Was soll das nun wieder heißen? – Mir ging es nicht anders, bis ich im Yoga-Weiterbildungsblock Nr. 6 aufgeklärt wurde: 1) Potluck ist unverändert unser sonntäglicher gemeinsamer yogisch-vegetarisch-veganer Brunch, bei dem jeder etwas Schmackhaftes zum Verkosten mitbringt (davor gestalten zwei Yoginis je eine Yoga-Einheit, danach [mit vollem Bauch!] folgt eine dritte Yoga-Einheit. 2) Oryoki aber ist ein Ritual aus dem Zen, das schwer den Fokus auf Geben & Nehmen hat. Gekommen ist das Ganze von den buddhistischen Mönchen, die ihre Nahrung rein durch Almosen bekommen hatten – in der „modernen“ Zen-Welt wurde dies zur Zeremonie erhoben. Es gibt eigene Kurse, um das alles zu lernen (und zu üben)!
Wir (= 17 Yogalehrerinnen, die sich gerade um das 300 Stunden Teacher Training bemühen) wurden am vergangenen Sonntag quasi ins kalte Wasser geschmissen. Allein die Vorbereitungen wurden uns verraten: „Bringt Euer eigenes Oryoki-Set mit!“ … bestehend aus: 3 Schüsserln in vorzugsweise 3 Größen, damit man sie ineinanderstapeln kann, Besteck in einer Stofftasche, ein Fetzerl fürs Hoppala-Wegwischen, eine Serviette fürs Mauli-Abwischen, eine große Serviette, um alles in einen tragbaren Beutel einzuwickeln – wie ein Wandermönch halt.
Jede hat sich offensichtlich bemüht, ein appetitliches Oryoki-Set zu gestalten (ich war noch schnell in einem Geschäft, um neue Geschirrtücher als Serviettenersatz zu kaufen).
Einiges an Unbehagen, Unruhe, Unsicherheit und Ungeduld vor dem „Start“: Zwei von uns mussten den Raum herrichten (Kissen auflegen etc.), wir wurden in 4 Gruppen eingeteilt. Dann endlich der „Einmarsch“ mit dem Oryoki-Set, danach der „Einmarsch“ mit den Speisen. Danach gehen alle hintereinander im Kreis, bis jeder vor seinem Sitzplatz ankommt und Platz nimmt. Eine gemeinsame Verbeugung, ein gemeinsam gesungenes Mantra; Geschirr und Besteck werden nach einer bestimmten Reihenfolge und Handtechnik ausgepackt – und erst dann wird serviert und zwar: zuerst gibt jeder aus der einen Gruppe einem jeden aus seiner Gruppe. Der „Gebende“ stellt sich dabei vor den „Nehmenden“, kniet nieder, beide verbeugen sich, der „Gebende“ teilt seine Speise aus, der „Nehmende“ gibt an, in welches Schüsserl er die Speise haben will und wieviel davon. Ganz wichtig: unbedingt „Stopp“ deuten, denn andernfalls ist der „Gebende“ gezwungen, weiter zu geben und zu geben und zu geben – und da könnte dann doch leicht ein Hoppala passieren! Essen darf man erst, wenn alle etwas in einem Schüsserl haben. Und der nächste Gang kommt erst, wenn alle aufgegessen haben. So geht das weiter, bis jeder aus einer Gruppe einmal dran war. Danach entschied aber unsere Yogalehrerin, den Prozess dahingehend zu beschleunigen, dass immer einer aus einer Gruppe alle Gruppen, und damit alle der Reihe nach, bediente.
Das wahrlich Besondere: Alles ging SCHWEIGEND über die Bühne! … Wer hätte gedacht, dass 16 FRAUEN für etwas mehr als eine Stunde den MUND HALTEN können- also abgesehen vom Mund-Auf&Zu, um zu essen?
Auch speziell: Man nimmt automatisch von einer Speise nur wenig, und nimmt von jedem etwas, weil man dem „Gebenden“ Respekt zollen will (ausgenommen sind dabei eingefleischte Veganer [oophs!] und Allergiker [Erdnüsse, Kichererbsen] … weil: es kommen ja noch andere Sachen zum Kosten! Und für den Nachtisch muss auf jeden Fall noch Platz sein!
Ist jeder satt, wird es nochmals speziell: mit einer Spatel werden die Schüsserln sauber gespachtelt. Das, was abgespachtelt wurde, wandert auch noch in den Mund (ich machte den Fehler, zuerst das „süße“ Schüsserl „auszuschlecken“ und dann das „pikante“ – eine eigenartige Geschmacksbombe für meinen Gaumen!) Im Original wird noch mit heißem Wasser nachgespült (auch dieser „Tee“ muss dann getrunken werden!) – bei uns wurde darauf verzichtet.
Nach dem Essen wird dann alles wieder in einer bestimmten Reihenfolge eingepackt. Der „Auszug“ erfolgt analog zum „Einmarsch“ … und erst dann (!!!) darf wieder geplaudert werden!
Eine interessante Erfahrung, isst man doch meistens achtlos, zu schnell, zu viel, zu unkontrolliert!
Wir alle waren aber trotz „wenig essen“ satt bis obenhin und empfanden quasi eine Art von Befriedigung … und danach (mit vollen Bäuchen) folgte meine Einheit „Your Love – Your Yoga – Your Life“! … and: It was perfect!