{"id":443,"date":"2014-04-14T07:42:57","date_gmt":"2014-04-14T05:42:57","guid":{"rendered":"http:\/\/luciaklatil.wordpress.com\/?p=443"},"modified":"2014-04-14T07:42:57","modified_gmt":"2014-04-14T05:42:57","slug":"schli-schla-schlappi-ohne-ende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lucia.klatil.at\/blog\/?p=443","title":{"rendered":"Schli-Schla-Schlappi ohne Ende"},"content":{"rendered":"<div class=\"SCX251063977\">\n<div>\n<p xml:lang=\"DE-DE\"><span xml:lang=\"DE-AT\">Ich versteh\u00b4s\u00a0nicht &#8211; ich verstehe MICH nicht!<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p xml:lang=\"DE-DE\"><span xml:lang=\"DE-AT\">Ideale Voraussetzungen: <\/span><\/p>\n<\/div>\n<ul>\n<li>\n<p xml:lang=\"DE-DE\"><span xml:lang=\"DE-AT\">einigerma\u00dfen gut trainiert: 14 Wochen, darunter<\/span><span xml:lang=\"DE-AT\"> 7x <\/span><span xml:lang=\"DE-AT\">longjog von 180 Minuten<\/span><\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p xml:lang=\"DE-DE\"><span xml:lang=\"DE-AT\">\u00fcber die Wochen ausreichend Eisen und Vitamine und Magnesium geschluckt<\/span><\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p xml:lang=\"DE-DE\"><span xml:lang=\"DE-AT\">ideale Wetterbedingungen: <\/span><span xml:lang=\"DE-AT\">unter 15 Grad, bew\u00f6lkt, so gut wie kein Wind<\/span><\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p xml:lang=\"DE-DE\"><span xml:lang=\"DE-AT\">stressfrei\u00a0mit der U-Bahn zum Startbereich: <\/span><span xml:lang=\"DE-AT\">bin dieses Mal bei einer anderen U-Bahn-Station eingestiegen und hatte sogar einen Sitzplatz!<\/span><\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p xml:lang=\"DE-DE\"><span xml:lang=\"DE-AT\">Panik-Pinkelei im Geb\u00fcsch bzw. doch auch noch in einem &#8222;\u00fcberf\u00fcllten&#8220; Mobil-Klo<\/span><\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p xml:lang=\"DE-DE\"><span xml:lang=\"DE-AT\">den richtigen Sound im Ohr<\/span><\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p xml:lang=\"DE-DE\"><span xml:lang=\"DE-AT\">lockeres Laufleiberl, aber knappes Bustier<\/span><\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p xml:lang=\"DE-DE\"><span xml:lang=\"DE-AT\">guter Start, kein Gerangel trotz dieser Menschenmassen<\/span><\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<div><\/div>\n<div>\n<p xml:lang=\"DE-DE\"><span xml:lang=\"DE-AT\">Warm ist mir schon von Anfang an, denn Adrenalin von 40.000 Menschen (nun gut, es werden am Start weniger gewesen sein, weil ja die Staffell\u00e4ufer nur zum Viertel vertreten waren), erzeugt einen fast greifbaren Dampf.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p xml:lang=\"DE-DE\"><span xml:lang=\"DE-AT\">Habe bald mein Tempo, meinen Schritt gefunden und greife<\/span><span xml:lang=\"DE-AT\"> alle 5 km zum Wasserschlauch oder zum Becher mit einem <\/span><span xml:lang=\"DE-AT\">Isotonic-Ges\u00f6ff.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p xml:lang=\"DE-DE\"><span xml:lang=\"DE-AT\">Meinen Puls sp\u00fcr<\/span><span xml:lang=\"DE-AT\">e\u00a0ich extrem, und das macht<\/span><span xml:lang=\"DE-AT\"> mir etwas Angst.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p xml:lang=\"DE-DE\"><span xml:lang=\"DE-AT\">Der Rest meines K\u00f6rpers agiert ohne Probleme.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p xml:lang=\"DE-DE\"><span xml:lang=\"DE-AT\">Das Foto, das Bodo von mir bei km 11 schie\u00dft, ist wieder einmal schrecklich &#8211; sein Kommentar: L\u00e4ufer sind in Action einfach nicht h\u00fcbsch &#8211; das schmerzt!<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p xml:lang=\"DE-DE\"><span xml:lang=\"DE-AT\">Der allseits gef\u00fcrchtete leichte Daueranstieg bis Sch\u00f6nbrunn nagt an allen; ich sp\u00fcre, wie meine Beine langsamer werden.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p xml:lang=\"DE-DE\"><span xml:lang=\"DE-AT\">Ich denke erstmals ans Aufh\u00f6ren, da mir der Spass komplett abgeht. Immer hei\u00dft es, dass Laufen Endorphine frei setzt &#8211; bei mir d\u00fcrften es in Wettkampfsituationen\u00a0eher Depressionshormone\u00a0sein, denn ich werde zunehmend verzweifelter, mutloser, ratloser und kann mich nicht mehr ablenken.