{"id":320,"date":"2014-01-18T14:33:52","date_gmt":"2014-01-18T13:33:52","guid":{"rendered":"http:\/\/luciaklatil.wordpress.com\/?p=320"},"modified":"2014-01-18T14:33:52","modified_gmt":"2014-01-18T13:33:52","slug":"nr5-und-ihre-freundinnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lucia.klatil.at\/blog\/?p=320","title":{"rendered":"Nr5 und ihre Freundinnen"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe das arge Gef\u00fchl, dass aufgrund des warmen Wetters alle bereits aus dem Winterschlaf erwacht sind und sich voll in die Arbeit st\u00fcrzen. Ich habe jedenfalls mit dem Einlangen der Heiligen Drei K\u00f6nige kaum Zeit f\u00fcr Zwischenatmungen und kaum Zeit, meine Gedanken in geordnete Fassungen zu bringen. Heute dr\u00fcckt der Nebel so stark auf die Augenlider, dass ich mich durch lautes H\u00e4mmern auf die Tasten wach zu halten versuche. Meine Gedanken in den Griff zu bekommen, ist auch nicht so einfach, denn die schwirren durch meinen Kopf und lassen sich nur mit viel Geduld einfangen. Also step by step oder passo dopo passo, wie ein schwungvoller Italiener zuraunen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Ein neues Jahr hat begonnen, und mein Parfum geht dem Ende zu, was bedeutet, dass ich mich aus olfaktorischen Gr\u00fcnden mit dem Thema auseinandersetzen muss. Ich bin ja nicht der Typ, der sich einmal auf eine Duftnote eingeschworen hat, und ich bin absolut kein Chanel Nr.5-Typ, sondern ich geh\u00f6re zu eher denjenigen, die immer wieder mal einen anderen Duftbegleiter ausw\u00e4hlen \u2013 ich bin sozusagen eine untreue Olfantin. Klar, ich habe ein, zwei Parfums (derzeit von Diesel), die ich quasi als backup vorhalte, f\u00fcr den Fall, dass meine Nase sich weigern sollte, einen neuen Duft an die Schleimh\u00e4ute zu lassen. Also schleppe ich eines Samstags Bodo mit zur M\u00fcller Drogerie, greife mir einen Stapel Duftbl\u00e4ttchen und orientiere mich in erster Linie an Designer, die ich schon mal kennen gelernt habe. Leider gibt es hier keine Hinweise auf \u201eorientalisch\u201c, \u201eblumig\u201c, \u201efrisch\u201c, sodass ich etwas wahllos aus dem Testflakon ein paar Spritzer in die Gegend spr\u00fche und selten genug den wei\u00dfen Streifen teste. Was frau nie machen sollte, ist, nach einem ausgedehnten Morgenlauf und ohne Fr\u00fchst\u00fcck im Magen die Nase zu strapazieren, denn der Alkohol in den einzelnen Parfums steigt mit einer steilen Gerade direkt ins Hirn und die unterschiedlichen Duftrichtungen legen sich bedenklich schief auf den Magen. Mir vergeht jedenfalls ziemlich rasch der Spa\u00df am Schnuppern. Au\u00dferdem schwant mir, dass ich ziemlich bl\u00f6d war, mich nicht im Dezember mit Nr.5, Cool Water, S\u00ed, CK One, Opium, Hugo Femme, und wie die D\u00fcfte alle hei\u00dfen m\u00f6gen, zu besch\u00e4ftigen, weil jetzt, im faden J\u00e4nner, sind alle preislich attraktiven Angebote mit dem Zauber der Weihnachtsbeleuchtung ausgel\u00f6scht, verpufft und einer schmerzhaften Realit\u00e4t gewichen. Kein Flakon wandert \u00fcber den Scanner. Schwindlig verlasse ich diesen Ort k\u00fcnstlich erhellter Sch\u00f6nheit und muss was essen.<\/p>\n<p>Aber ich will mich nicht geschlagen geben und wage am sp\u00e4ten Nachmittag einen zweiten Versuch, denn es muss ein neuer Flakon ins Haus! Ich hoffe, das \u00dcberwachungsvideo wurde bereits gel\u00f6scht, denn es muss ziemlich peinlich ausgesehen haben, wie ich vor dem langen Ausstellungsregal stehe, hin und her tappe, wieder mit den wei\u00dfen Streifen in der Hand und mich durch neue und bekannte D\u00fcfte durchschnuppere. Ich werde immer wieder zu Moschino hingezogen, einer Marke, die mich bislang so gar nicht ber\u00fchrt hat. Doch die Flakons stechen aus der Menge hervor, verspielt, witzig, fast ein wenig sexistisch. Ich schwanke schlussendlich zwischen zwei D\u00fcften: Funny oder Love? Funny besticht durch einen schlichten eckigen Flakon mit einem silbrigen Herzen. Love dagegen pr\u00e4sentiert sich in einem zylindrischen Turm mit einer kugelf\u00f6rmigen orangen Plastikkappe \u2013 zugegebenerma\u00dfen erinnert das schon ein wenig an \u2013 naja, an das beste St\u00fcck des Mannes. Das bringt mich zu einer weiteren Frage: die Entstehung eines neuen Duftes ist mit viel Experimentieren und Testen und gro\u00dfen Nasen verbunden. Und der Flakon ist eigentlich nur die Verpackung, das Gef\u00e4\u00df, das den Duft einf\u00e4ngt und in kleinen Dosen mit sanftem Fingerdruck in die Atmosph\u00e4re entl\u00e4sst. Warum aber wird so viel Kreativit\u00e4t in das Design eines 50ml kleinen Gef\u00e4\u00dfes gesteckt? Wird damit der satte Preis gerechtfertigt, der eine Frau regelrecht dazu zwingt, sparsam mit dem kostbaren Inhalt umzugehen? (Zum Gl\u00fcck mindert mein Geburtstagsrabatt \u2013 manchmal zahlen sich Bonus-Card doch aus \u2013 den Designpreis ein wenig.) Oder ist das auch Mode? Fast w\u00e4re ich jetzt dazu verleitet, mir in Zukunft alle Flakons meiner D\u00fcfte, aufzuheben. Aber nachdem ich keine Sammlerin bin (ausgenommen davon sind Schuhe) und ich nicht w\u00fcsste, wohin mit den leeren Glasfl\u00e4schchen, werde ich dieses Hobby wohl gleich im Keim ersticken und daf\u00fcr lieber eine frische Brise Duft inhalieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich habe mich f\u00fcr \u201eLove\u201c entschieden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe das arge Gef\u00fchl, dass aufgrund des warmen Wetters alle bereits aus dem Winterschlaf erwacht sind und sich voll in die Arbeit st\u00fcrzen. Ich habe jedenfalls mit dem Einlangen der Heiligen Drei K\u00f6nige kaum Zeit f\u00fcr Zwischenatmungen und kaum Zeit, meine Gedanken in geordnete Fassungen zu bringen. 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