Unschuldsweiß an frechen Füßen

Ich hätte mir nie, nie, NIE gedacht, dass ich 1) auf Sneakers im Allgemeinen und 2) auf die Farbe Weiß an den Füßen im Speziellen stehe! Aber es führt offenbar kein Weg daran vorbei. Und bis auf Begräbnisse, Ballveranstaltungen oder Pilgerwanderungen kann mann/frau diese bequemen Treter eigentlich zu jedem Anlass, zu jeder Aktivität, zu jedem Outfit tragen. Mit ein Grund, warum meine im Vorjahr bei einer Fashion Flash-Party günstig erworbenen hellen Treter aus Velour-Leder mit Seitenmasche mittlerweile schon etwas mitgenommen ausschauen – kein Wunder, halten sich die kühlen Temperaturen doch so hartnäckig, dass es für Sandalen einfach noch zu kalt ist und ich daher doch lieber zu geschlossenem Schuhwerk greife (Söckchen inklusive, um die Schweißbildung zu reduzieren).

Also Zeit für ein neues reines Weiß? Ja, Zeit für ein neues unschuldig-reines Weiß für meine frechen Füßchen!

Um die Qual der Wahl bei der Auswahl möglichst brutal zu gestalten, loggte ich mich daher (wieder einmal) in einen der beliebtesten Online-Shops auf Erden ein – und was soll ich sagen: die Auswahl an dick-sohligen, der Sportmode nachempfundenen Schuhe in der eigentlich gänzlich unpraktischen Farbe Weiß … ist riiiiiesig! Mit zusammengekniffenen Augen und Brillengestell auf der Nase versuchte ich, die einzelnen angebotenen Modelle näher unter die Lupe zu nehmen – ein schwieriges Unterfangen, denn … hat der Fotograf nicht kapiert, dass ein weißer Schuh vor weißem Hintergrund quasi unsichtbar wird? Kein Wunder, dass sich auf meiner Merkliste alsbald über 40 verschieden-ähnliche Modelle an weißen Sneakers mit dicker Sohle etwas ratlos einfanden. Zwar alle ähnlich, zwar alle weiß, aber mit Preisspannweiten von € 40,- bis über € 200,-!

Was mir immer hilft, um schlussendlich zu einer Bestellung zu kommen, ist, die Merkliste ein paar Tage unbeachtet zu lassen. Danach schaffe ich es eigentlich immer, mit einem objektiveren Blick an meine Bedürfnisdeckung heran zu gehen. Und tatsächlich, wurden aus den ursprünglich über 40 Paar Schuhen in relativ kurzer Zeit „nur“ mehr knapp zwanzig. Und nach ein paar kurzen weiteren Tagen, reduzierte sich die Anzahl ein weiteres Mal, einfach aus dem Grund, dass das eine oder andere Modell zwischenzeitlich von anderen Girls und Ladies aufgekauft wurde und mir dann nur übrig bleibt, blöd-entgeistert durch die Finger zu schauen! Grundsätzlich ärgere ich mich dabei dann nur über mich selbst und über meine Unentschlossenheit – leid hat es mir dieses Mal nur um die weißen Converse Chucks mit gelöchertem Textil getan, die nun nicht mehr aufzutreiben sind.

In den Bestellkorb gelangten dann schlussendlich – nach mehreren Tagen des Überlegens – zwei Paar weiße Sneaker in Größe 41 … das eine Paar sitzt perfekt und lässt meinen großen Zehen genug Spiel, das andere Paar muss leider zurück, weil mein Fuß darin Klaustrophobie bekommt!

Was ich bei schwarzen Schuhen schon längst erkannt habe, muss ich jetzt aber erst bei der Konträr-Farbe lernen: nicht jeder Sneaker ist gleich, nicht jedes Weiß passt zu meinem Fuß … und viel schlimmer als bei schwarzen Schuhen drängt sich die Frage auf: Wie schafft man es, dieses unschuldige Reinweiß möglichst lange so unbefleckt zu bewahren? Denn die Straßen dieser Stadt sind gefährlich, überall lauert das Dunkel, lauern Schmutz und Dreck und haben es unbarmherzig auf meine weißen Sneakers abgesehen!

108 Sonnengrüße

Ich glaube, auch Nicht-Yogis sind die Sonnengrüße ein Begriff. Nein, es handelt sich nicht um leichtes Winken mit der Hand, sondern um eine Abfolge von Bewegungen, die mit der Ein- und Ausatmung einhergehen und den Körper optimal auf yogische Betriebstemperatur bringen. In der von mir bevorzugten Ashtanga-Praxis sind die Sonnengrüße vielleicht noch ein bisschen dynamischer als in anderen, ruhigeren Yogaarten. In meinem Yogaunterricht muss ich immer wieder erkennen, dass einige Praktizierende im tiefen Liegestütz und im abschauenden Hund an ihre Grenzen kommen, wenn Rumpf- und Armmuskulatur bzw. die Handgelenke zu schwach sind.

Sonnengrüße sind im Yoga einfach essentiell!

Sonnengrüße können routinemäßig abgespult oder wunderschön zelebriert werden. Im Grundkurs wird die Abfolge gerne seziert und schlussendlich wieder zum großen Ganzen zusammengesetzt.

Und dann gibt es die Besonderheit der „108 Sonnengrüße“, die gerne dann praktiziert wird, wenn ein Energiewechsel stattfindet, zum Beispiel zum Jahresanfang oder zur Sommersonnenwende!

Warum gerade 108? Ich habe dazu ein bisschen recherchiert, zumal in dem „Workshop“, den ich vor kurzem besucht habe, darüber leider kein einziges Wort gefallen ist:

• Die Zahl 108 gilt im Yoga, sowie in verschiedenen Traditionen auf der ganzen Welt, als heilig, ist eine glücksverheißende und eine bedeutende spirituelle Zahl.
• Sie repräsentiert die Gesamtheit der Existenz.
• Die Zahl 108 ist eine kosmische Ordnungszahl, die sich wie folgt zusammensetzt:
o 12 – die Anzahl der Monate im Jahr
o 3 x 12 = 36 – die 3 steht für die 3 Dimensionen in unserem Leben
o 3 x 36 = 108 – diese 3 steht für Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft
o Die Zahl 9: die Zahl der Weisheit – sie steht für die höchste Vollendung: 1 + 0 + 8 = 9
o Jedes ganze Teilergebnis der Zahl 108 ergibt addiert die Zahl 9 (108 / 3 = 36 → 3 + 6 = 9).

• 1, 0 und 8: Einige sagen, dass die „1“ für Gott bzw. die höhere Wahrheit steht, „0“ für Leere und Vollständigkeit in der spirituellen Praxis und „8“ für Unendlichkeit und Ewigkeit.
• Insgesamt laufen 108 Energielinien im Körper zusammen, um das Herz-Chakra zu bilden.
• Im Ayurveda werden 108 Druckpunkte beschrieben.
• In der Astrologie gibt es 12 Tierkreiszeichen und 9 Planeten. 12 x 9 = 108.
• … und noch viele andere Auslegungen!

Mit diesem Google-Wissen im Kopf und großer Erwartung in den Fingerspitzen machte ich mich also in aller Früh auf den Weg in ein mir unbekanntes Yogastudio irgendwo im 8. Bezirk, nahe am stark befahrenen Gürtel. Leider hatten sich nur vier Yoginae für den 2-Stunden-Workshop angemeldet. Tatsächlich waren wir dann nur zu dritt.

Der Yoga-Raum im Erdgeschoss, zwei Straßenfronten, große Kälte-abstrahlende Glasfronten, …

nur ein (sichtbarer) Heizkörper!

Ich friere selten, aber da musste ich mir doch schnell meine löchrigen Socken und meinen Kuschel-Schal aus der Garderobe holen!

Unsere Yoga-Lehrerin – freundlich-aufgedreht – startete mit einer kurzen Herz-Meditation (weil das Workshop-Datum nahe am Valentinstag war) und einer kleinen Atemübung.

Und mir wurde immer kälter!

Nur eine knapp gehaltene Anleitung, dass die Sonnengrüße in einer steten Aneinanderreihung ohne Pause, einer Perlenschnur gleich, durchgeführt werden. Eine Yogina entschied sich für die Intervall-Variante, sprich im Wechsel 10 Sonnengrüße mitmachen bzw. 10 Sonnengrüße aussetzen.

Für mich kein Thema – bin ich doch extra hergekommen, um zu spüren und zu erfahren, wie sich 108 Sonnengrüße anfühlen!

Völlig unerwartet aber und daher äußerst befremdlich für mich – und auch die beiden anderen – war aber die Geschwindigkeit, die uns die Yoga-Lehrerin vorgab! Nichts mit gleichmäßigem Ein- und Ausatmen, von einem regelmäßigen Yoga-Rhythmus keine Rede! Mein Puls fing alsbald zu galoppieren an. In meiner Nase sammelte sich Schleim und ich konnte nur mehr durch den Mund atmen.

108 Sonnengrüße – Meditation in Bewegung! Aber dieses Tempo? Ich hatte ein bisschen das Gefühl, gehetzt und getrieben zu werden. Vielleicht sind 108 Sonnengrüße mehr als Yoga-Workout denn als Yoga-Inspiration zu sehen?

Bei den ersten 10 Sonnengrüßen dachte ich: Das wird eine langwierige Angelegenheit.

Nach den ersten 40 Sonnengrüßen wurde mir endlich warm.

