Mein Yogastudio hat im August wegen Umbau geschlossen – also ist wieder vermehrt Selbstpraxis angesagt. Nur: in der Wohnung ist es zu heiß. Auf der Terrasse/untere Ebene ist wegen der Pflanzen zu wenig Platz. Auf der Terrasse/obere Ebene ist es mir für anspruchsvollere Asanas zu gefährlich (ich erinnere an mein schmerzhaftes Hoppala von vor ein paar Wochen!). Also: ab ins Grüne! Der nahe gelegene Schweizer Garten bietet sich an. Ein eingezäunter Kinderspielplatz erscheint mir das richtige Fleckerl zu sein, meine Yogamatte auszurollen.
Vergangene Woche war ich das erste Mal dort. Es ist noch keine 6 Uhr. Eine orange-glühende Sonne blitzt durch das Laub durch – da kommen meine Sonnengrüße gerade recht! Ich bin im Flow, der Schweiß tropft zärtlich. Ich fühle mich be-freit!
Leider nicht allzu lange, denn auf einmal betreten zwei junge Männer den Spielplatz, glotzen testosterongesteuert und neugierig auf meine Verrenkungen, verziehen sich dann aber in ein Kinderspielhaus, um dort zu pennen.
Kurz danach trotten 5 ältere Männer durch das Areal, unter dem Vorwand, am Trinkwasserbrunnen zu schlürfen? Ich bin mir nicht sicher ….
Ich nehme mir vor, das nächste Mal ein paar Schritte mehr zu investieren und in den Park des abgeschiedenen Arsenalgeländes (mit dem Heeresgeschichtlichen Museum und Wohnungen) zu gehen, weil sich dorthin kaum „bahnhofsnahes Klientel“ verirrt.
Daran denke ich heute Morgen zwar ganz kurz, aber nachdem ich nicht so viel Zeit habe, wähle ich doch wieder den Kinderspielplatz und rolle dieses Mal meine Matte an einem recht entlegenen Grasstück aus – also ganz weit weg von allfälligen Spielplatzquerungen. Da werde ich doch wohl meine Ruhe haben?
Weit gefehlt: kurz nach 6 Uhr, als ich gerade in einer gegrätschten Vorwärtsbeuge dehne, sehe ich einen jungen Mann näher kommen, der sich dann nicht weit von mir auf der Böschung der Wiese niederlässt. Mir ist klar, was das zu bedeuten hat. Ich trete zügig einen geordneten Rückzug an – die heutige Yogapraxis ist mir ordentlich vergangen! 🙁
Ich frage mich nur: Woher kommen diese Typen auf einmal – alle mit dunklem Teint und dem Hinweis auf eine mittlerweile mit Sorge und Skepsis betrachtete Religionsgemeinschaft? Was tun sie um diese Uhrzeit hier im Park, zumal sie weder Jogger oder Hundebesitzer sind noch Leute, die zur Arbeit gehen?
Es beunruhigt doch, sich beobachtet zu fühlen. Vieles bildet frau sich dann vielleicht auch ein – aber das heute war dann doch zu offensichtlich!
Ok – der nächste Sonnengruß dann doch auf dem kleinen abgeschirmten Sportplatz im Arsenal – so viele warme Frühstunden wird es in diesem Sommer eh nicht mehr geben – aber die will ich nutzen! Namaste!