{"id":1367,"date":"2019-03-28T19:13:54","date_gmt":"2019-03-28T18:13:54","guid":{"rendered":"https:\/\/luciaklatil.wordpress.com\/?p=1367"},"modified":"2019-03-28T19:13:54","modified_gmt":"2019-03-28T18:13:54","slug":"40-tage-achtsamkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lucia.klatil.at\/blog\/?p=1367","title":{"rendered":"40 Tage Achtsamkeit"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\">Ich schreibe gerne &#8211; privat: Reisetageb\u00fccher, Yogatagebuch, Blogs \/ beruflich: Protokolle, Protokolle, Protokolle &#8211; und jetzt auch f\u00fcr das Pfarrblatt, das in diesen Tagen mit einer Auflage von ein paar Tausend erschienen ist (die meisten Exemplare sind wahrscheinlich bereits im Altpapier gelandet &#8230;).<\/p>\n<p align=\"justify\">Passend zur Jahreszeit ist mein Beitrag der Fastenzeit gewidmet &#8211; und nachdem wir da heute\u00a0fast in der Halbzeit angelangt sind, dachte ich mir, dass meine Gedanken vielleicht auch papierlos zur Anregung dienen k\u00f6nnten &#8230;<\/p>\n<p>&#8230; daher &#8230;<\/p>\n<p align=\"justify\"><strong>Fasten 2019 \u2013 Mit Achtsamkeit und fr\u00f6hlichem Herzen von Allem ein bisschen weniger!<\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\">Jetzt ist sie wieder da, diese ganz besondere Zeit des selbstauferlegten Verzichts. Auf was man verzichtet und wie man fastet, hat sich im Laufe der Jahrhunderte stark ver\u00e4ndert. Heute ist es, unabh\u00e4ngig von einer Glaubensorientierung, fast schon ein gesellschaftliches \u201eMuss\u201c, sich dieser Challenge zu stellen. \u2013 Und? Was machst du heuer in der Fastenzeit? Diese subtile Fragestellung zielt nat\u00fcrlich darauf ab, dass der andere geradezu mit \u201eIch [\u2026] NICHT\u201c, \u201eIch [\u2026] KEIN(EN) [\u2026]\u201c antworten MUSS! W\u00e4re es nicht besser, das pers\u00f6nliche Fastenopfer klein und bescheiden zu halten als \u00f6ffentlich zur Troph\u00e4e zu machen? Oder braucht man die \u00d6ffentlichkeit als Ansporn, durchzuhalten und nicht zu versagen?<\/p>\n<p align=\"justify\">Neujahrs-Vors\u00e4tze sind eigentlich ja nur dazu da, dass sie bereits nach wenigen Stunden oder Tagen aufs n\u00e4chste Jahr verschoben werden. Selten erreicht ein Neujahrs-Vorsatz den 21-Tage-Schwellenwert, den es wissenschaftlich belegt ben\u00f6tigt, um einen \u201eVorsatz\u201c zu einer \u201eGewohnheit\u201c umzuprogrammieren. Und jeder hat Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr.<\/p>\n<p align=\"justify\">Fasten-Vors\u00e4tze hingegen werden da schon etwas ernster genommen. Worauf verzichtet wird, unterscheidet sich je nach Religion. Im religi\u00f6sen Kontext dient das Fasten unter anderem der Reinigung der Seele, der Bu\u00dfe, der Abwehr des B\u00f6sen, dem Streben nach Konzentration, Erleuchtung oder Erl\u00f6sung. Fasten ist die pers\u00f6nliche Einladung, sich auf das Wesentliche zu besinnen, nachzudenken und durch bewussten Verzicht die eigene Existenz zu \u00fcberdenken.<\/p>\n<p align=\"justify\">\u2022 Fasten im Christentum &#8211; 40 Tage bewusster leben, um sich auf das wichtigste Fest im Christentum vorzubereiten. Von Aschermittwoch bis Ostersonntag, 46 Tage, die dank der Synode von Benevent im Jahr 1091 durch 6 \u201eJokertage\u201c auf 40 symbolhafte Tage verk\u00fcrzt wurden. Knapp 6 Wochen, grob gerundet 10 % \u00fcber ein Jahr gesehen, also nicht viel und doch eine gro\u00dfe Chance.<\/p>\n<p align=\"justify\">\u2022 Fasten im Judentum \u2013 Faste oft, aber h\u00f6chstens 25 Stunden: &#8222;Jom Kippur ist ein Tag, an dem wir auf so viele materielle Sachen verzichten, dass wir mehr wie Engel als Menschen sind. Wir verbringen den ganzen Tag in der Synagoge mit Gedanken an Reue oder die R\u00fcckkehr zu Gott.