Das Leben ist so schön, wie du es findest!

Früher stand ich wohl auf kluge Sprüche, die ins Stammbuch geschrieben waren. Heute, weiser geworden und in manchen Dingen auch nachdenklicher, gibt es Sprüche, die mich einfach berühren und mir manches Mal auch einen ordentlichen Tritt verpassen … wie diese Sätze etwa:

Selbst die schlimmsten Erfahrungen im Leben erweisen sich im Rückblick als segensreich.

Shit happens – die Kunst ist nur, den Mist als Dünger zu nutzen und mit seiner Hilfe Blumen wachsen zu lassen.

Verluste können zu Neuanfängen werden, Rückschläge ein Geschenk sein. Wenn man es zulässt. Es kommt immer auf den Blickwinkel an!

Ich packe heute abends noch meinen Rucksack. Morgen gegen Mittag/Nachmittag werde ich unbekannte Meeresluft an Portugals südlichster Küste schnuppern … und eine Menge Zeit haben, darüber nachzudenken, welche Geschenke mir in meinem Leben bisher zuteil geworden sind, welcher Mist zum Dünger werden konnte, welche Perspektivenwechsel ich zugelassen habe …

Aus Alt mach Neu

Nein – ich habe mich nicht in einen Jungbrunnen gestürzt, um mir eine Rundum-Glättung zu gönnen. Nein – ich habe meinen Schuhschrank nicht entleert, um von nun an barfuß durchs Leben zu tänzeln. Nein – ich habe meine Kleider nicht komplett weg-geswapped, um von nun an als Lady gestylt auf meinem Sitzball zu hocken.

Ganz anders! Auch eine Wohnung braucht mal ein Face-Lifting, eine Politur, ein neues Gesicht! Mein „Feind“, der Staub, hat sich in den Jahren, seitdem wir unser Miniloft bewohnen, still und leise, aber unaufhörlich die weißen Wände hochgeturnt und sich am Boden, mit unserem Fußschweiß vermischt, in den Holzporen eingenistet. In der Dunkelheit eines Wintermorgens oder an trüben Wochenenden alles kein optisches Problem. Wenn man aber an einem strahlenden Sonntagmorgen nach einem ausgiebigen Schläfchen von der Sonne sanft geweckt wird und der erste fröhliche Blick des Tages von einem grau-slichen Flimmern der Fläche über deinem Kopf gleich wieder getrübt wird – und vor allem, wenn man (=ich) dann so dumm ist, mit einem nassen Putzlappen zu versuchen, das Grau einfach wegzuwischen, dadurch aber die Misere nur noch verschärft (Pause zum Atemholen!!!) – ja dann ist es Zeit, zu handeln!

Wir haben einen „guten Geist“ gefunden, der uns in dieser Woche zur Seite steht, momentan wahrscheinlich von Feinstaub eingehüllt, aber sehr talentiert, tatkräftig und sorgfältig – unter ständiger Beobachtung und mit dem Beistand von Bodo.

Allerdings: Um sich mit Parkettöl und Wandfarbe austoben zu können, bedarf es einiger Vorbereitungen, vor allem, wenn diese Wohnung bewohnt ist! Wir sind jetzt seit 15 Jahren in dieser Wohnung – da kommt einiges zusammen an Möbelstücken, Krimskrams, Dekoteilchen, Büchern und Dingen, von denen man sich nicht trennen mag. Wohin damit?

Alles, was klein, handlich, stapelbar oder gestopft werden kann, kam (abgestaubt!) in Umzugskartons – in Summe fast 20 (!), die sich ein paar Tage lang neben unserem Bett stapelten! Bilder wurden im Klo an der Wand gestapelt, heikle Dinge, wie eine antike Uhr oder der selten verwendete „Feuerbrunnen“ wanderten ins Badezimmer, sodass nur mehr ein schmaler Gang bis zum Waschbecken übrig geblieben ist – und auf einmal klangen unsere Stimmen sehr hohl. Am Wochenende vor dem Face-Lifting – ich war drei Tage lang auf einem Yogaseminar – ging Bodo ans Werk: er entwickelte Mister-Universum-Kräfte und verschob, vertrug, verrückte alle Möbel, wie das 3-Meter-lange Bücherregal aus Eisenholz, in die Mitte des Wohnraums, zerlegte das Holzbett, und und und. Wirklich nur die große Bettmatratze war ein Fall für Zwei! Ich war mehr als baff und konnte den Flow aus dem Yoga noch ein wenig länger genießen!

Halt: ohne Bett und Matratze – wo werden wir in den nächsten Tagen – staubfrei – schlafen? Auch hier half uns der „gute Geist“, der uns vis-á-vis von unserem Heim eine Wohnung zur Verfügung gestellt hat, die wir nunmehr sorgsam nutzen.

Der Ablauf wird penibel eingehalten: Tag 1 / Schleifen und Ölen des Schlafbereichs; Tag 2 / Boden trocknen lassen, Fenster etc. abkleben, fertigen Boden abdecken; Tag 3 / Wände, Decke werden durch Spritzvorgang wieder blütenweiß … aber dann! Alles, was bisher in der Mitte des Wohnraums gestanden hat – zugedeckt von einer Plane -, muss in den Schlafbereich vertragen werden; und wieder Mister Bodoversum: ich komme um 17 nach Hause, voller Tatendrang (habe meine Bauch-Beine-Po-Stunde abgegeben) – nur: es ist schon fast alles – strategisch brillant durchdacht (also nicht nur Muckis, sondern auch Brain!) – von A nach B gerückt worden! Ich kann eigentlich nur mehr bei wenigen Teilen helfen und bei dem, was im Vorzimmer steht (mein! Schuhschrank, unser! Schuhschrank, mein! Dessous- und Sporthosen-Schrank) mit an die Hand gehen. Wir nutzen primär das Prinzip des Schiebens – alte Geschirrtücher kommen dabei gut zum Einsatz. Nur der Kühlschrank ist tricky, weil sehr widerspenstig und zu schwer zum Tragen. Aber es gibt für alles eine Lösung – gut, wenn diese ein paar Rollen hat! Dann noch eine Plane drüber, den fertigen Boden abdecken – der Vollmond scheint, als ich noch schnell eine Pizza für uns hole – zum Kochen in unserem Ersatzdomizil fehlt mir heute die Lust. … Tag 4 (= heute!) / Schleifen (und Ölen?) des Wohn-Küchenbereichs .. mein Vorschlag wäre gewesen, auch gleich den Vorraum mitzuschleifen, aber ich glaube, das geht aus logistischen Gründen nicht (?); Tag 5 / Weißeln der restlichen Wand- und Deckenflächen; Tag 6 / Boden Vorraum (?); Ausmalen ist hier nicht angedacht, weil da wurde „erst“ vor ein paar wenigen Jahren ausgemalt (Bodo´s Eltern greifen sich da jetzt wahrscheinlich an die Haare, denn in Kötz wird recht oft ausgemalt und neu tapeziert :-). Allerdings: jetzt, wo´s leer ist, fallen schon ein paar dunkle Schrammen auf! Ich denke aber, dass wir das selbst punktuell ausbessern können … Tag 7 / ??? Heimkehren, Möbel wieder retour, Kisten ausräumen, Abstauben – wie viele Stunden hat der Sonntag? Oder einfach glücklich-zufrieden sein?

