Bunt wie ein Papagei

In der Fastenzeit schaue ich ja kein Grey´s Anatomy (obwohl: es werden alle Folgen aufgezeichnet, sodass ich nach Ostern stundenlang Liebe, Drama, Operationen nach-schauen kann), aber gestern, nachdem ich nach einem Seminar-Vortrag vor 13 Männern etwas geschlaucht und auch das Buch „Das 13.Opfer“ ohne das kleinste Happy End bis zur letzten Seite ausgelesen war, „durften“ wir uns eine Folge Universum anschauen über die Tierwelt am irischen Fluss Shannon. Die Vogelwelt hier deckt sich farblich gesehen sehr mit der Umgebung, abgesehen vielleicht vom bunt schillernden Eisvogel, der sich in einem brillanten Blau (übrigens genau dieser Blauton findet sich in meinem neuen Outlet-Hosenanzug-Schnäppchen wieder!) wagemutig zum zielorientiert-erfolgreichen Fischfang ins Wasser stürzt.

Heute morgen um halb 6 war ich dann als Early Bird auf der (Lauf-)Piste unterwegs Richtung Prater und Donauinsel, also dem Wiener Naherholungs- und Naturgebiet. Aber weit gefehlt, dass ich mich in zurückhaltendem Camouflage mit der Natur verband, nein! Heute Morgen musste es knallig sein: das Oberteil in einem kräftigen Violett, die Capri-Tight schreiend neongelb (!!!), darüber die wild gemusterte Hot-Short von Stella Mc Cartney – und meine Laufschuhe sind von Natur aus grell-pink mit ein bisschen neon. Ich dürfte in diesem Outfit an einem so ruhigen Sonntag-Morgen wie heute, einem Morgen, der auf einen regnerischen Nachmittag hinsteuerte (das kurze Frühlingserwachen wird gerade von Regen und Schnee aus West und Süd zum Wanken gebracht), wohl die Vögel zum Erschrecken gebracht haben, und den anderen Frühaufstehern – diese nur sind HundebesitzerInnen und andere Lauf-Mutige – die Augen zum Bersten.

Ich jedenfalls verspürte eine gewisse Heiterkeit in meinem Kopf und eine Beschwingtheit in meinen Beinen (so wie am Freitag, wo ich bei wärmere Temperaturen das neue ärmellose Trikot in Magenta an hatte). Auch beim Yoga ist mir dieses Farb-Phänomen schon aufgefallen: ich habe mir einmal eine lange enge Tight in zwei Rosatönen gekauft. Jedes Mal, wenn ich nun diese zur Yogapraxis auf meiner knall-orangen Yogamatte anziehe, fühle ich mich viel leichter und geschmeidiger im Sonnengruß, als wenn ich schwarz oder anthrazit trage. Und bei Yogamatten in dunklen Farbtönen werde ich geradezu depressiv – komisch oder?

Um zum heutigen Lauf-Outfit zurück zu kommen: Bodo, den ich im verschwitzten Zustand nicht umarmen darf (warum eigentlich?), meinte nur indigniert mit leicht rollendem Augen-Umschlag: du bunter Vogel du! Soll so sein. Jetzt weiß ich jedenfalls, dass ich beim Marathon in 3 Wochen (jetzt sind es nur noch drei???!!!) irgend etwas knallig Buntes an mir tragen muss, damit in meinem Kopf ein bisschen Fröhlichkeit erhalten bleibt, wenn´s dann zäh wird; meine Beine wissen ja dem Grunde nach, was sie zu tun haben: Schritt um Schritt dem Ziel entgegen schweben / trotten / schlurfen / hinken – what ever – Hauptsache, ich sehe die 42 km durch die rosarote Brille und nicht durch einen salzigen Schleier.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert