Homeoffice und die Auswirkungen auf body, soul & fashion

Die meisten von uns – insbesondere Büro-Gazellen und Büro-Hengste – sind seit Beginn dieser Woche zum homeoffice verbannt. Bis vor kurzem war diese Art des Arbeitens eine Sache des Vertrauens zwischen Dienstgeber und Dienstnehmer und meistens auf einen Tag pro Woche limitiert – vorzugsweise freitags, wobei hier dann wohl eher von einem – Hand aufs Herz – „Blue Friday“ die Rede ist? Ohne „Kontrolle“ arbeitet es sich vielleicht besser, weil ungezwungener, aber die häuslichen Ablenkungen sind doch sehr verlockend: „Jetzt erstmal ein gutes Frühstück und den Newsticker in Ruhe checken“, „Ich mache schnell noch die Wäsche, bevor ich mich der Arbeit widme“, „Ich kann nicht arbeiten, wenn ich Staub auf dem Boden sehe“, „Jetzt ist im Supermarkt noch nicht so viel los“, „Meine Freundin macht auch homeoffice – ich frag mal schnell nach, wie´s ihr geht“, … Natürlich! Das sind Einzelfälle, der Großteil der routinierten homeofficer arbeitet diszipliniert und lässt sich durch nichts und niemanden ablenken!

Jetzt aber ist das eintägige homeoffice dramatisch erweitert worden auf fünf Tage – von 09:00 – 17:00 Uhr auf sich alleine gestellt, nur mittels Mail und Telefonie mit den Kolleg*innen verbunden. Auf der einen Seite vielleicht Freude darüber, den nervigen Kollegen nicht sehen zu müssen, auf der anderen Seite fehlen einem die gemeinsamen Kaffee- oder Mittagspausen und der spontane Gedankenaustausch. Gut, wenn man einen Job hat, der unabhängig vom Coronavirus einfach „laufen“ muss. Blöd, wenn man, wie es bei mir gerade leider der Fall ist, brutal im Flow gestoppt wird, weil der Baustellenbetrieb eingestellt wurde, weil keine zu protokollierenden Planungs- / Baubesprechungen stattfinden – weil … meine Leistung derzeit nicht benötigt wird … 🙁 …? Da kann so ein homeoffice-Tag ganz schön lang werden! Man fühlt sich unnütz, unproduktiv, hat gleichzeitig ein schlechtes Gewissen, wenn man dazwischen die Wäsche aufhängt oder mit dem Swiffer eine Runde zieht. Und ganz schlimm: dem Magen wird´s auch bald fad, und er fangt zu knurren an – fast so laut wie „unsere“ beiden frechen Krähen, die um diese Jahreszeit immer auf dem breiten Dachvorsprung herumstolzieren und lautstark ihre tägliche Nuss-Ration einfordern.

Die Gefahr von homeoffice besteht daher, dass man zu oft und gerne zum Kühlschrank oder zur „süßen“ Lade geht (ich gehe davon aus, dass die meisten von uns aufgrund des gegenwärtigen Ausnahmezustands ihr Vorhaben des „Zuckerfastens“ leichten Gewissens aufgegeben haben?). Obwohl: zum Kühlschrank / zur „süßen“ Lade GEHEN, ist ja auch eine Art von Bewegung?! Trotzdem: wochenlanges homeoffice könnte der Linie gar nicht gut tun! Und wenn man dann auch noch den ganzen Tag im legeren Schlabberlook verbringt, wo nichts zwickt und einengt, besteht leicht die Gefahr, dass man nach der Krise eine (andere) Krise bekommt! – Daher: Disziplin, Disziplin!

Apropos Schlabberlook: Wahrscheinlich arbeiten die Fashion-Designer in ihren Ateliers schon eifrig an Entwürfen für den neuen „homeoffice-Look“ – business-tauglich und trotzdem bequem – bislang steife Hosenanzüge nunmehr im bunt-fröhlichen Pyjama-Style und taillierte Kostüme vom sexy Negligè mit Spitzenjäkchen inspiriert. Ja, ich weiß, der Versuch, den nur den Nachtstunden vorbehaltenen Pyjama alltagstauglich zu machen, ist vor ein paar Saisonen ordentlich gefloppt. Jetzt aber besteht die Chance auf eine modische Revolution am Arbeitsplatz – zumal ich davon ausgehe, dass homeoffice „nach Corona“ stärker in Anspruch genommen werden wird als „vor Corona“.

Mir fällt gerade ein: Ich trage seit einer ganzen Woche – außer meinen Laufschuhen in der Früh – keine Schuhe! Gut für meine Füße, aber schlecht für meine Treter!

Figur / Gewicht / Mode – Gedanken zu den Auswirkungen aus dem Umstand „homeoffice“. Ein weiterer Aspekt ist mit Sicherheit die Auswirkung auf Skelett und Muskelapparat, denn die wenigsten haben daheim einen ergonomisch einwandfreien Arbeitsplatz, sprich Drehsessel und höhenverstellbaren Schreibtisch. Und es fehlen mitnichten die Schritte, um zum Arbeitsplatz zu kommen inklusive Stufensteigen. Ich sitze seit einer Woche am Hochtisch auf einem (zum Glück gepolsterten) Barhocker – und ertappe mich dabei, dass ich viel öfter als im Büro daran denke, gerade zu sitzen! Und eine Arbeitskollegin von mir hat berichtet, dass sie beim Telefonieren ihre Runden um den Essplatz dreht und so auch auf 2.000 Schritte pro Tag kommt. Das Internet ist mittlerweile voll von guten Tipps, wie man auch im homeoffice fit bleiben kann. Und wenn man sich körperlich annähernd gut fühlt, geht es auch der Seele gut. Vielleicht trägt dazu auch bei, dass der momentane Dauer-homeoffice-Tagesablauf zu einer Entschleunigung führt.

Die homeofficer sind mitnichten derzeit sogar begünstigte Personen, weil sie in den eigenen vier Wänden in Sicherheit sind, weil sie einen Job haben. Wie viele andere Menschen stehen da „draußen“ im Einsatz, sind dem Limit nahe oder haben es schon erreicht oder haben ihren Job (vorübergehend?) verloren – mein großer Respekt gilt Euch!

Diese spezielle Zeit lehrt uns viel!

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