{"id":136,"date":"2013-10-07T12:05:10","date_gmt":"2013-10-07T10:05:10","guid":{"rendered":"http:\/\/luciaklatil.wordpress.com\/?p=136"},"modified":"2013-10-07T12:05:10","modified_gmt":"2013-10-07T10:05:10","slug":"im-running-in-the-rain-of-verona","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lucia.klatil.at\/blog\/?p=136","title":{"rendered":"I\u00b4m running in the rain of Verona"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>Ein Flyer zur Marathonmesse\u00a0in Wien im April und seine Folgen ein gutes halbes Jahr sp\u00e4ter. In der Euphorie vor dem 42,194 km Massenlauf\u00a0in Wien wurde ich magisch angezogen von einem Laufevent\u00a0mit dem Zieleinlauf\u00a0in einer wunderbaren Kulisse &#8211; der ber\u00fchmten Arena von Verona. Nur kurz nachgedacht melde ich mich gleich im Fr\u00fchsommer an und bin da unter den ersten 700 Anmeldungen. Vom Arzt muss ich mir ein Gesundheitszeugnis ausstellen lassen. Daf\u00fcr, dass ich keinem italienischen Laufclub\u00a0angeh\u00f6re, muss ich zus\u00e4tzlich EUR 7 f\u00fcr die Streckenben\u00fctzung zahlen. Und nat\u00fcrlich noch Flug- und Hotelbuchung\u00a0f\u00fcr 2 Personen (also ein teurer Spass), weil ohne meinen Bodo fahr ich nicht! Er ist meine mentale St\u00fctze, vor allem am Tag vor dem Lauf, wo ich immer mit gro\u00dfer Angst in den n\u00e4chsten Tag schaue.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Am vergangenen Freitag dann geht es am fr\u00fchen Abend nach Mailand. Der Flug dauert schlappe 90 Minuten &#8211; es gibt nur einen Apfel oder eine Schokolade als kleinen Snack. Ern\u00fcchternd lang die Busfahrt vom Flughafen zur Stazione\u00a0Centrale: eine gute Stunde, vorwiegend im Stau! Und dann noch die Zugsfahrt bis Verona &#8211; wir kommen knapp vor 23 Uhr im Hotel Piccolo (so klein dann auch das Zimmer) an. Ein Restaurant hat Erbarmen mit uns und wir bekommen noch schnell eine Pizza.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Am Samstagmorgen\u00a0gehen wir in einem unangenehm dichten Nieselregen zielstrebig zum Stadion, da ich fest der \u00dcberzeugung bin, hier die Startnummer zu bekommen. So hie\u00df es jedenfalls in den ersten Informationen aus dem Internet. Nichts da: wir umkreisen das Station\u00a0zwei Mal, bis ich bei nochmaligem Lesen der zuletzt erhaltenen Instruktionen kapiere, dass wir zum Messegel\u00e4nde m\u00fcssen! Oh nein! Um das Stadium herum ist gerade Markttag mit allem, was das Herz begehrt &#8211; wir kaufen einen gro\u00dfen Regenschirm. Im Hotel r\u00e4t die Dame an der Rezeption dringend davon ab, zu Fu\u00df zur Fiera \/ der Messe zu gehen, weil die Stra\u00dfe stark befahren ist. Wir nehmen uns ein Taxi.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Endlich: fast schon Mittagszeit, habe ich endlich das Starterpaket in meinen H\u00e4nden: F94 (Bodo sieht, dass knapp 200 Frauen an den Start gehen werden). In Summe sind es ca. 1.600 L\u00e4ufer.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Jetzt h\u00e4lt uns nichts mehr: mit einem weiteren Taxi lassen wir uns bis zur Arena f\u00fchren, gehen aber nicht hinein, weil gerade die Massen anstehen, sondern beginnen eine lange Stadtbesichtigung &#8211; alles zu Fu\u00df mit 3 kleineren Einkehrschw\u00fcngen, um auch dem leiblichen Wohl zu fr\u00f6nen. Sp\u00e4tnachmittags kommen wir ins Hotel zur\u00fcck. Bodo hat einiges fotografiert (so ist das in einer Herde: da darf jeder seine Spinnereien ausleben!). Der Kopf ist m\u00fcde, die F\u00fc\u00dfe sind m\u00fcde &#8211; ganz und gar nicht die beste Vorbereitung f\u00fcr den morgigen Tag, aber wenn man schon mal hier in dieser netten Stadt ist? Jedenfalls schlafen wir eine Runde, bis wir uns um 20 Uhr zum Abendessen aufmachen &#8211; und wieder im Lokal von gestern landen, denn au\u00dferhalb der Touristenmeile\u00a0ist das gastronomische Angebot mehr als d\u00fcrftig. Gestern Pizza, heute nat\u00fcrlich Pasta, damit die Kraftspeicher\u00a0f\u00fcr morgen gef\u00fcllt sind. Das Hotelzimmer ist so klein, dass f\u00fcr den kleinen Trolly kaum Platz ist. Wir m\u00fcssen aber f\u00fcr morgen noch alles logistisch durchchecken, zumal Bodo am Vormittag auschecken muss.