Das Ufo ist gelandet

Eine Ära ist nun zu Ende gegangen: nach 8 Jahren darf ich sagen: das Ufo ist gelandet!

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Abseits von Star Wars und Raumschiff Enterprise ist gestern das Gebäude, an dem ich die langen Jahre mitarbeiten durfte, (teil-)besiedelt worden. Bis vor kurzem war es noch eine Baustelle, wo viele fleißige Arbeiter mit Geduld, Können und manchmal auch fehlendem Hausverstand gewerkelt haben. Jetzt sind es Menschen im Anzug und Kostüm oder auch legerer Bekleidung, die der kleinen Stadt aus Glas erst so richtig Leben einhauchen werden.

Was bleibt für mich und meine Kollegen? Eine Drehtür, die bockt; eine Mieteinheit mit winterlichen Temperaturen; erboste Assistentinnen, die ihren Schreibtisch direkt an der Fassade haben wollen; ein noch zu pflanzender Garagenpylon, der den Herumirrenden den Weg zeigen soll; ein Restaurant, das schon ungeduldig auf den Ausbau wartet, um mit Stäbchen hungrige Mäuler kitzeln zu können; das ängstliche Facility Management will beruhigt werden; und einiges mehr – langweilig wird es, scheint mir, noch lange nicht.

Was derzeit aber überwiegt, sind gemischte Gefühle:

Erleichterung: geschafft und endlich vorbei! /

Wehmut: eine spannende und aufregend-aufreibende Zeit ist dahin! /

Neid: warum dürfen die einziehen und ich nicht? /

Stolz: ich war ein Teil davon! Ich werde immer ein Teil davon bleiben!

Rechenschreck

Eine schreckliche Rechnung:

Gestern in 13 Monaten bin ich 100 minus zwei Mal 5 zum Quadrat!

oder andersrum:

Wenn ich 2066 zurückschauen könnte, würde ich sagen, dass ich von heute gesehen noch mal solange plus 365x24x60x60 Sekunden vor mir hätte, um noch immer einen ganzen Monat zu brauchen, um endlich dort ankommen zu können, wo ich mich zum Zeitpunkt meines Rückblicks gerade befinde.

Wem das jetzt zu hoch ist, schaut einfach im Kalender nach! 🙂

Das Hoppala des Tages

Sonntag – Sonne – Frühstück am Balkon! Knuspermüsli und Milch in einer weißen Porzellanschüssel mit knautschigem Gesicht. Alles perfekt – es fehlt allein noch die passende Sitzgelegenheit. Bodo hat seinen Liegestuhl. Ich will den weißen Kunststoff-Stuhl … Flux (im Internet leicht zu googlen) … passend zur Müslischüssel als meinen Frühstücksthron! Allein, es handelt sich um einen zerlegten Faltstuhl, den wir an sich schon mehrmals zusammengesteckt und auseinander genommen haben. Ich könnte ja auch den Stuhl nehmen, der schon fertig im Raum steht – aber nein: es muss der andere sein, der, der den Winter über in einer verstaubten Ecke geschmollt hat. Im Video sieht das Zusammenbauen immer ganz easy aus. Stehst du dann aber vor dem Drumm, hast du Kniff und Dreh wieder vergessen. Bodo mit seinen analytischen Fähigkeiten nimmt sich der Sache an; ich bin da viel zu ungeduldig. Nach ein paar Minuten kann ich mich niederlassen und genieße die frühsommerliche Atmosphäre. Beine hoch auf Bodos Stuhl und Mund auf fürs Müsli. …. Dann: pautz-knatsch-flupp und wie auch immer gibt der Stuhl unter meinem Gewicht nach, mit ungläubigem Blick und weit aufgerissenen Augen klappe auf zwei Mal mit dem Flux in sich zusammen, strecke instinktiv zwar noch annähernd waagrecht den Arm mit dem Müsli in die Höhe, was aber nicht verhindern kann, dass erschrockene Milchtropfen auf Haut, T-Shirt, Shorts und Terrassenboden springen. Bodo verschluckt sich fast an seinem Müsli, weil er seinen Lachanfall nicht unter Kontrolle bekommt, ist aber zumindest geistesgegenwärtig genug, schnell die Küchenrolle zu holen, derweilen ich die Knusperflocken vom Boden aufsammle und mich mit dem Rest an Würde, der mir noch geblieben ist, wieder aufrapple. Zum Glück kann ich ganz gut über mich selbst lachen 🙂

Flux ist jetzt richtig zusammengebaut und stabil – ich habe es bereits getestet (allerdings ohne Speis und Trank in meiner Hand).