Nach 60 Sonnengrüßen tropfte dann endlich der Schweiß von der Stirn.

Und bald schon hieß es: „Die letzten 8!“

108 Sonnengrüße – und keine Zeit, schweren Gedanken nachzuhängen. Leichte Gedankenblitze drehten sich eigentlich nur um die Frage, mit welchem Bein ich zurück- bzw. wieder nach vorne steigen sollte, um hier nicht zu einseitig zu werden. Ans Mitzählen musste ich zum Glück keinen einzigen Gedanken verlieren – diesen Part erledigte die Yoga-Lehrerin mit Hilfe kleiner Steinen aus Bali.

108 Sonnengrüße – ich bin zwar um eine intensive Erfahrung reicher, aber von den zuvor zugrundeliegenden Attributen, wie glücksverheißend, spirituell, kosmisch etc. etc. war leider gar nichts zu spüren, da dem Workshop eindeutig die entsprechende Inszenierung gefehlt hat.

Die nächste „Chance“ auf 108 inspirierende Grüße an die Sonne bietet sich im Juni zur Sommersonnenwende … mir schweben da schon eigene Ideen im Kopf herum …

zum-xten-mal

Was so klingt wie eine Geist&Seele belebende Arznei der wilden Azteken, ist schlicht und einfach der Titel unseres Reisetagebuches 2018! Zum 10. Mal. Das zehnte Mal. Das eine Mal, das uns wieder einmal gezeigt hat, was alles möglich und unmöglich sein kann, wenn man sich aus dem hektischen Alltag ein wenig herausnimmt, sich zurückzieht, sich auf die wesentlichen Dinge des Lebens besinnt.

Freude, Zweifel, Glücksgefühle, Neugierde, Schmerzen, Dankbarkeit, Unlust, Ängstlichkeit verschmelzen hier zu zweifelhafter Freude, schmerzhafter Dankbarkeit, unlustiger Neugierde, ängstlichen Glücksgefühlen, zu dankbarer Unlust, freudigen Schmerzen, glücklicher Neugierde, ängstlicher Dankbarkeit, zu neugierigem Zweifel, dankbarer Freude, glücklicher Ängstlichkeit, zu unlustigen Schmerzen, zu …

Dieses 10. Mal war wie jedes Mal ein besonderes Mal – weiß man doch von einem Jahr aufs andere nicht, wie es werden wird. Zurückbleiben viele, zahlreiche, unzählbare Erinnerungen – und wenn sie in Vergessenheit geraten sollten, kann man die Tagebücher zur Hand nehmen und nachlesen, wie es war und davon zu träumen beginnen, wie es sein könnte … beim nächsten Mal!

Die Spannung steigt … das Kunstwerk wird enthüllt … hier der Link zum 10. Tagebuch!

Während das Buch hochgeladen wird, kannst du:

  • dir einen Tee / Kaffee / Kakao machen
  • ein paar Kekse naschen
  • aufs Klo gehen
  • drei Sonnengrüße praktizieren
  • dir einen Prosecco, Baileys, AperolSprizz oder … einschenken
  • ein paar Erd- oder Walnüsse knacken
  • die Augenbrauen zurecht zupfen
  • ein paar Weihnachtskarten schreiben
  • dir ein Fußbad herrichten
  • zwanzig Kniebeugen oder zwölf Liegestütze machen
  • deinem Liebsten eine short message schreiben: „Schatz, in den nächsten Stunden bin ich offline!“
  • oder anderes tun, um die Wartezeit mehr oder weniger sinnvoll auszufüllen!

Wo ist jetzt endlich der Link?

Hier ist der Link!

http://www.brinkmann.at/zumxtenmal.pdf

Viel Freude beim Lesen!

Und wie immer an dieser Stelle: Fehler sind menschlich, Tippfehler verzeihlich, Layoutfehler unberechenbar!

 

Und sollte eines der 9 Vorgänger-Bücher abhanden gekommen sein – hier findest Du alle Zehne!

https://www.brinkmann.at/page_1215596238821.html

Die Zehnte im Zeitraffer

# G.Tage: 18
# durchwanderte Regionen: a bisserle Kärnten – Osttirol – Südtriol (deutschsprachig) – Nordtirol – Vorarlberg – Schweizer Kantone Appenzell, St. Gallen und Zürich
# in Bewegung: ca. 130 Stunden
# davon vermummt im Regenschutz: weniger als 10 Stunden
# zusätzliches Tragegewicht am Rücken pro Person: ca. 10 kg
# liegend / schlafend: ca. 180 Stunden
# Schweiß in Liter: übersteigt alle bekannten Messtechniken!!!
# Landschaft: das ganz große Universum-Spektakel!!!
# Fotos: ca. 1.000 (vor der Auslese)
# Tagebuchseiten: … das wird ein dickes Buch!
# Verluste: 1 Lesebrille, 1 Haarband / Buff
# kaputt: 1 Sonnenbrille, 3 Paar Baumwollsocken, 2 Unterhosen, 1 Merino-Outdoor-Shirt sowie mehrere Reißverschlüsse an den Rucksäcken
# Verletzungen: 1 Platzwunde am Schienbein, Kratzer an den Beinen, 1 sonnenverbrannte Schulter
# Ungeziefer: 1 Zecke
# Unterkünfte: von Luxus-Suite bis hin zum Souterrain-Kammerl und Klo am Gang
# Speis & Trank: nicht nur Haubenköche zaubern Leckeres auf den Teller!

# Resümee: EINFACH GENIAL!!! Kommt in der Beliebtheitsskala mit Sicherheit unter die ersten Fünf!

… mehr verrate ich derzeit noch nicht!
Also noch ein bisschen Geduld, bis unser Reise-Tagebuch fertig ist!

Was geht ab im Loft?

Der Comic-Held „Herr Rossi“ sucht vielleicht das Glück. Uns hat ein echter Herr Rossi neues Glück in unser Mini-Loft gebracht!

Nach einer intensiven Woche mit viel Holz- und Farb-Staub für das Handwerkerteam „Christoph & Bodo“ und einem noch intensiveren Putz- und Räum-Kommando für mich am Sonntag, der ein Muttertag war, sieht die Wohnung ähnlich frisch aus wie bei unserem Einzug vor einer kleinen Ewigkeit.

Für die Ewigkeit gedacht sind auch die „Erinnerungsfotos“, die Bodo geschickterweise in eine 360°-Panorama-Tour verpackt hat.

Für die kleine Ewigkeit des momentanen Augenblicks daher hier der Link zur kleinen Foto-Schau:

https://panotour360.at/privat/

Anleitung: einfach irgendwo ins Start-Bild hineinklicken und mit der Mouse (oder am Tablet mit dem „Wisch-Finger“) das Foto „weiterdrehen“; mit dem „Pfeil“-Symbol kommt man aufs nächste Bild; das Symbol mit der „Sprechblase“ beinhaltet kleine Kommentare von Bodo, der die ganze Zeit ja live dabei war!

Ich drehe mich auch gerne ohne Panorama-Kamera in der Wohnung um die eigene Achse herum und freue mich über die wieder gewonnene Helligkeit, die die Wände nun ausstrahlen und das gleichmäßige Bild des Holzbodens – es ist eine Freude! Allein dem Swiffer ist der „neue“ Boden noch ein bisschen suspekt, denn ohne den sich über die Jahre gebildeten feinen Fett-Staub-Dreck-Schmier rutscht es sich etwas bockig. Also wird der Dyson-Sauger öfters spazieren fahren dürfen!

Und: zu meiner weniger großen Freude hat eine mittelgroße zarte Sprint-Spinne daran Gefallen gefunden, über die weißen Wände zu turnen. Obwohl sie schon einmal auf der Terrasse gelandet ist – Bodo, der „Spinnenflüsterer“, hat mich gerettet -, hat sie über ein offenes Dachflächenfenster wieder den Weg nach drinnen gefunden und versteckt sich jetzt irgendwo – wo nur?

Gozo und die 50 – eine Reise ins Ich

Jetzt ist es vor einigen Tagen doch passiert – und gefühlt habe ich: Nichts! Wie auch, war ich doch wegen der Entdeckung eins Neulandes so abgelenkt, dass ich gar keine Zeit hatte, mich über lästiges Zahlenwerk aufzuregen oder in Depressionen zu versinken.

Aber lasst mich die Tage schnell zurückspulen und die letzte Woche des 2016er Jahres langsam als wunderbaren Film von Anfang an abspielen:

Mein „magischer“ Tag beginnt sehr zeitig um 4 Uhr morgens mit einer mächtig langen Anreise, die Bodo und mich per Bahn, Flugzeug, Bus und Fähre auf die kleine maltesische Insel Gozo im Mittelmeer führt. Es ist bereits Nachmittag, als wir mit fröhlichem Sonnenschein und leichtem Wind begrüßt werden. Der Geburtstagsprosecco wird daher auch mutig im Freien in der kleinen Hafenbucht geschlürft. Die Lektüre des Reiseführers lässt uns staunen, lernen wir erst jetzt, dass die Hauptsprache der Insel Malti ist, ein Mischmasch aus afrikanischen und arabischen Wortklaubereien, die sich auch in jedem Orts- und Stadtnamen wiederfinden. Das Alphabet zählt 29 Buchstaben, zum Teil mit Pünktchen und Querstrichen verziert, dafür fehlt zumindest ein Buchstabe aus unserem lateinischen ABC. 97% der Malteser sind Christen und sagen zu Gott trotzdem Allah. Und um sich einen guten Tag zu wünschen, wird aus dem Französischen kurz mal ausgeborgt: [bondschu:]. Englisch dient wohl nur dazu, sich mit den vielen Touristen verständigen zu können. Geschichtliche Wurzeln gehen zurück bis in die Steinzeit –

und Steine, die gibt es mehr als genug!

