Urlaub 2016 … war anders!

Ja, Leute – 2016 und wandern/pilgern war wirklich anders als die Jahre zuvor!

  • Wir waren heuer die ersten Wanderer/Pilger auf dieser Strecke!
  • Wir haben länger geschlafen als sonst!
  • Wir haben uns vor jedem Etappentag ein Frühstück gegönnt!
  • Es gab spürbaren Kontakt mit Schnee!
  • Wir haben 4 Feuersalamander und etliche Gemsen aus nächster Nähe gesehen!
  • Wir haben diese Reise durch so wunderschöne, eindrucksvolle, uns größtenteils unbekannte Gegenden Österreichs mit ihren freundlichen, hilfsbereiten und an unserem Tun interessierten Menschen …. leider vorzeitig abbrechen müssen, nicht, weil das Wetter ein zu grausames Spiel mit uns getrieben hätte – nein, weil es Situationen im Leben gibt, wo einfach die Gesundheit im Vordergrund steht und nicht das ehrgeizige Erreichen eines Kilometer-Ziels!

Auch wenn es noch dauern wird, bis die körperlichen Schmerzen zur Gänze abgeklungen sind – was bleibt sind die Erinnerungen an 16 intensive und sehr abwechslungsreiche Wandertage, herrliche Panoramaszenerie in allen Himmelsrichtungen … und die Vorfreude auf eine Fortsetzung!

(Tagebuch 2016 ist natürlich geplant 🙂

2016 anders?

Unsere Wanderung 2016 wird mit Sicherheit …. anders als die Jahre davor!

Anders aus mehreren Gründen: da ist einmal das Abreisedatum – wir werden wahrscheinlich bereits in der Walpurgisnacht (also MORGEN) Gefühle in den Füßen haben, die wir heute noch nicht spüren. Mag sein, dass es ein Kribbeln auf der Fußsohle sein wird, das vom Brennen gereizter Haut herrührt, es kann aber auch durchaus sein, dass dieses Kribbeln daher kommt, dass die Füße nach ersten Anzeichen von Erfrierungserscheinungen gerade noch rechtzeitig auftauen – denn (und auch das ist „anders“): unser Pilgerweg startet heuer … im Winter! Ein mächtiges Tief, das sich am vergangenen Mittwoch in der Früh – für Meteorologen spannend zu beobachten – über Norditalien gebildet hatte, hat einen ordentlichen Teil meines Heimatlandes unter tief-schweren Schneemassen versinken lassen. Scheint hier im Wiener Becken bei zugegebenermaßen recht frischen Temperaturen die Sonne freundlich von einem strahlenden Himmel herab, sind in der Steiermark und in Kärnten Bäume und vor allem Jungtriebe zu Fall gebracht worden, was nicht nur den Obst- und Weinbauern die Tränen in die Augen treibt, sondern auch jedem Hobbygärtner, der bereits tüchtig mit Harke und Rechen zugange gewesen ist – sehr traurig! 🙁

Auch in und um Mariazell, von wo wir starten werden, ist es über Nacht heftig weiß geworden. Das bringt uns jetzt natürlich in ein Dilemma: wie schützen wir uns vor Kälte, ohne unnötig mehr Ballast mitzuschleppen? Dazu nur eines: Lagenlook und abends keine offenen Patschen, sondern geschlossene Schuhe (Lauf, Trail), die im Notfall auch mal fürs tägliche Gehen herhalten können. Handschuhe? Haube? Schal? … wäre nicht unklug. Außerdem werde ich zusätzlich noch mein flauschiges Laufshirt mit Kapuze, Gesichtsschutz und extra langen Ärmeln einpacken, das zudem den Vorteil hat, dass es so grell Rosa ist, dass ich nicht mit einem Schneehaserl verwechselt werden kann!

Anders als sonst auch, dass wir uns leicht(er) verständigen können, sind wir doch in Österreich, Ost- und Südtirol unterwegs. Wobei ich mir hier nicht so sicher bin, dass ich jeden Dialekt verstehe – auch wenn ich a Kärntner Madl bin!

Es wird langsam Zeit, den Rucksack zu packen – morgen kurz nach 10:00 werden wir wissen, ob wir uns in Mariazell noch eine Zusatzschicht besorgen müssen.

Juchuuu – ich freue mich!

Ich bin eine (kleine) Wildsau

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Go Gatsch or go home! So lautete die Devise beim Wildsau-Dirt-Run im Wiener Schwarzenbergpark an einem frühsommerlichen Tag, der eigentlich mehr die Tendenz zum Sonnenbad als zum Gatschbad hatte – aber nein: ich musste es wissen – musste einmal die kleine Wildsau in mir raus lassen!