Bisheriges Fazit: der am meisten herausfordernde Job an der gesamten Sache ist ….. das ABKLEBEN!

Danke an den „guten Geist“ / Danke an Mister Bodoversum … so gesehen könnte ich mich beruhigt meinem Face-Lifting widmen?

Fenstersturz

Jetzt ist es leider, leider passiert: Das berühmte, beeindruckende Azure Window auf Gozo gibt es nicht mehr! 🙁 Die von Natur geschaffene Filmkulisse für den Literaturklassiker „Der Graf v0n Monte Christo“ oder dem Serien-Hit „Games of Thrones“ wurde vom Sturm und aufpeitschenden Wellen zu Fall gebracht – die Natur gibt es – die Natur nimmt es sich wieder!

Welch´ Geschenk und Glück, dass wir genau an der Stelle, wo jetzt nichts mehr ist, vor knapp 3 Monaten noch staunen und posieren konnten! Man ist halt manchmal doch zur rechten Zeit am richtigen Ort!

 

Spielerische Aufmerksamkeit im Flow

Ich habe eine lange Bücherliste bekommen – nein, nicht für Bücher, die einem das Gruseln lehren oder erotische Pseudophantasien verklickern, sondern in Vorbereitung für meine für dieses Jahr geplante yogische Weiterbildung. Als ich die beim Thalia bestellten Bücher abholen komme, hat das nette Fräulein am Info-Desk einiges zu tun – am Schluss geht dann noch ein Buch verloren, das dann aber glücklicherweise doch noch auftaucht – in all dem vermeintlichen Chaos besteht also doch tatsächlich eine durchdachte Ordnung. Mir wird ein strapazierfähiger Stoffbeutel geschenkt – das Tragen bleibt an meinen Schultern hängen.

Wie bei jedem neuen Buch wird natürlich große Neugierde entfacht: was werden mir die vielen Buchstaben, zu Wörtern, Sätzen und Kapiteln zusammengefügt, wohl mitteilen? Werden es ein adrenalinausschüttender pageturner sein oder doch eher ein harter Polster fürs powernapping zwischendurch?

Mit welchem Buch soll ich anfangen? Ich lasse Bauch und optischen Eindruck entscheiden – und greife im Morgengrauen zum im Format kleinsten, mit leuchtend gelb-orangem Einband und relativ großen Buchstaben – die Einstiegsdroge ist fertig gemixt!

Der Autor hat einen unaussprechlichen Namen – aufgrund seiner Werke wird der Wissenschaftler nur „Mr. Flow“ genannt – das Buch daher – wer hätte daran gezweifelt? – „Flow – Der Weg zum Glück“. Also wieder ein Ratgeber mit guten Tipps, die aber so lebensfremd sind, dass das einzige Glück darin besteht, das Buch sehr schnell in der hintersten Regalecke verschwinden zu lassen? Ich beginne daher mein Studium mit einem gewissen Grad der Skepsis. Diese Skepsis verflüchtigt sich aber bereits nach den ersten Absätzen des Vorworts. Zum einen spricht mich der Schreibstil an, da in easy understanding und written with flow gehalten, zum anderen – und wesentlichen Teil – sind es einzelne Wörter, Sätze, die ich spontan mittels gelbem Leuchtmarker noch mehr zum Strahlen bringe. Und diese mich berührenden Einzelgedanken, die doch zu einem Ganzen zusammenfließen, erfahren hier von mir eine unter Umständen neu interpretierte Rezeptur:

  • Gestalte dein ganzes Leben als einen Lebenstanz, als einen Tanz rund um dein Leben und mit deinem Leben. Indem du dich stets drehst und wendest und in Bewegung bleibst, wird sich alles um dich herum und du dich selbst stetig verändern – in kleinen, kaum spürbaren Nuancen oder um 180 Grad, leichtfüßig oder mal schon auch schweißtreibend.
  • Dein Tanzpartner ist die Aufmerksamkeit, die darüber wacht, dass durch eine deiner Bewegungen etwas anderes bewegt wird – nach Möglichkeit soll dieses Anstupsen natürlich zu etwas gutem führen.
  • Dein Tanzstil soll ein Repertoire an spielerischen Elementen aufweisen, sodass nie Langeweile aufkommen kann, dein Tanz immer spannend bleibt und jeder nächste Schritt von deiner Phantasie eingeleitet wird – aber sei aufmerksam dabei, dass du nicht stolperst (… diesen Tipp gebe ich gerne aus eigener allzu schmerzhafter Erfahrung weiter, zumal mich heute früh beim Laufen aufgrund witterungsbedingter Untergrundbeschaffenheit ein unbedachter Schritt recht schmerzhaft aufs Eis geworfen hat … ich glaube, der Flow, den ich da in dieser Sekunde des Fallens und vor allem Aufpralls hatte, hat mit dem Flow als Weg zum Glück nichts gemein – obwohl: habe ich nicht Glück gehabt, dass ich außer einem blauen Fleck in der Größe eines Untertellers und einem zu höchsten Graden beleidigten Ellenbogen keine weiteren, ernsthafteren Blessuren davon getragen habe?)
  • Du musst kein Dancing Star sein, um  spielerisch durchs Leben tanzen  zu können. Du tanzt in deinem persönlichen Rhythmus und im Takt deiner Musik!
  • Sei fokussiert im Moment, lasse aber auch wieder los – es gibt schließlich so vieles zu entdecken! Kleine Kinder, wie meine Nichte, sind da regelrecht zu beneiden: Alles ist neu und spannend. Jede für uns Erwachsenen kleinste Banalität ist für so ein junges Geschöpf ein Mirakel.
  • Empfinde Freude und Genuss, indem du dich selbst erkennst.

Zu guter Letzt ein wunderbarer Spruch:

„Handle immer so, als würde die Erlösung des Universums von deiner Handlung abhängen. Und lache dabei immer über dich selbst, nämlich darüber, dass du zu glauben meinst, du könntest mit deinem Tun überhaupt etwas bewirken!“

Gozo und die 50 – eine Reise ins Ich

Jetzt ist es vor einigen Tagen doch passiert – und gefühlt habe ich: Nichts! Wie auch, war ich doch wegen der Entdeckung eins Neulandes so abgelenkt, dass ich gar keine Zeit hatte, mich über lästiges Zahlenwerk aufzuregen oder in Depressionen zu versinken.

Aber lasst mich die Tage schnell zurückspulen und die letzte Woche des 2016er Jahres langsam als wunderbaren Film von Anfang an abspielen:

Mein „magischer“ Tag beginnt sehr zeitig um 4 Uhr morgens mit einer mächtig langen Anreise, die Bodo und mich per Bahn, Flugzeug, Bus und Fähre auf die kleine maltesische Insel Gozo im Mittelmeer führt. Es ist bereits Nachmittag, als wir mit fröhlichem Sonnenschein und leichtem Wind begrüßt werden. Der Geburtstagsprosecco wird daher auch mutig im Freien in der kleinen Hafenbucht geschlürft. Die Lektüre des Reiseführers lässt uns staunen, lernen wir erst jetzt, dass die Hauptsprache der Insel Malti ist, ein Mischmasch aus afrikanischen und arabischen Wortklaubereien, die sich auch in jedem Orts- und Stadtnamen wiederfinden. Das Alphabet zählt 29 Buchstaben, zum Teil mit Pünktchen und Querstrichen verziert, dafür fehlt zumindest ein Buchstabe aus unserem lateinischen ABC. 97% der Malteser sind Christen und sagen zu Gott trotzdem Allah. Und um sich einen guten Tag zu wünschen, wird aus dem Französischen kurz mal ausgeborgt: [bondschu:]. Englisch dient wohl nur dazu, sich mit den vielen Touristen verständigen zu können. Geschichtliche Wurzeln gehen zurück bis in die Steinzeit –

und Steine, die gibt es mehr als genug!

Voll Neugier machen wir uns nach einer ausgeschlafenen Nacht und einem umfangreichen Frühstück, das wir auf der Hotelterrasse genießen, auf die erste Tour rund um einen Leuchtturm. Bodo ist schwer bepackt mit Fotoapparat, dem einen und anderen und weiteren Objektiv und einem Stativ. Meine tragende Rolle beschränkt sich auf Mineralwasser, Regenjacken und die beiden dicken Reiseführer. Schon bald dürfen wir die ersten Fels- und Küstenformationen begehen / bestaunen / begreifen. Der Stein ist korallenartig zerfurcht und wirkt sehr stabil, sodass auch überhängende Felsen erklimmt werden können. An flachen Stellen sind kleine Salinenfelder angelegt. Die „Ernte“ findet zwischen Mai und September statt. Wäschewaschen in den seichten Salzlaken ist verboten. Es kommt zu den ersten Fotos meiner Spontan-Yoga-Postures. Hie und da fegt eine heftige Windböe heran. Meine einbeinige Baum-Asana kommt da ordentlich ins Schwanken – aber neigt sich nicht auch ein verwurzelter Baum im Wind zur Seite? Diese Fotos wandern allerdings ins Privatarchiv, denn in Jeans, Turnschuhen und dem kleinen Rucksack am Buckel sieht mein Baum eher wie ein krummer Busch aus!

Der Leuchtturm im Landesinneren steht erhaben auf einem Hügel, umgeben von grün bewachsenen terrassenförmigen Geländeformationen, immer wieder von Steinmauern in unterschiedlich große Teilstücke zerlegt. Die Besitzverhältnisse dürften hier offensichtlich der reinen Willkür unterliegen.

Der Wind bläst ohne Unterlass, die Sonnenstrahlen verlieren dadurch zwar an Wärme, aber noch finden wir es in kurzen Ärmeln ganz angenehm.

Wir verlassen zwischendurch die Küste und kommen durch kleine Ortschaften. Die Architektur der sandhellen Häuser mutet wie die Einheimischen-Sprache eher arabisch-nordafrikanisch an. Immer wieder weihnachtlicher Kitsch in den Fenstern zur Straße, aber natürlich keine Christbäume, wachsen hier auf der Insel doch so gut wie gar keine Bäume und schon gar keine Tannen / Fichten. Architektonische Leckerbissen können wir leider nicht ausfindig machen. Mächtig hingegen sind die Kirchenbauten, die von der Ferne wie jahrhundertealte Kathedralen / Dome / Basiliken wirken, jedoch meistens erst ein paar Jahrzehnte alt sind. In einer Wallfahrtskirche lassen wir uns dankbar auf einer Kirchenbank nieder. Es ist bereits Nachmittag. Wir haben bislang keine Pause gemacht bzw. auch keine Rast einlegen wollen, weil die Augen immer mehr vom Meer sehen wollten. Doch jetzt melden sich die Füße zu Wort!

