Was oder wo ist der Balaton?

Eigenartiger Zufall: aus den Medien ist heute zu entnehmen, dass sich unser derzeitiges blondes Aushängeschild – Modelanwärterin und Dschungel-Zicke – Larissa in einer Show blamiert hat, weil sie mit dem Begriff „Balaton“ nichts anfangen konnte – wir schon, denn wir waren genau zum Zeitpunkt der Ausstrahlung der Show live dort!

Um einem vielleicht weiteren Wochenend-Blues zu entgehen, hatten wir die spontane Idee, nach Budapest und zum Plattensee zu fahren. Um samstags rechtzeitig auf die Autobahn zu kommen, habe ich meinen rituellen Trainings-long-jog von Samstag Früh auf Freitag Nachmittag verlegt, was einerseits eine neue Erfahrung war, denn plötzliche starke Sonneneinstrahlung von hinten auf einer baumfreien Geraden hin zum Praterspitz (danach nur braunes Donauwasser) macht mehr als durstig, andererseits habe ich beim Lusthaus einen früheren Arbeitskollegen getroffen und wir sind die 4 km lange Strecke auf der Prater Hauptallee quatschend – leicht atemlos – flott dahingaloppiert. Danach war die Kraft aus den Beinen und der restliche slow-jog bestand aus einer Mischung aus Gehen und schleppend-langsamen Laufen. Zumindest war dann kein Schweiß mehr übrig, um nach dem Duschen in minutenlanges Nachschwitzen zu verfallen.

Jedenfalls waren wir so am Samstag Vormittag zeitig an der Grenze, um auf einer hilflos überfüllten Raststätte für die ungarische Vignette anzustehen: nur bar zu bezahlen, € 12,50 für 10 Tage – kleinere Zeiteinheiten leider nicht verhandelbar! Eigenartig jedenfalls, dass eine der Angestellten, die sich um den Gastrobereich gekümmert hat, nicht wußte, dass die Kollegen nebenan auch die Vignette verkaufen (?) Die ungarischen Autofahrer sind leider arg gewöhnungsbedürftig: zwischen Bremsern und Rasern ist so ziemlich alles vertreten. Und leider dürfen bei unseren Nachbarn samstags auch die LKWs die Autobahn befahren. Daher kamen wir nach etwas mehr als 2 Stunden Fahrzeit mit etwas Herzklopfen in Buda(pest) an – Frühstück ist angesagt – ein kleiner Platz, ein nettes Café im Freien, eine wohlige Stärkung, bevor wir uns einem ausgedehnten Shoppen widmen wollten. Allein, die drückende Hitze, machte es schlichtweg unmöglich, in kaufrauschähnliche Ekstase zu verfallen. Wir haben uns nur über die lange Einkaufsmeile dahingeschleppt und vergeblich nach Schatten gesucht. Die Beute: zwei auffällige Sonnenbrillen im Ausverkauf (die eine mit Orange und Schwarz, die andere in einem grünlichen Tarnton mit Gläsern, welche die Umwelt in kontrastfreundliches Sonnengelb tauchen) und ein schlichtes graues Sommerkleid aus Sweatshirt-Stoff.

Danach aber nur mehr das Bedürfnis: hinaus aus der Stadt und hinein in den See!

90 Minuten und wir nähern uns diesem gewaltig großen See mit einer relativ geringen Wassertiefe (2 Meter?). Aber noch sehen wir vom See so gut wie nichts, da er gut von Bewuchs, Schilf und Gebäuden abgeschirmt ist. Fast jeder Ort trägt vorweg die Bezeichnung „Balaton“, danach kommen Anhänge wie „-kenese“, „-keszthely“, „-vilagos“, das meiste unleserlich und an eine korrekte Aussprache ist gar nicht zu denken. Wir fahren hin und her, langsam aber sicher auf der Suche nach einem Quartier in Wassernähe. Endlich werden wir fündig und nehmen in Kauf, dass wir den Preis für 4 Personen zahlen, denn das Ehepaar (er freundlich, sie unsichtbar) vermietet nur ein Appartement mit 2 Zimmern. 600 Meter zum Strandbad – es ist 17:30, es bleibt uns etwas mehr als eine Stunde zum Entspannen! Entspannung? Das Bad ist verständlicherweise pumpvoll (schönes Wetter, Monatsanfang, Urlaubszeit); wir verdrücken uns ganz ans Ende, dort, wo auch noch ein wenig Sonne hinkommt. Die Ameisen sind nicht erfreut bzw. begrüßen uns mit innigen Umarmungen. Das Testen des Sees entschädigt dann aber für die lange Sitzerei im Auto. Als „erstes“ Abendessen probieren wir die Spezialität der Region: Backfisch (fast grätenfreier Hecht), dicke Scheiben Weißbrot, Salzgurken, ein paar Pommes frites (ich brauche was Salziges!) und ein großes Bier – nicht schlecht! Trotzdem schwebt mir momentan noch eine Pizza (?) als „zweites“ Mahl vor – also 2x 600m zu gehen. Kaum vom Wasser weg schlägt die schwüle Hitze wieder mit voller Kraft zu. Ich bin von einem Moment zum anderen sowas von schlapp: Rücken, Nacken, Stirn sind schweißnass. Bodo ist skeptisch, ob ich die Pizzeria auch finde, aber für bestimmte Dinge habe ich den absoluten Orientierungssinn! Und siehe da: hier ist das Etterem / Restaurant mit einem lauschigen Gastgarten. Auf Pizza ist mir die Lust vergangen; wir bestellen stattdessen den Temperaturen entsprechend einen guten Ruccola-Tomaten-Parmesan-Salat und trinken dazu einen Weißwein, den man eigentlich nur gespritzt trinken kann. Die schwarzen Gewitterwolken haben ein Einsehen mit uns und suchen sich einen anderen Ort der Entladung.

Tags darauf sind wir bereits kurz nach 9 Uhr wieder unterwegs: wir wollen jetzt das belebtere Ufer abfahren und finden einen sehr langgezogenen freien Strand, wo wir uns zwei Stunden aufhalten mit intensivem Aqua-Jogging bis hin zu amüsanten Gehvarianten im maximal brusthohen Wasser. Gegen Mittag werden die Gewitterwolken größer, wir brechen auf, investieren die letzten Forint in  Obst und Wasser und fahren die engen Straßen ab. Übernachtungsmöglichkeiten bieten sich hier ohne Ende an – von verwahrlost bis lieblich; manche Orte sind noch verträumt, andere dagegen erinnern an Lignano-Jesolo-Bibione: Fressmeilen und Souvenier-Shops ohne Ende: nur weg von hier!

Das entgegengesetzte Ufer zeigt sich dann als sehr schilfig; es gibt nur kleine geschlossene Strandbäder, wo man eng an eng liegt – das enttäuscht uns ein wenig, denn zwischen hier und Wien wäre die kürzeste Entfernung, passend für einen gezielten Wochenendtrip. Wobei: mit 90km/h auf einer Landstraße in einem Konvoi zu fahren, wo einer vor dir bremst ohne Ende und andere vergeblich versuchen, zu überholen, ist auch nicht so angenehm. Dafür können wir bei offenen Scheiben den Fahrtwind und die schöne ebene Landschaft genießen. Das hat was für sich, zumal es langsam Abend wird, das Licht sich verändert und die heftigen Gewitterwolken erst nach der Grenze den Himmel für sich beanspruchen.

Fazit: Das Wochenende war super – es hat sich auf jeden Fall mehr aus ausgezahlt, dass ich meinen long-jog auf Freitag vorverlegt habe!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert