Der Selbstversorger-Versuch

Bodo hat ein neues Hobby bzw. seine beiden grünen Daumen entdeckt!

Bislang hatten wir auf unserer kleinen Terrasse eigentlich immer nur ein paar Blumentöpfe mit mehr oder weniger Glück, die Pflanzen dann auch gut über den Winter zu bekommen. Denn seitdem der Rauchfangkehrer ein Veto gegen das Überwintern von Balkonpflanzen im Stiegenhaus ausgesprochen und sogar mit Strafen gedroht hat, sind wir vorsichtiger beim Pflanzenkauf geworden und legen mehr Wert auf „winterfest“ – obwohl die letzten Wiener Winter selten unter Null Grad gerutscht sind.

Heuer im verregneten Frühjahr kam Bodo dann aber mit der Idee, Gemüse anzubauen. Es begann mit einigen vielen Anzuchttöpfchen in einer kleinen Anzuchtstation – mitten in der Küche. Seine Freude riesengroß, als sich die ersten grünen Sprießlinge zeigten. Und große Enttäuschung, wenn sich bei anderen Anzuchttöpfchen auch nach Wochen liebevoller Obsorge nichts zeigen wollte.

Lektion 1: Nicht jeder Samen geht auf!

Jetzt sind sie da, die Setzlinge, nur wohin damit? Bodo nicht müde und voller Tatendrang, entdeckt im Internet recht hübsche stufenförmige Pflanzregale aus Holz. Eines Abends, als ich nach Hause komme, stehen zwei dieser Regale bereits zusammengebaut auf der Terrasse. Zum Zwecke der Beweglichkeit konstruiert Bodo dann noch einen fahrbaren Untersatz.

Ab jetzt, so scheint mir, habe ich mein Mitspracherecht, was die Terrasse betrifft, ziemlich verwirkt. Zumindest aber darf ich mitbestimmen, wie bzw. wo die beiden Regale aufgestellt werden – und:

mein Sonnendeck ist jedenfalls TABU!

Meine Idee, lieber mit Einzeltöpfen zu gärtnern, um flexibel bleiben zu können, als mit der mitgelieferten Pflanzwanne, wird sich über die nächsten Wochen hinweg als grandios erweisen, denn so kann Bodo leicht auf das individuelle Verhalten von einzelnen Gemüsepflanzen reagieren: braucht die eine mehr Sonne, kommt sie in die oberste Reihe, wächst die Tomatenstaude ins Unendliche, muss sie mit dem Topf ganz nach unten ins Parterre, damit der dünne Stamm nach oben hin gestützt werden kann.

Wir sind so ziemlich jedes Wochenende in einem der größeren Gartencenter, wo wir zusätzlich bereits „halbfertige“ Pflanzen – Erdbeeren, Chili, Zupfsalat – und viele, viele Pflanztöpfe kaufen. Bald schon sind die beiden Pflanzgestelle gut befüllt. Bodo bestellt daher heimlich noch ein weiteres und lässt sich dazu hinreißen, es mit Kohlrabi und Broccoli zu versuchen – es bleibt mehrheitlich beim Versuch!

Lektion 2: Irgendwann ist dann aber genug!

Pflanzen brauchen viel Wasser. Bodo entwickelt ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem, natürlich mit einer automatischen Steuerung, damit wir auch unbesorgt in den Urlaub starten können. Ich muss neidlos anerkennen, dass Bodo´s Hingabe schön langsam auch belohnt wird: Die ersten Erdbeeren werden rot, die Tomatenpflanzen schießen in die Höhe, aus den gelben Blüten werden langsam kleine Rispentomaten, die vermeintlichen Snackgurken werden immer größer und schwerer, und auch die ersten Chilischoten zeigen sich.

       

Lektion 3: Das Wachsen verlangt nach viel Geduld!

Rasch aber spricht sich herum, dass hier ein neues kleines Paradies entstanden ist – die ersten Schädlinge machen sich breit! Bodo rückt jeder Laus und jeder Blattwanze an die Pelle – leider geht es dabei nicht ganz ohne „freundliches“ Gift!

Wir ernten die ersten Rispentomaten. Hin und wieder steckt mir Bodo eine saftige Erdbeere in den Mund. Die ersten Paprika werden knallig rot. Die ersten Chili verbrennen unseren Gaumen. Nur die Snackgurken sind so lala – die Pflanze war nach der einen Ernte dann auch gleich kaputt. Und auch der würzige Zupfsalat hat sich dann rasch verausgabt.

Lektion 4: Je mehr Grün, desto größer wird der Komposthaufen!

Nur die Kohlrabi und die Broccoli scheinen, außer, dass ihre Blätter eine Delikatesse für gefräßige Raupen darstellen, keine Lust zu haben, unsere Mahlzeiten zu begleiten. Die Blätter wuchern zwar, aber wo bleibt die Frucht? Nun ja: Gestern konnten wir die erste (und einzige?) Kohlrabi ernten – und diese war wider Erwarten sogar super knackig und gar nicht holzig!

Wir haben jetzt September, man spürt, dass auch den Pflanzen langsam die Kraft ausgeht. Noch aber sind viele Tomaten und Schoten grün – wird es die Spätsommersonne noch schaffen, sie zu röten und reif zu machen?

Bodo denkt bereits schon weiter und plant gerade eine Überwinterungsstation!

Lektion 5: Vom Anbau bis zur Ernte und darüber hinaus ein umfangreiches Hobby mit allerlei Höhen und Tiefen!

Aber es macht Bodo viel Spaß – und ich freue mich, dass es so wunderbar grün auf unserer Terrasse ist – „meine“ Blumen tragen auch ein bisschen dazu bei!

Kraftort

Das schicksalsschwere 2020-er Jahr hat mich ja dazu inspiriert, Yoga und Fitness im Grünen – mit viel Sauerstoff, frischer Luft und viel Abstand zueinander – anzubieten – siehe gerne auf lucia.klatil.at!!! Leider ist die reale Nachfrage nicht so berauschend, wie ich es mir erhoffen würde – vielleicht funktioniert die Mundpropaganda auch nicht so gut wie ein Lauffeuer, aber es fanden auch in diesem 2023-er Sommer bereits ein paar sehr schöne Sessions statt! Und der Sommer dauert ja hoffentlich noch ein wenig an!

Mein absoluter Favorit für das Auflegen der Yogamatte ist heuer aber mit Sicherheit der Theseus-Tempel im Volksgarten! Man ist hier leicht erhöht über dem umgebenden Grün, ein zartes Lüfterl erfrischt und belebt, der Steinboden ist zwar etwas holprig, aber nicht so nachgiebig wie eine Wiese, es steigen hier keine Mücken auf, um deine Nasenflügel zu erforschen, es kommt nicht plötzlich ein Gärtner und dreht den Rasensprenger auf – und man wäre hier sogar bei einem Regenguss einigermaßen geschützt!

Und was mich am meisten berührt: es geht von dem Gebäude, das hier mitten in der Innenstadt in einer Parkanlage situiert ist, eine KRAFT aus, die mich einfach in ihren Bann gezogen hat. – Herrlich!!! Aber so herrlich, dass auch andere Yogis diese Inspiration für sich in Anspruch nehmen – am vergangenen Freitag zum Beispiel fanden um 7:00 Uhr in der Früh gleich 3 unterschiedlichste Yoga-Einheiten statt: eine Privatstunde, eine professionell von einem Yogastudio inszenierte und mein kleiner, feiner Yoga Flow mit 2 treuen Teilnehmern aus meinen Yogaklassen. – Zum Glück hat der Tempel ein rundumlaufendes Plateau, sodass jede Gruppe für sich eine entsprechende Yoga.Bühne hatte.

Selbst mein Schatten war heute Morgen ganz hin und weg!

Geradeaus im ZickZack

Das ist so eine Sache mit dem Geradeaus-Gehen. Ich bin ja viel zu Fuß unterwegs, nicht zur, wenn es ums Weitwandern geht, sondern auch täglich im öffentlichen Raum. Vielleicht wird sich das noch zur Marotte entwickeln, aber mir fällt mehr und mehr auf, dass zu-Fuß-Geher:innen auf einer längeren Strecke kaum eine gerade Linie halten können. Die meisten driften mit jedem Schritt mehr auf die eine oder mehr auf die andere Seite. Das ist für jemanden, der dahinter geht und aufgrund seines schnelleren Tempos zum Überholen ansetzen möchte, echt nervig, muss man doch im letzten Moment noch rechtzeitig ausweichen, um nicht zum Rempler zu werden. Und damit verlässt dieser Jemand dann auch seine eigentlich annähernd geradlinige Gehrichtung …

Dieser „Jemand“, das bin natürlich ICH!

Gewissen Damen (und jungen Männern) sagt man nach, dass sie auf dem Strich gehen.

Und sollte der „Alkometer“ nicht funktionieren, könnte es schon mal vorkommen, dass die Exekutive von einem verlangt, die Torkelfreiheit nachzuweisen, indem man torkelfrei auf der Begrenzungslinie stolziert.

Mannequins setzen mit wiegenden Hüften und hohen Stiletto-Absätzen zielsicher einen Schritt vor den anderen, würden sie doch sonst vom Laufsteg purzeln.

Moderne PKWs mit Autopilot-Funktion finden rechtzeitig auf die Fahrspur zurück,

Zugvögel folgen Jahr um Jahr einer genetisch vorgegebenen Fluglinie.

Warum schafft es also nicht der „Normalo“, einfach geradeaus von A nach B zu gehen?

Säuglinge, die gerade das Gehen lernen, schwanken natürlich noch ein wenig unsicher hin und her,

für Helden und -Heldinnen auf der Schipiste wäre es fatal, in der Slalom-Disziplin plötzlich in die Abfahrtshocke zu wechseln.

In der Tierwelt ist es überlebenswichtig, dem Jäger mit Ausweichsprüngen zu entkommen,

und der Osterhase muss sowieso im ZickZack hüpfen, damit jeder sein Nesterl bekommt …

Aber, um auch mich an den Löffeln zu ziehen: Falls nach den langen Wochen der Abstinenz der Eierlikör sich als zu süffig erweisen sollte, kann auch ich für nichts garantieren – und schon gar nicht, dass ich meine Linie finde (mit der Linie halten ist es dann sowieso vorbei … der Schokoladenentzug macht sich gerade bemerkbar!!! 😊)

Purer JEANSinn!