Wie kommt ein Mensch, den Arbeitskollegen als etepetete bezeichnen und immer gestylt antreffen, dazu, sich absichtlich dreckig zu machen und dazu das lausigste G´wand anzuziehen, das sich in der dunkelsten Kleiderschrankecke finden lässt?

Im Kopf etwas marathonmüde, in den Gelenken aber actionsuchend – in diesem Zustand befand ich mich, als mich ein Fitnesstrainer auf den Run aufmerksam machte. Im ersten Moment skeptisch, habe ich mich dann doch auf www.wild-sau.com eingeloggt und sofort Feuer gefangen: das klingt ja nach einem geilen Event! Und wenn schon, denn schon: gleich die längste Distanz als Challenge, denn für eine „Marathonna“ sind 20 Kilometer doch ein Klacks – oder?

Wie bereite ich mich auf diesen Run vor? Regelmäßiges Laufen sowieso, ab und zu gespickt mit verwilderten Waldwegen und umgestürzten Baumstämmen, sofern im Prater vorhanden, um nebst Laufen auch ein wenig mehr Naturkontakt zu erfahren. Liegestütze kein Problem, bei Klimmzügen bin ich eine absolute Null!

Was ziehe ich für diesen Run an, ohne in die Kategorie Kostümierung zu fallen? In der Annahme, dass ich nach dem Lauf aufgrund heftiger „Gebrauchsspuren“ eh alles der Mülltonne anvertrauen werde müssen, fiel die Wahl auf Camouflage-Leggings von adidas, ein bereits löchriges und kaum bis gar nie getragenes Sportshirt von Falke, farblich schon mehr als vergilbte Laufsocken und das Paar Laufschuhe, das mich zwar durch den letzten Marathon begleitet hat, das aber schon zweimal geflickt wurde, weil sich die eine große Zehe im Durchbohren versucht hat. Um die Hände zu schützen habe ich mir dann noch dünne Bauhandwerkerhandschuhe besorgt, die sich dann allerdings nur als teilweise optimal herausgestellt haben.

Ein paar Tage vor dem Start lese ich in einem kleinen Nebensatz: für ungeübte Dirt-Runner wird die 5km-Runde empfohlen – na servas! Da kommt erstmals Angst auf, vermehrt durch ein paar Videos, die ich mir dann noch anschaue – wurscht!

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Wir sind um 10 Uhr da. Die Startnummer wird mit dem Edding auf die Hand geschrieben, der Chip ist in einem dicken Band verborgen, das Band wird mit breitem Klebeband um den Knöchel fixiert. Die Moderation ist ein wenig lahm, keine anfeuernde Musik, alle Teilnehmer warten, liegen in der Sonne oder trinken schon das erste Bier (?). Dann der Aufruf für die 20-Kilometer-Starter/innen: nicht ganz 10 Frauen und etwas mehr als doppelt so viele Männer, viele Frischlinge wie ich. Wir werden bzgl. der 37 Hindernisse pro Runde unterwiesen. Nach der dritten Hindernis-Beschreibung steigen alle bereits aus. Unbedingt zu merken ist aber: rechte Schulter = grünes Markierungsband / linke Schulter = rotes Markierungsband am Weg. Ich schreibe mir das sicherheitshalber mit Kugelschreiber auf den Unterarm. Den gut gemeinten Rat, nicht zu ehrgeizig zu sein und lieber aufzuhören als sich zu verletzen, nehmen dann alle wieder wahr – vor allem, als uns eröffnet wird, dass die 20 km eigentlich 28 sind (!) und das 4 Runden zu laufen sind – mit jeder Runde steigt der Grad der Verletzungsgefahr. Außerdem gibt es ein Zeitlimit, um überhaupt die 4.Runde beginnen zu dürfen. Mit all dem im Kopf und zudem das Wissen, dass eine Verletzung zwei Wochen vor dem Wandern nicht so klug wäre, starte ich mit den ersten Säuen und Keilern – und so sah der Parcours in etwa aus:

