Wer die Schaufel in die Hand nimmt, fängt den Fish!

Bodo meint, meine Blog-Notizen seien lustig.

Ich interpretiere das so: er findet es lustig, wenn ich mich mit mehr oder weniger charmant-verdrehten Worten selbst auf die Schaufel nehme – ist doch so oder? Ich nehme mir wahrlich kaum ein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, mich bloß zu stellen, ohne aber nackt zu sein. Auch wenn das Schreiben im Web einen gewissen Grad der Anonymität erzeugt: es gibt mindestens ein Bild von mir – und anhand dieses Fotos kann sich jeder, der meine Blogs liest, ein eigenes Bild von mir machen, so, wie es ihm / ihr gefällt … ich bin ein sozusagen in Wort und Beistrich und Ausrufezeichen gepinselter Avatar, der heute als Lachfigur dasteht, morgen aber vielleicht als Jemand, der „endlich darüber schreibt!“ Treibt mich diese Erkenntnis nun in den mentalen Wahnsinn und verstumme ich von einer Sekunde auf die andere oder schwebe ich elfengleich über die Schallwellen des aufströmenden Gelächters und lasse mich auf meinem Beobachtungsposten nieder?

Ich glaube, ich will eigentlich nur, dass dem einen oder anderen beim Lesen ein kleines Schmunzeln über die Lippen kommt – ein online-Fitness-Training für die Mundmuskulatur sozusagen. Und wenn dann noch über mich getratscht wird, wird der Kiefer ebenfalls trainiert und die Zunge geschmeidig-feucht gehalten.

Es ist ja so wie bei meinen Fitness-Stunden, die ich abhalte. Nun gut, beim Yogaunterricht ist es angebracht, den Kasperl hinter dem Vorhang zu verstecken, aber auch hier versuche ich, durch bildhafte Erklärungen bzw. durch sprachliche Hoppala-Asanas ein klein wenig die Anspannung aus den Gesichtern wegzunehmen.

Beim klassischen Bauch-Beine-Po, das durch mich eine moderne, flippige Ausdrucksweise verpasst bekommt, bin ich mal strenger Oberfeldwebel, mal maulender Clown, mal sexy Biest. Wie auch immer, die Mädels (und die wenigen – älteren – Jungs) lieben es – sie müssen es lieben, sonst wäre meine Stunde nicht so gut besucht. Gestern hatte ich 43 Mädels und Damen und 2 Herren (Mann, die fühlen sich inmitten der wippenden Figuren wohl wie Adam im aufgefüllten Paradies!), die voller Power und mit viel sichtbarem Ehrgeiz all das so gut als recht mitmachten, wie ich es wollte, und vor allem dabei auch noch ihren schweißtreibenden Spaß hatten. – Der Mensch ist halt unterhaltungssüchtig!

Und ich? Ich schöpfe aus diesem entgegengebrachten Feedback enorm viel Energie. Nach einem stressigen Arbeitstag (und wenn ich stressig sage, dann meine ich es auch so … von Besprechung zu Besprechung, dazwischen Protokolle verfassen, Mails bearbeiten, Kollegen aufmuntern, hoffen, das Richtige getan zu haben, nicht verzweifeln, wenn alle Müh umsonst war, … und der Jahresvorsatz, mittags eine Runde im Park zu gehen, hatte noch keine Gelegenheit, FUSS zu fassen), ist es zwar meistens eine kleine Anstrengung, mich (das heißt Kopf und Körper) ins Studio zu schleppen, aber sobald ich im Turnzeug stecke, die Leute in den Saal strömen und ich mit Musik den Kurs eröffne, ist der Showeffekt da: alles dringt für 60 Minuten in den Hintergrund, egal, ob Müdigkeit, Hunger/Durst oder Schmerzen – Ich bin präsent. Wer das Buch Fish! kennt, weiß: präsent zu sein, ist eines der 4 wichtigen Motivationsprinzipien, um seinen Job gerne machen zu können (die anderen 3 sind übrigens: Spielen / play, den anderen Freude bereiten / make their day und deine Einstellung wählen / choose your attitude).

Man hat so immer so viel Freude, wie man sich selbst macht! Und wenn meine kleine Schar der Leser/innen hin und wieder über meine Zeilen schmunzeln kann, soll es mir nur Recht sein – ich habe Freude daran:

I make your day!

Durch Wind und Wasser

Liebe Leute, hier könnt Ihr Euch online über die Erfahrungen des Gehens im Matsch informieren. Es gibt leider (oder zum Glück?) nur 7 Stück gedruckte & gebundene Exemplare des Reisetagebuchs, das Bodo und ich zu unserer Pilgerreise 2013 verfasst haben.

Wie jedes Jahr sind wir im Frühjahr / Frühsommer auf allen Vieren unterwegs gewesen – und wie jedes Jahr haben wir uns erst ab Spätsommer / Spätherbst mit der Sortierung unserer Gedanken und Erinnerungen befasst. Obwohl ich heuer sehr wenig handschriftliche Aufzeichnungen gemacht habe, war es spannend, wie während des Tippens nicht nur meine Finger tätig waren, sondern auch meine (beiden) Gehirnzellen Dinge hervorgebracht haben, die sonst in Vergessenheit geraten wären. Die Füße sind im Takt mitgetrippelt. Und meinem Bodo ist gleich wieder kalt geworden, als er die Fotos gesehen hat. Ich hoffe, dass Euch warm ums Herz wird, wenn Ihr die eine oder andere Passage überfliegt.

Fortsetzung folgt!

 

durchwindundwasser

Das pdf-File kann hier heruntergeladen werden (bitte um etwas Geduld, das File ist 130 MB groß ;-))

DurchWindundWasser

Werbe-Paarung

Gestern beim Heimgehen vom Bauch-Beine-Po-Drillen (34 freiwillige Mädels und Damen 🙂 ist mir in der Dunkelheit bei der Straßenbahnhaltestation am Rennweg etwas, nein „bi-was“ mit aller Helligkeit, die ein beleuchtetes Werbeplakat verströmen kann, ins Auge gefallen:

links eine Busenschönheit, in zwei toll geformten Körbchen verpackt

rechts Mr. Nespresso, an seinem Volluto nippend, und den Blick belustigt nach unten gerichtet. Mir scheint, er hatte seinen Blick gerade noch weiter nach links gerichtet gehabt?

Diese beiden Plakate verkörpern so ziemlich alles, was der Mensch an Bedürfnissen zu haben scheint: Genuss und Sex!

Faszination 1: der weibliche Busen, wenn man das schmale Tal zwischen den beiden Hügeln als erotisch bezeichnen will bzw. die beiden Brüste, wenn man(n) unter rein handwerklichen Gesichtspunkt die Sache betrachtet. Warum quälen sich Frauen so, den ultimativen Vorbau zu haben/zu bekommen? Da es sich hier um Fett- und Drüsenmasse und nicht um Muskelmasse handelt, hilft kein Sporttraining, hier krasse Veränderungen zu bewirken. Sportliche Betätigung hilft aber, die Haltung zu verbessern, was den „beiden“ natürlich mehr Geltung verschaffen kann. Trotzdem ist es schon fast so, wie zum Friseur gehen, dass man sich freiwillig unters Skalpell legt und sich zwei Fremdkörper einsetzen lässt. Als ich damals wegen der Hallux-OP in der Tagesklinik war, lag neben mir eine junge Mutter mit Körbchengröße A, die sich was Gutes tun wollte – sozusagen Topsanierung nach 2 Schwangerschaften. Die Frau war so euphorisch, dass sie, glaube ich, alles andere weggeblendet hat. Wenn sich eine Frau die Brüste machen lässt, ist das ein Geschenk an sich selbst oder braucht frau das, um mehr Selbstwertgefühl zu haben? Werden da BH-Hersteller á la Intimissimi, die mit ein bisschen Stoff und Draht ein Mysterium vorgaukeln können, nicht bald obsolet? Ich persönlich habe ja den ultimativen BH noch nicht gefunden. Der Bügeldraht hat sich bei meinen bisherigen Exemplaren immer irgendwann durchgebohrt. Ich hasse diese Kunststoff-Einlagen: zum einen verwurschteln sie sich oft nach dem Waschen, zum anderen fange ich darunter zu schwitzen an (ich dürfte in dieser Körpergegend auch einige Schweißdrüsen eingebaut haben). Spitze kratzt meistens. Träger werden locker und rutschen. Oder das Körbchen leiert oben am Rand so aus, dass mein Vorbau zur Hüpfburg abdriftet. Am besten finde ich noch die Modelle, die das, was natürlicherweise vorhanden, ist elegant nach oben und am besten auch etwas zueinander drücken. Das ist fesch. Schaut Euch allein die Dirndlkleider an: da tun sich oft Dinge auf, die man unter einem T-Shirt nie und nimmer vermuten würde. Stellt sich die Frage: warum trage ich kein Dirndl?