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Ich schlafe bald tief und fest &#8211; ein paar angstvolle Gedanken begleiten mich.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Ich fahre mit dem Taxi um kurz nach 6 Uhr zum Shuttle, der die Marathonl\u00e4ufer zum Start aufs Land bringt. Gemein: der Bus steht wieder beim Messegel\u00e4nde, aber in einer Seitengasse &#8211; ich bin nicht die einzige, die etwas dumm herumsteht und auf den Bus wartet. Beim Rausfahren\u00a0aus der Stadt denke ich: Das ist aber weit &#8211; und mir wird wieder bang ums Herz. Wir werden in Val d\u00b4Ambrogio rausgelassen und in eine leere Halle geschickt, wo man gegen Einwurf von M\u00fcnzen was zum Essen \/ Trinken bekommt. Ich genehmige\u00a0mir noch eine Banane, weil ich f\u00fcrchte, dass das kleine Honigweckerl, das ich gestern vom Fr\u00fchst\u00fcck mitgenommen habe, nicht allzu lange Energie liefern wird. Beim Anstellen in der langen Kolonne vor den Stehklos\u00a0(!) lausche ich \u00f6sterreichischen T\u00f6nen: vor mir zwei Frauen, die die\u00a030km laufen werden und sich wundern, dass ich ganz alleine laufe. Sie best\u00e4tigen mir aber, dass die Veranstalter die Streckenf\u00fchrung und auch den Ausgabepaket\u00a0f\u00fcr die Starterpakete\u00a0ge\u00e4ndert haben &#8211; also habe ich mir das mit dem Stadion doch nicht aus dem Finger gesaugt! Im Startsektor\u00a0k\u00e4mpfe ich dann mit meiner musikalischen Begleitung: da ich immer Radio h\u00f6re, habe ich keine Playlist. Ich habe zwar gestern einen passenden Sender gefunden, aber ich h\u00f6re pl\u00f6tzlich nichts mehr! \u2026 Heute fr\u00fch bin ich dann draufgekommen, warum: ich habe irrt\u00fcmlicherweise auf &#8222;Pause&#8220; gedr\u00fcckt! Knapp vor dem Start muss ich mich damit abfinden, ohne Hintergrundablenkung einen Fu\u00df vor den anderen zu setzen. Zum Gl\u00fcck gerate ich deswegen nicht in Panik. (Die Italiener laufen alle ohne St\u00f6psel in den Ohren.)<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>08:45: es geht los! Inmitten von M\u00e4nnern laufe ich anfangs recht schnell, lasse sogar die 3:30 Pacer hinter mir und genie\u00dfe die Landschaft: nebelverhangene\u00a0H\u00fcgel mit Kirchen, Wolken am Himmel, aber trocken und angenehme Temperaturen. Ab km 3 sp\u00fcre ich den ersten Schwei\u00df. Habe ich vor einer knappen halben Stunde noch gefroren, bin ich jetzt froh, die Armstulpen\u00a0schon vor dem Start weggeben zu haben (eine nette Italienerin, die ich auch wegen eines anderen Radiosenders befragt habe, hat mir beim Verstauen geholfen &#8211; ich habe ja meinen Trinkrucksack\u00a0dabei &#8211; ich sehe unterwegs nur einen einzigen anderen L\u00e4ufer, der auch einen tr\u00e4gt). Unser Weg geht durch Weing\u00e4rten hindurch, durch kleine D\u00f6rfer. Die Zuschauermenge\u00a0h\u00e4lt sich mehr als in Grenzen, nur ab und dann stehen ein paar Neugierige am Rand. Die Italiener quatschen\u00a0sogar w\u00e4hrend des Laufens (h\u00f6ren wohl daher keine Musik). Bis knapp nach der halben Marathonstrecke geht es mir eigentlich phantastisch, ich nehme die Steigungen, die da ab und dann kommen, meisterlich und entspanne\u00a0beim Abw\u00e4rtslaufen. Dann aber so bei km 22 d\u00fcrfte ich mich bei einer weiteren Steigung