Alle laufen …

In drei Tagen ist es wieder soweit: der Startschuss zum Wiener Marathon (international Vienna City Marathon, kurz VCM) fällt am kommenden Sonntag um 9:00 bei wahrscheinlich besten Wetterbedingungen.

Nur … warum bin ich nicht nervös? Warum flattern mir nicht die Herzmuskeln? Warum habe ich keinen trockenen Mund, keine Alpträume, keine zittrigen Knie, keine Versagensängste?

Ganz einfach: wenn heuer über 40.000 LäuferInnen in unterschiedlichsten Distanzen (Staffel, 21km, 42km) über Asphalt und Wiener Straßen laufen werden, werde ich mich nicht im Pulk schwitzend-stinkender Körper wiederfinden. Die Un-Lust, die mich im vergangenen Jahr bei eigentlich ausgezeichneter Kondition und Vorbereitung zum Aufhören animiert hat, hat mich dieses Jahr gleich davon abgehalten, einen Startplatz zu ergattern. Allein beim Gedanken an die recht langweilige Streckenführung kommt die Un-Lust hoch wie ein kräftiger Rülpser!

Vielleicht rede ich mir das jetzt auch nur schön, denn insgeheim wurmt es mich doch, dieses Jahr nicht dabei zu sein. Überall werden Vorbereitungen getroffen: an den Bus- und Straßenbahnstationen hängen die Informationen über Straßensperren, hie und dort sind schon die Absperrgitter deponiert, am Heldenplatz ist die VIP-Tribüne bereits aufgebaut, auf unserer hass-geliebten neuen Fußgängerzone (der Mariahilferstraße, kurz MaHü) wird noch schnell betoniert, damit die LäuferInnen zwischen Kilometer 19 und 20 nicht ins Straucheln kommen, morgen öffnet die Marathon-Messe und die ersten Lauftouristen erkunden die Stadt.

Ein bisschen komme ich mir wie ein Verräter meiner selbst vor. Andererseits sollte ich meinem Urinstinkt, der sich im vergangenen Jahr hervorgewagt hat, trauen und stattdessen meine ganz individuell gestalteten einsam-beschaulichen Morgenläufe genießen. Denn eines ist sicher: Rehe und Füchse meiden sicher den VCM, und Vögel verstummen, wenn 80.000 schwere Füße die Reichsbrücke zum Beben bringen.

 

Laufend neue Höhen

Immer wieder mal was Neues – sonst würden meine frühmorgendlichen Long Jogs am Samstag ja langweilig werden. Meine derzeitigen Favoriten sind die lang gezogenen Wege entlang der Donau Richtung Westen / Klosterneuburg. Vor ein paar Wochen habe ich diese Strecke erstmals gewählt, weil es hier so ruhig, beschaulich, von Menschen verlassen ist. Nur der Wind, der am Ufer der Donau zuweilen ordentlich bläst, gibt dem Ganzen etwas mehr Dynamik.

Ich versuche, beim Laufen den Blick nach vor zu richten, aber auch das Nebenbei zu bemerken, wie Schwäne im Anflug, Enten auf ertrunkenen Baumstümpfen, vorbeiziehende Lastschiffe, die noch struppige Natur im langsam weichenden Winterschlaf, vom Biber angeknabberte Bäume – und das kleine Kirchlein an der Spitze des Leopoldberges, einer kleinen Erhebung am Stadtrand Wiens, gemeinsam mit dem angrenzenden Kahlenberg ein willkommenes Ausflugsziel der städtischen Wiener. Wir sind da ja mal schon raufgewandert, als Bodo und ich den Wiener Rundumadumweg zu Trainingszwecken in Etappen gewandert sind. In der Erinnerung ist mir ein recht steiler Weg geblieben – also nichts für laufhungrige Gemüter? Die Verlockung jedes Mal aufs Neue, allein der Mut hat gefehlt: was, wenn ich da zusammenbreche, nicht mehr weiter kann, geschweige denn den Weg nach Hause zurück laufen kann? Ängstlich, mutlos, ohne Selbstvertrauen – bin ich das?

Beim Googeln nach interessanten Laufevents abseits der Masse bin ich auf den Rundumadum-Ultramarathon gestoßen, in Summe 124 km, die man innerhalb von 30 Stunden bewältigen sollte. Keine Angst! Das mache ich nicht – allerdings gibt es auch Teiletappen, die mitzulaufen schon ganz spannend wären – eine Etappe führt dabei – erraten? – auch auf diesen kleinen Hügel, der sich in der Ebene des Donauufers so markant nach oben erhebt.

Wie soll ich es angehen, den Mut zu finden, die Angst zu verlieren, das Selbstvertrauen zu entfesseln?

Schritt 1: man nehme einen strahlend-blauen früh-frühlingshaften Sonntag und Bodo an der Hand und tarnt das Austesten der zu bewältigenden Steigung in einen müßigen Spaziergang. Mir kommt es so vor, dass es gar nicht mal so arg ist: der Puls steigert sich in angenehme Höhen, die Schweißporen bleiben geschlossen, die Beinmuskulatur fühlt sich angenehm in Anspruch genommen. Und eine herrliche Aussicht lockt als Belohnung.

Schritt 2: der nächste Longjog beginnt um 5:45 in der Morgendämmerung. Um 7 Uhr bin ich dann am Startpunkt, umgeben von Weinkulturen und noch schläfrigen Winzern. Ich gehe es gemächlich an. Der lockere Laufrhythmus der Ebene geht in kleinere tempo-reduzierte Schritte über, den ersten steilen Anstieg nehme ich in schnellerem Gehtempo, die zahlreichen Stufen werden langsam erklommen, um den Beinheber nicht zu erschrecken. Danach weiß mein Körper, was zu tun ist. Muskeln, Herzschlag, Schweiß spielen harmonisch miteinander. Ich lege zwei kleine Verschnaufpausen ein, verzichte generell, die Stufen, die ab und dann ganz arge Steigungen gehfähig machen, laufend zu erklimmen. Der letzte Anstieg vor der Kirche verdient meine Ehrfurcht: schnaufend und schwitzend reduziere ich nochmals das Tempo, gönne mir dann einen guten Schluck Wasser – mein Trinkrucksack leistet hier verlässliche Hilfe -, und weiter geht´s! Stolz ohne Ende, dass es so gut geklappt hat. Knapp 15 Minuten habe ich in Summe hier herauf benötigt. Ich lebe noch, ich fühle mich sehr gut. Mit der Aussicht ist es leider nicht so toll: grau und nebelig zeigt sich dieser Morgen – ich laufe weiter bis zum Kahlenberg, wo leichtes Graupeln meine Haut kitzelt. Dort drehe ich dann um, auch wenn der nächste Anstieg bis zur Sternwarte verlockend ist. Aber wie gesagt: ich muss das ganze Stück wieder zurücklaufen! Normalerweise esse ich während des Laufens nichts – warum auch? Mein Körper hat genug Reserven. Aber vor dem Hinunterlaufen gönne ich mir einen leicht gefrorenen, und daher biss-harten Müsliriegel mit Schokoladenguss auf einer Seite – das gibt Power! Ich flitze den Weg, den ich hinauf gelaufen bin, wie im Flug hinunter, begegne dabei wieder einer Frau, die ich beim Weg hinauf schon getroffen habe – jetzt kommt sie wohl ins Schwitzen; ich glaube aber, dass sie hier irgendwo wohnt und dass das ihr normaler Wochenendspaziergang ist. Es ist nicht mal 8 Uhr. Auch ein paar andere Personen nutzen die Morgenstunde, um zur Kirche raufzugehen – alle sind mit einer Freundlichkeit gesegnet, die man wohl nur am Berg findet. Den Schwung aus dem Bergab-Lauf nehme ich mit und düse mit fröhlichem Schritt wieder heimwärts.

Meine Muskeln sind sich einig: JA! Das hat Spass gemacht! Deshalb sind sie auch ganz brav und murren nicht. Schließlich wollen sie am nächsten Samstag wieder ein abwechslungsreiches Laufprogramm serviert bekommen. Meine Lieben: ich werde mich bemühen!

Es geht auch ohne Regen – der Reisebericht

Hallo an Alle & den Rest!

Wie jedes Jahr zum Feste, gibt es nur das Beste!

In diesem Falle eine individuell-persönlich gestaltete Lektüre über das Wagnis „Zu Zweit unterwegs auf dem Jakobsweg“ – Bodo und Lucia mit wenig Hab&Gut, aber unendlichem Reichtum im Herzen, mit Neugierde und manchmal schmerzenden Füßen in zwei europäischen Ländern zu Gast.

 

www.brinkmann.at/2014_esgehtauchohneregen.pdf

 

 

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten und ein Gutes Neues Jahr!

