Sorgen – eingebildete und echte

Ist schon komisch, wie wir – insbesondere Frauen – ticken und welche „interessanten“ Aspekte und Sorgen da ans Tageslicht kommen:

  • Die Befürchtung, dass – anders als bei den Aktienkursen – die Kilo-Kurve extrem nach oben geht, ist mittlerweile kein offenes Geheimnis mehr, sondern hat Einzug in den Sozialen Medien gefunden (zB #schwere-zeiten) und ist damit populär.
  • Den „Vorstadt-Weiber“ Prosecco muss frau jetzt ohne Freundinnentreffen trinken. Und nachdem sich der Sprudel bekanntermaßen ja schnell verflüchtigt, muss frau in der Isolation die Flasche nun alleine leer bekommen (ausgenommen natürlich all jene, die noch brav dem Alkohol-Fasten standhalten – so wie ich!)
  • Wer bislang gewohnt war, seine Finger- und Zehennägel einer Fremdbehandlung zu überlassen, muss jetzt selbst zu Nagelschere, Nagelfeile, Nagellack – und Nagellackentferner (!) greifen oder alles dem natürlichen Lauf der Dinge überlassen. – Doch bitte: Passt in diesem Fall auf, wenn Ihr Euren Partner streichelt!
  • Richtig schlimm wird es aber, wenn man auf das Können eines Friseurs angewiesen ist. Wer schneidet meine Haare, wer färbt meinen Haarnachwuchs? Und NEIN: Weiße Haare als optische Dauerlösung sind überhaupt keine Option! Das seelische Wohlbefinden ist sowieso schon angeknackst, aber ein weiß-schimmernder Scheitel …?

„Sorgen“ von kinderlosen Frauen – zum Schämen, wenn man mitbekommt, welche Jonglagen berufstätige Frauen im homeoffice mit Kindern zu bewältigen haben! Ein Arbeitskollege von mir hat Frau und fünf (5!) Töchter im Alter von 1 bis 16; ein anderer aus meinem Stockwerk ist vor kurzem zum zwölften (12.!) Mal Papa geworden! Das ist dann das Sahnehäubchen auf die derzeitige Ausnahme-Melange!

„Sorgen“ von Frauen, die in einer geborgenen Umgebung leben dürfen – zum Schämen, wenn man sich bewusst macht, wie viele Frauen „daheim“ mit Gewalt, übermäßigem Alkohol-, übermäßigem Drogenkonsum konfrontiert sind, denn momentan gibt es kein Entrinnen, keine Fluchtmöglichkeit!

„Sorgen“ von Frauen, für die die Wohlstandsgeneration eine Selbstverständlichkeit ist – zum Schämen, wenn man endlich versteht, dass es viele Frauen gibt, alleinerziehend und mit geringen bis gar keinem Einkommen, die mehr denn je auf caritative Einrichtungen und soziale Unterstützung angewiesen sind.

„Sorgen“ von Frauen, die gesund uns schmerzfrei sind – zum Schämen, gibt es doch genug – vorwiegend natürlich ältere – Jahrgänge, die in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sind, die an einer Krankheit leiden und nun befürchten müssen, dass ihnen nicht mehr in der benötigten Weise geholfen werden kann.

COVID-19 und die Fastenzeit 2020 – Zeit zum Innehalten, zum Nachdenken, zum Dankbar-Sein!

Hausarrest – Woche „Zwei“

Die heutige Mutmacher-Parole in den Medien lautet: „Wir packen das!“

Stimmt – und trotzdem beginnt Woche „Zwei“ im homeoffice mit gemischten Gefühlen, denn es bleibt in unserer „Zelle“ verdächtig ruhig am Bildschirm und in der Telefonleitung.

In positiven Gedanken ertränkt?

In einer Krisenbewältigungsmeditation versunken?

Im Stand-by-Modus festgehalten?

Im Alles-weggearbeitet-Modus ausgerutscht?

Woche „Eins“ war neu, ungewohnt, zuweilen herausfordernd, machte neugierig, ängstlich, ungeduldig.

Woche „Zwei“ wird wohl eine Mischung aus Enge, Panik, Resignation und Gelassenheit werden.

Das beschauliche Wochenende dazwischen hat gutgetan: kein schlechtes Gewissen wegen dem Mittagsschläfchen oder dem stundenlangen Filme- / Serienrausch. Man war die meiste Zeit daheim wie auch in den Tagen davor, und trotzdem sind Samstag & Sonntag einfach etwas anderes als die Wochentage. Trotz kaltem Wind haben sich gestern Morgen einige Leute im Park sportlich betätigt: Joggen, Chi-Gong oder Bodywork – die Ein-Meter-Regel wurde dabei auch brav eingehalten.

Woche „Zwei“: Wir werden das nächste Level der Entschleunigung erreichen. Wir werden die nächste Stufe der Selbstreflektion erklimmen. Wir werden stolz auf uns sein, wenn wir uns nicht von diesem unsichtbaren Feind in die Knie zwingen lassen.

Ja! – „Wir packen das!“

Homeoffice und die Auswirkungen auf body, soul & fashion

Die meisten von uns – insbesondere Büro-Gazellen und Büro-Hengste – sind seit Beginn dieser Woche zum homeoffice verbannt. Bis vor kurzem war diese Art des Arbeitens eine Sache des Vertrauens zwischen Dienstgeber und Dienstnehmer und meistens auf einen Tag pro Woche limitiert – vorzugsweise freitags, wobei hier dann wohl eher von einem – Hand aufs Herz – „Blue Friday“ die Rede ist? Ohne „Kontrolle“ arbeitet es sich vielleicht besser, weil ungezwungener, aber die häuslichen Ablenkungen sind doch sehr verlockend: „Jetzt erstmal ein gutes Frühstück und den Newsticker in Ruhe checken“, „Ich mache schnell noch die Wäsche, bevor ich mich der Arbeit widme“, „Ich kann nicht arbeiten, wenn ich Staub auf dem Boden sehe“, „Jetzt ist im Supermarkt noch nicht so viel los“, „Meine Freundin macht auch homeoffice – ich frag mal schnell nach, wie´s ihr geht“, … Natürlich! Das sind Einzelfälle, der Großteil der routinierten homeofficer arbeitet diszipliniert und lässt sich durch nichts und niemanden ablenken!

Jetzt aber ist das eintägige homeoffice dramatisch erweitert worden auf fünf Tage – von 09:00 – 17:00 Uhr auf sich alleine gestellt, nur mittels Mail und Telefonie mit den Kolleg*innen verbunden. Auf der einen Seite vielleicht Freude darüber, den nervigen Kollegen nicht sehen zu müssen, auf der anderen Seite fehlen einem die gemeinsamen Kaffee- oder Mittagspausen und der spontane Gedankenaustausch. Gut, wenn man einen Job hat, der unabhängig vom Coronavirus einfach „laufen“ muss. Blöd, wenn man, wie es bei mir gerade leider der Fall ist, brutal im Flow gestoppt wird, weil der Baustellenbetrieb eingestellt wurde, weil keine zu protokollierenden Planungs- / Baubesprechungen stattfinden – weil … meine Leistung derzeit nicht benötigt wird … 🙁 …? Da kann so ein homeoffice-Tag ganz schön lang werden! Man fühlt sich unnütz, unproduktiv, hat gleichzeitig ein schlechtes Gewissen, wenn man dazwischen die Wäsche aufhängt oder mit dem Swiffer eine Runde zieht. Und ganz schlimm: dem Magen wird´s auch bald fad, und er fangt zu knurren an – fast so laut wie „unsere“ beiden frechen Krähen, die um diese Jahreszeit immer auf dem breiten Dachvorsprung herumstolzieren und lautstark ihre tägliche Nuss-Ration einfordern.

Die Gefahr von homeoffice besteht daher, dass man zu oft und gerne zum Kühlschrank oder zur „süßen“ Lade geht (ich gehe davon aus, dass die meisten von uns aufgrund des gegenwärtigen Ausnahmezustands ihr Vorhaben des „Zuckerfastens“ leichten Gewissens aufgegeben haben?). Obwohl: zum Kühlschrank / zur „süßen“ Lade GEHEN, ist ja auch eine Art von Bewegung?! Trotzdem: wochenlanges homeoffice könnte der Linie gar nicht gut tun! Und wenn man dann auch noch den ganzen Tag im legeren Schlabberlook verbringt, wo nichts zwickt und einengt, besteht leicht die Gefahr, dass man nach der Krise eine (andere) Krise bekommt! – Daher: Disziplin, Disziplin!

Apropos Schlabberlook: Wahrscheinlich arbeiten die Fashion-Designer in ihren Ateliers schon eifrig an Entwürfen für den neuen „homeoffice-Look“ – business-tauglich und trotzdem bequem – bislang steife Hosenanzüge nunmehr im bunt-fröhlichen Pyjama-Style und taillierte Kostüme vom sexy Negligè mit Spitzenjäkchen inspiriert. Ja, ich weiß, der Versuch, den nur den Nachtstunden vorbehaltenen Pyjama alltagstauglich zu machen, ist vor ein paar Saisonen ordentlich gefloppt. Jetzt aber besteht die Chance auf eine modische Revolution am Arbeitsplatz – zumal ich davon ausgehe, dass homeoffice „nach Corona“ stärker in Anspruch genommen werden wird als „vor Corona“.

Mir fällt gerade ein: Ich trage seit einer ganzen Woche – außer meinen Laufschuhen in der Früh – keine Schuhe! Gut für meine Füße, aber schlecht für meine Treter!

Figur / Gewicht / Mode – Gedanken zu den Auswirkungen aus dem Umstand „homeoffice“. Ein weiterer Aspekt ist mit Sicherheit die Auswirkung auf Skelett und Muskelapparat, denn die wenigsten haben daheim einen ergonomisch einwandfreien Arbeitsplatz, sprich Drehsessel und höhenverstellbaren Schreibtisch. Und es fehlen mitnichten die Schritte, um zum Arbeitsplatz zu kommen inklusive Stufensteigen. Ich sitze seit einer Woche am Hochtisch auf einem (zum Glück gepolsterten) Barhocker – und ertappe mich dabei, dass ich viel öfter als im Büro daran denke, gerade zu sitzen! Und eine Arbeitskollegin von mir hat berichtet, dass sie beim Telefonieren ihre Runden um den Essplatz dreht und so auch auf 2.000 Schritte pro Tag kommt. Das Internet ist mittlerweile voll von guten Tipps, wie man auch im homeoffice fit bleiben kann. Und wenn man sich körperlich annähernd gut fühlt, geht es auch der Seele gut. Vielleicht trägt dazu auch bei, dass der momentane Dauer-homeoffice-Tagesablauf zu einer Entschleunigung führt.

Die homeofficer sind mitnichten derzeit sogar begünstigte Personen, weil sie in den eigenen vier Wänden in Sicherheit sind, weil sie einen Job haben. Wie viele andere Menschen stehen da „draußen“ im Einsatz, sind dem Limit nahe oder haben es schon erreicht oder haben ihren Job (vorübergehend?) verloren – mein großer Respekt gilt Euch!

Diese spezielle Zeit lehrt uns viel!

Frühling versus Virus

Es ist schon paradox: Draußen erwacht die Natur zu neuer Blüte – und die meisten von uns bekommen davon nichts mit, denn nicht jeder verfügt über einen eigenen Garten oder hat rechtzeitig noch beim Blumen-/Pflanzencenter eingekauft, bevor zum Innehalten aufgerufen wurde. Was nutzt uns momentan das Hoch Helge oder Ingolf, wenn wir daheim sitzen und nur durch noch winterstaubverkrustete Fenster schauen können?

Man muss sich die Frühlingssonne einfach nach drinnen holen!

Wo und wie es nur geht, greife zu Wasser und Wischlappen und putz die Fenster. Das bringt Abwechslung und gleichzeitig eine gute Mischung aus Stretching und Kräftigung. Und der blaue Himmel leuchtet dann gleich viel strahlender!

Mach einfach die Fenster auf und lass die Frühlingsluft in Deine Wohnung hinein! Momentan ist es ja herrlich warm, und nachdem kaum Autos mehr fahren, auch angenehm ruhig.

Ich habe heute Morgen – sozusagen als erste „Amtshandlung“, bevor ich mein homeoffice geöffnet habe, die Blätter vom Gummibaum abgewaschen und damit die kräftig-grünen Blätter wieder zum Glänzen gebracht. Als die Mittagssonne vorbeigezogen ist, haben die Blätter richtiggehend zu leuchten begonnen!

Ich glaube, dass es in jeder Wohnung, in jedem Haus irgendetwas zu entdecken gibt, was man frühlingshaft verschönern oder verändern könnte. Jetzt ist die beste Zeit, die Winterdekoration zu verstauen. Irgendwo finden sich sicher noch ein paar bunte Deko-Eier oder bunte Tücher.

Zieh dir selbst auch etwas Fröhliches an, vielleicht auch etwas Verrücktes, was du in der Arbeit oder auf der Straße nie tragen würdest.

Kleine Spaziergänge (im Wald) sind erlaubt: der Bärlauch hat den Boden bereits übersät. Geh raus, nimm ein Sackerl mit, pflücke den frischen Bärlauch – ein Pesto ist schnell gemacht und schmeckt echt lecker!

Und wenn du dir momentan keine frischen Tulpen kaufen kannst, nimm Papier und Buntstifte / Filzstifte / Wasserfarben –, male dir selbst deinen Frühlingsblumenstrauß – er kann auch gerne abstrakt sein und hänge dein Meisterwerk gut sichtbar auf.

Die Community hat es bereits vorgemacht: der Eurovision Song Contest wird 2020 zwar nicht stattfinden, aber es gibt anscheinend irrsinnig viele – mutige, verrückte, talentierte (?) – Sänger*innen, die frei von der Seele weg vom Balkon herunterträllern und / oder das Medium Instagram verwenden – und viele singen weitaus besser als Robbie Williams mit nacktem Oberkörper!

Auch das ist eine Art von Frühling!

Fastenzeit Spezial

Das neue Jahr ist noch keine 90 Tage alt und schon steht alles Kopf! Nur dass es sich nicht um einen erfrischenden Kopfstand handelt, sondern um ein schwindelerregendes Gefühl, als würde man in einem Karussell sitzen, das außer Rand und Band geraten ist.

… Ich mag keine wild kreisenden Karussells, die meinen Magen bis zum Gaumen hinauf katapultieren!

Wer oder was ist schuld?

Wer oder was maßt es sich an, die Spezies Mensch auf so brutale Weise zu provozieren?

Handelt es sich um ein blödes Hoppala mit weitreichender Wirkung oder hat hier jemand bewusst ein unsichtbares Monster freigesetzt?

Und wer hat diesem Virus den eigentlich recht lieblichen Namen Corona [lat. die Krone] verliehen?

Wird uns da etwas verheimlicht? Oder warum geraten alle so in Panik, obwohl eigentlich – bezogen auf die gesamte Menschheit – „nur“ ein minimaler Bruchteil massiv betroffen ist?

Warum werden Menschen, die an Influenza erkranken und sterben, warum werden Menschen, die am Hunger leiden und sterben, warum werden Menschen, die auf der Flucht sind und im Meer oder an einer abweisenden Grenze sterben, von einem mikroskopisch winzigen und fürs freie Auge unsichtbaren Virus aus den Schlagzeiten vertrieben?

Warum werden aus Angst die Supermärkte geradezu überfallen?

Und warum wird vor allem Klopapier gehamstert?

Vieles ist nicht zu verstehen und schon gar nicht zu begreifen!

Als das ganze Schlamassel in China begann, erinnerte man sich noch vage an den damaligen Ausbruch von SARS, der den Mundschutz zum panikhemmenden Accessoire avancieren ließ. Nur: SARS „gehörte“ primär den Asiaten, nicht den Europäern, nicht den Amerikanern.

Jetzt ist es anders: der Segen der Globalisierung wird mit einem Schlag zum Fluch, der sich über die gesamte Welt legt. Covid-19 betrifft jetzt UNS und nicht mehr nur „die anderen“! Wir sind entsetzt über das, was in der Lombardei begonnen hat und konnten doch die heranrollende Lawine nicht aufhalten.

Europa ist großteils (noch) eine Union, aber nun bleibt nichts anderes mehr übrig, als die Grenzen dicht zu machen. Jeder Staat, jede Nation muss nun schauen, mit der so beklemmenden Situation alleine zurecht zu kommen. Unsere neue Regierung zeigt – erstmals!? – gemeinsam mit der Opposition Einigkeit zur Schau, und alle ziehen gemeinsam am gleichen Ende des Stricks – liegt tatsächlich in jedem Übel auch ein Körnchen Gutes? Eine gewaltige Bewährungsprobe – hübsch garniert mit einem Überzug aus beschwichtigender Härte. Viele Menschen bangen um ihren Job. Presse, Radio und Berichterstattung im Fernsehen und Internet erleben ein Revival unermesslichen Ausmaßes. Aber ja, es ist einfach wichtig, jeden von uns medial zu erreichen, denn es kommt jetzt auf jeden einzelnen von uns an!

Aber für jeden einzelnen ist es unangenehm, befremdlich, verstörend, nervenaufreibend, hart – Isolation ist angesagt. Die persönliche Bewegungsfreiheit wird stark eingeschränkt. Man ist auf sich allein gestellt bzw. muss mit den Menschen, mit denen man im gemeinsamen Haushalt lebt, auskommen – dauernd, von Früh bis Abend. Und ich glaube, DAS ist für viele von uns die Belastungsprobe schlechthin – wie auf einem Pilgerweg, den man wochenlang gemeinsam geht. Klar, man liebt die Menschen, mit denen man Bett, Tisch, Bad und WC teilt, aber doch nicht den ganzen Tag! Wo bleibt die Privatsphäre? Wo die Momente, wo man einfach mal in Ruhe gelassen wird?

Und auf der anderen Seite die – mehr als zahlreich – vorwiegend älteren Mitmenschen – die sogenannten „schutzbedürftigen Risikopersonen“, die eigentlich gerne ein wenig Unruhe in ihren vier Wänden hätten, jetzt aber isoliert bleiben müssen. Von einzelnen Schicksalsschlägen, von denen wir in den Medien erfahren, ganz zu schweigen …

Für die Mehrheit aber zum Nachdenken: Dürfen wir in irgendeiner Form aufgebracht, wütend, undankbar sein? Da strampeln sich Menschen ab, die dafür sorgen, dass die Regale in den Supermärkten nicht leer sind. Da arbeiten Menschen pausenlos in den Krankenhäusern – und werden leider selbst zu Opfern. Post und Zeitung werden weiterhin zugestellt. Unser Müll wird abgeholt. Wir haben Radio, Fernsehen, Internet. Telefon – sind daher nach wie vor mit der Außenwelt verbunden.
… und zum Glück haben wir gutes Leitungswasser!

Sehen wir doch diese so spezielle Zeit zum Innehalten, zum Entschleunigen, zur Wiederentdeckung zwischenmenschlicher Grundpfeiler, wie Empathie, Solidarität, Verständnis, Geduld – einfach: (Nächsten-)Liebe.

So wird diese so spezielle Zeit zu einer „Fastenzeit“ für alle Konfessionen oder Nicht-Konfessionen. Wir sitzen alle im gleichen Boot, im gleichen Schlamassel und werden von einer Flut von Emotionen überrollt.

Ja, es ist langweilig den ganzen Tag daheim! Homeoffice hin oder her, aber wenn ein Großteil meiner Arbeit aus der Teilnahme an Planungs- und Baubesprechungen besteht, die jetzt alle nicht stattfinden, wenn meine Ordnerablage sowieso perfekt ist und mein Outlook-Postfach aufgeräumt, dann wird es schon ein wenig „zach“ [zäh], einen produktiven Arbeitstag zu verzeichnen. Die Fitnessclubs haben natürlich auch alle geschlossen – also nichts mit Animation, Motivation und gesundem Schweiß.

Disziplin ist weiterhin angesagt: ich stehe weiterhin um 5:00 Uhr auf, gehe laufen (das ist zum Glück nicht verboten), daheim dann ein paar Stretch-Übungen, die Zeit im Bad, die Zeit vor dem Kleiderschrank – denn auch im homeoffice will ich „ordentlich“ angezogen sein – ab 8:00 Uhr vor dem Bildschirm: mal schauen, das eine / andere Mail kommt dann doch rein bzw. werden wir im Team heute mal eine interne Telefonkonferenz versuchen – die App ist schon heruntergeladen. Tapfer widerstehe ich dem verlockenden Angebot an den in weiser Voraussicht gekauften Knabbereien (ungesalzene Nüsse, Müsliriegel!), damit ich nach dieser Ausnahmesituation nicht mit einem Mehr an Kilos zu kämpfen habe. Gestern habe ich in der „Mittagspause“ die Terrasse geschrubbt und die Fenster geputzt, war danach wieder motiviert, mir eine sinnvolle Arbeit zu suchen“. Abends habe ich dann noch Yoga praktiziert – Bodo hat mir mein Stoffschaf als „Ersatzschüler“ hingesetzt -, bis es dann endlich (!) Zeit war, Abendessen herzurichten – Bärlauchsuppe aus am Sonntag selbstgezupften Blättern, die den Waldboden übersät hatten. Heute werde ich mich unter Umständen und zu gegebener Zeit dem Kleiderschrank widmen – auch hier könnte ein Frühjahrsputz nicht ganz falsch sein. – In der auferlegten Isolation erstrahlt die Wohnung in neuem Glanz!

