Valencia

Tapetenwechsel im Oktober?

Nach einem wunderbar harmonisch, gemütlichen, verlängerten Wochenende im Romantikschlössl am Lormanberg im steirischen Vulkanland, zu dem ich meine jüngere Schwester Julia und ihre Hündin Diva  eingeladen hatte (endlich mal ein Geburtstagsgutschein, der auch eingelöst wurde!) – Bodo durfte natürlich auch mit, denn einer musste ja Feuer im Kamin machen und fotografieren! – war noch eine andere Reise zu zweit geplant. Nachdem unsere heurige Wanderung ja leider ein abruptes Ende fand und Bodo aufgrund einiger Schulprojekte die Sommerferien durcharbeiten musste und daher kaum etwas Sonne abbekam, machte ich dank eines Tipps meiner Freundin Ute spontan eine Reisebuchung mit dem Ziel, die letzten Tage des Oktobers bis zur Uhrumstellung auf Winterzeit in wärmeren Gefilden zu verbringen. Ich bin kein Freund von langen Flugzeiten, daher ist Spanien immer eine gute Wahl – die wunderschöne Stadt Valencia, südlich (!!!) von Barcelona und auch am Mittelmeer gelegen, im Besonderen!

Einfach wäre schön, ist es aber nicht! Denn Bodo hat am Tag vor dem Abflugdatum hohes Fieber und arge Bauchschmerzen – bitte nicht! Als ich vom Sporteln heimkomme, meint er mit schwacher Stimme, dass ich alleine fliegen müsse, um nicht alles verfallen zu lassen! Wie stellt er sich das vor? Zum einen: wer pflegt ihn? Zum anderen: wer hilft mir Orientierungsniete durch unbekannte Straßen? Ich grolle, weine innerlich und bleibe stumm. 2 Aspirin-Brausetabletten, von Bodo gehasste feuchte Wadenwickel und eine heiße Tomatensuppe – kurz nachher schießt der fiebrige Schweiß! Ich gehe zu Bett – noch ist nichts gepackt!

Als der Wecker um 4 Uhr läutet, sind wir beide wach, Bodo beinahe quietschvergnügt und fieberfrei. Der Handgepäck-Koffer ist rasch gepackt, die Fototasche sowieso griffbereit – wir können los: DANKE!

Der Flug mit Zwischenstopp in Genf, von dort dann die Betreuung des freundlichsten Flugbegleiters, den ich jemals kennenlernen durfte. Er verwöhnt „ausgewählte“ Passagiere mit zusätzlichen Croissants und Schweizer Schokolade. Mit der U-Bahn sind wir dann binnen 30 Minuten am Ziel, nur wenige Meter auf einer interessanten 🙂 Einkaufsstraße – und wir haben unser kleines Hotel Lotelito gefunden. Müde sind wir jetzt allemal, aber wir verschieben das Power-Napping auf den späten Nachmittag und erkunden die Altstadt mit ihren prunkvollen, reich geschmückten Kirchen, Palazzos, den einladenden Plätzen, den beiden mächtigen Torbauten. Es gibt viel zu schauen, aber der Kopf ist bald müde, sodass wir unser Bett mit der harten Matratze testen wollen. Allein, an geruhsamen Schlaf ist nicht zu denken, denn vor unserem Hotel zieht auf der Hauptstraße ein Demonstrationszug langsam, aber sehr laut, vorbei, begleitet von einem tosenden Hubschrauber genau über unseren Köpfen. Morgen kaufen wir Ohrstöpsel!

Das erste Abendessen ist italienischer Art – wir sitzen im Freien, es hat noch immer 20 Grad, vor uns plätschert ein hell erleuchteter Brunnen.

Der erste volle Tag! Wir machen uns auf zum Botanischen Garten, den wir gestern schon entdeckt hatten. Viel mediterrane Pflanzen, aber auch Exoten, sehr viele Katzen, die hier leben und grüne Papageien. Bodo ist natürlich mit der Kamera unterwegs, ich bleibe auch schon mal gerne in der Sonne sitzen und studiere den Stadtplan. In einer offenen Parklaube turnen ältere Damen unter Anleitung. Nachmittags fahren wir dann zum Meer, finden nur nach längerem Suchen ein kleines Lebensmittelgeschäft, wo wir Wasser und Obst kaufen. Am Strand bleiben wir aber nicht lange, es wird zu windig und damit zu kühl. Zumindest meine Beine testen kurz das Meerwasser – schon a bissi frisch!

Das zweite Abendessen ist spanischer Art – wo wir schon hier sind, müssen wir doch eine Paella verdura kosten. Bodo meint: bei mir schmeckt´s besser!