Lucia

Yoga goes Fashion

Der frühe Vogel frisst den Wurm …. oder findet eine andere leckere Beute.

Morgenstund´ hat Gold im Mund …. oder sucht in der Geldtasche nach.

Du sollst den Morgen loben, wenn ….

… du dich in einer Yogawerkstatt in die junge Kollektion „nice to meet me“ verguckst. Das ist heute Morgen noch vor 7 Uhr – nicht online, sondern IRL (!), MIR passiert! Sinnvollerweise habe ich VOR den schweißtreibenden Asanas und einem missglückten Kopfstand, der in einer Rolle vorwärts geendet hat :-(, mit dem Gustieren und Anprobieren begonnen, beraten von meiner Yogalehrerin, der immer freundlichen Romana.

Noch den Kaufrausch im Kopf spürend, habe ich mich dann aber doch dem eigentlichen Zwecke meines morgendlichen Besuches, der Yoga-Praxis, gewidmet und wie immer viel Freude und Schweiß verspürt und neue Erkenntnisse gewonnen (siehe Abenteuer Kopfstand!).

Das „Geschenkspackerl“ war mit dabei – der Inhalt? Perform Leggings in Violett-Blau mit rosa-rötlichem Bindegürtel, Balance Leggings in zweierlei Rottönen, eine lila Hose, bei der man die Hosenbeine hochschoppen kann; dazu die passenden Tops, natürlich auch für Practise und Vinyasa. Das Material: samtig weich!, die Qualität: 1A und nachhaltig!

Bei Schild (in Günzburg) würden sie jubilieren: „Das waren jetzt 6 Teile!“ – Ich sag nur eins:

Nice to meet Me!

 

Yoga im Strampler

Nicht, dass man meinen möge, ich wäre aufgrund meines Tanten-Status erst jetzt auf die Idee gekommen, beim Yoga-Praktizieren einen Einteiler / Jumpsuit oder halt Yoga-Strampler anzuziehen. Nein, diese Idee hatte ich schon vor ein paar Jahren, als ich mir einen ebensolchen in Schwarz von Casall zugelegt habe. Und neuerdings schlängle ich mich cat-woman-gleich auch in einen rötlich angehauchten Suit von adidas designed by Stella.

Der Vorteil dieser Einteiler – Bodo mag sie überhaupt nicht! – ist, dass beim abschauenden Hund oder im Kopfstand kein T-Shirt über die Augen rutschen kann und damit den Bauch gnadenlos enthüllt oder dass die Hose eine Abwärtstendenz aufweist und damit das kleine Bisschen Underwear zum Vorschein bringt. Ich habe den schmalgeschnittenen Schwarzen auch schon mal zum Laufen angezogen. Ein Sweatshirt drüber und fertig ist der Look!

Der Nachteil dieser Einteiler – und deswegen bin ich da auch mit einer gewissen Selbstkritik unterwegs – ist, dass Hüftspeck und Bauchröllchen gnadenlos zur Schau gestellt werden. An Tagen, an denen der Blick in den Spiegel eine deutliche Warnung ausspricht, ziehe ich mir dann schnell kurze Shorts mit Bund über – täuschen und tarnen!

Wie auch immer, ich bin gerade in einer Biophase, wo ich meine Strampler sehr schätze! Nach den Advent- und Weihnachtsnaschereien werde ich wohl wieder zum Camouflage-Look wechseln oder dem hämischen Spiegelblick eins auswischen, indem ich ihm keine Chance auf blöde Bemerkungen gebe. In diesem Sinne: OM – keep on running!

Frohgelaunt über die Ziellinie

Yes, I can!

Hände hochgestreckt, lauter Schrei, Überfreude 🙂

Nach den beiden persönlichen Marathonschlappen des heurigen Jahres – in Wien hatte ich schlichtweg relativ rasch einfach keine Lust mehr, mit 80.000 anderen mehr oder weniger behaarten Beinen asphaltierte öde Kilometer abzulaufen, und in der ach so schönen Wachau hat mich ein teuflisch falscher Ehrgeiz in die Misere geritten, indem er mich mit panischem Herzrasen und unfrohen Gedanken bestrafte.

Das Ergebnis: Selbst-Zweifel, Selbst-Kritik, Selbst-Mitleid, …

Aber wie heißt es so schön? Nach jedem Tief kommt ein Hoch? Kalt-Warm haltet den Kreislauf frisch. Yin und Yang wiegen sich in Balance.

