Pizza am laufenden Band

Jeder, der Pizza mag, hat irgendwo in seiner Umgebung seinen „Lieblingsitaliener“ mit Wurzeln, die oftmals auch bis nach Eurasien und Indien reichen können.

Es gibt die runden Fladen mit dünnem Teig oder mit einem dick-flaumigen Teig, mit wenig Rand oder mit einem breiten trockenen und verbrannten Rand und neuerdings auch mit einem Käse-gefüllten Rand. Es gibt sie mit der traditionellen roten tomatigen Pizzasalsa oder mit einer hellen buttermilchigen Sauce. Damit´s eine Spur pikanter wird, neigen viele Pizzabäcker zum Knoblauch-Öl, nur zögerlich setzt sich feuriges Chili-Öl durch. Der Belag kann üppig sein oder bescheiden. Bei der Pizza-to-go ist sie meistens schon vorgeschnitten, damit man ohne Essbesteck auskommt – nicht aber ohne Serviette! Bei der am Tisch servierten Pizza ist das Zerschneiden sehr stark von der Form und Schärfe des Messers abhängig. Meistens wird gesäbelt auf Teufel-komm-raus – und übrig bleibt ein zerkratzter Teller. Der Durchmesser einer Pizza reicht vom Ausmaß einer mittelgroßen Herdplatte bis zur Größe eines Wagenrads – daher bleibt man entweder hungrig (und bestellt sich noch ein Tiramisu) oder man schafft nur die Hälfte, lässt den Rest entweder stehen ☹ oder lässt ihn sich einpacken.

Ich habe in meiner Pizza-Karriere schon zahlreiche Quattro Formaggi, Vegetariana oder einfach nur Margaritha bestellt. Wer meine letzten Reisetagebücher gelesen hat, weiß, dass Bodo und ich auf unseren Wanderungen – egal, ob in Frankreich oder Italien oder wie zuletzt in der Schweiz, abends sehr oft in einer Pizzeria gelandet sind.

2020 gibt es ja leider aus „speziellen Gründen“ keine Langzeitwanderung – wir waren nur ein paar Tage in Kärnten in einem kleinen engen Tal am Flüsschen Gurk. Aber Hallo: dort können sie Pizza backen! Bodo hat in einer „Speziale“ mit “von allem etwas” inklusive Spiegelei geschwelgt, meine war etwas „bescheidener“, aber nicht weniger köstlich!

Wenige Tage später gab es eine selbstgemachte – der Germ/Hefe-Teig original von Bodo´s Mutter, der Belag von mir – auf Wunsch mit Thunfisch, Zwiebel – und etwas Gorgonzala – sehr lecker!

Dann wieder in Wien – in unserem Grätzl gibt es einige Pizzerien mit überschaubarem Flair und einen reinen Pizza-Lieferservice, der sich vor kurzem in einen Schnitzelwirt verwandelt hat – schon morgens, wenn ich die Straße rauflaufe, sticht mir der Fettgeruch aus der Fritteuse in die Nase …

Man möchte meinen, der Markt bzw. Pizza-Magen ist gesättigt – doch weit gefehlt: einer geht noch! Ein Flyer flatterte ins Haus und hat uns neugierig gemacht, zumal wir nach unserem „Urlaub“ noch keine Zeit zum Kühlschrank-Auffüllen hatten und hungrig waren.

Der Name der Franchise-Kette – angelehnt an ein (chinesisches?) Lege- bzw. Geschicklichkeitsspiel aus rechteckigen Spielsteinen mit unterschiedlich vielen Augen. Die Art des Restaurants typisch amerikanisch Fast Food. ☹

Zu spät! Wir haben gesagt, dass wir´s testen wollen!

Die Bestellung erfolgt vollkommen anonym am Riesen-Tablet – man stellt sich durch Anklicken seine individuelle Pizza zusammen – erfährt aber erst ganz am Ende, wie sich das Aneinanderreihen und Aufschichten von Durchmesser, Teigart und Zutaten auf den Preis auswirkt – und dann ist es eigentlich schon zu spät. Denn wer storniert gerne seine Bestellung, wenn er mindestens fünf Minuten benötigt hat, sie zusammenzustellen? (und vielleicht hinter ihm andere Personen schon ungeduldig warten?) So teuer waren bislang nur die Pizzen in der Schweiz!

Nach der erfolgreichen Bestellung folgt das Warten. Dabei kann man die unterschiedlichen Stadien seiner Bestellung – anhand einer fortlaufenden Nummer und eines Vor- oder Fantasienamens definiert – auf einem Monitor mitverfolgen: in Vorbereitung – im Ofen – Qualitätskontrolle – Fertig zum Abholen.

Wir können nicht erkennen, was hier überhaupt noch von Menschenhand gemacht wird (außer der Ausgabe der Pizzskartons – die Bezahlung erfolgt bereits am Terminal), nehmen aber an, dass die jeweiligen Teige schon fix & fertig auf einem Backteller ausgerollt sind; das Belegen wird wohl hoffentlich von einem der drei mäßig motivierten jungen Männer manuell erledigt. Doch was schmerzt das Herz, als unsere Pizzen auf ein Laufband gelegt werden und in einem Stark-Erhitzer-Backautomaten verschwinden – nix mit Holzofen! Der einzige Vorteil: die Pizza ist rundum gleichmäßig gebacken – kein schwarz verkohlter Rand.

Wir sind mehr als skeptisch – und egal, wie die Pizzen dann gleich tatsächlich schmecken werden: das hier bleibt bei einem Single-Erlebnis – zu unpersönlich, zu maschinell, zu kalt und unfröhlich – vielleicht sind wir aber auch einfach zu alt oder snobistisch für diese Art von Gastronomie!?

“Ganz kleine” Vorurteile begleiten uns auf unserem eiligen Heimweg – die heißen Pizzaschachteln sind sehr aufwändig bedruckt und laden ein, über Facebook einen Kommentar / eine Bewertung abzugeben – ganz sicher nicht mit uns!

Schlussendlich sind wir dann doch überrascht, dass die Pizzen besser schmecken als wir angenommen haben – daher gibt es einen Pluspunkt!

Wir bleiben weiter auf der Suche nach einem Lieblingspizzabäcker  – und bis dorthin genießen wir sommerliche Salate, Eis und Prosecco!