{"id":2712,"date":"2024-02-01T19:33:42","date_gmt":"2024-02-01T18:33:42","guid":{"rendered":"https:\/\/lucia.klatil.at\/blog\/?p=2712"},"modified":"2024-02-01T19:33:42","modified_gmt":"2024-02-01T18:33:42","slug":"insta-uniformismus-vs-mut-zur-originaeren-individualitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lucia.klatil.at\/blog\/?p=2712","title":{"rendered":"Insta-Uniformismus vs. Mut zur origin\u00e4ren Individualit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\">Viele denken es sich wahrscheinlich schon seit langem, aber nur die wenigsten sprechen es auch aus.<\/p>\n<p align=\"justify\">Bis auf jetzt, denn \u201emeine Kleidertausch-Queen\u201c hat die vielleicht naiv-anmutende und doch provokant-ehrliche Frage in den Raum gestellt: <strong>\u201eIst dir schon aufgefallen, dass viele Menschen immer \u00e4hnlicher aussehen?\u201c<\/strong> und weiter: <strong>\u201ePassiert das mit Absicht?\u201c<\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\">Eine gute und sehr subtile Fragestellung, die auch mich zum Nachdenken anstupst, denn die Frage zielt weniger auf die Gleichf\u00f6rmigkeit des getragenen Gewands ab, sondern darauf, dass sich gerade bei den \u201eJ\u00fcngeren\u201c ein erschreckender Trend abzeichnet \u2026<\/p>\n<p align=\"justify\">Doch bevor das Geheimnis gel\u00fcftet wird, lade ich auf eine kleine Zeitreise ein und kurbeln wir ein paar J\u00e4rchen zur\u00fcck bis in meine Kindheit und ein bisschen weiter:<\/p>\n<p align=\"justify\">Step 1 \u2013 Wieder Platz genommen in der Grundschule in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts: Hatte man \u00e4ltere Geschwister, \u201edurfte\u201c man noch brauchbare Kleidungsst\u00fccke \u201eauftragen\u201c, wohingehend Einzelkinder \u201enotgedrungen\u201c immer nach der aktuellen Mode gekleidet waren. Die Haarfarbe war mit Sicherheit noch die nat\u00fcrliche, die Frisur je nach Haarl\u00e4nge und Talent der M\u00fctter, einen oder mehrere Z\u00f6pfe flechten zu k\u00f6nnen, individuell. Und keine einzelne Zahnl\u00fccke folgte irgendeinem Trend.<\/p>\n<p align=\"justify\">Step 2 \u2013 Holprig folgten dann die hormongesteuerten Teenagerjahre, wo die eigenen Pickeln im Gesicht in der Horde anderer Pubertierender vermeintlich weniger auffielen und wo insbesondere \u201etaschengeld-freundliche\u201c Modeketten beste Freundinnen in ihren Sog zogen. Passte die eine coole, angesagte Jeans der einen, musste sie zwangsl\u00e4ufig auch der anderen passen, ungeachtet des nur langsam schmelzenden Babyspecks um die H\u00fcften! Du warst schlichtweg out, wenn du dich nicht gleich oder zumindest \u00e4hnlich gekleidet hast wie die anderen \u2013 Zwang oder Erleichterung?<\/p>\n<p align=\"justify\">Das f\u00fchrt zur Frage: Ist der Mensch ein Einzelg\u00e4nger oder ein Herdenmensch? Soweit zur\u00fcck kann meine Zeitmaschine nicht reisen, doch \u201efr\u00fcher\u201c war das \u00dcberleben meist nur in der Gemeinschaft \/ in der eigenen Herde m\u00f6glich. Gemeinschaft = Gef\u00fchl von Sicherheit. Damit ist das Bed\u00fcrfnis, \u201edazu zu geh\u00f6ren\u201c, offenbar tief in uns verankert, auch wenn querelierende Denker, wie Arthur Schopenhauer oder Friedrich Nietzsche, der Meinung waren, dass der Mensch ein egoistischer Einzelg\u00e4nger sei und nur aufgrund kultureller Zw\u00e4nge in Gemeinschaften lebe.