Da sind sie wieder ….

Kaum ist der Sommer vorbei, die Seen zu kühl, der Schwimmreifen um den Bauch nicht mehr rot-weiß, sondern “echt”, erinnert sich so mancher beim Verstauen der Schwimmflossen an über Monate vernachlässigte Laufschuhe. Einerseits beginnt jetzt auch wieder der Massenansturm auf Businessrun: 3er Teams – 4,2 km durch den Prater mit Ehrenrunde im Ernst Happel Stadion … wenn die ersten im Ziel und beim dritten Bier sind, stehen noch immer Tausende in den Startlöchern und drängeln sich im Schneckentempo vor zur Startlinie; Nightrun: allein oder im Team – 5 km am Wiener Ring entlang … eigentlich lebensgefährlich, da dichtes Geschupse über feuchte Straßenbahnschienen und auch Kinder, die man leicht mal übersehen könnte; der Wachaumarathon in sämtlichen Kilometer-Variationen … eng wird es dann erst in Krems, wo alle zusammentreffen, um im Park ein Volksfest zu feiern.

Ich habe mich heuer dem allen entzogen und werde am 6.10. bei einem “familiären” Lauf in Verona teilnehmen – Einlauf in die Arena inklusive (Status quo: 1492 Registrierungen …. oophs: das Jahr,in dem Amerika entdeckt wurde?)

Ich schweife schon wieder ab! Was ich sagen wollte: es sind seit den letzten Tagen wieder LäuferInnen unterwegs, die ich zuvor kaum gesehen habe. Ganz krass die Unterschiede in der Laufbekleidung: ich noch in kurzen Shorts und Top unterwegs, andere aber schon in Wintertights und Haube – hallo: es hat doch noch immer 15 Grad in der Früh um 6 Uhr! … was tut Ihr, wenn es dann wirklich kalt wird? Ich vertrete ja die Ansicht, dass man sich besser abhärtet, wenn man nicht gleich dem meteorologischen Kalender nachgibt. Wichtig ist halt, dass man nicht nassgeschwitzt ein Schwätzchen hält, sondern schnurstracks unter die Dusche wandert. Ich bin früher (das klingt, als wäre ich uralt!) immer im September bei 5 Grad Außentemperatur im nebelschwadenverhangenen 19 Grad warmen See gehüpft, auf dem Weg dorthin mit bloßen Füßen über eiskaltes Gras. Kalt war mir danach dann schon, aber ich war nie krank!

Beim Sport wird der Körper durchblutet und warm, danach dürft´s dann kuscheln!

Love makes an Air-Step

Ein sportfreier Morgen – ohne Laufen oder Yoga (zur Gewissensberuhigung, weil ich mir dann stattdessen ein Topfenstangerl genehmigt habe: ich turne heute noch mit meinen Kollegen im Besprechungsraum Nr. 5 mit Blick auf “meine” Baustelle) – verleiht mir die Muse, daheim herumzutrödeln, wobei was bedeutet bei mir “trödeln”? Ich greife zum Swiffer und kurve um 6:30 über den Holzboden, elegant natürlich wie eine Ballerina (oder wie heißt das Tier mit den zwei Rüsseln?). Heute aber war mir wohl der große Karton von Zalando im Weg, sodass ich mich spontan und ohne weiteren inneren Kommentar für beide Paar Stiefel (die, über die ich gestern geschrieben habe) entschieden habe! Das heißt – es gibt kein Zurück mehr: der Versandkarton ist bereits zerrissen und im Altpapier. Ein bisschen schlechtes Gewissen ob dieser “Völlerei” ist geblieben. Andererseits: meine bisherigen Airstep-Modelle sind bereits langjährige Begleiter auf meinen Wegen und immer noch Top. Und das sollten die beiden “Neuen” auch schaffen (schon allein, wenn ich an meine nächste Maestro-Card-Abrechnung denke …. uih, da ist es wieder: das schlechte Gewissen gepaart mit ein ganz klein wenig Hausverstand ….autsch & ko: die Begierde hat gesiegt!)

