Abschied von Freunden

Eigentlich sollte mein 100. Blog – Jubel / Gratulation / Standing Ovation – etwas Besonderes werden. Habe ich deshalb so lange zugewartet? Oder gab es in den letzten Wochen keine erfrischenden Aufregungen, die es wert gewesen wären, in Nummer 100 erfasst zu werden? Mein derzeitiges Leben spielt sich derzeit mehr als sonst auf einem Drehsessel ab, der sich jeden Tag aufs Neue hurtig um die Achse dreht. Die Wochenenden dieses von allen so stark kritisierten Sommers haben Bodo und ich bis auf wenige Ausnahmen abseits des Wiener Mainstreams verbracht, sodass ich derzeit vollkommen wissenslos bin, was sich so tut in der City. Allein ein kurzer Hüpfer am vergangenen Freitag vom 3. Bezirk in den 1.Bezirk hat mir gezeigt: ich habe nichts verpasst. Meine bislang geliebte Boutique in einer schmalen Seitengasse hat mich durch stets gleich geschnittene und in grau-schwarz eingefärbte Streetwear-Teile sehr enttäuscht und auch der nicht unwesentliche Faktor „Zeigt her Eure Schuhe“ hat mich nicht wirklich aufjuchuuen lassen.

Macht doch nichts, sagt der vernünftige Teil in mir; noch ist es sommerlich warm, was willst du dich also mit dicken Pullis und gefütterten Stiefeletten abquälen?

Außerdem steht derzeit neben der Arbeit und den kurzen Wochenenden natürlich mein Laufen im diffusen Morgenlicht. Und hier ist eine gewisse Traurigkeit zu vermelden: nicht, weil sich das Training nicht immer so easy entwickelt, sondern, weil ich mich in den letzten Wochen gleich von zwei Paar treuen Laufschuhen trennen musste: Die Asics hatten plötzlich an der Ferse nur mehr weichen Gummi anstelle einer griffigen Sohle und das Innenleben zeigte sich an vielen Stellen zerrissen und schaumgefüllt. Bei den Saucony riß der dünne Stoff an einigen Stellen, vor allem die große linke Zehe musste sich bei den letzten Ausflügen wohl wie im Cabrio gefühlt haben. Ihr letztes Rennen habe ich daher am Wochenende insofern spannend gestaltet, als ich auf extrem stark durchweichten Wald- und Forstwegen wie eine Gazelle herumsprang oder zumindest es versuchte. Der Matsch war stellenweise so dick, dass es mir fast die Schuhe aushob. Der neongelbe Farbton wich einem dunkelgrau-braunen Schlammüberzug, der sich auch auf meinen Waden wie ein Tattoo hinaufzog. Keine einzige trockene Körperstelle – aber geil … und der passende Abschluss einer einjährigen Freundschaft – länger hält es leider kein Laufschuh mit mir aus!

Das Ende war dann kurz und schmerzlos und hieß ganz banal: Mülltonne! Schuh links mit Schuh rechts über die ehemals pinken Schuhbänder verbunden sind sie heute gemeinsam von der Müllabfuhr abgeholt worden … den weiteren Vorgang möchte ich mir lieber nicht vor Augen führen!

Die schlauen Füchse unter Euch werden sich jetzt fragen: läufst du beim Marathon am kommenden Sonntag etwa barfuß? Nein, natürlich nicht, denn in weiser Voraussicht habe ich mir das Asic-Modell bereits besorgt und heute morgen leicht eingelaufen – nur ja keine Experimente vor einem Laufevent!

Und ab jetzt läuft quasi der Countdown: wie lange bleibt Ihr jetzt meine Freunde?