&#8220; [Steven Langnas, M\u00fcnchner Rabbiner]<\/p>\n<p align=\"justify\">\u2022 Fasten im Islam \u2013 Ramadan \u2013 Fasten, bis die Sonne untergeht: &#8222;Oh Ihr, die Ihr glaubt, vorgeschrieben ist Euch, zu fasten, so wie es denen vorgeschrieben war, die vor Euch lebten, auf dass Ihr gottesf\u00fcrchtig werdet [&#8230;] Und esst und trinkt, bis der wei\u00dfe Faden von dem schwarzen Faden der Morgend\u00e4mmerung f\u00fcr Euch erkennbar wird. Danach vollendet das Fasten bis zur Nacht.&#8220; [Sure 2, 183]<\/p>\n<p align=\"justify\">\u2022 Fasten in der orthodoxen Kirche \u2013 Nahrungsverzicht: \u201cveganes Leben light\u201d<\/p>\n<p align=\"justify\">\u2022 Fasten im Buddhismus \u2013 Fasten als Einkehr: die \u00dcberwindung der Ursachen von Leid, beispielsweise durch Egoismus<\/p>\n<p align=\"justify\">\u2022 Fasten im Hinduismus \u2013 Askese als Lebensaufgabe: Fasten bis zum Ende (Prayopavesa)<\/p>\n<p align=\"justify\">Ich kenne aber genug Menschen, die mit Religion bzw. der Kirche \u201enichts am Hut\u201c haben und sich trotzdem dem 40-t\u00e4gigen Fasten anschlie\u00dfen. An erster Stelle steht nat\u00fcrlich der Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel und Getr\u00e4nke. Wie praktisch, dass die christliche Fastenzeit direkt an die \u00fcppigen Weihnachtsfeiertage und die ausschweifende Faschingszeit anschlie\u00dft: Entschlacken, Detoxen, Tuning f\u00fcr die warme Jahreszeit? Oder Fasten als therapeutische Motivation, die Ern\u00e4hrung vor\u00fcbergehend oder auf Dauer umzustellen?<\/p>\n<p align=\"justify\">Heil-, Basen-, Intervallfasten und Trinkkuren \u2026 Internet und B\u00fccherregale sind voll mit guten Ratschl\u00e4gen und Anleitungen. Der Fasten-Tourismus boomt. Ist Fasten daher zu einem saisonalen Lifestyle-Event geworden?<\/p>\n<p align=\"justify\">Aber egal, aus welcher Motivation heraus: Fasten hat immer mit Ver\u00e4nderung des eigenen Ichs zu tun, mit einer \u00c4nderung fest eingetretener Alltagsgewohnheiten. Das schlie\u00dft in unserer heutigen Zeit vermehrt auch den Umgang mit Smartphone, Internet, Social Media oder dem Auto ein. So, wie Hobbyg\u00e4rtner schon darauf warten, die Erde umzugraben, leistet Fasten einen wesentlichen Beitrag dazu, das eigene Ich umzugraben, Luft ran zu lassen und positive N\u00e4hrstoffe freizusetzen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Und wie gehe ich selbst mit dem Fasten um?<\/p>\n<p>Ich kann mich an eine Zeit erinnern, da war der Aschermittwoch ein grauenvoller Tag f\u00fcr mich. Meine Gedanken drehten sich bis zur \u201eerl\u00f6senden\u201c Suppe am Abend nur ums Essen, was umso verwunderlicher ist, da es genug Tage in meinem (Berufs)Leben gibt, an denen ich den ganzen Tag nicht zum Essen komme und deswegen nicht gleich verzweifle.<br \/>\nMittlerweile bin ich zum Gl\u00fcck gelassener im Umgang mit dem Aschermittwoch, und den Karfreitag verbringe ich nach M\u00f6glichkeit bewusst reduziert in allem, was tags\u00fcber so anf\u00e4llt.<\/p>\n<p align=\"justify\">Und was ist in der Zeit dazwischen, der Fasten-Zeit?<\/p>\n<p align=\"justify\">Ich ern\u00e4hre mich schon sehr lange vegetarisch, trinke keinen Kaffee und habe noch nie geraucht. Der Wegfall eines Hin-und-Wieder-Gl\u00e4schens Prosecco stellt keinen echten Verzicht dar. S\u00fc\u00dfe Gel\u00fcste zwischendurch lassen sich leicht durch ungesalzene N\u00fcsse ersetzen. Ich betreibe mehr als regelm\u00e4\u00dfig Sport. Und social-media-abstinent bin ich schon mal aus Prinzip. Anstatt die Augen bei einer flachen TV-Soap zu entspannen, gebe ich Dokumentationen aus dem Tierreich den Vorzug &#8211; nebstbei: fr\u00fcher schlafen gehen ist sicher auch kein Fehler! Und anstatt aus Langeweile auf eine ausgedehnte Online-Shoppingtour zu gehen, widme ich mich lieber der Vorbereitung unserer diesj\u00e4hrigen Jakobsweg-Etappe.<\/p>\n<p align=\"justify\">Somit alles kein wirklicher Verzicht!<\/p>\n<p align=\"justify\">Wodurch also kann ich meinem \u201eFasten 2019\u201c eine besondere Pr\u00e4gung geben?<\/p>\n<p align=\"justify\">Ich werde ein kleines Fasten-Tagebuch mit dem Titel \u201e40 Tage Achtsamkeit\u201c f\u00fchren. Dort soll jede noch so kleine Handlung niedergeschrieben werden, die achtsam und mit Selbst- bzw. N\u00e4chstenliebe begangen wurde. Das kann ein L\u00e4cheln einem fremden Menschen gegen\u00fcber sein, ein freundliches Wort gegen\u00fcber jemanden, wo der Sympathiegrad nicht sehr hoch ist, ein kurzes inniges Gebet oder einfach mal ein Stillsein.<\/p>\n<p align=\"justify\">Tun. Niederschreiben. Merken. Nachlesen. Wiederholen. Sich besser f\u00fchlen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Gut f\u00fchle ich mich schlussendlich auch mit \u201emeiner\u201c Fastensuppe. Es gibt mehr als genug Rezepte daf\u00fcr. Und auch die katholische Frauenbewegung verw\u00f6hnt f\u00fcr einen guten Zweck am Suppensonntag mit hausgemachten warmen Speisen zum L\u00f6ffeln. Ich selbst bin mitnichten keine gro\u00dfe K\u00f6chin, halte mich nie an durchdachte Rezepte, sondern folge lieber meiner Intuition bzw. dem Inhalt meines K\u00fchlschranks. Daher k\u00f6nnte \u201emeine\u201c Aschermittwoch-Suppe m\u00f6glicherweise so aussehen:<\/p>\n<p align=\"justify\">Lauch oder Zucchini, Karotten, Zwiebel; je nach Belieben grob oder fein aufschneiden (ich bin eher der \u201eschnelle Grob-Schnipsel-Typ\u201c, damit ich dann auch etwas zum Kauen habe); wer keine Zeit und Lust hat, mit dem Messer zu arbeiten, dem empfehle ich die Tiefk\u00fchl-Gem\u00fcsemischung Karfiol-Brokkoli-Karotten. Gem\u00fcse in \u00d6l ganz nach Geschmack und Vorlieben anschwitzen bis leicht anr\u00f6sten, Ingwer dazu (gibt es fein gemahlen als Pulver oder cremig als Paste), vielleicht auch Petersilie, grob gezupft; mit gut-viel Wasser (ca. 500 ml pro Person) aufgie\u00dfen und aufkochen lassen; dann nat\u00fcrlich die (rein pflanzliche) Suppenw\u00fcrze hinzu. Da ich es gerne scharf mag, kommt sicher noch Curry- oder Chili-Gew\u00fcrz hinein. Alternativ k\u00f6nnte man die Suppe mit Tomatenmark auch r\u00f6tlich einf\u00e4rben. Ein paar Minuten kochen lassen, dann den Herd abdrehen und noch nachziehen lassen. Allenfalls noch ein bisschen mit Pfeffer und Kr\u00e4uter- oder Meersalz nachw\u00fcrzen. Noch besser schmeckt die Suppe, wenn sie am Vortag vorbereitet und dann aufgew\u00e4rmt wird. Am Aschermittwoch verzichte ich auf Parmesan, stattdessen gibt es eine Scheibe Kn\u00e4ckebrot dazu.<\/p>\n<p align=\"justify\">Fasten ist eigentlich keine allzu schwere \u00dcbung, solange man vom \u00dcberfluss ein bisschen weniger in sein Leben hineinl\u00e4sst und gleichzeitig ein fr\u00f6hliches Herz bewahrt.<\/p>\n<p align=\"justify\">p.s.1: Ich nehme das Fastentagebuch-Schreiben wirklich ernst und notiere da auch schon mal selbstkritische Gedanken, wenn mir etwas an mir auff\u00e4llt, was nicht so nachahmenswert ist.<\/p>\n<p align=\"justify\">p.s.2: Anbei auch das Layout!<\/p>\n<p align=\"justify\"><a href=\"https:\/\/luciaklatil.files.wordpress.com\/2019\/03\/pfarrblatt-maria-drei-kirchen_luc.pdf\">Pfarrblatt Maria-Drei-Kirchen<\/a><\/p>\n<p align=\"justify\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich schreibe gerne &#8211; privat: Reisetageb\u00fccher, Yogatagebuch, Blogs \/ beruflich: Protokolle, Protokolle, Protokolle &#8211; und jetzt auch f\u00fcr das Pfarrblatt, das in diesen Tagen mit einer Auflage von ein paar Tausend erschienen ist (die meisten Exemplare sind wahrscheinlich bereits im Altpapier gelandet &#8230;). 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