{"id":1344,"date":"2018-12-15T16:39:12","date_gmt":"2018-12-15T15:39:12","guid":{"rendered":"https:\/\/luciaklatil.wordpress.com\/?p=1344"},"modified":"2018-12-15T16:39:12","modified_gmt":"2018-12-15T15:39:12","slug":"danke-fuers-nicht-hilfe-anbieten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lucia.klatil.at\/blog\/?p=1344","title":{"rendered":"Danke f\u00fcrs Nicht-Hilfe-Anbieten"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\">Manchmal wundere ich mich schon sehr \u00fcber das Verhalten meiner Mitmenschen!<\/p>\n<p align=\"justify\">Die Vorweihnachtszeit ist neben der allj\u00e4hrlichen fr\u00f6hlichen Endzeitstimmung, dem Hektik-Virus und der Shopping-Epidemie davon gepr\u00e4gt, dass an jeder Ecke und in jeder Kurve an die Herzensg\u00fcte appelliert wird, an einen Funken N\u00e4chstenliebe und an eine locker sitzende Spendierhose &#8211; warum sich hier nat\u00fcrlich schon auch die Frage stellt, warum dies nur in dieser eher grau-dunklen Zeit so frappierend auff\u00e4llig ist.<\/p>\n<p align=\"justify\">Um nicht wieder abzuschweifen &#8230;<\/p>\n<p align=\"justify\">Seit diesem Sommer arbeite ich ja wieder in einem gr\u00f6\u00dferen Konzern, der in seinem Kerngesch\u00e4ft\u00a0&#8222;in Geld macht&#8220;. Rund 5.000 Menschen arbeiten in einem Geb\u00e4udekomplex, den ich lange vor der ersten Baggerschaufel lieb gewonnen habe, und der nach drei Jahren der &#8222;Inbesitznahme&#8220; noch immer eine eigene Faszination auf mich aus\u00fcbt.<\/p>\n<p align=\"justify\">Um nicht wieder abzuschweifen &#8230;<\/p>\n<p align=\"justify\">In dieser meiner neuen Arbeitswelt werden die Mitarbeiter bereits seit einigen Wochen\u00a0via Intranet und diversen analogen Aush\u00e4ngen zur Teilnahme\u00a0an unterschiedlichen\u00a0caritativen Events eingeladen: Charity-Punsch mit den Vorst\u00e4nden in der Punschh\u00fctte, Spenden-Dinner f\u00fcr ein Dorf in Indien, Spendenkonto f\u00fcr das \u00d63-Weihnachtswunder, Aktion &#8222;Tafel Wien&#8220;, Sammelstelle f\u00fcr Winterkleidung, &#8230; bis hin zum Care-Paket f\u00fcr bed\u00fcrftige Familien in Rum\u00e4nien: \u00d6l, Mehl, Zucker, Reis, Nudeln, Kekse, Multivitamintabletten, eine Kleinigkeit f\u00fcr Kinder, &#8230; die Packliste\u00a0genau vorgegeben, die Termine f\u00fcr die Ausgabe der leeren Kartons\u00a0bzw. die Abgabe der bef\u00fcllten Kartons gut organisiert.<\/p>\n<p align=\"justify\">Mein Karton, fertig bef\u00fcllt, gut zugeklebt und recht schwer &#8211; ca. 12 kg! Eine Kollegin bat mich, ihren Karton mit zur Abgabe zu bringen, da sie an diesem Tag verhindert war.<\/p>\n<p align=\"justify\">Kein Problem &#8211;\u00a0das schaffe ich schon!<\/p>\n<p align=\"justify\">Ein Karton in den Armen, den anderen mit sanften Fu\u00dftritten weiterbef\u00f6rdernd, machte ich mich auf den Weg vom 2. Obergeschoss hinunter\u00a0ins Erdgeschoss.<\/p>\n<p align=\"justify\">Kein Problem &#8211;\u00a0das schaffe\u00a0ich schon!<\/p>\n<p align=\"justify\">Bei der ersten Barriere, der Zutrittst\u00fcre zu meiner &#8222;Homebase&#8220;, wusste ich dann, dass es doch nicht so einfach werden w\u00fcrde. Da kam aber gerade eine Mitarbeiterin aus meinem Stockwerk, hielt mir die T\u00fcre auf und fragte auch sofort, ob sie mir helfen k\u00f6nne. War es aus Stolz, Ehrgeiz oder Trotz? Ich sagte jedenfalls: Danke, nicht n\u00f6tig &#8230;<\/p>\n<p align=\"justify\">Kein Problem &#8211;\u00a0ich schaffe\u00a0das schon!<\/p>\n<p align=\"justify\">Weiter bis zur T\u00fcre, die in die Aufzugslobby f\u00fchrt. Dort: keine\u00a0t\u00fcr-aufhaltende Hand. Also musste ich den einen Karton kurz stehen lassen, die T\u00fcre \u00f6ffnen und aufhalten und den zweiten Karton nachreichen. Vor einem der Aufz\u00fcge wartete eine Frau auf den Lift. Sie schaute mich ziemlich eigenartig an, in einer Mischung aus genervt, ablehnend und jedenfalls so ganz ohne\u00a0irgendeine Regung in Richtung Hilfsbereitschaft. Ihr Blick wurde sogar richtig b\u00f6se, als ich die Aufzugst\u00fcre mit einem der Kartons f\u00fcr einen kurzen Moment blockieren musste, um mit dem zweiten nachzukommen. Eisiges Schweigen auf der Fahrt ins Erdgeschoss. Dort dann ganz \u00e4hnliches Verhalten: die Personen, die in den Aufzug einsteigen wollten, f\u00fchlten sich durch mich und die beiden Kartons in ihrem morgendlichen &#8222;Ich-muss-zur-Arbeit-Dilemma&#8220; gest\u00f6rt und aus ihrer Routine gerissen. Kein einziges Mal: &#8222;Kann ich Ihnen helfen?&#8220; &#8211;<\/p>\n<p align=\"justify\">Kein Problem &#8211; ich schaffe das schon!<\/p>\n<p align=\"justify\">Noch ein einziges, aber wohl das gr\u00f6\u00dfte Hindernis: die Zutrittskontrolle,\u00a0eine sogenannte Vereinzelungsschleuse; dh: Man kommt nur durch die Glasschwingt\u00fcrchen, wenn man einen Konzernausweis hat. Und damit verhindert wird, dass eine zweite Person ohne Ausweis unerlaubt hindurchschl\u00fcpfen kann, geht das \u00d6ffnen-Schlie\u00dfen an sich sehr rasch. Hinaus kommt man immer, auch ohne Ausweis. Allerdings &#8211; und das ist das Manko in der Fr\u00fch und zu Mittag, wenn die meisten Mitarbeiter im Haus unterwegs sind und nicht an ihrem Schreibtisch: Man muss kurz warten, bis man selbst dran ist &#8230; und auch mal so nett sein und einen rauslassen! Mich lie\u00df keiner raus! Ich musste warten, bis der Strom an arbeitsw\u00fctigen &#8222;Kolleg-I-nnen&#8220;\u00a0f\u00fcr einem\u00a0Moment\u00a0nachlie\u00df und mich endlich mit den beiden Kartons durchzw\u00e4ngen konnte. Von dort war es dann beinahe ein barrierefreies Kinderspiel, zur Abgabestelle zu kommen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Ich habe es geschafft!<\/p>\n<p align=\"justify\">&#8230; Und ich m\u00f6chte mich bei allen bedanken, die\u00a0mir auf dieser Reise mit\u00a0rund 25 kg Ballast KEINE Hilfe angeboten haben!<\/p>\n<p align=\"justify\">Meine\u00a0Erfahrung\u00a0aus diesen 15 Minuten? Ich bin zufrieden mit mir, dass\u00a0durch meine einfache Spende\u00a0einer armen Familie in Rum\u00e4nien, die ich nie kennenlernen werde, f\u00fcr einen\u00a0\u00fcberschaubaren Zeitraum geholfen werden kann.\u00a0Allerdings bin ich doch auch sehr dar\u00fcber entt\u00e4uscht, dass es\u00a0lediglich ein paar Menschen brauchte (die sich zudem mit mir einen Arbeitgeber teilen und mit mir unter einem Dach &#8222;leben&#8220;), um die Realit\u00e4t zu erkennen: N\u00e4chstenliebe heute endet bei vielen\u00a0leider an der eigenen Epidermis!<\/p>\n<p align=\"justify\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manchmal wundere ich mich schon sehr \u00fcber das Verhalten meiner Mitmenschen! 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