Nur eine einzige Online-Bestellung – und mein Bild von mir bzw. meinem Körper wurde brutal in die unendlichen Tiefen einer kompletten Konfusionsdepression gestoßen!

DAS Must-have für den Frühling-/Sommmer-2023: Denim – und hier allen voran Jeans im Relaxed Style, also vornehmlich bequem geschnitten rund um Hüfte und Bein, allenfalls mit Tendenz zu einer bodenaufwischenden Überlänge und einer maßlos übertriebenen Fußweite – alles schon mal in irgendeiner Form da gewesen und dank Instragram und Influencerinnen doch neu inszeniert!

DAS Must-have für den Frühling-/Sommer-2023: Denim – muss ich diesem Trend folgen? WILL ich diesem Trend folgen? Kurz war ich am Zögern, aber das „Studium“ diverser Modezeitschriften bei meiner Mutter zog mich mehr und mehr in den Bann. Also her mit www.*******.at, Scroll rauf und runter, Rezensionen Pro und Contra – und schnell war die Merkliste bestückt mit blauen Hosenbeinen und silbrigen Knöpfen in einer Preisrange von EUR 70 bis … Luft nach oben gibt es immer! Nach mehreren weiteren Runden des Vergleichens und Überlegens fanden schließlich vier (4) vermeintlich zu mir passende Jeans-Modelle den Weg in den Warenkorb, vom Auslieferungslager zur Zustellbasis, von dort in den Auslieferungswagen, dann auf die starken Arme unseres sympathischen, fleißigen und stets freundlichen Paketträgers bis zur Wohnungstür.

Da liegt es nun, das schwere Paket, bereit, von mir geöffnet zu werden. Mit einer Mischung aus Vorfreude, Neugierde, Angst steige ich in die erste der vier Jeans – Und? Eine einzige KATASTROPHE! Wie kann eine Jeans einen Körper nur derart verunstalten? Weder oben noch unten noch mittendrin kann ich hier eine Art von Form und Zuschnitt erkennen! Nur schnell wieder raus aus dem Stoff, zusammenlegen und knitterfrei in die aufgerissene Verpackung zurückstecken!

Das zweite Modell von Levi´s muss doch passen oder? Hat es doch vor x-Jahren auch! Aber, welch grausames Wunder: Da wollen die Knöpfe nicht ins Knopfloch passen!?

Meine Mundwinkel sinken zunehmend nach unten …

Modell 3 – und meine Ratlosigkeit wächst ins Unermessliche: Der Hosenbund sitzt verdächtig tief auf der Hüfte, dafür rutscht der Schritt rauf bis zum Nabel – autsch!

Eine Chance besteht noch – BOSS! Ja, der Boss meint es gut mit mir, denn so viel Übungen für den Gluteus Maximus (sprich PO-Muskel) kann ich gar nicht machen, um die Kehrseite der Jeans appetitlich-sexy auszufüllen!

Ich bin wahrlich deprimiert, bilde ich mir doch ein, dass ich in meinen Sport-/Yoga-Tights zwar muskulös-athletisch ausschaue, aber doch eine einigermaßen annehmbare und erkennbare Silhouette präsentiere – aber in Jeans verwandelt sich mein Körper ab dem Nabel abwärts in ein Monster – und wahrlich NICHT in ein Kuschel-Monster!

Noch sitzt der Gram tief und beschäftigt mich heftig. Und sehr wahrscheinlich werde ich diesem Trend nicht nachrennen, sondern lieber meine spontane Individualität bewahren. Daher trage ich heute zum Trotz und mit Stolz ein dunkelgrün-schimmerndes wadenlanges Kleid mit Spaghettiträgern und darüber eine hellgrauen Sweater mit der zitronengelben Aufschrift „Optimist“, an den Füßen neongelbe Sneakers – und sollte ich vom nächsten Regenguss überrascht werden: die schlichte Neopren-Jacke, farblich zum Schriftzug bzw. zu den Schuhen passend.

Ich brauche keinen Modetrend – ich kann auch meinen eigenen Trend kreieren … und mit dieser Erkenntnis habe ich mich gerade wieder aus dem Sumpf gezogen!

Wo sind sie nur?

Die ersten warmen Tage locken sogar die ärgsten Ich-verkrieche-mich-lieber-unter-der-Bettdecke-Haus-Muffel ins Freie.

Man trifft sich mit Freunden, Bekannten und anderen Menschen (gemeint sind natürlich alle geschlechts- und sonstigen Orientierungen) – so ganz ohne Social Media Verrücktheiten, also in real Life! Wow!

Ja – Wow … aber auch W-AU … denn … Wie schlimm sieht es nach so einem geselligen Abend in den Parkanlagen aus!?

Nachdem sich viele kein großes Bier um EUR 5,20 und keinen Aperol-Sprizz um EUR 6,50 (oder noch teurer) leisten wollen bzw. können, werden die Kühlregale und Snack-Abteilungen in den Supermärkten leer geräumt – und dann ab auf die nächste Parkbank oder gar auf die Wiese (auch wenn die Monate noch ein „R“ haben). Dort wird dann getratscht, gelacht, getrunken, gegessen … und irgendwann in der Dämmerung oder noch später bricht die lustige Runde wieder auf – und „vergisst“ komplett auf den verursachten Müll!

