Neulich am Samstag zog es mich magisch auf die Landstraße – nein, nicht zum „Land-streichen“, sondern auf Entdeckungsreise mir unbekannter Boutiquen im kleinen, feinen 3.Wiener Gemeindebezirk, eben der Landstraßer Hauptstraße. Bislang hat sich der Kauf-Rausch nur auf einen Prosecco oder einen Aperol Spritz im nachwievor trendigen Lokal Rochus beschränkt. Jetzt aber habe ich den oder die AUST entdeckt, eine deutsche Boutiquenkette, die wöchentlich (!) mit neuen, wenigen Teilen aus Italien versorgt wird – der Schwerpunkt liegt auf fetzigen Jeans, vorwiegend der Marke PLEASE (mit dem kleinen Silberherz in der Po-Tasche) und dem dazupassenden, eher sportlich orientierten Darüber (Shirts und Sweat-Blazer zum Beispiel). Und in Wien exklusiv gibt´s nunmehr seit ein paar Wochen erst eine Dependance mit sehr viel Vintage-Style inside!
Es hat schon was für sich, wenn sich frau barfuß auf einem flauschigen Teppich vor einem großen Spiegel dreht und wendet und po-siert, und in der Garderobe ein beinahe entzückend verspielter Schminktisch mit zahlreichen Deko-Accessoires zum Hinsetzen einlädt.
Klar, dass die vielen „Einzel-Stücke“ auf klassischen Kleiderständern ausgestellt werden, aber ihre ganz spezifische Individualität erfährt die Boutique durch eine in hell-petrol gehaltene Wandfarbe, und an die Wand geklebte Metalldosen, aus denen dann Schals und Jeans hervor quillen. Das Auge wird angelockt, das Herz erfreut – die Bereitschaft zum Erwerb des einen oder anderen Stücks wird deutlich vergrößert. – Das Geheimnis eines erfolgreichen Shoppings – auf Seiten des Kunden wie auf Seiten des Verkäufers – liegt unter anderem also wirklich auch in der Ausgestaltung der Räumlichkeiten. Was mich als alten Feng-Shui-Lebensraum-Optimierers wieder einmal in meiner geheimen Theorie bestätigt: Ein ansprechendes Umfeld versprüht gute Laune, Esprit und Wohlbefinden – die Wirtschaft dankt es, der Kunde lacht, der Innenarchitekt sprüht mit seiner Phantasie und seinen Phantastereien. Ich bin schlicht baff, welche Ideen da manchmal sichtbare Realität werden. Es war in Berlin, glaube ich, wo ein sehr extravagantes Boutique-Design so außergewöhnlich war, dass Fotographieren verboten war! Zumindest schauen und staunen konnten wir, gekauft habe ich nichts, denn die Preise waren noch extravaganter als die Stellagen ….
Wer also seine Möbel daheim satt hat, sich aber nichts Neues leisten kann, dem empfehle ich eine Boutiquen-Tour durch eine Metropole: da wird das Auge befriedigt und die Brieftasche bleibt versteckt im Sack.