Mein Tipp: macht Euch einen Plan, was Ihr daheim tun könntet – und tut es dann auch! Dann kommt auch keine Langeweile auf.

Und vor allem, Ihr alle da draußen – drinnen in Euren Wohnungen:

Verliert nicht den Mut, die Hoffnung, die Zuversicht und schon gar nicht Euren Humor!

Der Lückenschluss

Ein Adventskalender hat 24 Türchen, Sackerln, Geschenke, Ideen, Anregungen, Schokolade, …

Und mittendrin gibt es – beinahe schon in alter Tradition – das unfassbare, wunderbare, einzigartige, originelle, humorvolle, gedankenreiche, höchst interessante, mit Wort und Bild liebevoll verarbeitete, – oder einfach nur:

Unser 13. Pilger-Wander-Fußmarsch-Lachen-Weinen-Schmerzen-Freude-TAGEBUCH ist da!

http://www.brinkmann.at/2019-unser-lueckenschluss.pdf

Aus zweiter Hand

Es gibt die Erste Hilfe, die Dritte Welt, die 4 Kerzen auf dem Adventkranz – und den 2nd Hand Shop.

Erste Hilfe beginnt damit, dass man nicht weg sieht, wenn etwas passiert ist, dass man tröstet, die Rettungskräfte anruft und unter Umständen sogar eine Herzdruckmassage macht.

Die Dritte Welt verursacht permanent schlechtes Gewissen, aber auch Skepsis, weil: Weiß man, ob die Spenden auch dort ankommen, wofür sie gedacht waren?

Die 4 Kerzen sollen Licht in die dunkle Jahreszeit bringen, vor Augen führen, dass die Zeit auch langsam vergehen kann – im Trend daher auch das Selbst-Kranz-Binden und -Schmücken zur Einstimmung. Zwei Freundinnen von mir sind da bereits voll im Trend – ich bekenne mich weiterhin zu einer „anderen“ Adventdekoration – nur: 4 Kerzen müssen natürlich sein.

Bei Ware aus zweiter Hand hatte ich bislang etwas gemischte Gefühle: ge- und verbrauchte Kleidungsstücke, die in einen Container gestopft werden, sind für mich „aus den Augen – aus dem Sinn“ – hier kommt das rein, was zwar noch irgendwie und einigermaßen gebrauchsfähig ist, aber nichts, mit dem ich auf einer Kleidertauschparty aufwarten würde wollen.

Die ehemaligen Swap Parties waren zwar gut gemeint, aber die Qualität der Ware … containerverdächtig – mit dem Unterschied, dass sich jeder erhofft, im Gegenzug für seine zerschlissene Kleidung ein Glamourstückerl zu ergattern.

Da waren die beiden Menschenanziehen-Zusammenkünfte im kleinen Kreis eine echte Wohltat, gepaart mit netten Kontakten und Spaß!

Blieb mir noch – vor dem Sturm auf Boutiquen in der City oder dem umstrittenen Online-Shoppen – der Besuch eines 2nd Hand Shops.

Per Zufall – bzw. weil mich Bodo darauf aufmerksam gemacht hatte – bin ich auf einen solchen Laden im 5.Bezirk gestoßen – 2nd Hand Rose. Pro Quartal kann man hier selbst, ähnlich wie auf dem Flohmarkt, Kleidungsstücke verkaufen – allerdings ist der Unkostenbeitrag nicht ganz ohne. Und hin und wieder gibt es am Freitag und Samstag längere Öffnungszeiten. Meine Neugierde war geweckt, und nachdem der Armbalance-Workshop, an dem ich vor kurzem an einem Samstag teilnahm, ganz in der Nähe war, bin ich nach einer schnellen Dusche und noch feuchten Haaren zur Rose gedüst.

Der Shop in einer wenig belebten Straße, eingebettet in Gemeindebauten, der Eingang eine schmale Tür, die Auslage minimalistisch.

Und doch, mit dem Betreten wurde ich von einer wohligen Atmosphäre empfangen: gedämpfte Beleuchtung, leise Hintergrundmusik, die Shopbetreiberin (?) zwar schon etwas ermattet, aber im zweiten Raum gute Laune bei den vielleicht 5 interessierten Damen.

Die Kleidung akribisch nach Farbton sortiert, zwei schmale Spiegel, keine Umkleidegarderobe.