Ha! Wo sind sie – die Waste Watcher? Hier, am Karlsplatz, im Stadtpark, am Donaukanal hätten sie doch wahrlich die besten Chancen auf ein dickes Trinkgeld! Aber nein, sie verstecken sich wohl lieber hinter den Bäumen und sind zu feig, um sich zu erkennen zu geben!

Wen freut´s?

Nur die Krähen und die Ratten, die sich an den Resten ordentlich den Bauch vollschlagen können!

Doch wer bleibt auf dieser Reise übrig? Die armen Straßenkehrer, die nach der Gaudi in den Morgenstunden ihre einsamen Runden ziehen müssen, um alles wieder auf „Wien ist die lebenswerteste Stadt der Welt!“ herzurichten!

Das ist nicht fair!

Ich plädiere daher dafür (und ich meine, dass ich mich schon in einem anderen Blog maßlos aufgeregt habe …), dass die Straßenreinigungskräfte zum kollektiven Streik ausrufen und Besen / Schaufel für ein paar Tage an den Nagel hängen – am besten von Donnerstag bis Montag – in einer Schönwetterperiode!

Weh tut´s erst, wenn man was spürt – und Schmerz entsteht im Kopf, dort, wo Gehirn, Augen und Nase ihren Platz haben.

Es schreit nach mehr weit- und vorausschauendem Miteinander als nach blindem Egoismus!

Leute, bitte reißt Euch zusammen und leistet doch auch selbst EUREN kleinen BEITRAG, damit Wien auch weiterhin zur LEBENSWERTesten Stadt der Welt gekürt werden kann!

Denn der nächste Abfalleimer freut sich auch auf DEINEN Müll!

Magischer Zeitenwechsel

Wie cool ist das denn?

Bis vor kurzem mussten meine morgendlichen Laufschritte noch künstlich beleuchtet werden … und dann mit einem Mal … drängt sich still und leise, aber mit deutlicher Vehemenz, die Morgendämmerung in den Vordergrund und scheucht die Dunkelheit in die Nacht zurück!

Das animiert den einen oder anderen gefiederten Star, sein proteinreiches Frühstück aus der Rinde herauszupicken.

Das animiert braun-grau getarnten Rehe, ihren weißen Spiegel am Popo gekonnt in Szene zu setzen.

Und das animiert auch mich, mit deutlich eingerosteter Eleganz über gestürzte Baumstämme hinwegzusteigen – von einem dynamischem Drüber-Springen ist derzeit leider noch nichts zu sehen – und für einen waghalsigen Lauf-Stunt mit Roly-Poly-and-Stand-up (Purzelbaum mit Wieder-Aufstehen) fehlt mir leider in der Sekunde der Mut.

Schon komisch: Dieser immerwährende Zeitenwechsel ist zweifelsohne eine der wenigen Konstanten in unserem Leben. Und doch freut sich jedes Lebewesen aufs Neue, wenn´s spürbar wird, dass sich etwas verändert. Mit der zunehmend längeren Lichtphase wächst die Neugierde auf etwas Neues; es steigt die Motivation für was-auch-immer; Lethargie und Depression schwinden und machen Platz für Hoffnung und Fröhlichkeit. Nun gilt es, sich auszubreiten, die Flügel zu schwingen, in vielen Aspekten zu wachsen, etwas Neues zu schaffen. Ich werde zwar nicht mehr in die Höhe schießen und hoffentlich auch nicht zu sehr in die Breite gehen, aber es beflügelt mich morgens ungemein, den anbrechenden Tag intensiv wahrzunehmen, dieses friedliche Wachwerden in der Natur!

Ein paar Tage bleiben mir noch, um dieses Gefühl zu vertiefen, denn die Zeit-Umstellung in gut einer Woche wird meinem frisch aufkeimenden Elan für ein paar Tage / gut zwei bis drei Wochen einen ordentlichen Dämpfer aufsetzen – daher: Carpe Diem!

Ein kurzer Moment des Glücks

Am Montag habe ich noch nicht daran gedacht.

Am Dienstag habe ich kurz mal nachgeschaut, wann denn die nächsten Termine wären.

Am Mittwoch habe ich den Newsletter mit der Ankündigung erhalten, war plötzlich von Lust gepackt, allein der vorgeschriebene Dresscode machte mir Kopfzerbrechen. — Ah! Es geht um eine Kleidertauschparty? Richtig!

Am Donnerstag habe ich dann doch nachgefragt, ob noch ein Platz frei wäre.

Am Freitag habe ich schließlich das Teilnahmeformular ausgefüllt und abgeschickt.

Am Freitag Nachmittag bin ich dann schwerbepackt – Handtasche über der Schulter, Yogamatte am Rücken, prall gefüllte Einkaufstasche und einer weitere Handtasche mit Inhalt am Arm – zuerst zu meiner Yogastunde aufgebrochen, die – by the way – derzeit mit so netten Leuten besucht ist, dass es richtig, richtig Spaß macht, zu unterrichten (und ganz wichtig: in meinen Yogastunden darf auch geschmunzelt und gelacht werden! … LeiLei und Namaste!)

