Neulich – sprich am letzten Tag des kürzesten Monats – waren wir mit Freunden im Kabarett. Irgendwann muss man ja lachen, und wenn man dafür Eintritt zahlen muss. Der „Tatort“, ein Etablissement im tiefen Hernals, in der Kulisse. Geschickt gemacht: freie Sitzplatzauswahl, keine Reservierungen, dafür aber gute Wiener Küche. Kein Wunder also, dass ca. 200 lachgierige Wiener und „Zuagraste“ sich schon um 18 Uhr vor den geschlossenen Toren einfinden, um einen guten – den besten? – Sitzplatz zu ergattern. Wir wähnen uns ganz vorne seitlich als gut aufgehoben und schieben uns eng gedrängt an einen Tisch, wo noch gut 6-8 weitere Gäste Platz nehmen werden, um sich mit Wiener Schnitzel, Linsengemüse und einem großen Gupf Maronipüree (mit einem noch größeren Gupf Schlagobers) den Bauch vollzuschlagen. Lacht es sich dann besser als mit leerem Bauch? Wir vier in unserem Eck gestalten die 2 Stunden bis zum Beginn der Vorstellung als eigene Lachshow. Aber irgendwann so gegen halb 8 gehen uns die Schmähs aus, und wir warten voller Ungeduld auf den jungen Kabarett-Neuling aus der Weststeiermark, gut aussehend, Gitarre und Singstimme als Markenzeichen, die Aussprache so, dass die mittleren Plätze knapp vor der Bühne nicht unbedingt als die besten zu bewerten sind.
90 Minuten lang werden unsere Lachmuskeln trainiert. Im Nachgang reflektieren wir die zum Teil bissigen Pointen zu Themen Familie, Liebeskiste, Politik. Das Paradoxe ist ja, dass man im Kabarett über Dinge lacht, über die man im IRL (in real life) eigentlich nie und nimmer lachen würde. Ein Kabarettist verfälscht die Wahrheiten des täglichen Allerleis so arg, dass der Betrachter hierbei wohl seine Mitmenschen veräppelt sieht, aber nie drauf kommen würde, dass er da selbst eigentlich auf die Schaufel genommen wird. Kabarett hat eine sehr lange Tradition und ist aus dem Wunsch entstanden, sich über Missstände im Kaiser-/Königreich äußern zu können, ohne dabei Angst haben zu müssen, wegen scharf gemeinter Äußerungen aufs Schafott zu wandern. Denn Kaiser, Könige, Politiker sind die letzten, die kapieren, dass man über sie lacht. Und weil wir gerade im Endspurt der Faschingssaison sind: in diversen Faschingssitzungen, egal, ob in Villach oder Mainz, wird doch all das pointiert zur Sprache gebracht, was das Jahr über den normalen Staatsbürger auf- und erregt hat – und man lacht, obwohl man´s eigentlich zum Weinen finden müsste. Spricht man deshalb von: ich habe Tränen gelacht? Liegen Humor und Freude so nahe neben Frust und Leid?
Ist es aber nicht auch schön, wenn man über sich selbst lachen kann? Wenn man sein eigenes Kabarett zelebriert und sich die eigenen Schwächen durch einen verzogenen Spiegel anschaut? Wird man draus was lernen und ändern? Oder wird daraus ein eigenes Markenzeichen?
Ich glaube, ich mache mich ab & dann selbst gerne zur Lachfigur – und wenn es nur meine elastische Haut ist, die sich gerne zu Grimassen verformen lässt.