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p xml:lang=\"DE-DE\"><span xml:lang=\"DE-AT\">Bei km 20 klopft mir ein Bekannter\u00a0auf die Schulter, der sich mit Fu\u00dfschmerzen durch die halbe Strecke qu\u00e4lt. Da denke auch ich, dass ich bei km 21 abzweigen werde. Nach einem kr\u00e4ftigen Schluck Wasser fasse ich vor\u00fcbergehend aber wieder Mut und biege nicht ab &#8211; aber nur f\u00fcr kurze Zeit: bei km 22 sehe ich Bodo und bleibe stehen. Bodo ist verwundert, meint, ich sehe \u00fcberhaupt nicht ersch\u00f6pft aus, \u00fcberl\u00e4sst aber mir die Entscheidung und meint nur: lauf halt langsamer, sieh es als Trainingseinheit,\u00a0mach auf Durchkommen &#8230;<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p xml:lang=\"DE-DE\"><span xml:lang=\"DE-AT\">Also laufe ich doch wieder weiter.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p xml:lang=\"DE-DE\"><span xml:lang=\"DE-AT\">Ich nehme die vielen anderen L\u00e4ufer um mich herum nur mehr am Rande mit &#8211; es interessiert mich einfach nicht &#8211; anders als sonst, wo man sich an einen L\u00e4ufer ranh\u00e4lt oder L\u00e4ufer\/innen bewusst wahrnimmt, deren Laufstil analysiert &#8211; sich eben irgendwie ablenkt. Dieses Mal: ich blende anscheinend alles aus &#8211; mir bereiten die vielen anderen L\u00e4ufer mentalen Stress.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p xml:lang=\"DE-DE\"><span xml:lang=\"DE-AT\">Und als ich Bodo dann knapp nach km 26 sehe &#8211; es setzt gerade leichter Regen ein, trete ich zu Seite und gebe das Zeichen zum Finish &#8211; ich h\u00f6re auf! Zu diesem Zeitpunkt noch ohne Reue, Traurigkeit, Entt\u00e4uschung. Ich bin mir meiner Sache ziemlich sicher &#8211; fast wie ein bockiges. trotzk\u00f6pfiges Kind. <\/span><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p xml:lang=\"DE-DE\"><span xml:lang=\"DE-AT\">Ich analysiere meine Entscheidung ziemlich n\u00fcchtern: &#8222;es hat mir keinen Spass gemacht!&#8220;, wechsle an einer halbwegs gesch\u00fctzten Stelle das Gewand, und wir machen uns auf den Heimweg &#8211; ohne Zieleinlauf, ohne Medaille, ohne Kaiserschmarren.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p xml:lang=\"DE-DE\"><span xml:lang=\"DE-AT\">Daheim stecke<\/span><span xml:lang=\"DE-AT\"> ich fast so, als w\u00e4re ich nicht ich, sondern ein Fremder, die ganzen Utensilien in die Waschmaschine und an andere Orte, die Startnummer (Quersumme 13 anscheinend doch <\/span><span xml:lang=\"DE-AT\">un-gl\u00fccklich) wandert direkt in den M\u00fcll, ich steige unter die Dusche und klammere mich alsbald wortkarg und mit zunehmend verh\u00e4rmten Gesicht an mein Buch, w\u00e4hrend dessen Bodo sich diverse Ergebnisse anschaut und seine Fotos durchgeht. Ab und dann wirft er mir besorgte Blicke zu und fordert mich auf, mir alles von der Seele zu reden, aber ich kann nicht &#8211; zunehmende Verst\u00f6rung und Ratlosigkeit mich selbst betreffend \u00fcberkommen mich. Das Nachmittagsschl\u00e4fchen entbindet mich nur vor\u00fcbergehend einer unangenehmen Selbstanalyse:<\/span><\/p>\n<\/div>\n<ul>\n<li>\n<p xml:lang=\"DE-DE\"><span xml:lang=\"DE-AT\">ich genie\u00dfe meine Morgenl\u00e4ufe, egal, ob 70 &#8211; 90 &#8211; 120 &#8211; 180 Minuten<\/span><\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p xml:lang=\"DE-DE\"><span xml:lang=\"DE-AT\">ich genie\u00dfe hierbei die Leere um mich, die Ruhe des heranbrechenden Tages<\/span><\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p xml:lang=\"DE-DE\"><span xml:lang=\"DE-AT\">ich freue mich, wenn ich Rehe und Hasen sehe <\/span><\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<div>\n<p xml:lang=\"DE-DE\"><span xml:lang=\"DE-AT\">&#8211; und dagegen das:<\/span><\/p>\n<\/div>\n<ul>\n<li>\n<p xml:lang=\"DE-DE\"><span xml:lang=\"DE-AT\">ich habe schon bei der Startnummernausgabe einen Horror vor den vielen Menschen, die sich dieses Mal wie am Flughafen vor dem Eingang ins Messegel\u00e4nde in eingefassten G\u00e4ngen anstellen mussten<\/span><\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p xml:lang=\"DE-DE\"><span xml:lang=\"DE-AT\">ich kenne die Wiener Strecke