Voll Neugier machen wir uns nach einer ausgeschlafenen Nacht und einem umfangreichen Frühstück, das wir auf der Hotelterrasse genießen, auf die erste Tour rund um einen Leuchtturm. Bodo ist schwer bepackt mit Fotoapparat, dem einen und anderen und weiteren Objektiv und einem Stativ. Meine tragende Rolle beschränkt sich auf Mineralwasser, Regenjacken und die beiden dicken Reiseführer. Schon bald dürfen wir die ersten Fels- und Küstenformationen begehen / bestaunen / begreifen. Der Stein ist korallenartig zerfurcht und wirkt sehr stabil, sodass auch überhängende Felsen erklimmt werden können. An flachen Stellen sind kleine Salinenfelder angelegt. Die „Ernte“ findet zwischen Mai und September statt. Wäschewaschen in den seichten Salzlaken ist verboten. Es kommt zu den ersten Fotos meiner Spontan-Yoga-Postures. Hie und da fegt eine heftige Windböe heran. Meine einbeinige Baum-Asana kommt da ordentlich ins Schwanken – aber neigt sich nicht auch ein verwurzelter Baum im Wind zur Seite? Diese Fotos wandern allerdings ins Privatarchiv, denn in Jeans, Turnschuhen und dem kleinen Rucksack am Buckel sieht mein Baum eher wie ein krummer Busch aus!

Der Leuchtturm im Landesinneren steht erhaben auf einem Hügel, umgeben von grün bewachsenen terrassenförmigen Geländeformationen, immer wieder von Steinmauern in unterschiedlich große Teilstücke zerlegt. Die Besitzverhältnisse dürften hier offensichtlich der reinen Willkür unterliegen.

Der Wind bläst ohne Unterlass, die Sonnenstrahlen verlieren dadurch zwar an Wärme, aber noch finden wir es in kurzen Ärmeln ganz angenehm.

Wir verlassen zwischendurch die Küste und kommen durch kleine Ortschaften. Die Architektur der sandhellen Häuser mutet wie die Einheimischen-Sprache eher arabisch-nordafrikanisch an. Immer wieder weihnachtlicher Kitsch in den Fenstern zur Straße, aber natürlich keine Christbäume, wachsen hier auf der Insel doch so gut wie gar keine Bäume und schon gar keine Tannen / Fichten. Architektonische Leckerbissen können wir leider nicht ausfindig machen. Mächtig hingegen sind die Kirchenbauten, die von der Ferne wie jahrhundertealte Kathedralen / Dome / Basiliken wirken, jedoch meistens erst ein paar Jahrzehnte alt sind. In einer Wallfahrtskirche lassen wir uns dankbar auf einer Kirchenbank nieder. Es ist bereits Nachmittag. Wir haben bislang keine Pause gemacht bzw. auch keine Rast einlegen wollen, weil die Augen immer mehr vom Meer sehen wollten. Doch jetzt melden sich die Füße zu Wort!

Unsere erste Wandertour ist erst zu Ende, als die Sonne kurz vor 17 Uhr untergeht und die Dämmerung uns schneller gehen lässt. Die Beine schlurfen, der Körper schlottert nun vor Kälte – schnell in die Jacke geschlüpft! Im Hotel gönnen wir uns nach einer heißen Dusche unter der Regenbrause ein ausgiebiges Powernapping, bevor wir uns dann zur Nahrungsaufnahme machen. So verschlafen die kleine Hafenstadt Marsalforn auch sein mag, die Restaurants haben fast alle geöffnet und sind gut besucht. Wir bleiben die ganze Woche der italienischen Küche treu und schmausen vorwiegend Pasta und Ravioli.

