{"id":375,"date":"2014-02-16T13:12:08","date_gmt":"2014-02-16T12:12:08","guid":{"rendered":"http:\/\/luciaklatil.wordpress.com\/?p=375"},"modified":"2014-02-16T13:12:08","modified_gmt":"2014-02-16T12:12:08","slug":"in-der-auslage-sitzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lucia.klatil.at\/blog\/?p=375","title":{"rendered":"In der Auslage sitzen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align:justify;\">Wien Mitte war fr\u00fcher der Ort, wo der Balkan begann. Das war zu einer Zeit, als der Ankn\u00fcpfpunkt zum Wiener Flughafen mit dem CAT eine Mega-Baustelle war, als das neu entstehende Geb\u00e4ude \u2013 the Mall \u2013 gef\u00e4hrlich nahe dem U-Bahnschacht kam und einige Sachverst\u00e4ndige und Statiker nerv\u00f6s die Eisen begutachteten, zu einer Zeit, als der Ort schlechthin eine Schande f\u00fcr Wien war, vergammelt und versandelt \u2013 und das auf der R\u00fcckseite des Hilton Hotels am Stadtpark und der Steffl zum Greifen nahe. Mittlerweile hat es sich so gut wie ausgebaustellt, in die Mall sind altbekannte Gesch\u00e4ftsketten eingezogen darunter ein Mini-Supermarkt, der auch an Sonn- und Feiertagen ge\u00f6ffnet hat, wo es aber so eng ist, dass man nur so viel einkaufen kann, wie man selbst zu tragen vermag. Und am Eck zum Platz, da gibt es die Spar-Snack-Bar, die wir vor kurzem f\u00fcr uns entdeckt haben, denn das Glas \u2013 sehr guten \u2013 Proseccos kostet dort nur \u20ac 3,&#8211; (100 Meter weiter in unserem eigentlichen Stammlokal \u20ac 4,50 und beim B\u00e4cker, der zum Feierabend mit Brot und Wein lockt, gibt es gar keinen italienischen Sprudel), wird in anst\u00e4ndig bauchigen Weingl\u00e4sern serviert \u2013 bei den schmalen Sektfl\u00f6ten wei\u00df meine nicht mal so gro\u00df geratene Nase nie, wohin sie sich biegen soll, und au\u00dferdem muss man den Kopf unangenehm weit in den Nacken legen -, es gibt knusprige Toast mit allerlei F\u00fcllung (mein Favorit ist der Pariser Toast mit Brie und Ruccola) und, wie gestern erst entdeckt, die supersch\u00f6n antik anmutend verpackten dickb\u00e4uchigen Mandelkekse, die so intensiv nach Amaretto und Marzipan schmecken \u2026 mmmh! Hinter der Theke werden Pasta und Salat frisch zubereitet. Die Einrichtung ist schlicht mit Hochtischen und Barhockern, wohl \u00fcberlegt, weil hier meistens nur auf die Schnelle gegessen wird. Wer schon mal l\u00e4nger auf einem Barhocker gesessen ist, versteht mich: es ist f\u00fcr die Beine nicht allzu angenehm, auch wenn man die F\u00fc\u00dfe an der Reling einhaken kann. Daher wird man hier nicht so lange sitzen bleiben, wie in einem tiefen Fauteuil oder einem weichen Lederstuhl. Interessant sind die schmalen Tische entlang der Glasfassade: hier sitzt man nebeneinander, was die Kommunikation etwas erschwert oder allein \u2013 ein wohl durchdachter Schachzug in einer Zeit, da sehr viele Singles unterwegs sind bzw. Menschen, die einfach in Ruhe (gut) essen\/trinken und die eigentlich mit niemandem reden wollen (!?).\u00a0 In der Mittagspause zum Beispiel kann ich mir schon gut vorstellen, dass man bewusst in Ruhe gelassen werden will. Trotzdem ist man nicht vollkommen isoliert, denn hier an diesem Eck hat man zwar den ganzen Trubel, der da drau\u00dfen vor den U- und S-Bahnabg\u00e4ngen herrscht, im wahrsten Sinne des Wortes ausgesperrt, ist aber in irgendeiner Form doch Teil des Ganzen. Sofern man sich nicht gerade in einer Zeitung vergr\u00e4bt oder in irgendwelchen Apps, schaut man unweigerlich auch ab und dann hinaus und f\u00e4ngt den einen oder anderen Augenblick eines Fremden auf \u2013 hier in der Auslage sitzend sozusagen, man ist nicht allein, findet Ablenkung, kann sich auch mal am\u00fcsieren, wundern oder schrecken \u00fcber die Gestalten da drau\u00dfen in ihrer Hektik, mit all ihren Sorgen und \u00c4ngsten und Freuden. Die Snackbar wird zum Hort der Geborgenheit und des Beobachtens. Vice versa ist es aber eher unwahrscheinlich, dass man beim Essen\/Trinken beobachtet wird, denn nur der wird sehen und erkennen, der inneh\u00e4lt mit seinem Schritt.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Wer mich ein bisschen kennt, wei\u00df, dass ich ein recht gutes Bauchgef\u00fchl f\u00fcr Raumatmosph\u00e4ren habe, nennt es Fengshui oder Shengfui oder einfach einen primitiven Hausverstand oder elegant ausgedr\u00fcckt \u201eRaum-Yoga\u201c (Achtung! Das ist MEINE Erfindung!). Diese Snackbar ist so ein kleiner, fast unscheinbarer Hort. Auch die Bedienung tr\u00e4gt dazu bei, dass man sich f\u00fcr eine Weile ganz wohl f\u00fchlt: freundlich, aber nicht aufdringlich. Wer sich die Architektur genauer anschaut, wird entdecken, dass gar nicht viel Bah\u00f6-Baha gemacht wird: dunkler Holzboden, schlicht ge\u00f6lt, eine schwarze R\u00fcckwand als Tafel ausgebildet, einfache Tische mit beige-gl\u00e4nzenden Sets, ein bisschen dezentes (echtes) Gr\u00fcn und der asiatische Sumo-Koch, der die rohen Nudeln ins hei\u00dfe Wasser gibt \u2013 ach so, der Koch ist ja nicht gebaute Architektur, wirkt aber wie ein Fels in der Brandung.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Genug geschw\u00e4rmt! Macht Euch selbst ein Bild oder nehmt meine Zeilen als Ansporn, Eure eigene Auslage zu finden. Entdeckt, was Ihr drau\u00dfen zu sehen bekommt und findet heraus, wie Ihr Euch selbst f\u00fchlt \u2013 das ist \u201eRaum-Yoga\u201c \u2013 kapiert?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wien Mitte war fr\u00fcher der Ort, wo der Balkan begann. 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