Schlange Ahoi!

Wie konnte ich nur vergessen?

Gestern habe ich ja von unserem ungarischen Wochenende berichtet. Ganz zum Schluss waren wir noch bei (aber nicht in) einem kleinen Segelboot-Club (Motorboote sind am Balaton tabu), um noch ein paar Sonnenstrahlen und den Blick aufs Wasser zu genießen. Ganz am letzten Ende der kleinen Mole ein Platzerl auf der Steinmauer nur für uns, etwas weiter weg stumme Angler mit ihren ausgeworfenen Ruten. Dass dann rundherum der Himmel zunehmend schwärzer wurde, hat uns noch nicht so beunruhigt, aber als der Wind immer kräftiger zu blasen begann, das Wasser an der Steinmauer raufspritzte und einzelne Segelboote mit Hochdruck in den Hafen hinein strebten, wurde auch uns bewusst: da kommt was ganz Starkes auf uns zu!

Aber nicht nur uns wurde das bewusst.

Was hab ich für einen Schreck bekommen, als ich plötzlich im Wasser einer Schlange gewahr wurde – und diese in flottem Schlingel-Schlangel unterwegs hinein ins Schilfdickicht. Das war´s dann wohl mit Schwimmen!? Vor allem: die eine gar nicht mal so kleine Schlange, die frech den Kopf aus dem Wasser streckte und erwartungsvoll-frech züngelte, war nicht allein! Dort ist noch eine, und dort, und dort auch …. Mann oh Mann, da war mächtig was los im trüben Wasser. Und vor allem: alle Schlangen miteinander dürften es extrem eilig gehabt haben. Eine war so eilig unterwegs, dass sie sich sogar auf die Wiese verirrt hatte. Nicht weit von dem Kringel entfernt eine Frau beim Sonnenbad! Ein Einheimischer hat das Problem dann schnell behoben: in der Schlange-Taille gepackt und ab ins Wasser damit!

Was bewegt eine Schlange, die doch normalerweise auf trockener Erde uns Menschen das Fürchten lehrt, sich ins – zugegebenermaßen sehr warme – Wasser abzutauchen? Ist es diesem Getier auf Erden zu warm geworden? Wurde hier ein Abenteuerurlaub gebucht? Droht gar eine Invasion? Ist das Adam&Eva-Erbgut schuld, dass wir diese an sich nicht uninteressanten und unhübschen Tiere so fürchten? Können wir uns gemeinsam das Wasser teilen, ohne dass der eine den anderen stört? Ich würde mich jedenfalls wohler fühlen, wenn ich beim Brustschwimmen und Wassertreten nicht von einer gespaltenen Zunge geküsst werde!

Schlange Ahoi & Adieu!

Laufen ums nackte Leben

Keine Angst – es ist mir nichts passiert. Ich bin nicht auf der Flucht vor lahmen Fußballern, die in etwa genauso schwitzen wie ich. Allerdings stehe ich eher im Abseits als im Strafraum. Ach ja – alles dreht sich derzeit um den kleinen weißen Dalmatinerball, heiße Höschen und weinende Helden.

Wenn Brasilien noch schläft – oder noch nicht schlafen gegangen ist – schlüpfe ich in mein heißes Höschen, meine ausgelatschten Laufschuhe und bewege meine noch müden Muskeln Richtung städtische Waldpfade, die normalerweise dem morgendlichen Pferdeauslauf vorbehalten sind. Aber da ich laut chinesischem Horoskop ein Pferd, nein sogar ein Doppelpferd bin, steht auch mir das Recht zu. Nur, wo Pferde, da auch Pferdeäpfel der besten Güte. Die Natur dankt´s – und die Nackt-Schnecken auch, denn sobald ein Pferd Hafer-/Heu-Ballast in Knödelform abwirft, erklimmen diese so ungeliebten Kreaturen in zeitlupenartigem Schleichspurt das Endprodukt eines wohldurchdachten Metabolismus. Für mich wird´s jetzt dann aber haarig, denn ich stehe vor der Wahl: verschonst du das eine oder andere Leben, auch wenn es dir dabei eklig-gruselig über den Rücken streicht oder pfeifst du auf das langweilige Leben dieser niedrigen Kreaturen und nimmst dir ein paar Teile davon in deinem Sohlenprofil mit. Ich glaube, meine Entscheidung wird nicht überraschen: ich wähle die erste Variante, ich tänzle mit tief gerichtetem Augenwinkel über jeden einzelnen bräunlich-länglichen Schleimfaden auf der feuchten Erde hinweg- ein Parcours der besonderen Klasse – ein Lauf ums nackte Leben.

