{"id":110,"date":"2013-04-16T15:00:33","date_gmt":"2013-04-16T13:00:33","guid":{"rendered":"http:\/\/luciaklatil.wordpress.com\/?p=110"},"modified":"2013-04-16T15:00:33","modified_gmt":"2013-04-16T13:00:33","slug":"meine-42195-km","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lucia.klatil.at\/blog\/?p=110","title":{"rendered":"Meine 42,195 km"},"content":{"rendered":"<p>\u00a02 Tage danach- und es f\u00fchlt sich gut an! Verr\u00fcckt oder? aber so bin ich halt ab&amp;dann &#8211; Bodo nennt es: schrullig!<\/p>\n<p>Aber alles mal der Reihe nach: seit Anfang dieses Jahres hing mein pers\u00f6nlicher (weil leicht adaptierter) 14-Wochen-Trainingsplan. 14 Wochen! Das klingt anfangs urlang, vor allem, wenn es in der Fr\u00fch um 6 Uhr stockdunkel\u00a0ist und ich mir f\u00fcr den Lauf im Prater sogar eine Stirnlampe\u00a0bei den Crazy-Days bei amazon\u00a0erwerbe &#8230; die mir dann so gut den Weg ausleuchtet, dass ich glatt vom normalen Weg abkomme\u00a0&#8230; Jedenfalls habe ich\u00a0das Training\u00a0ann\u00e4hernd brav und konsequent durchgezogen &#8211; vor allem, was die Laufdauern\u00a0betrifft; eher negiert habe ich, was GAT1, GAT2, GAT3 betrifft &#8211; ich mag mich nicht von der Pulsuhr\u00a0drangsalieren lassen und Intervall am Laufband ist so gar nicht meins &#8211; ich muss drau\u00dfen schwitzen &#8211; je k\u00e4lter desto besser &#8230;. ich sollte mich f\u00fcr den Nordpol-Marathon qualifizieren (was der MoneyMaker kann, sollte Lucia schon allemal durchstehen!)<\/p>\n<p>Ich habe seit dem letzten Herbst mehr Laufschuhe als &#8222;sch\u00f6ne&#8220; Schuhe erworben: der Aktionskauf\u00a0vom Herbst war &#8211; trotz Saucony\u00a0&#8211; nicht gut gew\u00e4hlt: wenn ich ehrlich bin, war mir das Rein-Wei\u00df mit einem Hauch von Neon an den Schuhb\u00e4ndern zu fad &#8211; genauso haben sich meine F\u00fc\u00dfe beim Laufen angef\u00fchlt. Daher der Griff zu zwei Paar \u00e4hnlich neongelben Wettkampfschuhen, von Asics\u00a0bzw. Saucony\u00a0(sie unterscheiden sich quasi nur an der Farbe der Schuhb\u00e4nder, sind aber unterschiedlich geschnitten, also nix mit Schuh-Mix) &#8211; 2 Wochen vor dem Marathon damit zu trainieren, ist sicher ein Risiko, aber meine beiden F\u00fc\u00dfe haben sich rasch angefreundet, auch mit den Luftl\u00f6chern in der Sohle &#8211; das wird zum\u00a0nassen Spassfaktor, wenn man g\u00e4nzlich unvorbereitet mit Schneematsch in Ber\u00fchrung kommt &#8211; und ich kann nur sagen: diese Ber\u00fchrung ist\u00a0sehr intensiv und l\u00e4sst dich nicht mehr locker, bis du daheim dann klitschnasse Socken von den F\u00fc\u00dfen zupfst!<\/p>\n<p>Die 14 Wochen vergingen genauso schnell wie der diesj\u00e4hrige Winter beharrlich war: die ganze Zeit \u00fcber lange Tights, 2 Lagen lang\u00e4rmelige Shirts mit langen \u00c4rmeln, um die kalten H\u00e4nde zu w\u00e4rmen, Bandeau\u00a0zum Stirnband gedreht oder als Haube aufgerollt. Und dann: von einem Tag auf den anderen wird\u00b4s warm und w\u00e4rmer &#8230; und meine Panik w\u00e4chst mit jedem Grad, denn zu sehr sind mir die beiden Male, als ich wegen Hitze und Dehydrierung kollabiert bin und mit der Rettung das Ziel erreicht habe, in Erinnerung! Bodo beruhigt mich: es wird nur 14 Grad haben, sonnig bis wolkig, leichter Wind &#8211; nun gut, ich versuche, mich dar\u00fcber zu freuen, schaue mir am Tag vorher noch einen Beitrag \u00fcber Extreml\u00e4ufer in der W\u00fcste Gobi an und die zwei Br\u00fcder Moretti &amp; Bloeb auf ihrem Weg Paris-Dakar &#8211; das (!) ist mentale St\u00e4rke!<\/p>\n<p>Samstags nat\u00fcrlich noch der Fashion-Check f\u00fcr den gro\u00dfen Lauf: kurze Kompressionstight, die vom vielen Schwitzen bei diversen Runs an ung\u00fcnstigen Stellen Spuren aufweist. Deshalb ziehe ich noch eine hautd\u00fcnne blitzblaue Tight\u00a0dr\u00fcber &#8211; auf der Marathonmesse\u00a0erstanden. Meine Bef\u00fcrchtung, dass sie sich beim Laufen hochwuzzelt, ist nicht ganz unbegr\u00fcndet &#8211; daher besser: keine Experimente beim Marathon! Oben dr\u00fcber ein dunkelviolettes\u00a0Sporttop\u00a0von Reebock\u00a0mit eingebautem &#8222;R\u00fcckenst\u00e4rker&#8220;; auch dieses schon dem Grunde nach kampferprobt\u00a0&#8211; zumindest hat sich schon ein gewisser Geruch eingenistet, der leider nicht mehr ganz raus geht &#8211; Bakterien sind halt st\u00e4rker als jeder Schwei\u00df. Am Kopf ein rotes Bandeau, das ich beim Lauf dann als Haube ausrolle\u00a0&#8211; die Erinnerung an einen Sonnenstich lebt! Na\u00a0ja, f\u00e4rbig so ganz optimal aufeinander abgestimmt ist das Outfit des 14.April 2013 leider nicht &#8211; fetziges Sport-Outfit findet leider erst langsam Einzug in die Damenwelt\u00a0und vergreift sich leider nur zu oft im Geschmack &#8211; oder wer glaubt allen Ernstes, dass man gef\u00e4rbelt und gemustert wie ein vom Aussterben bedrohter Papagei sportliche Bet\u00e4tigung welcher Art auch immer genie\u00dft? Auch hier zeigt sich dann, dass die meisten doch wieder zu schwarzen Tights\u00a0greifen und allenfalls beim Oberteil Mut zur Farbe (wenn man von Farbe reden kann &#8211; manchmal ist\u00b4s an der Grenze zum Augenkrebs) bekennen. Bei Laufschuhen kann ich es ja noch verstehen &#8211; siehe meine Bemerkung oben zur Fadesse\u00a0am Laufschuh &#8211; aber warum m\u00fcssen Kompressionsstutzen an strammen Wadeln dann den Neon-Look weiterf\u00fchren? Ich pers\u00f6nlich habe diesem Trend, die Waden einzuengen, abgeschworen &#8211; meine Waden (und davon ist viel da!) brauchen Luft, Luft, Luft!<\/p>\n<p>So, jetzt stehe ich dann nach mehrmaligem Nerv\u00f6s-Pinkeln ziemlich ruhig am Start mit rd. 40.000 anderen Wahnsinnigen, die zum 30 Jahre Jubil\u00e4um die Jagd auf die Handvoll Kenianer er\u00f6ffnen &#8211; ha, ein guter Witz: der schnellste ist bereits unter der Dusche, als die meisten &#8222;von uns&#8220; gerade erst mal in die G\u00e4nge gekommen bzw. bereits schon wieder m\u00fcde sind. Ich starte gerne weiter hinten &#8211; mit meinen Zeiten zwischen 3:45 und 3:35 ist es der gr\u00fcne Block. Hier zu starten ist angenehmer, weil entspannter. Weiter vorne ziehen die Ehrgeizler\u00a0davon und das ist mir einmal nicht gut bekommen: man wird da mitgerissen und l\u00e4uft \u00fcber seine pers\u00f6nlichen F\u00e4higkeiten \u2013 nee, mach ich nicht mehr. Au\u00dferdem ist es f\u00fcr das Mentale sehr aufbauend, wenn man das Gef\u00fchl hat, an anderen L\u00e4ufern vorbeizuziehen und zu \u00fcberholen. Meine F\u00fc\u00dfe fliegen, der Puls ist in einem guten Rhythmus; ich schaffe es \u2013 und das macht mich am meisten stolz -, dass ich die Sonne \u00fcber