wohl mittlerweile so gut, dass sich eine gewisse Fadesse breit macht<\/span><\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p xml:lang=\"DE-DE\"><span xml:lang=\"DE-AT\">das laute Ger\u00e4usch der Plastikbecher, die an den Labestationen zertrampelt werden, tut in meinen Ohren weh<\/span><\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p xml:lang=\"DE-DE\"><span xml:lang=\"DE-AT\">obwohl es dieses Mal kein Ellbogengedr\u00e4nge gibt, f\u00fchle ich mich irgendwie eingeengt<\/span><\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p xml:lang=\"DE-DE\"><span xml:lang=\"DE-AT\">ich habe kein Gef\u00fchl daf\u00fcr, ob ich mit einem guten Tempo unterwegs bin, um eine gute Zielzeit\u00a0erreichen zu k\u00f6nnen; eher habe ich das Gef\u00fchl, dass ich mich schneckengleich bewege &#8211; und daher: lieber keine Zielzeit als eine schlechte (Bodo meint allerdings, dass ich nur knapp hinter dem 3:30-Tempomacher war \u2026 h\u00e4tte ich den gesehen, h\u00e4tte ich vielleicht \u2026.?)<\/span><\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<div><\/div>\n<div>\n<p xml:lang=\"DE-DE\"><span xml:lang=\"DE-AT\">Bodo ist lieb, er versucht, mich aufzumuntern, mich f\u00fcr k\u00fcrzere Trailruns zu begeistern. Das klingt gut, aber f\u00fcr mein Ego brauche ich zumindest noch einen vollen Marathon &#8211; vielleicht einen weniger \u00fcberf\u00fcllten, so wie den in der Wachau oder in einer anderen Landeshauptstadt.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p xml:lang=\"DE-DE\"><span xml:lang=\"DE-AT\">Was bleibt, ist aber ein gewisses Unbehagen, das Gef\u00fchl, versagt zu haben &#8211; das mit sich selbst auszumachen, ist extrem schwierig. Ich kann es abtun und sagen: wurscht, war halt so &#8211; aber habe ich oben nur dumme Ausreden formuliert oder liegt die Ursache f\u00fcrs Abbrechen ganz woanders? Ich habe einfach den Eindruck, mich derzeit \u00fcberhaupt nicht zu kennen &#8211; und das macht mir sehr zu schaffen. Mir stehen momentan die Tr\u00e4nen in den Augen, auch wenn ich wei\u00df, dass es ein absoluter Schwachsinn ist, sich im Selbstmitleid zu baden &#8211; da bekommt man nur schrumpelige\u00a0Haut und Kummerfalten.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"OutlineElement Ltr SCX251063977\" style=\"text-indent:0;margin-left:0;\">\n<p class=\"Paragraph SCX251063977\" style=\"text-align:justify;color:windowtext;text-indent:0;font-family:'Segoe UI', Tahoma, Verdana, 'Sans-Serif';font-size:6pt;font-style:normal;font-weight:normal;vertical-align:baseline;text-justify:auto;background-color:transparent;\" xml:lang=\"DE-DE\"><span class=\"TextRun SCX251063977\" style=\"color:#ff9900;line-height:15px;font-family:Arial, Sans-Serif;font-size:10pt;\" xml:lang=\"DE-AT\"><span class=\"NormalTextRun SCX251063977\" style=\"background-color:inherit;\">Sonst lebe ich nach einem beendeten Marathon eine Woche lang auf Wolke Sieben. Momentan strample ich mich kraftlos in einer tr\u00fcben Suppe. Hoffentlich nur f\u00fcr kurze Zeit, denn: <\/span><span class=\"SpellingError SCX251063977\" style=\"background-color:inherit;\">the S<\/span><span class=\"SpellingError SCX251063977\" style=\"background-color:inherit;\">how<\/span><span class=\"NormalTextRun SCX251063977\" style=\"background-color:inherit;\">\u00a0must <\/span><span class=\"SpellingError SCX251063977\" style=\"background-color:inherit;\">go<\/span><span class=\"NormalTextRun SCX251063977\" style=\"background-color:inherit;\">\u00a0on\u00a0\u2026. der n\u00e4chste Run steht bevor am 4.Mai \/ World\u00a0Life Run: Catch <\/span><span class=\"SpellingError SCX251063977\" style=\"background-color:inherit;\">me<\/span><span class=\"SpellingError SCX251063977\" style=\"background-color:inherit;\">if<\/span><span class=\"SpellingError SCX251063977\" style=\"background-color:inherit;\">You<\/span><span class=\"SpellingError SCX251063977\" style=\"background-color:inherit;\">can<\/span><span class=\"NormalTextRun SCX251063977\" style=\"background-color:inherit;\">!<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich versteh\u00b4s\u00a0nicht &#8211; ich verstehe MICH nicht! 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