Der zweite Tag beginnt wieder sonnig und sehr windig und nicht weniger abenteuerlich. Auf engen Trampelpfaden, die nicht immer zu erkennen sind, steigen wir hinter dem Ort auf einen bewachsenen Hügel hinauf und immer weiter in Richtung zur Calypso-Höhle und zur Ramla-Bay mit Sandstrand. Wir verlieren unterwegs aber den direkten Weg und müssen ein bisschen improvisieren. Die Höhle ist eher enttäuschend, weil man nur in einen engen Spalt hinunterschauen darf. Am Strand bin ich anfangs noch unschlüssig: soll ich rein ins Wasser ja/nein? Wir streicheln eine gut genährte zutrauliche Katze. Ihr zufriedenes Schnurren gibt mir dann schlussendlich den notwendigen Impuls dazu, doch den Bikini aus dem Rucksack zu holen. Als ich demzufolge dann sommerlich bekleidet durch den Sand laufe, beutelt es mich, so kalt ist der Wind auf der Haut. Der Sand ist hart, der Übergang ins Nasse ist sehr flach, die Wellen kommen rasch näher – und bevor ich noch einen einzigen Gedanken an Irrsinn / Wahnsinn / Unsinn verlieren kann, bin ich auch schon nass! Frisch! Herrlich! Und keinen stört´s! Der Wind trocknet die nasse Haut auch ohne Handtuch, der Sand zwischen den Zehen verkrümelt sich rasch.

Das war´s dann aber auch mit dem Meer von heute. Die Tour führt hinein in die Inselmitte und endet in Victoria / Rabat, der größten Stadt hier. Erbauend sind eigentlich nur die sonnenbeschienenen Stufen vor der Kirche auf der Zitadelle. Ansonsten aber empfinden wir die Stadt als zu betriebsam; zu viel Verkehr. Das bekommen wir dann auch auf der 3-Kilometer-langen Straße zu spüren, die wir bis zu unserem Hotel zurücklegen müssen – absolut kein Spaß, so ohne Gehsteig! Dazu fahren alle Autos auch noch „falsch“, sitzt das Lenkrad hier doch very british auf der rechten Seite.

Ab dann nehmen wir abends immer den Bus – aber der fährt halt leider nur einmal pro Stunde.

So auch am Morgen des dritten Tages. Wir fahren mit dem Bus nach San Lawrenz und wollen von der Dweira Buch mit dem berühmten „Window Azur“ entlang der Südküste bis nach Xlendi (sprich Schlendi) marschieren. Das wird heute ein reicher Fototag! Gleich zu Anfang nähern wir uns auf unerlaubten Wegen dieser Attraktion aus erodiertem Gestein. Wir hanteln uns eine Hügelkuppe hinauf, um dort dann erkennen zu müssen, dass der weitere Weg nicht so einfach ist, weil ein dicht bewachsener Graben zu überwinden ist. Aber wir schaffen das selbstverständlich! Es folgt eine ausgiebige Fotosession, in der ich die Krieger-Asanas und andere Yoga-Posen auf unterschiedlichen Steinbrocken zu halten versuche. Nicht immer gelingt die Kommunikation mit Bodo, der weit von mir entfernt steht, um die richtige Fotoeinstellung zu finden. Und da dauert dann eine Stellung schon mal länger als 5 Atemzüge! Ich posiere teilweise zwar auch barfuß, behalte aber die Jacke an und die Kapuze auf, denn es ist einfach kalt, obwohl die Sonne wie ein Honigpferd vom Himmel herunterstrahlt.

Das macht echt Spaß!

Im Hotel erfahren wir, dass das Window wohl bald Geschichte sein wird – die eigenartige Felsformation droht einzustürzen!

Auch der weitere Weg ist extrem kurzweilig und interessant. Immer wieder Neues zu entdecken. Was mich traurig stimmt und zornig macht, sind die zahlreichen auf den Hügeln verstreuten Steinkuben, die als Jagdunterstand dienen, denn hier im Malteserland ist die Jagd auf Vögel unterschiedlichster Art ein Volkssport! Auch wenn von der EU mittlerweile verboten, zahlt die Regierung lieber Strafen als Wählerstimmen zu verlieren – die Jägerlobby ist enorm, und viele, viele, zum Teil vom Aussterben bedrohte Flügelwesen werden weiterhin abgeschossen. Hin und wieder hören wir auch das Knallen von einer Schrotflinte. Unzählige Schrothülsen verschmutzen nicht nur die Umwelt, sondern bezeugen diese Verbrechen. Wir flehen jeden Vogel, der uns begegnet, an, vom Land hinaus aufs Meer zu fliegen!

Xlendi ist cool, Moby Dick wird unser Stammlokal: Bruschetta, Potatoe Chips und dann mit dem Bus zurück. Die Abfahrtszeiten am Busterminal von Victoria merken wir uns für die kommenden Tage, denn wir haben vor, wieder zu kommen!