Mir wurde heiß bzw. war mir nach dem Handstand-Üben doch noch ziemlich warm; also Yogamatte, Jacke, Schal und Handtasche in einem Eck deponiert – immer mit einem Blick darauf, auch wenn kaum anzunehmen war, dass sich hier Langfinger hätten reinschleichen können -, und los ging`s! Zuerst wurde ich – vorübergehend – bei Farbe Braun fündig: ein langer, schmaler Schlauchrock und eine Jerseyjacke – der Blick auf das Preisetikett hat mich verblüfft: jedes Teil unter EUR 20,- … die Qualität 1A! Anprobieren ohne Umkleidekabine? Da nur Frauen anwesend waren, konnte ich mich guten Gewissens „obenrum“ auch nur im BH bewegen, „unten“ behielt ich aber meine Jeans an – der Rock war zum Glück aus Stretch.

Ja? Nein? Vielleicht?

Die beiden Teile kurz mal sicherstellen, aber doch lieber noch weiterschauen. Vielleicht verstecken sich ja irgendwo noch ein paar Gustostückerln, die mir auf den Leib geschneidert sind?! Ein zerfetztes Lederkleid vielleicht? Sah cool aus, aber wo ziehe ich´s praktischerweise an? Als Krampus verkleidet vielleicht?

Die Vernunft siegte: leider nein!

Ich war eigentlich schon fast am Gehen, als ich dann noch per Zufall auf einen Strichmantel von Transit stieß, in einem dunklen, matten Grünton. Und dann tat sich mit einem Mal der Vorhang auf: Binnen weniger Minuten hatte ich ein ganzes Ensemble zusammen! Alles für sich allein zwar Standing-alone-Teile, aber aufgrund von Farbschattierungen und Details wie füreinander gemacht: ein Wickelrock, knielang, in Schwarz, mit Patschwork-Elementen, ein langärmeliges Shirt in Schlammgrün mit lockerem Kragen und zwei unterschiedlichen Bündchen (teilweise aus Strick), ein Gilet mit Stehkragen in Grau-Grün und dazu der Strickmantel –

Yes! Thats´s quite for me!

Eins, zwei, drei, vier schöne Teile und mit Nr. 5 noch eine legere Styling-Jacke aus dünnem Baumwollstoff dazu – gut, dass ich da eine Recyclingtasche mit dabei hatte. Fünf Kleidungsstücke aus zweiter Hand und doch wie neu – zu einem echt fairen Preis!

Da muss ich wieder hin!

Der Brunnen des Schweigens wird wieder geflutet

Das war jetzt aber eine gewaltig lange Schweigeminute! Wieder einmal, aber ab & dann versiegt halt der Brunnen der Mitteilsamkeit, um dann zu gegebener Zeit wieder geflutet zu werden. – Ich glaube, es ist jetzt soweit!

Es ist, wie es ist: Dieser Sommer war einfach zu heiß, um dann auch noch mit Worten feurige Hitze zu entfachen!

Nach einem harmonischen und begeisternden Jakobsweg im Juni – das Reisetagebuch dazu ist gerade im Entstehungsprozess – waren die anschließenden Monate mit dem täglichen Allerlei-Mix aus Arbeit und Sport gefüllt.

Was quasi neu ist, ist meine Morgenroutine, die ich nunmehr bereits um 05:00 Uhr früh beginne und nicht erst 15 Minuten später. Was sind schon 15 Minuten? Ganz schön viel, wenn sich der innere Schweinehund heftigst dagegen auflehnt und versucht, das „Ich-wach-jetzt-fröhlich-auf-Ich“ niederzuhalten? Diese Umprogrammierung hat zugegebenermaßen doch etwas länger als angenommen gedauert und war nur wegen dem frühen Tagesanbruch möglich. Und: die Von-selbst-Aufwachkurve zeigt von Montag bis Freitag eine absolute Hinunterkurve an. Doch das Gute daran ist, dass ich dadurch 15 Minuten „dazugewinne“, die ich dann nach dem Morgensport und bis ich zur Arbeit gehe, herrlich vertrödeln kann!

Der Montag gehört dem Laufen, sofern es beim Aufwachen nicht in Strömen regnet.

Dienstags ist eher Yoga dran, mal daheim, mal im Studio oder doch eher laufen?

Mittwochs kommt dann das dran, was dienstags zurückstecken musste.

Am Donnerstag halte ich meine Indoor-Cycling-Stunde ab, die zwar erst um 07:00 Uhr beginnt, aber ich trotzdem um 06:00 Uhr von daheim weg, zu Fuß eine knappe halbe Stunde und radle mich dann schon mal ein. Beim schlafenden Bodo verabschiede ich mich mit den Worten: „Ich geh jetzt mal spinnen!“

Freitags ziehe ich lieber meine Laufschuhe an. Im Sommer habe ich mich aber mit ein paar wenigen Freundinnen im Park getroffen, um dem Morgen mit Yoga zu begrüßen. Zuerst entsetzt über den Beginn um 06:30 Uhr, war es dann aber auch für sie ein Genuss – und es waren ein paar sehr schöne Momente dabei!

Und am Wochenende? Da ist der Wecker ausgeschalten!

Meine Laufschuhe von Salomon lösen sich schön langsam auf. Anders als bei Asics oder Saucony ist es dieses Mal aber nicht der Ferseninnteil des Schuhs oder die Zehenkappe, die aufreißen und löchrig werden, sondern der Schuh wird an der Innenkante des Fußes kaputt. Ich gebe dem Schuh und mir noch bis Ende des Jahres eine Gnadenfrist, dann wird es Zeit für den Schuh-Friedhof!