In der engen Damengarderobe fand dann eine schnelle Umwandlung statt: vom Yoga-Outfit in eine sehr individuelle Interpretation des heutigen Dresscodes: „English Royal“ … mmh! Da ich weder ein British-Fan bin noch über die akkurate Eleganz einer royalen Lady verfüge, entschied ich mich eher für eine Szenerie, die auch am Land Bestand haben könnte: eine schwarze enge Hose, darüber ein am Bund angeknipstes Leder-Cape, das so quasi zu einem offenbeinig geschlitzten (Damen-Reiter-)Rock wird. Für oben habe ich mich für ein frosch-grünes Jogging-Überteil aus Neopren entschieden – wie gesagt: eine sehr freie Interpretation. Aber mit einem zufälligerweise gleichfärbigen Tüchlein und einer Perlenkette um den Hals wäre ich in meinen Augen nach einem ausgiebigen Ausritt oder einem langen Waldspaziergang mit sieben wilden Hunden sicher passend gekleidet, um am Kaminfeuer einen herrlich würzigen Earl-Grey-Tea einzunehmen!

Welches Stilelement machte die anderen Damen zu gazetten-geeigneten Ladies? An erster Stelle waren es selbstredend diverse Kopfbedeckungen: vom eleganten Hut mit Netz bis zur Dandy-Schirmkappe. An zweiter Stelle war hie und da ein wenig Karo zu erhaschen und unverzichtbar die eine und andere Perlenkette.

Statt Tee gab es wie immer kühl-prickelnden Prosecco, der wie immer großen Anklang fand, was aber dazu führen mag, dass die eine oder andere im leicht beschwipsten Zustand sich für Kleidungsstücke begeistern mag, die bei nüchterner Betrachtung aber dann doch schnell wieder den Weg zum nächsten Kleidertausch finden!

Nachdem an diesem Freitag alle Anwesenden schon mindestens einmal zum Tauschen, Quatschen und fröhlichen Beisammensein da waren, ging es, sobald dann endlich alle da waren (!), schnell los und Reih um. In der Mitte wieder das legendäre Überbleibsel-Tuch im wilden Tigerprint … sozusagen als Reminiszenz an das British Empire, das einmal bis weit nach Indien und Afrika reichte!

Nachdem es dieses Mal aber recht lange dauerte, bis alle Sessel belegt waren, musste die Wartezeit irgendwie überbrückt werden. Da kam eine jüngst ausgestrahlte Doku über Fluch und Segen gespendeter Kleidung gerade gelegen, die zu einer ernst-kritischen Diskussion führte: dass x-Hektoliter Wasser für die Produktion eines Stück Baumwoll-Shirts benötigt werden; dass in Afrika stinkende Kleidermüllberge aufsteigen, bestückt aus unseren europäischen Textil-Sammel-Containern; dass alles nur mehr verbrannt werden kann, weil in so schlechter Qualität bzw. in so schlechtem Zustand, dass es zum Weitertragen nicht mehr taugt. – Das saß!!!

Aber alle, die wir hier zusammensaßen, sind auch Teil dieser Wegwerf-Gesellschaft! Wir zögern zwar den Wegwerf-Kreislauf etwas hinaus, weil wir unseren nicht mehr so gerne getragenen Ex-Lieblingen zumindest noch eine weitere Chance geben (beim Tauschen war dieses Mal auch eine Jacke dabei, die ich sicher vor der Pandemie vorbeigebracht hatte, also ging dieses Teil schon ein paar Mal von Hand zu Hand!), aber Fakt ist doch, dass gerade wir Frauen immer wieder mal auch gerne auf Beutesuche gehen, um ein gerade top angesagtes neues Teil zu kaufen. Ich gebe es offen zu, dass ich mir gerne etwas Neues kaufe. Ich folge zwar nicht mehr jedem Modetrend, sei es, was den Schnitt betrifft oder die Farbtöne, aber ich stöbere gerne in einer Boutique oder auch auf Zalando, aber ich lasse mir mittlerweile bei meiner Kaufentscheidung bewusst Zeit, schlafe schon mal eine Nacht drüber und entscheide mich erst dann für oder gegen. Ich habe schon sehr oft eine Boutique mit dem Satz verlassen: „Das muss ich mir noch überlegen!“ oder „Ich muss erst schauen, womit / wie ich das Teil kombinieren kann!“ Und beim Online-Shoppen befülle ich immer zuerst die „Wunsch-/Merkliste“ und lasse die gekennzeichneten Teile oft tage-/wochenlang dort schmoren. Oft lösche ich etwas wieder, oft ist dann etwas auch ausverkauft – und zuweilen schlage ich zu!

Wie die meisten wahrscheinlich schon wissen, bin ich beim Kleidertausch meistens mehr auf dem Beobachtungsposten. So ist es mir dieses Mal – im Vergleich zum letzten Mal – aufgefallen, dass insbesondere diejenigen, die ihren Farbtyp eigentlich kennen und/oder auch schon die eine/andere Stilberatung genossen haben, zuweilen ein wenig gierig „Ich“ oder „Tanzkarte“ in den Raum schrien. Da dachte ich mir doch zuweilen: „Lady, das ist doch so gar nicht Deins!“

Aber vielleicht war das auch nur der Suche nach dem (schnellen) Moment des Glücks geschuldet, denn so, wie ein Stück Schokolade, das man langsam und bedachtsam auf der Zunge schmelzen lässt, herrliche Glückshormone zu wecken vermag, so zaubert auch der kurze Triumph, im Wettstreit die Schnellere gewesen zu sein, ein Lächeln auf die Lippen. Und verpufft der Glücksmoment dann in der Pause bei der Anprobe vor dem Spiegel, kommt das erbeutete Kleidungsstück halt auf den Wühlberg.