Und NEIN – es gibt von diesem Hoppala KEIN Video auf U-Tube und nicht einmal ein Foto! … frei nach dem gestern für sein Lebenswerk gewürdigte André Heller: die wahren Abenteuer entstehen im Kopf!

Hans Guck-in-die-Luft 2.0

Wer kennt nicht die lehrreiche Geschichte in Heinrich Hoffmann´s Struwwelpeter vom Hans Guck-in-die-Luft? ….

Wenn der Hans zur Schule ging,
Stets sein Blick am Himmel hing.
Nach den Dächern, Wolken, Schwalben
Schaut er aufwärts allenthalben:
Vor die eignen Füße dicht,
Ja, da sah der Bursche nicht,
Also daß ein jeder ruft:
„Seht den Hans Guck-in-die-Luft!“

… Wer den weiteren Verlauf der Geschichte nicht mehr in Erinnerung hat: sie endet mit durchnässtem Gewand und heftigem Bibbern.

Dass dieses „Kinder- und Erziehungsbuch“ aus 1845 aus heutiger Sicht in sich einen brutalen Ansatz birgt, sei dahin gestellt. Märchen strotzen ja auch vor Gewalt, Intrigen und sonstigen bösen Tugenden.

Heute, 170 Jahre später, erlaube ich mir eine Neu-Interpretation dieser Geschichte, die sich aus täglichen Beobachtungen manifestiert:

Szenario 1: vor dem Belvedere steigen 30 Asiaten aus dem Reisebus, bewaffnet mit Kamera, seit Neuestem auch mit Selfie-Stick. Sie sind nur auf den Picture-Point fokussiert, dem sie mit schnellen kleinen Schritten entgegen trippeln, um als Erster dort zu sein – alles andere rundherum wird ignoriert. Noch schlimmer ist dieses Verhalten in der City: da fallen die Köpfe weit in den Nacken, weil die Gebäude so hoch und die Gassen so eng sind. Einheimische sollten  einen möglichst großen Bogen um diese Spezies machen!

Szenario 2: die innige Beziehung zum Smartphone geht mittlerweile so weit, dass man auch auf der Straße nicht mehr die Augen von der gerade installierten App lassen kann. Nicht jeder ist in der glücklichen Lage, dabei  gleichzeitig auch den Gehapparat zu bewegen. Und wie blöd, dass es Laternenmasten gibt, die nicht ausweichen. Ich muss zugeben, dass ich manchmal dazu geneigt bin, als Laternenmast getarnt einfach stehen zu bleiben und den Smartphone-Junkie auflaufen zu lassen – tue ich dann natürlich nicht, aber ich mache bewusst erst möglichst knapp vor dem Aufprall einen Schritt zur Seite – das Gegenüber soll ruhig meine Aura spüren und kapieren, dass man als Verkehrsteilnehmer aufmerksam sein muss.

Sonst gibt es bald Horrorgeschichten zu Hans Guck-in-die-Luft 2.0!

 

 

Die 50-Schatten einer Hysterie

Ehrlich: wer hat den Pageturner „50 Shades of Grey“ nicht gelesen? Die paar wenigen können sich jetzt entspannt zurücklehnen. Die vielen anderen hingegen verbringen die nächsten Stunden und Tage in fiebriger Vor-Ekstase, bis die Kinosäle mit ihrer so passend dunkelroten Samtbestuhlung endlich, endlich der liebeshungrigen Bevölkerung die Tore öffnen. Deutsche und Österreicher sind hierbei on top. So viel vorreservierte Karten wie noch nie! Am 14.2. sollen 85% aller Kinovorstellungen nur dieser einen Buchverfilmung gewidmet sein. Werden da statt Popcorn und Tacos Seidenschals, Kondome und Gesichtsmasken ausgeteilt werden? Was verspricht der Film? Was verspricht man sich vom Film? Ist der Film auf 2D oder gar auf 3D? Werden mehr Frauen oder mehr Männer sich weiter bilden wollen? Werden die Mädels ihre Lover mit in den Film schleppen, damit diese endlich kapieren, was Erotik bedeutet? Noch umstritten sind die Meinungen, ab welchem Alter der Film freigegeben werden soll … so viel Hype um schlappe 90 Minuten Soft-Porno. Ist das Thema so neu? Sind Filme, wie die Venusfalle, Emanuelle, Lolita, usw. alle schon vergessen? Braucht unsere Zeit eine Alternative zu War-Games, Science Fiction und Tatort? Sind alle wieder voll auf Kuscheln aus? (kalt wär´s ja!)

Ich bin noch auf der Suche nach dem Verstehen …

Und was mich betrifft: Ja, ich habe alle drei Teile gelesen – mein subjektives Resümee:

Teil 1 fand ich zugegebenermaßen ganz prickelnd. Bei Teil 2 allerdings brachten mich die wiederholt ähnlichen Erotikszenen  schon zum Gähnen. Und den 3.Teil fand ich dann einfach nur mehr langweilig. Bücher dieser Art enden nicht im Ehe-Alltag, sondern bleiben dort stehen, wo man noch die rosarote Brille trägt und von Schmetterlingen im Bauch getragen wird.

Den Film werde ich mir nicht anschauen – zu viel Sabberei am roten Plüsch!

Tantendasein

Anna ist da – seit 22.10.2014, kurz nach 18:00.

Zeitgleich animierte ich im Fitness-Studio an die 30 Girls zu Squats und Sit-Ups und anderen shaping exercises – man kann ganz einfach auch Bauch-Beine-Po dazu sagen. Ich habe wahrscheinlich gleich viel geschwitzt wie der zum Papa werdende Bruder, aber weniger Spannung im Bauch verspürt wie die neue junge Mama, die nach 9 harten Monaten endlich preis gab, was da im Verborgenen heranwuchs.

Anna ist meine Nichte.

Was bedeutet es, Tante zu sein? Ich brüte gerade über der Antwort. Bin ich sonst meistens recht wortreich, auch wenn die Worte in ihrer Kombination und Abfolge nicht immer Sinn ergeben oder wenig diplomatisch sind – oft spricht hier der Bauch schneller als der Kopf -, so rutsche ich auf dieser einfachen Frage herum wie ein nasser Popo auf einer Seifenlauge.

Als Tante bist du weder Mama oder Oma, trägst damit weit weniger Verantwortung und ziehst in Erziehungsfragen stets den Kürzeren.

Als Tante wirst du selten die prall gefüllten Stinkbomben gegen sauber riechenden Zellstoff wechseln müssen.

Als Tante darfst du ab und dann das Flascherl reichen, auch wenn du das (zumindest beim ersten Mal) mit leicht verkrampfter Ellbeuge machst.

Als Tante wirst du zu Zeiten, wo schenken angesagt ist, in Babyboutiquen das Herz an putzig-flauschigen Stramplern verlieren, die du sinnvollerweise gleich ein wenig größer kaufst, damit die Kleine, für die Fashion nur halb so wichtig ist wie ein sattes Bäuerchen nach der Raubtierfütterung, länger daran Gefallen findet.

 Als Yoga-Tante wirst du mit der Kleinen bald den abschauenden Hund im Galopp machen und nach einem Babysitter-Nachmittag erschöpft in Savasana (Totenstellung bzw. etwas positiver ausgedrückt: Endentspannung) fallen.

Als Tante solltest du immer ein wenig Kleingeld dabei haben, um das Taschengeld aufzubessern.

Als Tante bist du hoffentlich dann eine gute, verständnisvolle Freundin, wenn der erste Liebeskummer die Augen anschwellen lässt und die Nase vom Rotzen knallrot ist. … ich mag nur nicht daran denken, dass ich, wenn mit diesem Herzschmerz zu rechnen ist, schon längst die magisch-schmerzhaften 50 überschritten haben werde – Anna, kannst du bitte schon im Kindergarten das erste Mal unglücklich verliebt sein?

Was bedeutet es, Tante zu sein?

Ein Mann sieht Gelb

Die folgende, absolut ernst zu nehmende Anekdote ist die Nacherzählung eines in bildhaften Worten geschilderten Dramas in einem Akt, denn die Krisis zeigt sich schon nach dem ersten Bühnenbild und der Höhepunkt ist schnell erklommen.

