Stiefel ade – Boots bonjour

Ich spüre es in meinen kleinen verhunzten, leicht verbogenen und niedergedrückten kleinen Zehen: der Frühling kommt und damit wandern die festen Stiefel in die zweite Reihe meines „kleinen“ Schuhschranks. Nur: wer darf nun in die erste Reihe? Mit Erschrecken habe ich festgestellt, dass ich eigentlich nicht wirklich über klassische „Übergangsschuhe“ verfüge. Bei mir ist es entweder hot oder cold, offene Zehen und Fersen oder blickdicht in dickes Leder gehüllt. Ich stehe daher wie jedes Jahr vor einem kleineren Dilemma, das sich akut aber zu einer mittleren Katastrophe ausweitet, denn die Außentemperaturen sind momentan weder für das eine Klima noch für das andere geeignet. Und zumal ich kein Pumps-Typ bin und noch weniger ein Ballerina-Girl, bleiben nur mehr Sneakers, abartige Halbschuhe und / oder Boots, die ja in dieser Frühling-Sommer-Saison alles andere verdrängen, was am Fuß schön ausschaut, aber schmerzt.

Sobald die Tage wieder länger werden, flattern auch die unterschiedlichsten Kataloge – Bedürfniswecker – bei der Wohnungstür hinein: Impressionen, Conleys wissen genau, wie sie mich ködern können. Also habe ich bestellt, bestellt – und dann geduldig gewartet, bis Sneakers von Diesel im Jeanslook und Goldrand sowie sehr teure Boots aus Leder bei mir kurz zu Gast waren. Wirklich nur kurz, denn nach mehrmaliger Heim-Modenschau und viel Gedrehe vor dem Spiegel, sprachen Kopf und Bauch mit einer Stimme zu mir: Nein zu den Sneakers, weil meine Converse vom letzten Jahr um einiges besser zu mir passen und ein Goldrand in Größe 41 wie ein hilflos im Wasser schwimmendes Boot wirkt. Nein auch zu den braunen Lederboots mit Steinchen, die im Katalog irgendwie anders aussahen und ihren Preis um gar nichts wert sind. Ich war ziemlich kurz angebunden mit meiner Verabschiedung – Adieu, Ihr passt vielleicht auf einen anderen Fuß!

Also bin ich nach einem langen Arbeitstag und 20 Minuten auf dem Power Plate auf einen Sprung ins Zalando-Land gepilgert – nur mal schauen, was es an schwarzem Schuhwerk gäbe. Schwarz – das tragen doch alle! Mag sein, aber es gibt hin und wieder auch DEN Schuh, der einfach in Schwarz besser zur Geltung kommt. Und siehe da: schon waren zwei Paar sehr unterschiedliche schwarze Seelen im Warenkorb und heute von Bodo netterweise von der Post abgeholt: Stiefeletten von Softclox und schwere Plateauschuhe mit seitlichen Cuts von Jeffrey Campbell. Ich war schon mal kurz in beiden drinnen, sozusagen zum Abchecken, ob das mit uns was wird oder nicht. Bei künstlichem Licht und in der House-Legging mag der Aha-Effekt noch etwas verhalten sein. Es schreit förmlich nach weiteren Heim(lichen) Modenschauen. Und die Kreise, die ich in der Wohnung Probe gehen werde, sind schon vorgezeichnet.

Mein derzeitiges Handicap ist, dass die linke Zehe nach der Hallux-OP etwas länger ist als die rechte und ich dort seit zwei Jahren mit einem kaputten Zehennagel herumalbere, sodass nicht jeder Schuh gleichermaßen gut sitzt. Beim Jeffrey spüre ich es noch deutlicher, dass der rechte Fuß in Summe etwas kleiner ist. Eine absolute Marktlücke! Fast jeder Mensch hat zwei unterschiedlich große Füße, aber das Schuhpaar ist immer absolut gleich groß. Vielen bleibt daher nur, die größere Nummer zu kaufen und sich mit diversen Einlagen behelfen. Bei Bikini-Mode haben es viele doch mittlerweile auch geschafft, Ober- und Unterteil getrennt anzubieten, da Größe S im Hintern meistens ein XL um die Nippel bedeutet. Es wäre doch lässig, wenn man auch bei den Schuhen für jeden einzelnen Fuß die richtige Größe erwerben könnte. Es wird wirklich Zeit, dass der 3D-Drucker in Null-Komma-Null-Nix auf Grundlage eines eingescannten Sohlenabdrucks den optimal sitzenden Schuh ausspuckt. Das wäre revolutionär: Der Basis-Schuh aus dem Drucker & das Design von einem kreativen Geist (wenn es bei einem selbst nicht so weit her ist mit geschmackvoll-herzeigbaren Ideen) … ich fange gerade an, zu träumen, und doch: ich glaube, dass das gar kein Traum mehr ist. Ich habe schon eine Website gesehen, wo man sich seine eigenen Schuhe aus einem Baukastensystem zusammenschustern kann – einziges Manko auch hier: es gibt nur eine Schuhgröße, für beide Füße gleich. DAS würde ICH ändern wollen! Und bis dahin muss ich wohl wählerisch, kritisch und ehrlich zu meinen Füßen sein: sobald was weh tut: Adieu und Baba!

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