Mein Yogaplatz daheim ist vielleicht etwas eigen, denn, um Bodo nicht aufzuwecken, schwebe ich sozusagen zwischen Vorraum und Küche und starre auf die weiße Schrankwand, die auch schon mal als Hilfe beim Handstand herhalten muss. Allerdings nehme ich es daheim mit der Ashtanga-Tradition, also der klassischen und strikten Abfolge, nicht so genau und bin bei weitem nicht so diszipliniert als in der Yogawerkstatt. Manchmal reicht es auch nur für ein paar träge Sonnengrüße, einen Kopfstand und dafür einem längeren Shavasana. Allerdings bin ich danach so gar nicht ausgeglichen, wenn mein morgendlicher Bewegungsdrang zu kurz gekommen ist. Ganz schlimm, wenn ich dann fast den ganzen Tag in Besprechungen sitze …

Besser ist es natürlich in der Yogawerkstatt, wo ich im Mysore zwar für mich alleine praktiziere, aber allein durch die Anwesenheit von Lehrern und anderen Yogis arbeite ich brav die Asana-Reihenfolge ab, soweit ich sie halt kann. Ich stocke seit längerem im ersten Drittel der zweiten Serie – und glaube nicht, dass ich da noch allzu weit fortschreiten werde, denn ein paar der Übungen sind mit meiner Anatomie nicht kompatibel!

Im Oktober habe ich mir vier Tage im Gasteinertal gegönnt, wo seit ein paar Jahren im Frühling wie im Herbst ein umfangreiches, aber trotzdem lockeres Yogaprogramm angeboten wird. Meine Erwartungshaltung wurde zwar nicht ganz erfüllt, weil ich von Namaste am See ausgegangen bin – das Programm am Wörthersee war viel dichter (2 Einheiten vormittags, 2 Einheiten nachmittags) und aufgrund der Internationalität der Lehrer/-innen auch spannender; in Gastein ging es beschaulicher zu: morgens und nachmittags war jeweils nur eine Einheit möglich, weil die Stunden gleichzeitig, aber verteilt auf mehrere Hotels und zwei Orte angeboten wurden – und nachdem ich keinen Klon habe, musste ich mich für eine Yogaklasse entscheiden, was nicht so einfach war und viel an Vorarbeit abverlangt hat – Stundenplan erstellen, reihen, entscheiden. Dazwischen gab es die Möglichkeit für zumindest eine Outdoor-Sache, wie zum Beispiel Yoga auf der Alm. Und spät abends habe ich eine Yoga-Nidra-Einheit besucht: eine geführte Tiefenentspannung in den Tiefen des Hotel-Spas. Das Wetter war zum Glück super, und als Bodo dann am Samstag nachkam, sind wir auch noch ein bisschen gewandert. Alles in allem schöne vier Tage — auf mein Feedback hat der Touristenverband allerdings noch nicht geantwortet …

Abseits von Bewegung, Atmung und Entspannung hatte ich den einen oder anderen und mit Sicherheit einen zusätzlichen Rappel, denn meine Herbst-/Wintergarderobe wurde um einige Neuheiten aufgestockt! Das geht von einer luftigen Hose im Leoprint über Sweater in Petrol und Blau bis hin zu einem gestreiften Hemdblusenkleid mit Wickeloptionen, und nicht zu vergessen die Sweat-Culotte in Lila.

Im Schuhschrank tummeln sich nunmehr neue sneaker-artige Phänomene bis hin zu knallweißen Combat-Boots … Ich weiß, ich bin verrückt, aber ich liebe auffälliges Schuhwerk – nur schade, dass die meistens versteckt unterm Schreibtisch bleiben. Ich muss einfach öfters im Bürogebäude spazieren gehen und nicht nur mittags beim Buffet ein belegtes Weckerl holen! Ich finde es aber immer wieder sensationell, wie auch die neuen Teile Platz im Schuh- bzw. Kleiderschrank finden!

Ach ja, das Wichtigste, was meine Person betrifft: Ich habe in der Schweiz meine Schäfchenlocken nach einer Haarwäsche mit einem Duschgel verloren! Anfangs habe ich dem nicht allzu viel Bedeutung zugemessen, weil wir noch mit dem Rucksack unterwegs waren. Als dann aber auch daheim nach diversen Haarkuren und einem Friseurtermin keine Besserung eingetreten ist, wurde es mir angst und bang! Sind die Hormone schuld? Auch meine Friseurin war ziemlich ratlos, meinte sie doch, dass die Haare an sich gesund wären. Resignation pur und knapp am Tränenvergießen. Ich habe dann wohl aus einer unbewussten Intuition heraus damit aufgehört, meine Haarspitzen mit einem Haaröl zu bearbeiten oder ölhaltige Kuren anzuwenden – und siehe da: so schön langsam kringeln sie sich wieder ein, die Haare!

Das war ein Schock, kann ich nur sagen! Helfen die Locken doch, dass ich nicht alle 6-8 Wochen zum Schneiden & Färben gehen muss, sondern nur alle 10 Wochen – zeit- und kostentechnisch nicht unwesentlich!