Bodo schläft mit den Ohrstöpseln, ich gebe meine bald wieder raus, weil sie jucken.

Ich stehe kurz vor 7 Uhr auf – es ist noch stockdunkel – wir sind ja weit im Westen Europas! Heute bin ich wieder fit für einen Lauf. Valencia hat vor einigen Jahren den Fluss umgeleitet und aus dem alten trocken gelegten Flussbett eine gewaltige Grünanlage gemacht, 9 Kilometer lang – ein Eldorado! In der Dunkelheit sehe ich zwar nicht allzu viel, ich finde aber eine beleuchtete Laufstrecke und fühle mich sicher. Ich bin fast 90 Minuten unterwegs. Bodo: da müssen wir auch bei Tageslicht hin! Tun wir dann auch, wir wenden uns zuerst Richtung Westen und kommen dort am Ende zu beeindruckenden Bauten vom Genie-Architekten Calatrava. Besonders der Palast der Künste – ein Opernhaus für 4.000 Zuschauer – macht sprachlos, schwebt doch über dem eigentlichen Baukörper, der an eine Muschel erinnert oder doch an ein offenes Fischmaul?, ein „Blatt“, nur an einem „Stiel“ mit dem Boden verbunden. Mr. Calatrava: how does it works? Noch immer sprachlos fahren wir mit dem Bus in ein nahe gelegenes Naturschutzgebiet, das uns dann etwas enttäuscht, denn ohne Barke kommt man nicht durch das dichte Schilfgebiet. Wir fahren mit einem frühen Bus wieder zurück und spazieren lieber in „unserem“ Park – viel Stopp & Go, weil Bodo viele, sehr viele Fotomotive entdeckt. Besonders skurril sind die mit Dornen besetzten flaschenförmigen Bäume mit ihren malvenartigen Blüten. Das viele Warten macht mich ein bisschen müde … und gereizt 🙂

Das dritte Abendessen ist dann wieder italienisch – same place, allerdings drinnen, denn außen ist alles besetzt. Wir sind spät dran, Bodo hat heute Abend seine Night-Picture-Session. Und ich muss mich ein bisschen in Geduld üben – ich lasse einfach den Ort und das Treiben auf mich wirken.

Am nächsten Morgen laufe ich im Park weiter, ich bin noch nicht bis ans andere Ende gekommen. Eine Steinmauer hat mich gestern in die Irre geführt, denn ich dachte, dass hier schon aus wäre, derweil beginnt dahinter erst der Biopark, den ich dann mit Bodo bei Tageslicht so richtig erkunden kann. Wir halten uns einen Großteil des Tages dort auf, am Nachmittag schlendern wir wieder durch die Altstadt und suchen nach noch unbekannten Gassen.

Das vierte Abendessen ist schon wieder italienisch – aber wir finden nichts anderes. Warum wechseln, wenn es schmeckt? Und einen Vorteil gibt es noch: die Kellnerin kennt uns jetzt und verhilft uns zu einem Tisch im Freien – da schauen andere ganz dumm aus der Wäsch`! Die junge Dame ist in Venedig geboren, hat in Deutschland gearbeitet – ist daher multilingual! Kompliment!

Und schon ist der Tag der Abreise gekommen. Wie durch ein Wunder ist es ruhig auf den Straßen, denn unser „Grätzl“ ist heute autofrei. Wir bleiben, solange es geht, auf dem großen Platz vor dem Rathaus. Die Sonne scheint, alles ist fröhlich und hat die Uhrumstellung gut überstanden. Mit ein wenig mehr Gepäck – ich bin bei Pull&Bear fündig geworden: tolle Klamotten um einen Spottpreis (z.B. flauschiger Wollmantel, der offen zu tragen ist, um € 35,-!) und auffallende Stiefel aus schwarzem Stoff mit weißer unterbrochener Sohle – treten wir schweren Herzens die lange Rückreise an, dieses Mal mit Zwischenstopp im Zürich und eigenartigen Passagieren (vor uns zwei Kleinkinder, die sich über den Sitz lehnen und Bodo fast auf die Stirn spucken – he is not amused!)

Valencia: wir kommen sicher wieder, denn: wir haben entdeckt, dass hier an der Kathedrale ein Jakobsweg beginnt, der uns zum Beispiel bis Burgos führen könnte … Bodo hat den gelben Pfeil zuerst entdeckt!

p.s.: die vielen tollen Fotos wird es demnächst zu sehen geben – ich halte Euch am laufenden!