<\/p>\n<p align=\"justify\">Step 3 \u2013 Irgendwann war man dann erwachsen, fand vielleicht (oder auch nicht) heraus, welcher Modestil und welche Farben einem stehen (f\u00fcr alle, die sich hier unsicher sind: ich kenne eine Top-Stilberaterin!!!), ging zum Friseur des Vertrauens und musste unter Umst\u00e4nden mit einer schmerzhaften Halux-Operation daf\u00fcr b\u00fc\u00dfen, doch irgendwann das falsche Schuhwerk getragen zu haben. Das Geld reichte f\u00fcr Brigitte, Freundin, Burda &#8211; und wie immer auch die gedruckten \u201eRatgeberinnen\u201c hie\u00dfen -, um sich \u00fcber die neuesten Trends in Mode und Kosmetik zu informieren. Aber \u2013 und das ist jetzt der entscheidende Punkt, bevor ich wieder ins Hier &amp; Jetzt zur\u00fcckkehre \u2013 Ich war Ich, weshalb ich mir auch den knallroten Lippenstift, der mir bei meiner gro\u00dfartigen Eintages-Karriere auf dem Laien-Laufsteg von der Visagistin auf die Lippen aufgetragen wurde (und der nebstbei angemerkt, aufgrund der hohen Temperaturen im Backstage-Bereich rasch ziemlich fl\u00fcssig wurde \u2026), nach dem Auftritt so schnell als m\u00f6glich wieder loswerden wollte, weil weder Lippenstift noch Knallrot zu MIR passen!<\/p>\n<p align=\"justify\">Wieder zur\u00fcck!<\/p>\n<p align=\"justify\">Wieder zur\u00fcck f\u00e4llt auf, dass insbesondere junge Frauen, meistens eigentlich noch Kinder, sich jetzt nicht nur gleich kleiden, sondern sie sehen auch von Kopf bis Nabel ziemlich \u00e4hnlich aus, ohne miteinander verwandt zu sein. Sie bewegen sich \u00e4hnlich \u2013 und sie sprechen auch sehr gleich mit einer Tendenz zum Hochdeutsch (und das egal, welcher Ort im Geburtsschein angegeben ist)!<\/p>\n<p align=\"justify\">Wie das?<\/p>\n<p align=\"justify\">Das l\u00e4sst sich nur beantworten, wenn man einen Hang zu Social Media hat! Welche Auswirkungen hat es, wenn eine 22-j\u00e4hrige Influencerin, die \u201eTeil haben l\u00e4sst an ihrem ach so aufregenden Alltag\u201c, so auf die Schnelle mal gleich 3 Millionen Follower hat? Wenn den unreifen M\u00e4dels suggeriert wird, dass die perfekte Augenbraue genau diese Bogenform haben muss, man mit einem falschen Wimpernaufschlag jeden Jungen \u00fcbert\u00f6lpeln kann, und man mit Ges\u00e4\u00dfeinlagen in der engen Tight vorgeben kann, arg trainiert zu haben \u2013 ohne ein bisschen Schwei\u00df? Ist die Anleitung zum perfekten Selfie-Posing wirklich lebenserf\u00fcllend?<\/p>\n<p align=\"justify\">Ich habe verstanden, dass Influencing ein harter Job ist \u2013 aber es geht um <strong>\u201eBeeinflussung\u201c<\/strong> \u2013 und das birgt in meinen Augen gewisse Gefahren: Was, wenn die Scheinwelt-Blase platzt? Was, wenn die Sch\u00f6nheits-OP daneben geht? Was, wenn die private \u00dcberschuldung in bedrohliche Armut f\u00fchrt?<\/p>\n<p align=\"justify\">Und was, wenn sich ein M\u00e4dchen \u201ealles nach Vorbild richten hat lassen\u201c \u2013 und dann dieses Vorbild aus welchen Gr\u00fcnden auch immer in Ungnade f\u00e4llt? Kann sich dieses M\u00e4dchen dann noch im Spiegel betrachten, ohne in Tr\u00e4nen auszubrechen?<\/p>\n<p align=\"justify\">Ich habe Mitleid &#8211; ja es ist wirklich Mitleid (!) &#8211; mit all jenen, die ihre eigene &#8211; grenzgeniale &#8211; eigenst\u00e4ndige Pers\u00f6nlichkeit, wie ja jeder von \u201eganz alleine\u201c geschenkt bekommen hat, durch diesen \u201eInsta-Uniformismus\u201c, wie ich ihn nenne, verlieren. Verlieren bedeutet Verlust, bedeutet: Es ist vorbei!<\/p>\n<p align=\"justify\">Zur\u00fcck in die Zukunft oder doch lieber Mut zur origin\u00e4ren Individualit\u00e4t?<\/p>\n<p align=\"justify\">\n<p align=\"justify\"><em>[Text erstellt ohne KI &#8230; :-)]<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele denken es sich wahrscheinlich schon seit langem, aber nur die wenigsten sprechen es auch aus. 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