Unsere erste Wandertour ist erst zu Ende, als die Sonne kurz vor 17 Uhr untergeht und die Dämmerung uns schneller gehen lässt. Die Beine schlurfen, der Körper schlottert nun vor Kälte – schnell in die Jacke geschlüpft! Im Hotel gönnen wir uns nach einer heißen Dusche unter der Regenbrause ein ausgiebiges Powernapping, bevor wir uns dann zur Nahrungsaufnahme machen. So verschlafen die kleine Hafenstadt Marsalforn auch sein mag, die Restaurants haben fast alle geöffnet und sind gut besucht. Wir bleiben die ganze Woche der italienischen Küche treu und schmausen vorwiegend Pasta und Ravioli.

Der zweite Tag beginnt wieder sonnig und sehr windig und nicht weniger abenteuerlich. Auf engen Trampelpfaden, die nicht immer zu erkennen sind, steigen wir hinter dem Ort auf einen bewachsenen Hügel hinauf und immer weiter in Richtung zur Calypso-Höhle und zur Ramla-Bay mit Sandstrand. Wir verlieren unterwegs aber den direkten Weg und müssen ein bisschen improvisieren. Die Höhle ist eher enttäuschend, weil man nur in einen engen Spalt hinunterschauen darf. Am Strand bin ich anfangs noch unschlüssig: soll ich rein ins Wasser ja/nein? Wir streicheln eine gut genährte zutrauliche Katze. Ihr zufriedenes Schnurren gibt mir dann schlussendlich den notwendigen Impuls dazu, doch den Bikini aus dem Rucksack zu holen. Als ich demzufolge dann sommerlich bekleidet durch den Sand laufe, beutelt es mich, so kalt ist der Wind auf der Haut. Der Sand ist hart, der Übergang ins Nasse ist sehr flach, die Wellen kommen rasch näher – und bevor ich noch einen einzigen Gedanken an Irrsinn / Wahnsinn / Unsinn verlieren kann, bin ich auch schon nass! Frisch! Herrlich! Und keinen stört´s! Der Wind trocknet die nasse Haut auch ohne Handtuch, der Sand zwischen den Zehen verkrümelt sich rasch.

Das war´s dann aber auch mit dem Meer von heute. Die Tour führt hinein in die Inselmitte und endet in Victoria / Rabat, der größten Stadt hier. Erbauend sind eigentlich nur die sonnenbeschienenen Stufen vor der Kirche auf der Zitadelle. Ansonsten aber empfinden wir die Stadt als zu betriebsam; zu viel Verkehr. Das bekommen wir dann auch auf der 3-Kilometer-langen Straße zu spüren, die wir bis zu unserem Hotel zurücklegen müssen – absolut kein Spaß, so ohne Gehsteig! Dazu fahren alle Autos auch noch „falsch“, sitzt das Lenkrad hier doch very british auf der rechten Seite.

Ab dann nehmen wir abends immer den Bus – aber der fährt halt leider nur einmal pro Stunde.

So auch am Morgen des dritten Tages. Wir fahren mit dem Bus nach San Lawrenz und wollen von der Dweira Buch mit dem berühmten „Window Azur“ entlang der Südküste bis nach Xlendi (sprich Schlendi) marschieren. Das wird heute ein reicher Fototag! Gleich zu Anfang nähern wir uns auf unerlaubten Wegen dieser Attraktion aus erodiertem Gestein. Wir hanteln uns eine Hügelkuppe hinauf, um dort dann erkennen zu müssen, dass der weitere Weg nicht so einfach ist, weil ein dicht bewachsener Graben zu überwinden ist. Aber wir schaffen das selbstverständlich! Es folgt eine ausgiebige Fotosession, in der ich die Krieger-Asanas und andere Yoga-Posen auf unterschiedlichen Steinbrocken zu halten versuche. Nicht immer gelingt die Kommunikation mit Bodo, der weit von mir entfernt steht, um die richtige Fotoeinstellung zu finden. Und da dauert dann eine Stellung schon mal länger als 5 Atemzüge! Ich posiere teilweise zwar auch barfuß, behalte aber die Jacke an und die Kapuze auf, denn es ist einfach kalt, obwohl die Sonne wie ein Honigpferd vom Himmel herunterstrahlt.

Das macht echt Spaß!

Im Hotel erfahren wir, dass das Window wohl bald Geschichte sein wird – die eigenartige Felsformation droht einzustürzen!

Auch der weitere Weg ist extrem kurzweilig und interessant. Immer wieder Neues zu entdecken. Was mich traurig stimmt und zornig macht, sind die zahlreichen auf den Hügeln verstreuten Steinkuben, die als Jagdunterstand dienen, denn hier im Malteserland ist die Jagd auf Vögel unterschiedlichster Art ein Volkssport! Auch wenn von der EU mittlerweile verboten, zahlt die Regierung lieber Strafen als Wählerstimmen zu verlieren – die Jägerlobby ist enorm, und viele, viele, zum Teil vom Aussterben bedrohte Flügelwesen werden weiterhin abgeschossen. Hin und wieder hören wir auch das Knallen von einer Schrotflinte. Unzählige Schrothülsen verschmutzen nicht nur die Umwelt, sondern bezeugen diese Verbrechen. Wir flehen jeden Vogel, der uns begegnet, an, vom Land hinaus aufs Meer zu fliegen!

Xlendi ist cool, Moby Dick wird unser Stammlokal: Bruschetta, Potatoe Chips und dann mit dem Bus zurück. Die Abfahrtszeiten am Busterminal von Victoria merken wir uns für die kommenden Tage, denn wir haben vor, wieder zu kommen!

Schon Tag Vier! Auf der Nordseite der Insel bauscht der starke Wind das Meer auf. An den Hafenmauern steigt die Gischt empor und hinterlässt außer nassen Gehwegen auch eine Menge an Meeresgemüse. Heute wandern wir vom Fährhafen mit dem arabischen Namen Mgarr (sprich: Imschar) nach Xlendi. Der Wind hier auf der Südseite der Insel ist sehr milde, die Sonne nach morgendlichem Wolkenprotest wieder strahlend, der Himmel einfach himmelblau, das Meer an vielen Stellen sowas von Türkisblau – das haben wir noch nicht gesehen! Ein einsamer Strand mit Felsplatten – uns schon wieder bin ich im Bikini. Allerdings fällt es mir heute ein wenig schwerer, ins Meer zu gehen. Bis zum Bauchnabel ist auch alles gut, aber als das Wasser zur Herzgegend kommt, muss ich schon kurz schlucken. Der Aufenthalt ist daher auch nicht allzu lang. Und außerdem soll Bodo nicht so lange auf mich warten müssen!

Unterwegs plaudern wir kurz mit einem Schotten, einem älteren, aber sehr drahtigen Herrn, der dann allerdings eine Verabredung vorgaukelt (?) und sich auf den Rückweg aufmacht.

Wir wagen uns immer wieder bis an den Rand der Steilküste. Wenn Bodo fotografiert, halte ich ihn fest – ob das im Falle des Falles (im buchstäblichen Sinn!) etwas gebracht hätte, wage ich allerdings zu bezweifeln.

Und dann finden wir „unseren Kraftort“! Halbrund ausgeschliffene überhängende Geländekanten in sanftem Hellgelb, absolut windstill und in einer nachmittäglichen Sonne, die noch immer viel Energie verströmt. Ein Solitär aus festem Gestein, optisch einem herausgerissenen Herzen gleich – das ist die Yoga-Plattform schlechthin! Ich jetzt nur in Top & Tight und Bodo mit einem unermüdlichem Eifer, die Szenarie perfekt einzufangen. Das Lieblingsfoto wird wohl werden: ich im Lotossitz am Rand des Felsens, dem Meer zugewandt – eine innere Ruhe überkommt mich auf einmal, ich spüre, wie ich im Körperzentrum stark und stärker werde – oder bin ich schon kirre im Kopf? Vielleicht ist das jetzt der eine Moment, wo mir die gefürchtete Jahreszahl nichts mehr ausmacht? Beginnt hier und jetzt etwas Neues? Ist das Yoga?

Für weitere Bilder hier klicken

Etwas durchfroren kommen wir nach Xlendi und gehen nach einer Pause im Moby Dick zu Fuß bis nach Victoria, um wieder warm zu werden. Die Sonne geht auf halber Strecke unter. Als der Bus um 17:30 dann nach Marsalforn abfährt, ist es bereits dunkle Nacht.

Heute Abend trauen wir uns endlich ins „Kartell“. Als complimento werden uns vorweg frischgebackene Weckerln serviert und ein fruchtig-knoblauchiger Artischockenaufstrich. Die beste Pasta ever wird dem Sponsoring von Bodo´s Eltern gewidmet.

Leider meint der Kellner, dass morgen am Silvesterabend alles ausgebucht ist.

Der letzte Wandertag am letzten Tag des Jahres. Wir haben fast die gesamte Insel durchwandert und wollen heute nochmals auf die Südseite, weil es dort einfach schöner – windstiller und sonniger – ist. Wir starten in Xlendi (ohne Zwischenstopp im Moby Dick) und gehen ungefähr die halbe Strecke vom gestrigen Weg, halt nur vom gestrigen Ende beginnend. Das Meer glitzert. Das Jahr freut sich darauf, nach 366 Tagen seinem Nachfolger die Regentschaft zu überlassen. Bei uns macht sich allerdings eine leichte Beinschwere und Wanderfaulheit breit, sodass wir immer wieder kurz an besonders schönen Stellen faul verweilen, um dann wieder zu „unserem Kraftort“ zurückkehren. Dort kuscheln wir uns in das Halbrund des Gesteins und lassen uns von der Sonne verwöhnen. Als Yoga-Stellung fällt mir hier nur Shavasana (die Endentspannung) ein.

Herrlich!

Herrlich auch der Abschlussprosecco im Moby Dick.

Herrlich auch die schnelle Pasta im „Kartell“, bevor die anderen Gäste Anspruch auf ihre Tischreservierungen erheben.

Herrlich auch, dass es auf dieser Seite Gozos zum Jahreswechsel kein Feuerwerk gibt.

Wir sind bereits auf unserem Zimmer, schlürfen einen mäßig guten Proseccofusel, lachen zum wiederholten Male beim „Dinner for one“ und nehmen mit leichter Wehmut Abschied – nicht vom Jahr 2016, nicht vom endgültig verschiedenen 49er, sondern von wunderschönen, harmonischen und aufregenden Tagen auf dieser kleinen bescheidenen Insel im Mittelmeer.

U´re Welcome & Om shanti shanti shanti!

Valencia

Tapetenwechsel im Oktober?

Nach einem wunderbar harmonisch, gemütlichen, verlängerten Wochenende im Romantikschlössl am Lormanberg im steirischen Vulkanland, zu dem ich meine jüngere Schwester Julia und ihre Hündin Diva  eingeladen hatte (endlich mal ein Geburtstagsgutschein, der auch eingelöst wurde!) – Bodo durfte natürlich auch mit, denn einer musste ja Feuer im Kamin machen und fotografieren! – war noch eine andere Reise zu zweit geplant. Nachdem unsere heurige Wanderung ja leider ein abruptes Ende fand und Bodo aufgrund einiger Schulprojekte die Sommerferien durcharbeiten musste und daher kaum etwas Sonne abbekam, machte ich dank eines Tipps meiner Freundin Ute spontan eine Reisebuchung mit dem Ziel, die letzten Tage des Oktobers bis zur Uhrumstellung auf Winterzeit in wärmeren Gefilden zu verbringen. Ich bin kein Freund von langen Flugzeiten, daher ist Spanien immer eine gute Wahl – die wunderschöne Stadt Valencia, südlich (!!!) von Barcelona und auch am Mittelmeer gelegen, im Besonderen!

Einfach wäre schön, ist es aber nicht! Denn Bodo hat am Tag vor dem Abflugdatum hohes Fieber und arge Bauchschmerzen – bitte nicht! Als ich vom Sporteln heimkomme, meint er mit schwacher Stimme, dass ich alleine fliegen müsse, um nicht alles verfallen zu lassen! Wie stellt er sich das vor? Zum einen: wer pflegt ihn? Zum anderen: wer hilft mir Orientierungsniete durch unbekannte Straßen? Ich grolle, weine innerlich und bleibe stumm. 2 Aspirin-Brausetabletten, von Bodo gehasste feuchte Wadenwickel und eine heiße Tomatensuppe – kurz nachher schießt der fiebrige Schweiß! Ich gehe zu Bett – noch ist nichts gepackt!