Schon im Frühsommer hatte ich mich selbstsicher für einen weiteren Lauf angemeldet: Salzkammergut – Rundlauf um den Wolfgangsee mit einem knackigen Bergauf-/-ab-Teilstück – ein Lauf, in Natur eingebettet, noch nicht sehr über-laufen. Vielleicht 3.000 LäuferInnen absolvierten zuletzt 5, 10 oder 27 km und nicht mal 200 Waghalsige die 42,195 km, die in Bad Ischl beginnen. Somit quasi ein Laufprivatissimum?

Im September war ich sehr im Wickel-Wackel, ob ich an den Start gehen sollte.

Anfang Oktober hat das Leistungs-EKG bestätigt: ich bin topfit. Also liegt es nur am Kopf, wo meine beiden Gehirnzellen wohl arg am Streiten sind?

Egal: das Startgeld ist bezahlt, die Wetteraussichten sind brillant, die 3-stündige Fahrt flockt mit Stauumfahrung und größerem Herumirren in Bad Ischl, da aufgrund einer Mega-Baustelle eine Querung des Ortes nicht möglich ist. Die Unterkunft in einem etwas eigenartigen Ferien-Appartement (Minigarconniere mit ausklappbarem Sofa, Küchenzeile, Blick auf Fluss und Fußballplatz und Berg, geschmacklich nicht unser Stil, hätten uns eher ländlich-alpinen Stil erwartet) ist bereits zur Hälfte bezahlt.

Am Samstag holen wir uns die Startnummer in St.Wolfgang, genießen die Sonne und am anderen Seeufer einen und einen zweiten aufgespritzten Sturm. Abends gibt es natürlich Pasta und im zweiten Anlauf ein Glaserl Prosecco (der erste Spritzwein war untrinkbar, weil geschmacklich näher an fauligem Holz als an ausgepressten Trauben). Mein Schlaf ist tief und ruhig. Erst am Morgen macht sich dann richtig die Unruhe breit – meine momentanen Verstopfungsprobleme finden hier zumindest ein ausgiebiges Ende.

Die knapp 300 Marathonis (2014 wird zum Teilnehmerrekord) warten relaxed im Startbereich. Um 9:20 wird der Startschuss in die Luft geballert – es geht los! Bodo ist ein brillanter Schatz: er weiß, wie wichtig mir dieses Mal das Durchkommen / Ankommen im Ziel ist. Ich muss keine persönliche Bestzeit unterbieten, zumal dieser natur-nahe Lauf nicht mit einem ebenen Stadtlauf zu vergleichen ist. Ich muss nur fit im Kopf sein. Daher hat er mir eine Aufgabe gestellt: ich muss ein virtuelles, aber lebenswichtiges / lebensrettendes Medikament ins Ziel bringen! So komisch das jetzt klingen mag, aber in den nächsten 4 Stunden werde ich tatsächlich ab & dann daran denken. Doch noch nicht zu Anfang, denn da geht es eigentlich recht gemütlich los. Da ich fast ganz zum Schluss gestartet bin, bin ich geschwindigkeitsmäßig unter Gleichgesinnten. Aus Bad Ischl raus geht es teilweise über Trampelpfade im Gänse-Lauf; ein Überholen ist hier so gut wie nicht möglich. Auf der Straße teilen wir uns die Fahrbahn mit den wenigen Autos, die hier herumfahren. Zu beiden Seiten begleiten uns Berghöhen, über uns strahlt ein blitzblauer Himmel vor Freude – und diese Freude überträgt sich auch auf meine beiden Gehirnzellen. Die ersten 15 km führen bis nach St.Wolfgang, wo wir freundlich zum Weiterlaufen animiert werden – das Ziel ist noch 27 km entfernt. Nun treffen wir auf die LäuferInnen, die hier gestartet sind. Die schnellen Athleten sind natürlich schon längst am anderen Ufer (im wortwörtlichen Sinn gemeint!). Nach weiteren knapp 5 km sehe ich die Läuferkarawane ins Stocken kommen: es geht abrupt bergauf: zuerst ein Straßenstück, dann auf Waldboden. Ein Stoßgebet, ein Stück Banane, noch ein Schluck isotonisches Gift. Ich merke rasch, dass mich langsame Laufschritte zu sehr auspowern werden und verlagere mich wie die anderen rund um mich aufs zügige Bergaufgehen. Kurz kommen mir Erinnerungen ans Pilgern in den Sinn. Im Großen und Ganzen eine recht komische Situation, wenn man sich diese Massenwanderung von der Seite anschaut. Schon oben? Dann geht es ohne Aussicht rasend schnell wieder bergab. Dank an meine Knie – das wird für mich zur besten Teilstrecke! Ich flitze schnurzgerade oder im Zickzack hinunter, wenn ich andere eher vorsichtigere Damen und Herren umschiffen möchte. Habe ich sonst vor Bergab-Geschwindigkeiten eher Angst und stehe auf der Bremse, lasse ich hier die Zügel locker – mir ist fast danach, laut aufzujuchzen – aber vielleicht ist das doch unpassend? Mit diesem Schwung geht es dann entlang des Sees weiter. An jeder Labstation mache ich brav Halt, trinke Wasser und Iso-Getränk, nehme 3x ein Stück Banane und habe auch meine eigenen Tuben mit Mineralstoffen dabei. So bringe ich mich Kilometer um Kilometer weiter. Der anfängliche Frohsinn hat ein bisschen abgenommen. Es wird heiß, wir laufen sehr viel ohne Schatten – das ist die Zeit, wo ich ans „Medikament“ denke. Zaungäste gibt es nicht allzu viele, aber wir werden doch hin und wieder beklatscht und angefeuert. Die originellste Fangruppe darunter ist mit Sicherheit unangefochten die Belegschaft eines Altersheims: Pflegerinnen und betagte Gäste dick eingepackt in Rollstühlen im einseitigen Spalier. Zugegebenermaßen reagieren nicht viele auf mein dankbares Winken. 10 km vor dem Ziel treffe ich Bodo – Zeit für ein Bussi muss sein. Er ist beruhigt, dass es mir gut geht. Aufmunternd sind die Kilometeranzeigen: sonst werden meistens sehr pragmatisch Kilometer um Kilometer aufsummiert. Aber das Salzkammergut ist anders: Nur bis zum Berg werden die Kilometer chronologisch angezeigt. Nach dem Bergstück aber wechselt die Anzeige auf: „noch 19 km …. noch 14 km …. noch 3 km“ – das ist ein wahnsinnig guter Motivator, wenngleich ich 5 km vor dem Ziel dann schon ein wenig schwächle. Aber bei „noch 1 km“ hole ich die letzten Reserven hervor und gebe nochmals Gas. Eine minimale Steigung bis zum Ortsanfang – und dann im Schuss über die Ziellinie … nein: ich muss noch ein paar Meter weiterlaufen, denn die tatsächliche Ziellinie kommt knapp hinter der vorletzten Zeitnehmung. Der Teppich, über den ich die letzten paar Meter sprinte, ist nicht rot, sondern himmelblau – aber was zählt: ich habe es geschafft!

Hände hochgestreckt, lauter Schrei, Überfreude 🙂

Das Ergebnis: 04:02 / 100. von knapp 250 Startern, 15. bei den Frauen, 5. aus meinem Jahrgang … absolut ausbaufähig! Denn sollte es ein nächstes Mal geben (vorstellen könnte ich es mir durchaus), muss ich das „Medikament“ unter 4 Stunden ins Ziel bringen!

Fotos folgen …..

 

 

04:37

Es ist späte Nacht – 04:37, als mich mein innerer Anti-Schweinehund sanft aus dem Schlaf holt. Ein hell leuchtender Stern blickt mir freundlich ins Gesicht. Der Druck auf meiner Mickymouse-Blase macht das Aufstehen zu einer relativ leichten Übung.

Normalerweise absolviere ich meine long jogs samstags – aber jetzt ist Sonntag, den ich in neongelben Laufschuhen, kurzer Tight, Top und dünner langärmeliger Jacke (mein Asics-Schnäppchen) beginne.

Vielleicht liegt es daran, dass es noch sehr früh ist und noch nachtschwarz (im Sommer wird es um kurz nach 5 ja schon hell). Vielleicht liegt es daran, dass der Sonntag, abgesehen von den Nachtschwärmern, die liebestoll und partytrunken auf der Suche nach einem Taxi durch die Gassen torkeln, ein sehr schlafhungriger Wochentag ist, an dem der biblische Ausspruch: „Am siebten Tag ist Ruhe angesagt“ auch in der heutigen modernen Zeit noch Berechtigung hat.

In diese Stille komme nun ich mit hörbaren, mäßig schnellen Schritten, die mich in den Prater führen, wo ich anfangs noch auf der beleuchteten Hauptallee bleibe. Ohne Stirnleuchte wäre es mir dann auf unebenem Terrain doch zu unsicher.

Ich bin nicht allein: ein Radfahrer überholt mich, bepackt mit einem leuchtend blauen Rucksack. Er zischt an mir vorbei und streckt die rechte Hand zum Gruße hoch. Als ich ihm ein „Guten Morgen!“ zurufe, dreht er sich nochmals grinsend um und grüßt zurück. Ein anderer Läufer kommt mir entgegen und freut sich ebenfalls über meinen Gruß. Auch hier eine andere Stimmung als dann eine Stunde später. Denn je mehr Sporthungrige unterwegs sind, desto magerer fallen die persönlich-individuellen Begegnungen aus. Ich spüre eine frühmorgendliche Verbundenheit mit den anderen und ich denke, denen geht es ebenso wie mir.

Und als ich dann noch meine Freunde, den Hasen, der mir wieder einmal vormacht, wie man richtig sprintet, und das Reh treffe, wird der morgendliche Auslauf zu einer belebenden Sache, die mir für den Rest des Tages viel Kraft verleiht – aber das ist eine andere Geschichte!

Was spielt sich da nur ab in meinem Kopf?

Ein grauer Montag – nach einem schwarzen Sonntag!

Die Vorbereitung an sich top. Das Equipment top. Die neuen Laufschuhe von Zoot (mit Drehverschluss) top, wenn gleich noch nicht gut eingelaufen. Die Wetterbedingungen top. – Also alles eigentlich top, um durch die Wachau zu laufen?

Ja, wenn da nicht eine verzogene Verkühlung gewesen wäre und damit verbundenes Schlappi-Feeling. Und vor allem, wenn da nicht in meinem Kopf eigenartige Dinge vor sich gingen, die meinen Brustraum beinahe zum Bersten bringen und trübe Gedanken die an sich schöne Laufstrecke von Anfang an vermiesen würden.

Was spielt sich da nur ab in meinem Kopf?

Vor dem Start ist alles gut: Vorfreude, Motivation, Selbstvertrauen. Mit dem Start aber gibt eine Kehrtwende – und alles ist auf einmal anders. So sehr ich meine – wohl gemerkt – einsamen Morgenläufe, die nun auch mal 180 Minuten dauern können, genieße (vielleicht etwas übertrieben, aber wenn ich samstags freiwillig früh aufstehe und auf Tour gehe, ist das schon eine Art Genuss, auch wenn ich dort dann ab und dann körperliche Ermüdung spüre), dürfte ich anscheinend seit dem Wiener Marathon im April eine kleine Aversion gegenüber „alle laufen in eine Richtung“-Veranstaltungen haben … was auch nicht ganz stimmen kann, denn den World of Life Run im Mai habe ich persönlich als sehr positiv empfunden. Wien und die Wachau kann man so gesehen auch gar nicht miteinander vergleichen. Starten in Wien an die 40.000, sind es in der Wachau grade mal 2.000, die in Emmersdorf gleichzeitig starten (die Halbmarathonisten starten in Spitz) – also gemütlich, familiär, ohne Gedrängel und Geschubse.

Was spielt sich da nur ab in meinem Kopf?

Ich war anfangs weit vorne im Starterblock – Fehler Nr. 1

Ich habe mich vom 3:29:59 Pacemaker verwirren lassen, weil ich ihm unbedingt hinter her wollte – Fehler Nr. 2

Ich bin noch nicht so ganz auf meine neuen Laufschuhe eingestellt, weil die zischen ordentlich ab und der Rest kommt noch nicht so gut nach – Fehler Nr. 3

Ich habe allzubald nur ans Aufhören gedacht und nicht ans Ziel – Fehler Nr. 4

und wohl einige weitere Fehler dazu ….

In Spitz, also zur halben Strecke habe ich tatsächlich aufgehört – mit einer katastrophalen Zeit (1:55! …. das sind 10 Minuten mehr als gewöhnlich :-(; sass dann auf einer Steinmauer und schaute desinteressiert dem Geschehen zu. Bodo hat mich sanft, aber bestimmt, versucht zu motivieren – und da war dann auch ein kurzes Aufflackern, ein „ich schaffe das!“. Ohne Trinkrucksack und ohne Startnummer (weil die hatte ich schon abgenommen) machte ich mich nochmals auf den Weg – langsamer, befreiter (der Rucksack dürfte mich beim Wettkampf doch mehr stören als unterstützen), mit gutem Vorsatz …. der dann aber auch nur ein paar lächerliche Kilometer anhielt. In Weißenkirchen sah ich dann vor meinen Augen eine große Stopp-Tafel. Ich funkte Bodo an, der zufälligerweise mit dem Auto ganz in der Nähe war. Dann befreite ich mich aus dem arg durchschwitzten Gewand und verbrachte den Rest des Tages in einer Art aktiver Agonie.

Heute Morgen hab ich das Lauftrikot dann wieder ausgezogen – keine Lust …. morgen wird´s schon wieder passen – hoffe ich bzw. muss ich mich dann einfach brutal am Schopfe packen und aus dem Morast des Selbstmitleids ziehen.

Allein: ich habe in einem Monat eine weitere Challenge ausgewählt, diese auch mit Steigungen – wie soll ich bis dahin FIT im KOPF werden? Wer immer dazu einen Tipp für mich hat, melde sich bitte bei mir – DRINGEND!

Abschied von Freunden

Eigentlich sollte mein 100. Blog – Jubel / Gratulation / Standing Ovation – etwas Besonderes werden. Habe ich deshalb so lange zugewartet? Oder gab es in den letzten Wochen keine erfrischenden Aufregungen, die es wert gewesen wären, in Nummer 100 erfasst zu werden? Mein derzeitiges Leben spielt sich derzeit mehr als sonst auf einem Drehsessel ab, der sich jeden Tag aufs Neue hurtig um die Achse dreht. Die Wochenenden dieses von allen so stark kritisierten Sommers haben Bodo und ich bis auf wenige Ausnahmen abseits des Wiener Mainstreams verbracht, sodass ich derzeit vollkommen wissenslos bin, was sich so tut in der City. Allein ein kurzer Hüpfer am vergangenen Freitag vom 3. Bezirk in den 1.Bezirk hat mir gezeigt: ich habe nichts verpasst. Meine bislang geliebte Boutique in einer schmalen Seitengasse hat mich durch stets gleich geschnittene und in grau-schwarz eingefärbte Streetwear-Teile sehr enttäuscht und auch der nicht unwesentliche Faktor „Zeigt her Eure Schuhe“ hat mich nicht wirklich aufjuchuuen lassen.

Macht doch nichts, sagt der vernünftige Teil in mir; noch ist es sommerlich warm, was willst du dich also mit dicken Pullis und gefütterten Stiefeletten abquälen?

Außerdem steht derzeit neben der Arbeit und den kurzen Wochenenden natürlich mein Laufen im diffusen Morgenlicht. Und hier ist eine gewisse Traurigkeit zu vermelden: nicht, weil sich das Training nicht immer so easy entwickelt, sondern, weil ich mich in den letzten Wochen gleich von zwei Paar treuen Laufschuhen trennen musste: Die Asics hatten plötzlich an der Ferse nur mehr weichen Gummi anstelle einer griffigen Sohle und das Innenleben zeigte sich an vielen Stellen zerrissen und schaumgefüllt. Bei den Saucony riß der dünne Stoff an einigen Stellen, vor allem die große linke Zehe musste sich bei den letzten Ausflügen wohl wie im Cabrio gefühlt haben. Ihr letztes Rennen habe ich daher am Wochenende insofern spannend gestaltet, als ich auf extrem stark durchweichten Wald- und Forstwegen wie eine Gazelle herumsprang oder zumindest es versuchte. Der Matsch war stellenweise so dick, dass es mir fast die Schuhe aushob. Der neongelbe Farbton wich einem dunkelgrau-braunen Schlammüberzug, der sich auch auf meinen Waden wie ein Tattoo hinaufzog. Keine einzige trockene Körperstelle – aber geil … und der passende Abschluss einer einjährigen Freundschaft – länger hält es leider kein Laufschuh mit mir aus!

Das Ende war dann kurz und schmerzlos und hieß ganz banal: Mülltonne! Schuh links mit Schuh rechts über die ehemals pinken Schuhbänder verbunden sind sie heute gemeinsam von der Müllabfuhr abgeholt worden … den weiteren Vorgang möchte ich mir lieber nicht vor Augen führen!

Die schlauen Füchse unter Euch werden sich jetzt fragen: läufst du beim Marathon am kommenden Sonntag etwa barfuß? Nein, natürlich nicht, denn in weiser Voraussicht habe ich mir das Asic-Modell bereits besorgt und heute morgen leicht eingelaufen – nur ja keine Experimente vor einem Laufevent!

