Wir waren gestern Abend im Semper Depot zur alljährlichen Schicki-Micki-Möbel-Ausstellung von H.O.M.E. Hier auf 4 Etagen, erreichbar über eine schmale Stiege aus dicken Trittbrettern und Gusseisengeländer – als elitäre Gegenveranstaltung zur Möbel & Interieur im Messegelände, diese aufgeteilt auf 4 Hallen. Somit gibt es eine Gemeinsamkeit: die Ziffer Vier! In der Numerologie repräsentiert die Vier das Quadrat, die Ganzheit und vertritt die 4 Elemente, die 4 Himmelsrichtungen, die 4 Jahreszeiten (wieder mal etwas dazu gelernt).
Gestern Abend aber mit der Besonderheit eines Society-Events der Unbekannten – vor allem Architekten waren über Gratiskarten angesprochen – kein Wunder: bei € 20,- Eintritt pro Person tut es gut, wenn man für wenig Möbel umso mehr Freigetränke und fliegende bestrichene Brötchen mit dem unaussprechlichen Namen ihrer Erfinder konsumieren kann. Zwei mittelgroße Hallen und zwei rundum laufende Galerien – nicht sehr viel Platz, aber genug, um wenig spektakuläre oder halbwegs interessante Möbelstücke dem Auge näher zu bringen. Aber das war gestern auch egal: die Ausstellungsstücke wurden schamlos als Knotzbank oder als Liegewiese genutzt. Das alte Bühnenbild-Depot aus der K&K-Ära war für eine weitere Nacht Treffpunkt von Freunden, Bekannten, Arbeitskollegen und Geschäftspartnern. Ungezwungene Atmosphäre, chillige Hintergrundmusik mit Entwicklungspotential, viele Leute in schwarzem Gewand – nach wie vor und unumstritten DIE Abend-Farbe. So gesehen war ich mit meinem weiß-gräulichen Kleid von Lila (mein erstes Swap-Party-Beutestück) ein kleiner Ausreißer oder gar underdressed? Auch die Leggings eher bunt, nur die Stiefeletten (die neuen von Softcloxx) schwarz.
Aber das ist absolute Nebensache – was diesen Abend berühmt macht, ist der Raumeindruck schlechthin: der Eingangsbereich 4-geschossig in Überhöhe; an der Brüstung stehend und nach unten schauend hatte ich das Gefühl, von einem kleineren Hochhaus in die Tiefe zu schauen – ein klein wenig Unbehagen in der Magengrube: hält das alte Geländer? Und dann: in der 4.Ebene eine eingeschnittene großflächige Galerie mit Schwerpunkt Bar und einem grandiosen Ausblick auf die Möbelausstellung ein Geschoss tiefer. Bodo und ich haben uns zwei freie Stühle ans Geländer gezogen und von oben das rege Treiben beobachtet – das Gewurrle und Geschiebe. Grundsätzlich gute Laune und unbeschwerte Atmosphäre, die zu uns bis auf unsere Logenplätze schwebte. Faszinierend, wie stark sich Menschen auf individuelle, einzigartige, rare und nur selten verfügbare Locations stürzen. Willst du mitreden können, musst du dich am roten Teppich anstellen und hoffen, dass dich der Türsteher reinlässt. Nicht so sehr wegen der Gesichtskontrolle, sondern aus feuerpolizeilichen und veranstaltungsrechtlichen Gründen. Man stelle sich vor, eine Panik bricht aus und alle wollen sich über diese eine steile Treppe retten. Die eigentlichen Fluchtwege ins Freie sehen die wenigsten.
So saßen wir beiden Muppets-Onkel staunend, lästernd, sich amüsierend einige lange Augenblicke lang verweilend, bis ganz ehrlich gesagt, Müdigkeit mit steigender Intensität und Magengrummeln mit hörbarem Protest uns zum Gehen animierten. Sicher, die richtige Party ging erst später los, wir hingegen schlürften ums Eck eine asiatische Currysuppe mit dicken von Hand gezwickten Nudeln. Die Extraportion Chilischoten hat in uns dann ein ordentliches Feuer entfacht – aber keine Sorge: wir haben den Notausgang gefunden!