Als der Wecker um 4 Uhr läutet, sind wir beide wach, Bodo beinahe quietschvergnügt und fieberfrei. Der Handgepäck-Koffer ist rasch gepackt, die Fototasche sowieso griffbereit – wir können los: DANKE!

Der Flug mit Zwischenstopp in Genf, von dort dann die Betreuung des freundlichsten Flugbegleiters, den ich jemals kennenlernen durfte. Er verwöhnt „ausgewählte“ Passagiere mit zusätzlichen Croissants und Schweizer Schokolade. Mit der U-Bahn sind wir dann binnen 30 Minuten am Ziel, nur wenige Meter auf einer interessanten 🙂 Einkaufsstraße – und wir haben unser kleines Hotel Lotelito gefunden. Müde sind wir jetzt allemal, aber wir verschieben das Power-Napping auf den späten Nachmittag und erkunden die Altstadt mit ihren prunkvollen, reich geschmückten Kirchen, Palazzos, den einladenden Plätzen, den beiden mächtigen Torbauten. Es gibt viel zu schauen, aber der Kopf ist bald müde, sodass wir unser Bett mit der harten Matratze testen wollen. Allein, an geruhsamen Schlaf ist nicht zu denken, denn vor unserem Hotel zieht auf der Hauptstraße ein Demonstrationszug langsam, aber sehr laut, vorbei, begleitet von einem tosenden Hubschrauber genau über unseren Köpfen. Morgen kaufen wir Ohrstöpsel!

Das erste Abendessen ist italienischer Art – wir sitzen im Freien, es hat noch immer 20 Grad, vor uns plätschert ein hell erleuchteter Brunnen.

Der erste volle Tag! Wir machen uns auf zum Botanischen Garten, den wir gestern schon entdeckt hatten. Viel mediterrane Pflanzen, aber auch Exoten, sehr viele Katzen, die hier leben und grüne Papageien. Bodo ist natürlich mit der Kamera unterwegs, ich bleibe auch schon mal gerne in der Sonne sitzen und studiere den Stadtplan. In einer offenen Parklaube turnen ältere Damen unter Anleitung. Nachmittags fahren wir dann zum Meer, finden nur nach längerem Suchen ein kleines Lebensmittelgeschäft, wo wir Wasser und Obst kaufen. Am Strand bleiben wir aber nicht lange, es wird zu windig und damit zu kühl. Zumindest meine Beine testen kurz das Meerwasser – schon a bissi frisch!

Das zweite Abendessen ist spanischer Art – wo wir schon hier sind, müssen wir doch eine Paella verdura kosten. Bodo meint: bei mir schmeckt´s besser!

Bodo schläft mit den Ohrstöpseln, ich gebe meine bald wieder raus, weil sie jucken.

Ich stehe kurz vor 7 Uhr auf – es ist noch stockdunkel – wir sind ja weit im Westen Europas! Heute bin ich wieder fit für einen Lauf. Valencia hat vor einigen Jahren den Fluss umgeleitet und aus dem alten trocken gelegten Flussbett eine gewaltige Grünanlage gemacht, 9 Kilometer lang – ein Eldorado! In der Dunkelheit sehe ich zwar nicht allzu viel, ich finde aber eine beleuchtete Laufstrecke und fühle mich sicher. Ich bin fast 90 Minuten unterwegs. Bodo: da müssen wir auch bei Tageslicht hin! Tun wir dann auch, wir wenden uns zuerst Richtung Westen und kommen dort am Ende zu beeindruckenden Bauten vom Genie-Architekten Calatrava. Besonders der Palast der Künste – ein Opernhaus für 4.000 Zuschauer – macht sprachlos, schwebt doch über dem eigentlichen Baukörper, der an eine Muschel erinnert oder doch an ein offenes Fischmaul?, ein „Blatt“, nur an einem „Stiel“ mit dem Boden verbunden. Mr. Calatrava: how does it works? Noch immer sprachlos fahren wir mit dem Bus in ein nahe gelegenes Naturschutzgebiet, das uns dann etwas enttäuscht, denn ohne Barke kommt man nicht durch das dichte Schilfgebiet. Wir fahren mit einem frühen Bus wieder zurück und spazieren lieber in „unserem“ Park – viel Stopp & Go, weil Bodo viele, sehr viele Fotomotive entdeckt. Besonders skurril sind die mit Dornen besetzten flaschenförmigen Bäume mit ihren malvenartigen Blüten. Das viele Warten macht mich ein bisschen müde … und gereizt 🙂

Das dritte Abendessen ist dann wieder italienisch – same place, allerdings drinnen, denn außen ist alles besetzt. Wir sind spät dran, Bodo hat heute Abend seine Night-Picture-Session. Und ich muss mich ein bisschen in Geduld üben – ich lasse einfach den Ort und das Treiben auf mich wirken.

Am nächsten Morgen laufe ich im Park weiter, ich bin noch nicht bis ans andere Ende gekommen. Eine Steinmauer hat mich gestern in die Irre geführt, denn ich dachte, dass hier schon aus wäre, derweil beginnt dahinter erst der Biopark, den ich dann mit Bodo bei Tageslicht so richtig erkunden kann. Wir halten uns einen Großteil des Tages dort auf, am Nachmittag schlendern wir wieder durch die Altstadt und suchen nach noch unbekannten Gassen.

Das vierte Abendessen ist schon wieder italienisch – aber wir finden nichts anderes. Warum wechseln, wenn es schmeckt? Und einen Vorteil gibt es noch: die Kellnerin kennt uns jetzt und verhilft uns zu einem Tisch im Freien – da schauen andere ganz dumm aus der Wäsch`! Die junge Dame ist in Venedig geboren, hat in Deutschland gearbeitet – ist daher multilingual! Kompliment!