“Trödeln” bedeutet aber auch, dass ich mir vor dem Kleiderschrank Zeit lasse, mehrere Outfits ausprobiere, neue Kombinationen austüftle, um mich dann doch noch einmal komplett umzuziehen. Heute: von weiter Hose mit Sternen-T-Shirt zu Ballonrock mit rotem Shirt, Schal, dünnem Blouson und meinen silbergrauen Diesel-Sneaker-Stiefeln, deren Zeit genau jetzt die richtige ist! Sie sind schon ein wenig in die Jahre gekommen (3 sind es jetzt dann bald), aber ich wurde schon öfters auf der Straße / in der U-Bahn von völlig fremden Girls & Boys (!) darauf angesprochen, wo man die denn zu kaufen bekäme. Tut leid: die gab es nur einmal und dann nie wieder!

Wie ist das überhaupt: darf man Leute in der Öffentlichkeit einfach ansprechen, wenn einem das andere Outfit oder Teile davon gefallen? Ich war schon mehrmals in Versuchung, aber zuletzt siegt die Scheu – warum eigentlich? Mir hat es ja auch nichts ausgemacht, als ich gefragt wurde. Ganz im Gegenteil: auch wenn das Interesse rein meinem Schuhwerk gegolten hat und ich eben nur deshalb angesprochen wurde, weil Schuhe halt nicht reden können, tat es gut, “bemerkt” zu werden – in der Masse der U-Bahnfahrer aufzufallen. Auffallen kann man natürlich im positiven wie im negativen Sinn, aber wenn hinter der Frage ein scheues bzw. bewunderndes Lächeln mit ein wenig hoffnungslosem Neid steckt, dann kommt es gut an. Für mich war es ein nettes Erlebnis, an das ich immer wieder mal denken muss – spätestens dann, wenn ich wieder mal die silbergrauen Diesel-Sneaker-Stiefel anhabe. Heute besteht keine Gefahr, dass ich angesprochen werde, weil ich derzeit ja zu Fuß in die Arbeit gehe und in den knapp 1000m Fußweg sehr wenige Menschen zu Gesicht bekomme.

Aber in Rekapitulation meiner soeben gesponnenen Gedanken wächst gerade leichte Spannung dahingehend, ob meine neuen Stiefel zum Objekt der Begierde anderer werden – in diesem Sinne: Love is in the Air(step)!

Herbst-Zeit

Dieser Sommer 13 hat meine Tastatur zum Schmelzen gebracht und meine Gedanken trockneten schweißgleich auf meiner Haut schneller als ich sie hätte einfangen können. Anstatt in der Stadt auf Fashion-Foto-Beute zu gehen, habe ich meine wenigen freien Minuten lieber auf der Sonnenterrasse verbracht. Brennender Asphalt unter den Fußsohlen? nee, sogar laufenderweise habe ich bevorzugt die staubig-weichen Pferdepfade im Prater aufgesucht. Wie ein Avatar bin ich durch das Laub und über zahlreiche Nacktschnecken gezischt. Daheim angekommen, nicht nur triefend und “olfend” (für Nichtwissende: OLF ist die Maßeinheit für Geruch … 1 olf nach Körperhygiene und ohne körperliche Betätigung … mind. 30 olf nach Sport), sondern auch erdig bis hinauf zu den Knien. Wenn nur das Nachschwitzen nicht wäre! Ich bin nach erfolgreich anmutender “Ent-Olfung” mit dem Handtuch luftzufächelnd in der Wohnung herumspaziert, unfähig, auch nur ansatzweise in eine Gewand zu schlüpfen! Und auch der kurze Weg ins Büro hat zu einem weiteren Transpirationsausbruch geführt. Bodo hat schon Recht: ich bin ein Schwitzkasten!

Den Sommer-Sale habe ich so gut wie auch komplett ausgelassen – mich in der Innenstadt durch die sich herumschleppenden Touristen zu schlängeln und sich in einer engen, stickigen Umkleidekabine auszuziehen und sich etwas überzuziehen, das vielleicht schon ein anderer schwitzender, un-deo-dorierter Körper anprobiert hat? brrrr …. allein der Gedanke daran verursacht mir Juckreiz! Aber ich bin muss auch fair meinem Mitmenschen gegenüber sein: ich selbst wäre ja auch einer von den hunderten Menschen gewesen, die sich  mit leicht klatschnassem Stoff auf dem Rücken und mit dunkler Sonnenbrille der Unkenntlichkeit wegen unters Volk gemischt hätten. Habe ich aber nicht – also sei es mit gedankt und Schwamm drüber, denn:

seit heute Nacht ist alles anders: der Herbst hat dem Kalender nach begonnen. Gefühltermaßen hat sich nicht wirklich was geändert, zumal nach einem sonnig-warmen Wochenende in der Steiermark die Wärme noch die nackten Beine umspielt. Gut durchblutet nach meinem heutigen Morgenlauf in knallblauer kurzer Hose und schwarzem Top beginne ich halbwegs munter diese neue Arbeitswoche in einem Sommerkleid und offenen Schuhen. Das, was seit ein paar Tagen “neu” ist, dass ich doch eine Jacke mithabe, aber noch lange nicht meine noch ungetragene Lederjacke, denn die ist durch das Innenfutter einfach viel zu warm.