  • unter einem Baustellengitter über Wiesengrund durchrobben
  • vom Gartenschlauch nassgespritzt werden
  • durch unter Strom stehende abgehängte Bänder laufen
  • über ein Feuer springen
  • im Bach unter einem Verbau durchkriechen
  • durch mit Schlamm und Brachwasser gefüllte Tunnelröhren steigen, kriechen, robben
  • sich über eine glitschige und glatte Staumauer hinauf- und hinunter hanteln
  • im Nassen unter Baustellengitter durchrobben
  • eine schiefe, eingeölte Ebene rauflaufen
  • durch einen Reifen klettern und eine steile Rutsche hinunterflutschen
  • mit einem Holzscheit eine Runde laufen
  • sich über herunterhängende Schlaufen weiterziehen
  • durch ein am Boden gespanntes Netz laufen
  • auf einen querliegenden Baumstamm in luftige Höhe hinaufklettern und diesen übersteigen & runterspringen
  • auf einer Slackline über einen Teich balancieren
  • in Müllcontainer hineinklettern und über Baumstämme zum zweiten Container gelangen
  • über und durch Autoreifen steigen
  • über eingerammte Baumpfosten tänzeln
  • über eine weitere, recht hohe Mauer steigen
  • einen 100m-Sprint hinlegen
  • und einiges mehr kombiniert mit einem längeren Bergauf-Run und einem steilen Bergab-Run

In der ersten Runde war ich irgendwie teilweise ganz allein – fast einsam und an manchen Stellen hilflos! Das Elektroschockhindernis passiere ich insofern ohne Schock, weil ich mich am Rand halte und der plötzliche Wind die Bänder wie mit Zauberhand zur Seite weht. Die Feuer-Flamme nehme ich auch wieder eher seitlich, denn den Geruch nach verbranntem Gummi und verbrannter Haut mag ich nicht! Unter einem Hindernis durchzukriechen ist für mich kein wirkliches Hindernis, das kann ich ganz gut. Dann das erste Mal Schuhe nass, Hände nass und die Staumauer! Kein Mann, keine helfende, starke Hand weit und breit – Verzweiflung pur, als ich bei den ersten Versuchen abrutsche und die Handschuhe verfluche, weil die mir keinerlei Unterstützung sind! Ich weiß nicht mehr, wie ich da dann wirklich drüber gekommen bin! Völlig verwirrt tripple ich dann irrtümlich über den nächsten Baustellenzaun als mich stattdessen richtigerweise unter dem Gitter im Wasserlauf durchzuschlängeln. Das Bodennetz meistere ich als eingerollter Kokon mit eingezogenem Kopf ganz gut. Zwischendurch die Beine zum Laufen zu animieren, ist echt hart. Mein Puls trommelt in einem mächtigen Crescendo und mahnt zum Gehen, um einer Explosion zu entgehen. Dann plötzlich keine eindeutige Wegmarkierung mehr – wo bleiben nur alle anderen? Endlich trotten die beiden Rambo-Typen heran, die im Startbereich nur herumgenörgelt haben und dem treu bleiben. Aber das ist mir jetzt egal, Hauptsache: Mitstreiter und vielleicht die eine oder andere helfende Hand! Ach ja, es geht weiter in der Hitze einen Schotterweg hinauf. Dort wartet dann der Holzscheit – dumm bin ich nicht: ich nehme nur ein leichtes Stück Holz – und bin jetzt froh, die Handschuhe zu tragen, denn das Holz verliert doch gerne den einen oder anderen Speil/Spieß! Und weiter hinauf. Keiner läuft mehr, alle gehen. Bei der Labstelle am höchsten Punkt wieder so ein Baumstamm, der in unerreichbarer Höhe quer gelegt worden ist – bitte liebe Veranstalter: denkt daran, dass auch Frauen mitmachen und nicht jeder 1,90 m groß ist? Ich wähle den Weg unter dem Baumstamm hindurch. Man muss nicht jedes Hindernis bezwingen – so streng sind sie hier nicht. Schnell ein Becher Wasser, ein Becher Isostar und weiter geht´s bergab im Düseschritt. Trotzdem ist Vorsicht angesagt, denn Steine und Wurzeln können leicht zum ärgsten Feind werden! Im Tal folgen dann die letzten Hindernisse, die mich wieder ein wenig aufbauen, weil der Körper ein bisschen zur Ruhe kommen konnte. Allerdings gerate ich in leichte Rage, als ich aus dem ersten Müllcontainer hinaussteige – hier gibt es in der Wand leichte Tritte, an denen ich mich alleine hochziehen kann – und dann über eine Länge von ca. 3 Meter in 3 Meter Höhe – über raue Baumstämme drüber muss. Unter mir nur Beton – Hallo! wo bleiben die Fallschutzmatten?! Ich setze mich etwas ungeschickt und blöde in eine Grätsche und versuche so, voranzukommen – Autsch! Das tut weh und verpasst mir einen riesigen blauen Fleck und zerkratzte Waden! Ich bin froh, als ich da durch bin. Die restlichen Hindernisse mit Slackline sind dann beinahe easy. Ein Golden Retriever beobachtet jede Wildsau, die durch einen weiteren, gut mit Gatsch gefüllten Tunnel robbt und ebensolche Schlammspuren aufweist wie er selbst. Beim vorletzten Hindernis muss ich kapitulieren: eine mehr als 3 Meter hohe Blechwand, zum Rauf- und Runterklettern nur Taue mit Schlaufen – ich kann das einfach nicht! Hänge da wie ein elend-nasser Sack – und quäle mich nicht länger! Meine beiden Spontan-Begleiter denken auch nicht daran, mir zu helfen. Der Sprint auf der Laufbahn ist vergleichsweise entspannend – ich meine auch, dass ich es bei der ersten Runde belassen werde. Aber die beiden Mannsbilder warten dann nett und animieren mich zu einer weiteren Runde – die beiden wollen dann sowieso aufhören (der Mega-Nörgler wäre eh nur 10 km – also 15 km – gelaufen, und seinem Freund, der eigentlich auch die gesamte Tour hätte machen wollen, ist es zu anstrengend geworden). Also gut! Durchbeißen – jetzt weiß man ja, was einen erwartet! Sky-_MG_1471

Ob die zweite Runde leichter oder schwieriger zu bewältigen ist, kann ich eigentlich nicht sagen. Man fühlt sich ein bisschen sicherer, weil nichts Unvorhergesehenes mehr kommt oder kommen sollte. Allerdings sehe ich jetzt, was ich zum Beispiel im Bachlauf mit den Baustellengittern hätte machen sollen. Aber nachdem es sich dort mittlerweile staut, weil die 5- und 10-km-Starter am Werkeln sind, und meine beiden Begleiter-auf-Zeit-ohne-Namen weiter drängeln, lasse ich das spannende Hindernis schweren Herzens aus, um nicht den Anschluss zu verlieren. So geht es auch bei ein paar anderen Hindernissen, denn die Zahl der Wartenden ist bei Rutsche und Kletterwänden zum Teil sehr hoch. Manchmal lassen die „Ein-Rundler“ den „Mehr-Rundlern“ ehrfürchtig den Vortritt. Auf der Slackline turnen teilweise anstelle von 3 Personen 8 herum, das Seil hängt schon mächtig durch. Bei der zweiten Runde entdecke ich dann aber noch mindestens ein (unüberwindbares) Hindernis, das mir bei der ersten Runde wegen der irreführenden Markierung gar nicht über den Weg gelaufen ist. Sky-_MG_1477

Als ich den zweiten Sprint hinter mich gebracht habe, bin ich froh und traurig zugleich – froh, nach fast 2:30 Stunden (!) und 15 Kilometern das (Zwischen-)Ziel erreicht zu haben – traurig und enttäuscht, dass ich nicht den Mumm hatte, alleine eine weitere Runde zu absolvieren. Ich bin zwar beim Sport eher der Einzelgänger, aber bei Durchsicht der Ergebnisse ist mir klar geworden: Viribus unitis – mit vereinten Kräften kommt man beim Wildsua-Lauf leichter ins Ziel! Allerdings war es beim zweitem Mal schon dermaßen rutschig an manchen Stellen, dass ich mich so und so der Vorsicht zu beugen hatte – wie gesagt: keine Dummheiten vor einer über 700 km langen Wanderstrecke!

Medaille gab es trotzdem eine! Und stolz bin ich, dass ich Muskeln spüre, die mich sonst eher in Ruhe lassen!

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Bis auf die Socken habe ich alles der Waschmaschine anvertrauen können.

Eine neue Erfahrung und auf jeden Fall: gestern war nicht aller Tage – ich lauf wieder mit! Keine Frage! Wir hören uns diesbezüglich im Herbst wieder!

mehr Fotos unter: https://onedrive.live.com/redir?resid=DB337DB661A66582!37572&authkey=!AAnqdPXiCSG-oFc&ithint=folder%2cjpg

S-M-L und das X

Das „X“ ist nicht nur in Verbindung mit den Chromosomen wichtig, sondern in der Modewelt geradezu ein dominierender Faktor geworden!

Es ist noch nicht allzu lange her, da hat frau sich mit 36-38-40-42-44 zufrieden gegeben. Und es gab noch die eine oder andere Boutique-Besitzerin, die mit geschultem Auge ziemlich zielsicher die Konfektionsgröße ihrer Kundin einschätzen konnte. Und wer kennt nicht die Szene aus „Verlockende Falle“ … Sean Connery gibt seiner rechten Hand den Auftrag, für Catherine Zeta Jones ein Abendkleid zu besorgen – dazu die Aussage – eines Mannes: „… in Größe 38, aber in Größe 36 kommt ihre Figur sicher noch besser zur Geltung!“ (Unausgesprochen blieb, dass dies für die Trägerin einen atemlosen Abend bedeuten musste.)