Kleine Freude ganz groß

Meine kleine Nichte ist vor kurzem 2 Jahre alt geworden (wie die Zeit verfliegt! Zum einen, weil Anna schon eine kleine Dame ist und zum anderen, weil ich erst jetzt zum Festhalten meiner Gedanken komme).

Was schenkt man einem aufgeweckten, jungen Persönchen, das das Rundherum erst zu entdecken beginnt und sich gegenüber den Großen am besten mit Zeigen und Schreien verständigt, dessen Neugierde grenzenlos ist und das dann aber auch zuweilen ängstlich und schüchtern reagiert?

Vor ca. 20 Jahren war ich bei einem Kindergeburtstag Dreijähriger eingeladen und bin dort als fröhlicher Clown verkleidet (ich erinnere mich, dass als Verkleidung mein bunt gestreifter Futonbett-Überzug herhalten musste) mit Helium-gefüllten bunten Ballons aufgetreten – ein voller Erfolg – zumindest solange, bis um den letzten rosa Luftballon gestritten wurde. Also dachte ich mir, dass ich doch auch meine Nichte (und wohl auch den Rest der Familie) mit einer Clownmaskerade und ein paar Ballons überraschen könnte. Ich bin ja nicht der Verkleidungsfetischist, daher kam es mir ehrlicherweise auch gar nicht ungelegen, dass um Halloween herum schrecklich-böse Clowns die Stadt erregten und daher diese Kostümierung vollkommen in Misskredit geriet. Blieben also die Luftballons – und das Helium. Wohlgemerkt: meine Nichte wohnt 200 Kilometer von mir entfernt in Graz, und um dorthin zu kommen, fahre ich derzeit gerne mit dem flotten Flixbus. Also ist der Transport von bereits gefüllten, schwebenden Ballons ein NoGo! Aber ein SMS und Anruf nach Graz genügten und das Helium war organisiert. Alles erledigt – bis auf die Ballon-Auswahl. Da bietet ein kleiner Laden in Wien Mitte reichlich Auswahl. Ich kam wahrlich ins Staunen, legte mich aber bald dahingehend fest, dass die einzelnen Ballons mit Tier-Motiven, die Anna bereits kennt, zu tun haben sollten. Und so fuhr ich bestückt mit einigen „Airwalker-Ballons“ (haben Füße aus Papier und bleiben daher am Boden) in Form von: Frosch, Marienkäfer, Schaf und Gans sowie zwei fliegenden Ballons mit einem Bauernhof- bzw. Dschungel-Motiv nach Graz.

Als es dann dort „zur Sache ging“, genügten zwei Ballons, um das kleine Mädchenherz höher schlagen zu lassen. Faszinierend, wie begeistert Anna vom Frosch und einem der fliegenden Ballons, den wir mittels Proseccokorken am Ende der Schnur am Davonfliegen hindern konnten, war. Dazu noch 3 bunte von Mund aufgeblasene Hasen-Köpfe – und der Geburtstagsnachmittag war gebongt! Anna flitzte mit den Ballons, so viel sie halt tragen und halten konnte, durch die Wohnung – wieder und immer wieder! Kein Müde-Werden – oder doch? Doch! Aber die Ballons mussten unbedingt mit ins Bett!

Um kurz nach 6 Uhr früh höre ich schon das helle Stimmchen: „Lucia, wo bist du?“ Das war´s dann mit sonntäglichem Ausschlafen. Nur Limba, die schwarze Labradorhündin, blieb unbeeindruckt und okkupierte meine Schlafstatt am Fenster mit Aussicht. Spielen, toben – und die Luftballons waren angesagt – ich kam noch nicht einmal zum Zähneputzen!

Aber: „einen“ hatte ich noch! Als ich das wieder frei gewordene Bettzeug zusammenlegen wollte, kam mir die geniale Idee, damit zwischen Küche und Essplatz – also am besten Platz im Haus – eine Höhle zu bauen. Dort haben Anna und ich uns dann versteckt, bis es dann endlich Lukas und Adriana komisch vorkam, dass es so still im Haus ist.

Für mich ein wunderbarer Kindergeburtstag – geschlafen habe ich dann bei der Rückfahrt im Bus 🙂

Besen-Meditation

Gründonnerstag 2016. Liturgie in der Kirche zu St. Elisabeth im 4.Bezirk. Eine Idee des neuen mitreißenden und aufgeschlossenen Pfarrers, der zudem zu unseren Freunden zählt: jeder kann sich in einem Formular zu kleineren Aufgaben eintragen, die er/sie in der Pfarre verrichten würde wollen. Bodo und ich sind zwar im 3.Bezirk angesiedelt. Macht nichts – Grenzen, auch Bezirksgrenzen, werden niedergelegt, wenn es um eine gute Tat geht. Ich melde mich für den Putz- und Räumtag im September.