Und ab jetzt läuft quasi der Countdown: wie lange bleibt Ihr jetzt meine Freunde?

Minus 5

„No Sports!“ „Sport ist Mord!“ – wie oft habe ich diese Sätze schon gehört.

Neu ist eine jüngst veröffentlichte Aussage, dass die Generationen nach mir gut und gerne 5 Jahre weniger ihr Leben genießen bzw. fristen werden, weil es an regelmäßiger Bewegung fehlt – und das beginnt bereits im Kindesalter. Couchpotatoe in Kombination mit viel Zucker und Salz ergänzen diesen Besorgnis erregenden Trend. Da ich mich nun alles andere als zu dieser Kategorie dazu zähle, habe ich die Studie gehört und wieder ein klein wenig beiseite geschoben. Aber vor ein paar Tagen habe ich einen Buben gesehen, vielleicht 8 Jahre alt, offensichtlich kreisrunden Pizzaschnitten, quatschigen Burgers und dunkelbraun schäumenden Limonaden nicht abgeneigt, der die Straße leicht bergauf gehend plötzlich schnaufend stehen blieb und sich an die Knie griff – Gelenkschmerzen, Atemlosigkeit – und das bereits kaum den Windeln entwachsen? Wo versagt hier die Verantwortlichkeit der Erwachsenen? Auch dazu eine neue Erkenntnis: ab einem Alter, das sich reif und erfahren nennen mag, entsteht die beständige Angst, dass der eigene Sprössling oder das Kind, das einem in die Obhut gegeben worden ist, zu Schaden an Gesundheit und Leben kommen könnte im Verlauf des an sich angeborenen Bewegungsdranges, der junges Blut auf Bäume und Leitern lockt oder zu rasanten Abfahrten verleitet. Klar, keiner wünscht einem jungen Menschen Schmerzen oder gar Schlimmeres, aber jeder muss Erfahrungen machen, um dem Leben an sich begegnen zu können. Erfahrungen sind meistens mit einem Aua verbunden: Brandblasen an den Händen, aufgeschundene Knie, ein Kratzer am Kinn, ein eingeklemmter Finger. Das, was in meiner Kindheit eigentlich ganz normal war – ich erinnere mich noch sehr gut, dass mich meine Mutter in Mehl gewälzt hat, nachdem ich der 4-jährigen Meinung war, die Herdplatte muss doch schon wieder kalt sein; oder als mein Großonkel die große Flasche Arnika hervor holte, als ich im Laufen die Kontrolle über meine Füße verlor und ziemlich heftig auf den Knien über einen Schotterweg rutschte; oder an den sich verfärbenden Fingernagel, weil ich mich als Handwerker mit Hammer und Nagel versuchte; oder an die sichtbare kleine Narbe an meiner Hand, als ich beim Verfassen eines Linolschnitts mit dem scharfen Messer nicht die Platte, sondern mich selbst ruinierte. Das sind bleibende Erinnerungen, aber das sind auch Erfahrungen, die ich nicht missen möchte, denn ich habe danach nie mehr auf eine heiße Herdplatte gegriffen (sondern nur ins heiße Backrohr); ich bin nie mehr auf Schotter ausgerutscht (sondern im Wald über Wurzeln gestürzt); ich weiß, dass der Hammer im Werkzeugkasten gut aufgehoben ist (und lasse den Könner handwerken); ich habe meine künstlerische Ader in den (vorübergehenden) Ruhestand geschickt (und beschneide mich nur mehr hin und wieder beim Gemüse-Schnipseln). Also das, was „damals“ ganz normal war, wird jetzt oft bereits ein Fall für den Anwalt, denn jeder Schmerz hat einen Schuldigen hinter sich. Schmerzensgeld ist nichts Unübliches mehr. Neu ist, dass dies auf dem Rücken der Jüngsten ausgefochten wird. Die einen verdienen Geld damit, den anderen vergeht die Freude an ihrer Berufung. Auf lange Sicht sind aber die, die uns in ein paar Jahren geistig und körperlich überholen sollten, die Leidtragenden.

Also lasst Eure Kids auf die wenigen Bäume, die dazu geeignet sind, klettern; jagt sie hinaus auf die Spielwiese. Kauft genügend bunte Pflaster ein und orange-färbiges Jod. Eine Umarmung und tröstende Worte heilen jeden Schmerz und machen aus dem blutigen Knie ein Abenteuer. Abhärtung statt Verweichlichung – auf ins Boot-Camp!