Bodo war einer der ersten, der aufs Handy-Parkticket umgestiegen ist, sich damit gleich einen Strafzettel eingefangen hat, um dann im persönlichen Gespräch der Behörden-Dame das jüngst ins Leben gerufenen System zu erklären. Man sieht: Personalschulung ist etwas, was im Servicebereich offensichtlich nicht mehr stattfindet. Aber einer muss sich halt als erster mit neuen Angeboten, die das tägliche (und abendliche) Leben erleichtern sollen, beschäftigen / testen / bewerten – weiter empfehlen oder ablehnen. Aber das ist eine …. andere …. Geschichte und mittlerweile Vergangenheit.

Daher zurück zur Gegenwart:

Bodo und ich sind mit der Zeit begeisterte Online-Shopper geworden, ich zugegebenermaßen schwerpunktmäßig im Fashion-&Sport-Bereich (Zalando, Impressionen, Best Secret, Adidas, Run21, um die wichtigsten zu nennen), Bodo ist auf der Amazon-Beliebtheitsskala unerreicht, benötigt er doch technische Goodies, um sein Computer- und Fotografen-Herz höher schlagen zu lassen. Damit ist klar, dass es regelmäßige Paketlieferungen an unsere Adresse geben muss.

Wenn unser Vermieter gerade nicht daheim ist, um unsere Pakete in Empfang zu nehmen und wir im Postfach oder an der Tür klebend eine Verständigung der Post vorfinden, trabt Bodo immer brav zur uns zugewiesenen Poststelle, reiht sich in die Schlange der Post-Kunden an, verweigert jedes Mal das Einscannen seines Führerscheins – denn es widerstrebt ihm zu Recht, dass persönliche Daten auf einem Server außerhalb seiner Kontrolle abgelegt werden. Die Gefahr von Identitätsklau und anderen missbräuchlichen Schandtaten werden uns ja tagtäglich vor Augen geführt – nicht nur die NSA lässt grüßen, auch Adobe, Visa und viele anderen mussten eingestehen, dass ihre ach so sicheren Server gehackt wurden. Es ist eine Frage der Zeit, dass auch die Postserver auf der Begehrlichkeitsliste der Datensammler stehen. Paranoia oder nicht: er weigert sich beharrlich und der Schalterbeamte muss stets seine Führerschein-Nummer abtippen.

Daher ist das Glitzern in seinen Augen verständlich, als eine Information ins Haus flattert: Die Postpaket-App ist da! Registriere dich – Formular, Ausweis-Kopie und Unterschrift inbegriffen – und dir öffnet sich ein neues Leben, denn du wirst per Mail oder SMS freundlich benachrichtigt, wenn Amazon oder Zalando zu dir wollen, du bestimmst, wo du das Paket abholen willst – dass eine Postbox nur ein paar Schritte von der Wohnung entfernt Tag und Nacht bereit steht – entlässt dich der Verantwortung, zu für Berufstätige wahrlich unmögliche Öffnungszeiten, zum Postamt zu eilen.

Bodo freut sich, all der aufgestaute Frust, den er seit einiger Zeit gegenüber dem Postwesen hegt (Filialen schließen, die Warteschlange ist lang und länger, für manche Kundinnen ist der Beamte hinter dem Schalter Beichtvater und Seelsorger in einem – nur: warum muss ich das mit anhören?), scheint ein Ende zu finden, als endlich die Bestätigung einlangt, das man geprüfter und registrierter Post-App-Kunde ist.

Jetzt heißt es, nur noch warten, bis sich das nächste Paket ankündigt; ausprobieren, ob das mit dem Umleiten auch so funktioniert wie mit großen Worten versprochen.

Amazon ante portas!

Und dann Verwunderung – Enttäuschung – aufsteigender Ärger: ein gelber Verständigungszettel im Postkasten. Aber wo bleibt das Verständigungsmail? Bodo checkt seine 148 Mails – nein, er will nicht die Welt retten, er will nur sein Packerl umleiten und dann bequem zur Postbox hinüberspazieren. Kein Mail!

Da sieht Bodo Gelb!

Bodo wählt die Post-Hotline – Warteschleife, was sonst.

Dann endlich eine junge Stimme am anderen Ende der Leitung, die zum Opfer seiner kräftigen Schimpftiraden wird: Warum bekomme ich für die Sendungsnummer xy keine Mailbenachrichtigung? Sie zaghaft: das geht nicht, weil es sich um einen Paketbrief handelt. Die Umleitung geht nur bei Paketen!

Bodo explodiert in Neon-Gelb.

Die junge Stimme wird von einer erfahrenen älteren Stimme mit Tiroler Akzent unterstützt – Stimme jung ist noch in Ausbildung und solchen Stress-Situationen nicht gewachsen. Der Souffleur windet sich und kommt damit (lasst es Euch auf der Zunge zergehen): Wien ist anders, denn hier werden Paket-Briefe vom Brief-Träger NICHT ausgeliefert, sondern verbleiben brav im Postamt…, mitgenommen wird nur der vorausgefüllte gelbe Benachrichtigungszettel!!.

Bodo hat gelben Schaum vor dem Mund!

Letzte Frage: kann ich den Paket-Brief beim Postamt abholen kommen – jetzt?

Die alte Stimme: nein geht nicht, weil erst ab 16:30 möglich. Es ist wohlgemerkt 16:25!

In Bodos Kopf schraubt sich die Entrüstung zu einer himmelstrebenden Spirale hoch – die Erkenntnis trifft ihn mit aller Gewalt: Wenn der Paket-Brief das Postamt nie verlassen hat, warum, bitte, kann man ihn erst ab einer bestimmten Uhrzeit, nämlich zu einer, wo viele andere Menschen auch zur Post gehen, um ihren Paket-Brief abzuholen – also Warteschlange vorbestimmt – in die schweißnasse Hände gedrückt bekommen?

Darauf Stille am anderen Ende der Leitung. Erleuchtung oder am Ende des Postler-Lateins?

Gibt es eine Steigerung zu Dunkel-Gelb? Loderndes Feuer vielleicht?

Denn in genau dieser „heiteren“ Stimmung hechtet Bodo nun zum Postamt, in der Erwartung eines Deja-vu. Aber als wäre von oben ein direkter Befehl ausgesprochen worden, ist die Schlange dieses Mal ein kleines Würmchen, keiner fragt nach seinem Ausweis, keiner will eine Unterschrift von ihm – nur ein Traum oder waren alle vorgewarnt, dass da ein Gelbgesichtler hereinstürzen wird, dem Amok nahe?

Das Gelb verblasst nur ganz langsam,

denn vor der Türe wartet ein anderes Ärgernis – in Form eines seit Monaten offensichtlich missbräuchlich aufgestellten Halten-Verboten-Schildes und eines kaum lesbaren, wohlgemerkt abgelaufenen, Bescheides, der es der benachbarten Botschaft eines mittlerweile sehr beliebten Urlaubslandes ermöglicht, hier 3-Auto-lang zu parken, wohingehend Postkunden meistens durch die Finger schauen und eine Ehrenrunde um den Häuserblock drehen müssen.

Aber das ist eine Geschichte für zukünftige Sozialstudien!

Man lernt nie aus

Das Phänomen Computer. Programme, ungeahnte Verknüpfungen und Verbandlungen, die den Umgang im täglichen Leben erleichtern sollen und dem Arbeiten einen spielerischen Touch geben sollen.

Meine Eltern gehören ja noch zu einer Generation, die mit Stenographie, stromloser Schreibmaschine und Wählscheiben-Telefon aufgewachsen sind. Der Sprung in die ach so hippe virtuelle Welt, wo Daten von unsichtbarer Hand und sensiblen Nervenbahnen von A nach B transportiert werden, oft schneller als ein Wimpernschlag, ist für Menschen, die in den wilden 50ern mit Petticoat und hochgestrafftem Pferdeschwanz getanzt haben, die sich in den 60ern mit ehrlicher Überzeugung das Ja-Wort zugehaucht haben, die in den nächsten 20 Jahren dann mit der Erziehung Ihrer Brut beschäftigt waren, die in den 90ern mit den ersten Wehwechen zu kämpfen hatten, die jetzt noch immer dann und wann im Schilling und nicht im Euro rechnen, nicht so leicht, wie für ein heute geborenes kleines Wesen – sei es meine gerade geschlüpfte Nichte, seien es die Kindergartenkinder meiner Nachbarn -, das mehr oder weniger das www-Gen in den Windeln eingepflanzt hat.

