenn kaum anzunehmen war, dass sich hier Langfinger hätten reinschleichen können -, und los ging`s! Zuerst wurde ich – vorübergehend – bei Farbe Braun fündig: ein langer, schmaler Schlauchrock und eine Jerseyjacke – der Blick auf das Preisetikett hat mich verblüfft: jedes Teil unter EUR 20,- … die Qualität 1A! Anprobieren ohne Umkleidekabine? Da nur Frauen anwesend waren, konnte ich mich guten Gewissens “obenrum” auch nur im BH bewegen, “unten” behielt ich aber meine Jeans an – der Rock war zum Glück aus Stretch.

Ja? Nein? Vielleicht?

Die beiden Teile kurz mal sicherstellen, aber doch lieber noch weiterschauen. Vielleicht verstecken sich ja irgendwo noch ein paar Gustostückerln, die mir auf den Leib geschneidert sind?! Ein zerfetztes Lederkleid vielleicht? Sah cool aus, aber wo ziehe ich´s praktischerweise an? Als Krampus verkleidet vielleicht?

Die Vernunft siegte: leider nein!

Ich war eigentlich schon fast am Gehen, als ich dann noch per Zufall auf einen Strichmantel von Transit stieß, in einem dunklen, matten Grünton. Und dann tat sich mit einem Mal der Vorhang auf: Binnen weniger Minuten hatte ich ein ganzes Ensemble zusammen! Alles für sich allein zwar Standing-alone-Teile, aber aufgrund von Farbschattierungen und Details wie füreinander gemacht: ein Wickelrock, knielang, in Schwarz, mit Patschwork-Elementen, ein langärmeliges Shirt in Schlammgrün mit lockerem Kragen und zwei unterschiedlichen Bündchen (teilweise aus Strick), ein Gilet mit Stehkragen in Grau-Grün und dazu der Strickmantel –

Yes! Thats´s quite for me!

Eins, zwei, drei, vier schöne Teile und mit Nr. 5 noch eine legere Styling-Jacke aus dünnem Baumwollstoff dazu – gut, dass ich da eine Recyclingtasche mit dabei hatte. Fünf Kleidungsstücke aus zweiter Hand und doch wie neu – zu einem echt fairen Preis!

Da muss ich wieder hin!