Und schon ist der Tag der Abreise gekommen. Wie durch ein Wunder ist es ruhig auf den Straßen, denn unser „Grätzl“ ist heute autofrei. Wir bleiben, solange es geht, auf dem großen Platz vor dem Rathaus. Die Sonne scheint, alles ist fröhlich und hat die Uhrumstellung gut überstanden. Mit ein wenig mehr Gepäck – ich bin bei Pull&Bear fündig geworden: tolle Klamotten um einen Spottpreis (z.B. flauschiger Wollmantel, der offen zu tragen ist, um € 35,-!) und auffallende Stiefel aus schwarzem Stoff mit weißer unterbrochener Sohle – treten wir schweren Herzens die lange Rückreise an, dieses Mal mit Zwischenstopp im Zürich und eigenartigen Passagieren (vor uns zwei Kleinkinder, die sich über den Sitz lehnen und Bodo fast auf die Stirn spucken – he is not amused!)

Valencia: wir kommen sicher wieder, denn: wir haben entdeckt, dass hier an der Kathedrale ein Jakobsweg beginnt, der uns zum Beispiel bis Burgos führen könnte … Bodo hat den gelben Pfeil zuerst entdeckt!

p.s.: die vielen tollen Fotos wird es demnächst zu sehen geben – ich halte Euch am laufenden!

Beflügelt wie eine rosarote Nachteule

Sommerzeit und Großstadt – das bedeutet neben meinen „geliebten“ Menschenmassen ebenso viele Baustellen auf den Straßen – die einen beleben unsere heimische Wirtschaft, die anderen machen unsere Stadt wieder sicherer im Straßenverkehr. Quasi vor unserer Wohnung werden seit ein paar Wochen die Gleisanlagen der Straßenbahnlinie erneuert – und das meistens nachts! Ganz schön lustig, wenn um 23 Uhr die Presslufthammer zum Leben erwachen und um 3 Uhr nachts noch immer Party feiern. Da kann es dann schon vorkommen, dass aus den paar Bettstunden nur wenig erholsamer Schlaf herauszuholen ist. Mit müdem Auge schleppt man sich dann ins Bad und später in die Arbeit. Auch dort müssen die Lider-Muskeln schwerste Haltearbeit leisten.

Wenn man so wie ich vollkommen koffein-frei lebt und auch stilles Leitungswasser kein Prickeln auf der Haut mehr erzeugen kann – was soll man tun? Was hilft, den Tag zu überstehen?

Aus einer hellseherischen Eingebung heraus habe ich mir vor einigen Wochen, als ich mich extrem schlapp gefühlt habe – das war vor der Eisentabletten-Kur – eine Dose Redbull light gekauft und dann im Kühlschrank deponiert – für den Fall der Fälle. Vorgestern war es dann soweit – Durst, Müdigkeit und aus Ermangelung an anderen Getränken heraus wurde ich schwach und habe es gewagt, die Dose zu öffnen!

Der erste Schluck – und ich wollte schon aufgeben, weil mir dieser „gummibeerliche“ Geschmack doch ein wenig schwer über die Zunge ging. Wegschütten oder Aufheben oder Augen zu & Austrinken? Lebensmittel werden bei mir selten weggeschmissen. Redbull ohne Kohlensäure ist eher auch ein Graus – also rein mit dem Saft!

Und wo sind jetzt die Flügel?

Ich gehe ins Fitness-Studio, unterrichte dort meine 2,5 Stunden – keine merklich spürbaren Nebenwirkungen; ich bin zwar nicht mehr ganz so müde, aber das mag auch an der Bewegung liegen.

Ich gehe heim, und der restliche Abend verläuft wie sonst auch.

Ich gehe kurz vor 23 Uhr ins Bett, um meine 6 Stunden Schlaf zu bekommen – aber dann:

… dann geht´s los: mein Gehirn ist wie unter Strom, Gedankengänge fetzen durch meinen Schädel: Beruf, eine Yogastellung, an der ich gerade kiefle, und und und … an Schlaf ist nicht zu denken! Ich könnte glatt auf einen Sprung runter auf die Straße gehen und mich zum Presslufthammer gesellen, so quirlig fühle ich mich. Im Morgengrauen ebbt dieser Zustand einer losgelösten Nachteule dann zwar etwas nach, den Rest des Energieschubs nehme ich mit zum Laufen und mit in die Arbeit. Erst nach mehr als 24 Stunden dieser Koffein(über)dosis bin ich wieder „clean“ … und falle nach zwei unruhigen Nächten wieder einmal in einen tiefen Schlaf.

Das wird wohl ein einmaliges Erlebnis gewesen sein!

Platz schaffen!

Der Kleiderschrank einer Frau – die unendlichen Weiten eines immer ungenügenden Volumens! Da wird gestapelt, gelegt, übereinander aufgehängt und in die letzte aller Fugen hineingestopft, um doch noch ein Plätzchen für einen neuen Liebling auf Zeit zu schaffen. Der verzweifelte Blick in der Früh – „Was soll ich heute nur anziehen?!“ – wird vom Mann an der Seite trocken kommentiert: „Kein Wunder, vor lauter Viel siehst du das Eine nicht!“ – gggrrrrrups: da ist leider ein Körnchen Wahrheit drin (aber nie und nimmer gebe ich zu, dass ER hier mal Recht hat!). Gegen Saisonende wird es für uns Frauen dann noch schlimmer, denn sind wir die Winterklamotten, die wir seit nunmehr gut einem halben Jahr tragen, nicht so was von überdrüssig? Ich habe das Gefühl, dass ich immer gleich gekleidet bin (nun ja, bei mehr als 3 schwarzen Kleidern kein Wunder). Schuhwerk hatte ich diese Wintersaison eigentlich auch nur 2 Favoriten, weil bequem mit grober Plateausohle – einfach optimal für Office und urbane Herumlauferei.

Jetzt aber – jetzt ist März und irgendwann wird sich die kalte Jahreszeit endgültig verabschiedet haben – Zeit, um Gewand-Bilanz zu ziehen: was trage ich? was trage ich noch mal vielleicht? was trage ich mit Sicherheit nicht mehr?

Ein Wochenende mit Regen und sichtbarer Staub im Schrank sind da schon die optimalen Voraussetzungen, sich mit dem Thema „einen sauberen Platz schaffen“ zu beschäftigen! Eine Freundin von mir ist teils Abnehmerin, teils Weitervermittlung für gut erhaltene Kleidungsstücke – sozusagen eine minimierte Swapperei mit Einbahn und Anreiz genug, sich über Kleiderstange und Regale herzumachen.