Ich bin noch nicht fündig geworden – aber ich gebe die Suche nicht auf!

Faszination 2: der Mann, der Nespresso auch für Nichtkaffee-Trinkerinnen attraktiv macht. George C. ist wahrlich kein guter Schauspieler (verglichen mit Al Pacino, Bruce Willis und all die anderen Hollywoodler), aber sein Blick hat schon so manche weibliche Brust zum Beben gebracht. Ist der selbst darüber so erschrocken, dass seine Reaktion darauf die Beziehungslosigkeit ist oder hält er diesen Nimbus des Unerreichten mit Absicht hoch? Ist es sein persönlicher PR-Gag, stets wieder als Single an seinem See in Italien Pasta zu essen und mit dem Motorrad die Gegend zu erkunden? Oder auf einer Dachterrasse einen Schwarm von Frauen zu hysterischen Anfällen zu bringen? Eigentlich ziemlich fies von diesem Schönling, der auch schon langsam in die Jahre kommt und dummerweise immer mehr dazugewinnt an Sex-Appeal.

Ist aber für Männer, egal, ob sie Volluto, Espresso oder Milchkaffee trinken, die weibliche Brust allein das Objekt der Begierde oder lassen sie sich instinktiv auch auf andere Talente ein? Steht im Genuss der Kakaobohne auch ein wenig die Suche nach einer weichen Unterlage zugrunde? Lockt hier der sirenenhafte Geruch oder ist es einfach dieses Schwarz, was geheimnisvoll wirkt? Hat ein Espresso nicht doch mehr Sex als ein Caffe Latte?

Ich trinke nach wie vor keinen Kaffee, aber ich würde G.C. schon mal einen Kaffee holen, einen Espresso natürlich!

 

Ich habe den Mond gefangen

Auch wenn heute der Vollmond im Nebel liegt, beim letzten Vollmond habe ich mein Talent als Mond-Jägerin bewiesen und Bodo hat dies mit seiner Kamera nachweislich festgehalten.

Ich habe mich zu diesem Experiment nur hinreißen lassen, weil ich mir sicher bin, dass der Mond eine rein vegetarische Angelegenheit ist und mir daher beim Verspeisen keine „Gefahr“ droht – gestern am Naschmarkt wollte mir doch eine Kellnerin ein Hühnersandwich als veg. Fitness-Sandwich verkaufen! Da mir die Menschheit aber am Herzen liegt und ich nicht riskieren will, dass alles aus dem Ufer gerät, habe ich mich dann doch noch in letzter Sekunde besonnen und den lieben Mond nur als Spielball verwendet. Ich kann nur sagen: federleicht ist er, dieser Erdtrabant!