Schon Tag Vier! Auf der Nordseite der Insel bauscht der starke Wind das Meer auf. An den Hafenmauern steigt die Gischt empor und hinterlässt außer nassen Gehwegen auch eine Menge an Meeresgemüse. Heute wandern wir vom Fährhafen mit dem arabischen Namen Mgarr (sprich: Imschar) nach Xlendi. Der Wind hier auf der Südseite der Insel ist sehr milde, die Sonne nach morgendlichem Wolkenprotest wieder strahlend, der Himmel einfach himmelblau, das Meer an vielen Stellen sowas von Türkisblau – das haben wir noch nicht gesehen! Ein einsamer Strand mit Felsplatten – uns schon wieder bin ich im Bikini. Allerdings fällt es mir heute ein wenig schwerer, ins Meer zu gehen. Bis zum Bauchnabel ist auch alles gut, aber als das Wasser zur Herzgegend kommt, muss ich schon kurz schlucken. Der Aufenthalt ist daher auch nicht allzu lang. Und außerdem soll Bodo nicht so lange auf mich warten müssen!

Unterwegs plaudern wir kurz mit einem Schotten, einem älteren, aber sehr drahtigen Herrn, der dann allerdings eine Verabredung vorgaukelt (?) und sich auf den Rückweg aufmacht.

Wir wagen uns immer wieder bis an den Rand der Steilküste. Wenn Bodo fotografiert, halte ich ihn fest – ob das im Falle des Falles (im buchstäblichen Sinn!) etwas gebracht hätte, wage ich allerdings zu bezweifeln.

Und dann finden wir „unseren Kraftort“! Halbrund ausgeschliffene überhängende Geländekanten in sanftem Hellgelb, absolut windstill und in einer nachmittäglichen Sonne, die noch immer viel Energie verströmt. Ein Solitär aus festem Gestein, optisch einem herausgerissenen Herzen gleich – das ist die Yoga-Plattform schlechthin! Ich jetzt nur in Top & Tight und Bodo mit einem unermüdlichem Eifer, die Szenarie perfekt einzufangen. Das Lieblingsfoto wird wohl werden: ich im Lotossitz am Rand des Felsens, dem Meer zugewandt – eine innere Ruhe überkommt mich auf einmal, ich spüre, wie ich im Körperzentrum stark und stärker werde – oder bin ich schon kirre im Kopf? Vielleicht ist das jetzt der eine Moment, wo mir die gefürchtete Jahreszahl nichts mehr ausmacht? Beginnt hier und jetzt etwas Neues? Ist das Yoga?

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Etwas durchfroren kommen wir nach Xlendi und gehen nach einer Pause im Moby Dick zu Fuß bis nach Victoria, um wieder warm zu werden. Die Sonne geht auf halber Strecke unter. Als der Bus um 17:30 dann nach Marsalforn abfährt, ist es bereits dunkle Nacht.

Heute Abend trauen wir uns endlich ins „Kartell“. Als complimento werden uns vorweg frischgebackene Weckerln serviert und ein fruchtig-knoblauchiger Artischockenaufstrich. Die beste Pasta ever wird dem Sponsoring von Bodo´s Eltern gewidmet.

Leider meint der Kellner, dass morgen am Silvesterabend alles ausgebucht ist.

Der letzte Wandertag am letzten Tag des Jahres. Wir haben fast die gesamte Insel durchwandert und wollen heute nochmals auf die Südseite, weil es dort einfach schöner – windstiller und sonniger – ist. Wir starten in Xlendi (ohne Zwischenstopp im Moby Dick) und gehen ungefähr die halbe Strecke vom gestrigen Weg, halt nur vom gestrigen Ende beginnend. Das Meer glitzert. Das Jahr freut sich darauf, nach 366 Tagen seinem Nachfolger die Regentschaft zu überlassen. Bei uns macht sich allerdings eine leichte Beinschwere und Wanderfaulheit breit, sodass wir immer wieder kurz an besonders schönen Stellen faul verweilen, um dann wieder zu „unserem Kraftort“ zurückkehren. Dort kuscheln wir uns in das Halbrund des Gesteins und lassen uns von der Sonne verwöhnen. Als Yoga-Stellung fällt mir hier nur Shavasana (die Endentspannung) ein.

Herrlich!

Herrlich auch der Abschlussprosecco im Moby Dick.

Herrlich auch die schnelle Pasta im „Kartell“, bevor die anderen Gäste Anspruch auf ihre Tischreservierungen erheben.

Herrlich auch, dass es auf dieser Seite Gozos zum Jahreswechsel kein Feuerwerk gibt.

Wir sind bereits auf unserem Zimmer, schlürfen einen mäßig guten Proseccofusel, lachen zum wiederholten Male beim „Dinner for one“ und nehmen mit leichter Wehmut Abschied – nicht vom Jahr 2016, nicht vom endgültig verschiedenen 49er, sondern von wunderschönen, harmonischen und aufregenden Tagen auf dieser kleinen bescheidenen Insel im Mittelmeer.

U´re Welcome & Om shanti shanti shanti!

Urlaub 2016 – Tagebuch

Alle Jahre wieder und schon beinahe Tradition! Unser Tagebuch ist online!