Ich war gut drauf am letzten Samstag – und habe radikalst (!!) aussortiert … weg, weg, weg mit Dir! Schnell war der Stapel verabschiedeter Kleider, T-Shirts, Jacken … ein sehr hoher – wieviel passt in einen grooooßen Koffer hinein? (Beinahe musste ich die Shoppingfalte aktivieren, um alles unterbringen zu können. Geschafft! Meine Freundin hat eine große Freude, und ich hoffe, die unbekannten neuen Besitzerinnen auch! Und ich? freue mich auf zweierlei Arten: zum einen natürlich, dass ich anderen etwas abgeben kann – das ist mein soziales Ich -, zum anderen, dass ich jetzt wieder Luft für Neues habe – das ist dann leider mein egoistisches Ich. Ich darf nun quasi mit „gutem Gewissen“ ein bisschen im Internet stöbern oder mich auf die Einkaufsstraßen wagen (nächste Woche bin ich in Hamburg!!!).

Bis ich dort dann allerdings fündig werde, stehe ich morgens weiterhin ratlos vor dem Schrank – und ziehe dann doch wieder eines meiner schwarzen Kleider an (von denen trenne ich mich nicht!) – allerdings habe ich gestern das Schuhwerk von Winter auf Übergangszeit geändert – schließlich muss ich ja die neuen Schnürschuhe testen!

Männer zeigen Mut und (leider) mehr

Muss diese mächtige Hitzewelle so zu Ende gehen? Mit diesem Bild vor Augen?

Vergangenen Mittwoch, als ich kurz vor 18 Uhr das Büro verließ in Richtung Fitness-Club, um mit den Mädels, die gerade nicht auf Urlaub weilen oder bei einem Hugo-Sommerspritzer-Aperol-Drink auf Sehen und Gesehen-Werden abchillen, all unsere zahlreichen „Problem“-Zonen zu aktivieren und malträtieren (ich meine ja, dass es keine Probleme geben sollte, nur Lösungen!), zeigte die Thermometer-Anzeige lockere 36°C an – also hot. Auch mich umfing die plötzliche Hitze nach Stunden im gekühlten Büro wie eine Feuersbrunst. Aber als ich den Blick nach vorne richtete, ereilte mich unmittelbar ein heftiges Schaudern, sah ich doch nur wenige Meter vor mir eine Person männlichen Geschlechts, das T-Shirt hoch bis knapp unter die Brust aufgerollt. Ihr Frauen, wenn Ihr jetzt lechzend über Eure Lippen leckt und das Bild vom CocaCola-Man oder Magic-Mike vor Augen habt, macht sie schnell zu, Eure Augen und atmet tief durch. Denn der Bereich zwischen Brust und Gürtel, den ich da zu sehen bekam, hatte mit der Wunschvorstellung eines Six-Pack rein gar nichts zu tun, nicht mal mit einem knuddeligen Waschbärbauch, sondern viel mehr mit einer genmanipulierten Wassermelone von gigantischen Ausmaßen. Dazu die zum Platzen gespannte Haut, überzogen mit einem dunklen Pelz …!

Und ich dachte immer, dass dem männlichen Geschlecht nur weiter unten heiß ist?

Nur eine Einzelerscheinung? Ein Gespinst der Verwirrungen im Gehirn nach einem anstrengenden Arbeitstag? Weit gefehlt – es scheint sich um einen neuen Hitze-Trend in der Männer-Fashion-Welt zu handeln, denn kurz, nachdem dieser Schock-Augen-Blick vorüber gezogen war, wurde meine Netzhaut von einem sehr ähnlichen (Ma-)An-Blick getroffen.

Nichts für ungut – ich weiß, die Hitze macht uns alle ein bisschen gaga im Hirn, aber können wir uns im urbanen Dschungel nicht alle ein wenig zusammen reißen? Oder ist dies nun der Beginn einer Fashion-Angleichung, wo doch auch so manches bauchfreie Top, so manche Jeans-Hot-Pants oder so manches Trägerkleidchen am weiblichen Körper ungenügend hautbedeckende Eigenschaften aufweisen?

Was ich in den eigenen Wänden und auf der Terrasse trage bzw. nicht trage, ist meine Sache. Aber auf der Straße achte ich doch darauf, dass ich adrett und appetitlich anzusehen bin – und wenn dann dem einen oder anderen ein Hitzeschwall durch den Körper schießt, hat das (hoffentlich) andere Gründe als ein Thermometer, das 36°C anzeigt.

It´s hot in the city!

CARLOS

Bodo ist traurig!

Bodo ist seit ein paar Tagen zum ersten Mal, seit er denken kann, car-los; für einen Mann ungefähr so schlimm wie für eine Frau, die all ihre Schuhe hergeben muss – so zumindest hat Bodo versucht, mir seine derzeitige Gemütslage verständlich zu machen – und: ich verstehe!

Was ist los?

Leasing-Vertrag zu Ende / das ins Auge gefasste neue Smart-Modell noch nicht erhältlich / viel diskutiert, mit dem Ergebnis, das Experiment „CARLOS“ für ein paar Monate zu testen.

Wie viele Stunden steht ein Auto? Wie viele Minuten ist ein Auto in Bewegung? Wofür brauchen wir eigentlich einen fahrbaren Untersatz? Aus beruflichen Gründen derzeit gar nicht, zumal wir in der glücklichen Lage sind, die Orte des Lohn-Verdienens per pedes erreichen zu können. Der Wochen-Einkauf kann mittels Trolly abgewickelt werden und verändert unter Umständen auch unser Kaufverhalten (obwohl: nach dem Urlaub herrscht bei uns daheim Ebbe an allen Ecken, Enden, im Kühlschrank und in der Lebensmittel-Lade). Ausflüge bedürfen einer Vor-Planung, sprich einer rechtzeitigen Autoanmietung und für spontane Notwendigkeiten gibt es diverse Rufnummern, Car2Go oder eines der stets „erfrischend“ duftenden öffentlichen Verkehrsmittel.

Das Experiment kann beginnen – CARLOS: let´s start!

(wir halten Euch am laufenden ….)