Sonntag Morgen! Um 7 Uhr läuten wie immer die nahen Kirchenglocken ihr Lied. 3 Minuten später springt Bodo mit dem Aufruf: „Ein Vogel hier!“ aus dem Bett. Hat sich doch glatt eine kleine schüchterne, nun aufgeregte, Meise herein verirrt und sitzt verdattert auf den dünnen Ästen unseres Fikus Benjaminus. Bodo verfällt in einen kindlichen Lobgesang und ermuntert den kleinen Besucher, den Weg ins Freie zu suchen. Doch so klein die Meise, so klein auch anteilig das Hirn. Zwei Versuche, nach draußen zu fliegen, scheitern erbärmlich und enden mit leichtem Kopfbrummen – der laut hörbare Tutsch gegen Wände und Glasscheibe tut auch mir in den Ohren weh. Der Vogel zwitschert uns ein kleines Lied und scheint Gefallen an seinem neuen Baum zu haben – doch, kleiner Vogel, kannst du hier nicht bleiben, denn außer Staub auf den Ästen und Robert, unserer mikroskopisch kleinen Hausspinne der 6.Generation. fehlt es hier an weiteren Insekten. Wir können dir nur ein paar Brotkrumen anbieten, doch dein Leben spielt sich halt nicht in einem Mini-Loft ab, das dir riesig erscheinen muss, sondern in einer Welt mit anderen Piepmätzchen, Wolken am Himmel und Würmern in der Erde.
Ich lege Bodo nahe, den Vogel zu fangen und mit einem kleinen Schubs ins normale Vogelleben zu befördern – er will noch einen weiteren Fluchtversuch abwarten. Ich stehe dann doch auf und nähere mich mit unserer Tagesdecke dem Busch, was dem Kleinen gar nicht zu gefallen scheint – denn schwuppdiwupp hat er den Ausgang gefunden!
Adieu und einen schönen Sonntag noch!
(Bodo hat natürlich ein paar Beweisfotos geschossen …)




