Ich war bei Kino

Nein – es handelt sich nicht um einen Grammatik-Fehler! Ich war wirklich „bei“ Kino … bei Kino McGregor, einer der bekanntesten Yoginis Amerikas: eine kleine Blondine mit Oho-Effekt, weil sie über eine Körperbeherrschung verfügt, dass mir die Spucke wegbleibt – nicht zu glauben, dass sie vor Yoga keinen Kraft- oder anderen Sport ausgeübt hat. Es muss wohl an einer versteckten Anlage liegen und/oder an unermüdlicher Disziplin! Wie sonst kommt man ohne Gehüpfe  und Anlauf schwerelos in den Handstand? Oder kann man die Schwerkraft mit Betätigung eines geheimen Knopfes einfach ausschalten?

Der Workshop ging über 3 Tage – 5 Einheiten á 2 Stunden, davon 2 Einheiten mehr als schweißtreibend, die beiden anderen mit themenbezogenen Erläuterungen und ein paar passenden Übungen, die zwar unspektakulär anmuteten, es dann aber doch in sich hatten! Ich habe mich zeitweise völlig kraftlos gefühlt!

100 Yogamatten in einem Proberaum der Volksoper – geile Location …. aber: keine Duschen! Habe ich schon mal hinausposaunt, dass Yogaschweiß nicht riecht? Nun ja, ich habe sicherheitshalber die Pausen allein auf einer Parkbank verbracht; frische Yogakleidung und ein bisschen Sprüh unter die Achsel – und auf der Heimfahrt möglichst unauffällig in der Straßenbahn!

Wie bei jedem Seminar und/oder Workshop: es bleibt ein bisschen was hängen, das man in der eigenen Praxis umzusetzen versucht – bei mir ist es die Erfahrung, dass ich mit eingezogenem Bauch tiefer in jede Vorwärtsbeuge komme – nichts wirklich Spektakuläres, aber wer denkt schon dran, den Nabel ständig Richtung Wirbelsäule zu ziehen? Hallo Bauch: kannst nicht einfach du das Denken übernehmen?

Was mich ein wenig gestört hat, ist der Hype, der um Kino gemacht wird. Nicht nur, dass sie von sich aus überall Promotion macht – schließlich hat sie zum Erstaunen der Wiener mitten auf der Straße unter Beisein eines Kameramanns mit Yogastellungen, die Alltagsyogis eher nicht beherrschen, brilliert  – etwas, was sie an jedem Ort macht, wo sie gerade zu Besuch ist und was dann auch sofort in den social media nachverfolgt werden kann. Nein – nach den einzelnen Einheiten konnte man sich anstellen, um ein Selfie mit ihr zu machen – wie deppert ist das denn? Aber anscheinend verstehe ich die Welt rund um Facebook und Instagram einfach nicht!

Wichtiger als ein Selfie ist mir doch die Erfahrung, die Sonnengrüße einmal in einem schnell gezählten Rhythmus zu machen, meine Yogamatte im Schweiß schwimmen zu sehen und erkennen zu müssen, dass ich keine 10 Atemzüge in Utpluthih (dabei drückst du dich im Lotossitz vom Boden ab und „schwebst“) halten kann – und: wie angenehm erholsam ein ausgedehntes Shavasana (Endentspannung) sein kann!

Was wohl unerfüllt für mich bleiben wird, ist der schwerelose Handstand … Kino hat 5 Jahre lang daran gearbeitet … ein Alltagsyogi knabbert daran wohl ein Leben lang – na dann: let´s beginn!

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