{"id":407,"date":"2014-03-09T19:21:41","date_gmt":"2014-03-09T18:21:41","guid":{"rendered":"http:\/\/luciaklatil.wordpress.com\/?p=407"},"modified":"2014-03-09T19:21:41","modified_gmt":"2014-03-09T18:21:41","slug":"auf-der-suche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lucia.klatil.at\/blog\/?p=407","title":{"rendered":"Auf der Suche"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>Bodo ist seit Freitag Member in der Stadtb\u00fccherei und kann sich nun elektronische Literatur auf Zeit herunterladen. Seine erste Tat &#8211; wie er meint, nur mir zuliebe, da ich &#8211; in der Fastenzeit ruht der Fernseher &#8211; zu den Schnell-Leserinnen geh\u00f6re, weshalb der Lesestoff rasch zum Schwinden gebracht wird, wie Schnee in der warmen Fr\u00fchlingssonne dahin schmilzt &#8211; war der Buchtitel &#8222;Alle meine Schuhe&#8220; von Lucy Hepburn. In dem Buch geht es um eine junge Frau, deren gr\u00f6\u00dfte Leidenschaft &#8211; na was wohl? &#8211; Schuhe sind. Sie besitzt 34 Paar, Designerschn\u00e4ppchen, was in London anscheinend m\u00f6glich ist. 34 Paar in einem begehbaren Schrank d\u00fcnken mir jetzt nicht so viel (nun ja, die Heldin des Buches ist noch keine 25), denn ich komme &#8211; wenn Bodo und mein Vater mich zum Aufz\u00e4hlen zwingen (da sind sich die beiden sonst grundverschiedenen Typen absolut einig!) &#8211; so \u00fcbers Jahr gesehen und mit meinen Lauf- und Wander- und Fitness-Schuhen auf etwas mehr als 50 (?) Paar \u2026 die Jeffrey Campbells m\u00fcssen \u00fcbrigens doch leider wieder retour, da aufgrund einer hohen scharfen Kante lautbr\u00fcllende Blasen- und Hautabsch\u00fcrfungsgefahr \ud83d\ude41 \u2026<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Aber zur\u00fcck zum Buch: Ihr Freund glaubt zu Anfang des Buches, dass sie eine Aff\u00e4re mit einem \u00e4lteren Mann hat und verscherbelt alle (!) ihre Schuhe \u00fcber ebay &#8211; Wahnsinn! Das ist ein Akt der Rache, mehr als abscheulich und hinterfotzig, wenn ich so derb meine innere Unruhe ausdr\u00fccken darf. Ich habe mir jetzt nat\u00fcrlich erwartet, dass die junge Lady um ihre Herzst\u00fcckerln, die ihre kleine Gestalt gr\u00f6\u00dfer und selbstbewusster erscheinen lassen, k\u00e4mpfen wird wie eine L\u00f6win um ihre Jungen. Und so ist es &#8211; fast. Sie macht sich tats\u00e4chlich auf den Weg zu den neuen Besitzerinnen, die \u00fcber England, Irland verstreut sind. Aber einige Paar Schuhe sind auch \u00fcber den gro\u00dfen Teich geflogen und lungern nun in der N\u00e4he von New York und Miami herum. Aber die anfangs als Humoreske empfundene Story bekommt Tiefgang in der Handlung, wenngleich prosaisch nicht formvollendet textiert. Die Suche nach den Schuhen entwickelt sich zum Weg der Selbstfindung. Die Schuhe an sich, die bei zwei z\u00e4nkischen Schwestern mit \u00dcbergr\u00f6\u00dfe landen, bei einer hochschwangeren Mutter, deren geschwollene F\u00fc\u00dfe nur mehr in FlipFlops passen oder bei einer Toten, die seit ihrer Jugend im Rollstuhl sitzen musste und schlussendlich bei einer K\u00fcnstlerin, die nur die Abs\u00e4tze der kostbaren Stilettos brauchen kann, werden zur Nebensache. Es sind diese fremden Menschen, die zu Freunden werden, es ist eine Botschaft in den alten Ballettschuhen der verstorbenen Mutter, die der jungen Frau den leiblichen Vater offenbart und eine neue Familie schenkt. Und nat\u00fcrlich wird dem Romance-Faktor &#8211; der muss in einem Frauenbuch halt sein &#8211; brav Rechnung getragen: gut aussehend, muskul\u00f6s, gro\u00df, attraktiv, aufmerksam, gutm\u00fctig, geduldig, \u2026<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>289 Seiten, 5 Stunden leichte Lesekost.