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Abenteuer Flohmarkt

Gibt es eine bessere Jahreszeit, als im November, gerade dann, wenn das Wetter doch noch tatsächlich auf „Herbst“ umschwenkt, sich mit einer Arbeitskollegin frühmorgens bei tiefster Dunkelheit Richtung Gewerbepark Stadlau aufzumachen, um aktiv als Flohmarktstandler zu agieren? Der Smart ist voll: 2 Umzugsschachteln locker gefüllt mit allerlei unnötigem Krimskrams: einem Griller, der bei uns den FI-Schalter bewegt, alles aus Sicherheitsgründen lahm zu legen; Spiele, die keiner mehr spielt; eine knallgelbe Küchenwaage, die durch ein modernes Gerät ersetzt wurde; Spiegeleierformen, die mehr Frust als Lust bereitet haben; meine Eisschuhe, die seit Jahren im Keller vor sich hin schmollen. Weiters ein kleiner runder Klapptisch und passende Klappsessel aus der Kunststoff-Ära sowie das kleine runde Plastiktischerl vom Ikea, das bei willhaben.at keiner haben wollte. Das alles ging dann auch tatsächlich um wenige Euros weg. Zurückgenommen habe ich nur die beiden Skater samt Schutz-Equipment und die Computer-Sachen, die Bodo mitgegeben hat – ausgenommen die kleine Videokamera und ein Handy, beides im Schein der Dunkelheit gestohlen!

Um 5:30 war ich dort – viele andere schon einerseits beim Aufbauen ihrer Schätze, zum anderen – und das eigentlich Schlimme – die Schar an kauflustigen Personen mit Migrationshintergrund, die einem die Gustostückerln abluchsen (oder eben auf andere Weise entwenden), um sie dann anderwertig – und unter Umständen nur wenige Meter von einem entfernt – zu verhökern. Es gibt eben die Flohmarkt-Profis (in der wind- und wettergeschützten Halle). Und die Flohmarkt-Laien, die im Freien eine Verkühlung riskieren, um ihr Klump an einen neuen Besitzer anzubringen. Denn keiner will mit dem ganzen Zeug mittags wieder von dannen ziehen. Diejenigen, die den Hausrat ihrer Ahnen loswerden wollen, sind ziemlich gefährdet, vom geschulten Auge der Profis über den Tisch gezogen zu werden, denn oft wird der tatsächliche Wert von „Antiquitäten“ unterschätzt. Ich habe mit Interesse (und einer Haube auf dem Kopf, denn kalt war´s schon) die Menschen um mich herum beobachtet: neben mir eine Frau aus Deutschland, deren Mutter hier im Sterben liegt. Sie beginnt jetzt schon, Nippes und Alt-Damen-Schuhe loszuwerden plus 30 Stk. Apotheker-Dosen, die sie aus Deutschland mitgenommen hat (kein einziges Drum hat sie verkauft!). Neben mir meine Arbeitskollegin, die auf zwei (!) Tapezierer-Tischen Unmengen an Kleidung um 1, 2 Euro verkauft. Sie ist mit zwei (!) Autos da. Hier wird in den Anfangsstunden heftigst gewühlt und ich muss zugeben, einiges wechselt an eine neue Trägerin. Trotzdem bleibt noch viel, viel übrig – was soviel heißt wie: a) weiterhin aufheben b) nochmals flohmarkten oder c) wegschmeißen. Ich fand es sehr unterhaltsam, was wen interessiert: ein Mann, der für die Spiegeleierformen für seine Kinder kauft (und dann auch gleich noch den Klapptisch und die Stühle um 5 Euro, sodass ich meine „Ausstellung“ umbauen musste). Oder ein Herr, der bereits im Regen noch schnell eine alte Sonnenbrille um 1 Euro erstanden hat. Oder ein anderer, der von einem comic-kitschigen Teelicht sichtlich angetan war, aber ehrlich zu sich selbst war: „Ich weiß nicht, was ich damit anfangen soll.“ Oder die Frau, die sich alle drei Spiele unter den Nagel gerissen hat – es gibt doch noch Menschen, die alte/moderne Brettspiele einer Playstation vorziehen. Dass rote Weihnachtskugeln aus dem Billig-Shop weggehen würden, dessen war ich mir sicher. Doch dass sich niemand für den wirklich schönen rot-orangen Kerzenständer interessiert hat, hat mich sehr gewundert. Der Regen kam leider früher als erwartet – nach 5 schnell vergangenen Stunden habe ich den Schluss-Strich unter dem „Abenteuer Flohmarkt“ gezogen und bin mit ca. 40 Euro Gewinn und dem uninteressanten Rest wieder abgezogen: für Skater ist jetzt offensichtlich keine Saison und die Computerwelt ist so kurzlebig, dass man hier keine Abnehmer mehr findet.