ziemlich verausgabt haben, weil ab da merke ich, wie mir die Kraft langsam ausgeht. Ich halte brav bei jeder Labestation, um zu trinken. Ab km 15 nehme ich auch meine Gels. Und zeitweise falle ich auch wieder in mein Wettkampftempo. Wir n\u00e4hern uns der Stadt. Pl\u00f6tzlich ein Pulk von anderen L\u00e4ufern &#8211; und bei km 27 werde ich von den 3:30 Pacern \u00fcberholt. Ich schaffe es nicht mehr, mit ihnen mitzuhalten &#8211; grrrrr! Bei km 30 denke ich kurz daran: du k\u00f6nntest jetzt hier doch aufh\u00f6ren, aber das andere Ich meint: du willst doch in die Arena einlaufen, also halte durch; es sind nur noch 12 km oder anders ausgedr\u00fcckt: nur noch eine knappe Stunde! Bei km 37 sehe ich dann endlich Bodo, der mitten auf der Stra\u00dfe steht und die L\u00e4ufer fotografiert. Ich versuche eine nette Pose, aber ich d\u00fcrfte gerade da gel\u00e4chelt haben, wo Bodo nicht abgedr\u00fcckt hat. Es\u00a0beginnt zu tr\u00f6pfeln und gleich darauf &#8211; ich sehe Bodo ein weiteres Mal &#8211; er feuert mich an, mahnt mich zum Trinken &#8211; regnet es mehr und mehr. Vor mir nur wenige L\u00e4ufer, alle schon etwas schlapp. Da bekommt das Laufen \u00fcber das nasse Kopfsteinpflaster eine neue Bedeutung. Die Zielgerade kommt endlich n\u00e4her. Es sch\u00fcttet jetzt! 300 m vor dem Ziel nochmal Bodo &#8211; und ich hole meine letzten Reserven hervor. \u00dcber eine lange Rampe geht es hinein in den beeindruckenden Bau. Jetzt habe ich aber nur die Ziellinie vor Augen &#8211; noch einmal Gas geben, die Arme hochstrecken &#8211; und: geschafft!!!! In 3:34:02 (ich bin gesamt auf Platz 359 gekommen, die 20. unter den Frauen!) \u2026 alle Ergebnisse unter: <a href=\"http:\/\/www.veronamarathon.it\/en\/\">http:\/\/www.veronamarathon.it\/en\/<\/a><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Der Regen ist ein Wahnsinn!\u00a0Bodo hat es nicht in die Arena geschafft, er wurde nicht durchgelassen. Wir finden uns \u00fcber das Handy. Bodo eingeh\u00fcllt in die Regenjacke, das Fotoequipment\u00a0einigerma\u00dfen gesch\u00fctzt, umarmen wir uns. Unter einer Arkade wechsle ich dann notd\u00fcrftig mein Gewand: ich bin durch und durch klitschnass. Da wir kein Zimmer mehr haben, kann ich am WC nur eine kleine Katzenw\u00e4sche machen und mich gewandm\u00e4\u00dfig adjustieren, aber f\u00fcr die Zur\u00fcckreise muss das gen\u00fcgen. Ich bin ersch\u00f6pft, aber halbwegs zufrieden mit meiner Leistung. Ich wei\u00df, wenn ich anders trainieren w\u00fcrde, k\u00f6nnte ich die 3:30 erreichen, aber meistens ist es so, dass ich laufe, um den Kopf frei zu bekommen. Da w\u00e4re das sogenannten Fahrtenspiel\u00a0eher hinderlich. Nun ja: jetzt dann vielleicht. So gleich nach einem Marathon bin ich zwar nicht so erpicht darauf, mich wieder dieser Challenge\u00a0zu stellen, aber ich wei\u00df: sp\u00e4testens in ein paar Tagen denke ich an den n\u00e4chsten Marathon: Amsterdam, Berlin w\u00fcrden mich reizen \u2026. Nachdem es noch immer regnet, fahren wir zum letzten Mal mit dem Taxi zum Bahnhof, kaufen in Turbogeschwindigkeit\u00a0am Automaten die Tickets und erwischen gerade noch den Zug. Es ist 14:32. Daheim sind wir dann um 23 Uhr. Ganz sch\u00f6n umfangreicher Reiseaufwand\u00a0f\u00fcr ein bisschen Italien und ein bisschen Laufevent. Nochmal w\u00fcrde ich das so nicht machen wollen. Daher Amsterdam oder Berlin: da fliegt man direkt hin. Oder Salzburg Anfang Mai 2014? Wieder so ein verf\u00fchrerischer Flyer, der Lust auf 42,194 km macht!<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Flyer zur Marathonmesse\u00a0in Wien im April und seine Folgen ein gutes halbes Jahr sp\u00e4ter. 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