<\/p>\n<\/div>\n<p>Und trotzdem verfolgt mich ein Gedanke: es braucht manchmal ein Schockerlebnis, dass man aufwacht, dass man aus einer neu erwachten und noch nicht gekannten Energie heraus einen neuen Weg beschreitet, einen Weg, zwar mit festgelegten Zielen, aber doch ein Weg ins Ungewisse. Jedes Mal, wenn die junge Frau bei einem fremden Haus anl\u00e4utet, wei\u00df sie nicht, was und wer ihr da begegnen wird, wenn sie erst einmal \u00fcber die T\u00fcrschwelle gebeten wird. Ist es nicht absurd, einer Mutter, die in ein paar Wochen ihre Niederkunft hat und die sich aufgrund der allumfassenden Volumen-Zunahme nicht mehr als Frau f\u00fchlt, das Paar Leinenpatschen wegzunehmen? Ist es nicht absurd, einer Toten, die einmal in ihrem Leben (und wenn es das Leben nach dem Leben bedeutet), Schuhe von Dior von den kalt gewordenen F\u00fc\u00dfen zu ziehen? Schn\u00e4ppchen hin &#8211; Erinnerungen her, was z\u00e4hlt, ist der Mensch. Schuhe sind zwar sehr nett und f\u00fcr Frauen lebensnotwendig &#8211; auch wenn sie mit schmerzender Ferse und einer wehm\u00fctigen Tr\u00e4ne im Auge wieder zur\u00fcck geschickt werden m\u00fcssen (ich habe auf den 200 Metern, die ich mit den klobigen Schn\u00fcrschuhen heute zu gehen versuchte, wirklich gelitten und die Z\u00e4hne zusammenbei\u00dfen m\u00fcssen &#8211; und ich bin wahrlich nicht wehleidig, bin ich doch zum Beispiel bei unserer Wanderung durch \u00d6sterreich tagelang mit einer offenen Blase herumgestiefelt, ohne zu jammern) -, aber eben doch nicht alles &#8211; und vor allem ersetzbar, wenngleich die Erinnerung an ein Paar Stilettos, Sneakers, Boots &#8211; what ever &#8211; dann eine andere sein wird.<\/p>\n<p>Menschen, Freunde, Familie sind aber nicht ersetzbar. Jeder entwickelt sich weiter, die unsichtbaren Verbindungen werden mal lockerer, mal enger, mal ganz lose. Manche verschwinden, neue kommen dazu.<\/p>\n<p>Aber es ist der Mitmensch, der uns zum Menschen macht!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bodo ist seit Freitag Member in der Stadtb\u00fccherei und kann sich nun elektronische Literatur auf Zeit herunterladen. Seine erste Tat &#8211; wie er meint, nur mir zuliebe, da ich &#8211; in der Fastenzeit ruht der Fernseher &#8211; zu den Schnell-Leserinnen geh\u00f6re, weshalb der Lesestoff rasch zum Schwinden gebracht wird, wie Schnee in der warmen Fr\u00fchlingssonne &hellip; <a href=\"https:\/\/lucia.klatil.at\/blog\/?p=407\" class=\"more-link\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-407","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-lucia-and-her-shoes"],"views":365,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/lucia.klatil.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/407","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/lucia.klatil.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/lucia.klatil.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lucia.klatil.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lucia.klatil.at\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=407"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/lucia.klatil.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/407\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/lucia.klatil.at\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=407"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/lucia.klatil.at\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=407"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/lucia.klatil.at\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=407"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}