35.000 auf der Flucht … vor mir

Bodo und ich werden Mai 2014 – so es denn sein soll, wie wir es uns auch sehr wünschen – im Ausland verbringen. Aber auch den Maibeginn haben wir im nahen Ausland verbracht, wobei Deutschland an sich aus österreichischer Perspektive gesehen eigentlich nicht als Aus-Land zu betrachten wäre. Der eine oder andere feine Unterschied: ja, aber ansonsten sind wir nette Nachbarn. Jedenfalls waren wir zu Besuch bei Bodo´s Eltern, die im geographischen Schnittpunkt zwischen Augsburg und Ulm im allseits bekannten Örtchen Kötz wohnen. Noch nie davon gehört? Wenn du Kinder hast und ihnen das Legoland in Günzburg zeigen willst, bist du Luftlinie 500 Meter entfernt. Es lässt sich vermuten, dass das Leben hier abgesehen von der stark befahrenen Landesstraße relativ ruhig ist, weshalb wir jedes Mal auf gutes Wetter hoffen für intensive Sonnenbäder im Garten oder ausgedehnte Wald- und Feldspaziergänge. Seit gut 12 Jahren aber ist unser Kommen und Bleiben aber meistens mit einigen vielen Regentropfen gekrönt. Böse Zungen geben mir die Schuld daran! Was tut man aber, wenn am Himmel düstere Wolken mit Wasser schwanger gehen? Man sucht sich einen sicheren Pfad in Richtung Shopping-Meile. Bodo´s Mutter lockt zu DEM Modehaus am Platz, dem Schild. Dort steht ein Umbau ins Haus, weshalb 35.000 (!) Artikel der Schnäppchenjagd ausgesetzt werden. DAS klingt verlockend. Und da ich keine besonderen Absichten habe, kann ich mich ganz entspannt mit einem geduldigen Bodo im Schlepptau Meter um Meter von Kleiderstange zu Kleiderstange voran tasten. Mein (S)kennerblick focussiert sich alsbald auf eine ganz bestimmte Ecke im Geschäft. Bodo beweist wieder einmal, dass er mich ganz gut kennt, und zieht das eine und andere T-Shirt hervor. Bald wandere ich mit gut zehn Teilen in die Kabine und probiere im Schnelldurchlauf: fühle ich mich nicht auf Anhieb wohl, wird das nichts. Und schon erlebe ich eine Reduktion um 75%. Bei den modischen Tüchern ist es ähnlich: ich entscheide mich unter vielen für einen Snoop in Tannengrün und Pink und diversen Musterungen. Bodo wächst zur Höchstform heran: er erspäht eine knall-orange Tasche aus weichem Leder – um 30% reduziert – da muss ich zugreifen. Da mir bei Handtaschen aber das Viel an Außentaschen wichtig ist, wäre diese orange da ein kleiner Kompromiss, da nur ein kleines Außenfach, gerade mal für den Schlüsselbund geeignet. Aus der gleichen Serie entdecke ich dann die große Schwester mit mehreren Appendixen, in einem hellen, bescheidenen Rosa. Ich schwanke innerlich gewaltig. Bei 30% Nachlass – sind da nicht beide drin? Alles wandert fürs Erste zur Kassa-Zwischenablage, denn ich muss meine Hände frei haben bzw. fallen Bodo als Beipack-Eselchen schon die Arme ab. Bei einer knautschigen Frühjahrsjacke im Ethnostil bleibe ich aber standhaft – die bleibt am Kleiderbügel (ausschlaggebend war der enge Gummi am Rücken; das verursacht einen unschönen Buckel am Ende des Rückens …). Jetzt ist aber Schluss! An die Kassa! Nur dumm, dass da beim Anstehen der Blick auf die kleine Taschenschwester fällt – in hellem Petrol-Türkis. Süß und nur für besondere Anlässe, wo ich keinen „Känguru-Beutel“ mit mir herumschleppen muss. Nimm sie, meint Bodo (was ist heute nur los mit ihm? Hat ihn auch das Schild´sche Schnäppchenfieber gepackt?). Aber: überredet! … Ich stehe noch immer an der Kassa, denn auch andere Frauen wollen die 35.000 jagen bis zum Aufgeben. Da wandert mein Blick nach links (ähem: es war das eigentlich das „andere“ Links) in ein Tischregal, wo ich doch glatt die große Schwester in Orange erblicke. „Bodo! Diese da bitte bringen und die mittlere Schwester dafür wieder zurücklegen!“ Die Damen an der Kassa sind schon leicht verwirrt, aber geduldig und bleiben freundlich. Jetzt stehe ich noch vor der Qual der Wahl: orange oder hellrosa oder beide? Alle umstehenden Frauen und Bodo geben der orangen Schwester mehr Pepp-Punkte. Also gut – Ihr habt ja Recht. Hinter der Kassa wird dann noch laut betont: „Das wären jetzt NEUN Teile!“ … und der ganze Laden weiß es jetzt.

Die Jagd auf die 35.000 war alles in allem sehr beschwingt, erfolgreich, amüsant und zufriedenstellend. Und was freut Mann mehr, wenn frau glücklich eine Boutique verlässt und er die Packerln tragen darf?

(Bodo hat dann übrigens auch etwas sehr Fesches bekommen!)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert