Swapperei – Keiler

Ich war vor kurzem nach längerer Zeit der Abstinenz und Verweigerei doch wieder einmal bei einer Swap Party – der Kleidertauschbörse, wo modische Lieblingsteile ein neues Frauchen bekommen können. Ich habe zwar im letzten Herbst/Winter viel aussortiert und einiges zur Carla (eine Institution der Caritas) gebracht. Aber bei einigen Kleidungsstücken dachte ich mir, dass sie doch besser zu einer Swapperei passen würden.

Mit zehn guten, aber von mir nicht mehr getragenen Teilen im Beutel machte ich mich also sonntags auf die Suche nach dem Tauschlokal. Je nach Veranstalterin findet diese Party immer woanders statt – dieses Mal in einem Kellerlokal in einer neuen Wohnhausanlage, mitten im zweiten Wiener Gemeindebezirk. Unser zugegebenermaßen etwas beschränktes Navi hat uns (Bodo hat mich hingeführt und wollte mich dann nach einer guten Stunde wieder abholen) umständlich im Kreis und schlussendlich ein eine Sackgasse geführt. Gefunden habe ich den Partyort dann aber doch! Ein Blick genügte und ich wusste: Alles beim Alten!

Die Veranstalterinnen, bekannte Gesichter, die sich sonst auf der anderen Seite als Täuschnerinnen tummelten. Einige Gesichter, die mir von vorangegangenen Swap-Veranstaltungen gut in Erinnerung geblieben sind. Und das Angebot an Tauschware? Hat sich leider nicht wirklich verbessert. Fast kam es mir so vor, als ob an den Kleiderstangen die gleichen Hosen, Röcke, T-Shirts, Blusen hingen wie beim letzten Mal. Wird nur das geswapped, was schon mal getauscht worden war?

Eine Stunde Zeit, eigentlich Zeit-Druck, hatte ich, für die abgegebenen zehn Teile doch etwas zu finden, mit dem ich mich identifizieren könnte. Noch sah es aber leider nicht danach aus. Was blieb mir also anderes übrig, als mich wie die anderen Frauen und jungen Mädchen auch, auf die Lauer zu legen, wie eine gierige Löwin, die Beute wittert, sie aber noch nicht ausmachen kann? Im Schleichgang zwischen den Kleiderständern, x-Mal die gleiche Hose angreifend, und immer einen Blick zur Türe in Erwartung von leckerem „Frischfleisch“. Endlich entdeckte ich eine taillierte, hinten länger geschnittene, enge Jacke aus dichtem Wollstoff, mit dezentem Animalprint und trachtenähnlichen Knöpfen. Schnell anprobiert: naja, aber besser als nichts, also erstmal nicht hergeben und weiterhin auf der Lauer bleiben. Die Zeit zerrann schnell. Dann kam ich mit einer gepflegten Dame ins Gespräch, knapp 10 Jahre älter als ich, die mit einer zart-rosafarbenen Strickjacke und Fransen liebäugelte. Ihr Mann am Rand sitzend war nicht so begeistert. Ich machte ihr den Vorschlag, unsere beiden Jacken zu tauschen – was für beide ein Glückstreffer war! So gut: ein Teil für zehn!

Zwischendurch konnte ich beobachten, wohin es meine zehn Teile hin verschlug. Schon eigenartig, dass ein und dasselbe Kleid sowohl mir als auch einer Frau mit gut 20 kg mehr passen sollte? Nun gut, Strick ist geduldig!

Vielleicht dachte sich das die Vorbesitzerin eines extrem kurzen grünen Sommerkleides, als ich mich darin im Spiegel prüfend begutachtete. Die Blicke anderer Frauen signalisierten mir aber: gar nicht mal so schlecht – also: zwei Teile für zehn.

Jetzt hat mich glatt doch noch das Jagdfieber gepackt!

Die Augen in einem schnelleren Hin- und Her-Rhythmus – aller guten Dinge sind doch immer noch drei?

Ein neongelbes Regenblouson signalisierte mir: ich bin Deine Nummer Drei – auch wenn Du mich wahrscheinlich nie tragen wirst. Aber vielleicht gibt es ja den einen besonderen Moment, wo Du mich dann doch aus dem Kasten zerrst!

Einigermaßen zufrieden, aber noch nicht satt, pirschte ich mich wieder an den Check-in-Tisch an und machte bewusst eine zum Ärgern prädestinierte Beobachtung: Es gibt Frauen, die schon mehrere Teile in Händen halten, sich dann aber noch mehr in Blitzesschnelle unter den Nagel reißen, ohne einer anderen Frau eine Chance zu geben! Auf meine Frage, wann sie wisse, ob sie dieses Kleid behalten wolle (ein kurzes Kleid, ich glaube von Hallhuber oder Zara, wild gestreift in Rot, Grün, Braun, Schwarz auf weißem Untergrund – also etwas für mich!), die lapidare Aussage: ich will nur einmal in die Umkleidegarderobe – und das kann noch dauern! Ich könnte ja etwas verpassen! Mit dieser Ansicht war sie offenbar nicht allein, wie mir mein Rundum-Blick bestätigte.

Ich werde dieses Verhalten nicht ändern können, das gehört offenbar zum Swappen dazu – also Schwamm drüber und hin zum Check-out-Tisch, denn die eine ausgedehnte Stunde Swapperei ging langsam dem Ende zu.

Wenn ich ehrlich bin, wollte ich die Lücke in meinem Kleiderschrank gar nicht wieder 1:1 auffüllen – wo bliebe denn sonst Platz für ganz Neues?

Die rosa Jacke hat sich zwischenzeitlich schon als sehr kleidsam erwiesen. Ich hoffe, dass die andere Lady mit ihrer Jacke genauso zufrieden ist wie ich mit meiner!

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