Daheim habe ich dann zuerst mal was Warmes getrunken, ein bisschen Schlaf nachgeholt und habe gleich noch weiter ausgemistet: Kleidung für Polen bzw. die Swap-Party am nächsten Samstag und Bodo gibt 3 ungetragene Jacken für die Obdachlosen her. Es grenzt an Befreiung, Dinge loszuwerden. Andererseits ist es beklemmend und beschämend, welche Besitztümer man anhäuft – was sind wir nur für eine Wegwerfgesellschaft geworden!

Gerüchte Gerüchte

Ein sensationell von 10 jungen, engagierten Laienschauspielern dargebrachtes Theaterstück im (noch) unbekannten bayrischen Städtchen Vöhringen (zum Nachschauen: Ulm ist nicht allzu weit entfernt) mit dem Titel „Gerüchte Gerüchte“ hat mich, während ich mich im Laufschritt gegen die ersten heftigen Herbststürme stemmte, zum Nachdenken verleitet: was hat es mit diesem Begriff „Gerücht“ eigentlich auf sich?

Irgendjemand sagt irgendjemandem irgendetwas unter dem Mantel der Verschwiegenheit mit der eindringlichen Bitte, es nur ja niemandem weiterzuerzählen. Im Zwischenton aber die klare Aufforderung: „Sag es weiter!“ Dieses Irgendetwas muss natürlich mit irgendjemandem in Zusammenhang stehen, der im a) in der Öffentlichkeit bekannt ist, auf den man b) neidisch ist und dem man c) allenfalls bewusst, aber unerkannt schaden will. Verbreitet durch Mundpropaganda wird aus dem gezielt ausgestreuten Samenkörnchen bald schon ein heftig wucherndes Unkraut, das sich in Windeseile über jedes Beet ausbreitet und das Edle / Reine – die Wahrheit sozusagen – erstickt. Da es in der Natur des Menschen liegt, ein bisschen böse, sehr schadenfroh und noch mehr neugierig zu sein, birgt jeder von uns in sich die Gier nach Getuschel. Der Pulsschlag wird höher, das Kribbeln in den Fingern verleiht ungeahnte Agilität. Unser Gehirn wird in ungeahnte phantastische Höhen gezogen. Bilder im Kopf entstehen nun mal durch subjektive Wahrnehmung. Man wird Teil einer Verschwörung und allein deshalb schon zum Lügner, weil man entgegen dem Versprechen „Meine Lippen sind versiegelt“ bei nächstbester Gelegenheit die hinter vorgehaltener Hand zugeraunte Botschaft mit eigenen Worten in ein anderes Ohr flüstert. Gibt es etwas Schöneres, als sich kurz mal entrüsten zu können und den moralischen Kodex empor zu halten? Mit einem Mal entsteht eine Gemeinsamkeit auf Zeit. Besteht daher im Gerüchte verbreiten, das Bedürfnis nach Nähe und Übereinkunft?

Als Kind haben wir harmlos „Stille Post“ gespielt und uns dabei gegenseitig ins Ohr gespuckt. Und doch liegt hier einer der wichtigsten Grundsätze der Kommunikation verborgen.

Und wer hat nicht schon einmal aus einer „Mücke einen Elefanten“ gemacht?

Was würden all diese Hochglanz-Gazetten nur machen, wenn es diesen menschlichen Makel nicht gäbe? Wer liest nicht gerne die Klatschseite zuerst und dann erst die „echten“ Nachrichten?

Woher leitet sich das Wort „Gerücht“ ab? Gibt es eine Verbindung zum „Gericht“ – sowohl dem rechtlich betrachteten als auch dem, was aus der Küche kommt? Spricht man deshalb auch von der „Gerüchteküche“ – dort, wo mit schmackhaft, spicy Zutaten ein Gerücht zusammengemixt wird? Werden Hauben für das beste Gerücht des Jahres vergeben? Kann man Gerücht auch mit Geruch in Verbindung bringen? Riecht es nicht ab und dann ganz entsetzlich heftig nach Klatsch und Tratsch?

Und übrigens: Hast du nicht auch schon davon gehört, dass …. ?

Die „Alte“ muss gehen – die „Neue“ darf kommen

Da kommt Freude auf, wenn man noch mit leichtem Winterzeit-Jetlag in der Früh um 5:40 im Badezimmer Licht anmacht und in einer Riesen-Lache steht: die Waschmaschine hat mir mit deutlichem Nachdruck zu verstehen gegeben, dass ich wieder einmal den Boden aufwischen soll! Ein Schrei sitzt in meiner Kehle, kann aber nicht raus. Stattdessen ein Griff zu sämtlichen alten Putzfetzen, die ich wohl genau für solche Momente gehortet habe, wahllos auf den Boden geworfen, damit das Wasser ein bisschen jedenfalls aufgesogen wird. Dabei wird mir bewusst, dass unser Bad ein kleines Gefälle zur innersten Kante aufweist – ein Riesenglück, denn sonst wär das Wasser, das eigentlich in der Waschmaschinentrommel sein müsste, auch im Vorraum.

Nun gut, strategisches Vorgehen ist angesagt: nimm einen Eimer/Kübel, knie dich hin und wische, wringe, wische, wringe … bis alles wieder trocken ist. Zwischendurch probieren wir, ob der Trick, den wir im heurigen Jahr schon mehrfach angewendet haben, nochmals funktioniert: den letzten Schleuder-Abpumpdurchgang starten – nix passiert. Somit badet die Wäsche in der Trommel noch im Waschsud, und die nächste Station dieser morgendlichen Action (es ist 6:30 mittlerweile) ist die Dusche, wo ich mit viel Oberkörpereinsatz aus kleinen, größeren und sehr großen Textilteilen soviel an Wasser rauszwänge wie nur möglich. Meine Begeisterung hält sich in Grenzen, vor allem bei den großen Handtüchern und dem Bettlaken. Endlich auch das geschafft – ich bin (nervlich) geschafft.

Fakt ist: die „Alte“ hat nach 12….13 Jahren wohl ausgedient. Bodo klemmt sich gleich dahinter und bestellt eine „Neue“ – inkl. Zustellung und Abholung der „Alten“ – da muss das Konto für Unvorhergesehenes angeknabbert werden!

Als wir abends die „Alte“ abbauen, stellen wir fest, dass der elendlange Schlauch komplett verstopft / versifft ist – Mann, das hat vielleicht einen grauslichen Odeur! Das sind mindestens 1.000 Olf! Gut, der Schlauch ist wieder durchlässig – den Kauf der „Neuen“ mache ich trotzdem nicht mehr rückgängig, denn das Vertrauen ist dahin. Außerdem denke ich, ist Zeit, für A+++, freie Zeitwahl, wann die Maschine zu arbeiten beginnt und andere Feinheiten. Heute Abend sollte die „Neue“ dann schon ihre Arbeit aufnehmen können – sollen das dann gleich die Putzlappen sein?

Was mich bei dieser Sache aber echt sauer gemacht hat? Meine Laufeinheit ist von den Macken einer Maschine boykottiert worden!

Jetzt wird´s BRILL-ant!