Gründonnerstag war im Frühjahr – da ist es bis zum Spätsommer noch weit her. Da gerät so einiges nur allzu leicht in Vergessenheit. Wie gut, dass vor ein paar Tagen das Erinnerungsmail kam: „Wir putzen und räumen gemeinsam am 10.09.2016!“

Jetzt gibt es kein Zurück, auch wenn das Wetter nochmals den Hochsommer am Teller präsentiert. Ich kann Bodo zum Mitmachen animieren – er glaubt, dass er wie sonst auch seine Fähigkeiten am Computer unter Beweis stellen wird können – weit gefehlt!

Als wir uns angemeldeterweise erst um 12:00 Uhr einfinden, sind einige Personen schon heftig am Werkeln und Schwitzen, ein bisschen unkoordiniert erscheint uns. Aber Gerald hat alles im Griff, führt mich in die Sakristei zu den Frauen und behält Bodo bei den starken Jungs. Dort werden dann Bizeps, Hände und Rücken zu Spitzenleistungen herausgefordert! Das nicht unkleine Pfarrhaus wird mehr oder weniger auf den Kopf gestellt. Vom Dachboden – Bodo berichtet begeistert: ausbaufähig!!! – werden z.B. schwere Steinplatten zum Entsorgen nach unten bis auf den Platz und in einen Container geschleppt. Kästen werden von A nach B getragen und auch uralte Taufbücher sollen neu einsortiert werden. Und da ist dann auch Bodo bald ordentlich durchgeschwitzt! In der Mittagspause schlingt er dann auch hungrig einen Teller Spaghetti Bolognese hinunter.

Auf mich wartet hingegen eine beinahe meditative Tätigkeit. Da in der Sakristei schon zu viele Frauen am Aus- und Neusortieren sind sowie am Putzen der Fenster, wird mir aufgetragen, die Wachsflecken hinter und rund um den Altar zu entfernen – mit einem alten Bügeleisen und Zeitungspapier! Bis auf eine andere ältere Frau, die sich um den Glanz der Kirchenbänke kümmert – in einer halsbrecherischen Schief- und Liegelage -, ist sonst niemand in der Kirche. Ab und zu ein paar Touristen, ab und zu Bodo. Ich krieche auf den Knien, schaue gegen das Licht, um die Wachsflecken zu entdecken, meistens ist ein sanftes Drüberstreichen über den kühlen Stein aber zweckmäßiger. Das Bügeleisen quält sich, zum Glück habe ich einen starken Daumennagel. Immer wieder kommen Frauen aus der Sakristei oder sonstigen geheimen Verstecken vorbei, von denen ich in kurzen Statements gelobt bzw. mit Ratschlägen versorgt werde. Eine meint zu meiner knieenden Tätigkeit: „Das sind deine Stufen in den Himmel“ – schön wär´s!

Wenn man aber, so wie ich, gerade dem Boden näher ist als dem Himmel, sieht man auch den Dreck, der sich über die Sommermonate (und länger?) angesammelt hat. Also greife ich nach dem Bügeln zum großen Besen und beginne hinter dem Altarbild mit dem Auskehren. Und da kommt viel zum Vorschein! Vor allem tote Fliegen. Als ich dann nach mehrmaligem Hin- und Her-Fegen endlich vorne beim Altar angelangt bin, tropft auch mir der Schweiß vom Kinn. Was ist da? Noch mehr Wachsflecken? Also nochmals auf die Knie und das Bügeleisen aktivieren! Zwischenzeitlich hat eine andere helfende Hand damit begonnen, die bereits gefegten und damit vorgesäuberten Flächen nass aufzuwischen. Ich bekomme daher zwar ein bisschen Druck, lasse mich aber von meinem Fege-Rhythmus nicht abbringen. Das große Kirchenschiff und die beiden Seitenschiffe müssen systematisch gereinigt werden!

Es ist bereits 16 Uhr – und ich habe noch ungefähr ein Drittel vor mir. In der kleinen Kapelle wird eine Gnadenhochzeit (= 70 Jahre Ehe!!!) gefeiert – und dazu erklingt dann wunderschön das „Ave Maria“!

17 Uhr – fertig! Meine meditative Reise durch einen wunderschönen Raum ist zu Ende. Gedacht habe ich an sehr wenig, auch kaum gebetet, ich habe einfach die Ruhe in mir selbst genossen! Und der Steinboden freut sich strahlend über die ausgiebigen Streicheleinheiten.

18 Uhr – die Arbeiten werden allgemein beendet. Nicht überall ist man fertig geworden, aber dieser Tag hat zu einem wunderbaren Zueinander und Miteinander geführt, egal, ob im 3. oder 4. Bezirk ansässig. Schweinsbraten und Knödel haben wir dann zwar ausgelassen, aber das Bier hat gut geschmeckt!

Beim nächsten Mal sind wir wieder mit dabei!

Beflügelt wie eine rosarote Nachteule

Sommerzeit und Großstadt – das bedeutet neben meinen „geliebten“ Menschenmassen ebenso viele Baustellen auf den Straßen – die einen beleben unsere heimische Wirtschaft, die anderen machen unsere Stadt wieder sicherer im Straßenverkehr. Quasi vor unserer Wohnung werden seit ein paar Wochen die Gleisanlagen der Straßenbahnlinie erneuert – und das meistens nachts! Ganz schön lustig, wenn um 23 Uhr die Presslufthammer zum Leben erwachen und um 3 Uhr nachts noch immer Party feiern. Da kann es dann schon vorkommen, dass aus den paar Bettstunden nur wenig erholsamer Schlaf herauszuholen ist. Mit müdem Auge schleppt man sich dann ins Bad und später in die Arbeit. Auch dort müssen die Lider-Muskeln schwerste Haltearbeit leisten.

Wenn man so wie ich vollkommen koffein-frei lebt und auch stilles Leitungswasser kein Prickeln auf der Haut mehr erzeugen kann – was soll man tun? Was hilft, den Tag zu überstehen?

Aus einer hellseherischen Eingebung heraus habe ich mir vor einigen Wochen, als ich mich extrem schlapp gefühlt habe – das war vor der Eisentabletten-Kur – eine Dose Redbull light gekauft und dann im Kühlschrank deponiert – für den Fall der Fälle. Vorgestern war es dann soweit – Durst, Müdigkeit und aus Ermangelung an anderen Getränken heraus wurde ich schwach und habe es gewagt, die Dose zu öffnen!

Der erste Schluck – und ich wollte schon aufgeben, weil mir dieser „gummibeerliche“ Geschmack doch ein wenig schwer über die Zunge ging. Wegschütten oder Aufheben oder Augen zu & Austrinken? Lebensmittel werden bei mir selten weggeschmissen. Redbull ohne Kohlensäure ist eher auch ein Graus – also rein mit dem Saft!

Und wo sind jetzt die Flügel?

Ich gehe ins Fitness-Studio, unterrichte dort meine 2,5 Stunden – keine merklich spürbaren Nebenwirkungen; ich bin zwar nicht mehr ganz so müde, aber das mag auch an der Bewegung liegen.

Ich gehe heim, und der restliche Abend verläuft wie sonst auch.

Ich gehe kurz vor 23 Uhr ins Bett, um meine 6 Stunden Schlaf zu bekommen – aber dann:

… dann geht´s los: mein Gehirn ist wie unter Strom, Gedankengänge fetzen durch meinen Schädel: Beruf, eine Yogastellung, an der ich gerade kiefle, und und und … an Schlaf ist nicht zu denken! Ich könnte glatt auf einen Sprung runter auf die Straße gehen und mich zum Presslufthammer gesellen, so quirlig fühle ich mich. Im Morgengrauen ebbt dieser Zustand einer losgelösten Nachteule dann zwar etwas nach, den Rest des Energieschubs nehme ich mit zum Laufen und mit in die Arbeit. Erst nach mehr als 24 Stunden dieser Koffein(über)dosis bin ich wieder „clean“ … und falle nach zwei unruhigen Nächten wieder einmal in einen tiefen Schlaf.

Das wird wohl ein einmaliges Erlebnis gewesen sein!

Re-Kapitulation

Die ersten drei Wochen am neuen Arbeitsort sind fast vorbei – Zeit für ein Zwischen-Resümee?

Ich bin sehr viel allein – die Kirchenglocken im 15-Minuten-Takt begleiten meine nicht immer fröhlichen Gedanken und halten mich zumindest einigermaßen munter 🙂

Das Arbeitspensum hält sich leider noch in Grenzen – es juckt zwar in den Fingern und auch mein neuer, toller Laptop brummt ganz ungeduldig, ungestüm wie ein Pferd, das endlich zum Galoppieren gebracht werden will.

Ich meide die U-Bahn, wo nur geht, teile die Wegstrecke in Straßenbahn und unterschiedlich weite Fußmärsche auf – und nehme den millimeterdicken Schweißfilm auf meiner Haut in Kauf, der im Geh-Wind nur schwerlich trocknen will.

