{"id":438,"date":"2014-04-06T14:41:37","date_gmt":"2014-04-06T12:41:37","guid":{"rendered":"http:\/\/luciaklatil.wordpress.com\/?p=438"},"modified":"2014-04-06T14:41:37","modified_gmt":"2014-04-06T12:41:37","slug":"die-verganglichkeit-eines-t-shirts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lucia.klatil.at\/blog\/?p=438","title":{"rendered":"Die Verg\u00e4nglichkeit eines T-Shirts"},"content":{"rendered":"<p>Welches Kleidungsst\u00fcck ist einer nur allzu kurzen Lebensdauer &#8211; zumindest, was den mehrmaligen Wurf \u00fcber den Kopf mit Locken, glatten Haaren, Stoppeln oder Glatze betrifft &#8211; unterzogen? In meinen Augen ist es das T-Shirt. Das Pr\u00e4fix &#8222;T&#8220; deutet im urspr\u00fcnglichen Sinn auf den Schnitt hin: gerade Taille, die leichthin auch schnell mal zum mehrfaltigen Rollmops mutiert, und leicht abstehende kurze Fl\u00fcgel, die an\u00a0kr\u00e4ftigen Bizeps gespannt in den\u00a0N\u00e4hte gef\u00e4hrlich zu \u00e4chzen beginnen.<\/p>\n<p>Das T-Shirt als Ausdruck monochromer Einf\u00e4ltigkeit, quergestreifter Dualit\u00e4t oder k\u00fcnstlerisch \u00fcbertriebener Phantasie. Das T-Shirt, versteckt unter Pullover oder Jacke getragen oder over all und dabei alles offenkundig preisgebend, was sich darunter verbirgt. Das T-Shirt ist in meinen Augen vornehmlich als verl\u00e4sslicher Partner einer Jeans geworden, denn das macht es einfach: Hose an und Shirt dr\u00fcber &#8211; zusammenpassen die beiden so gut wie immer. Aber weitaus schwieriger wird es, dass passende T-Shirt f\u00fcr eine andere, bunte oder sogar gemusterte Hose oder einen Rock zu finden! Ist das Shirt einf\u00e4rbig gehalten, mag es vielleicht funktionieren, au\u00dfer das Schwarz der Hose \/ des Rocks ist ein anderes Schwarz als das des T-Shirts. Und wenn erst mal ein Muster \/ ein Schriftzug auf das Shirt gepr\u00e4gt ist, ist es beinahe ein Ding der Unm\u00f6glichkeit, dass es hier zu einer harmonischen Partnerschaft kommt. Ich habe wahrlich genug T-Shirts angesammelt, weil das eine oder andere im Moment des Kaufrausches als \u00fcberragend schien. Doch wenn dann der Augenblick der n\u00fcchternen Wahrheit, n\u00e4mlich des Kombinierens kommt, weicht die Freude \u00fcber die Beute einer schnell dahinsiechenden Mutlosigkeit, und ich gehe dem Problem aus dem Weg und ziehe ein Kleid an. Da muss ich mir nie dar\u00fcber Gedanken machen, was an der G\u00fcrtellinie zusammensto\u00dft. Und trotzdem kaufe ich mir immer wieder mal ein T-Shirt. Ganz gef\u00e4hrlich, wenn man im Ausland ist und eine kleine Erinnerung mitnehmen will. Ein T-Shirt wiegt fast nichts, l\u00e4sst sich in jeden noch so vollen Koffer stopfen und wird daheim dann den Tiefen des Kleiderschranks anvertraut. Komme ich aber jemals auf den Gedanken, hier in Wien ein T-Shirt anzuziehen, auf dem in gro\u00dfen geschwungenen Lettern Barcelona \/ Berlin \/ Madrid \/ Rom oder Velden steht?<\/p>\n<p>Ich war gestern mit Bodo in der Stadt &#8211; weil ER dringend neue Jeans brauchte &#8211; zum Thema Langlebigkeit einer Jeans l\u00e4sst sich kurz notieren, dass sein Lieblingsst\u00fcck getragen wird, bis es im wahrsten Sinne des Wortes in der Mitte entzwei geht. Bodo\u00b4s an sich modisch zerrissene Hose bricht mittlerweile auch im Schritt &#8211; also h\u00f6chste Zeit f\u00fcr eine neue Lieblingshose! Nach l\u00e4ngerer Anprobe diverser Hosen von hell bis dunkel und einem gl\u00fccklichen Gesicht, als wir mit dick-prallem Sackerl den Jackie Jones verlie\u00dfen, machten wir noch einen Abstecher in die weite Tiefe des P&amp;C: dort t\u00fcrmen sich im Untergeschoss \u00fcber weite Fl\u00e4chen T-Shirts \u00fcber T-Shirts und noch mehr. Hier rein wei\u00dfe Schlabberfetzen mit Aufdrucken aus der Pop-Welt, knallbunte Shirts mit viel Aufdruck \u00e1 la American High School. Dort geraffte, zerrissene, fransierte Baumwolle mit einem Hang zu Polyester, Ethno, Batik, Hippie, floral &#8211; in welche Rolle man immer auch steigen will. Und ich? Welche Rolle spiele ich in diesem Wirrwarr? Ich fl\u00fcchte alsbald, verwirrt, entt\u00e4uscht, verunsichert. Vielleicht fehlt es an der ultimativen Jeans, die es mir leichter machen w\u00fcrde. Aber nein, das w\u00e4re nicht ich! Ich lasse Bodo seine Mehr-Jahres-Jeans, bis es wieder Zeit f\u00fcr einen Abschied ist (die eine, deren Zeit abgelaufen ist, liegt noch immer herum; Bodo bringt es anscheinend nicht \u00fcbers Herz, diesen lieb gewonnenen Freund von dannen ziehen zu lassen) und schl\u00fcpfe stattdessen in die hellbraune bzw. silbrig-graue locker fallende Hose mit tiefem Schritt oder die\u00a0blitzblaue Schlangenlederoptik-Hose vom Parndorf-Anzug (derzeit mein absolutes Lieblingsteil!) und versuche, mit dem, was ich an T-Shirts noch habe (einige habe ich schlussendlich verschenkt), zu kombinieren &#8211; in der kalten Jahreszeit tue ich mir hier eindeutig leichter, wohl, weil hier die Kombinationsm\u00f6glichkeiten spezieller sind. Seitdem\u00a0 ich warmen Sachen aber nicht mehr brauche &#8211; und seitdem mir der Hosenanzug gezeigt hat, dass frau auch im Blazer gute Figur machen kann, schl\u00fcpfe ich zumindest so lange in eine Jacke aus Stoff oder Leder, bis ich im \u00fcberhitzten B\u00fcro oder wieder daheim bin. Und &#8211; ganz wichtig: ohne Schal \/ Tuch geht gar nichts mehr! Da hege ich bereits einen leichten Hang zum Fetischismus.<\/p>\n<p>Und wenn alle Stricke rei\u00dfen, muss ein Kleid her &#8211; aber auch da verfalle ich zunehmend in Un-Mut \u2026 aber das ist eine andere Geschichte!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welches Kleidungsst\u00fcck ist einer nur allzu kurzen Lebensdauer &#8211; zumindest, was den mehrmaligen Wurf \u00fcber den Kopf mit Locken, glatten Haaren, Stoppeln oder Glatze betrifft &#8211; unterzogen? In meinen Augen ist es das T-Shirt. 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