Du findest es entweder so:

http://foto.bodo.2bs.at/albums/2016/2016-05_Pilgern_Oesterreich_Tagebuch/Maria-und-Jakob.pdf

oder so:

www.brinkmann.at – Pilgern und Wandern : http://www.brinkmann.at/Maria-und-Jakob.pdf

 

Häh? Maria und Jakob? Ist da jemand leicht „fremd gegangen“? Um die Spannung zu bewahren, habe ich nur einen Tipp: Lesen und Verstehen!

Viel Spass beim Durchblättern, Lesen!

 

Re-Kapitulation

Die ersten drei Wochen am neuen Arbeitsort sind fast vorbei – Zeit für ein Zwischen-Resümee?

Ich bin sehr viel allein – die Kirchenglocken im 15-Minuten-Takt begleiten meine nicht immer fröhlichen Gedanken und halten mich zumindest einigermaßen munter 🙂

Das Arbeitspensum hält sich leider noch in Grenzen – es juckt zwar in den Fingern und auch mein neuer, toller Laptop brummt ganz ungeduldig, ungestüm wie ein Pferd, das endlich zum Galoppieren gebracht werden will.

Ich meide die U-Bahn, wo nur geht, teile die Wegstrecke in Straßenbahn und unterschiedlich weite Fußmärsche auf – und nehme den millimeterdicken Schweißfilm auf meiner Haut in Kauf, der im Geh-Wind nur schwerlich trocknen will.

Meine Augen scannen während meines morgendlichen Spaziergangs durch die City jede Schaufensterauslage und vor allem jedes Preisschild – mit dem erstaunlichen Ergebnis, dass ich sogar im Super-Summer-Sale einigen vielen Verlockungen bislang ohne Reue widerstehen konnte!

Ist die Fußgängerzone morgens noch übersichtlich menschenleer, muss ich abends gegen einen dichten Strom am Zweibeinern ankämpfen, die stockend und stoppend den heißen Odem der City inhalieren und mir die Luft zum Atmen nehmen. Ich versuche mich daher im meditativen Ausblenden dieser erfüllten Bilder und halte vielmehr Ausschau nach freien Lücken, durch die ich mich dann vorwärts schiebe.

Auch wenn dies jetzt noch nicht so berauschend euphorisch klingt, hat der Abnabelungsprozess von meiner alten Büroheimat doch schon begonnen, unterstützt von einem eisgekühlten Zwischenaufenthalt im alten Büro, der nach einem Tag mit Besprechungen einen kratzigen Hals und grippales Unwohlsein zur Folge hatte. Außerdem ist das alte Team mittlerweile auf ein Maß zusammengeschrumpft, das mehr an eine zerstreute Einzelkind-Familie erinnert als an eine wild durchmischte Großfamilie, wo sich jeder abends freundlich eine „Gute Nacht“ wünscht – mit der Ausnahme, dass keiner von uns eine Latzhose trägt und John-Boy oder Jim-Bob heißt.

8 Jahre sind halt eine lange Zeit mit vielen Höhen und Tiefen – das muss erst mal verdaut werden – wenn ich aber so in mich rein höre: mit dem Wiederkäuen dürfte ich nunmehr fertig sein – bereit für frisches neues Futter … Hunger!

LuBo

Und wieder ging eine Ära zu Ende: Carlos ist Vergangenheit –

it´s time for LuBo – unser neues Familienmitglied, das gerne im Freien übernachtet und tagsüber vorbeiziehende Personen beobachtet. Wehe aber dem Hund, der in LuBo einen Baumstamm vermutet! LuBo hat außen 4 Reifen, innen einen, ist klein und geräumig, der Himmel ist auch innen zugegen, wird bei Bedarf zur Rakete, ist nicht ganz perfekt und freut sich auf das eine oder andere Facelifting, hat bereits ein paar Järchen am Buckel und ist zweimal rund um die Erde gekommen und trinkt vorwiegend Diesel.

LuBo ist …. unser Smart!

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Willkommen in unserer Mitte und begleite uns sicher von A nach B und wieder zurück!

Wir Zwei und das Meer

Das ist der Titel unseres diesjährigen Pilger-Wander-Tage- und Bilder-Buches!

Ein Wort hat das andere gejagt.

Jedes Foto wollte an erster Stelle stehen.

Das alles und noch mehr wurde wild und doch systematisch durcheinander geschüttelt – herausgekommen sind viele Seiten mit tollen Eindrücken und dem einen und anderen Abdruck im Sand.

An alle, die leider keine gebundene Ausgabe bekommen können:

nicht traurig sein – mit ein wenig Geduld öffnet sich das Tagebuch mit einem Klick auf diesen Link:

http://www.brinkmann.at/WirZweiunddasMeer.pdf

In diesem Sinne wieder einmal die besten Wünsche an Euch alle!