{"id":279,"date":"2013-12-16T09:40:09","date_gmt":"2013-12-16T08:40:09","guid":{"rendered":"http:\/\/luciaklatil.wordpress.com\/?p=279"},"modified":"2013-12-16T09:40:09","modified_gmt":"2013-12-16T08:40:09","slug":"kann-kleidung-berge-versetzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lucia.klatil.at\/blog\/?p=279","title":{"rendered":"Kann Kleidung Berge versetzen?"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>Ich meide ja seit einigen Advent-S-Kalendern (das mit dem neuen F\u00fcge-S im Advent habe ich noch nicht so ganz lieb) die Shopping-Stra\u00dfen dieser Welt, sprich des Wiener ersten und sechsten\/siebten Gemeindebezirkes, denn so wie auf unseren Pilgerwegen\u00a0finden wir V\u00f6lkerwanderungen nur als Bedrohung f\u00fcr unsere eigenen F\u00fc\u00dfe. Allerdings warten seit Monaten einige meiner Uhren (trotz Einbruch in meiner Wohnung vor \u00fcber 10 Jahren hat sich wieder einiges an Zeitmessung angesammelt) auf eine neue Batterie. Und nachdem es in einer Nebenstra\u00dfe der vollkommen daneben gegangenen Begegnungszone MaH\u00fc, wie die Mariahilferstra\u00dfe im Insider-Jargon hei\u00dft, einen \u00e4lteren Herren gibt, der um \u20ac 3 statt um \u20ac 7 Batterien inkl. Dichtheits\u00fcberpr\u00fcfung wechselt, bin ich am vergangen Freitag Nachmittag direkt vom B\u00fcro hingepilgert &#8211; nicht zu Fu\u00df, sondern mit dem Bus. Und nachdem ich schon mal da war, habe ich mich kurz der Begegnung ausgesetzt. Zum Gl\u00fcck haben sich die Wiener Bev\u00f6lkerung und die Touristen auf den Samstag eingeschossen, sodass es ann\u00e4hernd human und normal zugegangen ist. Ich war in diversen Gesch\u00e4ften, mehr, um gewisse Basics f\u00fcr mich zu finden als sonst was schauen, doch etwas ist deutlich h\u00e4ngen geblieben:<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Mutieren wir sch\u00f6n langsam zu Au\u00dferirdischen mit 3 K\u00f6pfen, 5 Bodies, 30 Beinen und 100 F\u00fc\u00dfen? Wer bitte, soll all die Baumwolle, die Seide, all das Polyester, Nylon und Leder je in seinem zeitlich begrenzten Leben anziehen? Ich finde es eigentlich sensationell, dass das menschliche Auge hier noch Signale ans Hirn aussenden kann wie: &#8222;Das da gef\u00e4llt mir!&#8220;, &#8222;Die Farbe steht mir!&#8220;, &#8222;Das muss ich haben!&#8220; Ich habe mich selbst im Untergeschoss beim Peek\u00a0&amp; Cloppenburg kritisch beobachtet, beobachtet, wie mein Augenscan\u00a0reagiert und was erfasst wird. Und ich bin stolz auf mich, weil ich mich ganz gezielt zwischen den Kleiderhaken und W\u00fchltischen bewegt habe. Trotzdem konnte ich das beklemmende Gef\u00fchl nicht loswerden, unter einer Lawine begraben worden zu sein. &#8211; Bitte, gebt mir frische Luft!<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Ich vermisse im normal-preisigen Sektor ein wenig das &#8222;less\u00a0is\u00a0more&#8220;, das Gef\u00fchl vermittelt zu bekommen: du bist die Auserw\u00e4hlte unter den S, M oder L, die dieses Kleidungsst\u00fcck sein (ihr) eigen nennen darf. Nein, so ist es nicht, denn wenn es von einer Kleidungsgr\u00f6\u00dfe gleich 5 St\u00fcck gibt, kann man davon ausgehen, dass man dann demn\u00e4chst auf der Stra\u00dfe das Teil mehrfach sehen wird. Die Kunst liegt dann darin, mit dem Drumherum, den Kombiteilen\u00a0und den Accessoires, die Individualit\u00e4t zu schaffen, die einen jeden von uns einzig macht. Vielleicht ist das ja auch gar nicht einmal so schlecht. Dass sich beste Freundinnen wie Zwillinge kleiden, ist eine andere Sache und altersbedingte Hilfslosigkeit hinsichtlich des eigenen Ich.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Eine weitere Erkenntnis meines Ausfluges in den \u00dcberkonsum: es gibt den einen oder anderen Vorteil gegen\u00fcber dem anonymen Online-Shoppen. Hier im Get\u00fcmmel existiert noch ein gewisser sozialer Kontakt, wenn zB\u00a0der Mann Dessous f\u00fcr seine Liebste kauft und sich hilflos an eine Verk\u00e4uferin wenden kann, wenn ich im Gespr\u00e4ch das Geheimnis &#8222;wie halten halterlose\u00a0Str\u00fcmpfe&#8220; gel\u00fcftet bekomme (ich verrate es gleich weiter: nicht mit Cremedusche\u00a0pflegen und keine Bodylotion\u00a0an der entscheidenden Haftstelle verwenden &#8211; Wahrheitsgehalt noch nicht best\u00e4tigt!) oder wenn ich an der Kassa geduzt werde. Schrecklich ohne Zweifel sind die Umkleidekabinen und ern\u00fcchternd ist die Erkenntnis, dass ich bei G-Star nicht in den geilen Overall passe, der mit XS und S nur f\u00fcr androgyne Barbiepuppen geschneidert wurde.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Kleider k\u00f6nnen keine Berge versetzen, aber sie bescheren doch ein kurzes Hochgef\u00fchl &#8211; zumindest solange, bis man den Slim-Faktor-Spiegel im Gesch\u00e4ft mit dem eigenen Spiegel daheim getauscht hat. In\u00a0real Life\u00a0schaut eben so manches Wunschbild anders aus! Ich bin jedenfalls mit meiner &#8222;Beute&#8220; (2 graue d\u00fcnne Baumwoll-Pullover, neue Leggings in Schwarz\u00a0bedruckt bzw. Grau-Camouflage sowie zwei d\u00fcnnen Schals) zufrieden. Und das mit den halterlosen Str\u00fcmpfen muss ich erst testen &#8211; ich hoffe mit Erfolg. Ich werde nat\u00fcrlich dar\u00fcber berichten.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich meide ja seit einigen Advent-S-Kalendern (das mit dem neuen F\u00fcge-S im Advent habe ich noch nicht so ganz lieb) die Shopping-Stra\u00dfen dieser Welt, sprich des Wiener ersten und sechsten\/siebten Gemeindebezirkes, denn so wie auf unseren Pilgerwegen\u00a0finden wir V\u00f6lkerwanderungen nur als Bedrohung f\u00fcr unsere eigenen F\u00fc\u00dfe. 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