{"id":649,"date":"2014-10-21T17:57:34","date_gmt":"2014-10-21T15:57:34","guid":{"rendered":"http:\/\/luciaklatil.wordpress.com\/?p=649"},"modified":"2014-10-21T17:57:34","modified_gmt":"2014-10-21T15:57:34","slug":"frohgelaunt-uber-die-ziellinie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lucia.klatil.at\/blog\/?p=649","title":{"rendered":"Frohgelaunt \u00fcber die Ziellinie"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family:'Georgia', 'serif';font-size:10pt;\">Yes, I can! <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\"><span style=\"font-family:'Georgia', 'serif';font-size:10pt;\">H\u00e4nde hochgestreckt, lauter Schrei, \u00dcberfreude \ud83d\ude42<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\"><span style=\"font-family:'Georgia', 'serif';font-size:10pt;\">Nach den beiden pers\u00f6nlichen Marathonschlappen\u00a0des heurigen Jahres \u2013 in Wien hatte ich schlichtweg relativ rasch einfach keine Lust mehr, mit 80.000 anderen mehr oder weniger behaarten Beinen asphaltierte \u00f6de Kilometer abzulaufen, und in der ach so sch\u00f6nen Wachau hat mich ein\u00a0teuflisch falscher Ehrgeiz in die Misere geritten, indem er mich mit panischem\u00a0Herzrasen\u00a0und unfrohen Gedanken bestrafte.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\"><span style=\"font-family:'Georgia', 'serif';font-size:10pt;\">Das Ergebnis: Selbst-Zweifel, Selbst-Kritik, Selbst-Mitleid, \u2026<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\"><span style=\"font-family:'Georgia', 'serif';font-size:10pt;\">Aber wie hei\u00dft es so sch\u00f6n? Nach jedem Tief kommt ein Hoch? Kalt-Warm haltet den Kreislauf frisch. Yin und Yang wiegen sich in Balance. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\"><span style=\"font-family:'Georgia', 'serif';font-size:10pt;\">Schon im Fr\u00fchsommer hatte ich mich selbstsicher f\u00fcr einen weiteren Lauf angemeldet: Salzkammergut \u2013 Rundlauf um den Wolfgangsee\u00a0mit einem knackigen Bergauf-\/-ab-Teilst\u00fcck \u2013 ein Lauf, in Natur eingebettet, noch nicht sehr \u00fcber-laufen. Vielleicht 3.000 L\u00e4uferInnen absolvierten zuletzt 5, 10 oder 27 km und nicht mal 200 Waghalsige die 42,195 km, die in Bad Ischl beginnen. Somit quasi ein Laufprivatissimum?<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\"><span style=\"font-family:'Georgia', 'serif';font-size:10pt;\">Im September war ich sehr im Wickel-Wackel, ob ich an den Start gehen sollte.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\"><span style=\"font-family:'Georgia', 'serif';font-size:10pt;\">Anfang Oktober hat das Leistungs-EKG best\u00e4tigt: ich bin topfit. Also liegt es nur am Kopf, wo meine beiden Gehirnzellen wohl arg am Streiten sind?<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\"><span style=\"font-family:'Georgia', 'serif';font-size:10pt;\">Egal: das Startgeld ist bezahlt, die Wetteraussichten sind brillant, die 3-st\u00fcndige Fahrt flockt mit Stauumfahrung\u00a0und gr\u00f6\u00dferem Herumirren in Bad Ischl, da aufgrund einer Mega-Baustelle eine Querung\u00a0des Ortes nicht m\u00f6glich ist. Die Unterkunft in einem etwas eigenartigen Ferien-Appartement (Minigarconniere mit ausklappbarem Sofa, K\u00fcchenzeile, Blick auf Fluss und Fu\u00dfballplatz und Berg, geschmacklich nicht unser Stil, h\u00e4tten uns eher l\u00e4ndlich-alpinen Stil erwartet) ist bereits zur H\u00e4lfte bezahlt. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\"><span style=\"font-family:'Georgia', 'serif';font-size:10pt;\">Am Samstag holen wir uns die Startnummer in St.Wolfgang, genie\u00dfen die Sonne und am anderen Seeufer einen und einen zweiten aufgespritzten\u00a0Sturm. Abends gibt es nat\u00fcrlich Pasta und im zweiten Anlauf ein Glaserl\u00a0Prosecco (der erste Spritzwein\u00a0war untrinkbar, weil geschmacklich n\u00e4her an fauligem Holz als an ausgepressten Trauben). Mein Schlaf ist tief und ruhig. Erst am Morgen macht sich dann richtig die Unruhe breit \u2013 meine momentanen Verstopfungsprobleme finden hier zumindest ein ausgiebiges Ende.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\"><span style=\"font-family:'Georgia', 'serif';font-size:10pt;\">Die knapp 300 Marathonis (2014 wird zum Teilnehmerrekord) warten relaxed im Startbereich. Um 9:20 wird der Startschuss in die Luft geballert\u00a0\u2013 es geht los! Bodo ist ein brillanter Schatz: er wei\u00df, wie wichtig mir dieses Mal das Durchkommen \/ Ankommen im Ziel ist. Ich muss keine pers\u00f6nliche Bestzeit unterbieten, zumal dieser natur-nahe Lauf nicht mit einem ebenen Stadtlauf\u00a0zu vergleichen ist. Ich muss nur fit im Kopf sein. Daher hat er mir eine Aufgabe gestellt: ich muss ein virtuelles, aber lebenswichtiges \/ lebensrettendes Medikament ins Ziel bringen! So komisch das jetzt klingen mag, aber in den n\u00e4chsten 4 Stunden werde ich tats\u00e4chlich ab &amp; dann daran denken. Doch noch nicht zu Anfang, denn da geht es eigentlich recht gem\u00fctlich los. Da ich fast ganz zum Schluss gestartet bin, bin ich geschwindigkeitsm\u00e4\u00dfig\u00a0unter Gleichgesinnten. Aus Bad Ischl raus geht es teilweise \u00fcber Trampelpfade im G\u00e4nse-Lauf; ein \u00dcberholen ist hier so gut wie nicht m\u00f6glich. Auf der Stra\u00dfe teilen wir uns die Fahrbahn mit den wenigen Autos, die hier herumfahren. Zu beiden Seiten begleiten uns Bergh\u00f6hen, \u00fcber uns strahlt ein blitzblauer\u00a0Himmel vor Freude \u2013 und diese Freude \u00fcbertr\u00e4gt sich auch auf meine beiden Gehirnzellen. Die ersten 15 km f\u00fchren bis nach St.Wolfgang, wo wir freundlich zum Weiterlaufen animiert werden \u2013 das Ziel ist noch 27 km entfernt. Nun treffen wir auf die L\u00e4uferInnen, die hier gestartet sind. Die schnellen Athleten sind nat\u00fcrlich schon l\u00e4ngst am anderen Ufer (im wortw\u00f6rtlichen Sinn gemeint!). Nach weiteren knapp 5 km sehe ich die L\u00e4uferkarawane\u00a0ins Stocken kommen: es geht abrupt bergauf: zuerst ein Stra\u00dfenst\u00fcck, dann auf Waldboden. Ein Sto\u00dfgebet, ein St\u00fcck Banane, noch ein Schluck isotonisches Gift. Ich merke rasch, dass mich langsame Laufschritte\u00a0zu sehr auspowern\u00a0werden und verlagere mich wie die anderen rund um mich aufs z\u00fcgige Bergaufgehen. Kurz kommen mir Erinnerungen ans Pilgern in den Sinn. Im Gro\u00dfen und Ganzen eine recht komische Situation, wenn man sich diese Massenwanderung\u00a0von der Seite anschaut. Schon oben? Dann geht es ohne Aussicht rasend schnell wieder bergab. Dank an meine Knie \u2013 das wird f\u00fcr mich zur besten Teilstrecke! Ich\u00a0flitze\u00a0schnurzgerade\u00a0oder im Zickzack hinunter,\u00a0wenn ich\u00a0andere eher vorsichtigere Damen und Herren umschiffen m\u00f6chte. Habe ich sonst vor Bergab-Geschwindigkeiten eher Angst und stehe auf der Bremse, lasse ich hier die Z\u00fcgel locker \u2013 mir ist fast danach, laut aufzujuchzen\u00a0\u2013 aber vielleicht ist das doch unpassend? Mit diesem Schwung geht es dann entlang des Sees weiter. An jeder Labstation\u00a0mache ich brav Halt, trinke Wasser und Iso-Getr\u00e4nk, nehme 3x ein St\u00fcck Banane und habe auch meine eigenen Tuben mit Mineralstoffen dabei. So bringe ich mich Kilometer um Kilometer weiter. Der anf\u00e4ngliche Frohsinn hat ein bisschen abgenommen. Es wird hei\u00df, wir laufen sehr viel ohne Schatten \u2013 das ist die Zeit, wo ich ans \u201eMedikament\u201c denke. Zaung\u00e4ste gibt es nicht allzu viele, aber wir werden doch hin und wieder beklatscht und angefeuert. Die originellste Fangruppe\u00a0darunter ist\u00a0mit Sicherheit\u00a0unangefochten die Belegschaft eines Altersheims: Pflegerinnen und betagte G\u00e4ste dick eingepackt in Rollst\u00fchlen\u00a0im einseitigen\u00a0Spalier. Zugegebenerma\u00dfen reagieren nicht viele auf mein dankbares Winken. 10 km vor dem Ziel treffe ich Bodo \u2013 Zeit f\u00fcr ein Bussi muss sein. Er ist beruhigt, dass es mir gut geht. Aufmunternd sind die Kilometeranzeigen: sonst werden meistens sehr pragmatisch Kilometer um Kilometer aufsummiert. Aber das Salzkammergut ist anders: Nur bis zum Berg werden die Kilometer chronologisch angezeigt. Nach dem Bergst\u00fcck\u00a0aber wechselt die Anzeige auf: \u201enoch 19 km \u2026. noch 14 km \u2026. noch 3 km\u201c \u2013 das ist ein wahnsinnig guter Motivator, wenngleich ich 5 km vor dem Ziel dann schon ein wenig schw\u00e4chle. Aber bei \u201enoch 1 km\u201c hole ich die letzten Reserven hervor und gebe nochmals Gas. Eine minimale Steigung bis zum Ortsanfang\u00a0\u2013 und dann im Schuss \u00fcber die Ziellinie \u2026 nein: ich muss noch ein paar Meter weiterlaufen, denn die tats\u00e4chliche Ziellinie kommt knapp hinter der vorletzten Zeitnehmung. Der Teppich, \u00fcber den ich die letzten paar Meter sprinte, ist nicht rot, sondern himmelblau \u2013 aber was z\u00e4hlt: ich habe es geschafft!<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\"><span style=\"font-family:'Georgia', 'serif';font-size:10pt;\">H\u00e4nde hochgestreckt, lauter Schrei, \u00dcberfreude \ud83d\ude42<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\"><span style=\"font-family:'Georgia', 'serif';font-size:10pt;\">Das Ergebnis: 04:02 \/ 100. von knapp 250 Startern, 15. bei den Frauen, 5. aus meinem Jahrgang \u2026 absolut ausbauf\u00e4hig! Denn sollte es ein n\u00e4chstes Mal geben (vorstellen k\u00f6nnte ich es mir durchaus), muss ich das \u201eMedikament\u201c unter 4 Stunden ins Ziel bringen!<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Fotos folgen &#8230;..<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Yes, I can! 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