Schli-Schla-Schlappi ohne Ende

Ich versteh´s nicht – ich verstehe MICH nicht!

Ideale Voraussetzungen:

  • einigermaßen gut trainiert: 14 Wochen, darunter 7x longjog von 180 Minuten

  • über die Wochen ausreichend Eisen und Vitamine und Magnesium geschluckt

  • ideale Wetterbedingungen: unter 15 Grad, bewölkt, so gut wie kein Wind

  • stressfrei mit der U-Bahn zum Startbereich: bin dieses Mal bei einer anderen U-Bahn-Station eingestiegen und hatte sogar einen Sitzplatz!

  • Panik-Pinkelei im Gebüsch bzw. doch auch noch in einem „überfüllten“ Mobil-Klo

  • den richtigen Sound im Ohr

  • lockeres Laufleiberl, aber knappes Bustier

  • guter Start, kein Gerangel trotz dieser Menschenmassen

Warm ist mir schon von Anfang an, denn Adrenalin von 40.000 Menschen (nun gut, es werden am Start weniger gewesen sein, weil ja die Staffelläufer nur zum Viertel vertreten waren), erzeugt einen fast greifbaren Dampf.

Habe bald mein Tempo, meinen Schritt gefunden und greife alle 5 km zum Wasserschlauch oder zum Becher mit einem Isotonic-Gesöff.

Meinen Puls spüre ich extrem, und das macht mir etwas Angst.

Der Rest meines Körpers agiert ohne Probleme.

Das Foto, das Bodo von mir bei km 11 schießt, ist wieder einmal schrecklich – sein Kommentar: Läufer sind in Action einfach nicht hübsch – das schmerzt!

Der allseits gefürchtete leichte Daueranstieg bis Schönbrunn nagt an allen; ich spüre, wie meine Beine langsamer werden.

Ich denke erstmals ans Aufhören, da mir der Spass komplett abgeht. Immer heißt es, dass Laufen Endorphine frei setzt – bei mir dürften es in Wettkampfsituationen eher Depressionshormone sein, denn ich werde zunehmend verzweifelter, mutloser, ratloser und kann mich nicht mehr ablenken.

Bei km 20 klopft mir ein Bekannter auf die Schulter, der sich mit Fußschmerzen durch die halbe Strecke quält. Da denke auch ich, dass ich bei km 21 abzweigen werde. Nach einem kräftigen Schluck Wasser fasse ich vorübergehend aber wieder Mut und biege nicht ab – aber nur für kurze Zeit: bei km 22 sehe ich Bodo und bleibe stehen. Bodo ist verwundert, meint, ich sehe überhaupt nicht erschöpft aus, überlässt aber mir die Entscheidung und meint nur: lauf halt langsamer, sieh es als Trainingseinheit, mach auf Durchkommen …

Also laufe ich doch wieder weiter.

Ich nehme die vielen anderen Läufer um mich herum nur mehr am Rande mit – es interessiert mich einfach nicht – anders als sonst, wo man sich an einen Läufer ranhält oder Läufer/innen bewusst wahrnimmt, deren Laufstil analysiert – sich eben irgendwie ablenkt. Dieses Mal: ich blende anscheinend alles aus – mir bereiten die vielen anderen Läufer mentalen Stress.

Und als ich Bodo dann knapp nach km 26 sehe – es setzt gerade leichter Regen ein, trete ich zu Seite und gebe das Zeichen zum Finish – ich höre auf! Zu diesem Zeitpunkt noch ohne Reue, Traurigkeit, Enttäuschung. Ich bin mir meiner Sache ziemlich sicher – fast wie ein bockiges. trotzköpfiges Kind.

Ich analysiere meine Entscheidung ziemlich nüchtern: „es hat mir keinen Spass gemacht!“, wechsle an einer halbwegs geschützten Stelle das Gewand, und wir machen uns auf den Heimweg – ohne Zieleinlauf, ohne Medaille, ohne Kaiserschmarren.

Daheim stecke ich fast so, als wäre ich nicht ich, sondern ein Fremder, die ganzen Utensilien in die Waschmaschine und an andere Orte, die Startnummer (Quersumme 13 anscheinend doch un-glücklich) wandert direkt in den Müll, ich steige unter die Dusche und klammere mich alsbald wortkarg und mit zunehmend verhärmten Gesicht an mein Buch, während dessen Bodo sich diverse Ergebnisse anschaut und seine Fotos durchgeht. Ab und dann wirft er mir besorgte Blicke zu und fordert mich auf, mir alles von der Seele zu reden, aber ich kann nicht – zunehmende Verstörung und Ratlosigkeit mich selbst betreffend überkommen mich. Das Nachmittagsschläfchen entbindet mich nur vorübergehend einer unangenehmen Selbstanalyse:

  • ich genieße meine Morgenläufe, egal, ob 70 – 90 – 120 – 180 Minuten

  • ich genieße hierbei die Leere um mich, die Ruhe des heranbrechenden Tages

  • ich freue mich, wenn ich Rehe und Hasen sehe

– und dagegen das:

  • ich habe schon bei der Startnummernausgabe einen Horror vor den vielen Menschen, die sich dieses Mal wie am Flughafen vor dem Eingang ins Messegelände in eingefassten Gängen anstellen mussten

  • ich kenne die Wiener Strecke wohl mittlerweile so gut, dass sich eine gewisse Fadesse breit macht

  • das laute Geräusch der Plastikbecher, die an den Labestationen zertrampelt werden, tut in meinen Ohren weh

  • obwohl es dieses Mal kein Ellbogengedränge gibt, fühle ich mich irgendwie eingeengt

  • ich habe kein Gefühl dafür, ob ich mit einem guten Tempo unterwegs bin, um eine gute Zielzeit erreichen zu können; eher habe ich das Gefühl, dass ich mich schneckengleich bewege – und daher: lieber keine Zielzeit als eine schlechte (Bodo meint allerdings, dass ich nur knapp hinter dem 3:30-Tempomacher war … hätte ich den gesehen, hätte ich vielleicht ….?)

Bodo ist lieb, er versucht, mich aufzumuntern, mich für kürzere Trailruns zu begeistern. Das klingt gut, aber für mein Ego brauche ich zumindest noch einen vollen Marathon – vielleicht einen weniger überfüllten, so wie den in der Wachau oder in einer anderen Landeshauptstadt.

Was bleibt, ist aber ein gewisses Unbehagen, das Gefühl, versagt zu haben – das mit sich selbst auszumachen, ist extrem schwierig. Ich kann es abtun und sagen: wurscht, war halt so – aber habe ich oben nur dumme Ausreden formuliert oder liegt die Ursache fürs Abbrechen ganz woanders? Ich habe einfach den Eindruck, mich derzeit überhaupt nicht zu kennen – und das macht mir sehr zu schaffen. Mir stehen momentan die Tränen in den Augen, auch wenn ich weiß, dass es ein absoluter Schwachsinn ist, sich im Selbstmitleid zu baden – da bekommt man nur schrumpelige Haut und Kummerfalten.

Sonst lebe ich nach einem beendeten Marathon eine Woche lang auf Wolke Sieben. Momentan strample ich mich kraftlos in einer trüben Suppe. Hoffentlich nur für kurze Zeit, denn: the Show must go on …. der nächste Run steht bevor am 4.Mai / World Life Run: Catch meifYoucan!

Auf die Plätze – fertig …. Bitte warten!

Der Countdown läuft. Bis jetzt hatte ich nur einen kleinen Alptraum, wo es um lächerlicher 42 km ging. Derzeit schlafe ich aber gut und traumlos, bin ruhig wie ein zen-beschienener Stein in einem asiatischen Meditationshain – und bin darüber sehr überrascht (?) Andererseits bin ich mir bewusst, dass ich spätestens am Samstag, wenn ich dann endlich die Startnummer 7222 (Quersumme 13 – meine Glückszahl?) in Händen halte und rund um mich herum nur athletische Läufer herumstaksen, die Nervosität steigen wird. Aber Lampenfieber ist schon ok. Woher kommt eigentlich das Wort „Lampen-Fieber“? In der Google-Maschine wird nur darüber gesprochen, dass diese Erscheinung eine Form von Stress ist, der Anspannung vor einem wichtigen Ereignis, wo man in irgendeiner Form im Rampenlicht steht. Ach so, ja: wenn man unter Scheinwerfern, also „Lampen“ mit starker Hitzeausstrahlung stehen muss, wird die eigene Birne schon mal sehr heiß und glühend, gerade so, als ob man „Fieber“ hat. Da ich aber am Sonntag nicht unter Scheinwerfern glänzen muss, nehme ich das mit dem Lampenfieber wieder zurück und tituliere meine Gefühls- und Darmregungen als euphoria nervosa? Trotz meiner inneren Ruhe bin ich schon mitten in kleineren Vorbereitungen: zum einen habe ich meine Wettkampfschuhe von eingetretenen Steinchen gereinigt (wenn ich morgen nochmals laufen gehe, ziehe ich andere Schuhe an), zum anderen habe ich die neuen Laufhosen getestet – wahrscheinlich nehme ich eh die Lauftight, die für Langstreckenläufe, also mit leichter Kompression, entwickelt wurde, und dann wäre da noch das magentafärbige Nike-Shirt mit eingebautem BH, das trotz Befürchtung meinerseits, dass der Brustgurt zu Atemnot führen könnte, ideal wäre, weil angenehm luftig, nicht zu kurz; allerdings hatte ich gestern nach nur 70 Minuten und kühlen Temperaturen vom Schweiß verursachte kleinere Brandstellen in der Achsel – das ist freilich nicht so gut (war letztes Jahr auch ganz aufgescheuert – und das tat spätestens unter der Dusche dann seeeehr weh!). Das schwarze Top von Bionic ist zwar figurschmeichelnd, aber nicht luftig genug und neigt zum Raufrutschen – und ganz in Schwarz will ich heuer nicht laufen! Also doch Magenta und dann mit Bepanthen die gereizte Haut pflegen? Das sind Probleme! Ich habe in meinen Blogs schon mehrfach betont, dass meine mentale Stimmungen sehr davon abhängen, was ich am Körper trage. Und wenn dann noch ein Quantum „Stress“ dazukommt, umso wichtiger! Jetzt werde ich langsam ungeduldig … auf die Plätze, fertig ……!

Die Vergänglichkeit eines T-Shirts

Welches Kleidungsstück ist einer nur allzu kurzen Lebensdauer – zumindest, was den mehrmaligen Wurf über den Kopf mit Locken, glatten Haaren, Stoppeln oder Glatze betrifft – unterzogen? In meinen Augen ist es das T-Shirt. Das Präfix „T“ deutet im ursprünglichen Sinn auf den Schnitt hin: gerade Taille, die leichthin auch schnell mal zum mehrfaltigen Rollmops mutiert, und leicht abstehende kurze Flügel, die an kräftigen Bizeps gespannt in den Nähte gefährlich zu ächzen beginnen.

Das T-Shirt als Ausdruck monochromer Einfältigkeit, quergestreifter Dualität oder künstlerisch übertriebener Phantasie. Das T-Shirt, versteckt unter Pullover oder Jacke getragen oder over all und dabei alles offenkundig preisgebend, was sich darunter verbirgt. Das T-Shirt ist in meinen Augen vornehmlich als verlässlicher Partner einer Jeans geworden, denn das macht es einfach: Hose an und Shirt drüber – zusammenpassen die beiden so gut wie immer. Aber weitaus schwieriger wird es, dass passende T-Shirt für eine andere, bunte oder sogar gemusterte Hose oder einen Rock zu finden! Ist das Shirt einfärbig gehalten, mag es vielleicht funktionieren, außer das Schwarz der Hose / des Rocks ist ein anderes Schwarz als das des T-Shirts. Und wenn erst mal ein Muster / ein Schriftzug auf das Shirt geprägt ist, ist es beinahe ein Ding der Unmöglichkeit, dass es hier zu einer harmonischen Partnerschaft kommt. Ich habe wahrlich genug T-Shirts angesammelt, weil das eine oder andere im Moment des Kaufrausches als überragend schien. Doch wenn dann der Augenblick der nüchternen Wahrheit, nämlich des Kombinierens kommt, weicht die Freude über die Beute einer schnell dahinsiechenden Mutlosigkeit, und ich gehe dem Problem aus dem Weg und ziehe ein Kleid an. Da muss ich mir nie darüber Gedanken machen, was an der Gürtellinie zusammenstoßt. Und trotzdem kaufe ich mir immer wieder mal ein T-Shirt. Ganz gefährlich, wenn man im Ausland ist und eine kleine Erinnerung mitnehmen will. Ein T-Shirt wiegt fast nichts, lässt sich in jeden noch so vollen Koffer stopfen und wird daheim dann den Tiefen des Kleiderschranks anvertraut. Komme ich aber jemals auf den Gedanken, hier in Wien ein T-Shirt anzuziehen, auf dem in großen geschwungenen Lettern Barcelona / Berlin / Madrid / Rom oder Velden steht?

Ich war gestern mit Bodo in der Stadt – weil ER dringend neue Jeans brauchte – zum Thema Langlebigkeit einer Jeans lässt sich kurz notieren, dass sein Lieblingsstück getragen wird, bis es im wahrsten Sinne des Wortes in der Mitte entzwei geht. Bodo´s an sich modisch zerrissene Hose bricht mittlerweile auch im Schritt – also höchste Zeit für eine neue Lieblingshose! Nach längerer Anprobe diverser Hosen von hell bis dunkel und einem glücklichen Gesicht, als wir mit dick-prallem Sackerl den Jackie Jones verließen, machten wir noch einen Abstecher in die weite Tiefe des P&C: dort türmen sich im Untergeschoss über weite Flächen T-Shirts über T-Shirts und noch mehr. Hier rein weiße Schlabberfetzen mit Aufdrucken aus der Pop-Welt, knallbunte Shirts mit viel Aufdruck á la American High School. Dort geraffte, zerrissene, fransierte Baumwolle mit einem Hang zu Polyester, Ethno, Batik, Hippie, floral – in welche Rolle man immer auch steigen will. Und ich? Welche Rolle spiele ich in diesem Wirrwarr? Ich flüchte alsbald, verwirrt, enttäuscht, verunsichert. Vielleicht fehlt es an der ultimativen Jeans, die es mir leichter machen würde. Aber nein, das wäre nicht ich! Ich lasse Bodo seine Mehr-Jahres-Jeans, bis es wieder Zeit für einen Abschied ist (die eine, deren Zeit abgelaufen ist, liegt noch immer herum; Bodo bringt es anscheinend nicht übers Herz, diesen lieb gewonnenen Freund von dannen ziehen zu lassen) und schlüpfe stattdessen in die hellbraune bzw. silbrig-graue locker fallende Hose mit tiefem Schritt oder die blitzblaue Schlangenlederoptik-Hose vom Parndorf-Anzug (derzeit mein absolutes Lieblingsteil!) und versuche, mit dem, was ich an T-Shirts noch habe (einige habe ich schlussendlich verschenkt), zu kombinieren – in der kalten Jahreszeit tue ich mir hier eindeutig leichter, wohl, weil hier die Kombinationsmöglichkeiten spezieller sind. Seitdem  ich warmen Sachen aber nicht mehr brauche – und seitdem mir der Hosenanzug gezeigt hat, dass frau auch im Blazer gute Figur machen kann, schlüpfe ich zumindest so lange in eine Jacke aus Stoff oder Leder, bis ich im überhitzten Büro oder wieder daheim bin. Und – ganz wichtig: ohne Schal / Tuch geht gar nichts mehr! Da hege ich bereits einen leichten Hang zum Fetischismus.

Und wenn alle Stricke reißen, muss ein Kleid her – aber auch da verfalle ich zunehmend in Un-Mut … aber das ist eine andere Geschichte!

Bambi lebt!

Mit unruhigen Füßen zog es mich heute Morgen wie so oft in den Prater. Ich versuche zumindest den Anlauf vom 3.Bezirk in das große Wiener Naherholungsgebiet abwechslungsreich zu gestalten. So führt ein beträchtlicher, aber nicht uninteressanter Umweg über das rechte Ufer des Donaukanals (für die Insider: beim Hilton vorbei, zur Urania, dann scharf abbiegen bei der noch geschlossenen Strandbar, immer gerade aus, vorzugsweise auf dem unbefestigten Weg bis zur vierten Brücke … danach ist der weitere Weg leider wegen Baustellenarbeiten geschlossen) bis in den Prater so in der Mitte ca. Von dort bevorzuge ich dann einen der kleinen Trampelpfade, die ins Gehölz führen und meistens den Reitern vorbehalten sind – allerdings bin ich in der Früh noch so gut wie nie einem stolzen Ritter auf seinem schwarzen Ross begegnet – schade eigentlich.

Ich war zwar heute nicht gerade mit dem erhofften Speed unterwegs, dafür aber mit pink-färbigen Sleeves, weil es für Kurzarm doch noch etwas huschi ist und mir immer sehr leicht die Finger an der linken Hand – und nur dort, eigenartiger weise (?) – abfrieren. Da ist es gut, wenn ich einen Ärmel zum Reinkriechen habe.

Na ja, als ich schon auf dem Rückweg entlang einer kleinen Lichtung so vor mich hin dahin trotte und meinen Gedanken nachhänge, stoße ich auf – nein, nicht auf den mutigen Ritter, sondern: auf eine 3-er Gruppe von Rehen! Es gibt sie also doch noch, die wahren Bambis dieser Welt! Letztes Mal der Sprint-Feldhase – und heute diese nette, mich immer zur Rührung bringende Begegnung. Das Besondere daran: entweder haben die drei grau-braunen Wesen (eines schon mit leichtem Geweih) mich nicht gerochen (fast ein Ding der Unmöglichkeit) oder waren von der Farbe Pink so fasziniert, dass sie einfach neugierig mit leicht verdutztem Augenaufschlag stehen blieben und mich anstarrten. Ich zurück mit einem leisen „Hallo!“

Ich liebe diese Momente im ausklingenden Morgengrauen und finde es einfach berührend – um mich zu wiederholen -, dass die urwüchsige Natur auch in einer kleinen Millionenstadt noch nicht ganz ausgestorben ist. Klopfer und Bambi sind meine heimlichen Ritter, die bescheiden getarnt sich nicht vertreiben lassen!

Ich hoffe, ich sehe Euch bald wieder!

Gute-Launen-Start

Was hat sich zum gestrigen Tag geändert?

Ich bin knapp vor dem Weckerläuten wach geworden und damit nicht allzu sehr aus dem Schlaf geschreckt worden. Die Sommerzeit-Umstellungs-Müdigkeitsphase aber ungehindert vorhanden – gähn!

Das quasi schweißfreie Lauf-Outfit von gestern schnell übergestülpt und mit einem Bussi aufs wehe (?) Knie das Stiegenhaus hinabgetrippelt mit dem aufatmenden Ergebnis, dass es gar nicht mehr so arg weh tut.

Die ersten Laufschritte zwar noch abtastend zögerlich, aber zunehmend forscher. Mein Knie hat kapiert: machst du dein Frauchen heute nicht glücklich, wird dieser Tag zum mentalen Fiasko – also streng dich an, beiß den Meniskus zusammen und … lauf!

Und es war gut so! 90 herrliche Minuten mit Schwerpunkt Prater-Abwege, Wald und weicher Boden. Ein riesenhafter Hase, der vor dem Eier-Verstecken Reißaus nimmt und knapp an mir vorbeischrammt (ganz ehrlich: nicht einmal ein Superläufer aus Kenia hätte da eine Chance gehabt, das Tier mit den langen Ohren zu überholen!), Vogelgezwitscher, das sogar durch die Kopfhörer dringt und die Hits der Stunde aus dem Gehörgang verdrängt.

Und wieder einmal bewahrheitet es sich: ich muss mich in der Früh in irgendeiner Form körperlich betätigen, und sei es der Swiffer, mit dem ich durch die Wohnung tanze. Ich halte das viele Sitzen im Büro einfach nicht aus, wenn ich vorher nicht einmal ordentlich ins Schwitzen gekommen bin (wobei: Swiffern entlockt mir nicht einen einzigen Schweißtropfen, eher verniedlichte Fluchereien, wenn sich nicht jeder Staubfuzzel einfängen lässt).

In diesem Sinne: keep on movin´!

Miese-Launen-Jet-Lag

Au-weh! Das Aufstehen heute Morgen – es fehlt die eine Stunde, die dem Morgen Gold in den Mund legt. Auch im Wissen, dass diese abrupte Morgendunkelheit nur ein kurzer Moment sein wird, da wir uns doch in raschen Schritten der hellen Jahreszeit nähern, war dies heute nur ein schwacher Trost. Bodo und ich wären fast im Stehen wieder eingemurmelt.

Dann die zweite Tagesschlappe: mein Knie hat beim Laufen nicht mitgespielt, hat mich nach 500 Metern leicht hügelab zur Umkehr gezwungen! 🙁 gaaaanz schlecht – für meine heutige Tagesverfassung. Auch wenn ich zwei Wochen vor dem Marathon mit reduzierter Trainingsvorgabe keine Mega-Verbesserung erzielen könnte, das panische Gewissen zerrt an meinen Nerven! Außerdem brauche ich den montäglichen Morgenlauf, um mich auf eine neue Arbeitswoche einzustimmen.

Gemein, dass ich nach einer Eisauflage, etwas Geschmier und in meinen neuen Kurz-Boots von Airstep (in leichtem Schimmerglanz und mit je drei unterschiedlichen Ledergurten umwickelt; super bequem!)jaaaa, ich habe wieder zuschlagen müssen, ob aus Frust oder Lust, lässt sich nur schwer beantworten – schmerzfrei ins Büro tänzeln konnte. Dies sollte mich nun aber beruhigen und mich auf morgen früh freuen lassen! Mein Körper weiß zum Glück, dass er mir zu gehorchen hat!

Das war Spitze!

Was tun an einem Wochenende, das als perfektes, sonnendurchtränktes, wolkenloses, wohltemperiertes Frühlings-Sommerzeit-Umstellungs-Wochenende prognostiziert wurde?

Neidisch in einem Gastgarten den anderen beim Aperol, Hugo, Prosecco zusehen? Die Terrasse schrubben und die Holzbretter frisch einlassen? Den Kleiderschrank auf Sommer umsortieren? Faul auf dem Sonnendeck dösen?

Oder – ein genialer Gemeinschaftsgedanke: wir machen eine Wanderung!

Bodo hat sich übers Googeln für zwei Wanderrouten mit Ausgangspunkt Spitz an der Donau in der wunderschönen Wachau entschieden. Wir wollten auch dort übernachten, um möglichst viel aus den kurzen zwei Tagen herauszuholen. Ich habe am Samstag sogar auf mein vorletztes langes Lauftraining vor dem Marathon verzichtet in der Annahme, dass zwei Wandertage auch als Ausdauertraining gelten könnten. Andererseits hätte ich zumindest eine kleiner Runde drehen können, denn Bodo war doch so ziemlich auf Wochenend-Ausschlaf-Rhythmus eingestellt und nur schwer aus dem Bett zu locken.

Mit Kleingepäck, aber voller Fotoausrüstung rückten wir vormittags in Spitz an, um zuerst den Spitzer Graben zu erkunden, ein „Graben“, der in gemächlichem Auf und Ab unsere Waden strapazierte. Es zeigte sich, dass ein Mensch mit seinen beiden Händen ganz schön aufgeschmissen ist, will er auf der einen Seite seinen neuen Wanderstab de luxe in die Magie der Wanderung einführen, andererseits aber die Schönheit der Natur auf digitaler Fotografie festhalten? So landete der neue zerlegbare Wanderstab aus Schwarzdorn, hergestellt in einem Ort nahe Augsburg, den nur Insider kennen und solche, die irrtümlich in Pöttmes abfahren, im Rucksack und wurde wie in einer Sänfte bequem herumgetragen, währenddessen das schwere Objektiv so manchen Vogel und so manches freche Blümchen ins Visier nahm. Beim Bergaufgehen zeigte sich allerdings: die Fotographie ist eine Leidenschaft, die schon auch mal Leiden schafft.

Die Weinbauern sind den Dämpfen der alkoholischen Gärung entkommen und arbeiten bereits an den Vorbereitungen für die heurige Ernte. Die Radfahrer erkunden die Ufer der bedenklich wasserarme Donau und finden im gerade geöffneten Gastgarten Unterschlupf und einen guten Schluck. Bodo gönnt sich dort ein Fastenbrecher-Joker-Bier, danach schlupfen wir leicht erschöpft unter die dicke, blütenweiße Bettdecke. Ich wache nach einer Zeit erschrocken auf, da ich im eigenen Saft schwimme, so stark haben mich die weichen Daunen zum Schwitzen gebracht.

Beinahe zeitlos und ohne Wecker gleiten wir nachts in die Sommerzeit hinüber und schälen uns erst gegen 9 Uhr aus dem Bett, um in einen neuen Tag hineinzuwandern. Spontan entscheiden wir uns für die Jauerling-Runde, die wie gestern gleich mal steil beginnt, dann aber einer Höhenkante entlang dem fröhlichen Gesang der Vogelwelt folgt. Ein spätes Frühstück, bestehend aus knatschigem Kornspitz und pikantem Liptauer wird auf einem sonnenbeschienen Granitfelsen eingenommen. Die Schmetterlinge rund um uns sind ganz zappelig und lassen sich nicht leicht fotografieren. Auf Abenteuersuche verlassen wir den Forstweg und stürmen in schleppenden Schritten einen steilen Hang nach oben, um auf einen anderen Weg zu treffen. Der halbe Wald befindet sich danach in meinen Schuhen. Da die Sehnsucht nach Sonnengekitzel auf der Nase und entspannter Beinstellung bei der Einnahme eines kühlen Getränks stärker ist als eine Asphaltstraße zu erklimmen, drehen wir alsbald um, um dann wieder den Weg zu verlassen, in der Annahme, dass es da weitergeht, Sackgasse! Aber anstatt umzudrehen, rutschen wir den Hügel bergab, ich im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Po und dem Rucksack liegend. Zum zweiten Mal ist der Wald im Schuh. Knapp vor dem Verlassen des Waldes, in einem Moment der geistigen Abwesenheit mache ich dann einen für mein rechtes Knie sehr schmerzhaften Köpfler über eine unscheinbare Wurzel – Ja – AU – JAUL – Jauerling: alles klar? 2 Wochen vor dem Marathon, 5 Wochen vor dem World Life Run und zwei Monate vor der Grande Tour, Teil 2 (yipppiehh!!), kein erfreuliches Hoppala, aber mit einem Eis im Magen und einem Coolpack wird´s schon wieder. Die schönen Sonnenstunden machen jeden Kratzer wett! Bodo: gut gemacht! Das Wochenende war SPITZ-e!

Bunt wie ein Papagei

In der Fastenzeit schaue ich ja kein Grey´s Anatomy (obwohl: es werden alle Folgen aufgezeichnet, sodass ich nach Ostern stundenlang Liebe, Drama, Operationen nach-schauen kann), aber gestern, nachdem ich nach einem Seminar-Vortrag vor 13 Männern etwas geschlaucht und auch das Buch „Das 13.Opfer“ ohne das kleinste Happy End bis zur letzten Seite ausgelesen war, „durften“ wir uns eine Folge Universum anschauen über die Tierwelt am irischen Fluss Shannon. Die Vogelwelt hier deckt sich farblich gesehen sehr mit der Umgebung, abgesehen vielleicht vom bunt schillernden Eisvogel, der sich in einem brillanten Blau (übrigens genau dieser Blauton findet sich in meinem neuen Outlet-Hosenanzug-Schnäppchen wieder!) wagemutig zum zielorientiert-erfolgreichen Fischfang ins Wasser stürzt.

Heute morgen um halb 6 war ich dann als Early Bird auf der (Lauf-)Piste unterwegs Richtung Prater und Donauinsel, also dem Wiener Naherholungs- und Naturgebiet. Aber weit gefehlt, dass ich mich in zurückhaltendem Camouflage mit der Natur verband, nein! Heute Morgen musste es knallig sein: das Oberteil in einem kräftigen Violett, die Capri-Tight schreiend neongelb (!!!), darüber die wild gemusterte Hot-Short von Stella Mc Cartney – und meine Laufschuhe sind von Natur aus grell-pink mit ein bisschen neon. Ich dürfte in diesem Outfit an einem so ruhigen Sonntag-Morgen wie heute, einem Morgen, der auf einen regnerischen Nachmittag hinsteuerte (das kurze Frühlingserwachen wird gerade von Regen und Schnee aus West und Süd zum Wanken gebracht), wohl die Vögel zum Erschrecken gebracht haben, und den anderen Frühaufstehern – diese nur sind HundebesitzerInnen und andere Lauf-Mutige – die Augen zum Bersten.

Ich jedenfalls verspürte eine gewisse Heiterkeit in meinem Kopf und eine Beschwingtheit in meinen Beinen (so wie am Freitag, wo ich bei wärmere Temperaturen das neue ärmellose Trikot in Magenta an hatte). Auch beim Yoga ist mir dieses Farb-Phänomen schon aufgefallen: ich habe mir einmal eine lange enge Tight in zwei Rosatönen gekauft. Jedes Mal, wenn ich nun diese zur Yogapraxis auf meiner knall-orangen Yogamatte anziehe, fühle ich mich viel leichter und geschmeidiger im Sonnengruß, als wenn ich schwarz oder anthrazit trage. Und bei Yogamatten in dunklen Farbtönen werde ich geradezu depressiv – komisch oder?

Um zum heutigen Lauf-Outfit zurück zu kommen: Bodo, den ich im verschwitzten Zustand nicht umarmen darf (warum eigentlich?), meinte nur indigniert mit leicht rollendem Augen-Umschlag: du bunter Vogel du! Soll so sein. Jetzt weiß ich jedenfalls, dass ich beim Marathon in 3 Wochen (jetzt sind es nur noch drei???!!!) irgend etwas knallig Buntes an mir tragen muss, damit in meinem Kopf ein bisschen Fröhlichkeit erhalten bleibt, wenn´s dann zäh wird; meine Beine wissen ja dem Grunde nach, was sie zu tun haben: Schritt um Schritt dem Ziel entgegen schweben / trotten / schlurfen / hinken – what ever – Hauptsache, ich sehe die 42 km durch die rosarote Brille und nicht durch einen salzigen Schleier.

Der Ausflug

Wir hatten in der letzten Zeit echt viel Stress im Büro. Besonders eine liebe Kollegin hat sich zum Thema Bemusterung von Möbelstücken echt ins Zeug gelegt. Deshalb wohl hatte sie die Idee, dass die Mädels aus dem office – so sie denn möchten – gemeinsam am frühen Nachmittag die heiligen Stätten von Emails, Besprechungen und Protokoll schreiben zu verlassen, um berufliche (und private) Gesprächen in einer frauenspezifischen Atmosphäre weiter zu führen. Nein, wir sind nicht im Spa abgetaucht (wobei das eigentlich auch keine schlechte Idee gewesen wäre), sondern Richtung Neusiedler See entschwebt, um im Outlet unsere Sorgen in Klamotten umzutauschen. Ich muss gestehen, dass es mir nicht ganz so leicht gefallen ist, den Computer herunter zu fahren. Dem gegenüber stand aber der social-factor, den Kolleginnen auch mal zu zeigen, dass ich außer Arbeitsbiene auch ein „Kumpel“ bin. Und dank meines ausgezeichneten Zeitmanagements musste ich nichts Schwerwiegendes zurücklassen. So let it be! Außerdem, wann komme ich sonst in den Genuss, das mir nur überfüllte Outlet in Parndorf einmal unter der Woche kennen zu lernen, wo es so verdächtig ruhig ist, dass der Verkäufer beim Gucchi krampfhaft überlegt, welche Schuhe mir passen könnten und die Mädels bei Liebeskind Berlin mir ein Gläschen Sekt-Orange anbieten wollten (abgelehnt, weil derzeit ohne Alkohol unterwegs … Ihr wisst: die berühmten 40 Tage, die eigentlich weit mehr Tage sind …). Schon am Parkplatz trennte ich mich von den vier Ladies, denn zum Esprit wollte ich nicht. Dafür 4 Geschäfte weiter: ein blitzblauer leicht glänzender Hosenanzug mit Krokoprint von Frieda & Freddie New York! Rein ins Geschäft, die Hose auf Anhieb in der richtigen Größe, der Blazer dann doch eine Nummer kleiner; nichts kneift am Hintern, meine Oberschenkel und Waden schmiegen sich an den weichen Stoff – gebongt. Eigentlich hätte ich mich mit dieser Beute ruhig in die Sonne setzen können. Aber wo ich schon mal da bin – habe ich nichts weiter gefunden als 2 T-Shirts und ein Sport-Shirt (das ich grad eben bei einem 110 Minuten Abendlauf (was ganz Unübliches für mich, wo ich doch ein Early Bird bin, aber ich war heute schon um 7 Uhr im Büro .. also doch ein bisschen schlechtes Gewissen beruhigen?) Verwunderlich: keine Schuhe. Bei kurzen Boots in leicht glänzendem Braun und einem sackartigen Stricküberwurf – reduziert auf € 20,- – wäre ich fast noch schwach geworden, aber ein bisschen Vernunft ruht dann doch in meiner Brust!

Auch die anderen haben schöne Beute erjagt: Seidenkleid (wahnsinnig runter reduziert) bei Windsor und Burberry-Kurz-Trench (regulär ein Vermögen / reduziert eigentlich noch immer, aber die Freude war und ist riesig!) Ausklingen ließen wir den Abend in der Mole West am Ufer des Neusiedler Sees mit einem tollen Fenster-Platz und lauschiger Abendstimmung. Unsere Gespräche sehr heiter bis sehr ernst.

Abgesehen von meinem persönlichen Erfolg (wann ziehe ich den Anzug das erste Mal an?) war dieser Ausflug irgendwie Kraft gebend. Ob es am schönen Sonnentag lag oder an der Null-Hektik oder einfach, weil ich mal ein bisschen „Freiheit“ schnuppern durfte, kann ich nicht sagen. Es war sehr nett mit den Mädels!

Der Pelz nimmt Reißaus

Einen Tag vor dem letzten Vollmond im Winter 2013/14 führten mich eilige Schritte zum Friseur, denn nach gut 12 Wochen Haarwucherei standen meine Locken mit finsterem Kringel zur Seite und am Haaransatz schimmerte es fein silbern durch – und das nicht nur bei Mondschein. Schon seit einiger Zeit schlummerte in mir der Wunsch nach „wieder kurz“, wobei das bei mir relativ zu werten ist, haben meine Haarspitzen denn noch die meine Schulterblätter auch nur annähernd berührt. Mit einem Foto aus jüngeren Tagen (von vor ca. 6 Jahren halt) in der Tasche versuchte ich meiner Friseuse J. klar zu machen, dass sie da mal ordentlich zur Schere greifen muss – was sie dann auch tat, anfangs vielleicht ein wenig zaghaft, dann aber mit zunehmendem Mut. Dass die Haare dann im trockenen Zustand noch mal um eine Oktav raufspringen, hat sie vielleicht nicht so ganz durchdacht.

Daheim habe ich dann nicht unbedingt die anerkennenden Worte gespendet bekommen, die frau so dringend braucht, wenn sie frisch vom Friseur kommt und auch nicht so ganz sicher ist, ob das jetzt so ganz genau so geworden ist, wie im Traum erhofft. Die erste Zeit nach dem Friseur ist bei mir immer die schrecklichste. Das Haar duftet zwar fein und überall sind feine Rest-Härchen verstreut. Aber es besteht so eine Art Rest-Zweifel. Schau ich jetzt besser aus als vor dem „Eingriff“. Nun ja, die grauen Haare sind wegretouchiert, das ist schon mal ganz wichtig. Und da meine Locken sowieso im Laufe des Tages sich mehrfach überlegen, überdrehen und machen, was sie wollen, ist der Schnitt beinahe nebensächlich. Außerdem haben Haare eine ganz wesentliche Eigenschaft: sie wachsen nach!

Ich fühl mich jedenfalls ganz wohl – so, wie es jetzt ist. Frecher um die Ohren, frecher im Nacken, mit oder ohne Haarband zu tragen.

Komisch war, dass in der Zeit, wo ich mich mit der Haarpaste am Kopf unter der Hitzehaube fadisierte, auch einige andere Frauen mit dem dringenden Wunsch kamen: der Pelz muss weg – mit einem Wort: wenn der Frühling Einzug hält, muss der Winter Haare lassen!