Mittlerweile ist die Fähigkeit des Kennerblickes leider vor dem Aussterben bedroht bzw. wird dieses über Jahre angelernte Wissen nicht mehr an die nächste Generation weiter gegeben – wozu auch?

Mode ist international. Wie lautet doch gleich die Umrechnung von italienischen Damengrößen auf deutsche Verhältnisse? Deutsch 38 = Italienisch 44, also plus 6 – und in Frankreich schaut es dann schon wieder anders aus!

Der weibliche Körper hat sich emanzipiert und lässt sich nicht mehr so ohne weiteres in eine Größe hineinpressen (siehe „Verlockende Falle“).

Segen oder Fluch?, als sich Small – Medium – Large leise eingeschlichen und schlussendlich durchgesetzt haben? Mit Small liegt frau nunmehr zwischen (dt.) 36 und 38, mit Medium zwischen (dt.) 38 und 40. Das heißt mit einem Wort, dass frau Klamotten sowohl nach den vielen Weihnachtsnaschereien als auch in der Fastenzeit findet, ohne sich von gleich „S“ oder „M“ verabschieden zu müssen.

Aber leider gibt es dann noch die nicht unbeträchtliche Anzahl von weiblichen Figuren, die sich außerhalb des S-M-L-Schemas fesch und attraktiv kleiden möchten und müssen. Nur wie abtötend klingen denn Minus-Small bzw. Large-Plus? Also hat ein schlauer Kopf zum unverfänglichen „X“ gegriffen. Dieser Buchstabe ganz hinten im Alphabet, der bislang in unserer Sprache ein mehr oder weniger einsames Leben geführt hat, bekommt nunmehr einen Stellenwert, der ins Extreme geht – im wahrsten Sinne des Wortes. Bist du extrem dünn und schmal, wird für dich einfach in „XS“ geschneidert, bist du dann irgendwann dem „L“ entwachsen, bekommt dein neues T-Shirt oder die neue Hose einfach ein, zwei, drei, …(?) „X“ als Attribut vorangestellt – und die Welt ist wieder in Ordnung … oder doch nicht?

Ich bin ja der S/M-Typ, oben rum mehr Small, ab der Hüfte dann eher ins Medium abrutschend. Jetzt ist es aber leider so, dass es für S-M-L keine einheitlichen Schnittbögen gibt, sondern dass sich die Designer doch stark an der durchschnittlichen Statur ihrer Herkunftsnation orientieren. Und das führt dazu, dass ein spanisches Mango-Medium und ein niederländisches Adidas-Small ohne Stoffverlust übereinandergelegt werden können.

Wieder nichts mit Vereinheitlichung; und die Aufregung beim Klamottenwühlen geht weiter!

Bei mir kommt „L“ jedenfalls gar nicht in Frage, dann lieber ohne androgynes G-Star-Teil im Kleiderschrank!

Doch eines macht mich jetzt schon sehr nachdenklich: Ich hatte vor kurzem bei einem Wochenendtrip in meine Heimat aus welchen Gründen auch immer – war es das Unterbewusstsein? – keine Lauftight eingepackt. Macht ja nichts: rein ins nächste Laufgeschäft – die Frühlingsmode in erfrischendem Azurblau und Limonengelb lockt die Sportlerin so wie die Blume die Bienen an. Die Verlockung dürfte jedenfalls so groß gewesen sein, dass mein erwähltes Teil nur mehr in „XS“ bzw. „L“ vorrätig war. Wie gesagt: „L“ ist ein NoGo für mich und wäre eindeutig zu groß gewesen (ich hasse Laufhosen, die die Tendenz zum Rutschen haben!). Das „XS“ sah mir auf den ersten Blick gar nicht mal so bohnenstangig aus. Doch ganz ehrlich: meine Oberschenkel stehen eindeutig für „M“, wie muskulös und nicht für „extrem schlank“. Mit Skepsis und ein wenig Hoffnung verschwand ich trotzdem in der Kabine, um mit möglichst viel Grazie und möglichst wenig Mühe, diese Tight über meine Waden und Schenkel hinauf zu ziehen – und siehe da: schon war ich drin, knackig zwar, aber nicht unbequem und auch ohne Angst, bei einem größeren Sprung plötzlich „im Freien“ zu stehen. Dass die Verkäuferin in Jubelschreie ausbrach, ist selbstredend – welche Verkäuferin zeigt noch einen Funken taktvolle Ehrlichkeit? Dass auch Bodo wohlwollend ein bejahendes Nicken von sich gab, hat mich dann bei der Kaufentscheidung unterstützt.