Es ist nunmehr amtlich: der Verfall meines Körpers schreitet unweigerlich voran! Ich wollte es ja noch bis zum „offiziellen“ Altersschub-Stichtag hinauszögern, aber meine beiden Guckies machen mir da einen Strich durch die Rechnung! – ich bekomme eine BRILLE, die mir das Lesen bei nicht so hellem Licht und kleinen Buchstaben erleichtern soll! Warum rege ich mich so auf? In der Schule hatte ich doch auch schon so ein Binokel auf meiner Nase: die erste Fassung war in einem Grünton und ganz im 70er Jahre-Look – also GROSS; die zweite dann gediegener im Horn-Design – manche Dinge haben sich ins Gedächtnis eingebrannt, phänomenal! Als Kind ist man wahrscheinlich stolz, wenn man „behindert“ ist, zB Zahnspange. Aber wenn frau dann langsam, aber sicher an der halben Jahrhundertmarke knabbert – die Zahl, deren Namen frau nicht nennt -, dann tut es in der Psyche ziemlich weh! Na gut, wenn es anders nicht geht: schauen wir mal, welche Fassung mein schmales Gesicht in Kinderkopfgröße zieren könnte. Ich war vergangene Woche nach dem Augenarzt noch halb blind vom Eintropfen in zwei Brillengeschäften und hätte da auch etwas gefunden – wow: das wird aber ein teurer Lesespass! Es gibt ja auch Lesehilfen aus der Apotheke oder zB beim Hartlauer, aber umpffff – das schaut ja scheußlich aus und beschleunigt meinen Alterungsprozess in Sekundenschnelle! Dann doch lieber eine „normale“ Fassung zu einem „vernünftigen“ Preis – ein bisschen was sollte es schon gleich schauen, auch wenn ich das Gestell dann nur zum Lesen aufsetze.

… nächste Woche ist es dann soweit – dann sehe ich vielleicht auch deutlich, was ich da so immer wieder von mir gebe!

Schönheitsfehler

Was soll das jetzt?!

Aus dem Marathonfieber zurück in den momentan trainingslosen Alltag fühlen sich die Oberschenkel anfangs noch ein bisschen spröde an. Aber mit Yoga und PowerPlate ist auch dieses Andenken ruckzuck wieder Geschichte.

Und dann das: ich sitze am Dienstag brav bei der Arbeit, als nachmittags meine Lippen von einer Sekunde auf die andere aufgehen wie ein Germ- bzw. Hefeteig zum Allerheiligen-Striezel oder für Buchteln. Ich kenne mich anfangs gar nicht aus, weil mir Fieberblasen (zum Glück) ziemlich fremd sind – ich hatte in meinem langen Leben erst einmal eine derartige Verunstaltung im Gesicht, als ich beim Wörther See-Halbmarathon kollabiert bin. Zeichen dafür, dass mein Immunsystem in Verona ein wenig durcheinander gekommen ist? Oder einfach eine Reaktion auf das allgemeine Rundum-Husten/Schnupfen, sobald es draußen etwas kälter wird und in den Häusern, in U- und S-Bahnen die Heizung eingestellt ist, als wären wir in Sibirien?

Das Schlimme ist ja, dass die Lippenschwellung gar nicht mal so stark sichtbar ist, man selbst aber das Gefühl hat, dass eine absichtlich herbeigeführte (und teure) Aufspritzung dagegen ein schlapper Luftballon ist. Es spannt und zieht und man ist stark dazu verleitet, ständig kleine Streicheleinheiten schenken zu müssen – Hände weg! Ich versuche mich in Gelassenheit, fühle mich aber ziemlich entstellt, vor allem, als dann doch die Meldung kommt: was ist dir da passiert? Daheim tupfe ich mir höllisch brennende Medizin auf und hinter die Lippen – jetzt sieht man´s dann wirklich, weil das Mittelchen einen herrlichen Braunton hinterlässt – aber es soll ja helfen.

Über Nacht hat sich Gleichmut eingestellt: was soll´s -Bodo ist wegen Grippe derzeit eh nicht so auf Küssen eingestellt. Im Büro ist jeder mit seinem Kram mehr als beschäftigt. Und als kleiner Trost: diese Schwellungen gehen sicher bald wieder weg!

