Es war einmal … [a puschierrearl]

Es war einmal … das WAS bitte? Du wirst dich wundern, denn wenn man diese schmähbefreite Wiener Aussprache glättet, kommt ein Begriff heraus, den es tatsächlich gibt: das „Puschierrohr“, ein flexibler, geriffelter grauer Kunststoff-/Isolierschlauch zum Verziehen von (Elektro-)Kabeln. Irgendwo war da aber auch bzw. generell ein Franzose am Werk, denn man findet im Internet die eingedeutschte Version auch mit französischer Schreibweise als „Bougierrohr“.

Wie auch immer:

Es war einmal ein solcher Riffelschlauch auf einer Rolle, der den Weg zu uns auf unsere DAUER-!!!-Baustelle fand. Denn, wenn dann vielleicht endlich einmal alles annähernd so ist, wie wir es uns vorstellen, muss es im fensterlosen Bad auch ein schönes Licht geben und neue Steckdosen für zB die elektrischen Zahnbürsten. Und da, wie wir alle wissen, der Strom ein fließendes Medium ist, braucht es viele, viele Kabeln, die von A nach B geführt werden müssen. Und weil ein Kabel im Grunde seines Herzens ängstlich ist und sich fürchtet, so alleine reingequetscht in einer Trockenbauwand, kommt das Puschierrohr zum Einsatz – einer Ritterrüstung oder einem Schutzpanzer gleich.

Das ist mein laienhaft-naiver und neutral-emotionaler Zugang zum Puschierrohr. Aber zumindest kann ich jetzt auch ein wenig fachsimpeln – am Elektriker-Stammtisch!

Bodo allerdings – mehr Praktiker als Poet – hatte mächtig viel Freude daran, die vom Restfliesenkleber ruppelig-faltige Gipskartonwand an mehreren Stellen anzubohren und das Puschierrohr durchzufädeln, damit dann – irgendwann – eine rundumlaufende LED-Eckleiste alles gut ausleuchtet.

Bis es aber soweit ist, werden wir uns noch ordentlich in Geduld üben müssen, denn es schaut derzeit echt noch nicht nach „Fertigstellung“ aus … Gestern wurde der Estrich für die bodenebene Dusche gegossen und wurden die Wände im Duschbereich gespachtelt – damit haben wir jetzt im Bad eine hohe Luftfeuchtigkeit – Türen und Fenster offen für einen guten Durchzug plus der Dyson-Lüfter auf höchster Stufe. Heute wird die Therme getauscht, morgen ist dann aus Installateur-Sicht vielleicht endlich das WC dran. Die Palette mit den großformatigen Fliesen (die wir wahrscheinlich nicht in den Aufzug bekommen werden :-((( steht unbeaufsichtigt und einsam im Innenhof, im Vorraum stehen Unmengen an Kartonschachteln mit Inhalt herum (die neue Klomuschel haben wir bereits entdeckt, der WC-Deckel muss ausgetauscht werden, weil ohne Absenkautomatik geliefert) Und die ganze Wohnung ist mit einer feinen weißen Staubschicht überzogen … das wird die MEGA-Putz-Aktion meines Lebens!

„Geduld ist die Tugend der Starken“, heißt es so schön in meinem Lebenslauf als Lebensmotto …momentan aber fühle ich mich ganz schwach und hätte gerne ein Puschierrohr, in das ich mich verkriechen könnte – flexibel-gelenkig wären wir ja beide!