Bodo hat ein neues Hobby bzw. seine beiden grünen Daumen entdeckt!
Bislang hatten wir auf unserer kleinen Terrasse eigentlich immer nur ein paar Blumentöpfe mit mehr oder weniger Glück, die Pflanzen dann auch gut über den Winter zu bekommen. Denn seitdem der Rauchfangkehrer ein Veto gegen das Überwintern von Balkonpflanzen im Stiegenhaus ausgesprochen und sogar mit Strafen gedroht hat, sind wir vorsichtiger beim Pflanzenkauf geworden und legen mehr Wert auf „winterfest“ – obwohl die letzten Wiener Winter selten unter Null Grad gerutscht sind.
Heuer im verregneten Frühjahr kam Bodo dann aber mit der Idee, Gemüse anzubauen. Es begann mit einigen vielen Anzuchttöpfchen in einer kleinen Anzuchtstation – mitten in der Küche. Seine Freude riesengroß, als sich die ersten grünen Sprießlinge zeigten. Und große Enttäuschung, wenn sich bei anderen Anzuchttöpfchen auch nach Wochen liebevoller Obsorge nichts zeigen wollte.
Lektion 1: Nicht jeder Samen geht auf!
Jetzt sind sie da, die Setzlinge, nur wohin damit? Bodo nicht müde und voller Tatendrang, entdeckt im Internet recht hübsche stufenförmige Pflanzregale aus Holz. Eines Abends, als ich nach Hause komme, stehen zwei dieser Regale bereits zusammengebaut auf der Terrasse. Zum Zwecke der Beweglichkeit konstruiert Bodo dann noch einen fahrbaren Untersatz.

Ab jetzt, so scheint mir, habe ich mein Mitspracherecht, was die Terrasse betrifft, ziemlich verwirkt. Zumindest aber darf ich mitbestimmen, wie bzw. wo die beiden Regale aufgestellt werden – und:
mein Sonnendeck ist jedenfalls TABU!
Meine Idee, lieber mit Einzeltöpfen zu gärtnern, um flexibel bleiben zu können, als mit der mitgelieferten Pflanzwanne, wird sich über die nächsten Wochen hinweg als grandios erweisen, denn so kann Bodo leicht auf das individuelle Verhalten von einzelnen Gemüsepflanzen reagieren: braucht die eine mehr Sonne, kommt sie in die oberste Reihe, wächst die Tomatenstaude ins Unendliche, muss sie mit dem Topf ganz nach unten ins Parterre, damit der dünne Stamm nach oben hin gestützt werden kann.
Wir sind so ziemlich jedes Wochenende in einem der größeren Gartencenter, wo wir zusätzlich bereits „halbfertige“ Pflanzen – Erdbeeren, Chili, Zupfsalat – und viele, viele Pflanztöpfe kaufen. Bald schon sind die beiden Pflanzgestelle gut befüllt. Bodo bestellt daher heimlich noch ein weiteres und lässt sich dazu hinreißen, es mit Kohlrabi und Broccoli zu versuchen – es bleibt mehrheitlich beim Versuch!
Lektion 2: Irgendwann ist dann aber genug!
Pflanzen brauchen viel Wasser. Bodo entwickelt ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem, natürlich mit einer automatischen Steuerung, damit wir auch unbesorgt in den Urlaub starten können. Ich muss neidlos anerkennen, dass Bodo´s Hingabe schön langsam auch belohnt wird: Die ersten Erdbeeren werden rot, die Tomatenpflanzen schießen in die Höhe, aus den gelben Blüten werden langsam kleine Rispentomaten, die vermeintlichen Snackgurken werden immer größer und schwerer, und auch die ersten Chilischoten zeigen sich.

Lektion 3: Das Wachsen verlangt nach viel Geduld!
Rasch aber spricht sich herum, dass hier ein neues kleines Paradies entstanden ist – die ersten Schädlinge machen sich breit! Bodo rückt jeder Laus und jeder Blattwanze an die Pelle – leider geht es dabei nicht ganz ohne „freundliches“ Gift!
Wir ernten die ersten Rispentomaten. Hin und wieder steckt mir Bodo eine saftige Erdbeere in den Mund. Die ersten Paprika werden knallig rot. Die ersten Chili verbrennen unseren Gaumen. Nur die Snackgurken sind so lala – die Pflanze war nach der einen Ernte dann auch gleich kaputt. Und auch der würzige Zupfsalat hat sich dann rasch verausgabt.
Lektion 4: Je mehr Grün, desto größer wird der Komposthaufen!
Nur die Kohlrabi und die Broccoli scheinen, außer, dass ihre Blätter eine Delikatesse für gefräßige Raupen darstellen, keine Lust zu haben, unsere Mahlzeiten zu begleiten. Die Blätter wuchern zwar, aber wo bleibt die Frucht? Nun ja: Gestern konnten wir die erste (und einzige?) Kohlrabi ernten – und diese war wider Erwarten sogar super knackig und gar nicht holzig!

Wir haben jetzt September, man spürt, dass auch den Pflanzen langsam die Kraft ausgeht. Noch aber sind viele Tomaten und Schoten grün – wird es die Spätsommersonne noch schaffen, sie zu röten und reif zu machen?
Bodo denkt bereits schon weiter und plant gerade eine Überwinterungsstation!
Lektion 5: Vom Anbau bis zur Ernte und darüber hinaus ein umfangreiches Hobby mit allerlei Höhen und Tiefen!
Aber es macht Bodo viel Spaß – und ich freue mich, dass es so wunderbar grün auf unserer Terrasse ist – „meine“ Blumen tragen auch ein bisschen dazu bei!