Großer Respekt meinerseits gegenüber all jenen, die häufig von Fieberblasen heimgesucht werden – das sind die wahren Yogis!

Mann im Anzug

Ich war vergangene Woche bei einem Kongress zum Thema Green & Blue Building (seitdem ich mit der Gebäudezertifizierung des Erste Campus betraut bin, tu ich mich da weiterbilden – von Netzwerk kann allerdings noch keine Rede sein). Wie allein an der Referentenliste abzulesen, eine stark männerdominierte Veranstaltung – und natürlich bei Veranstaltungen dieser Art erscheint das starke Geschlecht in der Business-Verkleidung: Anzug, Hemd, Krawatte, seriöses Schuhwerk.

Erst nach dem Kongress und einmal Schlafengehen ist mir eines fast ins Bewusstsein gesprungen: den wenigsten Männern stehen Anzüge oder andersrum: die Anzüge von der Stange passen fast nie zu den Körpermaßen. Oft sind die Schultern viel zu breit geschnitten, vor allem, wenn sich dann weiter unten ein Bäuchlein unterm Hemd durchdrückt. Die Ärmellängen sind auch nicht immer exakt abgestimmt – wobei ich allerdings nicht weiß, was hier ideal wäre. Darf/soll die Hemdmanschette rausschauen, die Rolex oder Omega sichtbar sein oder muss der Ärmel bis zum Daumen reichen? Und dann diese Bundfaltenhosen: in den meisten Fällen zu schlodderig am Bein. Wenn dann jeMANNd auch noch klein ist, schaut´s unter Umständen so aus, als wäre die Hoffnung auf Größenzuwachs noch nicht aufgegeben. Auf dem Kongress habe ich eigentlich nur einen Mann gesehen, dem der Schnitt des Anzugs gut gepasst hat – Maßanfertigung? Dass der preußischblaue Stoff glänzend war, ist eine andere Sache. Die rotbraunen Schuhe waren ein signifikanter Bruch, haben mir aber keinen Augenkrebs verursacht.

Ich persönlich finde, dass die Kombination Stoffhose/Jeans und Sakko dem Großteil der männlichen Gentlemen besser steht und durchwegs businesstauglich ist.

Krawatte: nichts schlimmer als junge Außendienstmitarbeiter, die sich da den Strick um den Hals legen müssen! Junge Leute, deren Stilgefühl sich noch entwickeln muss und die Krawatte meistens ein Notkauf beim Kleiderbauer. Mir tun die echt leid!

Wie schaut´s aus beim Anzugspendant bei den Frauen? Nicht besser, würde ich meinen. Hier orte ich meistens zu enge und zu kurze Blazer, die Hose dafür pickt am Po und auf den Schenkeln – das kann einfach nicht dazu beitragen, gut im Job zu sein! Für mich wäre ein Job mit Anzug- oder Kostümzwang ein NoGo. Wenn ich weiß, ich muss zum Vorstand oder es gibt eine wichtige und hochkarätig besetzte Besprechung, dann greife ich zu einem Kleid, nicht immer zu den Schuhen / Stiefeln, die man sich dazu erwarten würde, ein großes Tuch allenfalls und selten drüber ein Blazer. Ich brauche freie Beweglichkeit in Schultern und Rücken. Ein Blazer mit dickem Stoff und Innenfutter (auch schrecklich!!!) blockiert – jedenfalls empfinde ich das so. Die Modewelt hat bereits darauf reagiert: es leben die Sweatshirt-Blazer! Die sind schön weich im Stoff, können ruhig etwas knapper sitzen und machen eine halbwegs gute Figur. Sowas trage ich schon auch mal!

Zurück zur Männerwelt: Euch würde ich wirklich wünschen, dass die Zeit reif ist für digital-maßgeschneiderte Anzüge, die man(n) sich im 3D-Drucker ausplotten kann, je nach Anlass und saisonal bedingtem Körperumfang inkl. Typberatung. Mann! Das wird spannend!