So gesehen, alles im Lot, wobei diese Ausgeglichenheit gestern nachmittags doch etwas ins Wanken gekommen ist, denn als ich gerade aus dem Auto steigen wollte, ist ein Radfahrer, den ich einfach nicht herankommen gesehen habe, der sich öffnenden Autotür ausgewichen und dabei zu Sturz gekommen – mitten auf die Fahrbahn! Ein Kleintransporter konnte auf den Millimeter genau noch rechtzeitig abbremsen … Der 34-jährige Radfahrer hatte unwahrscheinliches Glück – und ich auch!!! Ich glaube, da waren eine Menge Schutzengel gerade zur richtigen Zeit am richtigen Ort! – ein aufgeschürftes Knie und ein kaputtes Handy. Ohne zu überlegen habe ich natürlich die Rettung angerufen. Die Polizei kam etwas früher herbei, das Unfallkommando nach einer halben Stunde. Insgesamt zwei Rettungswägen, fünf Polizisten, viel Blaulicht. Der junge Mann war zwar etwas verwirrt, weil es wegen dem Sturz so viel Tamtam gegeben hat, aber besser so, als … Bodo meinte, ich wäre sehr souverän und sachlich vorgegangen – das Zittern kam dann erst später daheim – und daran war nicht das lange Warten in der Abendkälte Schuld!

Danke, Ihr Schutzengel! Ich habe aus der Sache gelernt und werde mir beim nächsten Einparken auf einer Einkaufsstraße mit viel Verkehr wohl mehrmals den Kopf verrenken, bis ich die Autotür öffne!

Unschuldsweiß an frechen Füßen

Ich hätte mir nie, nie, NIE gedacht, dass ich 1) auf Sneakers im Allgemeinen und 2) auf die Farbe Weiß an den Füßen im Speziellen stehe! Aber es führt offenbar kein Weg daran vorbei. Und bis auf Begräbnisse, Ballveranstaltungen oder Pilgerwanderungen kann mann/frau diese bequemen Treter eigentlich zu jedem Anlass, zu jeder Aktivität, zu jedem Outfit tragen. Mit ein Grund, warum meine im Vorjahr bei einer Fashion Flash-Party günstig erworbenen hellen Treter aus Velour-Leder mit Seitenmasche mittlerweile schon etwas mitgenommen ausschauen – kein Wunder, halten sich die kühlen Temperaturen doch so hartnäckig, dass es für Sandalen einfach noch zu kalt ist und ich daher doch lieber zu geschlossenem Schuhwerk greife (Söckchen inklusive, um die Schweißbildung zu reduzieren).

Also Zeit für ein neues reines Weiß? Ja, Zeit für ein neues unschuldig-reines Weiß für meine frechen Füßchen!

Um die Qual der Wahl bei der Auswahl möglichst brutal zu gestalten, loggte ich mich daher (wieder einmal) in einen der beliebtesten Online-Shops auf Erden ein – und was soll ich sagen: die Auswahl an dick-sohligen, der Sportmode nachempfundenen Schuhe in der eigentlich gänzlich unpraktischen Farbe Weiß … ist riiiiiesig! Mit zusammengekniffenen Augen und Brillengestell auf der Nase versuchte ich, die einzelnen angebotenen Modelle näher unter die Lupe zu nehmen – ein schwieriges Unterfangen, denn … hat der Fotograf nicht kapiert, dass ein weißer Schuh vor weißem Hintergrund quasi unsichtbar wird? Kein Wunder, dass sich auf meiner Merkliste alsbald über 40 verschieden-ähnliche Modelle an weißen Sneakers mit dicker Sohle etwas ratlos einfanden. Zwar alle ähnlich, zwar alle weiß, aber mit Preisspannweiten von € 40,- bis über € 200,-!

Was mir immer hilft, um schlussendlich zu einer Bestellung zu kommen, ist, die Merkliste ein paar Tage unbeachtet zu lassen. Danach schaffe ich es eigentlich immer, mit einem objektiveren Blick an meine Bedürfnisdeckung heran zu gehen. Und tatsächlich, wurden aus den ursprünglich über 40 Paar Schuhen in relativ kurzer Zeit „nur“ mehr knapp zwanzig. Und nach ein paar kurzen weiteren Tagen, reduzierte sich die Anzahl ein weiteres Mal, einfach aus dem Grund, dass das eine oder andere Modell zwischenzeitlich von anderen Girls und Ladies aufgekauft wurde und mir dann nur übrig bleibt, blöd-entgeistert durch die Finger zu schauen! Grundsätzlich ärgere ich mich dabei dann nur über mich selbst und über meine Unentschlossenheit – leid hat es mir dieses Mal nur um die weißen Converse Chucks mit gelöchertem Textil getan, die nun nicht mehr aufzutreiben sind.

In den Bestellkorb gelangten dann schlussendlich – nach mehreren Tagen des Überlegens – zwei Paar weiße Sneaker in Größe 41 … das eine Paar sitzt perfekt und lässt meinen großen Zehen genug Spiel, das andere Paar muss leider zurück, weil mein Fuß darin Klaustrophobie bekommt!

Was ich bei schwarzen Schuhen schon längst erkannt habe, muss ich jetzt aber erst bei der Konträr-Farbe lernen: nicht jeder Sneaker ist gleich, nicht jedes Weiß passt zu meinem Fuß … und viel schlimmer als bei schwarzen Schuhen drängt sich die Frage auf: Wie schafft man es, dieses unschuldige Reinweiß möglichst lange so unbefleckt zu bewahren? Denn die Straßen dieser Stadt sind gefährlich, überall lauert das Dunkel, lauern Schmutz und Dreck und haben es unbarmherzig auf meine weißen Sneakers abgesehen!