Meine Augen scannen während meines morgendlichen Spaziergangs durch die City jede Schaufensterauslage und vor allem jedes Preisschild – mit dem erstaunlichen Ergebnis, dass ich sogar im Super-Summer-Sale einigen vielen Verlockungen bislang ohne Reue widerstehen konnte!

Ist die Fußgängerzone morgens noch übersichtlich menschenleer, muss ich abends gegen einen dichten Strom am Zweibeinern ankämpfen, die stockend und stoppend den heißen Odem der City inhalieren und mir die Luft zum Atmen nehmen. Ich versuche mich daher im meditativen Ausblenden dieser erfüllten Bilder und halte vielmehr Ausschau nach freien Lücken, durch die ich mich dann vorwärts schiebe.

Auch wenn dies jetzt noch nicht so berauschend euphorisch klingt, hat der Abnabelungsprozess von meiner alten Büroheimat doch schon begonnen, unterstützt von einem eisgekühlten Zwischenaufenthalt im alten Büro, der nach einem Tag mit Besprechungen einen kratzigen Hals und grippales Unwohlsein zur Folge hatte. Außerdem ist das alte Team mittlerweile auf ein Maß zusammengeschrumpft, das mehr an eine zerstreute Einzelkind-Familie erinnert als an eine wild durchmischte Großfamilie, wo sich jeder abends freundlich eine „Gute Nacht“ wünscht – mit der Ausnahme, dass keiner von uns eine Latzhose trägt und John-Boy oder Jim-Bob heißt.

8 Jahre sind halt eine lange Zeit mit vielen Höhen und Tiefen – das muss erst mal verdaut werden – wenn ich aber so in mich rein höre: mit dem Wiederkäuen dürfte ich nunmehr fertig sein – bereit für frisches neues Futter … Hunger!

Abschied, Neuanfang und einiges an Geduld

In Amerika feiern sie heute (4.Juli!) groß. Der Ramadan-Monat geht morgen zu Ende – auch da wird nun ohne Ende und Reue im Kreise der Familie und Freunde gevöllert. Und am kommenden Sonntag wird der EM-Fußballmeister seinen Pokal mit Champagner befüllen und das Gewinnerland im Ausnahmezustand sein.

Wo bleibe ich?

Mir ist gerade nicht so sehr nach Feiern zumute.

Am 30. Juni um 16 Uhr habe ich meine Zutrittskarte, meinen Laptop und mein Firmenhandy zurück gegeben – mit einem Klick bin ich aus dem System entfernt – und bereits heute erinnern sich nur mehr wenige daran, dass ich bis vor kurzem aktiv und intensiv an ihrem neuen beruflichen Zuhause mitgewirkt habe. Da schmeckt der Prosecco mit einem Mal ganz schal!

Stopp! Nicht alle haben mich vergessen: als ich am 1. Juli schwer bepackt mit einigen Dingen für den neuen Arbeitsplatz in prominenter Lage … gerade höre ich das Läuten der Glocken vom Stephansdom … um die Ecke bog – schweißüberströmt dank schwüler Morgentemperaturen -, standen doch zwei meiner lieben Ex-Kollegen vor der Türe, auf mich wartend – im Gepäck: gekühlter Prosecco, gekühlter Champagner und stilgerecht 3 Sektgläser, die den Transport scherbenfrei überstanden haben – das war echt nett und hat mir den Einstieg in ein neues Arbeitsleben sehr versüßt!

Die leere Prosecco-Flasche steht nun auf dem leeren Tisch meines alten = neuen Chefs, der gerade wohl in der griechischen Abendsonne seinen Urlaub genießt. Meine erste neue Arbeitswoche ist daher eine einsame, ganz alleine sitze ich hier, nur die Geräusche der City – und eben der Steffl – geben mit das Gefühl, nicht wie Robinson ganz alleine auf einer Insel ausgesetzt zu sein – obwohl „einsame Insel“ … die EDV funktioniert noch nicht so 100%ig einwandfrei (ohne Serververbindung und vor allem ohne WLAN-Passwort!!!) – nur dank eines kurzen Intermezzos daheim in den leicht aufgeheizten eigenen vier Wänden, wo ich das WLAN schnell nutzte, um eine Verbindung zur Außenwelt aufbauen zu können, war es mir möglich, heute einen „Arbeitstag“ nachweisen zu können. Der war jetzt nicht ganz fad, weil ich mich zu beschäftigen weiß, aber nicht so erfüllend, wie ich es halt gern habe.