meinem Kopf ausblenden kann, dass ich jede dunkle Wolke als Zwischengeschenk\u00a0ansehe und \u2013 ja: und einfach laufe. Meine Beine wissen eh, was zu tun ist. \u201eOben dr\u00fcber\u201c achte ich darauf, dass ich doch regelm\u00e4\u00dfig was trinke und ab km 15 meine St\u00e4rkung aus der Tube zu mir nehme. Der Angstfaktor\u00a0Wienzeile\u00a0Richtung Sch\u00f6nbrunn geht schnell vorbei, auch die erste Halbzeit ist gef\u00fchlt rasch um \u2013 da ich w\u00e4hrend des Trainings sehr oft 90 Min-Einheiten gelaufen bin, ist mein K\u00f6rper daran gew\u00f6hnt. Mit \u00dcberraschung reagiert er dann meistens ab Minute 120 und vollkommen neu sind dann die Minuten &gt; 180. Aber da mache ich mir einfach damit Mut, dass ich die Kilometer runter z\u00e4hle: komm, es sind nur noch 7 \u2026 noch 5 und bei km 39, dort, wo\u00b4s dann meistens an der Grenze ist (weil man k\u00f6nnte da dann auch zu Fu\u00df ins Ziel gehen), packe ich nochmal meine ganze Energie \u2026 40, 41 \u2013 jetzt noch ein bisschen mehr Gas zu geben, f\u00e4llt nicht leicht, vor allem, wenn man die Strecke kennt und wei\u00df, dass es bis zum Ziel doch noch ein St\u00fcckerl ist \u2026. 500 m k\u00f6nnen daher auch sehr lang sein! Aber endlich die Ziellinie, weitergehen, nicht stehen bleiben, die sehr sch\u00f6ne sternf\u00f6rmige Medaille entgegennehmen, zur Labestation\u00a0weiterhumpeln, zum Treffpunkt mit Bodo torkeln \u2013 und dann, dann streiken meine Beine: zuerst krampft\u00a0sich die rechte Wade zusammen, gerade so, als w\u00e4re sie beleidigt, dass es schon vorbei ist. Ich kann mich nur mit Hilfe auf die Erde nieder lassen, als die Kr\u00e4mpfe auch schon weitergehen: der Fu\u00df, alles auch am linken Bein, auch die Oberschenkel! Ich getraue\u00a0mich nicht mehr, mich auch nur irgendwie zu bewegen, lasse mir von Bodo Schuhe und Socken ausziehen, und er dehnt vorsichtig meine beiden tollen Weggef\u00e4hrten. Wasser, Magnesium, Banane \u2013 langsam beruhigt sich alles wieder und ich kann mich der nassen Sachen entledigen. Den L\u00e4ufern rundherum geht es teilweise auch nicht anders: die Wiese im Volksgarten\u00a0sieht aus wie ein open-Air-Lazarett nach einer schweren Schlacht. Trotzdem schwebt ein Hauch des Stolzes und der Erleichterung bei jedem mit: Year, ich habe das Ziel erreicht, habe dieses Mal nicht an meinem Tun gezweifelt und auch nicht daran: das ist mein letzter Marathon! Und als ich dann im VIP-Zelt meines Arbeitgebers als schnellste Frau der Erste Bank gek\u00fcrt werde, ist es mir auch g\u00e4nzlich egal, dass ich im Vergleich zum letzten Jahr ganze 4 Minuten auf der Strecke vertr\u00f6delt habe \u2026 ich wei\u00df: das Intervalltraining geht mir ab!<\/p>\n<p>So, was mache ich als n\u00e4chstes? Jetzt mal mit Yoga den K\u00f6rper langziehen und \u2026 ich habe schon wieder Lust, in meine neonf\u00e4rbigen Laufschuhe zu steigen \u2013 ohne Laufen bin ich es nicht!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a02 Tage danach- und es f\u00fchlt sich gut an! Verr\u00fcckt oder? aber so bin ich halt ab&amp;dann &#8211; Bodo nennt es: schrullig! Aber alles mal der Reihe nach: seit Anfang dieses Jahres hing mein pers\u00f6nlicher (weil leicht adaptierter) 14-Wochen-Trainingsplan. 14 Wochen! 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