Ausgefüllte Leere

Ich bin wieder zurück!

Eigentlich schon seit einer ganzen Woche. Jetzt bin ich gute 650 km in schweißtreibender-schmerzhafter-belebender-erfüllender Weise gegangen – und dann kommt der Alltag und überholt mich mit einem frechen Grinsen.

Nicht mit mir! Ich habe mir fest vorgenommen, mich nicht gleich wieder von den Wogen der Arbeitsatmosphäre wegspülen zu lassen.

Lieber stelle ich mir das Bild vor Augen, wie die starken Wellen des großen Atlantik sich energiegeladen und witzig-spritzig gegen die Felsen werfen. Oder die vielen grünen Wiesen / Weiden / Hügeln, die von Kühen / Schafen / Geiern (!) und Möwen (!) bevölkert werden. Oder die netten kleinen verträumten Orte, in denen das Leben einen sehr gemütlichen Flow eingeschlagen hat. Oder die zahlreichen sehr unterschiedlich gestylten Übernachtungsmöglichkeiten: vom einfach geschmacklosen Hotelzimmer über lustigen Shabby-Vintage-Look (Selfmade) bis hin zum prächtigen Boudoir in einem Stadtpalais. Oder die Freundlichkeit der Menschen, die einem auf Französisch #bon voyage!#, auf Spanisch -#bon camino!# oder gar auf „Pilgerisch“ #Ultreia!# zurufen. Oder …. es gab so vieles, das uns dieses Jahr einen wundervollen Urlaub beschert hat.

Selten war mein Kopf so leer und doch so ausgefüllt wie dieses Jahr!

p.s.: ich habe natürlich wieder alles handschriftlich notiert und werde mich (wie jedes Jahr 😉 ernsthaft bemühen, die Erlebnisse für jedermann lesbar nieder zu schreiben – aber bitte gebt mir noch etwas Zeit!

Kehr-Seite eines Festivals

Große Entrüstung – gestern in der Früh, kurz nach 6 Uhr:

Meine Laufschritte ziehen mich – auf meiner letzten ausgiebigeren Jogging-Tour vor unserem gemächlichen Wandern, das am kommenden Donnerstag beginnt – Richtung Donaukanal, um hier eine weite Schleife vor dem Einkehrschwung in den Prater zu ziehen. Doch kaum nähere ich mich dem stillen Wasser inmitten der Stadt, weiten sich meine Augen vor Entsetzen, denn ich finde mich in einer gewaltigen Müllhalde wieder: 3 Tage Kanal-Treiben hieß es in den Ankündigungen. Das heißt übersetzt: viele Lokale, viel Musik, viele (junge und jung gebliebene) Menschen und viel Alkohol in Dosen und Flaschen. Aber was ich nicht verstehe: wie kann ich ein Festival planen, ohne dass ich genügend Müllgefäße bereit stelle? Die Promenadenwege sind mit den für einen urbanen Raum üblichen kleinen runden Abfallbehältern ausgestattet – neuerdings auch mit einem Ascher und dem Sacki-fürs-Gacki-Behälter. Aber diese hängenden zylindrischen Gefäße sind halt viel zu klein, um es mit endlos durstiger Kehlen aufnehmen zu können. Also häufen sich um und weit entfernt von den offiziell-städtischen Müllsammelstellen Aluminium-Dosen mit einem Resthauch von Bier. Scherben von zerbrochenen Flaschen säumen den Weg, sodass Jogger und Hunde Gefahr laufen / trippeln, sich ernsthaft zu verletzen.

Ich bin im wahrsten Sinne des Wortes fassungslos und empört. Das einzig Gute daran ist, dass mein noch leicht verschlafener Laufstil ein bisschen mehr Impuls erfährt – je schneller ich von hier weg komme, umso besser.

Doch etwas dreht sich in meinem Kopf weiter – dieser Kreislauf ohne Anfang und Ende: wie soll die Jugend zu einem vernünftigen Abfall-Verständnis kommen, wenn die Erwachsenen keinen erzieherischen Input liefern? Vielleicht ist es ein Irrglaube, es als selbstverständlich anzusehen, dass Menschen, wenn sie die Mülltonne direkt vor ihre Augen hingesetzt bekommen, ihren Unrat auch dort hineinwerfen und nicht auf den Boden fallen lassen. Vielleicht ist unser soziales Verhalten aber auch schon so weit missraten, dass die Einstellung hoch gehalten wird: sollen sich doch die Müllmänner in ihren knallorangen Overalls darum kümmern – die werden ja auch dafür bezahlt!

Wie würden sich die Festival-Besucher fühlen, wenn diese Männer in Orange streiken würden und der zweite Tag des Festivals genau dort beginnt, wo der erste aufgehört hat, nämlich unter Dosen und Scherben? Ich denke, dann wäre der Aufruhr enorm und das Festival ein in allen Tagesblättern kritisierter Mega-Flopp!

Alle, die nachts das Event mit verdunkeltem, benebeltem Blick verlassen haben, sollten tags darauf, wenn der Geist wieder halbwegs klar ist und die Augen weit geöffnet sind, an den Ort des Geschehens kommen und sehen / erkennen, was sie angerichtet haben – am besten gleich mit Schaufel und Besen bewaffnet.

Manchmal muss der Mensch erschüttert werden, um zur Besinnung zu kommen! Eine weggeworfene Bierdose, eine einzelne weggeschnippte Zigarette allein fallen nicht auf – wird sich der eine oder andere denken -, aber in der Masse, da wird das Ganze bedrohlich, unheimlich, beklemmend, beängstigend, verwirrend, empörend.

Was muss sich nur ein Müllmann denken, wenn er hier zum Einsatz kommt? – Das wäre die Schlagzeile: Müllmann lauft Amok und zeigt dem Festival seine Kehr-Seite!

Ur-stolz!

Wow! Da schaue ich aber – mein Ranking vom World Life Run:

globales Frauen-Ranking: Nr 423

nationales Frauen-Ranking: Nr 49

 

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🙂 Da strahle ich übers ganze Gesicht und stelle mich gerne in den Wind.

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Die wahren Helden sind aber die, für die wir alle weltweit gelaufen sind …

Das ist übrigens Hannes:

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Catch me if you can!

Laufen für diejenigen, die selbst nicht laufen können. Heute liefen zur gleichen Uhrzeit in ausgesuchten Orten in aller Welt (es war die Sprache von 6 Kontinenten .. der sechste ist Ozeanien .. habe ich nicht gewusst!) laufbegeisterte Menschen für den guten Zweck. Der erste World Run vom Veranstalter Wingsfor Life aller Zeiten – mit 100% Charity-Charakter zugunsten der Erforschung für Heilungschancen bei Rückenmarkserkrankungen … und ich mit dabei!

Durch Zufall eigentlich, denn ich wurde erst durch eine Bekannte von Bodo darauf aufmerksam gemacht. Und Bodo war derjenige, der mehr oder weniger die Anmeldung für mich durchgeführt hat – bis zu dem Punkt, wo man die Kreditkartennummer bekannt geben muss 🙂

Österreich war mit dem Donautal-Lauf dabei, Start in St. Pölten. So landeten wir gestern auf dem Rückweg von Deutschland bei miesestem Wetter in St. Pölten, wo wir im Sportzentrum, dort, wo auch der Start sein sollte, ein Quartier bezogen – mit getrennten Betten und Nachtruhe um 22 Uhr!

Um 10 Uhr starteten rund 40 Rollstuhlfahrer, die von allen begeistert angefeuert wurden. Allen voran 5 Männer, die ihren Rollstuhl zum Sportgerät erkoren haben, gefolgt von denjenigen durchwegs jungen Männern und ein paar Frauen, für die der Stuhl auf Rädern zum Beinersatz geworden sind. Das Schicksal dieser Menschen auf wenigen Metern vor die Augen geknallt, treibt mir die Tränen in die Augen. Bodo, der auf der anderen Straßenseite steht, um zu fotografieren, schaut mich an und ich weiß, dass es ihm ebenso geht. Und als das Schlusslicht, Hannes mit traurig-bedächtigen Handballenbewegungen die Räder antreibt, muss ich sehr damit kämpfen, nicht vor allen in Tränen auszubrechen. Trocken bleiben meine Wangen jedenfalls nicht.

Hannes, meinen Lauf widme ich dir!

Das Warten bis 12 Uhr ist quälend. Es ist zwar bewölkt bis sonnig, aber der starke Wind lässt alle frieren und ins Innere eines kleinen Lokals bei der Sportarena flüchten. Die Kälte setzt meiner nervösen Blase zu.

Um halb 12 kommt dann Unruhe in die Menge – es sind rund 6.000 LäuferInnen. Als um 12 Uhr der Startschuss fällt (in Amerika ist es noch beinahe Nacht, in Neuseeland schon wieder Nacht, aber alles richtet sich nach Greenwich), stehe ich noch außerhalb des Starterblocks, denn das Registrieren der Startnummern zwischen den beiden Catcher Cars dauert.

Ach so – ich muss erklären: bei diesem Lauf gibt es keine wirkliche Ziellinie, sondern du läufst, bis dich das Catcher Car einholt, das 30 Minuten nach dem Start mit 10 km/h beginnt und sich dann halbstündlich bis auf 20 km/h steigert.

Ich komme schlussendlich doch mit einiger Verzögerung in Fahrt. Bei einem Volkslauf ist das aber nicht so einfach, denn viele unterschiedliche LäuferInnen zeigen sehr differenzierte Laufstile, die es nicht immer leicht machen, zu überholen. Also geht es eine Weile im Zick Zack, zuerst durch St. Pölten, dann hinaus ins Donautal. Ich laufe und laufe, habe das gute Ziel vor Augen und finde Spass an dieser Veranstaltung (so anders zum Marathon von vor 3 Wochen!). Ich winke den Schaulustigen am Straßenrand, die uns anfeuern. Mir kommt hin und wieder ein kleines Scherzerl über die Lippen. Es geht mir gut, die Beine bewegen sich konstant und locker. Der Schweiß tritt alsbald aus den Poren. Zum Glück habe ich vor dem Start doch das langärmelige Shirt ausgezogen. Bei Kilometer 10 trinke ich brav Wasser und einen kleinen Schluck isotonisches Getränk, bei den beiden darauffolgenden Labstationen versuche ich es mit einem RedBull-Wasser-Gemix. Ich habe den Gummibärli-Energy-Drink bislang gemieden, aber mein Vater hat mir von guten Erfahrungen berichtet, wenn es darum geht, im Sport Flügelchen zu bekommen. Flügel bekomme ich zwar keine (und beim zweiten Drink versucht alles mit dem Rülpser wieder hochzukommen), aber ich überhole doch noch immer den einen und anderen Läufer. Meine persönliche Laune noch immer ganz gut, auch wenn ich bei km20 dann doch auf das Catcher Car hoffe. Aber dass es noch nicht kommt, spornt mich weiter an. Mein Ziel sind jetzt die 25 km. Aber jetzt dann nur allzubald werden wir zum Rechtsdranbleiben angehalten. Ich sporne noch mal alle, die um mich herum sind, zum Spurten an, aber schlussendlich hilft alles nichts: froh, zufrieden, stolz und fröhlich lassen wir das Catcher Car an uns vorbeiziehen und akzeptieren die persönlich erreichte Ziellinie. Bei mir sind es 24,2 km – und ich laufe bis 25 km locker weiter, wo dann die Shuttlebusse auf jeden einzelnen Sieger warten. In den Bussen sitzen jeweils an die 30 vollkommen verschwitzte, aber sehr zufriedene Gesichter, eingehüllt in Fleece-Decken oder Alufolie. Auf der Piste, da sind noch immer einige unterwegs.

Absolut geil – diese Veranstaltung. Ich bin jetzt noch begeistert von dem Spirit aller Teilnehmer und der Geduld all derer, die im Startbereich auf die Rückkehr warten mussten – unter ihnen auch Bodo, der sportlich stetig den Finger am Abzug hatte.

Ich darf stolz sein. Anders: Ich bin stolz. Stolz, mitgelaufen zu sein – für einen guten Zweck. Stolz, dass ich so leicht so weit gekommen bin. Stolz und ermutigt, dass ich es mental doch kann.

Ich bin gemeinsam mit dem schnellsten World Life Runner zusammen gewesen (auch wenn ich ihn nur im Fernsehen gesehen habe): von 34 Locations hat der Donautal-Lauf den schnellsten Läufer siegen lassen: etwas über 5 Stunden und fast 80 (!!!!) Kilometer (78,5 km) hat ein junger Mann aus Äthiopien gebraucht, bis das Catcher Car auch ihn erwischte. Am anderen Ende der Welt – in Lima – lief ein anderer alleine allen davon, schlussendlich als Zweiter … Genaueres auf der Website: www.wingsforlifeworldrun.com

Die Startnummer 8490 (Quersumme durch 3 teilbar …. Wichtig!!!) war die MEINE! 🙂

Gewissensbisse, Ausreden und Spekulationen

Das Schlimmste am gestrigen Tag war wohl, dass ich ungefähr 7 Mal erklären musste, warum ich nicht bis ins Ziel gelaufen bin. Da bekam ich die unterschiedlichsten, durchaus sehr tröstenden und aufmunternden Worte:

F meinte: ich bin stolz auf dich, dass du die Stärke (?) gezeigt hast, zu bestimmen, wann Schluss ist!

S (weiblich) meinte: du musst dir nichts mehr beweisen; du weißt, dass du einen Marathon laufen kannst; lauf deinen eigenen Marathon!

S (männlich) meinte: die Wiener Marathonstrecke ist mit ein Grund, dass er nicht teilnimmt; laufen wir doch in der Wachau am 14.September!

Der wahre Satz aber stammt von meiner liebsten besseren (?) Seite:

EINES solltest du aber NIE…, bei keinem der Wettkämpfe vergessen: Egal wie viele Teilnehmer: Du kämpfst immer gegen den gleichen GRÖSSTEN aller Gegner: DICH selber und den solltest du NIE gewinnen lassen, weil du einfach stärker bist als du selber!!!

Das Wichtigste ist, dass ich natürlich weiter laufe, zum persönlichen Spass, zum körperlichen Ausgleich, um den Puls in die Höhe zu treiben und jedes noch so lästiges Virus raus zu schwitzen. Es gibt keine Ausrede, dass ich mit einem Mal die Lauftreter verstauben lasse. Ich glaube, dass ich dann so grantig werden würde, dass mich die Menschen um mich herum ans Laufband ketten und mich mit einer dünnen Ledergerte zum Laufen „animieren“ würden – und diese Schmach, die tu ich mir sicher nicht an!

Ich habe mir heute Morgen die restlichen lausigen Gedanken aus dem Kopf blasen lassen und bin dabei doch etwas außer Atem gekommen – aber jetzt geht´s wieder gut und geht´s wieder aufwärts – da bin ich mir sicher – und das ist keine Aus-Rede, sondern eine Ein-Bildung!

Schli-Schla-Schlappi ohne Ende

Ich versteh´s nicht – ich verstehe MICH nicht!

Ideale Voraussetzungen:

  • einigermaßen gut trainiert: 14 Wochen, darunter 7x longjog von 180 Minuten

  • über die Wochen ausreichend Eisen und Vitamine und Magnesium geschluckt

  • ideale Wetterbedingungen: unter 15 Grad, bewölkt, so gut wie kein Wind

  • stressfrei mit der U-Bahn zum Startbereich: bin dieses Mal bei einer anderen U-Bahn-Station eingestiegen und hatte sogar einen Sitzplatz!

  • Panik-Pinkelei im Gebüsch bzw. doch auch noch in einem „überfüllten“ Mobil-Klo

  • den richtigen Sound im Ohr

  • lockeres Laufleiberl, aber knappes Bustier

  • guter Start, kein Gerangel trotz dieser Menschenmassen

Warm ist mir schon von Anfang an, denn Adrenalin von 40.000 Menschen (nun gut, es werden am Start weniger gewesen sein, weil ja die Staffelläufer nur zum Viertel vertreten waren), erzeugt einen fast greifbaren Dampf.

Habe bald mein Tempo, meinen Schritt gefunden und greife alle 5 km zum Wasserschlauch oder zum Becher mit einem Isotonic-Gesöff.

Meinen Puls spüre ich extrem, und das macht mir etwas Angst.

Der Rest meines Körpers agiert ohne Probleme.

Das Foto, das Bodo von mir bei km 11 schießt, ist wieder einmal schrecklich – sein Kommentar: Läufer sind in Action einfach nicht hübsch – das schmerzt!

Der allseits gefürchtete leichte Daueranstieg bis Schönbrunn nagt an allen; ich spüre, wie meine Beine langsamer werden.

Ich denke erstmals ans Aufhören, da mir der Spass komplett abgeht. Immer heißt es, dass Laufen Endorphine frei setzt – bei mir dürften es in Wettkampfsituationen eher Depressionshormone sein, denn ich werde zunehmend verzweifelter, mutloser, ratloser und kann mich nicht mehr ablenken.

Bei km 20 klopft mir ein Bekannter auf die Schulter, der sich mit Fußschmerzen durch die halbe Strecke quält. Da denke auch ich, dass ich bei km 21 abzweigen werde. Nach einem kräftigen Schluck Wasser fasse ich vorübergehend aber wieder Mut und biege nicht ab – aber nur für kurze Zeit: bei km 22 sehe ich Bodo und bleibe stehen. Bodo ist verwundert, meint, ich sehe überhaupt nicht erschöpft aus, überlässt aber mir die Entscheidung und meint nur: lauf halt langsamer, sieh es als Trainingseinheit, mach auf Durchkommen …

Also laufe ich doch wieder weiter.

Ich nehme die vielen anderen Läufer um mich herum nur mehr am Rande mit – es interessiert mich einfach nicht – anders als sonst, wo man sich an einen Läufer ranhält oder Läufer/innen bewusst wahrnimmt, deren Laufstil analysiert – sich eben irgendwie ablenkt. Dieses Mal: ich blende anscheinend alles aus – mir bereiten die vielen anderen Läufer mentalen Stress.

Und als ich Bodo dann knapp nach km 26 sehe – es setzt gerade leichter Regen ein, trete ich zu Seite und gebe das Zeichen zum Finish – ich höre auf! Zu diesem Zeitpunkt noch ohne Reue, Traurigkeit, Enttäuschung. Ich bin mir meiner Sache ziemlich sicher – fast wie ein bockiges. trotzköpfiges Kind.

Ich analysiere meine Entscheidung ziemlich nüchtern: „es hat mir keinen Spass gemacht!“, wechsle an einer halbwegs geschützten Stelle das Gewand, und wir machen uns auf den Heimweg – ohne Zieleinlauf, ohne Medaille, ohne Kaiserschmarren.

Daheim stecke ich fast so, als wäre ich nicht ich, sondern ein Fremder, die ganzen Utensilien in die Waschmaschine und an andere Orte, die Startnummer (Quersumme 13 anscheinend doch un-glücklich) wandert direkt in den Müll, ich steige unter die Dusche und klammere mich alsbald wortkarg und mit zunehmend verhärmten Gesicht an mein Buch, während dessen Bodo sich diverse Ergebnisse anschaut und seine Fotos durchgeht. Ab und dann wirft er mir besorgte Blicke zu und fordert mich auf, mir alles von der Seele zu reden, aber ich kann nicht – zunehmende Verstörung und Ratlosigkeit mich selbst betreffend überkommen mich. Das Nachmittagsschläfchen entbindet mich nur vorübergehend einer unangenehmen Selbstanalyse:

  • ich genieße meine Morgenläufe, egal, ob 70 – 90 – 120 – 180 Minuten

  • ich genieße hierbei die Leere um mich, die Ruhe des heranbrechenden Tages

  • ich freue mich, wenn ich Rehe und Hasen sehe

– und dagegen das:

  • ich habe schon bei der Startnummernausgabe einen Horror vor den vielen Menschen, die sich dieses Mal wie am Flughafen vor dem Eingang ins Messegelände in eingefassten Gängen anstellen mussten

  • ich kenne die Wiener Strecke wohl mittlerweile so gut, dass sich eine gewisse Fadesse breit macht

  • das laute Geräusch der Plastikbecher, die an den Labestationen zertrampelt werden, tut in meinen Ohren weh

  • obwohl es dieses Mal kein Ellbogengedränge gibt, fühle ich mich irgendwie eingeengt

  • ich habe kein Gefühl dafür, ob ich mit einem guten Tempo unterwegs bin, um eine gute Zielzeit erreichen zu können; eher habe ich das Gefühl, dass ich mich schneckengleich bewege – und daher: lieber keine Zielzeit als eine schlechte (Bodo meint allerdings, dass ich nur knapp hinter dem 3:30-Tempomacher war … hätte ich den gesehen, hätte ich vielleicht ….?)

Bodo ist lieb, er versucht, mich aufzumuntern, mich für kürzere Trailruns zu begeistern. Das klingt gut, aber für mein Ego brauche ich zumindest noch einen vollen Marathon – vielleicht einen weniger überfüllten, so wie den in der Wachau oder in einer anderen Landeshauptstadt.

Was bleibt, ist aber ein gewisses Unbehagen, das Gefühl, versagt zu haben – das mit sich selbst auszumachen, ist extrem schwierig. Ich kann es abtun und sagen: wurscht, war halt so – aber habe ich oben nur dumme Ausreden formuliert oder liegt die Ursache fürs Abbrechen ganz woanders? Ich habe einfach den Eindruck, mich derzeit überhaupt nicht zu kennen – und das macht mir sehr zu schaffen. Mir stehen momentan die Tränen in den Augen, auch wenn ich weiß, dass es ein absoluter Schwachsinn ist, sich im Selbstmitleid zu baden – da bekommt man nur schrumpelige Haut und Kummerfalten.

Sonst lebe ich nach einem beendeten Marathon eine Woche lang auf Wolke Sieben. Momentan strample ich mich kraftlos in einer trüben Suppe. Hoffentlich nur für kurze Zeit, denn: the Show must go on …. der nächste Run steht bevor am 4.Mai / World Life Run: Catch meifYoucan!

Auf die Plätze – fertig …. Bitte warten!

Der Countdown läuft. Bis jetzt hatte ich nur einen kleinen Alptraum, wo es um lächerlicher 42 km ging. Derzeit schlafe ich aber gut und traumlos, bin ruhig wie ein zen-beschienener Stein in einem asiatischen Meditationshain – und bin darüber sehr überrascht (?) Andererseits bin ich mir bewusst, dass ich spätestens am Samstag, wenn ich dann endlich die Startnummer 7222 (Quersumme 13 – meine Glückszahl?) in Händen halte und rund um mich herum nur athletische Läufer herumstaksen, die Nervosität steigen wird. Aber Lampenfieber ist schon ok. Woher kommt eigentlich das Wort „Lampen-Fieber“? In der Google-Maschine wird nur darüber gesprochen, dass diese Erscheinung eine Form von Stress ist, der Anspannung vor einem wichtigen Ereignis, wo man in irgendeiner Form im Rampenlicht steht. Ach so, ja: wenn man unter Scheinwerfern, also „Lampen“ mit starker Hitzeausstrahlung stehen muss, wird die eigene Birne schon mal sehr heiß und glühend, gerade so, als ob man „Fieber“ hat. Da ich aber am Sonntag nicht unter Scheinwerfern glänzen muss, nehme ich das mit dem Lampenfieber wieder zurück und tituliere meine Gefühls- und Darmregungen als euphoria nervosa? Trotz meiner inneren Ruhe bin ich schon mitten in kleineren Vorbereitungen: zum einen habe ich meine Wettkampfschuhe von eingetretenen Steinchen gereinigt (wenn ich morgen nochmals laufen gehe, ziehe ich andere Schuhe an), zum anderen habe ich die neuen Laufhosen getestet – wahrscheinlich nehme ich eh die Lauftight, die für Langstreckenläufe, also mit leichter Kompression, entwickelt wurde, und dann wäre da noch das magentafärbige Nike-Shirt mit eingebautem BH, das trotz Befürchtung meinerseits, dass der Brustgurt zu Atemnot führen könnte, ideal wäre, weil angenehm luftig, nicht zu kurz; allerdings hatte ich gestern nach nur 70 Minuten und kühlen Temperaturen vom Schweiß verursachte kleinere Brandstellen in der Achsel – das ist freilich nicht so gut (war letztes Jahr auch ganz aufgescheuert – und das tat spätestens unter der Dusche dann seeeehr weh!). Das schwarze Top von Bionic ist zwar figurschmeichelnd, aber nicht luftig genug und neigt zum Raufrutschen – und ganz in Schwarz will ich heuer nicht laufen! Also doch Magenta und dann mit Bepanthen die gereizte Haut pflegen? Das sind Probleme! Ich habe in meinen Blogs schon mehrfach betont, dass meine mentale Stimmungen sehr davon abhängen, was ich am Körper trage. Und wenn dann noch ein Quantum „Stress“ dazukommt, umso wichtiger! Jetzt werde ich langsam ungeduldig … auf die Plätze, fertig ……!

Bambi lebt!

Mit unruhigen Füßen zog es mich heute Morgen wie so oft in den Prater. Ich versuche zumindest den Anlauf vom 3.Bezirk in das große Wiener Naherholungsgebiet abwechslungsreich zu gestalten. So führt ein beträchtlicher, aber nicht uninteressanter Umweg über das rechte Ufer des Donaukanals (für die Insider: beim Hilton vorbei, zur Urania, dann scharf abbiegen bei der noch geschlossenen Strandbar, immer gerade aus, vorzugsweise auf dem unbefestigten Weg bis zur vierten Brücke … danach ist der weitere Weg leider wegen Baustellenarbeiten geschlossen) bis in den Prater so in der Mitte ca. Von dort bevorzuge ich dann einen der kleinen Trampelpfade, die ins Gehölz führen und meistens den Reitern vorbehalten sind – allerdings bin ich in der Früh noch so gut wie nie einem stolzen Ritter auf seinem schwarzen Ross begegnet – schade eigentlich.

Ich war zwar heute nicht gerade mit dem erhofften Speed unterwegs, dafür aber mit pink-färbigen Sleeves, weil es für Kurzarm doch noch etwas huschi ist und mir immer sehr leicht die Finger an der linken Hand – und nur dort, eigenartiger weise (?) – abfrieren. Da ist es gut, wenn ich einen Ärmel zum Reinkriechen habe.

Na ja, als ich schon auf dem Rückweg entlang einer kleinen Lichtung so vor mich hin dahin trotte und meinen Gedanken nachhänge, stoße ich auf – nein, nicht auf den mutigen Ritter, sondern: auf eine 3-er Gruppe von Rehen! Es gibt sie also doch noch, die wahren Bambis dieser Welt! Letztes Mal der Sprint-Feldhase – und heute diese nette, mich immer zur Rührung bringende Begegnung. Das Besondere daran: entweder haben die drei grau-braunen Wesen (eines schon mit leichtem Geweih) mich nicht gerochen (fast ein Ding der Unmöglichkeit) oder waren von der Farbe Pink so fasziniert, dass sie einfach neugierig mit leicht verdutztem Augenaufschlag stehen blieben und mich anstarrten. Ich zurück mit einem leisen „Hallo!“

Ich liebe diese Momente im ausklingenden Morgengrauen und finde es einfach berührend – um mich zu wiederholen -, dass die urwüchsige Natur auch in einer kleinen Millionenstadt noch nicht ganz ausgestorben ist. Klopfer und Bambi sind meine heimlichen Ritter, die bescheiden getarnt sich nicht vertreiben lassen!

Ich hoffe, ich sehe Euch bald wieder!