Vielleicht sollte ich diese eher ruhigen Tage einfach genießen und als soft beginning sehen? Der Stress findet mich mit Sicherheit auch an der neuen Büroadresse! In jedem Abschied steckt Erfahrung, in jedem Neubeginn vorantreibende Neugierde – dies zu entdecken bedarf eines gesunden Maßes an Geduld!

Fresh!

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Was soll das jetzt? Werbung für ein neues Putzmittel, das jede Fliese und jede Armatur von selbst zum Strahlen bringt?

Schau genau!

Die Auflösung liegt im Kleingeschriebenen: Moschino!

Hat das nicht etwas mit lustig-bunt-untragbar gemustert-verniedlichten Kleidern zu tun, mit einem Label, das die allgemein gültigen Regeln des guten Geschmacks in Frage stellt und die eigenen Ideen mit einer prickelnden Prise Ironie versetzt? Ziemlich richtig – und wo Fashion, da meistens auch der passende Schnüff-Schnüff dazu, der bei Moschino darauf abzielt, mit stylischen Konventionen zu kokettieren!

Eau de TOILETTE – was liegt daher näher als einen Flakon zu designen, der bei jedem Duft-Zerstäuben gleichzeitig und mit Nachdruck daran erinnert, dass auch die TOILETTE daheim wieder einmal einen frischen Duft vertragen könnte?

Ich finde die Idee erfrischend, zum Schmunzeln anregend und nicht ganz ernst zu nehmend – wohl gerade deswegen habe ich, eine bekennende „ich probier´ was Neues aus“-Konsumentin, zugelangt – und den letzten Flakon seiner Art ergattert, wohlgemerkt, nicht ohne vorher einen Probestreifen (und den Handrücken) großzügig einzunebeln … die Kennernase riecht sofort die „Kopfnoten“ Bergamotte, Mandarinorange und Ylang-Ylang, die „Herznoten“ Pfingstrose, Himbeere und Herbstduftblüte und die „holzigen Basisnoten“ Patschuli und Ambroxan heraus … ähem, wie bitte???

Den heutigen Sommertag verbringe ich also gerne umgeben von diesem olfaktorisch frischen Odeur und denke nur hin und wieder mit geringfügig schlechtem Gewissen an Bad und Toilette daheim.

Bitte nicht so heiß!

Mode-Unverträglichkeit, Fashion-Intoleranz – gibt es das?

Einer unserer bekanntesten österreichischen Radiomoderator hat eine Ballerina-Phobie, die er in regelmäßigen Abständen auch im Äther kund tut. Aber das ist in meinen Augen echt harmlos!

Brutal sind in Wahrheit diese Dinger, die sich Hot Pants nennen – bei näherer Betrachtung ein breiter Gürtel mit 3 großen Löchern, die das bisschen verbleibenden Stoff ad absurdum führen. In der seriösen Mode-Literatur wird zwar schonungslos beschrieben, welche körperlichen Voraussetzungen frau mitbringen sollte, um ein solches Teil in der Öffentlichkeit tragen zu können, ohne beim plötzlichen Betrachter Augenkrebs  oder Herzschlagaussetzer zu verursachen – demzufolge wäre das wohl nur ein einstelliger Prozentsatz bezogen auf die westliche weibliche Bevölkerung -, allein fehlt es nur zu oft an ehrlicher Selbsteinschätzung! Nichts für ungut, liebe Kolleginnen, aber es sieht halt einfach nicht sexy aus, wenn

  • der Oberschenkelumfang nicht einer Gazelle entspricht, sondern einem beliebten Grauhäuter
  • die Spannkraft der Haut einem Luftballon ähnelt, der drei Tage nach einem Geburtstagsfest traurig am Bettpfosten hängt
  • wenn die Farbe der Beine allzu sehr Schneewittchen gleicht und nicht dem sanften Bronzeton eines Popstars von den Bahamas
  • aufgrund fehlender Hochsommertemperaturen oder um die Beinlänge zu strecken zu Strumpfhosen und Leggings in 20 DEN gegriffen wird, hier sehr oft auch mehr Laufmasche als Nylon zu sehen
  • die Gehbewegung der Beine mit einem Schlurfi versehen ist – von Catwalk-Gestälze keine Spur!

Hot Pants sind in den Olymp der sommerlichen Must-Garderobe emporgehoben worden und haben dort offenbar einen Dauerplatz bekommen – aber muss frau sich jedem Mode-Diktat unterwerfen? Ist es nicht besser, aus der Vielfalt des Angebots zu sondieren und sich die Leckerbissen rauszupicken, die einem wirklich schmecken, sprich passen?

Daher: Spieglein, Spieglein – sag mir nicht, wer ist die Schönste im Land! Sag mir im vollständigen 360°-Blick, ob mein heute gewähltes Outfit meine Vorzüge positiv hervorhebt und meine Schwachstellen verbirgt.

In Hot Pants wirst du mich jedenfalls NIE sehen! (und auch nicht in Ballerinas … ich will es mir ja mit dem Radiomoderator nicht verderben 🙂

Urlaub 2016 … war anders!

Ja, Leute – 2016 und wandern/pilgern war wirklich anders als die Jahre zuvor!

  • Wir waren heuer die ersten Wanderer/Pilger auf dieser Strecke!
  • Wir haben länger geschlafen als sonst!
  • Wir haben uns vor jedem Etappentag ein Frühstück gegönnt!
  • Es gab spürbaren Kontakt mit Schnee!
  • Wir haben 4 Feuersalamander und etliche Gemsen aus nächster Nähe gesehen!
  • Wir haben diese Reise durch so wunderschöne, eindrucksvolle, uns größtenteils unbekannte Gegenden Österreichs mit ihren freundlichen, hilfsbereiten und an unserem Tun interessierten Menschen …. leider vorzeitig abbrechen müssen, nicht, weil das Wetter ein zu grausames Spiel mit uns getrieben hätte – nein, weil es Situationen im Leben gibt, wo einfach die Gesundheit im Vordergrund steht und nicht das ehrgeizige Erreichen eines Kilometer-Ziels!

Auch wenn es noch dauern wird, bis die körperlichen Schmerzen zur Gänze abgeklungen sind – was bleibt sind die Erinnerungen an 16 intensive und sehr abwechslungsreiche Wandertage, herrliche Panoramaszenerie in allen Himmelsrichtungen … und die Vorfreude auf eine Fortsetzung!

(Tagebuch 2016 ist natürlich geplant 🙂

2016 anders?

Unsere Wanderung 2016 wird mit Sicherheit …. anders als die Jahre davor!

Anders aus mehreren Gründen: da ist einmal das Abreisedatum – wir werden wahrscheinlich bereits in der Walpurgisnacht (also MORGEN) Gefühle in den Füßen haben, die wir heute noch nicht spüren. Mag sein, dass es ein Kribbeln auf der Fußsohle sein wird, das vom Brennen gereizter Haut herrührt, es kann aber auch durchaus sein, dass dieses Kribbeln daher kommt, dass die Füße nach ersten Anzeichen von Erfrierungserscheinungen gerade noch rechtzeitig auftauen – denn (und auch das ist „anders“): unser Pilgerweg startet heuer … im Winter! Ein mächtiges Tief, das sich am vergangenen Mittwoch in der Früh – für Meteorologen spannend zu beobachten – über Norditalien gebildet hatte, hat einen ordentlichen Teil meines Heimatlandes unter tief-schweren Schneemassen versinken lassen. Scheint hier im Wiener Becken bei zugegebenermaßen recht frischen Temperaturen die Sonne freundlich von einem strahlenden Himmel herab, sind in der Steiermark und in Kärnten Bäume und vor allem Jungtriebe zu Fall gebracht worden, was nicht nur den Obst- und Weinbauern die Tränen in die Augen treibt, sondern auch jedem Hobbygärtner, der bereits tüchtig mit Harke und Rechen zugange gewesen ist – sehr traurig! 🙁

Auch in und um Mariazell, von wo wir starten werden, ist es über Nacht heftig weiß geworden. Das bringt uns jetzt natürlich in ein Dilemma: wie schützen wir uns vor Kälte, ohne unnötig mehr Ballast mitzuschleppen? Dazu nur eines: Lagenlook und abends keine offenen Patschen, sondern geschlossene Schuhe (Lauf, Trail), die im Notfall auch mal fürs tägliche Gehen herhalten können. Handschuhe? Haube? Schal? … wäre nicht unklug. Außerdem werde ich zusätzlich noch mein flauschiges Laufshirt mit Kapuze, Gesichtsschutz und extra langen Ärmeln einpacken, das zudem den Vorteil hat, dass es so grell Rosa ist, dass ich nicht mit einem Schneehaserl verwechselt werden kann!

Anders als sonst auch, dass wir uns leicht(er) verständigen können, sind wir doch in Österreich, Ost- und Südtirol unterwegs. Wobei ich mir hier nicht so sicher bin, dass ich jeden Dialekt verstehe – auch wenn ich a Kärntner Madl bin!

Es wird langsam Zeit, den Rucksack zu packen – morgen kurz nach 10:00 werden wir wissen, ob wir uns in Mariazell noch eine Zusatzschicht besorgen müssen.

Juchuuu – ich freue mich!