Ich habe mir die Mühe gemacht und nach dem Ende der Tauscherei und des Nachstöberns den Wühlberg zu sortieren, die Kleidungsstücke zusammenzulegen und in Papiersäcke zu verstauen. Und ja – es waren dann doch sieben (!) prall gefüllte Säcke, die jetzt zu einem gemeinnützigen Verein wandern werden, um dort ein wenig Gutes zu bewirken – ich bin mir sicher, dass die nicht eingetauschten Jacken, Mäntel und Hosen dankbare Abnehmerinnen finden werden. Bei den Krawatten bin ich mir allerdings nicht so sicher!

Ich habe dieses Mal vielleicht keinen eigenen magischen Glücksmoment gehabt, ging ich doch nur mit drei von meinen eigenen Sachen, die niemand haben wollte, wieder nach Hause. Aber mich freut es immer, wenn sich jemand über meine Weggeb-Kleidung freut – und das hoffentlich für mehrere glückliche Augenblicke!

Unterstütze den heimischen Handel – oder doch nicht?

Oh – Unser Wasserkocher hat ein irreparables Leck!

Ein Haushalt ohne Wasserkocher ist aber ein absolutes No Go, braucht man doch ziemlich oft heißes Wasser – für eine Tasse Tee oder wenn man die Nudelwasser-Kochzeit beschleunigen will (hier scheiden sich allerdings die Geister, ob dies ein Energieverschwendungsverbrechen ist oder nicht). Daher geht Warten gar nicht – und weil Samstag ist (gleich Einkaufstag), machten wir uns heute Vormittag bei leichtem Schneegestöber und Matsch auf den Straßen auf den Weg zum „Ich bin doch nicht blöd!“ – „Let´s go!“-Elektrofachmarkt, der mit seinem grellen Rotton und seinen unverschämt verlockenden Angeboten in jeder Werbeschaltung aufscheint und zumindest einmal im Jahr mit zusätzlich unvergleichbaren Super-Angeboten lockt, welche Jung wie auch Alt (und des öfteren auch meinen Bruder – Happy Birthday an dieser Stelle!) am 27.Dezember bereits frühmorgens aus dem Bett holt, wo dann in der Kälte vor den geschlossenen Schiebetüren ausgeharrt wird, um vielleicht doch als Erster das limitierte Superschnäppchen ergattern zu können!

Bodo quetschte also den Smart in eine freie Parklücke hinein, wir quetschten uns in die Einkaufsmall in Wien Mitte, die Stiege rauf und ich dann ziemlich zielorientiert bei den elektrischen Zahnbürsten links abgebogen in Richtung „Alles für den Haushalt“ – Voilá: Abteilung Wasserkocher gefunden! Unsere Erwartungshaltung groß, aber leider die Auswahl sehr ernüchternd :-(. Unser lecker Wasserkocher hat uns ja mindestens 10, wenn nicht sogar mehr Jahre begleitet, hat sich regelmäßig gerne mit Essigkonzentrat verwöhnen lassen, um innen wieder brillant zu glänzen und war einfach robust und von guter Qualität. Aber das, was wir da an Ausstellungsstücken zu sehen bekamen, war ziemlich ernüchternd, nicht nur, was die No-Name-Made-in-China-Produkte betraf, sondern auch gut bekannte Marken, wie – eh schon wissen! Aber kein Teil, das gefiel und uns zusagte! Bodo natürlich gleich auf www.amazon wegen Alternativen nachgeschaut, ich ging die Reihe nochmals ab – und: da waren mittendrin ein paar verschlossene Kartons mit einem zwar nur 1,2 Liter-Modell, aber in Form und Farbe laut Foto einigermaßen ansprechend. Leider gab es dazu aber kein Ausstellungsstück zum Angreifen, Anschauen, Drehen & Wenden – und auch kein Preisschild. Also packte ich einen der Kartons und ging zum nächstbesten Verkäufer. Der fuchtelte etwas umständlich mit seinem Scangerät herum, um mir den Preis zu verraten. Als ich aber darum bat, den Karton zu öffnen, damit wir uns den Wasserkocher anschauen können (schließlich soll man ja nicht die Katze im Sack kaufen!), meinte er, dass das nicht ginge, denn mit dem Öffnen des Karton käme automatisch der Kauf zustande – Was soll das, bitte? Als sich dann aber auch der Abteilungsleiter ziemlich konsumenten-un-freundlich zeigte mit „Das ist so!“, sah ich aus dem Augenwinkel, wie auf Bodo´s Hals die Adern hervortraten – uih: Explosionsgefahr! Aber nachdem Bodo heute mit frisch geschorenem Kopf lammfromm war, begnügte er sich damit, seinem Unmut mit einem sarkastischen „Dankeschön“ Ausdruck zu verleihen – und damit zogen wir – ohne Wasserkocher natürlich! – von dannen.

Da will man als Amazon- und Zalando-Premium-Kunde (…) EINMAL den heimischen Handel unterstützen, wird man dermaßen vor den Kopf gestoßen! Wir kommen einfach aus dem Kopf-Schütteln nicht heraus!!!

Wien Mitte ist ein kleines Einkaufszentrum – neben dem Schlapp-Laden von gerade eben, gibt es daher auch einen Supermarkt. Laut Flugblatt der Woche sind Brat-Pfannen im Superangebot – und nachdem unsere kleine 24 cm Pfanne schon ziemlich in die Jahre gekommen ist, wollten wir uns eine jungfräulich Neue beschaffen. Und so sollte es sein, dass ich beim Einfach-mal-so-Durchschlendern einen Wasserkocher entdeckte – reißfest verpackt – kein Ausstellungsstück! Aber ein Angestellter gleich anbei beim Einschlichten von Ware. Auf unsere Anfrage hin, ob es denn freundlicherweise möglich wäre, einen Karton für uns zu öffnen, holte der gute Mann wortlos sein Stanley-Messer aus der Tasche und packte für uns den Wasserkocher aus – der passt oder? Schöne Form, gut zu greifen – und: durchsichtig aus Glas mit LED-Beleuchtung! Wir zum Mann: „Den nehmen wir – geben Sie uns einfach den Karton, wir packen den Wasserkocher selbst ein!“ – er darauf zu uns: „Nehmen Sie einen originalverpackten Wasserkocher – den ausgepackten stelle ich als Ausstellungsstück hin!“ – Das nenne ich kundenfreundlich! Großes Lob hier – große Kritik aber ein paar Meter weiter!!!

Aus Ärger wird Freude – Wir werden uns jedenfalls bei jedem Wasser-Heißmachen nun nicht nur an der blauen LED-Lichtershow und an den aufsteigenden Wasserbläschen erfreuen, sondern auch gerne an diesen freundlichen Supermarkt-Angestellten zurückdenken!

Gut Ding braucht Weile

Wer sich vielleicht fragt, was über die Pandemie hinweg mit den beiden Wandergierigen geschehen ist oder möglicherweise sogar in tiefer Sorge ist, ob die beiden gar die Lust am Gehen verloren haben, der sei beruhigt: Alles ist gut! Es ist halt leider diversesten Umständen geschuldet, dass der Druck der limited Edition zu unserem (14.) Tagebuch aus 2022 erst jetzt Anfang 2023 in Auftrag gegeben werden konnte.

Aber ja: so manch Gutes muss gegebenenfalls etwas länger reifen, um dann eine ganz spezielle Note zu bekommen!

Und unsere Wanderung 2022 war auch etwas Spezielles, weil kein klassischer Pilgerweg, weil ein Rundumadum-Weg, weil kürzer in der Distanz und weil auch vergleichsweise etwas anstrengend.

Es hat uns aber wie immer sehr viel Freude bereitet, die Rucksäcke zu schultern, zu schwitzen, zu staunen und Dankbarkeit zu fühlen.

Und es hat Spaß gemacht, unsere Eindrücke in Text und Bild festzuhalten, um Dich / Euch daran teilhaben zu lassen! Daher steht für alle, die leider nicht in den Genuss eines gebundenen Exemplars kommen, der unten stehende Link zum freien Öffnen zur Verfügung …

https://www.brinkmann.at/slow-geh-nien_in_slowenien.pdf

Wir wünschen viel Vergnügen beim Schauen und Lesen!

Verzeiht den einen oder anderen Tippfehler, der sich trotz mehrfacher Korrekturlesung eingeschlichen haben mag!

Und wir freuen uns auch über Dein / Euer Feedback oder einen Kommentar!

 

Befindlichkeiten

Stimmt – ich war jetzt eine ganze lange Weile stumm und bin mit meinen Gedanken lieber allein geblieben. Muss manchmal wohl so sein! Ich habe selten Vorsätze, weil Schokolade und Prosecco einfach zum Leben gehören und ich mich nicht gerade als Bewegungsmuffel bezeichnen möchte – fragt doch einfach den Schweinehund, den ich 5x in der Woche um halb sechs Uhr morgens in die Laufschuhe stecke – und das nicht, um sich vor dem Spiegel bewundern zu können, nein, um (fast) jedem Wetter zum Trotz ein paar Kilometer zu laufen oder zu gehen. Aber vielleicht sollte ich nun doch wieder regelmäßig mein Gedanken-Wirrwarr in geschriebene Worte fassen, bevor mein kleiner Kopf zerplatzt!

Ich habe wenig geschrieben in den letzten Monaten.

Ich war aber auch schon über ein halbes Jahr nicht mehr bei einer Kleidertausch-Party. Ich möchte jetzt wahrlich nicht den Anschein erwecken, dass ich mir keine Klamotten mehr kaufe – DAS nun wohl gar nicht – denn egal, ob frustig oder lustig: ich kann einfach nicht widerstehen, wenn das etwas „andere“ Kleid, oder die etwas „originelleren“ Schuhe mich anflehen, mich ihrer anzunehmen!

Aber um das für alle so unmäßig turbulente Jahr 2022 zumindest im Kleiderschrank geordnet zu beenden, bot sich Mitte Dezember noch eine Chance, sich mit anderen Frauen auszutauschen.

