Friedlicher Schweiß

Ich besuche seit ein paar Wochen freitags eine vom Yogalehrer je nach Lust und Laune gestaltete Vinyasa-Flow-Einheit – eine herausfordernde Ergänzung zu meiner Asthanga-Yoga-Praxis, die einen eher streng geregelten fixen Ablauf vorgibt. Diese 90 Minuten Vinyasa beginnen meistens sehr ruhig mit einfachen Sonnengrüßen, die dann aber rasch variiert und erweitert werden. Arm-, Bein- und Bauchmuskulatur werden fast gleichzeitig mehr gepusht. Fast unmerklich, aber trotzdem deutlich spürbar nehmen Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit zu. Das Keuchen und Schnaufen einzelner Yogaschüler nach dem x-ten Chaturanga (= tiefe Brettposition mit starkem Liegestützcharakter) wird lauter. Und ich fühle, wie sich leise, ganz leise und beinahe friedvoll einzelne Schweißtropfen im Nacken bilden, dann auf der Stirn – und dann ploppt der erste dicke Tropfen auf meine schöne Yogamatte! Aber ähnlich wie im Bikram Yoga (oder Hot Yoga für alle, die sich im Dschungel der Yoga-Stile nicht mehr auskennen) lasse ich den Schweiß einfach rinnen. Ich stehe aufrecht in Tandasana, der Bergstellung, und fühle den feinen nassen Film auf meiner Haut, das Rinnsal entlang meines Rückens und auch die feuchten Fußsohlen – was meiner Matte aber nur mehr Griffigkeit verleiht.

Das eigenartig Wunderbare ist, dass es mich nicht stört, dass mir diese friedvolle Nässe eine gewisse Ruhe verleiht. Und nachdem der Yogalehrer keine Adjustments gibt, also nicht in körperlichen Kontakt mit mir (oder einem anderen schwitzenden Schüler – ja, es schwitzen hier auch andere!) gerät, muss ich mich auch nicht genieren.

Aber erst in der Garderobe weiß ich dann so wirklich, warum ich eigentlich Yoga praktiziere! Einfach darum, dass ich flexibel und gelenkig genug bin, mich auf engem Raum aus dem schweißverklebten Yogadress herausschälen und -winden zu können!

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