Glaub an Dich und greife nach den Sternen

Eine Woche ist es her, da hatte ich einen echt guten Flow – bin seit etlichen Jahren des inneren Widerstands wieder einmal beim Vienna City Marathon mitgelaufen – wohlweislich aber nur in der halben Distanz. Zu mehr – ehrlicherweise – haben Ehrgeiz und Motivation nicht gereicht, insbesondere, weil in der Vorbereitungszeit weder Körper noch Geist dazu bereit waren, auch samstags früh morgens aufzustehen und 2 bis 3 Stunden laufen zu gehen. Und was ich im Training morgens nicht leiste, das passiert auch zu späterer Tageszeit nicht mehr – shoppen, putzen, lesen, faulenzen, mit Bodo was unternehmen … wo lassen sich da dann noch 3 Stunden schweißtreibende Bein- und Lungenarbeit unterbringen? Außerdem gehört die Wiener Streckenführung nicht zu meinen beliebtesten – beim letzten 42-km-Start bin ich deswegen auch bei Kilometer 27 einfach stehen geblieben …

Also bin ich 2-3 Mal pro Woche – einfach so – laufen gegangen, 75 … 80 … 90 Minuten, seltener auch länger. Kein Druck, kein Stress, einfach dem Restschlaf und der Müdigkeit weglaufend, morgens zwischen 5:30 und 7:00 Uhr.
In der Woche vor dem Start natürlich Unruhe, Bauchweh, Ängste, Zweifel, noch wenig Vorfreude, …
Erst beim Abholen der Startnummer kamen positivere Gedanken hoch, die Ziffer 14617 bekam mit einem Mal einen spritzig-prickelnden Beigeschmack – auch wenn nicht durch Drei teilbar. Ein neues Shirt im Lagenlock, ein neues Bustier, weich und in Koralle – ich denke: Jetzt bin ich bereit für den Start!

Das Wetter am Sonntag: kühl, aber sonnig und wenig Wind – ich bin mir sicher, alle 40.000 am Start spürten die good vibes, insbesondere, als das 200 m² große Transparent mit dem Erste Bank Slogan #GlaubanDich über alle ungeduldig wartenden Köpfe hinweg gezogen wurde …

Glaub an Dich! Jawohl! Ich glaube an mich!

Dieses Mantra hat mich unbewusst/bewusst auf den beinahe kurzweiligen 21 km begleitet. Vom ersten Schritt, den ich über die Startlinie machte, bis zum letzten Hüpfer über die Ziellinie hatte ich einen positiv bestäubten Flow. Alles, was mich nur irgendwie negativ hätte beeinflussen können, wurde wie durch Magie ausgeblendet. Die vielen Mitläuferinnen nur ein buntes Bild und kein Hindernis, das Überholen gelang mit Leichtigkeit, das Ausweichen mit der nötigen Flexibilität, den leichten Anstieg bis nach Schönbrunn kehrte ich ins Gegenteil um, beim letzten Kilometer wurde nochmals kurz der Turbo eingeschaltet – nur an den beiden langsamen Läufern wenige Meter vor dem Ziel kam ich nicht vorbei – was soll´s: ich kam fast zeitgleich mit dem schnellsten Mann ins Ziel …. ok, ok: ertappt: der lief natürlich die doppelte Strecke!

Zugegeben: Kurz am Start war ich ein bisschen neidisch auf alle Startnummern, die sich als total-distance zu erkennen gaben; knapp vor dem Ziel, wo sich die 42 von den 21 km trennten, war ich versucht, auch auf der linken Spur zu bleiben. Aber dann im Ziel, tief ausatmend und den menschenüberfüllten Einlaufbereich langsam gehend verlassend, war´s dann doch total ok – besonders für meine Waden und Oberschenkel!

Angenehme Erschöpfung und gleichzeitig viel positive Energie – was kann man sich mehr wünschen? Ich muss nicht unbedingt zu den Sternen gelangen, ich bin einfach happy, dass ich es noch „kann“ – die Zeit meiner persönlichen Geschwindigkeits-Bestzeiten sind zwar vorbei (aber: mit 1:49 auch nicht gar so übel), aber ich glaube, dass die Zeit meiner persönlichen Mental-Bestzeiten eben erst begonnen hat – Ich glaube an mich!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert