Es gibt keinen Winter, keinen Frühling, keinen Sommer und keinen Herbst mehr!
Es gibt eigentlich nur mehr eine Jahreszeit, unabhängig davon, wieviel Grad es im Freien hat, unabhängig davon, wie viele Stunden pro Tag die Sonne ihr Licht spendet.
Es hat jetzt nichts mit der globalen Erd-Veränderung zu tun – ich wähle diese Bezeichnung, weil ja nicht jedes Wissenschaftsportal gleichermaßen von einer Erwärmung spricht. Die knapp 100 Passagiere, die gerade vom festgefrorenen Schiff per Helikopter entführt werden – klar, das Bier ist seit wenigen Stunden aus! -, haben mit Sicherheit eher den Eindruck, dass Ice Age ein wahr gewordener Traum ist und nicht nur mein absoluter Animationsfilm-Favorit, aus dem gewisse Textpassagen zu meinem spärlichen Zitate-Pool gehören.
Es hat vielmehr damit zu tun, dass nicht erst am 27.12. die „SALE-Jahreszeit“ beginnt, sondern diese zu hysterischen Anfällen mutierende Phase schon weit vor dem Weihnachtssong beduselnden Shopping beginnt. Und wenn man genauer hinschaut, geht dieses After-X-Mas Prozente-Erschlagen, von dem so mancher mit Liebe oder in letzter Sekunde geschenkte Gutschein ausgenommen ist, ins Faschings-Special über, gefolgt von den Ostereier-Schnäppchen. Und der im Mai (!) beginnende Sommer-Schlussverkauf-Sale geht direkt in die Hitze-Mid-Time-Schnäppchenjagd über, gefolgt vom „Fall-Price“, Advent-Sale – und dann hat sich der Kreislauf schon wieder geschlossen – und ein weiteres Jahr ist vorbei. Ein weiteres Jahr, indem man beherzt in tiefe Wühlkisten greift und sich vor beengten Umkleidegarderoben geduldet, bis man (frau) dann endlich und am Rande eines Nervenzusammenbruchs endlich miese Qualität und noch wildere Styling-Auswüchse an seinen Body ran lässt.
Es ist bewiesene Tatsache, dass die Boutiquen eigene Ausverkaufsware aus dem Lager herzerren, die mit der „regulären“ Ware (gibt es jetzt eine solche überhaupt noch?) nichts mehr zu tun haben. Nur vereinzelt findet man etwas, was aus der Saison xy ist und auch gefallen würde – nur blöd, dass dann die Konfektionsgröße nicht stimmt – also doch zu spät hingelangt? Im nächsten Leben oder im zweiten Bildungsweg werde ich Sale-Mode-Designerin, das verspreche ich!
Sale-Shopping artet in Stress aus! Wahrscheinlich übertreibe ich jetzt wahnsinnig, aber ich empfinde derzeit das Einkaufen als solches. Auch online wird man zu Schnäppchen hingezogen und kann sich durch 80 Seiten Designer-Sale durchklicken. Aber was bleibt tatsächlich übrig, außer einem Krampf im Finger und einem starren Auge?
Wenn Kleidung um 30%, um 50%, um 70% reduziert werden kann, warum muss sie in der ersten Schaufenster-Darbietung dann so teuer sein? Wird man da nicht von Anfang an gefrozzelt und zum Narren gehalten? Ist frau die Blöde, wenn sie schon beim Auspacken neuer Ware tief in die Geldbörse greift und die Kreditkarte strapaziert? Das Problem liegt darin, dass frau selten Geduld hat und noch weniger den Edelmut, einer anderen das gute Stück der momentanen Begierde zu gönnen. Wir Frauen sind von Gier, Neid, Raffsucht getrieben, wenn es um Bekleidung geht. Und wenn es um Ausverkaufsware geht, werden wir zu brutalen Wühlmäusen und Schnappmäulern.
Aber: auch ich bin „frau“ und kann mich dem Drang nicht entziehen … deshalb muss ich jetzt auch Schluss machen – es könnte ja irgendwo das ultimative Schnäppchen auf MICH warten! … es ruft schon nach mir ….