{"id":234,"date":"2013-11-11T09:50:15","date_gmt":"2013-11-11T08:50:15","guid":{"rendered":"http:\/\/luciaklatil.wordpress.com\/?p=234"},"modified":"2013-11-11T09:50:15","modified_gmt":"2013-11-11T08:50:15","slug":"abenteuer-flohmarkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lucia.klatil.at\/blog\/?p=234","title":{"rendered":"Abenteuer Flohmarkt"},"content":{"rendered":"<p>Gibt es eine bessere Jahreszeit, als im November, gerade dann, wenn das Wetter doch noch tats\u00e4chlich auf &#8222;Herbst&#8220; umschwenkt, sich mit einer Arbeitskollegin fr\u00fchmorgens bei tiefster Dunkelheit Richtung Gewerbepark Stadlau\u00a0aufzumachen, um aktiv als Flohmarktstandler\u00a0zu agieren? Der Smart ist voll: 2 Umzugsschachteln locker gef\u00fcllt mit allerlei unn\u00f6tigem Krimskrams: einem Griller, der bei uns den FI-Schalter bewegt, alles aus Sicherheitsgr\u00fcnden lahm zu legen; Spiele, die keiner mehr spielt; eine knallgelbe\u00a0K\u00fcchenwaage, die durch ein modernes Ger\u00e4t ersetzt wurde; Spiegeleierformen, die mehr Frust als Lust bereitet haben; meine Eisschuhe, die seit Jahren im Keller vor sich hin schmollen. Weiters ein kleiner runder Klapptisch und passende Klappsessel\u00a0aus der Kunststoff-\u00c4ra sowie das kleine runde Plastiktischerl\u00a0vom Ikea, das bei willhaben.at keiner haben wollte. Das alles ging dann auch tats\u00e4chlich um wenige Euros weg. Zur\u00fcckgenommen habe ich nur die beiden Skater samt Schutz-Equipment und die Computer-Sachen, die Bodo mitgegeben hat &#8211; ausgenommen die kleine Videokamera und ein Handy, beides im Schein der Dunkelheit gestohlen!<\/p>\n<p>Um 5:30 war ich dort &#8211; viele andere schon einerseits beim Aufbauen ihrer Sch\u00e4tze, zum anderen &#8211; und das\u00a0eigentlich Schlimme &#8211; die Schar an kauflustigen\u00a0Personen mit Migrationshintergrund, die einem die Gustost\u00fcckerln abluchsen (oder eben\u00a0auf andere Weise\u00a0entwenden), um sie dann anderwertig\u00a0&#8211; und unter Umst\u00e4nden nur wenige Meter von einem entfernt &#8211; zu verh\u00f6kern. Es gibt eben die Flohmarkt-Profis (in der wind- und wettergesch\u00fctzten Halle). Und die Flohmarkt-Laien, die im Freien eine Verk\u00fchlung riskieren, um ihr Klump an einen neuen Besitzer anzubringen. Denn keiner will mit dem ganzen Zeug mittags wieder von dannen ziehen. Diejenigen, die den Hausrat ihrer Ahnen loswerden wollen, sind ziemlich gef\u00e4hrdet, vom geschulten Auge der Profis \u00fcber den Tisch gezogen zu werden, denn oft wird der tats\u00e4chliche Wert von &#8222;Antiquit\u00e4ten&#8220; untersch\u00e4tzt. Ich habe mit Interesse (und einer Haube auf dem Kopf, denn kalt war\u00b4s schon) die Menschen um mich herum beobachtet: neben mir eine Frau aus Deutschland, deren Mutter hier im Sterben liegt. Sie beginnt jetzt schon, Nippes und Alt-Damen-Schuhe loszuwerden plus 30 Stk. Apotheker-Dosen, die sie aus Deutschland mitgenommen hat (kein einziges Drum hat sie verkauft!). Neben mir meine Arbeitskollegin, die auf zwei (!) Tapezierer-Tischen Unmengen an Kleidung um 1, 2 Euro verkauft. Sie ist mit zwei (!) Autos da. Hier\u00a0wird in den Anfangsstunden\u00a0heftigst gew\u00fchlt und ich muss zugeben, einiges wechselt an eine neue Tr\u00e4gerin. Trotzdem bleibt noch viel, viel \u00fcbrig &#8211; was soviel hei\u00dft wie: a) weiterhin aufheben b) nochmals flohmarkten\u00a0oder c) wegschmei\u00dfen. Ich fand es sehr unterhaltsam, was wen interessiert: ein Mann, der f\u00fcr die Spiegeleierformen\u00a0f\u00fcr seine Kinder kauft (und dann auch gleich noch den Klapptisch und die St\u00fchle um 5 Euro, sodass ich meine &#8222;Ausstellung&#8220; umbauen musste). Oder ein Herr, der bereits im Regen noch schnell eine alte Sonnenbrille um 1 Euro erstanden hat. Oder ein anderer, der von einem comic-kitschigen Teelicht sichtlich angetan war, aber ehrlich zu sich selbst war: &#8222;Ich wei\u00df nicht, was ich damit anfangen soll.&#8220; Oder die Frau, die sich alle drei Spiele unter den Nagel gerissen hat &#8211; es gibt doch noch Menschen, die alte\/moderne Brettspiele einer Playstation\u00a0vorziehen. Dass rote Weihnachtskugeln\u00a0aus dem Billig-Shop weggehen w\u00fcrden, dessen war ich mir sicher. Doch dass sich niemand f\u00fcr den wirklich sch\u00f6nen rot-orangen Kerzenst\u00e4nder interessiert hat, hat mich sehr gewundert. Der Regen kam leider fr\u00fcher als erwartet &#8211; nach 5 schnell vergangenen Stunden habe ich den Schluss-Strich unter dem &#8222;Abenteuer Flohmarkt&#8220; gezogen und bin mit ca. 40 Euro Gewinn und dem uninteressanten Rest wieder abgezogen: f\u00fcr Skater ist jetzt offensichtlich keine Saison und die Computerwelt ist so kurzlebig, dass man hier keine Abnehmer mehr findet.<\/p>\n<p>Daheim habe ich dann zuerst mal was Warmes getrunken, ein bisschen Schlaf nachgeholt und habe gleich noch weiter ausgemistet: Kleidung f\u00fcr Polen bzw. die Swap-Party am n\u00e4chsten Samstag und Bodo gibt 3 ungetragene Jacken f\u00fcr die Obdachlosen her. Es grenzt an Befreiung, Dinge loszuwerden. Andererseits ist es beklemmend und besch\u00e4mend, welche Besitzt\u00fcmer man anh\u00e4uft &#8211; was sind wir nur f\u00fcr eine Wegwerfgesellschaft geworden!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gibt es eine bessere Jahreszeit, als im November, gerade dann, wenn das Wetter doch noch tats\u00e4chlich auf &#8222;Herbst&#8220; umschwenkt, sich mit einer Arbeitskollegin fr\u00fchmorgens bei tiefster Dunkelheit Richtung Gewerbepark Stadlau\u00a0aufzumachen, um aktiv als Flohmarktstandler\u00a0zu agieren? 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