Ich bin so mitten drin. Auch ich habe noch einen Stenographiekurs besucht, aber schon auf der elektronischen Schreibmaschine die 10-Fingertechnik gelernt. Das Architekturstudium habe ich noch mit Tuschestiften und Schablone absolviert. Erst den Text zur Diplomarbeit habe ich in einen Computer reingetippt. Ausdrucke waren kaum leserlich, da auf Tintenstrahldrucker und Endlospapier. Zuerst wurden die Daten auf einer Floppy-Desk abgespeichert, dann kamen die kleinen quadratischen. Von USB und CD/DVD noch keine Rede!

Ich bin stiller, meist ungeduldiger und hin und wieder verzweifelter User. Seit mehr als 12 Jahren mit einem autodidaktischen Computer-Freak zusammen. Was uns unterscheidet: er hat keine Angst, er weiß, bis in welche Tiefen er abtauchen muss, um ein Hindernis beheben zu können, er probiert auch mal schon was aus – nachdem er eine Sicherung durchgeführt hat – und er ärgert sich auch schon mal sehr laut, wenn etwas so gar nicht funktioniert. Das ist dann der Zeitpunkt, wo ich mich ganz leise verhalte oder einladend das Fenster öffne, damit er den ganzen Krempel auf die Straße werfen könnte – was natürlich nicht passiert.

Die Abhängigkeit ist mittlerweile enorm. Alltag und Freizeit werden von Notebooks, Tablets und Smartphones bestimmt und dominiert.

Wie könnte ich sonst aber meine Gedanken in alle Welt hinausposaunen?

Warum habe ich nach langjähriger Ablehnung sofort Gefallen an meinem neuen Firmenhandy gefunden. Vorbei die Zeit des groben Drückens – die Menschheit sehnt sich nach Streicheln und sanften Berührungen. Daher gibt es jetzt wohl auch die Smartphones.

Und gerade eben – das mit der Auslöser für diesen tiefsinnig-irrelevanten Blog – haben wir eine Eigenschaft entdeckt, die es mir erlaubt, direkt aus dem Word eine Verknüpfung mit meiner Blogseite herzustellen – phänomenal!

Aber: schaut aus dem Fenster – ein strahlender Novembersonntag, ich sitze mit nackten, wenn gleich auch schon leicht erfrorenen Füßen auf dem Balkon und lasse mich von den mittäglichen Sonnenstrahlen an der Nase kitzeln. Und was tue ich? Dank technologischer Entwicklungen liegt jetzt ein Computer auf meinen Knien, kein Stromkabel wickelt sich schlangenartig um meinen dünnen Hals, und ich kann absolut entspannt und lässig meine in jungen Jahren erlernte 10-Fingertechnik trainieren.

Trotzdem: der heutige Morgenlauf im Wald, ganz ohne Technik (nicht mal Musik in den Ohren), war schon auch recht geil. Ich habe mich geradezu gefühlt wie ein flinkes Bit/Byte im Schwarm rund um die Welt!

Following the IT

Mein Fotograf meinte zu meinem gestrigen Blog, dass meinerseits ein bisschen Neid zu verspüren gewesen wäre, weil ich mich nicht als It-Girl bezeichnen kann. Und außerdem sei ich einem Irrtum auferlegen, denn „IT“ bedeutet richtig betrachtet „mit dem gewissen Etwas“ – mmmh, unter diesem Aspekt gesehen, meine ich, dass jede Frau, jeder Mensch das gewisse Etwas in sich trägt, sei es mikrobenklein, gebirgsgroß oder so groß wie ein hohler Kürbis. Wahrscheinlich kommt es auf den einzelnen drauf an, was er mit dem „IT“ anfängt / anfangen will.

Ein richtiges IT-Girl will jedenfalls im Scheinwerfer-, Blitz- und Rampenlicht stehen, macht die Nacht zum Tag und genießt jegliche Art von Aufmerksamkeit und fühlt sich allseits geliebt.

Aber auch eine graue Maus hat den IT-Faktor, bleibt aber lieber unbeachtet; der Beliebtheitsgrad ist nur wenigen Vertrauten vorbehalten und mit weiteren Liebesbezeugungen wird gegeizt. Ist eine graue Maus, ist ein Mauerblümchen dadurch weniger glücklich als ein IT-Girl Glück vorzutäuschen vermag?

Eine graue Maus leidet leise, Tränen werden nur am Klo, unter der Dusche oder ins Kopfkissen vergossen. Gerät ein IT-Girl in den Zustand der Verzweiflung, wird lauthals und hysterisch getwittert / gepostet und wie auch immer gebrüllt.  Aber brauchen nicht beide gleichermaßen jemanden, der einen zum Trösten in den Arm nimmt?

Nein, ich bin kein schrilles, lautes IT-Girl – und nein, ich bin nicht neidisch, denn ich weiß, dass auch ich einen Funken des gewissen Etwas in mir trage. Ich muss das nicht laut hinausposaunen und glaubt mir, ich habe mich gestern wahnsinnig darüber gefreut, dass die Verkäuferin am Bäcker-Kiosk, wo ich meistens mein Büro-Weckerl kaufe (und manchmal auch etwas Süßes), zu mir gemeint hat: „Sie sind immer so toll – so anders – so besonders gekleidet!“

Speed Dating

Auch wenn mein Ruf schon den einen oder anderen Knax davon getragen hat – bevor der Titel meines heutigen Blogs zu Missverständnissen führt: es war rein geschäftlich!

 

Man nehme:

–       einen Kongress, der Bauherren gewidmet ist

–       eine originelle Idee des Veranstalters

–       18 unterschiedliche Immobilienprojekte

–       18 Tische

–       20 Minuten

–       einen Gong

 

… und los geht´s mit dem speedigen Speech Dating!

 

Ich durfte den ganzen Tag auf „meinem“ Tisch sitzen bleiben und in Summe 6x über unser Bauprojekt sprechen, aber die (zahlenden) Kongressgäste mussten, sobald der Gong ertönte, rasch zu einem anderen Tisch hetzen, um auch hier die Informationen zu bekommen. Schlau genug war der Veranstalter, dass die Teilnehmer sich bereits bei der Anmeldung online entscheiden mussten, welche 6 Projekte sie interessiert. Sonst wäre das ein ziemliches Chaos geworden.

20 Minuten sind ziemlich wenig. Ich habe zwar wie ein Wasserfall die wichtigsten Fakten und Zahlen, untermalt von kleineren Anekdoten, von mir gegeben, aber es blieb kaum Zeit, auf die eine oder andere Frage einzugehen. Das war gezielte Absicht: 20 Minuten erwecken die Neugier, 30 Minuten führen in die Langeweile. Und für den, der mehr Informationen will, gibt es ja die im Businessleben so gern gelebte Visitkarten-Changerei und das mir so nicht vertraute Networking. Berufliche Netze zu spinnen ist in unserer Zeit aber zu einem Muss avanciert. Im Radio gibt es zwar gerade wieder die Job-Challenge: „Du musst niemanden kennen – du musst nur was können!“ In Real Life (IRL) aber ist es doch andersrum! Du musst nur jemanden kennen, um weiter zu kommen; und dabei musst du nicht einmal was können. Wie viele Positionen in höheren und niederen Rängen sind doch mit Personen besetzt, deren Fähigkeiten primär darin liegen, dass sie zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, die richtigen Drahtzieher kennen – und schwupps ist der Schreibtisch neu besetzt.

Ich muss mir langsam, aber sicher, auch über meine berufliche Zukunft Gedanken machen, denn nach diesem Großprojekt, das mich derzeit viele Stunden und auch abends im Büro gefangen hält (in den letzten Wochen war doch des öfteren diejenige, die die Alarmanlage aktiviert hat), was wartet da auf mich bzw. was wird im Arbeitsdschungel auf mich lauern? „Ich bin ein Star – lasst mich rein!“? Oder muss ich doch einige Stricke auswerfen, an den richtigen Stellen einen Knopf machen und ein feines Netzwerk weben? Es stellt sich allerdings auch die Frage: Was will ich in Zukunft machen? Speed Dating jedenfalls hat nur sehr eingeschränkt meine Begeisterung erhalten. Das ist mir zu oberflächig. Immer nur mit kleinen Kratzern einzudringen in ein Thema, ist auf Dauer zu wenig. Es muss doch auch Möglichkeiten geben, gefahr- und schmerzlos in die Tiefe zu dringen. Sind nicht Neugierde, Beharrlichkeit, Durchhaltevermögen und eine Prise Besessenheit die Eigenschaften, die Entdeckungen erst ermöglicht haben? Ich bin mit Sicherheit kein Entdecker, weil mir dazu wohl der Mut fehlt, aber ich spüre eine – wenn auch erzwungene – Aufbruchs- und Umbruchsstimmung im Keim sich entwickeln – noch sehr klein und kaum zu sehen …