Ich bin ein Erdmännchen

Ich glaube, ich bin ein Erdmännchen! Welch Erkenntnis, so knapp vor einem neuerlichen Jahreswechsel (?) … Heute habe ich übrigens in einer Tageszeitung ein kurzes Exposé zum Thema Jahreswechsel gelesen: eigentlich ist ja jeder Tag ein Neubeginn, aber wenn alle Menschen auf diesem Erdball an ein und demselben Tag darüber reden, dann bekommt dieses „Neue“ einen feierlichen Anstrich – egal, in welcher Zeitzone man sich gerade befindet.

Zurück zum Erdmännchen: zum Einen befindet sich in meinen Wurzeln der Nachname Erdmann. Zum Anderen finde ich diese Tierchen, die sich im Zoo über uns Menschen lustig machen, indem sie uns neugierig ihre Köpfchen entgegenstrecken, einfach putzig, neugierig, aufgeweckt. Das wären zwar jetzt nicht die Eigenschaften, die ich 1:1 auf mich zu überbinden wage, nein, für mich steht das Erdmännchen für die Verbundenheit zum Ursprung – zur Erde. Ich wühle zwar nur beim Pilgern und beim Laufen in feuchtem Gatsch oder wirble Staub auf, aber ich hege eine besondere Liebe zu allen Erdtönen. Eine gute Freundin, der ich im Zuge einer Ausbildung zur Farbberaterin als Model dienen durfte, fand heraus: Du bist ein gedämpfter Herbsttyp! Damals hat es Click! gemacht und ich kehrte mich ziemlich rasch vom dunklen Schwarz, der Farbe aller Architekten und (Lebens-)Künstler, ab und tunkte meine Kleidung in Ocker, Schlamm, Lehm und Braunerde. Und, so eigenartig das auch klingen mag: ich bin ein Mensch, bei dem die Farbgebung der Kleidung einen unmittelbaren Einfluss auf die Stimmung hat. Klar, kann ich auf das „kleine Schwarze“, egal, ob bis Kniehöhe oder als Hosenbein, nicht ganz verzichten, aber ich fühle mich wohler in meiner (auch eher dunklen) Haut, wenn ich in Tarnfarbe getaucht bin. So gesehen war die Freude über das elterliche Geburtstagsgeschenk groß, denn Hose und Oberteil(e) haben es 100%ig auf den richtigen Farbklecks getroffen!

Falls sich jetzt jemand fragt, wieso ich als Erdmännchen in einer Dachgeschosswohnung in einer europäischen Großstadt wohne mit Blick in den Himmel und nicht am Land: wir haben das Traumhaus, eine loftartige Scheune oder eine alte aufgelassene Kirche an einem See gelegen mit Fernblick und hervorragender Verkehrsanbindung zu einem erschwinglichen Preis leider noch nicht gefunden. Realist, der ich bin, sehe ich diesen Traum nicht in Erfüllung gehen – da muss ich auch keine Sterndeuterin oder Hellseherin sein. So bleibe ich ein urbanes Erdweibchen – schließlich sind Gummistiefel, Trenchcoat und karierte Hemden mittlerweile auch streetwear-tauglich geworden, genieße alle erdigen Töne in hautumschmeichelnden Textilien – und beende dieses Jahr mit einem ordentlich großen Schluck Prosecco.

Alles Gute für das kommende Jahr!

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