Vorbereitend auf die kühleren Tage habe ich schon mal die ganz offenen Sommerschuhe in den Winterschlaf geschickt und mich gedanklich auf die Stiefelsaison vorbereitet. Der typische Zalando-Freudenschrei ist mir im Hals stecken geblieben, als ich mal systematisch in die Stiefelrubrik eingetaucht bin: wo soll ich nur anfangen?. Von “Z” aufwärts habe ich mich dann durch klingende Markennamen geklickt und den Warenkorb langsam, aber sicher befüllt, um dann diese Shortlist noch weiter auszudünnen. Wirklich mit leuchtenden Augen bin ich dann bei “A” hängengeblieben, genauer gesagt bei Airstep – die Jungs dürften meine Füße irgendwann in einem Traum eingescannt haben, denn die legen den Leisten so über den Schuh, dass meine Füße ein angenehmes Gehgefühl verspüren, egal, ob mit  hohem oder niedrigem Absatz. Wie auch immer: daheim stehen jetzt zwei Paar knautschige, nach echtem Leder duftende (sauteure) Stiefel in der Warteschleife, ob sie in meinen bereits gut gefüllten Schuh-Schrank dürfen. Ich bin mir noch nicht zu 100% sicher, wäge noch Kosten-Nutzen gegeneinander ab, aber sehr wahrscheinlich werden beide Modelle bei mir bleiben dürfen: das eine Paar in Negro, flacher Absatz, weiter Schaft – ein bisschen Musketier dank der Messingschnalle; das andere Paar geht in Richtung Boot, der Schaft in einem Grau-Violett-Anthrazit-Patchwork-Versuch. Was die Entscheidung halt verzögert ist, dass ich mir momentan einfach noch nicht vorstellen kann, dass ich in wenigen Tagen / Wochen was Warmes um meine festen Wad´ln brauchen werde. Deshalb findet das Anprobieren daheim in Shorts oder im Sommerkleidchen statt, aber sicher nicht mit blickdichten Leggings!

Ansonsten habe ich mir eigentlich vorgenommen, dass ich mir kaum was Neues kaufen werde, zumal die Anzahl meiner Winterkleider eine hohe ist – ich habe mich davon vor kurzem an einem halb verregneten Sonntag überzeugt, als ich den Kleiderschrank umsortiert habe. Aussortiert leider kaum: ich dürfte nunmehr wirklich alle “Fehlkäufe” verschenkt haben. Nur die “gute” Ware, die ich bei willhaben.at verkaufen wollte, die bekomme ich nicht an die Frau. Werde noch einen Versuch starten. Ansonsten muss ich wohl mal bei einem besseren Second-Hand-Shop vorsprechen, ob sie einen schwarzen Wintermantel, einen Tweed-Hosenanzug, Overknee-Highheels in Größe 40 (einmal getragen!, und dann doch zugegeben, dass meine Füße einfach größer sind), ein paar schöne Kleider, … verkaufen können. Eine Kollegin würde mich im Herbst zum Flohmarkt in Stadlau mitnehmen, aber dort würde ich nur Home-Accessoires und allenfalls meine rosaroten Eisschuhe und meine wenig genutzten Skater anbieten.

Ja, die Herbst-Zeit ist angebrochen: schnell noch alles loswerden, um dann in den Winterschlaf fallen zu können. Das Loswerden von sommerlichen Zuviel-Kilos wird aber zunehmend schwieriger. Heute im Radio richtigerweise kommentiert: im Herbst gibt es für jede Frucht und jedes Gemüse ein eigenes Erntedank-Fest. Zu jedem Fest ein Viertel Sturm, ein bisschen mehr – und man braucht schneller als gedacht doch den jetzt noch weit wirkenden Daunenparka! Mit mir nicht, denn jetzt macht das Laufen so richtig Spass – in zwei Wochen nach dem Verona-Marathon sprechen wir weiter!