Befreiungsschlag

Meine jüngere Schwester wird in ca. 2 Monaten eine neue Wohnung beziehen.

Meine beste Freundin arbeitet heftigst daran, eine neue Wohnung zu finden, da die Kinder flügge geworden sind und sie das Bedürfnis nach einer wohnlichen Veränderung hat.

Beiden gemeinsam ist, dass sie begonnen haben, sich von Dingen, vor allem von nicht mehr getragener Kleidung, großvolumig zu trennen. Klar, was du jetzt weg gibst, musst du dann nicht einpacken, umsiedeln, auspacken und dann wegschmeißen.

Bei mir steht zwar keine räumliche Veränderung vor der Türe – aus Ermangelung an Angeboten, finanziellen Mitteln und zeitlichen Ressourcen -, aber ich habe heute Morgen – J. und U. als Vorbild genommen – wieder einmal kräftig meinen Kleiderschrank umgerührt und ohne großen Trennungsschmerz diverse Stücke herausgezogen, die schon seit längerem nicht mehr meine Körperformen umhüllen durften. Eins, zwei, drei und mehr – und ein gut hüfthoher Stoß wartet jetzt auf eine Abnehmerin.

Im nächsten Schritt werden sich noch ein paar Schuhpaare dazu gesellen, die eine oder andere Handtasche, das eine oder andere Accessoire und eine dicke Winterjacke kann auch ruhigen Gewissens weg … endlich wieder Luft!

Meine Schwester hat übrigens einen sehr guten Tipp bekommen: lass die Kleiderbügel deiner Lieblingsstücke in die eine Richtung schauen, und diejenigen von Sachen, die du nur sporadisch bis gar nicht anziehst, in die andere Richtung. So ist es leicht, mit einem Griff das zu packen, was weg muss – ganz schön clever – aber fast nicht durchführbar für den Monk in mir.

Ich kann nur jedem raten, in regelmäßigen Abschnitten, aber zumindest einmal pro Jahr, sich zu lösen, zu trennen, zu befreien – man fühlt sich im wahrsten Sinne des Wortes be-freit. Die Freude wird zwar etwas geschmälert durch die Scham über so viel (wertlosen) Besitz, aber solange die Weggeb-Stücke jemandem anderen zugute kommen, ist es (für mich) ok.

Durch das regelmäßige Ausmisten alter Kaufsünden hat sich gefühlterweise mein generelles Kaufverhalten leicht – ich maße mir nicht an, von komplett geändert: die wahllose Gier ist einer flüchtigen Besonnenheit gewichen. Das Eselsohr im Katalog, die geduldige Merkliste, der Warenkorb helfen mir persönlich sehr, dass ich mehrmals drüber nachdenke, mit welchen Teilen ich die (kaum merklichen) Löcher im Kleider- oder Schuhschrank wieder auffülle. Wo ich noch an mir arbeiten muss, sind Outlet-Besuche, denn da neige ich noch zu unbesonnener „Schnäppchen-Hamsterei“. Aber: auch billig ist rausgeschmissenes Geld!

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