Nur: verstehen tu ich das jetzt nicht! Ein Einzelfall oder ein falsch reingenähtes Größenetikett (seit den „Vorstadtweibern“ wissen wir ja, dass in dieser Beziehung gerne mal geschummelt wird!) oder ein Umdenken in der Sportmode, um der Kundin zu suggerieren, dass sie – auch ohne eine einzige Bewegung gemacht zu haben – bereits um die eine oder andere Konfektionsgröße schmäler an Bauch-Bein-Po geworden ist?

Ich jedenfalls liebe meine neue Lauftight, einfach deswegen, weil sie wirklich rutschfrei sitzt, ich mich gut darin bewegen kann und mich die frische Farbe auch beim longjog bei Laune hält – so gesehen „XS“ für eXtreme Super!

Gedenklauf

Liebe Fendi!

Du bist seit etwas mehr als einer Woche leider nicht mehr bei uns, aber ich muss dir erzählen, dass ich Dir zu Ehren gestern 42,195 km gelaufen bin. Es ging von Bad Ischl nach St. Wolfgang und einmal um den See herum. Es war kalt, es war anstrengend, der zu bezwingende Berg gefühltermaßen noch höher als beim letzten Mal, aber ich habe es schlussendlich in einer na ja, nicht so berauschenden Finisher-Zeit bis ins Ziel geschafft – geschafft, weil ich in den Phasen, als mich meine Kräfte zu verlassen drohten, an dich gedacht habe, daran, wie du mit unermüdlicher Freude den Berg hinaufgerannt wärst, wie du mit fliegenden Ohren und heraushängender Zunge den Berg herabgekommen wärst, daran gedacht, welch Kämpferin du immer warst: du hast dich, als du noch unter Geschwistern warst, vorgedrängt und dir dein Frauchen und Herrchen ausgesucht, du hast dich ins Herz der älteren Kimba gekämpft, du hast als 4-jähriger Hund gegen eine schwere Krankheit angekämpft, du hast immer wieder erfolgreich um eine Belohnung gebettelt, du hast uns alle um den kleinen Finger gewickelt und dein Frauchen und Herrchen um so manche ruhige Nachtstunde gebracht, weil dich irgendwelche Geräusche in den Garten lockten. An der Leine warst du ein kleiner Plagegeist, beim Ohrenkraulen der größte Genießer, Haarbürste und Fotoapparat hast du so gar nicht gemocht, umso mehr aber die Kredenz mit der Kekslade.

Danke für die vielen schönen Stunden und Erinnerungen, die wir im Herzen bewahren können – wir vermissen Dich!

Burning Lurchi

Wer von Euch ist nicht mit Lurchi, dem Markenzeichen der Schuhboutique Salamander, aufgewachsen? Meine Erinnerungen gehen zurück bis zu den knallroten Lackschuhen, die ich 1976 bekommen hatte und die ich beim großen Erdbeben, das Friaul mehr oder weniger zerstörte, unbedingt retten wollte (neben meiner Schultasche). Jedenfalls war ich als Kind wohl schon Schuhfetischist oder lag es einfach an den Geschichten um Lurchi, den Feuersalamander, die man beim Schuhkauf lesen konnte und die mich so begeistert hatten?

Lang, lang ist es her – ich trage keine roten Lackschuhe mehr und Bildergeschichten lese ich auch nicht mehr. Aber das Tier Feuersalamander ist etwas Besonderes geblieben, wohl, weil es in freier Wildbahn nur mehr selten vorkommt. Deshalb war ich gestern Morgen, nachdem ich mit viel Keucherei und einem kleinen Abenteuer (beim Versuch, den gepflasterten Aufstieg über einen schmalen, steilen Trampelpfad abzukürzen, musste ich feststellen, dass der Grip der Laufsohle gegenüber feuchten Lehm keine Chance hat, weshalb manche Körperstellen die ungewollte Bekanntschaft mit dem selbigen Lehmschlamm machten) oben am Leopoldsberg angekommen war und mich für den Downhill-Run bereit machte, freudig überrascht, als sich vor mir auf dem Waldboden ein lebendiger Feuersalamander in seiner markanten schwarz-gelben Zeichnung vom Braun des Weges deutlich abzeichnete. Fast wäre ich im Flug nach unten auf dieses Tierchen drauf gestiegen! Gerade rechtzeitig konnte ich noch den einen schicksalhaften Schritt verlängern, um mich daraufhin einzubremsen, um das Tier zu bewundern. Leider war dieser eine Feuersalamander nicht sehr erfreut über die morgendliche Störung – ringsherum alles leise, nur mein lauter Schritt als Bruch der Waldidylle. Lurchi, nicht bereit, für ein Foto still zu halten, verzog sich als gleich ins Bodenlaub – und weg  war er!

In Reminiszenz an frühere Zeiten habe ich dann die Sommerschuhe verstaut und den Winterschuhen im Schrank ihren Platz für die nächsten Monate bereitet. So schön aufgereiht, fast wie beim Salamander – ich denke, Lurchi wäre stolz auf mich!

Ich im Bootcamp

Bootcamp! Das hat jetzt nichts mit Paddelboot und Campingplatz zu tun, sondern unter Bootcamp wird eigentlich ein Trainingslager für Rekruten verstanden bzw. ein Erziehungslager für zB schwererziehbare Jugendliche.

Also 3D pur: Drill – Disziplin – Durchhaltevermögen! Da gehöre ich hin!?

Der heiße Sommer hat meiner Kondition nicht wirklich gut getan: Die samstäglichen Long jogs sind nur mit Unterbrechungen (Geh- und Trinkpausen) und dem Einwurf von Isostar-Tabletten zu bewältigen. Aber als die Einladung von der Frauenlauforganisatorin kommt: nimm teil am Bootcamp – wir laufen gemeinsam und machen zwischendurch Kräftigungsübungen – wird mein Interesse sofort geweckt, sodass die Anmeldung ein Akt der Selbstverständlichkeit ist: Treffpunkt am (vergangenen) Samstag, 7:30 pünktlich (!) bei der Hauptuniversität an der Wiener Ringstraße, Dauer: 1 Stunde. Klingt nicht allzu tragisch.

Da ich aber meinen 180 Min Long jog auch absolvieren will (oder muss?), takte ich den Morgenlauf so ein: ich starte um 5:30 im Morgengrauen bei noch angenehmen Temperaturen und trabe mit gemächlichem Tempo 90 Minuten am Donaukanal hin und her, sodass ich bereits kurz nach 7:00 beim Treffpunkt bin – wie immer komplett ausgeronnen! Während ich warte, kommen nach und nach die anderen Teilnehmerinnen, viele tragen ein Frauenlauf-T-Shirt, alle sind frisch und mehr oder weniger munter, aber zumindest schwitzfrei. Ich schaue an mir runter: die kurze schwarze Laufshort klebt nass am Oberschenkel, dünne Rinnsale schlängeln sich am Bein entlang nach unten und sammeln sich in meinen Schuhen. Die Organisatorin graust sich sichtlich, mir die Hand zu geben. Nach einer kurzen Ansprache und dem Gruppenfoto teilen wir uns in 4 Gruppen auf: die Sprinterinnen (Super Heroes, Pace 05:00/km), die Schnellen (Heroes, Pace 05:30/km), die Läuferinnen (Heroes Advanced, Pace 06:00/km) und die Joggerinnen (Heroes Basic, Pace 06:30/km). In Anbetracht meines schon absolvierten Laufs und der momentanen eher skeptischen Einstellung zu meiner körperlichen Leistungsfähigkeit reihe ich mich zuerst in Gruppe 3 ein, aber als Gruppe 2 startet, schließe ich mich dieser eher kleineren Gruppe an – und das Tempo passt perfekt.

3 Parkanlagen, 3 Stopps mit je 3 Übungen á 45-60 Sekunden: Kniebeugen (statisch und dynamisch), Ausfallschritte, Liegestütz, Hampelmann, Schubkarren fahren, Wadenheben, Mountain-Climbing, Trizeps – es kommen alle zum Schwitzen, nicht nur ich! Den Einlauf in den Augarten mache ich zwar noch mit, aber es ist bereits 8:30, die Sonne brennt schon ordentlich auf uns nieder und ich will noch nach Hause laufen (30 Minuten plus) – also lass ich das Cool Down aus … und Hände schütteln mag mir eh niemand 🙂

Ich baue zwar schon seit einiger Zeit Kräftigungsübungen in mein Lauftraining ein – im Prater habe ich eine bestimmte Bank zu meiner Gymnastikbank auserkoren! -, aber es tut doch ganz gut, wenn man einmal nicht alleine läuft, sondern der Gruppengeist rüberschwappt.

Ansonsten bleibe ich beim Laufen mit meinen Gedanken aber lieber allein!

 

Wenn der Durst zu mächtig wird

Ich melde mich kurz zurück (eigentlich schon gestern, aber da hat der Upload nicht wollen 😉 – zurück von der Hitzelähmung der vergangenen Tage, fast Wochen!

Wie ich diese tropischen Temperaturen überstanden habe? Tagsüber im Büro auf Zitterkurs heruntergetrimmte Raumkonditionierung, beim Verlassen des Gebäudes dann der heiße Schlag ins Gesicht, der Gang schleppend langsam, Vermeidung jeglicher Bewegung über das gerade notwendige Maß hinaus, nachts im Eva-Kostüm ohne Decke und Kopfpolster mit zeitweiligem Kurzaufenthalt auf der Terrasse, eine Wassersprühflasche griffbereit.

Und was war da sportlich drin&dran? Laufen eine einzige Katastrophe, weil auch in der Früh schon wieder bzw. noch immer hohe Temperaturen auf meinen Organismus einwirkten, was sich als sehr nachteilig auf mein sowieso enormes Schwitzverhalten ausgewirkt hat. Da konnte auch meine jüngste Lauf-Accessoire-Errungenschaft, ein Trinkgurt in dezent schrillen Farben 🙂 nur sehr eingeschränkt Abhilfe gegen Durst und Flüssigkeitsverlust bieten.

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Eigenartigerweise ist mein Trinkverhalten zwischen Trinkschlauch und Trinkblase im Rucksack auf der einen Seite und zwei 300ml Flaschen im Trinkgurt auf der anderen Seite sehr unterschiedlich. Die Flascherln sind immer viel schneller leer als die Trinkblase. Wenn ich da nicht unterwegs im Prater oder auf der Donauinsel eine öffentliche Trinkwasser-Zapfsäule finde, ist mein Long Jog unmöglich zu bewerkstelligen!

Und noch eine Erfahrung habe ich gemacht: je wärmer und heißer es ist, desto dringender muss ich mir was auf den Kopf setzen, am besten ein nass gemachtes Bandeau, denn aus meinem ovalen Schädel schießen unmäßig viele salzige Tropfen heraus, die durch die Locken noch mal ordentlich ins Wirbeln gebracht werden – manchmal komme ich mir vor wie ein Hund, der sich nach einem Sprung ins Wasser auf Land ordentlich durch- und abschüttelt.

Viel angenehmer, aber auch schweißtreibend, waren meine morgendlichen Yoga-Einheiten auf der noch schattigen Terrasse inmitten unserer doch recht üppigen Bepflanzung – die knallgelbe Gießkanne hat in dieser heißen Sommerphase gute Dienste geleistet.

Für die kommende Sommersaison steht ein stylisch gut durchdachter Tyson-Ventilator auf der Wunschliste für die Wohnung (für diese Saison hoffnungslos ausverkauft). Kann man sowas nicht auch für hitzige LäuferInnen erfinden?

Von Entschleunigung auf Full-Speed?

Mein längeres Schweigen hat den simplen Hintergrund, dass ich mich beim Langstreckenwandern eher auf meine Füße konzentriert habe als auf die Agilität meiner Fingergelenke.

Unsere diesjährige durchschnittliche Geh-Geschwindigkeit hat zwar knapp die Schallmauer von 5 km/h verfehlt – und trotzdem haben wir wieder einmal eine Entschleunigung der besonderen Art erfahren dürfen, untermalt von der Brandung des Atlantiks und der Einsamkeit im Landesinneren Galiziens.

Dass es auch anders „gehen“ kann, haben wir dann bei einem Abstecher nach A Coruna feststellen dürfen, wo spindeldürre Athleten aus aller Herren Länder für einen „Power-Walking“ Wettkampf trainiert haben. Hier mutiert das ansonsten eher gemütliche Nacheinander-Aufsetzen der Fußsohlen zu einem Kampf zwischen Rechts und Links, zumal die Fußstellung in dieser Sportart jeden guten Orthopäden aufschreien lassen müsste und der mitreißende Hüftschwung am Wiener Life Ball gut aufgehoben wäre.

Und wie sich mein Körper in drei Wochen verändern kann, habe ich bei meinen ersten morgendlichen Lauf-Ausflügen, mit leichtem Entsetzen erfahren müssen: von 5km/h Geh-Bewegung auf 10 km/h Lauf-Bewegung? Das wollte nur mein Kopf, der Rest meines Ich hat sich dagegen gesträubt wie ein Schaf, das zum Scherer muss oder Bodo, wenn er das Wort „Arzt“ nur im Flüsterton hört. Im Yoga habe ich gelernt, den eigenen Körper bewusster wahrzunehmen und auch mehr auf ihn zu hören. Mir ist mittlerweile klar geworden, dass ich hier nichts beschleunigen kann, sondern dass ich meinem Körper auch Zeit geben muss, vom Modus „slow motion“ auf Modus „high intensity“ umschwenken zu können. Komisch nur, dass es umgekehrt herum immer viel einfacher ist.