Unter dem Motto „très chiq“ trudelten an diesem winterlichen Freitag nach und nach wieder rund 20 Frauen ein – jede für sich eine Lady, eine Queen – jede für sich mit vielleicht individueller Intention, aber alle zusammen mit dem Vorsatz, sich für 3 Stunden gut zu unterhalten.

Die Vibrationen im Raum wie immer gut zu spüren, die kleinen Gespräche, das bloße Schauen und Warten auf den spannungslösenden Start – und doch waren da auch andere Vibes, die meine Aura umspülten:

Zum einen die neue Location: nicht mehr in der Wohnung in einer ruhigen Stadtrand-Gasse mit Ausblick in den unverbauten Sonnenuntergang, sondern in einer Praxisgemeinschaft in einem der dichten-engen Innenstadtbezirken. Alles in allem nachhaltig, denn die langjährige Tausch-Oase wird nun vom Töchterlein bewohnt und der annähernd quadratische Praxisraum bleibt nun außerhalb der Praxiszeiten nicht verwaist. Doch es ist halt nicht die „eigene“ Umgebung, in der unsere flott-inspirierende „Party-Mummy-Queen“ schalten und walten kann, wie sie will – sie ist als Untermieterin von den Timeslots abhängig, finden hier ja nicht nur der Kleidertausch, sondern auch die persönlichen Stil- und Farbberatungen statt.

Ziemlich frontal wurde ich mit den Sorgen und Ängsten einer dynamischen Einzelunternehmerin konfrontiert, für die die vergangen drei (!!!!!!) Jahre eine mächtig nervenbelastende Herausforderung darstellten. Und gerade dann, wenn man seinen Job – nein: seine Berufung! – so gerne macht!

Jedes Vanillekipferl muss mit Staubzucker bestäubt werden, um als Vanillekipferl bestätigt zu werden.

Doch wenn sich dann über eine eh schon leicht angegriffene Seele auch noch Befindlichkeiten wie eine klebrige Masse drübergießen, dann … dann muss das auch mal ausgesprochen werden: So geht das nicht!

Was geht nicht?

Sich anmelden, sich abmelden, sich dann doch wieder anmelden wollen, dann aber kurzfristig doch nicht kommen können – Ja oder Nein? Will ich zum geselligen Kleidertausch? Dann werde ich auch teilnehmen – ausgenommen, der Schnupfen sitzt zu tief in der Nase, der Schnee erdrückt Wien, das vielfach angedrohte Blackout ist nun doch real geworden, weil es am festlich beleuchteten Rathausplatz einen Kurzschluss gegeben hat.

Es kann einfach nicht alles wie selbstverständlich den eigenen Befindlichkeiten, wie gravierend sie sein mögen oder nicht, untergeordnet werden!

Diese Kleidertauscherei ist vielleicht kein Staatsbankett und kein Konzert, das von langer Hand vorbereitet werden muss, aber es steckt trotz allem organisatorisches Engagement drin: die Anmeldungen erfassen und nachhalten, das Setting vorbereiten – und schließlich kommen die Prosecco-Flaschen auch nicht von alleine in den zweiten Stock hinauf! Aber wenn dann zwei Stunden vor Beginn die Meldung kommt: „Du, ich kann jetzt doch nicht kommen!“ – dann steigt verständlicherweise die Galle ziemlich hoch – blöd nur, wenn dann die, die ja verlässlich und in freudiger Erwartung mit ihren prall gefüllten Koffern und Taschen antanzen, vom Frust ordentlich etwas abgekommen.

Ich fand es jedenfalls cool, dass uns unsere „Party-Mummy-Queen“ noch vor dem eigentlichen Beginn sich ihren Ärger von der Seele geredet hat und auch darüber abstimmen ließ, ob es vielleicht sinnvoller wäre, das Kleidertausch-Intervall auf 6 oder 8 Wochen auszudehnen – wurde von den Stammgäst:innen kategorisch abgelehnt – was wiederum zeigt, wie wichtig dieser kurzweilige Freitag-Abend für die meisten ist.

Ich bin vielleicht kein Stammgast, aber ich freue mich auch jedes Mal auf diesen „anderen“ Freitagabend.
Aber was ich selbstkritisch mitgenommen habe ist, dass ich in Zukunft diverse (private) Outlook-Termine nicht mehr so leichtfertig mit „Vorbehalt“ zusage, sondern auch mir gegenüber ehrlicher bin und erforsche, ob mir der Termin wichtig ist oder ob ich „eh“ schon weiß und spüre, dass ich nicht hingehen will / werde. Vielleicht ist die/der eine oder andere dann beleidigt, andererseits aber weiß die-/derjenige dann auch Bescheid.

Ich weiß jedenfalls, dass ich meine Teilnahme am Kleidertausch primär davon abhängig mache, ob ich auch etwas zum Tauschen mitbringen kann – und wenn der Stapel dann ein schönes Volumen erreicht hat, freue ich mich, wenn ich an dem „einen“ Freitagabend dann auch sicher kann – und wenn es an dem einen Freitag nicht klappt, gibt es ja zum Glück in vier Wochen schon wieder die nächste Gelegenheit!

Befindlichkeiten können getrost auch mal ein wenig zurückstecken!